Die Antarktis mit Darstellung der
antarktischen Konvergenz
und Abgrenzung zu anderen Ozeanen
Der antarktische
Kontinentalsockel
mit Umrisslinie
Karte der subglazialen (unter dem Eis befindlichen)
Topografie
und
Bathymetrie
der Antarktis
Ozeangebiete: dunkelblau
Schelfeisgebiete
mittelblau
Jede Skalen-Farbstufe = 2.500 Fuß (762 m)
Dicke durchgezogene Linie = Umriss des Kontinents,
Dünne gestrichelte Linie = Rand des Schelfeises
Die
Antarktis
(von
altgriechisch
ἀνταρκτικός
antarktikós
, deutsch
der
Arktis
gegenüber
; auch
Südpolargebiet
und
Südpolgebiet
) umfasst die um den
Südpol
gelegenen Land- und Meeresgebiete, also im Groben den
Kontinent
Antarktika
und den
Südlichen Ozean
(Südpolarmeer, Antarktik). Sie ist damit eines der beiden
Polargebiete
. Als geographisch-astronomische
Zone
wird sie durch den südlichen
Polarkreis
begrenzt und reicht somit vom Südpol bis 66°
33′ südlicher Breite. Als ozeanografische Grenze gilt die
antarktische Konvergenz
bei etwa 50°
südlicher Breite, wo das kalte antarktische unter das wärmere subtropische
Oberflächenwasser
absinkt. Seit dem Antarktisvertrag von 1959 gilt der 60. südliche Breitengrad als politische Grenze der Antarktis. Die Zone zwischen 46° and 60° Süd wird auch als
subantarktisch
bezeichnet. Seit der Definition des Südlichen Ozeans mit dem 60.
Breitengrad (2000) beginnt sich diese Grenze auch auf den Antarktisbegriff auszuwirken. Die Subantarktis bildet jeweils die Südzone der umgebenden Meeresgebiete
Südatlantik
Südpazifik
und
Südlicher Indischer Ozean
Die Antarktis wurde ab 1820 von verschiedenen Forschern und Seefahrern befahren und untersucht. Sie ist die
Antipodin
der auf der
Nordhalbkugel
über dem
Nordpol
liegenden
Arktis
. 1959 wurden im
Antarktisvertrag
Regeln für die friedliche Nutzung und Forschung für alle Gebiete, die sich zwischen 60 und 90 Grad südlicher Breite befinden, aufgestellt. Seitdem gilt die Antarktis als das größte Naturschutzgebiet des Planeten.
Dies ist besonders deshalb bemerkenswert, weil es in der Antarktis viele wichtige Rohstoffe gäbe.
Der Festlandbereich der Antarktis bildet die größte
Eiswüste
der Erde. Nur in sehr wenigen küstennahen Bereichen gehen die
Eiswüstenklimate
in
Tundrenklimate
über.
Als letzte von drei
Seekarten
der Südpol-Region veröffentlichte das deutsche
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
(BSH) Ende März 2017 die Karte des internationalen Seegebiets
Weddellmeer
und des Gebiets vor
Königin-Maud-Land
. Sie wurde mit Hilfe von Daten des Forschungsschiffs
Polarstern
sowie
Echolot
- und
Satellitendaten
erstellt. Deutschland hatte die Verpflichtung zur aktuellen
Kartografierung
des Südpols 1991 im
Protocol on Environmental Protection to the Antarctic Treaty
(„Umweltschutzprotokoll zum
Antarktis-Vertrag
“) übernommen.
Größenvergleich Europa-Antarktika
Die Antarktis als geografisch-astronomische Polarkreiszone polwärts von 66,6° südlicher Breite umfasst 21,2
Millionen
km²; die Region bis 50° südlicher Breite ist 52
Millionen
km² groß. Davon ist aber der größte Teil Ozean; nur wenige Landteile der
Antarktischen Halbinsel
ragen über den 66. Breitengrad hinaus, ebenso kleine Teile von Ostantarktika. Der Kontinent
Antarktika
ist mit fast 13,62
Millionen
km² um etwa 3,1
Millionen
km² größer als
Europa
. Die exakte Fläche des Festlandsbereiches ist nicht bekannt, weil große Teile der dauerhaften Eisbedeckung am Rande aus
Schelfeis
bestehen, das Wasserflächen wie z.
B.
Meeresbuchten
überdeckt.
Die nächstgelegenen größeren Landmassen sind
Feuerland
an der Südspitze
Südamerikas
, das
Kap Agulhas
in Südafrika sowie die Inseln
Tasmanien
und
Neuseeland
Antarktika: Mosaik aus Satellitenfotos
Antarktika
bezeichnet den
Kontinent
, der oft umgangssprachlich als „Antarktis“ bezeichnet wird. Vom 13. November 1989 bis zum 12. Februar 1990 durchquerten ihn
Reinhold Messner
und
Arved Fuchs
als Erste als Ganzes über den Südpol – in 92 Tagen zu Fuß. 2001 folgten ihnen die beiden Antarktis-Abenteurerinnen
Ann Bancroft
und
Liv Arnesen
auf Skiern.
Der
Antarktische Eisschild
(auch
Antarktisches Inlandeis
) ist eine der beiden
polaren Eiskappen
. Er ist die größte eigenständige
Eismasse
der Erde und bedeckt den
antarktischen Kontinent
(Antarktika) nahezu vollständig. Die Fläche des
Eisschildes
wird auf 13,856 Millionen Quadratkilometer geschätzt, das Eisvolumen auf 26,37 Millionen
Kubikkilometer
(Stand 2005).
Für die durchschnittliche Eisdicke wird ein Wert von 2.160 Metern angenommen, die maximale bekannte Eisdicke wurde mit 4.776 Metern in
Adélieland
gemessen.
Eine neuere Messung/Schätzung (Stand 2013) gibt eine Oberfläche des Eisschilds von 13,924 Millionen km² und ein Volumen von 26,92 Millionen km³ an.
Typisch für die Antarktis sind gigantische
Tafeleisberge
, die regelmäßig vom Schelfeis oder von Gletschern abbrechen und auf dem Meer treibend tausende Kilometer zurücklegen können. Es kann mehrere Jahre dauern, bis ein großer Eisberg vollständig geschmolzen ist; allerdings kann er dabei leicht in mehrere kleine auseinanderbrechen, zum Beispiel durch differenzielle
Meeresströmungen
. Diese Langlebigkeit großer Eisberge lieferte auch die Grundlage futuristischer Vorhaben, sie als Süßwasserspeicher, etwa mit Schleppern, nach
Afrika
oder in andere Trockengebiete zu transportieren.
Am 30. April 1894 wurde mitten im
Atlantischen Ozean
bei
26°
30′
25°
40′
-26.5
-25.666666666667
(südöstlich der brasilianischen Insel
Trindade
, die sich ungefähr auf dem Breitengrad von
Joinville
befindet) ein Eisberg gesichtet; es war die nördlichste Position eines antarktischen Eisberges, die je aufgezeichnet wurde.
Radaraufnahme (
Radarsat-1
) des subglazialen
Wostoksees
aus dem All:
Das Eis über dem See besitzt eine glatte Oberfläche
Als
subglaziale Seen
werden Seen bezeichnet, die unter einem Eispanzer oder Gletschern liegen. Insgesamt wurden unter der polaren Eiskappe der Antarktis mittels eisdurchdringendem
Radar
und
Satellitenaufnahmen
bisher mehr als 400 subglaziale Seen gefunden,
10
von denen etliche miteinander in Verbindung stehen.
11
Der größte unter ihnen ist der 1996 unter einem 3.600 Meter dicken Eispanzer ebenfalls mittels Satellitenaufnahmen entdeckte
Wostoksee
in der Nähe der russischen Station
Wostok
, welcher sich vor mehreren Millionen Jahren gebildet hat. Bohrkerne aus der Umgebung des Sees deuten auf Lebensformen im See hin. Aus Sorge vor einer Kontamination mit Mikroorganismen sollten Probebohrungen in den See selbst erst dann durchgeführt werden, wenn geeignete technische Mittel zur Verfügung stehen.
Der
Lake Ellsworth
liegt im
westlichen Bereich der Antarktis
unter ca. 3.400 m Polareis; seine von einer britischen Expedition im Dezember 2012 begonnene Erbohrung musste wegen technischer Probleme in ca. 300
m Tiefe abgebrochen werden.
12
2013 wurde erstmals ein See unter dem antarktischen Eisschild erbohrt: Im in der
westlichen Hemisphäre
der Antarktis in der Nähe des
Ellsworthgebirges
unter etwa 800
m Eis gelegenen
Lake Whillans
fand man
Mikroorganismen
Mittlerweile (April 2020) wurde auch der subglaziale
Mercer Lake
im ebenfalls westantarktischen
Marie-Byrd-Land
beprobt, dabei fand man unter der ca. 1.000 m dicken Eisschicht ein überraschend komplexes
Ökosystem
. Vor zuletzt wohl mindestens zwei Millionen Jahren war der Meeresspiegel hier so hoch, dass das Wasser bis in diese Region reichte. Dieser See unter dem Eis ist etwa so groß wie der
Comer See
, dabei hat er lt. Satellitenmessungen eine Tiefe von etwa 15
m. Im Wasser herrscht eine Temperatur von ca. 0,7 °Celsius und es besteht
Nährstoffmangel
. Dieser See ist „hydraulisch aktiv“, d.
h., er leert und füllt sich – in einem 10-Jahres-Rhythmus. Hier finden sich ca. 10.000 Bakterienzellen pro Milliliter. Ein Großteil der biologischen Aktivität wird von
chemotrophen
Organismen erzeugt: Anders als Pflanzen nutzen sie nicht Licht und Kohlendioxid, um organische Materie zu produzieren und zu wachsen, sondern
chemische Energie
aus
Gesteinen
Mineralien
und
CO
. Damit ähnelt das Ökosystem dem von heißen
Methanquellen
, den „
Black Smokers
“ in der
Tiefsee
11
Auch unter dem
Thwaites-Gletscher
gibt es, wie 2024 berichtet, eine Reihe bis zu 100
tiefer subglazialer Seen.
13
14
15
Mit dem
Mount Erebus
befindet sich in der Antarktis der südlichste aktive
Vulkan
der Erde. Der Bereich zwischen dem Antarktischen Ross-Schelfeis und der Antarktischen Halbinsel soll eine der höchsten Vulkandichten der Erde aufweisen (
->
Subglazialer Vulkan
). Bis 2017 waren 138 antarktische Vulkane bekannt, es werden jedoch deutlich mehr vermutet. Aufgrund der im Mittel 2
km dicken Eisdecke sind
vulkanische Eruptionen
von außerhalb kaum erkennbar.
16
Antarktischer Krill
Schirmqualle
unter antarktischem Eis (
Diplulmaris antarctica
, Dezember 2015)
Der antarktische Kontinent ist von einer riesigen
Packeiszone
umgeben, in der sich wegen des sauerstoffreichen Wassers eines der üppigsten
Ökosysteme
der Welt entwickelt hat. In den Meeren wimmelt es von riesigen Schwärmen antarktischen
Krills
Euphausia superba
) und anderer Kleinkrebse. Dieser Krill bildet den Anfang der Nahrungskette für die zahlreichen Meeres- und Landtiere, wie
Fische
Wale
Kalmare
Ohrenrobben
Seehunde
Pinguine
und zahlreiche
Meeresvögel
Infolge des zunehmenden
Abschmelzens der polaren Eiskappen
im Zuge der menschengemachten
globalen Erwärmung
finden typische
Pionierpflanzen
wie
Moose
auf den immer zahlreicher und öfter zu Tage tretenden Landflächen immer bessere Lebens- und Entwicklungsbedingungen vor.
17
Meeresboden mit verschiedenen
wirbellosen
Benthonten (Bodenlebewesen) vor einer Eiswand im
McMurdo-Sund
vor Viktorialand
An der Küste und auf dem Schelf der Antarktis leben insgesamt 208 Fischarten. Davon gehören 96 Arten (46
%) zu den
Antarktisfischen
(Notothenioidei), einer besonders an das Leben bei sehr niedrigen Temperaturen angepassten Unterordnung der
Barschartigen
(Perciformes). Die
Scheibenbäuche
(Liparidae) und die
Aalmuttern
(Zoarcidae) stellen 31 bzw. 11
% der verbleibenden Fischfauna. Die große Mehrheit dieser Fischarten lebt bentisch (auf dem Meeresboden).
18
Das marine
Benthal
der Antarktis, der Lebensraum am
Meeresboden
, ist von einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen, dem
Benthos
, bevölkert.
Einige Individuen dieser Bodenfauna sind schon mehrere hundert Jahre alt, was darauf schließen lässt, dass die Verhältnisse am antarktischen Meeresboden in diesen Zeiträumen keine größeren Veränderungen erfahren haben. Jedoch „pflügen“ die
Eisberge
, die jährlich vom
Antarktischen Eisschild
abbrechen und sich mit enormer Kraft ins Meer schieben, den Meeresboden um. Mindestens fünf Prozent des
Kontinentalsockels
sind durch diesen Vorgang „vernarbt“. Dies bedeutet eine durchaus große Veränderung für die lokalen Lebensformen.
Rutscht ein Eisberg ins Meer, gleitet er oft bis zu einem Kilometer über glatte Flächen, ohne im Grund steckenzubleiben. Auf seinem Weg zieht er lange Gräben in den Boden, bis er an einer Erhebung zum Stehen kommt, die deshalb auch „Eisbergfriedhof“ genannt wird. Die Zerstörungen als Folgen dieses Vorgangs und des anschließenden Abschmelzens in diesen Bereich des Meeresbodens halten über mehrere Jahre an.
Die Wiederbesiedlung des durchzogenen Bereichs beginnt mit
Fischen
, gefolgt von
Seesternen
und
Seeigeln
. Mit der Rückkehr von
Glasschwämmen
als letzte Pioniere stellt sich nach Jahrzehnten wieder ein Gleichgewicht ein.
Dieser Vorgang wiederholt sich beispielsweise am Eisbergfriedhof des südöstlichen
Weddellmeers
ungefähr alle 35
Jahre, im Bereich des Kontinentalsockels alle 230
Jahre. Auch wenn die rutschenden Eisberge eine Katastrophe für die lokalen Flora und Fauna des Meeresbodens sind, bewirken sie langfristig eine Zunahme der Artenvielfalt, da so bislang ortsfremden Arten die Möglichkeit zur Besiedlung gegeben wird.
Im Gegensatz zum vielfältigen Leben in den Ozeanen und an den Schelfeisrändern erscheinen die wenigen eisfreien Regionen, die auch als
antarktische Oasen
bezeichnet werden und die sich im Innern der Antarktis befinden, öde und leer, da hier kaum höher entwickelte Lebensformen vorgefunden werden. Stattdessen werden diese Gebiete vorwiegend von
Mikroorganismen
Moosen
und
Flechten
sowie einigen wirbellosen Tieren bevölkert. In der gesamten Antarktis gibt es nur zwei Blütenpflanzen: die
Antarktische Schmiele
Deschampsia antarctica
) und das Nelkengewächs
Antarktische Perlwurz
Colobanthus quitensis
). Durch den Menschen eingeschleppt wurden jedoch auch der
Kriechende Hahnenfuß
, die
Wassersegge
, die
Rispengräser
Poa annua
und
Poa pratensis
sowie die
Vogelmiere
. Neben diversen
Algen
wurden mittlerweile mehr als 200 Flechtenarten, mehr als 100 Arten von Moosen und
Lebermoosen
sowie etwa 30
Macrofungi
gefunden.
Die Antarktis bildet ein eigenes Florenreich, das
antarktische Florenreich
. Es umfasst die Südinsel Neuseelands, den südwestlichen Teil
Patagoniens
und den antarktischen Kontinent und beherbergt dreizehn unterschiedliche Pflanzengattungen, wie zum Beispiel die
Südbuche
Nothafagus
),
Gunnera
oder
Fuchsia
, von denen die meisten allerdings nicht in der Antarktis selbst beheimatet sind.
In den mittlerweile (2020) vereinzelt untersuchten
subglazialen Seen
unter dem antarktischen Eispanzer wurden spezielle Ökosysteme vorgefunden, die mit dem
Lebensraum
Grundwasser
vergleichbar sind.
Anfang 2021 wurden Forschungsberichte veröffentlicht, nach denen sich bei einer Eisbohrung unter die ca. 1
km dicke Eisschicht des
Filchner-Ronne
Schelfeises
, der „zweitgrößten permanenten Eisdecke der Antarktis“ „völlig überraschend“ und „absolut unerwartet“ „sesshaftes marines Leben“ fand, in völliger Dunkelheit, bei einer Wassertemperatur von ca. 2 °Celsius.
19
20
In der
Ostantarktis
fließt zeitweise stark salzhaltige, dabei zunächst transparente Salz-
Lauge
(zwei- bis dreimal so salzig wie
Meerwasser
) aus Spalten in einer
Gletscherzunge
: Kommt sie mit Luft
sauerstoff
in Kontakt,
oxidiert
das in ihr stark angereicherte
Eisen
, es „
rostet
“ und färbt das Wasser blutrot, der sogenannte „Blutfall“ (
Blood Falls
). Es wird vermutet, dass es sich hier um den Ausfluss eines großräumigen subglazialen
Aquifers
handeln könnte, in dem das Wasser sehr langsam fließt. Angesichts seiner chemischen Zusammensetzung könnte es sehr alt sein und seit Millionen Jahren von der Außenwelt abgeschlossen gewesen sein. Die starke Lauge enthält keinen Sauerstoff und bleibt selbst bei minus 7 °Celsius flüssig. In ihr leben hoch spezialisierte
Bakterien
weniger
Arten
(„stäbchen- oder kugelförmig“), die mit im Meer lebenden
Mikroorganismen
verwandt sind, was ein Hinweis auf frühere, in der Gegend wärmerere Zeiten sein könnte, als der antarktische Ozean noch tief in die Täler des antarktischen
Festlandsockels
reichte (
Fjord
).
21
Weddellrobbe
, eine der südlichsten Bewohner der Antarktis. Erwachsene Exemplare wiegen 400 bis 500 kg und haben eine Länge von etwa 3 m (
Cuverville Island
, Dezember 2005)
Es gibt in der Antarktis lediglich Meeressäuger, wie Robben und Wale. Die in der Antarktis vorkommenden
Robbenarten
sind:
Des Weiteren kommen verschiedene
Walarten
um und unter dem antarktischen Packeis vor. Es wurde geschätzt, dass allein die Wale des Südlichen Ozeans etwa 55 Millionen Tonnen
Tintenfische
fressen; das entspricht etwa drei Viertel der Menge des Fischfangs der weltweiten
Fischereiflotten
Blauwale
Minkwale
Buckelwale
Orcas
und verschiedene andere Walarten teilen sich dieses Habitat.
Insgesamt gibt es 18
Pinguinarten
, von denen manche nur in der Antarktis vorkommen.
Die Arten, die in der Antarktis vorkommen, sind hier aufgelistet:
Auf dem antarktischen Packeis brüten nur zwei Pinguinarten: Der
Kaiserpinguin
und der
Adeliepinguin
.#
Zu den auf dem antarktischen Kontinent brütenden Vögeln zählen jedoch auch 19 flugfähige Vogelarten wie der
Königsalbatros
sowie der
Schneesturmvogel
und der
Silbersturmvogel
, die beide zum Teil auf hundert Kilometer landeinwärts liegenden Bergen brüten, die eisfrei hervorragen. In der Antarktis kommt der
Riesensturmvogel
ebenfalls vor, der einer der natürlichen Feinde für
Kaiserpinguinkolonien
ist. Im Sommer kommen noch mehr als 100 Millionen
Zugvögel
hinzu, die auf dem Packeis und den vorgelagerten Inseln brüten.
Westliches Rossmeer (im Hintergrund das
Transantarktische Gebirge
1998 trat ein internationales Umweltschutzabkommen für den Schutz der Antarktis in Kraft, der den Kontinent vorläufig für 50 Jahre vor jedwedem Rohstoffabbau schützt. Das Abkommen wurde von verschiedenen Umweltschutzorganisationen Anfang der 1980er-Jahre unter dem Titel
„Weltpark Antarktis“
ins Leben gerufen und insbesondere von Greenpeace weiterentwickelt und forciert.
23
Nach fünf Jahren Verhandlungen einigten sich Ende Oktober 2016 im australischen
Hobart
in der „
Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis
“ (
Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources
, CCAMLR) 24 Staaten und die EU auf eine Ausweisung des dann größten
Meeresschutzgebiets
der Erde, eine Fläche von 1,55 Mio. Quadratkilometern (etwa die Fläche Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs zusammen) im
Rossmeer
, was als eines der letzten „unberührten“ maritimen
Ökosysteme
gilt. Hier soll auf 1,12 Millionen Quadratkilometern 35 Jahre lang jegliche Fischerei verboten sein.
24
25
26
Eine weitere Schutzzone mit einer Fläche von einer Mio. Quadratkilometern ist für die
Ostantarktis
geplant; hierfür konnte in der Kommission 2016 noch keine Einigung erzielt werden. Darüber hinaus liegt der CCAMLR ein Schutzvorschlag für das
Weddellmeer
vor, das größte
Randmeer
des
Antarktischen Ozeans
24
Weltkarte des Orontius Finaeus aus dem Jahr 1531, Südhemisphäre mit hypothetischer
Terra Australis
Lange vor der Entdeckung des Kontinents
Antarktika
im Jahr 1820 nahm man die Existenz eines riesigen Süd
kontinents
an, der ein Gegengewicht zu den Landmassen der Nordhalbkugel bilden sollte. Dieser Kontinent namens
Terra australis
ist auf zahlreichen Weltkarten der frühen
Neuzeit
abgebildet. Da einige dieser Darstellungen, zum Beispiel die
Karte des Piri Reis
von 1513, die Karte des
Orontius Finaeus
von 1531, die Karte von
Gerhard Mercator
von 1569 oder die Karte von
Philippe Buache
von 1754, gewisse Ähnlichkeiten mit der tatsächlichen Lage und Form der Antarktis aufweisen, gibt es Autoren, die vermuten, dass die Antarktis bereits lange vor dem offiziellen Datum 1820 entdeckt wurde. Insbesondere für die Karte von Piri Reis ist dies jedoch weder die einzige noch die plausibelste Deutungsmöglichkeit.
Geschichten der
Maori
und der Ureinwohner
Rarotongas
um den Seefahrer
Ui-te-Rangiora
könnten darauf hinweisen, dass
polynesische
Seefahrer um das Jahr 700 ins Südpolarmeer vorgestoßen sind.
27
Es ist jedoch nicht ganz klar, ob das „feste Meer aus
Pfeilwurzmehl
(tai uka a pia)
aus der Erzählung wirklich
Pfannkucheneis
(in kleinen Schollen gefrorenes Meer) bedeutet.
28
Ein polynesischer Besiedlungsversuch der
Aucklandinseln
im 14. Jahrhundert wurde 2005 dokumentiert.
29
Entdeckungsstand bis zur Reise
Abel Tasmans
nach einer Karte von Hendrik Hondius aus dem Jahr 1650
Tatsächlich aber gibt es keinerlei Beweise für die Anwesenheit von Menschen in der Antarktis vor dem 19. Jahrhundert. Allerdings wurden durchaus schon
Entdeckungsreisen
im Südpolargebiet unternommen, so wurden zum Beispiel die
Südlichen Shetlandinseln
wahrscheinlich bereits 1599 durch
Dirk Gerritz
oder
Gabriel de Castilla
1603 entdeckt.
James Cook
durchkreuzte den Südlichen Ozean in den Jahren von 1772 bis 1775 und überquerte dabei 1773 als wahrscheinlich erster Mensch den
Südlichen Polarkreis
, aber
Packeis
verhinderte, dass er die Antarktis selbst zu Gesicht bekam.
Die erste Sichtung der Antarktis kann nicht mit absoluter Sicherheit an einem Ereignis festgemacht werden:
Kapitän
Fabian von Bellingshausen
von der
russischen
Marine
, Kapitän
Edward Bransfield
von der
britischen
Marine und der
US-amerikanische
Robbenjäger
Nathaniel Palmer
sichteten die Antarktis innerhalb weniger Tage oder Wochen, wahrscheinlich war Bellingshausen am
16.
Januar
jul.
28.
Januar
1820
greg.
der erste. Die erste Landung fand ein Jahr später am 7. Februar 1821 statt, als der US-amerikanische Robbenjäger
John Davis
einige seiner Männer mit einem Boot an Land schickte, um nach Robben Ausschau zu halten.
30
Der
englische
Seefahrer
James Weddell
konnte bei guten
Witterungsbedingungen
1823 im nach ihm benannten
Weddell-Meer
bis auf 74°
15′
Süd vorstoßen. Der
französische
König
Louis-Philippe I.
beauftragte Jules Dumont d’Urville
, diesen Rekord zu brechen. Sein erster Versuch 1837–1838
scheiterte wegen Packeis
; beim zweiten Versuch entdeckte er im Januar 1840 das
Adélieland
und ließ dort eine
Trikolore
hissen.
Nachdem 1831 der
arktische Magnetpol
lokalisiert wurde, brach
James Clark Ross
mit seinen Schiffen
Erebus
und
Terror
1839 zu einer
Expedition
zum
antarktischen Magnetpol
auf. Auf der Suche danach konnte Ross zwar dessen ungefähre Position bestimmen, ihn aber nicht erreichen. Dabei kartierte er auch die
Ross-See
, eine Seeregion, die später nach ihm benannt wurde.
Die eigentliche Eroberung der Antarktis aber begann 1895 mit dem 6. Internationalen Geographischen Kongress, der im Imperial Institute in London stattfand. Am 3. August wurde auf diesem Kongress eine Resolution verabschiedet, die festhielt, „that this Congress record its opinion that the exploration of the Antarctic regions is the greatest piece of geographical exploration still to be undertaken“, und forderte die
Wissenschaftler
der Welt auf, Expeditionen dorthin zu planen.
Wild wie kein anderes Land unserer Erde liegt es da, ungesehen und unbetreten.
Roald Amundsen
, 1911)
In einer Zeit, in der die gesamte Welt entdeckt schien, empfand man die Antarktis als letzten unbekannten Flecken der Erde, und die Eroberung dieses Teils der Erde wurde zu einer
Metapher
für den Triumph des
Imperialismus
. In diesem Sinne sagte Leonard Darwin, der Präsident der
Royal Geographical Society
, während eines Abschiedsessens für
Robert Falcon Scott
, bevor dieser zu seiner Antarktis
expedition
aufbrach:
Scott
is going to prove once again that the manhood of our nation is not dead and that the characteristics of our ancestors who won the Empire still flourish among us.
„Scott macht sich auf, um einmal mehr zu beweisen, dass die Männlichkeit unserer Nation nicht tot ist und dass die Charakterzüge unserer Vorfahren, die das Imperium für sich gewannen, immer noch in uns blühen.“
Die erste Antarktisexpedition von Scott (1901–1904) näherte sich dem Südpol bis auf 850
km (480 Meilen).
Die
Gauß
, eingeschlossen im Eis, während der ersten deutschen Südpolarexpedition am 29. März 1902.
Das Foto wurde aus einem Fesselballon aufgenommen und ist die erste Luftaufnahme in der Antarktis.
Die erste
deutsche
Südpolarfahrt, die
Gauß-Expedition
, fand von 1901 bis 1903 unter der Leitung von
Erich von Drygalski
statt. Ausgestattet mit dem Schiff
Gauß
entdeckten die Forscher das
Kaiser-Wilhelm-II.-Land
und sichteten aus einem Forschungs
ballon
den
Gaußberg
Die
Nimrod-Expedition
(1907–1909) von
Ernest Henry Shackleton
, ehemals Mitglied von Scotts Mannschaft, näherte sich dem Südpol bis auf 180
km (97
Meilen) und musste dann umkehren.
Am 14. Dezember 1911 erreichte
Roald Amundsen
mit einer
norwegischen Expedition
als erster den Südpol,
31
einen Monat bevor Robert Falcon Scott und seine Begleiter, die zuerst in der Antarktis angekommen waren, am Pol anlangten. Scott und alle seine Begleiter wurden auf ihrem Rückweg durch einen
Schneesturm
aufgehalten – sie starben durch die herrschende außergewöhnliche Kälte, durch Auszehrung oder Hunger.
Als vierter großer Antarktisentdecker dieser Zeit gilt
Douglas Mawson
, der erst Mitglied der Nimrod-Expedition unter Leitung von Shackleton war, bevor er 1911 die
australasiatische Antarktisexpedition
in die Antarktis leitete.
Die
zweite deutsche Südpolarexpedition
unter der Leitung von
Wilhelm Filchner
entdeckte 1912 mit dem für neun Monate im Packeis eingeschlossenen Expeditionsschiff
Deutschland
das
Filchner-Ronne-Schelfeis
und das
Prinzregent-Luitpold-Land
Eine der legendärsten Expeditionen der Antarktis ist die 1914 begonnene
Endurance-Expedition
, die zum Ziel hatte, die Antarktis zu überqueren. Sie wurde (ebenso wie das Expeditionsschiff
Deutschland
) im Packeis eingeschlossen und erreichte nicht einmal das antarktische Festland.
Bransfieldstraße
Kap Williams, am 19. Februar 1819 entdeckt
Eine neue Ära der Antarktisentdeckung begann 1928 mit den Expeditionen des US-Amerikaners
Richard Evelyn Byrd
und des Australiers
Hubert Wilkins
. Wilkins führte am 16.
November 1928 den weltweit ersten Motorflug in der Antarktis durch und überflog am 20.
Dezember 1928 mit
Carl Ben Eielson
die Antarktische Halbinsel. Auch auf der zweiten Wilkins-Hearst-Expedition konnten Wilkins und weitere Piloten zwischen Dezember 1929 und Januar 1930 mehrere Flüge über dem antarktischen Festland absolvieren.
32
Den größeren Erfolg konnte jedoch Byrd auf
seiner ersten
von fünf Antarktis-Expeditionen erzielen, als das von
Bernt Balchen
gesteuerte Flugzeug
Floyd Bennett
am 29.
November 1929 den Südpol erreichte.
33
Am 23.
November 1935 startete der US-Amerikaner
Lincoln Ellsworth
mit seinem Piloten Herbert Hollick-Kenyon (1897–1975) zum ersten erfolgreichen Trans-Antarktis-Flug.
34
Bei seinen Erkundungen legte Byrd das Hauptaugenmerk auf
Forschung
. Bei der vom Dezember 1946 bis April 1947 stattfindenden
Operation Highjump
, der größten Antarktisexpedition der Geschichte, brachte Byrd 4700 Menschen, 13 Schiffe und 23 Flugzeuge zum Stützpunkt
Little America
IV
im McMurdo-Sund und ließ mehr als 70.000
Luftbildaufnahmen
machen. Byrds Expeditionen legten die Basis für die moderne
Kartierung
und Erforschung des Kontinents.
1938 plante eine deutsche Expedition unter Vorsitz des erfahrenen Polarkapitäns
Alfred Ritscher
die Reise zum Südpol. Als Schiff wurde das
Katapultschiff
Schwabenland
ausgewählt, der schwimmende Flugzeugstützpunkt der
Lufthansa
, von dem mit Hilfe von Dampfkatapulten 10
t schwere Dornier-Flugboote vom Typ
Wal
starten konnten. Diese revolutionäre Technik verwendete die Lufthansa bereits seit 1934 für den Luftpostverkehr mit Südamerika. Die
Schwabenland
wurde noch im Herbst 1938 in
Hamburger
Werften für die Expedition antarktistauglich gemacht. Nach den Umbaumaßnahmen der
Schwabenland
(sie war vorher hauptsächlich in
Tropen
gewässern eingesetzt worden) verließ sie Hamburg am 17.
Dezember 1938 und erreichte die Antarktis am 19.
Januar 1939. In den folgenden Wochen wurden auf insgesamt 15 Flügen der beiden Flugboote
Boreas
und
Passat
fast 600.000
km² Fläche überflogen und
fotografiert
. Dabei wurden 11.000 Bilder gemacht. Knapp 1/5 der antarktischen Fläche wurde so erstmals
dokumentiert
. Der Name des neuentdeckten Landes ist
Neuschwabenland
Das Personal der Antarktisstationen wird nach strengen
medizinischen
und
psychologischen
Kriterien ausgewählt, da die Stationen meist über längere Zeit von der Außenwelt isoliert sind. Die medizinische und psychologische Beobachtung der Wissenschaftler bietet einzigartige Möglichkeiten, u.
a. zur Untersuchung des Einflusses des Tag-/Nachtrhythmus, der Ernährung und des psychischen Wohlbefindens von kleinen Gruppen unter hohem
Stress
Im Laufe des 20. Jahrhunderts erkannte man die Möglichkeiten, die die Antarktis für
astrophysikalische
Untersuchungen bietet: 1912 entdeckte Frank Bickerton, ein Mitglied der
Mawson
-Expedition, zufällig den ersten
Meteoriten
in der Antarktis. Seit 1969 wird systematisch nach Meteoriten gesucht, da die Antarktismeteoriten sehr gut konserviert sind und nur geringe Verwitterungsspuren zeigen. An einigen Örtlichkeiten in der Antarktis wurden meteoritische Objekte aufgefunden.
35
Seit den 1950er Jahren werden
Detektoren
für
kosmische Strahlung
betrieben, seit den 1980er Jahren untersucht und nutzt man den Standort auch vermehrt für die
Infrarot-
Submillimeter-
Radio-
und
Neutrinoastronomie
Das antarktische Ozonloch am 15. Oktober 1987
Die von
Glaziologen
gewonnenen
Eisbohrkerne
bilden für
Klimatologen
eine wichtige Informationsquelle, da aus ihren Zusammensetzungen und ihren Schichtenaufbauten Rückschlüsse über die Klimageschichte der Erde gezogen werden können. Diese Eisarchive reichen weiter in die Erdgeschichte zurück als an jedem anderen Ort der Erde. Zugleich liefern sie komplementäre Informationen zu den Eisbohrkernen der Nordhalbkugel, wie zum Beispiel aus
Grönland
, da durch die große räumliche Distanz der Probenentnahme regionale Unterschiede identifiziert werden können.
Weiterführende Informationen zu einem
Klimaforschungsprojekt
findet man im Artikel des
Cape-Roberts-Bohrprojekts
Größte Ausdehnung des antarktischen Ozonlochs (24. September 2006, NASA/NOAA)
Die Antarktis spielt für das
Wetter
der Südhalbkugel und im Rahmen der
Telekonnektion
auch für das globale
Klima
eine wichtige Rolle, deshalb werden auf dem Kontinent umfangreiche
meteorologische Untersuchungen
durchgeführt. Deren Ergebnisse werden seit den 1950er Jahren an die Anrainerstaaten weitergegeben, da sie eine große Bedeutung für die
Wettervorhersagen
einnehmen.
Über dem Südpol bildet sich im
Polarwinter
einer der beiden terrestrischen
Polarwirbel
, welcher der
Antarktischen Oszillation
(AAO) unterliegt; deren Ausprägung und damit mögliche Wetterwirksamkeit wird mit dem „AAO-Index“ beschrieben.
Aeronomische
Untersuchungen der höheren Schichten der
Erdatmosphäre
, vor allem der
Stratosphäre
, haben im ausgehenden 20. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen. Den Schwerpunkt bilden hier Forschungen über das 1985 über dem Südpol erstmals nachgewiesene
Ozonloch
Thermohaline Zirkulation
(kalte) Tiefenströmung blau,
(wärmere) Oberflächenströmung rot
Der Südliche Ozean untergliedert sich in seiner Tiefenstruktur in drei Bereiche: das antarktische Oberflächenwasser, das
zirkumpolare Tiefenwasser
und eine darunter liegende stationäre Schicht. Im Bereich des
Kontinentalschelfs
sind hingegen nur zwei Bereiche unterscheidbar; über einer leicht modifizierten Schicht des zirkumpolaren Tiefenwassers liegt eine Schicht Schelfwasser.
Das zirkumpolare Tiefenwasser ist in das weltumspannende Zirkulationssystem der Ozeane (
Thermohaline Zirkulation
) eingebunden, sodass der Region eine große Rolle im globalen Wärmehaushalt zukommt.
Eine wesentliche Rolle spielen dabei die
vertikalen
Zirkulationsströme, die einen Austausch zwischen dem Tiefen- und Oberflächenwasser bewirken. Dies führt dazu, dass zum einen das Tiefenwasser durch Wärmeabgabe an der viel kälteren Atmosphäre abkühlt, zum anderen aber auch mit
Kohlendioxid
und
Sauerstoff
aus der Luft angereichert wird.
Etwa 1500 Kilometer vor den Küsten findet man mit der
antarktischen Konvergenz
eine stabile Strömung, den
antarktischen Zirkumpolarstrom
, die den Kontinent ostwärts umspült. Diese Strömung trennt das kalte antarktische Wasser von den wärmeren nördlicheren Ozeanen und sorgt dadurch für eine effektive Wärmeisolation der Antarktis, die wesentlich zu den extrem niedrigen Temperaturen des Kontinents beiträgt.
Weit entfernt von den Welthandelsrouten, unwirtlich und lebensfeindlich, war die Antarktis von der
Kolonialisierung
des 19. und frühen 20. Jahrhunderts nicht betroffen. Auch die Staaten, die klassische
Territorialansprüche
geltend machen, mussten sich eingestehen, dass die tatsächliche Durchsetzung derartiger Ansprüche schlichtweg unrealistisch ist.
Auf Initiative des
Geophysikalischen Jahres
in den Jahren 1957/58 wurde daher eine Form der internationalen Zusammenarbeit gefunden, die ebenso einmalig ist wie die Antarktis selbst. Auf der Grundlage des Antarktisvertrags von 1959 hat sich das
Antarktische Vertragssystem
entwickelt, das unabhängig von der
UNO
ist und die Antarktis von wirtschaftlicher Ausbeutung und militärischer Nutzung freistellt. Auf dem Höhepunkt des
Kalten Krieges
wurde ein internationales Vertragswerk geschaffen, das heute eine Schlüsselstellung in der internationalen
Umweltpolitik
innehat.
Der
Zweite Weltkrieg
reichte vereinzelt bis in den (sub)antarktischen Großraum. 1940 steuerten die deutschen
Hilfskreuzer
Pinguin
Atlantis
und
Komet
zu Versorgungszwecken und Instandsetzungsarbeiten die
Kerguelen
an. Bei Ausbesserungen an der
Atlantis
verunglückte der Matrose Bernhard Herrmann tödlich. Seine Begräbnisstätte ist damit das südlichste deutsche
Soldatengrab
. Die Möglichkeit eines deutschen U-Boot-Stützpunktes auf den Kerguelen veranlasste die Alliierten, einige der Ankerplätze zu
verminen
, was die Deutschen für den Rest des Krieges von den Inseln fernhielt. Mitte Januar 1941 brachte die
Pinguin
zwei
Walkocher
, ein Versorgungsschiff und elf Fangboote südwestlich der
Bouvetinsel
auf. Mit der
Operation Tabarin
im Jahr 1944 untermauerte Großbritannien seinen Anspruch auf Teile der Antarktis.
Nur einmal kam es auf dem antarktischen Kontinent selbst zu
Kampfhandlungen
wegen Gebietsansprüchen: 1952 schossen
argentinische
Soldaten auf britische Forscher, als diese versuchten, eine zerstörte Forschungsstation wieder aufzubauen. Argentinien beanspruchte die Antarktische
Halbinsel
, da diese Landzunge an ihrem
nördlichen
Ende nur etwa 1480
km von der Südspitze Südamerikas entfernt ist.
Nach Amundsen und Scott stand erst am 31. Oktober 1956 wieder ein Mensch auf dem Südpol, als der US-amerikanische Konteradmiral
George J. Dufek
dort mit einem Flugzeug vom Typ
R4D Skytrain
landete.
Der
Antarktisvertrag
ist eine internationale Übereinkunft, die festlegt, dass die unbewohnte Antarktis zwischen 60 und 90 Grad südlicher Breite ausschließlich friedlicher Nutzung, besonders der wissenschaftlichen Forschung, vorbehalten bleibt. Er hat große politische Bedeutung, weil er der erste Vertrag nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war, der die Prinzipien der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung fixierte. Der Vertrag wurde auf der Antarktiskonferenz 1959 von zwölf Signatarstaaten in Washington beraten und am 1. Dezember 1959 unterzeichnet. Er trat am 23. Juni 1961 in Kraft.
In den reichen antarktischen Fischgründen wurden in der Saison 1998/99 offiziell knapp 120.000
Tonnen, durch illegalen Fischfang jedoch schätzungsweise das Fünffache, gefangen. 1998 wurden von der
französischen
und
australischen
Marine acht illegale
Fischtrawler
aufgebracht.
In der Fangsaison 2009/10 wurden nach Angaben im Fachjournal
PNAS
202.000 Tonnen
Krill
in den antarktischen Gewässern gefangen, oder das Vierfache von 2002/03.
36
Mittlerweile wurde der Krillfang in der Antarktis weitgehend eingestellt, 85
% der in der Antarktis tätigen Krillindustrie haben sich einer Selbstverpflichtung angeschlossen, die das Fischen nach Krill in bestimmten Gebieten untersagt. Zudem gibt es Pufferzonen, wie um Pinguinkolonien.
37
Touristenpfad
Obwohl die Antarktis für den Menschen eine lebensfeindliche Umgebung darstellt, werden touristische Reisen dorthin immer beliebter. Das einzige Hotel in der Antarktis ist das White Desert Hotel.
38
Die Abgeschiedenheit, fehlende Infrastruktur, Witterungsverhältnisse und strenge Umweltschutzauflagen machen diese Ausflüge jedoch zu einem Vergnügen, das zahlungskräftigen Personen vorbehalten bleibt. Es gibt einige kommerzielle Angebote für
Kreuzfahrten
in die Antarktisregion. Darüber hinaus bieten Veranstalter Landausflüge auf den Kontinent und die vorgelagerten Inseln an. Außerdem ist es für Touristen möglich, mit einem Kleinflugzeug die US-amerikanische
Amundsen-Scott-Südpolstation
zu besuchen. Für Vollprofis gibt es auch die Gelegenheit, einige Berge auf dem antarktischen Kontinent zu besteigen. Für Fans extremer Outdoor-Erlebnisse bietet sich ein Aufenthalt im
Zeltlager
Patriot Hills
an, das nur per Kleinflugzeug zu erreichen ist. Alle Reisen in das antarktische Gebiet (dazu zählt alles südlich des 60.
Breitengrades
) unterliegen den Bestimmungen des 1991 in Kraft getretenen Umweltschutzprotokolls, welches Bestandteil des internationalen Antarktisvertrages ist.
Der Tourismus beschränkt sich im Wesentlichen auf die Monate November bis Februar. Während 1990/91 1.055 Touristen in die Antarktis kamen, waren es in der Saison 2010/11 bereits 34.000 Touristen (2008/09 sogar 40.000). Nach den
USA
stellt
Deutschland
die zweitgrößte Besuchergruppe. Beliebtester Startpunkt für Antarktisreisen ist
Ushuaia
am Südzipfel
Argentiniens
. Von dort aus ist die Antarktische Halbinsel durch die
Drake-Passage
zu erreichen und nur etwa zwei Tagesreisen entfernt.
Als besonders außergewöhnliche touristische Aktion gab es 1995 erstmals einen Antarktis-
Marathon
mit einer sehr begrenzten Teilnehmeranzahl. Seit 2006 findet jedes Jahr der
Antarctic Ice Marathon
in der Nähe des
Ellsworthgebirges
statt. Ein anderer Marathonbewerb ist der
Antarctica Marathon
, der auf der
King George Island
ausgetragen wird. Außerdem findet jeden Sommer zu
Neujahr
auf McMurdo das Musikfestival
IceStock
statt.
Bulgarischer Briefmarkenblock zum 10. Jahrestag der bulgarischen Antarktisforschung
In vielen Karten ist ein
Pol der Unzugänglichkeit
(Pole of Inaccessibility) eingetragen, das ist der Punkt in der Antarktis, der am weitesten von einer Küste entfernt ist. Neben dem in der Karte eingetragenen Pol bei 83°
50′
S, 65°
47′
O, der sich auf die Eisfläche bezieht, gibt es einen weiteren Pol der Unzugänglichkeit bei 77°
15′
S, 104°
39′
O in der Nähe der
Wostok-Station
, der sich auf die Landmasse der Antarktis bezieht.
Viele Menschen und Organisationen (
NGOs
, z.
B. die
Antarctic and Southern Ocean Coalition
(ASOC)) versuchen, die Antarktis als ein von Menschenhand weitgehend unberührtes
Schutzgebiet
zu erhalten. Andererseits ist der Antarktistourismus inzwischen ein boomendes Geschäft. Von Schiffs- und Jachtreisen, Fischerei, Versorgungs- und Inspektionsfahrten, Sightseeing-Überflügen (
Qantas Airways
) bis hin zum Bergsteigen mit Anreise per Flugzeug ist alles möglich.
Die USA installierten 1961 in der McMurdo-Station einen
Kernreaktor
. Er wurde 1972 abgeschaltet und zusammen mit mehr als 100 Fässern verstrahlter Erde in die USA zurückgebracht. Obwohl die Verstrahlung anfangs bagatellisiert wurde, wurden später weitere 11.000
m³ Erde abgetragen und das Gelände erst im Mai 1979 wieder für die uneingeschränkte Nutzung freigegeben.
Auch die Antarktis ist nicht frei von Schimmelpilzen und Bakterien aller Art, deswegen müssen zum Beispiel auch nicht anderweitig konservierte Lebensmittel in den Küchen der Forschungsstationen gekühlt in Kühlcontainern bei mindestens −20
°C aufbewahrt werden. Auch
Extremophile
wurden in der Antarktis entdeckt.
39
Obwohl die Antarktis kein Staat ist, besitzt sie die eigene länderspezifische
Top-Level-Domain
.aq
“.
Eine Reihe von
Folgen der globalen Erwärmung
sind in der Antarktis beobachtbar.
Die den Kontinent vor allem im Winter umgebende Meereisschicht schwankt von Jahr zu Jahr stark. In den letzten Jahren schrumpft die Eisfläche ähnlich wie in der Arktis.
40
Die Profiseglerin Lisa Blair startete Anfang Januar 2017 südlich von Australien mit einer 15-Meter-Jacht zu einer Solo-Non-Stop-Umseglung der Antarktis. Ein Mastbruch in rauer See im April machte eine Unterbrechung zur Reparatur in Kapstadt nötig.
41
Mit dem
Erstausgabetag
2. Juni 2022 gab die Deutsche Post AG ein Postwertzeichen im
Nennwert
von 85 Eurocent in der Serie
Für den Umweltschutz: Antarktis – Gemeinsam Einzigartiges schützen
heraus. Der Entwurf stammt von den Grafikern Ernst und Lorli Jünger aus München.
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Unter den Polarlichtern der Antarktis: Fünfzehn Winter leben und forschen am Südpol.
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Geografie, Erdgeschichtliche Entwicklung, Klima, Flora und Fauna, Bevölkerung, Forschung
Teil 2
Infrastruktur, Politik, Wirtschaft, Geschichte, Verschiedenes
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