Zur Gründung der Musiksammlung im „Tempel der Musen“
Source: https://www.onb.ac.at/sammlungen/musiksammlung/200-jahre-musiksammlung/tempel-der-musen
Archived: 2026-04-23 17:18
Zur Gründung der Musiksammlung im „Tempel der Musen“
Zur Gründung der Musiksammlung im „Tempel der Musen“
Zum Hauptinhalt springen
Achtung
Öffnungszeiten zu den Feiertagen
Der
Prunksaal und die Museen
der Österreichischen Nationalbibliothek haben zusätzlich zu den regulären Öffnungszeiten
am 25. Mai 2026 geöffnet.
Öffnungszeiten zu den Feiertagen
Die Lesesäle der Österreichischen Nationalbibliothek
sind am Freitag, 1. Mai 2026, Donnerstag, 14. Mai 2026 (Christi Himmelfahrt), Sonntag, 24. Mai 2026 (Pfingstsonntag), Montag, 25. Mai 2026 (Pfingstmontag) und Donnerstag, 4. Juni 2026 (Fronleichnam)
geschlossen
.
Augustinerlesesaal
Der Betrieb des Augustinerlesesaals findet am Dienstag, 28. April 2026, im Studienlesesaal der Sammlung von Handschriften und alten Drucken statt.
Bitte beachten Sie diese temporäre Änderung.
Sammlungen
Musiksammlung
200 Jahre Musiksammlung
Tempel der Musen – Zur Gründung der Musiksammlung
Tempel der Musen – Zur Gründung der Musiksammlung
Musiksammlung
Musiksammlung
Zur Gründung der Musiksammlung im „Tempel der Musen“
Was gilt bei einer Bibliothek oder Sammlung eigentlich als „Gründung“? Das erste Buch? Der erste Katalog? Die Öffnung eines Lesesaals für Nutzer*innen? Einen einmaligen Gründungsakt gab es im Fall der Musiksammlung jedenfalls nicht. Vielmehr war ihre Errichtung ein längerer Prozess, an dessen Beginn ein Ansuchen um Überführung älterer Musikhandschriften aus dem Hofmusikarchiv in die Hofbibliothek, die heutige Österreichische Nationalbibliothek, stand. Das Datum dieses Ansuchens hat sich in der Literatur als Datum ihrer Entstehung durchgesetzt. Es wurde am 11. Juni 1826 vom damaligen Präfekten der Hofbibliothek, Moritz Graf von Dietrichstein, beim Obersthofmeisteramt gestellt (siehe Transkription im
Anhang 1
) und am 14. Juni 1826 genehmigt (
ÖNB-Archiv 23/1826
). Die Antragstellung zählte zu den ersten Amtshandlungen des musikaffinen und selbst komponierenden Grafen, der am 30. Mai 1826 zum Bibliotheksleiter ernannt worden war. Zuvor hatte er ab 1819 das Amt des Hofmusikgrafen inne, zu dessen Aufgabenbereichen auch die Verwaltung des Hofmusikarchivs gehörte.
Handschriftliches Ansuchen von Moritz von Dietrichstein beim Obersthofmeisteramt um Einverleibung eines Teils des Hofmusikarchivs. ÖNB-Archiv 23/1826
Die einverleibten Musikhandschriften umfassten 47 Folianten mit Kirchenmusik aus der frühen Neuzeit sowie eine mit kolorierten Bühnenbilddarstellungen geschmückte Partitur zur Oper „
Giunio Bruto
“. Die großformatige Opernpartitur zählt noch heute zu den prächtigsten Partiturhandschriften in den Beständen der Musiksammlung. Die Oper selbst entstand um 1711 als Auftragswerk für Kaiser Joseph I. und ist eine Gemeinschaftsarbeit von Carlo Francesco Cesarini, Antonio Caldara und Alessandro Scarlatti. Zu einer Aufführung kam es allerdings nicht, da der Kaiser noch im gleichen Jahr an den Pocken starb. Die kunstvollen Bühnenbilddarstellungen stammen von Filippo Juvarra.
Titelblatt zur Oper "Giunio Bruto", Mus.Hs.16692
"Giunio Bruto", Beginn des zweiten Aktes mit Musik von Antonio Caldara, Mus.Hs.16692
Am 3. März 1829 stellte Dietrichstein erneut einen Antrag beim Obersthofmeisteramt (
ÖNB-Archiv 28/1829
). Diesmal bat er um Überstellung der restlichen Altbestände des Hofmusikarchivs in die Hofbibliothek. Zu diesen Beständen, die einem beigelegten Verzeichnis zufolge insgesamt acht Kästen füllten, gehörten auch die umfangreichen Musikaliensammlungen der beiden barocken Habsburgerkaiser Leopold I. und Karl VI. Seinem Antrag wurde am 9. März 1829 stattgegeben (
ÖNB-Archiv 30/1829
).
In seinem Antrag von 1829 erstattete Dietrichstein dem Obersthofmeisteramt auch ausführlich Bericht über seine Beweggründe für die Errichtung einer Musiksammlung in der Hofbibliothek, die er achtungsvoll als „Tempel der Musen“ bezeichnete. Zunächst schilderte er aber eindringlich den schlechten Zustand, in dem er das Hofmusikarchiv zu Beginn seiner Amtszeit als Hofmusikgraf vorgefunden hatte. Die große Leichtfertigkeit, mit der man dort mit alten Handschriften umging, habe ihn dazu bewogen, das für den praktischen Gebrauch nicht mehr benötigte Material umgehend auslagern zu lassen. Die kurz nach seinem Amtswechsel schließlich in die Hofbibliothek überstellten Musikhandschriften ließ Dietrichstein von seinem Mitarbeiter, dem Skriptor Anton Schmid katalogisieren und gemeinsam mit den in der Bibliothek bereits vorhandenen musikbezogenen Werken geschlossen aufstellen (siehe Transkription im
Anhang 2
).
Dietrichsteins Verzeichnis der zur Überführung aus dem Hofmusikarchiv beantragten Musikalien, 3.3.1829. ÖNB-Archiv 30/1829
Maßgebend am Aufbau der Musiksammlung beteiligt war der Komponist und Musikschriftsteller Ignaz von Mosel, ein langjähriger Freund und Vertrauter Dietrichsteins, der ab 1829 als erster Kustos an der Hofbibliothek wirkte. Wie Dietrichstein zählte er zu den führenden Köpfen einer patriotisch und konservativ ausgerichteten Kunstbewegung, die vor dem Hintergrund der Napoleonischen Kriege entstanden war und entschieden für die Ideen des vom österreichischen Staatsmann Johann Philipp von Stadion geprägten Gesamtstaatspatriotismus eintrat.
Mosel und Dietrichstein konstatierten einen Verfall der Musik und erachteten es als vaterländische Pflicht, den großen Komponisten aus der eigenen kulturellen Vergangenheit nachzueifern. Ihren Bildungsauftrag sahen sie nicht nur im Erschließen alter Bestände für die Wissenschaft, sondern auch im Sammeln und Verwahren mustergültiger Werke für die musikalische Praxis. Hier kam ihnen der Gestaltungsspielraum, den ihnen die Hofbibliothek bot, besonders gelegen, zumal deren Funktion im frühen 19. Jahrhundert programmatisch neu bestimmt worden war, nämlich als Nationalbibliothek des 1804 gegründeten Kaisertums Österreich.
Dietrichsteines rege Sammeltätigkeit ließ die Bestände der Musiksammlung stetig wachsen. Unter den Erwerbungen befanden sich auch wertvolle Autografe wie Haydns Kaiserhymne „Gott erhalte“ oder Mozarts Requiem. Mit der Pensionierung Dietrichsteins (1845) und dem Tod Mosels (1844) und Schmids (1857) endete eine Ära in der Institutionsgeschichte, deren Nachhall noch lange deutlich spürbar sein sollte. Der konservativ geprägte Kurs, den die Gründerväter auf dem Erwerbungssektor eingeschlagen hatten, setzte sich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts fort. Erst ab den 1970er Jahren begann sich die Musiksammlung gegenüber zeitgenössischer Musik verstärkt aufzuschließen.
Text: Marko Deisinger
Anhang 1: Ansuchen um Einverleibung eines Teils der Hofmusikarchivs, 11.6.1826
Anhang 2: Moritz von Dietrichstein, Bericht und Antrag an das Obersthofmeisteramt, 3.3.1829
Alle wichtigen Events
und News auf einen Blick
Melden Sie sich für unsere Newsletter an.
Musiksammlung
Folgen
Chat
Wir nutzen Cookies
Unsere Webseite verwendet Cookies: neben solchen, die für die Funktionalität unserer Website technisch notwendig sind und daher nicht abgelehnt werden können, nutzen wir auch solche, deren Zweck die Analyse von Webseitenzugriffen ist, sowie solche, die durch Drittanbieter wie Youtube und Google gesetzt werden. Mit Ihrer Einwilligung zu Analyse- und Drittanbieter-Cookies werden sowohl von uns Daten verarbeitet als auch von Drittanbietern, die ihren Sitz teilweise in Drittländern (z.B. den USA) haben. Nähere Informationen zu den Tools und den Partner:innen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Ihre Cookie-Einstellungen können Sie auf Wunsch jederzeit über den Link in der Fußleiste individuell anpassen.
Datenschutz
Technisch notwendig
System
Diese Cookies sind für die Grundfunktionen der Website erforderlich. Sie können sie in den Einstellungen Ihres Browsers blockieren oder löschen, aber dann besteht die Gefahr, dass einige Teile der Website nicht richtig funktionieren.
PHPSESSID
Technisch notwendiges Cookie vom Webserver.
Speicherdauer: Sitzung
fe_typo_user
Wird von TYPO3 als Funktion zur Benutzerverwaltung verwendet.
Speicherdauer: Sitzung
page-notice--hide
Wird für die Anzeige der Hinweisinformationsfunktion verwendet.
Speicherdauer: Sitzung
Cookie Consent
Erforderlich, um die Zustimmung für bestimmte Cookies und damit für die Verwendung bestimmter Tools zu erhalten.
cookieUser
Dient der Wiedererkennung des Browsers und seiner Cookie-Historie (Zustimmung oder Ablehnung bestimmter Cookies mit Datum und Uhrzeit) anhand einer anonymisierten Identifikationsnummer.
Speicherdauer: 1 Jahr
fcc_cookie_consent
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
fcc_cookie_consent_minified
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
cookie_matomo
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
cookie_ytvideo
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
cookie_gmaps
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
Analyse
Matomo
Wenn Sie Matomo aktivieren, können wir Ihre Nutzung unserer Webseite analysieren, um unsere Services anzupassen und weiter zu verbessern. Gegebenenfalls werden folgende Cookies gesetzt:
pk_ses
Kurzlebige Cookies, die zur vorübergehenden Speicherung von Daten für den Besuch verwendet werden.
Speicherdauer: 30 Minuten
pk_id
Wird verwendet, um einige Details über den Benutzer zu speichern, wie die eindeutige Besucher-ID.
Speicherdauer: 13 Monate
Drittanbieter
YouTube
Wenn Sie Youtube aktivieren, werden Videos dieses Anbieters auf unserer Webseite dargestellt. Gegebenenfalls werden folgende Cookies gesetzt:
__Secure-3PAPISID
Erstellt ein Profil der Interessen von Website-Besuchern, um durch Retargeting relevante und personalisierte Werbung anzuzeigen.
Speicherdauer: 2 Jahre
__Secure-3PSID
Erstellt ein Profil der Interessen von Website-Besuchern, um durch Retargeting relevante und personalisierte Werbung anzuzeigen.
Speicherdauer: 2 Jahre
__Secure-3PSIDCC
Diese Cookies werden verwendet, um Anzeigen zu liefern, die für den Nutzer und seine Interessen relevanter sind. Sie enthalten eine verschlüsselte eindeutige ID zur Identifizierung des Nutzers.
Speicherdauer: 2 Jahre
YSC
Dieser Cookie wird von YouTube gesetzt, um die Aufrufe von eingebetteten Videos zu verfolgen. Er enthält eine verschlüsselte eindeutige ID zur Identifizierung des Nutzers.
Speicherdauer: Sitzung
Google Maps
Wenn Sie Google Maps aktivieren, werden Karten dieses Anbieters auf unserer Webseite dargestellt. Gegebenenfalls werden folgende Cookies gesetzt:
NID
Speichert Nutzereinstellungen und andere Informationen, z. B. bevorzugte Sprache oder Anzahl der Suchergebnisse pro Seite.
Speicherdauer: 6 Monate
1P_JAR
Analysiert und verfolgt Interaktionen der User mit Google-Diensten (Statistik & Werbung).
Speicherdauer: 1 Monat
CONSENT
Speichert den Einwilligungsstatus des Nutzers für Google-Dienste.
Speicherdauer: 2 Jahre
SID / HSID
Sicherheitsfunktionen, z. B. zum Schutz vor Angriffen (z. B. unbefugtes Login).
Speicherdauer: 2 Jahre
APISID / SAPISID
Profilbildung über Interessen des Nutzers für personalisierte Werbung.
Speicherdauer: 2 Jahre
SSID
Authentifizierung, ebenfalls Profil- und Nutzungsdaten
Speicherdauer: 2 Jahre
AEC
Sicherheitscookie von Google, dient zur Verhinderung von Spam, Missbrauch und unautorisierten Zugriffen
Speicherdauer: 6 Monate
JavaScript deaktiviert oder Chat nicht verfügbar.
Zur Gründung der Musiksammlung im „Tempel der Musen“
Zum Hauptinhalt springen
Achtung
Öffnungszeiten zu den Feiertagen
Der
Prunksaal und die Museen
der Österreichischen Nationalbibliothek haben zusätzlich zu den regulären Öffnungszeiten
am 25. Mai 2026 geöffnet.
Öffnungszeiten zu den Feiertagen
Die Lesesäle der Österreichischen Nationalbibliothek
sind am Freitag, 1. Mai 2026, Donnerstag, 14. Mai 2026 (Christi Himmelfahrt), Sonntag, 24. Mai 2026 (Pfingstsonntag), Montag, 25. Mai 2026 (Pfingstmontag) und Donnerstag, 4. Juni 2026 (Fronleichnam)
geschlossen
.
Augustinerlesesaal
Der Betrieb des Augustinerlesesaals findet am Dienstag, 28. April 2026, im Studienlesesaal der Sammlung von Handschriften und alten Drucken statt.
Bitte beachten Sie diese temporäre Änderung.
Sammlungen
Musiksammlung
200 Jahre Musiksammlung
Tempel der Musen – Zur Gründung der Musiksammlung
Tempel der Musen – Zur Gründung der Musiksammlung
Musiksammlung
Musiksammlung
Zur Gründung der Musiksammlung im „Tempel der Musen“
Was gilt bei einer Bibliothek oder Sammlung eigentlich als „Gründung“? Das erste Buch? Der erste Katalog? Die Öffnung eines Lesesaals für Nutzer*innen? Einen einmaligen Gründungsakt gab es im Fall der Musiksammlung jedenfalls nicht. Vielmehr war ihre Errichtung ein längerer Prozess, an dessen Beginn ein Ansuchen um Überführung älterer Musikhandschriften aus dem Hofmusikarchiv in die Hofbibliothek, die heutige Österreichische Nationalbibliothek, stand. Das Datum dieses Ansuchens hat sich in der Literatur als Datum ihrer Entstehung durchgesetzt. Es wurde am 11. Juni 1826 vom damaligen Präfekten der Hofbibliothek, Moritz Graf von Dietrichstein, beim Obersthofmeisteramt gestellt (siehe Transkription im
Anhang 1
) und am 14. Juni 1826 genehmigt (
ÖNB-Archiv 23/1826
). Die Antragstellung zählte zu den ersten Amtshandlungen des musikaffinen und selbst komponierenden Grafen, der am 30. Mai 1826 zum Bibliotheksleiter ernannt worden war. Zuvor hatte er ab 1819 das Amt des Hofmusikgrafen inne, zu dessen Aufgabenbereichen auch die Verwaltung des Hofmusikarchivs gehörte.
Handschriftliches Ansuchen von Moritz von Dietrichstein beim Obersthofmeisteramt um Einverleibung eines Teils des Hofmusikarchivs. ÖNB-Archiv 23/1826
Die einverleibten Musikhandschriften umfassten 47 Folianten mit Kirchenmusik aus der frühen Neuzeit sowie eine mit kolorierten Bühnenbilddarstellungen geschmückte Partitur zur Oper „
Giunio Bruto
“. Die großformatige Opernpartitur zählt noch heute zu den prächtigsten Partiturhandschriften in den Beständen der Musiksammlung. Die Oper selbst entstand um 1711 als Auftragswerk für Kaiser Joseph I. und ist eine Gemeinschaftsarbeit von Carlo Francesco Cesarini, Antonio Caldara und Alessandro Scarlatti. Zu einer Aufführung kam es allerdings nicht, da der Kaiser noch im gleichen Jahr an den Pocken starb. Die kunstvollen Bühnenbilddarstellungen stammen von Filippo Juvarra.
Titelblatt zur Oper "Giunio Bruto", Mus.Hs.16692
"Giunio Bruto", Beginn des zweiten Aktes mit Musik von Antonio Caldara, Mus.Hs.16692
Am 3. März 1829 stellte Dietrichstein erneut einen Antrag beim Obersthofmeisteramt (
ÖNB-Archiv 28/1829
). Diesmal bat er um Überstellung der restlichen Altbestände des Hofmusikarchivs in die Hofbibliothek. Zu diesen Beständen, die einem beigelegten Verzeichnis zufolge insgesamt acht Kästen füllten, gehörten auch die umfangreichen Musikaliensammlungen der beiden barocken Habsburgerkaiser Leopold I. und Karl VI. Seinem Antrag wurde am 9. März 1829 stattgegeben (
ÖNB-Archiv 30/1829
).
In seinem Antrag von 1829 erstattete Dietrichstein dem Obersthofmeisteramt auch ausführlich Bericht über seine Beweggründe für die Errichtung einer Musiksammlung in der Hofbibliothek, die er achtungsvoll als „Tempel der Musen“ bezeichnete. Zunächst schilderte er aber eindringlich den schlechten Zustand, in dem er das Hofmusikarchiv zu Beginn seiner Amtszeit als Hofmusikgraf vorgefunden hatte. Die große Leichtfertigkeit, mit der man dort mit alten Handschriften umging, habe ihn dazu bewogen, das für den praktischen Gebrauch nicht mehr benötigte Material umgehend auslagern zu lassen. Die kurz nach seinem Amtswechsel schließlich in die Hofbibliothek überstellten Musikhandschriften ließ Dietrichstein von seinem Mitarbeiter, dem Skriptor Anton Schmid katalogisieren und gemeinsam mit den in der Bibliothek bereits vorhandenen musikbezogenen Werken geschlossen aufstellen (siehe Transkription im
Anhang 2
).
Dietrichsteins Verzeichnis der zur Überführung aus dem Hofmusikarchiv beantragten Musikalien, 3.3.1829. ÖNB-Archiv 30/1829
Maßgebend am Aufbau der Musiksammlung beteiligt war der Komponist und Musikschriftsteller Ignaz von Mosel, ein langjähriger Freund und Vertrauter Dietrichsteins, der ab 1829 als erster Kustos an der Hofbibliothek wirkte. Wie Dietrichstein zählte er zu den führenden Köpfen einer patriotisch und konservativ ausgerichteten Kunstbewegung, die vor dem Hintergrund der Napoleonischen Kriege entstanden war und entschieden für die Ideen des vom österreichischen Staatsmann Johann Philipp von Stadion geprägten Gesamtstaatspatriotismus eintrat.
Mosel und Dietrichstein konstatierten einen Verfall der Musik und erachteten es als vaterländische Pflicht, den großen Komponisten aus der eigenen kulturellen Vergangenheit nachzueifern. Ihren Bildungsauftrag sahen sie nicht nur im Erschließen alter Bestände für die Wissenschaft, sondern auch im Sammeln und Verwahren mustergültiger Werke für die musikalische Praxis. Hier kam ihnen der Gestaltungsspielraum, den ihnen die Hofbibliothek bot, besonders gelegen, zumal deren Funktion im frühen 19. Jahrhundert programmatisch neu bestimmt worden war, nämlich als Nationalbibliothek des 1804 gegründeten Kaisertums Österreich.
Dietrichsteines rege Sammeltätigkeit ließ die Bestände der Musiksammlung stetig wachsen. Unter den Erwerbungen befanden sich auch wertvolle Autografe wie Haydns Kaiserhymne „Gott erhalte“ oder Mozarts Requiem. Mit der Pensionierung Dietrichsteins (1845) und dem Tod Mosels (1844) und Schmids (1857) endete eine Ära in der Institutionsgeschichte, deren Nachhall noch lange deutlich spürbar sein sollte. Der konservativ geprägte Kurs, den die Gründerväter auf dem Erwerbungssektor eingeschlagen hatten, setzte sich bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts fort. Erst ab den 1970er Jahren begann sich die Musiksammlung gegenüber zeitgenössischer Musik verstärkt aufzuschließen.
Text: Marko Deisinger
Anhang 1: Ansuchen um Einverleibung eines Teils der Hofmusikarchivs, 11.6.1826
Anhang 2: Moritz von Dietrichstein, Bericht und Antrag an das Obersthofmeisteramt, 3.3.1829
Alle wichtigen Events
und News auf einen Blick
Melden Sie sich für unsere Newsletter an.
Musiksammlung
Folgen
Chat
Wir nutzen Cookies
Unsere Webseite verwendet Cookies: neben solchen, die für die Funktionalität unserer Website technisch notwendig sind und daher nicht abgelehnt werden können, nutzen wir auch solche, deren Zweck die Analyse von Webseitenzugriffen ist, sowie solche, die durch Drittanbieter wie Youtube und Google gesetzt werden. Mit Ihrer Einwilligung zu Analyse- und Drittanbieter-Cookies werden sowohl von uns Daten verarbeitet als auch von Drittanbietern, die ihren Sitz teilweise in Drittländern (z.B. den USA) haben. Nähere Informationen zu den Tools und den Partner:innen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Ihre Cookie-Einstellungen können Sie auf Wunsch jederzeit über den Link in der Fußleiste individuell anpassen.
Datenschutz
Technisch notwendig
System
Diese Cookies sind für die Grundfunktionen der Website erforderlich. Sie können sie in den Einstellungen Ihres Browsers blockieren oder löschen, aber dann besteht die Gefahr, dass einige Teile der Website nicht richtig funktionieren.
PHPSESSID
Technisch notwendiges Cookie vom Webserver.
Speicherdauer: Sitzung
fe_typo_user
Wird von TYPO3 als Funktion zur Benutzerverwaltung verwendet.
Speicherdauer: Sitzung
page-notice--hide
Wird für die Anzeige der Hinweisinformationsfunktion verwendet.
Speicherdauer: Sitzung
Cookie Consent
Erforderlich, um die Zustimmung für bestimmte Cookies und damit für die Verwendung bestimmter Tools zu erhalten.
cookieUser
Dient der Wiedererkennung des Browsers und seiner Cookie-Historie (Zustimmung oder Ablehnung bestimmter Cookies mit Datum und Uhrzeit) anhand einer anonymisierten Identifikationsnummer.
Speicherdauer: 1 Jahr
fcc_cookie_consent
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
fcc_cookie_consent_minified
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
cookie_matomo
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
cookie_ytvideo
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
cookie_gmaps
Dauer der Speicherung der Cookie-Einwilligung.
Speicherdauer: 1 Jahr
Analyse
Matomo
Wenn Sie Matomo aktivieren, können wir Ihre Nutzung unserer Webseite analysieren, um unsere Services anzupassen und weiter zu verbessern. Gegebenenfalls werden folgende Cookies gesetzt:
pk_ses
Kurzlebige Cookies, die zur vorübergehenden Speicherung von Daten für den Besuch verwendet werden.
Speicherdauer: 30 Minuten
pk_id
Wird verwendet, um einige Details über den Benutzer zu speichern, wie die eindeutige Besucher-ID.
Speicherdauer: 13 Monate
Drittanbieter
YouTube
Wenn Sie Youtube aktivieren, werden Videos dieses Anbieters auf unserer Webseite dargestellt. Gegebenenfalls werden folgende Cookies gesetzt:
__Secure-3PAPISID
Erstellt ein Profil der Interessen von Website-Besuchern, um durch Retargeting relevante und personalisierte Werbung anzuzeigen.
Speicherdauer: 2 Jahre
__Secure-3PSID
Erstellt ein Profil der Interessen von Website-Besuchern, um durch Retargeting relevante und personalisierte Werbung anzuzeigen.
Speicherdauer: 2 Jahre
__Secure-3PSIDCC
Diese Cookies werden verwendet, um Anzeigen zu liefern, die für den Nutzer und seine Interessen relevanter sind. Sie enthalten eine verschlüsselte eindeutige ID zur Identifizierung des Nutzers.
Speicherdauer: 2 Jahre
YSC
Dieser Cookie wird von YouTube gesetzt, um die Aufrufe von eingebetteten Videos zu verfolgen. Er enthält eine verschlüsselte eindeutige ID zur Identifizierung des Nutzers.
Speicherdauer: Sitzung
Google Maps
Wenn Sie Google Maps aktivieren, werden Karten dieses Anbieters auf unserer Webseite dargestellt. Gegebenenfalls werden folgende Cookies gesetzt:
NID
Speichert Nutzereinstellungen und andere Informationen, z. B. bevorzugte Sprache oder Anzahl der Suchergebnisse pro Seite.
Speicherdauer: 6 Monate
1P_JAR
Analysiert und verfolgt Interaktionen der User mit Google-Diensten (Statistik & Werbung).
Speicherdauer: 1 Monat
CONSENT
Speichert den Einwilligungsstatus des Nutzers für Google-Dienste.
Speicherdauer: 2 Jahre
SID / HSID
Sicherheitsfunktionen, z. B. zum Schutz vor Angriffen (z. B. unbefugtes Login).
Speicherdauer: 2 Jahre
APISID / SAPISID
Profilbildung über Interessen des Nutzers für personalisierte Werbung.
Speicherdauer: 2 Jahre
SSID
Authentifizierung, ebenfalls Profil- und Nutzungsdaten
Speicherdauer: 2 Jahre
AEC
Sicherheitscookie von Google, dient zur Verhinderung von Spam, Missbrauch und unautorisierten Zugriffen
Speicherdauer: 6 Monate
JavaScript deaktiviert oder Chat nicht verfügbar.