Baden-Württemberg
ˌbaːdn̩ˈvʏrtəmbɛrk
Abkürzung
BW
; amtlich
Land Baden-Württemberg
) ist ein
Land
im
Südwesten
von
Deutschland
Gemäß seiner Verfassung hat es die
Staatsform
einer
parlamentarischen
Republik
und ist ein
teilsouveräner
Gliedstaat
der Bundesrepublik Deutschland. Sowohl
nach Einwohnerzahl
als auch
bezüglich der Fläche
steht Baden-Württemberg an dritter Stelle der deutschen Länder.
Bevölkerungsreichste Stadt
ist die
Landeshauptstadt
Stuttgart
, gefolgt von
Mannheim
und
Karlsruhe
. Weitere
Großstädte
sind
Freiburg im Breisgau
Heidelberg
Ulm
Heilbronn
Pforzheim
und
Reutlingen
Das Land entstand 1952 durch den Zusammenschluss der nach dem Zweiten Weltkrieg gebildeten Länder
Württemberg-Baden
(Süd-)Baden
und
Württemberg-Hohenzollern
. Somit steht es in der Tradition der alten Länder
Baden
und
Württemberg
sowie der
Hohenzollernschen Lande
. Baden-Württemberg ist naturräumlich geprägt von seinen Anteilen an der
Oberrheinischen Tiefebene
und Mittelgebirgen wie dem
Schwarzwald
, dem
Südwestdeutschen Schichtstufenland
mit der
Schwäbischen Alb
und dem
Alpenvorland
nördlich des
Bodensees
Baden-Württemberg ist das deutsche Land mit den
höchsten
Exporten
(2023),
der
zweitniedrigsten
Arbeitslosenquote (Juli 2024),
dem
vierthöchsten
Bruttoinlandsprodukt
(BIP) pro Kopf (2024)
10
sowie den meisten angemeldeten
Patenten
pro Kopf (2023)
11
und den absolut und relativ
höchsten
Forschungs- und Entwicklungsausgaben (2021).
12
Die durchschnittliche
Lebenserwartung
lag im Zeitraum 2018/20 bei 79,9 Jahren für Männer und bei 84,2 Jahren für Frauen, womit beide unter den deutschen Bundesländern jeweils den
ersten Rang
belegen.
13
Blick vom
Nordschwarzwald
längs der
Oberrheinischen Tiefebene
nach Norden zum
Odenwald
Das Kleine Wiesental im Schwarzwald vom
Belchen
gesehen
Kalkstein-Felsen am
Hohenstaufen
Schwäbische Alb
Voralpine Landschaft am
Bodensee
Im Süden grenzt Baden-Württemberg mit dem
Klettgau
und dem
Hotzenwald
an den
Hochrhein
, im
Hegau
und
Linzgau
an den
Bodensee
und im Westen mit dem
Breisgau
und dem
Markgräflerland
an den
Oberrhein
. Im Norden zieht sich die Landesgrenze über Odenwald und
Tauberland
, im Osten über
Frankenhöhe
und
Ries
, entlang von
Donau
und
Iller
sowie durch das
westliche Allgäu
Benachbarte deutsche Länder sind im Osten und Nordosten
Bayern
, im Norden
Hessen
und im Nordwesten
Rheinland-Pfalz
. Im Westen grenzt Baden-Württemberg an die
elsässischen
Départements
Bas-Rhin
und
Haut-Rhin
in der
französischen
Region
Grand Est
. Die
Schweizer
Grenze im Süden wird von den Kantonen
Basel-Stadt
Basel-Landschaft
Aargau
Zürich
Schaffhausen
und
Thurgau
gebildet. Der
Kanton St. Gallen
ist nur über den Bodensee verbunden. Über den Bodensee ist Baden-Württemberg außerdem mit dem
österreichischen
Bundesland
Vorarlberg
verbunden. Mit diesem teilt es – weil dort ebenfalls
alemannischer Dialekt
gesprochen wird – den manchmal umgangssprachlich verwendeten Beinamen
Ländle
respektive alemannisch
Ländli
Der
geographische Mittelpunkt
Baden-Württembergs bei
48°
32′
15,9″

2′
28,21″
48.53775
9.041169
wird von einem Denkmal in einem Waldstück auf der
Gemarkung
von
Tübingen
markiert. Es handelt sich dabei um den Schwerpunkt der Landesfläche.
Im Gegensatz dazu wurde die Mitte von Baden-Württemberg aus den Extremwerten (nördlichster, südlichster, östlichster und westlichster Landpunkt) ermittelt. Das Mittel aus der geographischen Breite des nördlichsten und südlichsten Punktes und das Mittel aus der geographischen Länge des östlichsten und westlichsten Punktes im Bezugssystem WGS84 errechnet sich zu
48°
39′
43″

0′
14″
48.661944444444
9.0038888888889
. Diese vier Extremkoordinaten Baden-Württembergs sind: im Norden
49°
47′
28,67″

38′
55,59″
49.791296944444
9.6487738888889
in der Stadt
Wertheim
, im Süden
47°
31′
57″

41′
32″
47.5325
7.6922222222222
in der Gemeinde
Grenzach-Wyhlen
, im Westen
47°
41′
52″

30′
42″
47.697777777778
7.5116666666667
in der Gemeinde
Efringen-Kirchen
und im Osten
48°
41′
18″
10°
29′
45″
48.688333333333
10.495833333333
in der Gemeinde
Dischingen
. Das umschließende Rechteck Baden-Württembergs, dessen Seiten parallel zu den Längen- bzw. Breitengraden ausgerichtet sind, hat die Kantenlängen 251
km (Nord-Süd-Richtung), 214
km (nördliche Ost-West-Seite) und 224
km (südliche Ost-West-Seite). Die Mitte von Baden-Württemberg befindet sich 14,3
km nördlich vom Tübinger Schwerpunkt in
Böblingen
in einem kleinen Waldstück, dem Hörnleswald, an der Tübinger Straße von Böblingen nach Holzgerlingen und ist mit einem Steinpfeiler markiert.
Die höchste Erhebung des Landes ist der
Feldberg
im Schwarzwald mit
1493
ü.
NHN
. Der tiefste Punkt liegt im Mannheimer Naturschutzgebiet
Ballauf-Wilhelmswörth
am Rheinufer und an der Grenze zu Hessen auf
87
ü.
NHN
14
Innerhalb Baden-Württembergs werden nach
geologischen
und
geomorphologischen
Kriterien fünf Großräume unterschieden:
15
Die
Oberrheinische Tiefebene
ist ein mit
Sedimenten
gefüllter
Grabenbruch
. Dazu zählt auch die
Vorbergzone
zwischen der Ebene und dem Schwarzwald. In der Tiefebene finden sich diverse Salzlagerstätten, Heilquellen und einige heute erloschene Vulkane wie der
Kaiserstuhl
Die
Randgebirge
Schwarzwald und Odenwald bestehen aus
Granit
Gneis
und
Buntsandstein
. Ihre Nord-Süd-Ausrichtung macht sie zu
Regenfängern
, deren westliche Gewässer viel Wasser führen und sich vergleichsweise tief eingeschnitten haben. Der im
Südschwarzwald
gelegene Feldberg ist mit
1493
ü.
NHN
der höchste Berg in den deutschen
Mittelgebirgen
Das
südwestdeutsche Schichtstufenland
besteht aus weiten, hügeligen Landterrassen, die durch mehrere Gesteinsstufen voneinander abgegrenzt sind. Sie bestehen nach Südosten hin aus immer jüngeren Gesteinsschichten, wobei wechselweise harte und weiche Schichten übereinandergelagert sind. Teilräume sind die Neckar- und Tauber-
Gäuplatten
Baar
, das
Obere Gäu
Stromberg
Kraichgau
Hohenloher Ebene
), das
Keuperbergland
Kleiner Heuberg
Rammert
Schönbuch
Glemswald
Strom- und Heuchelberg
Schurwald
Schwäbisch-Fränkische Waldberge
) und das Albvorland. Zum Südwestdeutschen Schichtstufenland zählen auch der
Randen
und seine Ausläufer im
Klettgau
Die Schwäbische Alb ist als geschlossenes Mittelgebirge ein gewässerarmes
Karstgebiet
. Sie ist von typischen Karstformen (z.
B.
Dolinen
) und zahlreichen kleinen vulkanischen Formen durchzogen. Am östlichen Rand liegt der Meteoritenkrater von
Nördlingen
Nördlinger Ries
).
Das
Alpenvorland
, zu dem
Oberschwaben
und das württembergische
Allgäu
gehören, ist ein flachwelliges Hügelland, in dem der
Bodensee
und einstige vulkanische Berge im
Hegau
liegen. Die starke Prägung durch eiszeitliche Vorgänge zeigt sich in zahlreichen typischen Landschaftsformen wie
Moränen
, Seen und Mooren.
Baden-Württemberg liegt in einem Übergangsgebiet zwischen
Seeklima
im Westen und
Kontinentalklima
im Osten.
16
Das bewirkt, dass abwechselnd
ozeanische
und
kontinentale
Klimaeinflüsse wirksam werden. Aufgrund der vorherrschenden Westwinde überwiegen die ozeanischen Klimaeinflüsse, wobei diese in den östlichen Landesteilen abnehmen. Die Vielgestaltigkeit der Oberflächenformen, also das Nebeneinander hoher Bergländer und abgeschirmter Beckenräume, führt zu deutlichen klimatischen Unterschieden schon auf kurzen Entfernungen.
17
Durch die südliche Lage ist Baden-Württemberg gegenüber anderen Ländern hinsichtlich der
Temperaturen
begünstigt. Das Oberrheinische Tiefland weist
Jahresmitteltemperaturen
von 10
°C auf und gehört damit zu den wärmsten Gebieten Deutschlands. Klimatisch begünstigt sind auch der Kraichgau, das Neckartal nördlich von Stuttgart, das Bodenseegebiet, das Hochrheingebiet und das Taubertal. Mit der Höhe sinkt die Durchschnittstemperatur, und der Südschwarzwald ist mit durchschnittlich 4
°C eines der kältesten Gebiete Deutschlands. Eine Ausnahme von dieser Regel ist die im Winter vorkommende
Inversionswetterlage
, bei der höhere Lagen wärmer sind als tiefer gelegene, weil bei windstillem Hochdruckwetter die von den Höhen abfließende Kaltluft sich in Beckenräumen sammelt. Extreme Kältewerte lassen sich deshalb auf der
Baar
beobachten. Hier kann es im Winter zu Temperaturen von unter −30
°C kommen.
18
Die mit dem Westwind herantransportierten Luftmassen stauen sich vor allem an Schwarzwald und Odenwald, daneben auch an der Schwäbischen Alb, den höheren Lagen der Keuperwaldberge und den Voralpen. Deshalb fällt auf der
Luvseite
reichlich Niederschlag (über 1000
mm pro Jahr, im Südschwarzwald stellenweise über 2000
mm). Auf der
Leeseite
im Regenschatten fällt wesentlich weniger Niederschlag. Hier gibt es ausgeprägte Trockengebiete: Im nördlichen Oberrheinischen Tiefland, der Freiburger Bucht (Leeseite der
Vogesen
) und dem Taubergrund fallen etwa 600
mm, im mittleren Neckarraum und der Donauniederung bei Ulm etwa 700
mm pro Jahr.
Im Auftrag der baden-württembergischen Landesregierung wurden seit Ende der 1990er Jahre mehrere Studien zu den regionalen
Folgen der globalen Erwärmung
durchgeführt.
19
Laut einer Zusammenfassung dieser Ergebnisse aus dem Jahr 2012 stieg die Jahresdurchschnittstemperatur in Baden-Württemberg im Zeitraum 1906 bis 2005 um 1,0
°C an (weltweit 0,7
°C), von durchschnittlich 8
°C auf 9
°C. Der größte Anstieg erfolgte dabei in den letzten 30 Jahren. Die Anzahl der Höchstniederschläge im Winter und die Zahl der Hochwasserereignisse haben in diesem Zeitraum um 35 Prozent zugenommen, die Anzahl der Tage mit Schneedecke in tiefer gelegenen Regionen haben um 30 bis 40 Prozent abgenommen. Von 1953 bis 2009 nahm die Anzahl der
Eistage
(Höchsttemperatur unter 0
°C) in Stuttgart von 25 auf 15 ab, die Anzahl der Sommertage (Höchsttemperatur mindestens 25
°C) dagegen erhöhte sich von 25 auf 45 (vgl. auch
Hitzewelle 2003
). Die Wahrscheinlichkeit einer ausgeprägt trockenen Vegetationsperiode im Sommer hat sich seit 1985 versechsfacht.
Klimamodelle
prognostizieren eine Weiterführung dieser Trends. Im Juli 2013 wurde ein
Klimaschutzgesetz
für Baden-Württemberg verabschiedet.
20
Karte der Landschaften von Baden-Württemberg mit Flüssen
Neckarschleuse bei Gundelsheim
Aufgrund der bergigen Topographie spielten und spielen die Flüsse und ihre Täler eine erhebliche Rolle für Besiedlung, Verkehrswesen und Geschichte des Landes. Die
Europäische Hauptwasserscheide
zwischen
Rhein
und
Donau
hat im Hochschwarzwald ihre westlichste Ausbuchtung und verläuft über die Baar im Norden entlang der Schwäbischen Alb, im Süden durch das Alpenvorland. Das Einzugsgebiet des Rhein-Zuflusses
Neckar
nimmt mit etwa 14.000
km² fast zwei Fünftel der Landesfläche ein.
21
Der Rhein ist der wasserreichste Fluss des Landes. Mit ihm ist Baden-Württemberg an eine der bedeutendsten Wasserstraßen der Welt angeschlossen. Sein Einzugsgebiet (ohne Neckar) im Land ist etwa 11.000
km² groß.
21
Im 19. Jahrhundert wurde der
Oberrhein
ausgehend von den Plänen des badischen Ingenieurs
Tulla
begradigt
. Er bildet mit wenigen Ausnahmen die westliche Landesgrenze zu
Frankreich
und zu
Rheinland-Pfalz
Hochrhein
Seerhein
und Bodensee bilden den größten Teil der südlichen Landesgrenze zur Schweiz.
Der Neckar entspringt am Ostrand des Schwarzwalds bei
Villingen-Schwenningen
und durchfließt das Zentrum des Landes, bis er im Nordwesten in Mannheim in den Rhein mündet. Er wird durch zahlreiche Schleusen reguliert und dient als Verkehrsweg für die industriereiche Landesmitte.
Die Donau entsteht bei
Donaueschingen
aus den vom Schwarzwald kommenden Quellflüssen
Brigach
und
Breg
und fließt etwa ostnordöstlich, wobei sie die Schwäbische Alb nach Süden und Oberschwaben nach Norden begrenzt und hinter Ulm nach Bayern fließt. Sie entwässert etwa 9400
km² und damit mehr als ein Viertel des Landes.
22
Während der Rhein das Land bei Mannheim auf einer Höhe von etwa
90
ü.
NHN
verlässt, liegt die Donau an der bayerischen Grenze bei Ulm noch über
460
ü.
NHN
hoch. Die zum Rhein entwässernden Flüsse haben daher eine größere
Erosionskraft
und vergrößern ihr Einzugsgebiet langfristig auf Kosten der Donau.
23
Unter den übrigen Flüssen sind die längsten die Zwillingsflüsse
Kocher
und
Jagst
, die den Nordosten des Landes durchfließen und in den Neckar münden. Ganz im Nordosten fließt die
Tauber
. Hier grenzt das Landesgebiet an den
Main
Mit dem
Bodensee
hat das Land Anteil am zweitgrößten
Alpenrandsee
. Über die
Bodensee-Wasserversorgung
erhalten mehrere Millionen Einwohner vor allem im mittleren Neckarraum ihr Trinkwasser.
21
Bevölkerungsdichte nach Gemeinden (2007). Schwarzwald, Schwäbische Alb und
Hohenloher Ebene
sind besonders dünn besiedelt.
Baden-Württemberg liegt innerhalb des als
Blaue Banane
bezeichneten, von
London
nach
Norditalien
verlaufenden europäischen
Agglomerationsbandes
. Der gültige
Landesentwicklungsplan
aus dem Jahr 2002 unterscheidet zwischen den Raumkategorien „Verdichtungsräume“, „Randzonen der Verdichtungsräume“ und „
ländlicher Raum
“, wobei letzterer eigene Verdichtungsbereiche enthält.
26
27
Außer dem größten und zentralen Raum Stuttgart liegen die sieben Verdichtungsräume in grenzüberschreitenden Gunsträumen entlang der Peripherie des Landes. Die meisten sind als Teil
Europäischer Metropolregionen
ausgewiesen:
der Verdichtungsraum Stuttgart mit ca. 2,7 Millionen Einwohnern
28
einschließlich der Räume um Heilbronn und um Reutlingen/Tübingen; siehe auch
Metropolregion Stuttgart
mit ca. 5,2 Millionen Einwohnern
der baden-württembergische Teil des grenzüberschreitenden Verdichtungsraums Rhein-Neckar, siehe auch
Metropolregion Rhein-Neckar
der Verdichtungsraum Karlsruhe/Pforzheim
der Verdichtungsraum
Freiburg
der Verdichtungsraum
Lörrach
Weil
als baden-württembergischer Teil des grenzüberschreitenden Verdichtungsraums um Basel, siehe
Metropolregion Basel
der baden-württembergische Teil des grenzüberschreitenden Verdichtungsraums Ulm/Neu-Ulm
der
Bodenseeraum
mit besonderer struktureller Prägung
Der Oberrheinraum von Karlsruhe über
Offenburg
und Freiburg bis Lörrach/Weil am Rhein ist Teil der 2010 mit den angrenzenden südpfälzischen, französischen und Schweizer Regionen gebildeten
Trinationalen Metropolregion Oberrhein
Die fünf Verdichtungsbereiche im ländlichen Raum sind:
26
Neun Städte im Land haben mindestens 100.000 Einwohner und gelten als
Großstädte
Stadt
Einwohner
Verdichtungsraum
Kurzbeschreibung
Bild
Stuttgart
612.663
Stuttgart
Landeshauptstadt, ehemalige Hauptstadt des Königreichs Württemberg, siebtgrößte Stadt Deutschlands, am mittleren Neckar in Kessel- und Halbhöhenlage mit Weinbergen und Mineralquellen, Zentrum der Automobilindustrie (Daimler, Porsche, Bosch), zwei Universitäten und weitere Hochschulen
Mannheim
318.035
Rhein-Neckar
Industrie- und Handelsstadt am Zusammenfluss von Neckar und Rhein in der Oberrheinebene, ehemalige Residenzstadt der Kurpfalz, barocke Planstadt („Quadratestadt“), Hochschulen, „UNESCO City of Music“
Karlsruhe
309.050
Karlsruhe/Pforzheim
Ehemalige Landeshauptstadt Badens, barocke Planstadt („Fächerstadt“) in der Oberrheinebene, Sitz des Bundesverfassungsgerichts, des Bundesgerichtshofes, der Generalbundesanwaltschaft, neun Hochschulen, bedeutender Standort der Informations- und Kommunikationstechnik, „UNESCO City of Media Arts“
Freiburg im Breisgau
237.460
Freiburg
Universitätsstadt am Westrand des Südschwarzwalds, ehemalige Hauptstadt
Vorderösterreichs
, Sitz eines katholischen Erzbistums, südlichste Großstadt Deutschlands
Heidelberg
155.756
Rhein-Neckar
Universitätsstadt am Austritt des Neckars vom Odenwald in die Oberrheinebene, bis 1720 Residenzstadt der Kurpfalz, internationales Tourismusziel mit Altstadt und Schlossruine, „UNESCO City of Literature“
Pforzheim
134.912
Karlsruhe/Pforzheim
Am Nordrand des Schwarzwalds und dem Zusammenfluss von Enz und Nagold gelegen, bekannt für die Schmuck- und Uhrenindustrie
Heilbronn
131.986
Stuttgart
Industrie- und Universitätsstadt am Neckar, „Käthchenstadt“, ehemalige Reichsstadt
Ulm
129.882
Ulm/Neu-Ulm
An der Donau und der Grenze zu Bayern, Universität, ehemalige Freie Reichsstadt und Bundesfestung
Reutlingen
118.852
Stuttgart
Am Westrand der Schwäbischen Alb gelegen, ehemalige Freie Reichsstadt
Das Gebiet des heutigen Baden-Württemberg war nachweislich bereits vor mindestens einer halben Million Jahren von Vertretern der
Gattung
Homo
besiedelt. Der bei
Mauer
gefundene
Unterkiefer von Mauer
und der bei
Steinheim an der Murr
entdeckte
Homo steinheimensis
, die heute beide der
Hominini
Art
Homo heidelbergensis
zugeordnet werden, zählen mit einem Alter von rund 500.000 beziehungsweise 250.000
Jahren zu den ältesten Funden der Gattung
Homo
in Europa überhaupt.
Bedeutende
paläolithische
Nachweise kulturellen Lebens in Baden-Württemberg reichen circa 35.000 bis 40.000
Jahre zurück. So alt sind die Funde der ältesten bekannten Musikinstrumente der Menschheit (eine Elfenbeinflöte, ausgegraben 1979 im
Geißenklösterle
) und Kunstwerke (
Löwenmensch
), die in Höhlen der Schwäbischen Alb entdeckt wurden, vor allem in denen des
Lonetals
. Die wichtigsten dieser Höhlen sind die sogenannten
Höhlen der ältesten Eiszeitkunst
Vor allem aus dem
Neolithikum
finden sich zahlreiche Belege von Siedlungen und Bestattungen von der frühesten Zeit an, die ab der
Bandkeramik
auf die unterschiedlichsten Kulturkomplexe zurückgehen und eine ununterbrochene Linie bis zum Beginn der Bronzezeit und bis zur Eisenzeit repräsentieren.
29
Bei
Kleinkems
in Südbaden befindet sich das älteste deutsche
Jaspis
bergwerk aus der Jungsteinzeit.
In der
Hallstattzeit
besiedelten die
Kelten
große Teile des Landes. Dies ist durch die zahlreichen
Hügelgräber
belegt, deren bekanntestes das
Grab des Keltenfürsten von Hochdorf
ist, und durch hallstattzeitliche Siedlungen wie der
Heuneburg
oder dem Münsterhügel von
Breisach
Römische Expansion in Südwestdeutschland
Seit
Caesars
Gallischem Krieg
55 v.
Chr. bildete der Rhein im Norden die Ostgrenze des
römischen Reiches
. Um 15 v.
Chr. überschritten die Römer unter
Tiberius
die Alpen. Die neu gegründete Provinz
Raetia
erstreckte sich bis an die Donau und umfasste damit auch das heutige
Oberschwaben
Der Landweg zwischen
Mainz
und
Augsburg
war strategisch sehr wichtig. Um diesen zu verkürzen, bauten die Römer um 73/74 n.
Chr. eine Straße durch das
Kinzigtal
im mittleren Schwarzwald; zum Schutz dieser Straße gründeten sie
Rottweil
. Weitere Gründungen dieser Zeit sind
Ladenburg
Bad Wimpfen
Rottenburg am Neckar
, Heidelberg und
Baden-Baden
; eine Siedlungskontinuität ist jedoch nur für Baden-Baden, Ladenburg und Rottweil wahrscheinlich. Die später gebaute Straße über
Bad Cannstatt
verkürzte den Weg zwischen Mainz und Augsburg noch weiter. Die Landnahme in Südwestdeutschland sicherten die Römer durch Feldzüge im heutigen Hessen ab. Um 85 n.
Chr. gründete Kaiser
Domitian
die Provinz
Germania superior
(Obergermanien).
Die Grenze des römischen Reiches verlief von ungefähr 98–159 n.
Chr. entlang des
Neckar-Odenwald-Limes
, später entlang des
Obergermanisch-Rätischen Limes
. Den vom Limes umschlossenen Teil des Gebietes rechts des Rheines und links der Donau bezeichneten die Römer als
Dekumatland
. Der nordöstliche Teil des heutigen Baden-Württemberg war nie Teil des römischen Reiches.
Um 233 n.
Chr. plünderten
Alamannen
das Dekumatland; in der Zeit der
Reichskrise des 3. Jahrhunderts
gaben die Römer um 260 n.
Chr. nach erneuten Überfällen die bisherige Grenze auf und zogen sich hinter Rhein, Donau und Iller, den
Donau-Iller-Rhein-Limes
, zurück. Sie hielten die Rheingrenze noch bis zum
Rheinübergang von 406
Im 5. Jahrhundert kam das Gebiet des Herzogtums
Alemannien
zum
Fränkischen Reich
. Die Nordgrenze Alemanniens wurde nach Süden verschoben und deckte sich grob mit dem Verlauf der heutigen alemannisch-fränkischen Dialektgrenze. Das nördliche Drittel Baden-Württembergs lag somit im direkten fränkischen Einflussbereich (Bistümer Mainz, Speyer, Worms, Würzburg), die südlichen zwei Drittel verblieben im alemannischen Einflussbereich (Bistümer Konstanz, Augsburg, Straßburg). Im 8. Jahrhundert wurden
Grafschaften
Gaue
) als Verwaltungseinheiten installiert. Mit der Neubildung der
Stammesherzogtümer
gehörten die südlichen Gebiete des heutigen Bundeslandes bis zum Ausgang des Hochmittelalters zum
Herzogtum Schwaben
, die nördlichen Gebiete befanden sich beim
Herzogtum Franken
Im Hochmittelalter gehörte das Gebiet zu den zentralen Landschaften des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Es ist Heimat zahlreicher aufstrebender Adelsdynastien und lag im Schnittpunkt einiger wichtiger Fernhandelsrouten. Der
Hochadel
und die Klöster lenkten einen intensiven Landesausbau, in dessen Verlauf die Mittelgebirge erschlossen und zahlreiche Städte gegründet wurden, und erweiterten so ihre Machtbasis. Wichtige Familien waren neben den Herzogshäusern vor allem die fränkischen
Salier
und die schwäbischen
Staufer
, die sich zu ihrer Zeit den Kaiserthron erkämpften. Weitere wichtige Adelshäuser waren die – ursprünglich aus Oberschwaben stammenden –
Welfen
, die
Zähringer
und die
Habsburger
und auch die unterschwäbischen
Hohenzollern
Nach dem Ende der Stauferdynastie im 13. Jahrhundert kam es zu einer bleibenden
Dezentralisierung
des Reiches. Die ohnehin traditionell schwache Zentralmacht von Kaisern und Königen verlor zunehmend Rechte und Befugnisse an aufstrebende Regionalmächte. Dieser langfristige Trend wurde auch und gerade in Südwestdeutschland spürbar. Es kam zur territorialen Zersplitterung in Hunderte von kleinen Grafschaften, Reichsstädten, geistlichen Gebieten oder gar einzelnen ritterschaftlichen Dörfern.
Territoriale Zersplitterung um 1771
Die sich auf dem Gebiet der alten Stammesherzogtümer Franken und Schwaben im Hoch- und Spätmittelalter entwickelnden Territorien erwiesen sich zumeist als beständig und dominierten bis zu den Umbruchsjahren 1803/1806. Zu den bedeutendsten unter ihnen zählen:
die Reichsstädte Ulm,
Biberach an der Riß
Esslingen
Heilbronn
Gmünd
Hall
Rottweil
Konstanz
(bis 1548) und Reutlingen
die weltlichen Fürstenstaaten
Württemberg
Vorderösterreich
Pfalz
Baden
Hohenlohe
und
Fürstenberg
die weltlichen Herrschaftsgebiete der Bistümer
Konstanz
Worms
Speyer
und
Straßburg
die Klosterstaaten
St. Blasien
Zwiefalten
Ochsenhausen
und
Salem
Zur horizontalen Diversifizierung trat die vertikale Aufteilung von
Rechten
an einem Ort in verschiedene Rechteinhaber. So konnten die zahlreichen finanziellen, wirtschaftlichen, militärischen und
jurisdiktionalen
Rechte innerhalb eines
Dorfes
in den Händen mehrerer Staaten, Herren oder Familien liegen.
Die frühe Neuzeit war geprägt von der
Reformation
und den Expansionsbestrebungen der entstehenden Flächenstaaten
Österreich
Preußen
Frankreich
und
Schweden
. Aus diesen resultierten Konflikte wie der
Bauernkrieg
, der
Dreißigjährige Krieg
und der
Pfälzische Erbfolgekrieg
. Im heutigen Baden-Württemberg, das territorial außerordentlich stark zersplittert blieb, lag dabei einer der Schwerpunkte der Kampfhandlungen mit entsprechenden Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft.
Das spätere
Baden
war Schauplatz der
Bundschuh-Verschwörungen
. Der aus
Untergrombach
stammende
Joß Fritz
führte von 1501 bis 1517 im
Hochstift Speyer
und in
Vorderösterreich
insgesamt drei Verschwörungen an.
Bereits 1518 lernten junge südwestdeutsche Gelehrte bei der
Heidelberger Disputation
Martin Luther
und seine Lehren kennen. Der
Brettener
Philipp Melanchthon
folgte Luther nach
Wittenberg
und wurde zu einem der führenden Köpfe der lutherischen Reformation.
Johannes Brenz
ging von Heidelberg nach Schwäbisch Hall, führte dort die Reformation ein und unterstützte später Herzog
Christoph von Württemberg
beim Aufbau der evangelischen Landeskirche.
Der
Deutsche Bauernkrieg
hatte einen seiner Schwerpunkte im deutschen Südwesten. Bereits 1524 versammelten sich in
Stühlingen
Furtwangen
und
Biberach
mehrere tausend Bauern.
Gemeinsame Fahne der oberschwäbischen Bauern, wie sie in der Landesordnung der Christlichen Vereinigung festgelegt wurde
Zu Beginn des Jahres 1525 gründeten sich in der Region Oberschwaben mit dem
Baltringer Haufen
, dem
Seehaufen
und dem
Allgäuer Haufen
drei
Bauernhaufen
, die sich auf der ersten Tagung des
Memminger
Bauernparlaments am 7. März zur
Christlichen Vereinigung
(auch
Oberschwäbische Eidgenossenschaft
genannt) in einem Bündnis zusammenschlossen. Auf der zweiten Sitzung Mitte des Monats verfassten sie die
Zwölf Artikel von Memmingen
, die nach der
Magna Carta
von 1215 als eine der ersten niedergeschriebenen Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten in Europa gelten. Mit der ebenfalls verabschiedeten
Bundesordnung
, ein früher republikanisch orientierter Verfassungsentwurf, wurde das Bauernparlament zur ersten verfassunggebenden Versammlung auf deutschem Boden.
Aufstellung vor Weingarten. Ganz links das Heer des Schwäbischen Bundes mit rot-weißem Georgskreuz als Fahne, in der Bildmitte die Haufen des Bauernheeres mit zwei Kanonen. Mittig oben das Kloster Weingarten. Rechts zu Pferde die Vermittlerdelegation aus Ravensburg kommend.
Ab April begann der Schwäbische Bund mit der Niederschlagung der Bauernrevolution. Am 4.
April 1525 kam es zur ersten großen Schlacht bei Leipheim, in der der auf gewaltlosen Widerstand setzende
Baltringer Haufen
auf brutale Weise niedergeschlagen wurde, wobei zwischen 1000 und 4000 Personen ihr Leben verloren. Entgegen der Beistandspflicht der Christlichen Vereinigung kamen Seehaufen und Allgäuer nicht zur Hilfe.
30
An Ostern 1525 standen das vom Bermatinger Hauptmann
Eitelhans Ziegelmüller
geführte Bauernheer des Seehaufens den bündischen Truppen unter
Georg III. Truchsess von Waldburg
bei
Weingarten
gegenüber. Das 8000 Mann starke Heer des Schwäbischen Bundes war den rund 20.000 gut gerüsteten Bauern des Seehaufens an Truppenstärke deutlich unterlegen und lag zudem in ungünstiger Stellung. Daraufhin versuchte der Heerführer des Schwäbischen Bundes eine militärische Eskalation zu vermeiden. Die zumeist aus dem Kleinadel und Patriziat stammenden Anführer der Bauern waren aufgrund des drohenden Verlusts ihrer sozialen Stellung ebenfalls an einer Deeskalation interessiert und schlossen nach mehrtägigen Verhandlungen am 17. April den
Weingartener Vertrag
, mit dem den Bauern zwar Straffreiheit zugesichert, ansonsten aber die alte Ordnung wiederhergestellt wurde.
31
Nach dem Vertrag von Weingarten gewann das feudale Lager in der Folge auch andernorts die Oberhand, mit Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Bauernkrieges, der anschließend in Württemberg und Franken blutig niedergeschlagen wurde.
Gleichzeitig stürmten und besetzten schwäbische Bauern andernorts am Ostersonntag 1525 die
Burg Weinsberg
und töteten den Grafen
Ludwig von Helfenstein
, der ein Schwiegersohn
Kaiser Maximilians I.
war. Diese
Weinsberger Bluttat
kostete die Bauern viele Sympathien. In der Folge zogen sie unter anderem in Stuttgart ein und zerstörten zahlreiche Burgen und Klöster, darunter die
Burg Hohenstaufen
, das
Kloster Lorch
und das
Kloster Murrhardt
. Am 24. April 1525 übertrugen die Aufständischen dem Hauptmann
Götz von Berlichingen
die militärische Führung. Am 23. Mai 1525 nahmen südbadische Bauern
Freiburg
ein.
Der Bauernaufstand wurde durch ein Söldnerheer, das im Auftrag des
Schwäbischen Bundes
unter der Führung von Georg Truchsess von Waldburg kämpfte, noch im Sommer 1525 brutal niedergeschlagen. Man schätzt, dass dabei ca. 100.000 Aufständische zu Tode kamen.
Besonders in den südwestdeutschen Reichsstädten verbreitete sich die Reformation schnell. Der
Protestation zu Speyer
gehörten 1529 fünf Reichsstädte aus dem heutigen Baden-Württemberg an. Als Markgraf
Philipp von Baden
1533 kinderlos starb, wurde die Markgrafschaft unter seinen Brüdern
Ernst
und
Bernhard III.
in das protestantische
Baden-Durlach
und das katholische
Baden-Baden
aufgeteilt. Herzog
Ulrich von Württemberg
führte die Reformation ein, als er 1534 durch die siegreiche
Schlacht bei Lauffen
nach fünfzehnjähriger Habsburgischer Zwangsverwaltung wieder auf den Stuttgarter Thron zurückkehrte.
In der Kurpfalz führte Kurfürst
Ottheinrich
1557 die Reformation lutherischer Prägung ein. Unter seinem Nachfolger
Friedrich III.
, der 1563 den
Heidelberger Katechismus
ausarbeiten ließ, wurde die Kurpfalz
calvinistisch
Hauptschauplätze des
Dreißigjährigen Kriegs
im deutschen Südwesten waren die
Kurpfalz
und
Vorderösterreich
, aber auch die übrigen Gebiete wurden durch Plünderungen und
Mundraub
der durchziehenden und lagernden Heere schwer getroffen.
Nach der
Schlacht am Weißen Berg
verlagerte sich der
Böhmisch-Pfälzische Krieg
in die Kurpfalz. Die vereinigten Heere der Grafen
Peter von Mansfeld
und
Georg Friedrich von Baden-Durlach
besiegten
Tilly
1622 bei
Mingolsheim
. Wenig später unterlag der von Mansfeld getrennte Markgraf von Baden Tilly in der
Schlacht bei Wimpfen
Während sich die Kriegsereignisse danach nach Norden verlagerten, blieb die Kurpfalz von den Spaniern links des Rheines und den Bayern rechts des Rheines besetzt. 1632 wurden beide durch die Schweden unter König
Gustav Adolf
vertrieben. 1634 eroberten die Schweden die
Festung Philippsburg
und zogen noch im selben Jahr bis an den Hochrhein. Nach der
Schlacht bei Nördlingen
floh
Herzog Eberhard III.
ins Exil nach Straßburg. Die siegreichen kaiserlichen und spanischen Truppen besetzten das Territorium Württembergs und es kam in diesen evangelischen Landstrichen zu verheerenden Übergriffen, Plünderungen und Brandschatzungen. 1635 eroberte
Johann von Werth
Philippsburg und Heidelberg zurück, Bayern besetzte erneut die Kurpfalz.
1638 feierten die protestantisch-schwedischen Verbände unter
Bernhard von Sachsen-Weimar
in Vorderösterreich bei der
Schlacht bei Rheinfelden
, in
Breisach
und in
Freiburg
Erfolge. 1643/44 schlug das Schlachtenglück in Schlachten bei
Tuttlingen
und
Freiburg
zugunsten der kaiserlich-katholischen Truppen um. Die Kämpfe im Südwesten dauerten noch bis Kriegsende an.
Im Jahre 1647 unterzeichneten Bayern, Schweden und Frankreich in Ulm ein
Waffenstillstandsabkommen
, in dessen Folge sich die in Bayern eingefallenen schwedischen und französischen Truppen nach Oberschwaben und Württemberg zurückzogen. Im
Westfälischen Frieden
1648 erhielt
Karl I. Ludwig
die Pfalz sowie die 1623 im Regensburger Reichstag verlorene
Kurwürde
zurück und
Breisach
wurde französisch.
Als Folge des Dreißigjährigen Kriegs war die Bevölkerung um mehr als die Hälfte, regional um zwei Drittel, zurückgegangen, der Viehbestand war fast völlig vernichtet, ein Drittel des Nutzlandes lag brach. Die Region brauchte lange, um sich davon zu erholen.
→ Hauptartikel für die Zeit von 1693 bis 1733 in Württemberg:
Eberhard Ludwig
Innenhof des Ludwigsburger Residenzschlosses
Nach dem Ende des
Holländischen Kriegs
1679 annektierte Frankreich
Freiburg im Breisgau
. Die vorderösterreichische Regierung verlegte während der französischen Herrschaft über Freiburg ihren Sitz nach
Waldshut
Im
Pfälzischen Erbfolgekrieg
verwüsteten französische Truppen unter der Führung von General
Ezéchiel de Mélac
den nordwestlichen Teil des heutigen Baden-Württembergs. Vor allem in den Jahren 1689 und 1693 ließ Mélac jeweils auf dem Rückzug systematisch Verteidigungsanlagen sprengen und flächendeckend Dörfer und Städte in Brand setzen, dabei wurden unter anderem die Residenzstädte Heidelberg mitsamt dem
Schloss
Durlach
und
Baden
zerstört, aber auch Mannheim,
Bretten
, Pforzheim oder
Marbach
. Nach Kriegsende musste Frankreich Freiburg und
Breisach am Rhein
an Österreich zurückgeben.
In der Folge zogen mehrere der Landes- und Kirchenfürsten aus den alten Residenzstädten aus und errichteten neue Barockresidenzen nach dem Vorbild von
Versailles
. So entstanden
barocke
Planstädte
mit großen Schlössern in
Karlsruhe
Ludwigsburg
und
Rastatt
, die kurpfälzische Residenz
Schloss Mannheim
und Sommerresidenz
Schloss Schwetzingen
sowie
Schloss Bruchsal
als Sitz des Hochstifts Speyer.
Von 1703 bis 1713 war die Oberrheinebene zwischen Freiburg und Heidelberg im
Spanischen Erbfolgekrieg
Aufmarschgebiet der
kaiserlichen
Truppen und mehrfach Schauplatz von Kämpfen zwischen diesen und denen Frankreichs.
Im
österreichischen Erbfolgekrieg
belagerten und eroberten französische Truppen unter dem persönlichen Kommando
Ludwigs XV.
1744 Freiburg.
1782 wurde in den vorderösterreichischen Gebieten, d.
h. in großen Teilen des südlichen heutigen Landesteils, die Leibeigenschaft im Zuge der
Reformen Kaiser Josephs II.
abgeschafft.
1933 wurden die selbständigen Landesregierungen mittels
Gleichschaltungsgesetzen
zu Gunsten nationalsozialistischer
Gauleiter
und
Reichsstatthalter
entmachtet. Die Machtergreifung wurde von Terror gegen die politischen Gegner begleitet und unterstützt.
In Baden ernannte sich Gauleiter
Robert Wagner
am 11. März 1933 selbst zum Staatspräsidenten. Diese Selbsternennung legalisierte Reichspräsident Hindenburg am 5. Mai 1933 nachträglich durch Wagners Ernennung zum Reichsstatthalter. Das Amt des badischen Ministerpräsidenten übernahm
Walter Köhler
. Der
württembergische Landtag
wählte am 15. März 1933
Wilhelm Murr
mit den Stimmen der NSDAP, DNVP und des Bauernbundes zum Staatspräsidenten. Am 6. Mai 1933 wurde er zum Reichsstatthalter ernannt, während das Amt des Ministerpräsidenten auf
Christian Mergenthaler
überging. Diese Dualität in der Machtausübung blieb bis Kriegsende erhalten.
Die Regimegegner, vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, wurden ab März 1933 in einer Verhaftungswelle der Gestapo in „
Schutzhaft
“ genommen und in den Lagern
Kislau
(bei Bad Schönborn),
Ankenbuck
(bei Villingen) und
Heuberg
(bei Stetten am kalten Markt) interniert. Regimekritische Frauen wurden im Frauengefängnis
Gotteszell
festgehalten. Die badische SPD-Führung wurde am 16. Mai 1933 von Karlsruhe nach Kislau verschleppt, wobei der Abtransport öffentlich inszeniert wurde.
Nach der Umbildung der Landtage gemäß dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 5. März 1933 beschlossen die Landtage am 8. Juni 1933 in Württemberg bzw. am 9. Juni 1933 in Baden Landesermächtigungsgesetze. An den Abstimmungen durften sich die Abgeordneten der inzwischen verbotenen KPD nicht mehr beteiligen. Die SPD-Abgeordneten enthielten sich in Württemberg der Stimme, während die fünf verbliebenen in Baden offen mit „Nein“ stimmten. Alle anderen Abgeordneten – in Württemberg waren dies Zentrum, DNVP, Bauernbund, CSVD und NSDAP – stimmten der Selbstentmachtung zu.
Das Lager Heuberg wurde Ende 1933 wegen Überfüllung geschlossen. Die Insassen wurden auf das Fort
Oberer Kuhberg
in Ulm verlegt. Mitglieder von Gestapo, SS und SA ermordeten den führenden badischen Sozialdemokraten
Ludwig Marum
am 29. März 1934 in Kislau. 1936 meldete die Gestapo, sie habe die „illegalen“ Strukturen von SPD und KPD zerschlagen.
Gedenk- und Namensbuch von
Grafeneck
Dem Massenmord der Nationalsozialisten an der deutschen Zivilbevölkerung fielen in Baden und Württemberg ca. 12.000 Juden, eine große Zahl von Angehörigen der
Roma
-Minderheit, 10.000 Kranke sowie eine unbekannte Anzahl von Regimegegnern zum Opfer.
Bis 1939 waren zwei Drittel der ca. 35.000 Juden, die 1933 in Baden und Württemberg gelebt hatten, ausgewandert. Am 22. Oktober 1940 leiteten der badische Gauleiter
Robert Wagner
und
Josef Bürckel
, Gauleiter der
Westmark
, die „
Wagner-Bürckel-Aktion
“, bei der noch vor dem eigentlichen
Holocaust
ca. 6000 badische Juden in das
Lager Gurs
verschleppt wurden. Von dort aus wurden die meisten von ihnen in deutsche Vernichtungslager in Osteuropa gebracht und dort ermordet. Die württembergischen Juden wurden ab November 1941 in mehreren Direktzügen zu je ca. 1000 Personen nach
Riga
Izbica
Auschwitz
und
Theresienstadt
deportiert
, wo sie umgebracht wurden.
In der
Tötungsanstalt Grafeneck
bei
Gomadingen
ermordeten die Machthaber im Rahmen der
Aktion T4
mehr als 10.000 Patienten psychiatrischer Kliniken in einer Gaskammer. Roma, und unter ihnen viele
Sinti
, wurden z.
T. in lokalen „Zigeunerlagern“ interniert, zum Beispiel im
Zigeunerzwangslager in Ravensburg
, und 1940 nach Polen und 1943 in das Vernichtungslager
Auschwitz-Birkenau
verschleppt. Zahlreiche Insassen baden-württembergischer Konzentrationslager starben bei der Zwangsarbeit. Beispielsweise kostete im
KZ Bisingen
bei
Hechingen
der Versuch,
Schieferöl
zu gewinnen, 1000 Menschen das Leben. Andere Häftlinge kamen auf den sogenannten
Todesmärschen
, mit denen die Machthaber kurz vor Kriegsende die Konzentrationslager angesichts der anrückenden amerikanischen Truppen räumen wollten, ums Leben.
Mit dem in Stuttgart aufgewachsenen
Graf von Stauffenberg
, den
Geschwistern Scholl
, die ihre Kindheit in
Forchtenberg
, Ludwigsburg und Ulm verbracht haben, sowie dem Hitler-Attentäter
Georg Elser
, der auf der Ostalb und in Konstanz lebte, haben vier der bekanntesten deutschen Widerstandskämpfer ihre Wurzeln im Südwesten.
Weitere Beispiele sind die Freiburgerin
Gertrud Luckner
, die Juden bei der Ausreise unterstützte, 1943 verhaftet wurde und das
KZ Ravensbrück
überlebte, der Mannheimer
Georg Lechleiter
, der eine Untergrundorganisation der KPD anführte und 1942 in Stuttgart hingerichtet wurde, sowie der Karlsruher
Reinhold Frank
und die Stuttgarter
Fritz Elsas
und
Eugen Bolz
, die als Mitglieder der
Verschwörung vom 20. Juli 1944
im Jahre 1945 hingerichtet wurden.
Ebenfalls zum Widerstand rechnet man die Wirtschaftswissenschaftler des
Freiburger Kreises
um
Walter Eucken
, den
Rottenburger
Bischof
Joannes Sproll
, der 1938 seiner Diözese verwiesen wurde, nachdem er sich an der Volksabstimmung um den
„Anschluss“ Österreichs
nicht beteiligt hatte, und
Robert Bosch
, der Juden und andere Verfolgte in seinem Unternehmen unterbrachte.
Durch
Luftangriffe
zerstörtes Heilbronn, 1945
Im Oktober 1944 wurde die Regierung des
Vichy-Regimes
unter
Marschall Pétain
auf Befehl Hitlers von
Vichy
nach
Sigmaringen
verlegt. Das
Schloss Sigmaringen
blieb bis Kriegsende Sitz der aus Sicht der Nationalsozialisten
offiziellen
französischen Regierung.
Die alliierten
Luftangriffe
im
Zweiten Weltkrieg
trafen die Städte in Südwestdeutschland nicht alle in gleichem Maße. Beim
Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945
starben innerhalb von wenigen Minuten 17.600 Menschen. Sehr schwer getroffen wurden auch Stuttgart, Mannheim,
Heilbronn
Friedrichshafen
, Freiburg und Ulm. Schwere Schäden trugen Karlsruhe, Reutlingen, Böblingen,
Sindelfingen
, Offenburg und
Göppingen
davon. Andere Städte, z.
B. Rottweil, Heidelberg, Baden-Baden,
Esslingen
Ludwigsburg
, Tübingen,
Villingen
, Konstanz,
Aalen
oder
Schwäbisch Gmünd
blieben nahezu unversehrt und haben deshalb noch heute intakte Altstädte.
Im Frühjahr 1945 besiegten amerikanische und französische Bodentruppen auch auf dem Gebiet Baden-Württembergs diejenigen der Wehrmacht. Die Amerikaner besetzten Mannheim am 29. März 1945. Stuttgart eroberten die französischen Truppen am 22. April 1945. Teilweise schwere Kämpfe führten dazu, dass in den letzten Kriegswochen noch
Crailsheim
Waldenburg
Bruchsal
und
Freudenstadt
zerstört wurden.
Situation bis 1945
Situation 1945–1952
Freiburg i. Br.: Straßenbahnwagen mit Südweststaatreklame, 6. Dezember 1951
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die nördlichen Teile von Baden und Württemberg zur
US-amerikanischen
Besatzungszone, die südlichen Teile sowie Hohenzollern zur
französischen
. Die Aufteilung erfolgte entlang der Kreisgrenzen, wobei zur US-amerikanischen Zone bewusst alle die Kreise geschlagen wurden, durch die die Autobahn Karlsruhe-München (heutige
) verlief. Die
Militärregierungen
der Besatzungszonen gründeten 1945/46 die Länder
Württemberg-Baden
in der amerikanischen sowie
Württemberg-Hohenzollern
und
Baden
in der französischen Zone. Diese Länder wurden am 23. Mai 1949 Teil der Bundesrepublik
Deutschland
Das
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
traf in
Art.
29
Regelungen zu einer Neugliederung des Bundesgebiets mithilfe von Volksabstimmungen. Dieser Artikel trat jedoch wegen Vorbehalten der Besatzungsmächte zunächst nicht in Kraft. Abweichend davon wurden in Artikel 118 die drei Länder im Südwesten dazu angehalten, eine Neugliederung durch gegenseitige Vereinbarung zu regeln. Dieser Artikel beruhte auf der noch vor Beginn der Beratungen über das Grundgesetz getroffenen Entscheidung vom 31. August 1948 bei der
Konferenz
der Ministerpräsidenten auf
Jagdschloss Niederwald
zur Schaffung eines Südweststaats. Für den Fall, dass eine solche Regelung nicht zustande käme, wurde eine Regelung durch ein Bundesgesetz vorgeschrieben.
32
Als Alternativen kamen entweder eine Vereinigung zu einem
Südweststaat
oder die separate Wiederherstellung Badens und Württembergs (einschließlich Hohenzollerns) infrage, wobei die Regierungen Württemberg-Badens und Württemberg-Hohenzollerns für Ersteres, diejenige Badens für Letzteres eintraten. Eine Übereinkunft der Regierungen über eine Volksabstimmung scheiterte an der Frage des Abstimmungsmodus. Das daraufhin am 4. Mai 1951 verabschiedete Bundesgesetz sah eine Einteilung des Abstimmungsgebiets in vier Zonen vor (Nordwürttemberg, Nordbaden, Südwürttemberg-Hohenzollern, Südbaden). Die Vereinigung der Länder sollte als akzeptiert gelten, wenn sich eine Mehrheit im gesamten Abstimmungsgebiet sowie in drei der vier Zonen ergab. Da eine Mehrheit in den beiden württembergischen Zonen sowie in Nordbaden bereits abzusehen war (1950 waren entsprechende
Volksbefragungen
durchgeführt worden), favorisierten die Vereinigungsbefürworter diese Regelung. Die (süd-)badische Regierung strengte eine Verfassungsklage gegen das Gesetz an, die jedoch erfolglos blieb.
33
Vor der
Volksabstimmung
, die am 9. Dezember 1951 stattfand, bekämpften sich Befürworter und Gegner des geplanten
Südweststaates
. Die führenden Vertreter der Pro-Seite waren der Ministerpräsident Württemberg-Badens
Reinhold Maier
und der Staatspräsident Württemberg-Hohenzollerns
Gebhard Müller
, Anführer der Südweststaat-Gegner war der Staatspräsident Badens
Leo Wohleb
. Bei der Abstimmung votierten die Wähler in beiden Teilen Württembergs mit 93 Prozent für die Fusion, in Nordbaden mit 57 Prozent, während in Südbaden nur 38 Prozent dafür waren. In drei von vier Abstimmungsbezirken gab es eine Mehrheit für die Bildung des Südweststaates, so dass die Bildung eines Südweststaates beschlossen war. Hätte das Ergebnis in Gesamtbaden gezählt, so hätte sich eine Mehrheit von 52 Prozent für eine Wiederherstellung des (separaten) Landes Baden ergeben.
50 Jahre Baden-Württemberg
Deutsche Briefmarke 2002
Am 9. März 1952 wurde die
Verfassunggebende Landesversammlung
gewählt. Auf einer Sitzung am 25. April 1952 wurde der erste Ministerpräsident gewählt. Damit war das Land Baden-Württemberg gegründet.
„Meine sehr verehrten Abgeordneten. Gemäß §
14, Absatz 4, Satz 2 wird hiermit der Zeitpunkt der Bildung der vorläufigen Regierung auf den gegenwärtigen Augenblick, nämlich auf Freitag, den 25. April 1952, 12 Uhr 30 Minuten festgestellt. Mit dieser Erklärung sind gemäß §
11 des zweiten Neugliederungsgesetzes die Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern zu einem Bundesland vereinigt. (…)“
Reinhold Maier
lpb-bw.de, Gründung des Landes Baden-Württemberg am 25. April 1952
34
Reinhold Maier (FDP/DVP) bildete
als erster Ministerpräsident
eine Koalition aus SPD, FDP/DVP und
BHE
. Nach Inkrafttreten der Verfassung wirkte die
Verfassunggebende Landesversammlung
bis 1956 als erster Landtag von Baden-Württemberg.
Der Name des Landes war Gegenstand eines längeren Streites. Der im
Überleitungsgesetz
vom 15. Mai 1952 genannte Name
Baden-Württemberg
war zunächst nur übergangsweise vorgesehen, setzte sich jedoch letztlich durch, da kein anderer Name von allen Seiten akzeptiert wurde. Die am 19. November 1953 in Kraft getretene
Landesverfassung
wurde lediglich von der Verfassunggebenden Landesversammlung beschlossen, anschließend aber nicht durch eine Volksabstimmung bestätigt.
Reinhold Maier hatte mit seiner schnellen Regierungsbildung 1952 die CDU als stärkste Fraktion ausgeschlossen. Das erzeugte Unmut, sowohl bei den zwei südlichen Landesteilen Südbaden und Südwürttemberg-Hohenzollern, die sich in der neuen Regierung nicht oder nur unzureichend vertreten fühlten, als auch bei Gebhard Müller, dem neuen CDU-Fraktionsvorsitzenden, der die Nichtbeteiligung der CDU als persönlichen
Affront
empfand. Bei der
Bundestagswahl vom 6. September 1953
, die von Reinhold Maier zugleich zum
Plebiszit
über seine Politik erklärt worden war, errang die CDU in Baden-Württemberg die absolute Mehrheit der Stimmen. Reinhold Maier zog die Konsequenzen und trat als Ministerpräsident zurück. Sein Nachfolger wurde
Gebhard Müller
, der eine Koalition aus CDU, SPD, FDP/DVP und BHE bildete. Dieselbe Konstellation regierte auch nach der Wahl 1956 (die KPD hatte den Einzug in den Landtag nicht mehr geschafft, somit wurde die Koalition zur
Allparteienregierung
) und hatte bis 1960 Bestand. Nachfolger Müllers wurde 1958
Kurt Georg Kiesinger
als dritter Ministerpräsident des Landes.
Ergebnisse der Volksabstimmung in Baden 1970 nach Kreisen (Prozent Stimmen für die Neueinrichtung des Landes Baden)
Die badischen Vereinigungsgegner gaben den Kampf gegen den Südweststaat auch nach 1952 nicht auf. Im
Heimatbund Badnerland
organisiert, erstrebten sie weiterhin die Wiederherstellung Badens.
Art.
29
Abs.
2 GG sah vor, dass in Gebieten, deren Landeszugehörigkeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs ohne Volksabstimmung geändert worden war, ein Volksbegehren über die Neugliederung möglich sei. Nachdem dieser Passus infolge des
Deutschlandvertrags
1955 in Kraft trat, stellte der Heimatbund einen Antrag auf ein Volksbegehren zur Wiederherstellung des Landes Baden in den Grenzen von 1945. Das Bundesinnenministerium lehnte diese Forderung unter anderem mit der Begründung ab, das neue Bundesland sei bereits durch eine Volksabstimmung zustande gekommen. In der darauf folgenden Klage vor dem
Bundesverfassungsgericht
bekam der Heimatbund 1956 Recht.
35
Das Gericht argumentierte, dass die Abstimmung von 1951 keine Abstimmung im Sinne von
Art.
29
GG gewesen sei, da hierbei die zahlenmäßig stärkere Bevölkerung Württembergs und Hohenzollerns die zahlenmäßig schwächere Badens habe überstimmen können. Der Wille der badischen Bevölkerung sei durch die Besonderheit der politisch-geschichtlichen Entwicklung überspielt worden, weshalb ein Volksbegehren nach
Art.
29
GG zulässig sei.
Das Bundesverfassungsgericht setzte in seinem Urteil keine Frist für die Abstimmung, weshalb sie immer wieder verschleppt wurde. Es bedurfte einer weiteren Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes im Jahre 1969, in der es die Abstimmung bis spätestens zum 30. Juni 1970 anordnete. Diese wurde am 7. Juni 1970 durchgeführt und ergab mit 81,9 Prozent eine große Zustimmung zum Verbleib von Baden im gemeinsamen Land Baden-Württemberg. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,5 Prozent.
36
Die Ablehnung des Volksbegehrens machte den Weg frei zu einer administrativen Neugliederung des Landes. 1971 wurde eine
Reform der Landkreise
und der
Regierungsbezirke
eingeleitet, die 1973 in Kraft trat. Seitdem sind die ehemaligen Landesgrenzen kaum noch im Kartenbild zu erkennen.
Einwohnerentwicklung von Baden-Württemberg von
1871 bis
2018 nach nebenstehender Tabelle
Bevölkerungspyramide für Baden-Württemberg (Datenquelle: Zensus 2011)
37
Jahr
Einwohner
1871
3.349.409
1900
4.107.325
1933
5.185.618
1950
6.430.225
1960
7.726.859
1970
8.895.048
1980
9.258.947
1990
9.822.027
Jahr
Einwohner
2000
10.524.415
2005
10.735.701
2006
10.738.753
2007
10.749.755
2008
10.749.506
2009
10.744.921
2010
10.753.880
2011
10.786.227
Jahr
Einwohner
2012
10.569.111
2013
10.631.278
2014
10.716.644
2015
10.879.618
2016
10.951.893
2017
11.023.424
2018
11.069.533
2019
11.100.394
Jahr
Einwohner
2024
11.339.260
Quelle zur Tabelle:
Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
38
Die Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg war zwischen 1950 und 2008 im Allgemeinen von einem stetigen Anstieg geprägt.
39
In den 1950er Jahren stieg die Bevölkerung Baden-Württembergs um knapp 1,3
Millionen Menschen an. Auch in den 1960er Jahren stieg die Bevölkerung nochmals um knapp 1,2
Millionen Menschen an. 1971 überstieg die Bevölkerungszahl erstmals die Neun-Millionen-Marke. Die 1970er Jahre waren dagegen bevölkerungsmäßig weitgehend von Stagnation geprägt.
Vor allem in den zehn Jahren von 1977 bis 1987 trat die Bevölkerungsentwicklung weitgehend auf der Stelle. Ein Rückgang Anfang der 1980er Jahre wurde zwar ausgeglichen, in den zehn Jahren nach 1977 nahm die Bevölkerung jedoch nur um rund 165.000 Menschen auf knapp 9,3
Millionen zu. Mit dem Ende des
Kalten Krieges
und dem Zustrom von Menschen aus Zentral- und Osteuropa änderte sich dies jedoch sehr deutlich.
Die zwanzig Jahre von 1988 bis 2008 waren von einem kontinuierlichen Bevölkerungsanstieg geprägt. Die Bevölkerung nahm in dieser Zeit um fast 1,5
Millionen Menschen zu. In den Jahren 1990 und 1991 wuchs die Bevölkerung jeweils um fast 200.000 Personen.
Insgesamt ist in den 50 Jahren zwischen 1952 und 2002 die Bevölkerung Baden-Württembergs um knapp vier Millionen von 6,7 auf 10,7
Millionen Menschen gewachsen, das ist eine Zunahme um knapp 60
Prozent. In den Jahren 2008 und 2009 gab es einen kleinen Bevölkerungsrückgang im ansonsten von Wachstum geprägten Baden-Württemberg. Auch bisher ist die Bevölkerung stets höchstens drei Jahre in Folge geschrumpft, um dann wieder und weiter anzuwachsen. Dennoch prognostizierte das Statistische Landesamt im Jahr 2010 einen Rückgang der Bevölkerung bis zum Jahr 2030 um 3,5
Prozent auf rund 10,3
Millionen Menschen.
40
Die Studie „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann-Stiftung geht in einer Prognose aus dem Jahr 2011 von einem Bevölkerungsrückgang von 0,4
Prozent für Baden-Württemberg bis 2030 (gegenüber 2009) aus, womit Baden-Württemberg nach Bayern das Flächenland mit der stabilsten Bevölkerungsgröße ist.
41
Während in den 2000er Jahren die Einwohnerzahl nur gering anstieg, erhöhte sich entgegen der zwei Prognosen die Zahl in den 2010er Jahren kontinuierlich und erreichte im Jahr 2020 bereits über 11,1 Millionen Einwohner. Durch die starke Einwanderung von
Flüchtlingen aus dem Ukraine-Krieg
erhöhte sich die Bevölkerung Ende 2022 bereits auf knapp 11,3 Millionen Einwohner.
42
Das Wappen zeigt drei schreitende Löwen auf goldenem Grund. Dies ist das Wappen der
Staufer
und Herzöge von
Schwaben
43
Über dem großen Landeswappen befinden sich die sechs Wappen der historischen Landschaften, aus denen oder aus deren Teilen Baden-Württemberg gebildet worden ist. Diese sind:
Vorderösterreich
(rot-weiß-rot geteilter Schild),
Kurpfalz
(steigender Löwe),
Württemberg
(drei Hirschstangen),
Baden
(roter Schrägbalken),
Hohenzollern
(weiß-schwarz geviert) und
Franken
(drei silberne Spitzen auf rotem Grund). Dabei sind die
Wappen Badens
und
Württembergs
etwas größer dargestellt.
Schildhalter
sind der badische
Greif
und der württembergische
Hirsch
. Auf dem kleinen Landeswappen ruht stattdessen eine
Blattkrone
Die Benutzung des Landeswappens ist genehmigungspflichtig und grundsätzlich nur den Behörden im Land Baden-Württemberg gestattet.
44
Seit der letzten Änderung des Landeshoheitszeichengesetzes am 4. November 2020 (gültig seit 14. November 2020) wird auf der Landesdienstflagge mit großem Wappen das große Landeswappen einschließlich der Schildhalter verwendet, auf welche vorher verzichtet wurde.
45
Die Landesflagge ist schwarz-gold; die Landesdienstflagge trägt zusätzlich das kleine Landeswappen.
Baden-Württemberg ist seit dem 1. Januar 1973 in vier
Regierungsbezirke
, zwölf
Regionen
(mit je einem
Regionalverband
) sowie 35
Landkreise
und neun
Stadtkreise
eingeteilt. Die Regierungsbezirke werden durch ihre Behörden, die Regierungspräsidien, verwaltet.
Der Regionalverband Donau-Iller umfasst auch angrenzende Gebiete in Bayern. Der Verband Region Rhein-Neckar umfasst auch angrenzende Gebiete in Hessen und Rheinland-Pfalz.
Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg
Im Land bestehen die folgenden neun Stadtkreise (in Klammern die jeweiligen Kfz-Kennzeichen):
Die 35 Landkreise sind:
Alb-Donau-Kreis
UL
Biberach
(BC)
Böblingen
(BB, LEO)
Bodenseekreis
(FN, TT,
ÜB
Breisgau-Hochschwarzwald
FR
, MÜL, NEU)
Calw
(CW)
Emmendingen
(EM)
Enzkreis
PF
Esslingen
(ES, NT)
Freudenstadt
(FDS,
HCH
, HOR,
WOL
Göppingen
(GP)
Heidenheim
(HDH)
Heilbronn
HN
Hohenlohekreis
(KÜN, ÖHR)
Karlsruhe
KA
, BR)
Konstanz
(KN,
STO
BÜS
))
Lörrach
(LÖ)
Ludwigsburg
(LB, VAI)
Main-Tauber-Kreis
(TBB, MGH)
Neckar-Odenwald-Kreis
(MOS, BCH)
Ortenaukreis
(OG,
BH
, KEL, LR,
WOL
Ostalbkreis
(AA, GD)
Rastatt
(RA,
BH
Ravensburg
(RV,
SLG
ÜB
, WG)
Rems-Murr-Kreis
(WN,
BK
Reutlingen
(RT)
Rhein-Neckar-Kreis
HD
Rottweil
(RW)
Schwäbisch Hall
(SHA,
BK
, CR)
Schwarzwald-Baar-Kreis
(VS, DS)
Sigmaringen
(SIG,
SLG
STO
ÜB
Tübingen
(TÜ)
Tuttlingen
(TUT)
Waldshut
(WT, SÄK)
Zollernalbkreis
(BL,
HCH
Zum
Landkreis Konstanz
gehört die
Exklave
Büsingen am Hochrhein
, die in der Nähe von
Schaffhausen
liegt und völlig von
Schweizer
Gebiet umschlossen ist.
Die Landkreise haben sich 1956 zum
Landkreistag Baden-Württemberg
zusammengeschlossen.
Gemeinden in Baden-Württemberg nach Klasse: Stadtkreise (rot), Große Kreisstädte (orange), Städte (gelb)
Siehe auch:
Liste der Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg
Liste der größten Städte in Baden-Württemberg
(alle Gemeinden mit mehr als 15.000 Einwohnern),
Liste der kleinsten Gemeinden in Baden-Württemberg
sowie
Gemeindeordnungen in Deutschland
Seit dem Abschluss der Gebiets- und Verwaltungsreform und dem Zusammenschluss weiterer Gemeinden gliedert sich das Land Baden-Württemberg in insgesamt 1101
Gemeinden
(96 davon sind Große Kreisstädte, 316 Gemeinden werden als
Stadt
bezeichnet) sowie die zwei unbewohnten
gemeindefreien Gebiete
Gutsbezirk Münsingen
und
Gemeindefreier Grundbesitz Rheinau
Die Rechte und Pflichten der Gemeinden werden vor allem in der baden-württembergischen
Landesverfassung
(§§
69–76) und in der baden-württembergischen
Gemeindeordnung
(GemO) festgelegt. In §
1 GemO sind die Gemeinden als „Grundlage und Glied des demokratischen Staates“ beschrieben, und die „Teilnahme an der […] Verwaltung der Gemeinde“ als „Recht und Pflicht“ der Gemeindebewohner.
Als ein
Gemeindegebiet
wird in §
7 GemO die Gesamtheit der zur Gemeinde gehörenden
Grundstücke
definiert. Ferner ist festgelegt, dass alle Grundstücke Baden-Württembergs zu einer Gemeinde gehören sollen – „besondere Gründe“ rechtfertigen aber den Verbleib von Grundstücken außerhalb eines gemeindlichen Markungsverbandes. Solche „gemeindefreien Grundstücke“ existieren in Baden-Württemberg in zwei unbewohnten
gemeindefreien Gebieten
Gutsbezirk Münsingen
und
Gemeindefreier Grundbesitz Rheinau
Hinter den
neun Großstädten
des Landes sind die größten
Mittelstädte
Ludwigsburg
Esslingen
, Tübingen,
Villingen-Schwenningen
und
Konstanz
In §
3 GemO sind als besondere Gemeindetypen
Stadtkreise
(außerhalb Baden-Württembergs
Kreisfreie Stadt
genannt) und
Große Kreisstädte
erwähnt. Sie unterscheiden sich von den verbleibenden Gemeinden durch die ganze oder teilweise Übernahme von
Kreisaufgaben
. In Baden-Württemberg sind neun Gemeinden zu Stadtkreisen und 96 Gemeinden zu Großen Kreisstädten erklärt worden.
Von den in §
8 GemO genannten Gemeindegebietsänderungen haben
Eingliederung
Eingemeindung
) und
Neubildung
Gemeindefusion
/Zusammenlegung) das Ende der politischen Selbständigkeit einer Gemeinde zur Folge. Umfangreiche derartige Gebietsänderungen wurden unter dem Stichwort
Gebietsreform
in den 1970er Jahren verfügt. Die Eingliederung von
Tennenbronn
nach
Schramberg
am 1.
Mai 2006 war die erste Aufgabe der Selbstständigkeit einer Gemeinde seit 1977.
Die alle fünf Jahre stattfindenden Kommunalwahlen wurden
zuletzt am 9. Juni 2024
durchgeführt. Bei den Wahlen waren 18.540 Gemeinderäte und 2.272 Kreisräte zu wählen.
Einen Sonderfall stellt die Gemeinde
Bad Wimpfen
dar. Die Kurstadt war eine Exklave des ehemaligen
Volksstaates Hessen
. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von der Militärregierung zunächst vorläufig unter württemberg-badische Verwaltung gestellt. Bad Wimpfen ist seither verwaltungsrechtlich in das Staatsgebiet Württemberg-Badens bzw. heute Baden-Württembergs integriert. Das Land Hessen vertritt weiterhin den Standpunkt, dass Bad Wimpfen staatsrechtlich hessisches Hoheitsgebiet sei, duldet aber den gegenwärtigen Zustand.
Die 1101 Gemeinden gliedern sich in 3380
Gemarkungen
. Diese sind keine Verwaltungseinheiten, sondern Flächeneinheiten des
Liegenschaftskatasters
. In vielen Fällen entsprechen die aktuellen Gemarkungen den ehemaligen Gemeinden vor der Gebietsreform bzw. den heutigen Gemeinden in ihren Grenzen vor der Gebietsreform.
Ministerpräsident
Kretschmann
spricht im Landtag (2013)
Der Ministerpräsident ist Vorsitzender der
Landesregierung von Baden-Württemberg
, die aus
Ministern
Staatssekretären
und ehrenamtlichen
Staatsräten
besteht. Die Ministerpräsidenten seit 1952:
Baden-Württemberg ist politisch bürgerlich-konservativ geprägt, die
CDU
und die
FDP/DVP
sind in Baden-Württemberg verhältnismäßig stark und haben die meisten Regierungen des Landes gestellt. Aus diesem Grund hatte die
SPD
dort stets einen schweren Stand; ihre Ergebnisse lagen bislang immer unter dem Bundesdurchschnitt. Die CDU ging bis 2011 bei jeder Wahl als stärkste Partei hervor, während das Bundesland für die FDP das bislang einzige darstellt, bei dem sie bei Landtagswahlen noch nie an der
Fünf-Prozent-Hürde
scheiterte. Seit den 1980er Jahren ist Baden-Württemberg auch eine Hochburg der in Karlsruhe gegründeten
Grünen
, deren Wahlergebnisse im Land stets über dem Bundesdurchschnitt lagen. Ihr erstmaliger Einzug in den Landtag im Jahr 1980 war gleichzeitig der erste in einem Flächenland. Seit den
Landtagswahlen 2011
stellen die Grünen hier ihren ersten Ministerpräsidenten überhaupt und erzielten in Baden-Württemberg ihre mit Abstand besten Ergebnisse in einem deutschen Bundesland (zuletzt 32,6 Prozent bei der
Landtagswahl 2021
). Während der Ministerpräsident von 1953 bis 2011 immer von der CDU gestellt wurde, waren an der Regierung teilweise die FDP/DVP beziehungsweise die SPD (Große Koalition) beteiligt. Während der 1990er Jahre waren die
Republikaner
im Landtag vertreten (10,9 Prozent
1992
und 9,1 Prozent
1996
), die in diesem Bundesland ihren größten Zulauf hatten. Zuvor saß zwischen 1968 und 1972 ebenso die
NPD
mit 9,8 Prozent der Wählerstimmen im Landtag. 2016 zog die AfD mit 15,1 Prozent in den Landtag ein. In keinem anderen der
alten (westdeutschen) Länder
erreichten Parteien rechts von CDU und CSU derart hohe Wahlergebnisse.
Die CDU erreichte bei allen Wahlen zwischen 1972 und 1988 die absolute Mehrheit im Landtag. Die CDU-Ministerpräsidenten wurden oft mitten in der Legislaturperiode gewechselt, und der neue „Landesvater“ in der nächsten Wahl bestätigt.
Stefan Mappus
gelang dies nicht, nachdem
Günther Oettinger
zur EU abberufen wurde. Am 10. Februar 2010 zum Ministerpräsidenten gewählt, verlor Mappus das Amt und die schwarz-gelbe Regierungsmehrheit mit der
Landtagswahl 2011
. Die CDU selbst fuhr mit 39,0 Prozent das zweitschlechteste Wahlergebnis in der Geschichte der Landespartei ein, die FDP schaffte nur knapp den Sprung in den Landtag (5,3 Prozent). Die Grünen dagegen erreichten mit 24,2 Prozent das zu dem Zeitpunkt beste Ergebnis der Partei auf Landesebene. Die SPD erreichte mit 23,1 Prozent ihr in Baden-Württemberg bis dahin schlechtestes Wahlergebnis und trat als Juniorpartner in eine
grün-rote Koalition
unter Ministerpräsident
Winfried Kretschmann
ein. Bei der
Landtagswahl 2016
setzte sich der Trend fort: Sowohl CDU als auch SPD verschlechterten sich nochmals auf ihre bis dahin jeweils schlechtesten Ergebnisse im Land, wohingegen die Grünen weiter zugewinnen konnten und erstmals stärkste Kraft in einem deutschen Bundesland wurden. Die neu angetretene AfD konnte 15,1 Prozent der Stimmen erzielen.
46
In der Folge bildeten die Grünen zusammen mit der CDU eine Koalition unter Ministerpräsident Kretschmann (
Kabinett Kretschmann II
).
47
Bei der
Landtagswahl 2021
konnten die Grünen bei Verlusten der CDU ihr Ergebnis erneut auf nun 32,6 Prozent steigern. Die FDP konnte ihr Ergebnis verbessern, während die SPD und AfD Verluste hinnehmen musste. Die Regierungsbildung mündete erneut in der Bildung einer grün-schwarzen Regierung (
Kabinett Kretschmann III
).
Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund in
Berlin-Tiergarten
Das Land unterhält zwei Landesvertretungen außerhalb von Baden-Württemberg. Seit 1954 existiert die
Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund
, welche ihren Sitz bis zum Umzug der Bundesregierung in der Bundesstadt
Bonn
hatte und heute in der Bundeshauptstadt
Berlin
sitzt. Im Jahre 1987 kam die
Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union
dazu, welche als Bindeglied zwischen dem Bundesland Baden-Württemberg und der
Europäischen Union
fungiert. Zudem besteht seit November 2021 das
BW-UK Office
, die Auslandsrepräsentanz Baden-Württembergs im
Vereinigten Königreich
Baden-Württemberg und die
japanische
Präfektur Kanagawa
pflegen seit 1989 eine bilaterale Partnerschaft.
48
Innerhalb Europas bildet Baden-Württemberg zusammen mit den Regionen
Katalonien
Lombardei
und
Rhône-Alpes
die multilaterale Arbeitsgemeinschaft
Vier Motoren für Europa
. 2014 wurde eine internationale Partnerschaft mit dem afrikanischen Staat
Burundi
formalisiert, welche auf 1984 zurückgeht.
49
Mit
service-bw
steht den Bürgern eine
E-Government
-Plattform zur Verfügung.
Im landeseigenen
Umweltinformationssystem Baden-Württemberg
sind aktuelle Messergebnisse zur Luftqualität, zum Bodensee, Unwetterwarnungen, Geoinformationen, und ein
Informationssystem für Wasser, Immissionsschutz, Boden, Abfall und Arbeitsschutz
abrufbar.
Staatshaushalt
Danyal Bayaz
(Grüne), Minister für Finanzen
Am 26. Oktober 2022 wurde vom
Minister für Finanzen des Landes Baden-Württemberg
Danyal Bayaz
(Grüne), der
Haushaltsplan
als Entwurf für die Jahre 2023 und 2024 (sogenannter
Doppelhaushalt
) in den Landtag eingebracht.
50
Aufgrund der Vorlage des Haushaltsentwurfs im Landtag wurde dieser von den Abgeordneten debattiert. Der Landtag von Baden-Württemberg hat am 20. Dezember 2022 den Haushaltsplan für 2023 und 2024 beschlossen. Der
Staatshaushalt
des Landes Baden-Württemberg sieht für das Jahr 2023
Erträge
(Einnahmen) und
Aufwendungen
(Ausgaben) in Höhe von 62.864.796.300 Euro vor.
51
Hierbei decken die Einnahmen die Ausgaben. Für das Jahr 2024 wurden die Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 60.976.489.200 Euro
veranschlagt
51
Der Haushaltsplan gliedert sich in ein Vorheft und in folgende 17
Einzelpläne
, die von 01 bis 18 (mit Ausnahme der Zahl 15) nummeriert sind:
50
Die
Staatsverschuldung
Baden-Württembergs bezifferte sich am 31.
Dezember 2021 auf 59,7 Milliarden Euro.
Stuttgart-
Untertürkheim
mit Daimler-Werken
Baden-Württemberg zählt zu den wirtschaftsstärksten und wettbewerbsfähigsten Regionen
Europas
. Insbesondere im Bereich der
industriellen
Hochtechnologie
sowie
Forschung und Entwicklung
gilt Baden-Württemberg als die
innovativste
Region der
Europäischen Union
52
Laut einer Studie eines
arbeitgebernahen Verbands
befindet sich Baden-Württemberg hinter
Kalifornien
und
Massachusetts
auf dem dritten Platz der
innovativsten
Regionen
der Welt.
53
54
Die Forschungsstärke spiegelt sich in den Ausgaben für Forschung und Entwicklung wider, welche 2005 bei 4,2 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts
liegen, der höchste Wert unter den EU-Regionen
(NUTS 1)
55
56
Gemessen am Bruttoinlandsprodukt, das 2021 rund 536 Milliarden Euro betrug,
57
gehört Baden-Württemberg zu den wohlhabenderen Regionen der EU, mit einem Index von 144 (EU-28: 100, Deutschland: 126) (2014).
58
Nach
Hamburg
und
Bayern
belegt Baden-Württemberg den dritten Platz im
Kaufkraftvergleich
2016 mit 23.368 Euro pro Einwohner.
59
Die durchschnittlichen Bruttolöhne je Arbeitnehmer im Jahr 2020 variierten je nach Land- bzw. Stadtkreis zwischen 32.000 bis über 50.200 Euro.
60
So weist der
Landkreis Böblingen
mit 50.244 Euro je Arbeitnehmer den höchsten Durchschnittsverdienst im Jahr 2020 auf, gefolgt von den Stadtkreisen Stuttgart (49.375 Euro) und Karlsruhe (43.514 Euro). Die
Arbeitslosenquote
betrug
4,5
(Dezember 2025)
61
. Sie ist dabei in den eher ländlich geprägten Regionen traditionell niedriger als in den Städten. So betrug die Arbeitslosenquote im März 2023 im
Landkreis Biberach
lediglich 2,4 Prozent, im
Alb-Donau-Kreis
2,5 Prozent und im
Landkreis Ravensburg
2,7 Prozent, während sie in den Stadtkreisen
Baden-Baden
mit 5,8 Prozent,
Pforzheim
mit 5,9 Prozent und Mannheim mit 7,1 Prozent deutlich höher lag.
62
Ungefähr 50.000 Baden-Württemberger gehen als
Grenzgänger
einer Arbeit in der Schweiz nach.
63
Charakteristisch für die Wirtschaft des Landes sind seine
Familienunternehmen
. Unter den 1000 größten Familienunternehmen Deutschlands befinden sich 190 in Baden-Württemberg, das ist Platz drei im Bundesländervergleich. Auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl kann das Land damit die drittmeisten Familienunternehmen in Deutschland vorweisen. Umsatzstärkstes baden-württembergisches Familienunternehmen ist der Handelsmulti
Schwarz-Gruppe
, gefolgt von der
Robert Bosch GmbH
und der
Merckle Unternehmensgruppe
64
Aufkleber einer Werbekampagne des Landes Baden-Württemberg
Logo Baden-Württembergs mit Zusatz
The Länd
Logo
The Länd
Ab 1999 warb die Landesregierung mit dem
Motto
Wir können alles. Außer Hochdeutsch.
“ für Baden-Württemberg als Wirtschaftsstandort und Lebensumfeld. Ziel der von der Landesregierung als äußerst erfolgreich eingeschätzten Kampagne war es, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes bekannter zu machen und sie mit den kulturellen, landschaftlichen und gastronomischen Vorzügen zu assoziieren. Das Motto wurde von einer Werbeagentur erfunden und zunächst dem
Freistaat Sachsen
angeboten, der seine Nutzung jedoch ablehnte.
65
Es wurde zum
geflügelten Wort
. Ein weiteres, ebenfalls von der Agentur entworfenes Motto, ist „Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“,
66
das auch international Beachtung findet.
67
Seit 2021 wirbt die Landesregierung mit der Bezeichnung
The
Länd
(Eigenschreibweise in
Majuskeln
), die von einer anderen Werbeagentur erschaffen wurde.
Bedeutendste Standorte sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung
68
Arbeitsort
sozialvers.
Beschäftigte
30. Juni 2019
Veränderung
in Prozent
seit 30. Juni 2015
Pendlersaldo
30. Juni 2019
Arbeitsplatzdichte
Stuttgart
426.014
+9,36
+160.614
970
Mannheim
191.615
+6,31
+62.408
898
Karlsruhe
178.857
+4,70
+54.542
826
Freiburg im Breisgau
129.151
+10,41
+44.256
799
Ulm
95.855
+7,26
+42.012
1.114
Heidelberg
91.782
+5,48
+37.462
799
Heilbronn
71.840
+6,93
+17.292
860
Sindelfingen
64.946
+8,71
+37.795
1.545
Pforzheim
59.006
+5,18
+7.504
723
Reutlingen
56.529
+5,08
+9.083
746
Ludwigsburg
54.770
+8,52
+14.760
880
Esslingen am Neckar
48.853
+4,97
+9.254
783
Tübingen
48.170
+11,48
+15.165
728
Offenburg
42.313
+8,76
+17.169
1.089
Villingen-Schwenningen
42.299
+8,5
+6.776
773
Friedrichshafen
37.355
+6,63
+10.312
950
Aalen
34.877
+3,70
+7.015
779
Böblingen
32.929
+5,75
+10.399
1.026
Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze pro 1000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahren; Zahlen zum 31. Dezember 2019 gemäß Fortschreibung des Bevölkerungsstandes
69
nach
Bevölkerungsstatistikgesetz
auf Basis des Zensus 2011.
37
Entwicklung der
Arbeitslosenquote
Jahr
70
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
Arbeitslosenquote in
5,4
4,9
5,4
6,2
6,2
7,0
6,3
4,9
4,1
5,1
4,9
4,0
3,9
4,1
4,0
3,8
3,8
3,5
3,2
3,2
4,1
3,9
Weinbau am Rand des Schwarzwalds
Das Land weist für die
Landwirtschaft
höchst unterschiedliche natürliche Bedingungen auf (vgl. Abschnitt
Geographie
). In der Bilanz sind die tiefer gelegenen Tal- und Beckenräume des Landes wie Oberrheintiefland und Neckartal oder auch das
Bodenseegebiet
ausgesprochene Gunsträume für die Landwirtschaft. Hier finden sich neben Ackerbau auch Intensivkulturen wie Obst- und
Weinbau
mit den Weinbaugebieten
Baden
und
Württemberg
. In der Landeshauptstadt Stuttgart wird
– ungewöhnlich für eine Großstadt
– im verhältnismäßig größeren Umfang Weinbau betrieben (siehe
Weinbau in Stuttgart
). Der überwiegende Teil des Landes weist mittlere Höhenlagen auf, die für den Getreidebau günstig sind, der in unterschiedlichen Kombinationen mit Grünlandwirtschaft und
Futterbau
auftritt. Ungünstige Wuchsklimate finden sich in den Höhengebieten des Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb sowie in der Baar, hier herrschen Futterbau und Viehhaltung auf Grünland oder
Forstwirtschaft
vor. Die
ökologische Landwirtschaft
ist 2018 auf 9.290 Betriebe (11 Prozent der Betriebe) und 197.751 Hektar Ökofläche (14 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche) angestiegen.
71
Der allgemeine
Strukturwandel
der Landwirtschaft, ihre betriebliche Konzentration und die Intensivierung der Produktion, vollzieht sich in Baden-Württemberg aufgrund seiner kleinteiligeren Landwirtschaft mit einiger Verzögerung letztlich in gleicher Geschwindigkeit. Indikatoren sind z.
B.
72
der Rückgang der Betriebszahlen: 1971 gab es noch 215.430 landwirtschaftliche Betriebe, 2007 waren es nur noch 57.049;
73
das Wachstum der durchschnittlichen Betriebsgröße: 1949 betrug diese noch 4,9 Hektar, im Jahr 2005 23,9 Hektar
74
(im Bundesdurchschnitt unter den Flächenstaaten die geringste Zahl);
die Umkehrung des Verhältnisses von Haupt- zu Nebenerwerbsbetrieben: 1949 waren es 251.000 Haupt- und 141.000 Nebenerwerbsbetriebe, im Jahr 2005 wurden 19.900 Haupterwerbsbetriebe und 35.400 Nebenerwerbsbetriebe verzeichnet;
74
der Rückgang der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen: deren absolute Zahl nahm in Baden-Württemberg noch bis 1925 zu und sank danach zunächst langsam, ab den 1950er Jahren schnell ab, im Jahr 2005 waren es etwa 100.000 Erwerbstätige, was zwei Prozent aller Erwerbstätigen entspricht.
Erstes Auto der Welt
, erschaffen in Mannheim von
Carl Benz
aus Karlsruhe
Industrie und Gewerbe beschäftigten 2005 in 8.600 Betrieben gut 1,2 Millionen Menschen, was 38,3 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten darstellt. Damit ist Baden-Württemberg das deutsche Bundesland mit dem höchsten Anteil der Industriebeschäftigten und dem höchsten Industrieanteil am Bruttoinlandsprodukt.
56
Die international hohe Wettbewerbsfähigkeit der Industriebranchen des Landes wird maßgeblich durch hohe Forschungsleistungen der Unternehmen begünstigt (Wirtschaftsanteil an Forschung und Entwicklung: 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts).
56
Die drei nach Beschäftigtenzahlen wichtigsten Branchen sind
die
Maschinenbauindustrie
, die mit vielen Unternehmen in Baden-Württemberg ansässig ist (z.
B.
Trumpf
Heidelberger Druckmaschinen
Festo
Voith
Liebherr
Putzmeister
SEW
);
der Fahrzeugbau: Baden-Württemberg ist ein Zentrum der
Automobilindustrie
75
Daimler AG
Porsche
Robert Bosch GmbH
Audi
Smart
Iveco Magirus
ZF Friedrichshafen
LuK
Rheinmetall Automotive
Mahle Kolben
BBS
) mit Standorten in Stuttgart, Sindelfingen,
Neckarsulm
, Mannheim,
Rastatt
Gaggenau
Bühl
, Ulm, Friedrichshafen und
Weissach
die Herstellung von Metallerzeugnissen (z.
B.
Wieland-Werke
AG in Ulm).
Im Schwarzwald war früher die Feinmechanik sehr bedeutend, insbesondere die Uhrenindustrie sowie später die Unterhaltungselektronik (
Junghans
Kienzle
SABA
Dual
).
Auf der
Schwäbischen Alb
war und ist hauptsächlich die Textilindustrie (mit
Hugo Boss
Trigema
und
Steiff
) von Bedeutung.
Die
Mineralölraffinerie Oberrhein
in Karlsruhe ist die zweitgrößte Mineralölraffinerie in Deutschland.
In
Walldorf
hat das größte europäische Software-Unternehmen
SAP
seinen Sitz. Aus Baden-Württemberg stammen die bekannten Programme
VirtualBox
TeamSpeak
und
Teamviewer Remote
. Mit
Lexware
ist ein weiterer Softwareentwickler in Baden-Württemberg beheimatet und vor allem durch kaufmännische Softwarelösungen bekannt.
Relevant und bedeutend für die Wirtschaft einiger Städte und Gemeinden ist die
Rüstungsindustrie
mit etwa 120 Unternehmen.
76
So ist
Oberndorf am Neckar
baden-württembergisches Zentrum für Schusswaffen, bspw. von
Heckler & Koch
Rheinmetall
oder ehemals
Mauser
. Darüber hinaus zu erwähnen ist
Junghans Microtec
in
Seedorf
als Hersteller von Zündern und Leitsystemen für Flugkörper. Die Bodenseeregion ist ebenfalls zentral für die Produktion von Verteidigungsgerät.
Der
Stuttgarter Fernsehturm
des
Südwestrundfunks
In Baden-Württemberg produzierten 2009 fast 50 Zeitungsverlage täglich mehr als 220 unterschiedliche Tageszeitungen mit einer Auflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren.
81
Es gab 17 Regionalzeitungen. Die auflagenstärksten (mindestens 80.000 Exemplare) waren die
Südwest Presse
, die
Stuttgarter Nachrichten
, die
Schwäbische Zeitung
, der
Mannheimer Morgen
, die
Badische Zeitung
, die
Badischen Neuesten Nachrichten
, die
Rhein-Neckar-Zeitung
, die
Heilbronner Stimme
und die
Stuttgarter Zeitung
. Die meisten Lokalzeitungen beziehen den
Mantel
von einer Regionalzeitung.
Über 500 Verlage in Baden-Württemberg produzierten jährlich über 10.000 Neuerscheinungen.
81
Viele traditionsreiche Unternehmen wie der
Ernst Klett Verlag
, die
Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck
oder die
Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm
haben ihren Stammsitz im Land.
Offenburg
ist Unternehmenssitz der
Hubert Burda Media
, einer der größten Verlags- und Medienkonzerne Deutschlands und auch auf dem internationalen Markt tätig.
Die wichtigsten
wissenschaftlichen Bibliotheken
Baden-Württembergs sind die
Württembergische Landesbibliothek
und die
Badische Landesbibliothek
. In den 800
öffentlichen Bibliotheken
des Landes in kommunaler Trägerschaft wurden 2014 etwa 16 Millionen Medien verfügbar gehalten.
82
Hinzu kommen mehrere hundert Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft.
83
Der
öffentlich-rechtliche Rundfunk
wird vom
Südwestrundfunk
betrieben. Er unterhält mehrere
Orchester und Chöre
, darunter das
SWR Symphonieorchester
, das SWR Vokalensemble Stuttgart und die
SWR Big Band
Im privaten Hörfunk gab es 2010 neben 13 Lokalsendern drei regionale Bereichssender (
Radio Regenbogen
Antenne 1
Radio
) und einen überregionalen Sender vorwiegend für junge Menschen (
bigFM
). Zwölf nichtkommerzielle private Hörfunkveranstalter, wie
Bermudafunk
Querfunk
oder
radioaktiv
, und fünf Lernradios ergänzen das Angebot.
84
Die Sender BWeins,
HD Campus TV
und Baden TV bieten ein privates Fernsehlandesprogramm. Darüber hinaus gibt es 14 regionale Fernsehsender wie das
Rhein-Neckar Fernsehen
Regio TV Schwaben
oder
RTF.1
Neckar-Alb. Acht private bundesweite Veranstalter senden aus Baden-Württemberg.
85
Bauernhof im südlichen Schwarzwald
Burg Hohenzollern
am
Albtrauf
Pro Jahr werden im
Fremdenverkehrsgewerbe
Baden-Württemberg rund 49 Millionen Übernachtungen gezählt.
86
Das mittelständisch geprägte Tourismusgewerbe trägt rund fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der Tourismus bietet etwa 200.000 Arbeitsplätze sowie 8000 Ausbildungsplätze. Da die Arbeitsplätze standortgebunden sind, gelten sie als relativ sicher.
Der Schwarzwald ist die wichtigste Erholungsregion in Baden-Württemberg und das meistbesuchte Urlaubsziel unter den deutschen Mittelgebirgen.
87
Er ist insbesondere für seine romantischen Täler, Schluchten, Mühlen und die
typischen Bauernhöfe
sowie als Herkunftsort der
Kuckucksuhr
bekannt. Er ist wegen seines guten Wegenetzes mit Fernwanderwegen wie dem
Westweg
ein beliebtes Wandergebiet. Rund um den
Feldberg
(1493
m), dem höchsten Berg im Schwarzwald, sowie in vielen anderen Orten des Schwarzwalds hat der
Wintersport
eine lange Tradition.
Der
Bodensee
mit der Alpenkette im Hintergrund ist ebenfalls ein gut besuchtes Reiseziel und
Naherholungsziel
für die Städter; hier finden sich mit den
Pfahlbauten Unteruhldingen
und der zum UNESCO-Welterbe zählenden
Klosterinsel Reichenau
Zeugnisse unterschiedlichster Epochen. Am See haben die Blumeninsel
Mainau
und die alten Städte
Konstanz
und
Meersburg
die höchsten Besucherzahlen. Nicht weit von der Region um den Bodensee liegen das
Donautal
sowie
Oberschwaben
mit den alten
reichsstädtisch
geprägten Kleinstädten
Biberach an der Riß
und
Ravensburg
. Die
Oberschwäbische Barockstraße
führt durch dieses Zentrum des
Barocks
nördlich der Alpen.
Das württembergische
Allgäu
lockt mit seiner Landschaft und vielen Wandermöglichkeiten, ebenso wie weiter nördlich der
Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald
Die Schwäbische Alb ist für ihre kleinen romantischen Städte (z.
B.
Bad Urach
), die Heidelandschaften, die ausgedehnten Wälder, die Höhlen, Burgen und Schlösser bekannt (
Burg Hohenzollern
Schloss Lichtenstein
Schloss Sigmaringen
). Baden-Württemberg hat rund 60
Heilbäder
und
Kurorte
, insbesondere im Schwarzwald und in Oberschwaben.
Anziehungspunkte für Städtereisende sind auch die Kurstadt Baden-Baden mit ihrer berühmten Spielbank, die von ihrer akademischen Bevölkerung geprägten alten
Universitätsstädte
Heidelberg (
Heidelberger Schloss
und Altstadt), Freiburg im Breisgau (
Münster
und „
Bächle
“ in der Altstadt) und Tübingen (am Rande des idyllischen Waldes
Schönbuch
gelegen, bekannt für seine
Stocherkähne
auf dem Neckar), die alten Reichsstädte
Esslingen am Neckar
, Reutlingen und Ulm und die zentral gelegene Landeshauptstadt Stuttgart mit dem zoologisch-botanischen Garten
Wilhelma
, der
Staatsgalerie
und den Automobilmuseen (
Mercedes-Benz
Porsche
). Neben der Wilhelma gibt es weitere
Botanische Gärten
in
Freiburg
Heidelberg
Hohenheim
Karlsruhe
, Konstanz,
Tübingen
, und in
Ulm
, der Stadt mit dem von 1885 bis 2025 höchsten Kirchturm der Welt.
Der
Europa-Park
im südbadischen
Rust
ist Deutschlands größter Freizeitpark mit über fünf Millionen Besuchern im Jahr. Der
Erlebnispark Tripsdrill
bei
Cleebronn
, der erste Freizeitpark in Deutschland, ist sehr bekannt.
Beliebt sind auch die
badische
und die
schwäbische Gastronomie
sowie die
badischen
und
württembergischen
Weine. Im Schwarzwaldort
Baiersbronn
befinden sich mit der
Schwarzwaldstube
und dem
Restaurant Bareiss
zwei Restaurants, die vom
Guide Michelin
mit drei Sternen ausgezeichnet sind.
88
Insgesamt befinden sich 74
Sternelokale
in Baden-Württemberg.
89
Die
Digitalwirtschaft
in Baden‑Württemberg ist ein wichtiger Wirtschaftszweig des Landes. Sie profitiert von der hohen Forschungsintensität Baden‑Württembergs und wirkt als zentraler Treiber der
digitalen Transformation
90
91
Mit der Kampagne
„The Länd“
entstand auch die Digitalisierungsstrategie des Landes „digital.LÄND – für alle digital“, mit dem Baden-Württemberg als Wirtschaftsstandort im
digitalen Bereich
gestärkt werden soll.
92
Des Weiteren wird mit der Kampagne „The Länd“ versucht, durch Digitalisierungszentren, auch Digital Hubs genannt, auch kleinen und mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg Digitalisierung zu ermöglichen.
93
Durch verschiedene
Communities
wie „The FOSS-Länd Community“ („Free-and-Open-Source-Software“)
94
und „CyberLänd“
95
wird versucht, die Digitalwirtschaft in Baden-Württemberg zu unterstützen.
Die
Kochertalbrücke
in
Hohenlohe
ist Deutschlands höchste Talbrücke
Die wichtigsten Autobahnen sind in Süd-Nord-Richtung die
(von
Basel
über Karlsruhe bis
Weinheim
und weiter Richtung
Frankfurt am Main
) und die
81
(von Singen am Hohentwiel über Stuttgart nach Würzburg). Weiter östlich stellt die
, die allerdings nur auf einem kurzen Abschnitt zwischen Ulm und Ellwangen durch baden-württembergisches Gebiet verläuft, eine weitere Süd-Nord-Verbindung dar.
In West-Ost-Richtung haben die
(von Saarbrücken kommend über Mannheim und Heilbronn nach Crailsheim und weiter Richtung Nürnberg) und die
(von Karlsruhe über Stuttgart nach Ulm und weiter Richtung München) die größte Bedeutung. Besondere straßenbauliche Herausforderung war und ist der
Albaufstieg
, der auf 16
km Länge rund 380
m Höhendifferenz vom Albvorland bis zur Albhochfläche überwindet.
Beide West-Ost-Autobahnen liegen weitgehend in der nördlichen Hälfte des Landes, in der bergigen Südhälfte fehlt eine durchgehende West-Ost-Autobahn. Der Verkehr in diesen Richtungen wird hier durch Bundesstraßen aufgenommen, wie durch die
31
, welche durch den Südschwarzwald sowie am nördlichen Bodenseeufer entlangführt und dabei die Autobahnen
81
und
96
miteinander verbindet. Letztere erschließt den äußersten Südosten des Landes. Lediglich am Rande des Hochrheins entsteht derzeit nach und nach eine neue Autobahn, die
98
, von der es bereits einige Teilstücke gibt.
Gerade die Autobahnen um die Großstädte Baden-Württembergs werden vor allem während der Stoßzeiten von sehr starkem Verkehr belastet. Staus von über 25 Kilometern Länge sind auch außerhalb von Urlaubszeiten keine Seltenheit.
Die meistbefahrene Kreuzung Baden-Württembergs ist die als
Echterdinger Ei
bekannte Anschlussstelle Stuttgart-Degerloch, welche die Kreuzung der A
8 mit der autobahnähnlich ausgebauten
27
bildet. Es liegt einige Kilometer östlich des Autobahnkreuzes Stuttgart und wird jeden Tag von 170.000 bis 180.000 Fahrzeugen befahren.
Die Länge der Autobahnen im Land beträgt 1056
km, die Länge der
Bundesstraßen
4202 Kilometer. Die
Landesstraßen
sind 10.053 Kilometer lang, die
Kreisstraßen
12.115 Kilometer. (Stand 2022)
96
Schematisches RadNETZ BW
Das Bundesland ist durch das
RadNETZ BW
großflächig für den Radverkehr erschlossen. Das Netz umfasst etwa 8.000
km Wegelänge beschilderter Radwege, welche die Mittel- und Oberzentren verbinden.
97
Es bestehen außerdem zahlreiche
Radwanderwege
Der Radverkehr in Baden-Württemberg hält derzeit (Stand 2018) etwa einen Anteil von 10
% am Modal Split.
98
Ziel der Landesregierung sind bis 2030 20
% Anteil am Gesamtverkehr.
99
Insbesondere in den größeren Städten kommt dem Radverkehr eine zentrale Rolle innerhalb des lokalen Verkehrs zu.
Karlsruhe
und
Freiburg
belegen seit 2012 durchgehend eine Platzierung innerhalb der Top drei beim bundesweiten
Fahrradklimatest
des
ADFC
. Dies zeigt sich in den Radverkehrsanteilen von 33
% in Karlsruhe (2018)
100
und 31
% in Freiburg (nur Stadtbevölkerung).
101
Das Land Baden-Württemberg plant und baut mehrere
Radschnellwege
im Land. Bis 2030 sollen solcher 20 Infrastrukturprojekte realisiert worden sein.
Weltkulturerbe Kloster Maulbronn
Mit der
Klosterinsel Reichenau
im Bodensee, der
Zisterzienser
abtei
Kloster Maulbronn
und den
Höhlen der ältesten Eiszeitkunst
liegen drei Stätten des
UNESCO-Welterbes
vollständig in Baden-Württemberg. An vier weiteren Welterbestätten hat das Land Anteil: An den
Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen
mit Fundstätten überwiegend um den Bodensee und
Federsee
; am
Obergermanisch-Raetischen Limes
im Norden und Osten des Landes; zwei Häuser in der Stuttgarter
Weißenhofsiedlung
wurden 2016 als Teil des
architektonischen Werks von Le Corbusier
in die Welterbeliste aufgenommen;
Baden-Baden
erhielt den Welterbe-Status 2021 als eine der
bedeutenden Kurstädte Europas
In der
Badischen Landesbibliothek
in Karlsruhe wird die Ausgabe
C des
Nibelungenlieds
aufbewahrt. Die drei vollständigen Handschriften aus dem 13. Jahrhundert wurden gemeinsam im Juli 2009 zum
UNESCO-Weltdokumentenerbe
ernannt.
Der
Barbarastollen
ist ein stillgelegter Versorgungsstollen bei
Oberried
in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Als einziges Objekt in Deutschland unterliegt der Barbarastollen dem Sonderschutz nach den Regeln der
Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten
. Er dient seit 1975 als
Zentraler Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland
zur Lagerung von fotografisch archivierten Dokumenten mit hoher national- oder kulturhistorischer Bedeutung. In Europa ist er das größte
Archiv
zur
Langzeitarchivierung
. Seit 1978 ist der Bergungsort auch in das Internationale Register der Objekte unter Sonderschutz bei der
UNESCO
in
Paris
eingetragen.
Im
Creative Cities Network
der UNESCO sind die Städte
Heidelberg
(UNESCO City of Literature),
Karlsruhe
(UNESCO City of Media Arts) und
Mannheim
(UNESCO City of Music) vertreten.
Im Süden und entlang des Rheins wird die
schwäbisch-alemannische Fastnacht
gefeiert. Das
Cannstatter Volksfest
wird nach dem Münchner Oktoberfest als zweitgrößtes Volksfest der Welt bezeichnet. Seit 1978 werden im Land die
Heimattage Baden-Württemberg
veranstaltet.
Das
Ulmer Münster
mit dem von 1885 bis 2025 höchsten Kirchturm der Welt
Während 2001 noch 74 Prozent einer der beiden großen
Konfessionen
angehörten, waren es 2019 noch 60 Prozent
103
104
und 2022 nur noch 57 Prozent.
105
Wie überall in Deutschland steigt die Zahl von Menschen, die
keiner
oder anderen Religionen (z.
B. Islam) zugehörig sind. Von den neun Großstädten in Baden-Württemberg hat derzeit keine noch eine Mehrheit an Kirchenmitgliedern.
106
107
Für Baden-Württemberg wurden folgende Mitgliederzahlen der Religionsgemeinschaften veröffentlicht:
Verteilung der Konfessionen/Religionen im Land Baden-Württemberg
Konfession/Religion
Jahr
Anteil
in Prozent
Anzahl
römisch-katholisch
2021
30,8
3.425.822
108
evangelisch
2021
26,4
2.934.900
105
muslimisch
2018
7,4
0.
819.000
109
110
christlich-orthodox
2011
2,0
0.
222.890
111
neuapostolisch
2017
0,8
0.0
83.000
112
methodistisch
2019
0,3
0.0
31.000
113
Zeugen Jehovas
2017
0,3
0.0
29.433
114
buddhistisch
2003
0,2
0.0
25.000
115
hinduistisch
2003
0,1
0.0
15.000
115
baptistisch
2019
0,1
0.00
9.941
116
jüdisch
2019
0,1
0.00
7.918
111
Konfessionslose
und andere
Konfessionen
Durch den Zuzug von
Assyrern
aus dem
Nahen Osten
, die der
syrisch-orthodoxen Kirche
angehören, ist auch das
altorientalische Christentum
in Baden-Württemberg beheimatet. Die syrisch-orthodoxe Kirche hat allein in Baden-Württemberg 25.000 Mitglieder.
117
Unabhängig von der Kirchensteuer zahlt Baden-Württemberg jährlich über 130 Millionen Euro an
Staatsleistungen
an die römisch-katholische und die evangelische Kirche.
118
Siehe auch:
Erzbistum Freiburg
Bistum Mainz
und
Diözese Rottenburg-Stuttgart
Evangelische Landeskirche in Baden
und
in Württemberg
Neuapostolische Kirche Süddeutschland
Alt-Katholische Kirche in Deutschland#Verbreitung nach Bundesländern
Amts-
und
Verkehrssprache
ist
. Zahlreiche weitere
Sprachen
und
Dialekte
werden von jenen gesprochen, die aus anderen Sprach- oder Mundartregionen kommen oder einen entsprechenden
Migrationshintergrund
haben.
Das traditionelle Verbreitungsgebiet westoberdeutscher (=
alemannischer) Dialektmerkmale im 19. und 20. Jahrhundert, an dem Baden-Württemberg wesentliche Anteile hat
Die angestammten Dialekte werden von Sprachwissenschaftlern in
oberdeutsche
und
mitteldeutsche
Mundarten gruppiert:
Zwischen den Mundarträumen bestehen Übergangsgebiete, die sich keinem der Räume eindeutig zuordnen lassen. Es existieren vor allem südfränkisch-schwäbische (unter anderem um
Calw
, um Pforzheim,
Zabergäu
), südfränkisch-niederalemannische (um
Baden-Baden
und Rastatt) und schwäbisch-niederalemannische (
Oberschwaben
) Übergangsgebiete. Vor allem in diesen Gegenden wird die Unschärfe der
germanischen Dialektgliederung
deutlich. Neuere Entwicklungen sind das Eindringen schwäbischer Dialektmerkmale nach Heilbronn und
Schwäbisch Hall
Das Land wird auch außerhalb der Landesgrenze mit (vor allem schwäbischen) Dialektsprechern assoziiert, so etwa bei der klischeehaften Identifizierung von
Schwaben in Berlin
. Die Landesregierung unter Erwin Teufel griff dies 1999 auf, indem sie den Werbespruch „
Wir können alles. Außer Hochdeutsch.
“ prägte. Bekannte Mundartkünstler sind z.
B. die Dichter bzw. Schriftsteller
Thaddäus Troll
und
Harald Hurst
, der Volksschauspieler und Komiker
Willy Reichert
, der Schauspieler
Walter Schultheiß
und der Kabarettist
Christoph Sonntag
. Es gibt Fernsehsendungen im Dialekt wie
Hannes und der Bürgermeister
oder die
Comedyserie
Tschappel
. Der
Kinofilm
bzw. die
Fernsehserie
Die Kirche bleibt im Dorf
wurden in Mundart verfilmt. Eine Verschriftlichung der Mundart wie in
Luxemburg
steht hingegen nicht zur Debatte.
Im Juli 2023 gründete sich der Dachverband der Dialekte Baden-Württemberg (DDDBW). Dieser wird – bisher einmalig in Deutschland – auf Initiative einer über 50 Landtagsabgeordneten umfassenden Parlamentariergruppe vom Land Baden-Württemberg institutionell unterstützt.
119
Als Dachorganisationen für den Sport in Baden-Württemberg gibt es die drei Landessportbünde
Württembergischer Landessportbund
(WLSB),
Badischer Sportbund Freiburg
(BSB) und
Badischer Sportbund Nord
(BSB Nord). Übergeordneter Verband ist der
Landessportverband Baden-Württemberg
(LSV), der auch Mitglied im
Deutschen Olympischen Sportbund
ist.
Die
MHPArena
in Stuttgart
Stuttgart war Spielort der Fußball-Weltmeisterschaften
1974
und
2006
. In der
Fußball-Bundesliga
spielen mit dem fünfmaligen deutschen Meister und vierfachen Pokalsieger
VfB Stuttgart
, dem
SC Freiburg
, dem
1. FC Heidenheim
und der
TSG 1899 Hoffenheim
vier Vereine aus Baden-Württemberg. In der
2. Bundesliga
ist das Land mit dem
Karlsruher SC
vertreten. In der
3. Liga
sind der
SSV Ulm 1846
, der
SV Waldhof Mannheim
und die 2. Mannschaften des VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim aktiv. Der ehemalige Bundesligist
Stuttgarter Kickers
spielt derzeit in der viertklassigen
Regionalliga Südwest
. Aus dem heutigen Baden-Württemberg kommen die ehemaligen Deutschen Meister
Freiburger FC
(1907),
FC Phönix Karlsruhe
(1909),
Karlsruher FV
(1910) und
VfR Mannheim
(1949). In der
Frauen-Bundesliga
spielen der SC Freiburg und die TSG 1899 Hoffenheim. Ehemalige Bundesligisten sind:
SC Sand
VfL Sindelfingen
TSV Crailsheim
SC Klinge Seckach
TSV Ludwigsburg
TuS Binzen
und
VfL Ulm/Neu-Ulm
Der baden-württembergische Fußball wird von drei regionalen Landesverbänden organisiert:
Badischer Fußballverband
(BFV),
Südbadischer Fußballverband
(SBFV) und
Württembergischer Fußballverband
(WFV).
In Baden wurde mit dem
Mannheimer Schulsystem
der Vorläufer des modernen
Schulsystems
entwickelt.
120
Heute folgt in Baden-Württemberg nach der vierjährigen
Grundschule
ein vielgliedriges Schulsystem mit
Hauptschule
und
Werkrealschule
Realschule
Gymnasium
und
Gemeinschaftsschule
121
Schüler mit und ohne Behinderung werden gemeinsam erzogen und unterrichtet (
inklusive Pädagogik
).
122
Die sonderpädagogische Beratung, Unterstützung und Bildung findet in den allgemeinen Schulen statt, soweit Schüler mit Anspruch auf ein entsprechendes Bildungsangebot kein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum besuchen.
123
In ganz Baden-Württemberg gibt es lediglich drei
integrierte Gesamtschulen
in Freiburg, Heidelberg und Mannheim, die als Schulen besonderer Art im
Schulgesetz für Baden-Württemberg
eine Sondergenehmigung erhalten haben.
124
Des Weiteren führt Baden-Württemberg als einziges Land in Deutschland die besondere Form des „sechsjährigen Wirtschaftsgymnasiums“, welches das bundesweit einzige
berufliche Gymnasium
ist, das bereits mit der gymnasialen Mittelstufe beginnt. Der Besuch beginnt in der achten Klassenstufe und endet in Jahrgangsstufe 13 mit der
allgemeinen Hochschulreife
. Nach dem Regierungswechsel 2011 führte die Landesregierung (
Kabinett Kretschmann I
) als neue Schulform in Baden-Württemberg die
Gemeinschaftsschule
ein, die meist aus ehemaligen Hauptschulen (bzw. Werkrealschulen), vereinzelt auch aus Realschulen gebildet wurden. Zum Schuljahr 2013/14 gab es 129 Gemeinschaftsschulen im Land, weitere 81 folgen 2014.
125
Siegel
der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Baden-Württemberg verfolgt eine dezentrale Bildungs-, Hochschul- und Forschungsinfrastruktur. Die Hochschulen sind über das ganze Land verteilt. Insgesamt liegen über ein Viertel aller Hochschulstandorte im ländlichen Raum.
In Baden-Württemberg gibt es neun staatliche Universitäten, sechs pädagogische Hochschulen (Universitäten gleichgestellt) sowie die private
Zeppelin-Universität
und 73 staatliche und private Hochschulen.
126
Die baden-württembergischen
Hochschulen
gehören zu den renommiertesten in Deutschland. In einer
Hochschulplatzierung
des Magazins
Focus
(2005) wurden sechs baden-württembergische Universitäten unter die besten zehn eingestuft.
127
In
Heidelberg
befindet sich die älteste Universität in Deutschland; außerdem gibt es noch Universitäten in
Freiburg
Konstanz
Mannheim
Stuttgart
Tübingen
Stuttgart-Hohenheim
Ulm
, in Nachfolge der Universität Karlsruhe das
Karlsruher Institut für Technologie
sowie die private
Zeppelin-Universität
in Friedrichshafen.
128
2006 wurde die ehemalige Universität Karlsruhe bei der
Exzellenzinitiative
des Bundes und der Länder als eine von bundesweit drei zu fördernden Universitäten mit „Zukunftskonzepten“ ausgewählt. In der zweiten Runde der Exzellenzinitiative folgten 2007 die Universitäten Heidelberg, Konstanz und Freiburg als zu fördernde Hochschulen nach, sodass zeitweise vier von insgesamt neun der durch die Exzellenzinitiative in allen drei Förderlinien geförderten deutschen Universitäten in Baden-Württemberg lagen. Im Zuge der dritten Runde der Exzellenzinitiative im Jahr 2012 verloren das Karlsruher Institut für Technologie und die Universität Freiburg diesen Status, während die Universität Tübingen erstmals diese Auszeichnung erlangte. Im Jahr 2019 konnten vier baden-württembergische Universitäten im Rahmen der
Exzellenzstrategie
des Bundes und der Länder den Titel „Exzellenzuniversität“ erringen (welcher insgesamt elf Mal vergeben wurde) und somit deutlich mehr als in jedem anderen Bundesland. Bei den ausgezeichneten Universitäten handelt es sich um die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die Universität Konstanz und die Universität Tübingen.
129
Zwei weitere – die Universitäten in Freiburg und Stuttgart – erreichten darüber hinaus das Finale der Exzellenzstrategie.
130
Die staatlichen
Fachhochschulen
tragen in Baden-Württemberg seit 2006 den Titel
Hochschule
. Seit 2022 gehören diese Hochschulen dem
Promotionsverband der Hochschulen für angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg
an, der das Promotionsrecht besitzt. Neben einer Vielzahl von weiteren Hochschulen, wie
Kunst- und Musikhochschulen
oder
pädagogischen Hochschulen
wird der
tertiäre Bildungsbereich
durch die
Duale Hochschule Baden-Württemberg
ergänzt. Bundesweit einzigartig ist die
Popakademie Baden-Württemberg
. In Ludwigsburg befindet sich die renommierte
Filmakademie Baden-Württemberg
Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden.
Hrsg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg. 8 Bände. Kohlhammer, Stuttgart 1974–1983.
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Geschichte Baden-Württembergs. Ein Lesebuch.
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lpb-bw.de > Politikthemen > Geschichtsdossiers
Landeszentrale für politische Bildung.
Urteil des BVerfG vom 30. Mai 1956
Entstehung des Südweststaats
Datenbank Zensus 2011, Baden-Württemberg
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Leben und Arbeiten → Altersstruktur – Bevölkerung nach Alters- und Geburtsjahren.
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Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
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Memento
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Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
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Memento
vom 19. Juli 2011 im
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Internetauftritt der Studie „Wegweiser Kommune“
11,28 Millionen Menschen: Rekordzahl für Baden-Württemberg
In:
Stuttgart Journal
vom 30. November 2023, abgerufen am 30. November 2023.
Peter Koblank:
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August 2019
Neue Recherche.
Die Landesbibliographie Baden-Württemberg ist zum 1. Januar 2024 vom Statistischen Landesamt in den Verbundkatalog K10plus umgezogen. Verbunden mit dieser Umstellung der Datenhaltung ist eine neue Rechercheoberfläche.
In:
blb-karlsruhe.de.
Badische Landesbibliothek
abgerufen am 15.
März 2025
48.53
9.05
Koordinaten:
48°
32′

3′