de.planet.wikimedia.org
Mitgestalten statt zuschauen: Erfahrungen aus dem
Wikimedia-Präsidium
Thursday, 16 April 2026 09:19 UTC
Das Präsidium spielt eine zentrale Rolle im Verein: Es besetzt
den geschäftsführenden Vorstand, begleitet dessen Arbeit und
entwickelt die strategische Ausrichtung von Wikimedia Deutschland
und damit von Wikipedia und Freiem Wissen weiter. Doch was bedeutet
es eigentlich, diese Verantwortung ehrenamtlich zu übernehmen? Was
motiviert Menschen dazu, zu kandidieren und was lässt sich wirklich
bewegen?
Zum Abschluss ihrer Amtszeit blicken Valerie und Nora zurück:
auf prägende Momente, Herausforderungen und das, was ihr Engagement
für Freies Wissen ausgemacht hat. Gleichzeitig richtet sich der
Blick nach vorn – auf all jene, die sich vorstellen können, selbst
für das Präsidium zu kandidieren.
Kandidaturaufruf
Was hat euch damals dazu bewegt, euch
für das Präsidium von Wikimedia Deutschland aufstellen zu
lassen?
Valerie:
Ich kam als Kind mit meiner Familie als
Flüchtlinge nach Deutschland und meine Eltern haben uns immer
eingebläut: “Wissen ist das Wichtigste auf der Welt! Du kannst es
überall mit hinnehmen und keiner kann es dir stehlen”. Deshalb war
Wikipedia für mich immer ein tolles Projekt und ich wollte es
unbedingt stärker unterstützen.
Nora:
Ich war bereits mehrere Jahre Mitglied bei
Wikimedia Deutschland und hatte in einem Workshop zur Erarbeitung
der Vereinswerte mitgewirkt. Der intensive Austausch mit
Freiwilligen, Mitgliedern des damaligen Präsidiums und Wikimedia
Deutschland-Mitarbeitenden hat mir gezeigt, wie viel Leidenschaft
und Engagement in dieser Community steckt. Diese Erfahrung und
meine Begeisterung für die Wikipedia haben mich dazu motiviert, ein
paar Jahre später zu kandidieren.
CC BY-SA 4.0, Jason Krüger für Wikimedia
Deutschland
Valerie Mocker
1. Stellvertretende
Vorsitzende
Valerie Mocker ist Digital-Unternehmerin und
Tech-for-Good-Investorin mit Fokus auf gemeinwohlorientierte
Digitalisierung. Sie verfolgt in ihrer dritten Amtszeit im
Präsidium das Ziel, Wikimedia und das Movement innovativer und
offener für Frauen und junge Menschen zu machen.
Für alle, die das Präsidium noch
nicht so gut kennen: Was macht die Arbeit im Präsidium konkret
aus?
Valerie:
Das Präsidium ist ein toller Ort für dich, wenn
du dich gerne strategisch einbringen und mitgestalten willst, z. B.
bei Fragen wie “Wohin soll sich die Organisation in den kommenden
fünf Jahren entwickeln?”, “Wird KI uns helfen oder schaden?” oder
“Wie stellen wir sicher, dass unsere Projekte auch in Zukunft
finanziert und von genügend Freiwilligen getragen werden?”.
Nora:
Die Aufgaben im Präsidium sind sehr vielfältig. Sie
reichen von großen, strategischen Fragen zur Ausrichtung des
Vereins, seiner Rolle im internationalen Wikimedia Movement über
Fundraising und konkrete Budgetfragen bis hin zur Entwicklung von
Impulsen für mehr Sichtbarkeit der Wikipedia. In den beiden
Präsidien, in denen ich mitwirken durfte, haben sich die Mitglieder
stets gut ergänzt. Jede*r konnte die eigene Expertise einbringen,
ohne alle Bereiche des Vereins abdecken zu müssen. Also keine
Angst, wenn ihr kandidieren wollt, aber keine
Fundraising-Expert*innen seid oder die Software Wikibase noch nicht
kennt.
CC BY-SA 4.0, Jason Krüger für Wikimedia
Deutschland
Nora Circosta
2. Stellvertretende
Vorsitzende
Nora Circosta ist Vorständin des Vereins innn.it, der die
gleichnamige Kampagnenplattform für einen positiven sozialen Wandel
betreibt. Davor war sie in verschiedenen Organisationen aus dem
Tech-Bereich und der internationalen Entwicklungszusammenarbeit
tätig. Als Präsidiumsmitglied möchte sie einen Schwerpunkt auf
Diversität legen und sich auf die Nachhaltigkeit des Vereins
konzentrieren.
Was hat euch persönlich am meisten
überrascht, als ihr eure Arbeit im Präsidium begonnen
habt?
Nora:
Besonders überrascht hat mich die Kultur des
offenen Dialogs – sowohl innerhalb des Präsidiums als auch in
Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle: Alle Fragen sind
willkommen, über Herausforderungen wird klar gesprochen. Das gilt
für alle Beteiligten, ob Präsidiumsmitglieder, Vorstand oder
Mitarbeitende von Wikimedia Deutschland. Das führt zu einer
Atmosphäre, in der auch komplexe oder schwierige Themen gemeinsam
und inklusiv diskutiert werden können.
Valerie:
Mich hat überrascht, wie viele Menschen jeden
Tag ihr Herzblut in die Wikipedia und andere Wiki-Projekte stecken.
Und wie toll wir von der Wikimedia Deutschland Geschäftsstelle
unterstützt wurden – sie machen es uns so leicht wie möglich, neben
unseren normalen Vollzeit-Jobs auch Präsidiumsmitglied zu sein. Zum
Beispiel finden unsere Sitzungen immer am Wochenenden statt und bei
all unseren Tätigkeiten können wir auch auf die Unterstützung eines
hauptamtlichen Ansprechpartners zurückgreifen.
Was war für euch die größte
Herausforderung in eurer Amtszeit?
Valerie:
Ich hatte zwei sehr schwierige Schwangerschaften
und mein erstes Kind wäre nach der Geburt fast gestorben. Ich teile
das hier mit euch, damit alle, die sich Sorgen machen – “kann ich
das Präsidium schaffen?” –, wissen: Egal, was das Leben dir in den
kommenden Jahren zuwirft – dies ist eine tolle Organisation, die
dich in jeder Lebenslage unterstützen und ermutigen wird,
weiterzumachen.
Nora:
Die Herausforderung, die schon vor meiner ersten
Präsidiumssitzung heiß diskutiert wurde und wohl noch eine Weile
aktuell bleiben wird, dreht sich um die Zukunft der Wikipedia und
aller Wikimedia Projekte. Insbesondere jetzt angesichts der
rasanten Entwicklung von KI und der sich wandelnden globalen
Rahmenbedingungen, haben wir uns als Präsidium intensiv mit neuen
und bewährten Ansätzen, etwa um neue Ehrenamtliche zu gewinnen oder
mehr Lesende zu erreichen, auseinandergesetzt. Ein zentrales
Ergebnis war die Organisation des
Zukunftskongresses
2024. Bei der Veranstaltung wurden
Ehrenamtliche aus der deutschsprachigen Wikipedia zusammengebracht,
um zu diskutieren, wie Freies Wissen nachhaltig weiterentwickelt
werden kann. Hier gab es Impulsvorträge, Brainstormings und erste
konkrete Ideen. Anfang 2026, gab es eine erfolgreiche
Fortsetzung der Veranstaltung auf internationaler Ebene mit dem
Wikimedia
Futures Lab
”, das von Wikimedia Deutschland und der Wikimedia
Foundation organisiert wurde.
Auf welchen Moment oder welche
Entscheidung blickt ihr besonders gern zurück?
Valerie:
Wir haben es geschafft, die Wechsel unserer
Vorstände glatt und gut durchzuführen. Mit Franziska Heine als
Vorständin und Alice Wiegand als Präsidiumsvorsitzende haben wir
zudem die ersten Frauen an die Spitze von Wikimedia Deutschland
gebracht. Darauf bin ich sehr stolz!
Nora:
Ein Meilenstein war auch die Einführung einer
Vorstandsevaluation. Diese haben Valerie gemeinsam mit der
Vorsitzenden Alice und mir als Mitglieder des Vorstandsausschusses
in der vergangenen Amtszeit angestoßen und umgesetzt. Für uns ist
eine solche Evaluation ein wichtiger Bestandteil einer modernen und
verantwortungsvollen NGO-Führung. Und sie trägt maßgeblich zu einer
konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Vorstand bei.
Was habt ihr aus der Zusammenarbeit
im Präsidium und mit dem Verein mitgenommen?
Valerie:
Viel neues Wissen und viele tolle
Begegnungen!
Nora:
Die Zusammenarbeit im Präsidium war unglaublich
bereichernd. Gremienarbeit kann so vielfältig und konstruktiv sein,
wenn engagierte Menschen mit echtem Interesse an dem Verein,
kollegial und kompromissbereit zusammenarbeiten. Wir haben gezeigt,
dass ein Präsidium die Geschäftsstelle auch in schwierigen Phasen
enorm unterstützen kann. Etwa bei herausfordernden Verhandlungen
mit der Wikimedia Foundation oder komplexer Kommunikation in der
Community. Vor allem dann, wenn Vertrauen und eine konstruktive
Zusammenarbeit gegeben sind.
Ekvidi
Wikimedia Deutschland
Mitgliederversammlung 2024 103
CC BY-SA 4.0
Nora hat
das Wort auf der Mitgliederversammlung 2024
Warum habt ihr euch entschieden,
nicht erneut zu kandidieren?
Nora:
In meinen zwei Amtszeiten konnte ich dazu
beitragen, dass der Verein stabil aufgestellt ist. Ich freue mich,
dass ich meine Erfahrungen in den Bereichen Fundraising, Führung
und internationale Zusammenarbeit für Wikimedia Deutschland
einbringen konnte. Jetzt sind mal andere an der Reihe: Unter den
Vereinsmitgliedern gibt es viele großartige Menschen mit weiteren
wertvollen Fähigkeiten, von denen unsere Mission in den nächsten
Jahren profitieren kann. Daher möchte ich ausdrücklich zur
Kandidatur ermutigen! Außerdem bin ich durch die
Arbeit im Präsidium neugierig auf unseren Wissensgraphen Wikidata
geworden – die neu gewonnene Zeit möchte ich nutzen, um dort selbst
aktiv beizutragen.
Valerie:
Mein Unternehmen
Wingwomen.org
und meine kleinen
Söhne wachsen gerade gewaltig und erfordern mehr meiner
Aufmerksamkeit.
Was werdet ihr am meisten
vermissen?
Valerie:
Die tollen Menschen!
Nora:
+1 zu den Menschen! Ein diverses, kluges Präsidium,
das Freude an den Sitzungen und Diskussionen hat, sowie die
engagierten Mitarbeitenden bei Wikimedia Deutschland und die
unkomplizierte Art der Zusammenarbeit. Danke!
Was glaubt ihr, werden die nächsten
großen Herausforderungen für Wikimedia Deutschland und das
Präsidium sein?
Nora:
Die nächsten Jahre werden stark von KI und
der angespannten politischen Weltlage geprägt sein, die
derzeit maßgeblich durch die Entwicklungen in den USA beeinflusst
wird. Damit ist eine der wichtigsten Fragen, wie wir Freies
Wissen in dieser sich schnell wandelnden Welt sichern und fördern
können. Dafür braucht es klare Haltung, Mut auch mal Gegenwind
auszuhalten, und eine starke internationale Vernetzung.
Valerie:
Dem kann ich mich nur anschließen!
Ekvidi
Wikimedia Deutschland
Mitgliederversammlung 2024 104
CC BY-SA 4.0
Die
Arbeit im Präsidium lässt sich flexibel gestalten: Valerie
zugeschaltet zur Mitgliederversammlung 2024.
Warum lohnt es sich aus eurer Sicht,
sich im Präsidium zu engagieren?
Nora:
Du hast die Chance, einen spannenden Verein wie
Wikimedia Deutschland von innen kennenzulernen und seine
Ausrichtung aktiv mitzugestalten. Der Austausch mit
Präsidiumskolleg*innen, der Geschäftsführung und Mitarbeitenden,
sowie den Expert*innen und Freiwilligen auch auf internationaler
Ebene ist enorm bereichernd.
Valerie:
Du lernst sehr viel über die Arbeit an der
Spitze von Organisationen, bleibst am Puls der Zeit und wirst sehr
viel Spaß haben!
Was würdet ihr Menschen mitgeben, die
überlegen, selbst für das Präsidium zu kandidieren?
Valerie:
Du bringst eine einzigartige Perspektive
mit – die brauchen wir bei der Gestaltung des Vereins!
Nora:
Fragt euch, was euch motiviert. Und dann, ob ihr
Lust auf Gremienarbeit habt: aktive Teilnahme an Sitzungen,
Diskussionen, konstruktive Zusammenarbeit und strategische
Entscheidungen? Wenn ja, solltet ihr kandidieren!
Ich möchte besonders junge Menschen und Personen mit diversem
Hintergrund ermutigen, sich zu bewerben. Gerade auch, wenn es das
erste Mal ist – denn eure Perspektiven sind wichtig.
Voraussetzungen für die
Kandidatur im Präsisium von Wikimedia Deutschland
Wer Interesse hat, sich im Präsidium zu engagieren, kann sich
hier bewerben:
Zum Kandidaturaufruf
Die Kandidaturphase startet am Donnerstag, 16. April,
und endet am Montag, 11. Mai.
Voraussetzung ist eine
aktive Mitgliedschaft bei
Wikimedia Deutschland
Falls Sie noch kein Mitglied sind, können Sie
einen Antrag
stellen. Wenn Sie bereits
Fördermitglied sind, können Sie ganz unkompliziert per
E-Mail
in eine aktive
Mitgliedschaft wechseln.
Bitte beachten Sie: Mitarbeitende von Wikimedia Deutschland
sowie Personen, deren Anstellungsverhältnis am Tag der Wahl weniger
als ein Jahr zurückliegt, können nicht kandidieren.
Das sind die Top 10 Wikipedia-Artikel im März
Thursday, 16 April 2026 09:16 UTC
Welche Themen die Menschen im
deutschsprachigen Raum besonders beschäftigt, lesen sie in der
Wikipedia nach
Im März wurden folgende Wikipedia-Artikel besonders häufig
aufgerufen:
Siebbi
Christian Ulmen Berlinale 2008
CC BY 3.0
#1 Christian Ulmen
Ende 2025 erstattete die Moderatorin und Schauspielerin
Collien Fernandes
Anzeige gegen ihren Ex-Mann,
den Schauspieler
Christian Ulmen
. Er soll über mehrere Jahre
Fakeprofile seiner Frau ins Internet gestellt und Deepfake-Pornos
verbreitet haben. Sein Wikipedia-Artikel wurde im März ca.
1,2
Millionen
mal aufgerufen.
Superbass
2023-09-28-Collien Ulmen-Fernandes
Deutscher Fernsehpreis 2023 -8658
CC BY-SA 4.0
#2 Collien
Fernandes
Für die Veröffentlichung ihrer Vorwürfe erhielt
Collien Fernandes
deutschlandweit viel
Zuspruch. In Berlin nahmen Tausende an einer Demonstration unter
dem Motto “G
egen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit
allen Opfern”
teil und in einem Offenen Brief an die
Bundesregierung fordern über 250 prominente Frauen eine
Verschärfung der Gesetze zu sexualisierter digitaler Gewalt.
Angesehen wurde Fernandes Wikipedia-Seite rund
1 Million
mal.
Yoni S.Hamenahem,
Chuck Norris, The Delta Force
1986
CC BY-SA 3.0
#3 Chuck Norris
Am 19.03.2026 verstarb
Chuck Norris
im Alter von 86 Jahren unerwartet an den
Folgen eines medizinischen Notfalls. Große Berühmtheit erlangte er
unter anderem als Kampfkünstler und Action-Schauspieler in
verschiedenen Filmen. Seit 2005 zählen außerdem die sogenannten
Chuck Norris Facts
”, im
deutschsprachigen Raum auch “Chuck Norris Witze”, zu den
bekanntesten Internetmemes weltweit. Sein Wikipedia-Artikel riefen
Nutzer*innen
732.903
auf.
Khamenei.ir
Ali Khamenei 2024 (3×4 cropped)
CC BY 4.0
#4 Ali Chamenei
Am 01. März bestätigten die iranischen Staatsmedien den Tod des
obersten Führers
Ajatollah Ali Chamenei
. Er war am 28.02.2026 bei einem
israelisch-US-amerikanischen
Luftangriff
auf seine Residenz in Teheran ums Leben gekommen.
Für mehr als 30 Jahre lenkte er als politisches und religiöses
Oberhaupt die Geschicke der Islamischen Republik.
699.943
mal sahen sich Menschen seine Wikipedia-Seite an.
SVG file:
SiBr4
Designer:
Hamid Nadimi
Construction:
ISIRI
Flag of Iran (official)
, als
gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf
Wikimedia Commons
#5 Iran
Mit dem Ausbruch des Irankrieges Ende Februar lässt sich im März
eine klare Tendenz erkennen. Nicht nur die Artikel über den
Irankrieg 2026
und Ali Chamenei
verzeichnen besonders hohe Aufrufzahlen, auch der Artikel zum
Iran
an sich zog
692.982
Wikipedia-Leser*innen
an.
© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via
Wikimedia Commons),
Hart aber fair –
2020-02-10-4295
CC BY-SA 4.0
#6 Cem
Özdemir
Der Grünen-Politiker
Cem Özdemir
gewann mit seiner Partei am 08.
März 2026 knapp die
Landtagswahl in
Baden-Württemberg
. Zuvor war er bis zum Mai 2025 als
Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft und kurzzeitig auch
als Bundesminister für Bildung und Forschung zuständig. Zugunsten
des Ministerpräsidentenamtes verzichtete er bei der Bundestagswahl
2025 auf eine erneute Kandidatur. Mit seinen persönlichen
Erststimmen erreichte er das beste Ergebnis aller Politiker
Baden-Württembergs
, ebenso wie mit
seinen
585.221
Aufrufen in der Wikipedia.
Andreasgregor
Dominik Krause 2024
CC BY-SA 4.0
#7 Dominik Krause
Dominik Krause
ist Kommunalpolitiker
von Bündnis 90/Die Grünen und designierter Oberbürgermeister von
München. Zunächst erreichte er mit 29,5 Prozent die Stichwahl und
konnte sich dort gegen Amtsinhaber
Dieter Reiter
von der SPD durchsetzen. Damit
ist er der erste Politiker der Grünen, der in München zum
Oberbürgermeister gewählt wurde. In der Wikipedia wurde das
503.773
mal nachgelesen.
Bedřich Meinhard
Lesser coat of arms of
Baden-Württemberg
, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf
Wikimedia Commons
#8 Landtagswahl in
Baden-Württemberg 2026
Neben dem neuen baden-württembergischen Ministerpräsidenten
interessierten sich auch
463.903
Menschen für das
Gesamtergebnis der
Landtagswahl
. Trotz leichter
Verluste konnten die Grünen einen knappen Vorsprung vor der CDU
bewahren. Die AFD landete mit 19 Prozent auf dem dritten Platz, auf
dem vierten die SPD mit 5,5 Prozent. Sowohl Die Linke, als auch die
FDP scheiterten an der
Fünf-Prozent-Hürde
Academy of Motion Picture Arts and
Sciences,
Academy Award for Best Original
Screenplay, 1928, Ben Hecht for Underworld (NBY 2025)
, als
gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf
Wikimedia Commons
#9 Oscarverleihung
2026
Wie jedes Jahr hat es auch die
Oscarverleihung 2026
mit
463.080
Aufrufen wieder in die Top 10 Wikipedia-Artikel im März geschafft.
Den Oscar für den besten Film gewann
One Battle After Another
Beste Hauptdarstellerin und bester Hauptdarsteller wurden
Jessie Buckley
und
Michael B. Jorden
Jacques Descloitres, MODIS Land Rapid
Response Team, NASA/GSFC,
Straße von Hormuz
, als
gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf
Wikimedia Commons
#10 Straße von
Hormus
Die
Straße von Hormus
ist eine Meerenge,
die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, durch sie
verlaufen rund 20% des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Als
Folge des Irankrieges gab der Iran am 2. März offiziell die
Schließung bekannt und löste damit die
größte Unterbrechung der
Ölversorgung
seit der Ölpreiskrise in den 70ern aus. Nach einer
vorläufigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran versucht nur
ihrerseits die US-Marine, die strategische Kontrolle über die
Straße von Hormus durch eine Seeblockade zurückzugewinnen.
421.249
mal informierten sich Menschen dazu in der
Wikipedia.
Ein Artikel, der es zwar nicht in die Top 10 geschafft hat, aber
zum Monatsende sehr viele Aufrufe verzeichnete, verdient aus
unserer Sicht dennoch eine besondere Erwähnung.
Auf Platz #41:
Buckelwal
Charles J. Sharp
creator QS:P170,Q54800218,
Humpback whale (Megaptera
novaeangliae) calf Moorea 2
CC BY-SA 4.0
Ganz Deutschland fiebert seit Wochen mit dem an der Ostseeküste
gestrandeten Buckelwal mit. Nachdem das Tier sich mehrfach in
Fischernetzen verfangen hatte, machten ihm ein niedriger
Wasserstand und eine Sandbank das Weiterschwimmen unmöglich.
Infolge einer aufwändigen Rettungsmission konnte er die Sandbank
zunächst am 27. März durch eine Rinne verlassen. Wenig später
strandete er allerdings erneut und sein Schicksal ist bis heute
offen. Während der Buckelwal „Timmy“ mittlerweile einen
eigenen Wikipedia-Artikel
bekommen hat,
informierten sich
172.708
Menschen insgesamt über Buckelwale
im
dazugehörigen Wikipedia-Artikel
Webinar: Schreiben für
Wikipedia
Wikimedia Deutschland unterstützt verschiedene Projekte, die
Engagierten den Einstieg in die Wikipedia lehren. Wer selbst Lust
hat, Wissen zu teilen oder zu verbessern, kann jederzeit
mitmachen.
Einen Online-Kurs zur Einführung gibt es am 05. Mai, online und
kostenfrei.
MOR im Auftrag von Wikimedia Deutschland,
basierend auf einer Illustration Mam’Gobozi Design Factory (MDF)
für die Wikimedia Foundation., Wikipedia Online-Einführungskurs, CC
BY 4.0
Zur Anmeldung
Wikidata & Wikibase – die tragenden Säulen eines offenen Internets
Tuesday, 14 April 2026 07:35 UTC
Wikidata ist eine beeindruckend große Sammlung freier
Wissensdaten. 2013 gestartet, besteht sie heute aus über
120 Millionen strukturierten
Datensätzen
, die sowohl für Menschen verständlich, als auch für
Maschinen lesbar sind. Nicht nur die Wikipedia greift auf diese
Daten zu, um beispielsweise Informationen wie Einwohnerzahlen oder
Geburtsdaten automatisch zu aktualisieren. Wikidata bildet auch das
Rückgrat zahlreicher digitaler Anwendungen innerhalb und außerhalb
der Wikimedia-Welt – von großen Sprach-Assistenten über Plattformen
wie
Govdirectory
bis hin zu Reise-Apps oder Spielen wie
Wikitrivia
Wissen im Dienste der
Menschheit
Wikidata ist eine der tragenden Säulen eines offenen und
transparenten Internets. Diese Bedeutung wurde im Oktober 2025 mit
einer besonderen Auszeichnung gewürdigt. Die Digital Public Goods
Alliance – eine von den Vereinten Nationen unterstützte Initiative
– hat Wikidata als
digitales Gemeinwohl anerkannt
Wenige Monate zuvor war auch die Wikipedia als Digital Public Good
anerkannt worden.
Lydia Pintscher | Foto:
VGrigas (WMF)
Lydia Pintscher – 1
CC BY-SA 3.0
Wikidata zeigt, dass Technologie den Menschen dienen kann – und
nicht umgekehrt. Es ist ein Gegenentwurf zu Datenmonopolen und
geschlossenen Systemen und ein Ort, an dem eine weltweite Community
gemeinsam Wissen offen, frei und verlässlich verfügbar
macht.
Lydia
Pintscher, Portfolio Lead Wikidata bei Wikimedia
Deutschland
Über 24.000 Ehrenamtliche arbeiten weltweit daran, die
Datenbasis in Wikidata zu prüfen, aktuell zu halten und zu
erweitern. Zusammen mit den Entwicklerteams bei Wikimedia haben
diese Menschen 2025 erheblich dazu beigetragen, ein Internet zu
gestalten, das gerechter, transparenter und menschlicher ist.
Wikidata Embedding Projekt
fördert faire und offene KI-Lösungen
Das gilt besonders für technologische Neuerungen. Während die
offenen Wikidata-Daten seit Jahren von Tech-Unternehmen für das
Training von KI-Systemen genutzt werden, setzen wir uns bei
Wikimedia Deutschland gezielt für die Förderung offener und fairer
KI-Lösungen ein.
Ein zentraler Baustein ist das 2024 gestartete
Wikidata Embedding
Projekt
. Ziel ist es, insbesondere
Open-Source-Entwickler*innen den Zugang zu den Wikidata-Daten zu
erleichtern und so die Entwicklung innovativer, gemeinnütziger
KI-Anwendungen zu fördern.
Im Herbst 2025 wurde im Rahmen des Projekts eine
Vektordatenbank
veröffentlicht.
Sie bereitet die hochwertigen Wikidata-Daten so auf, dass sie
unmittelbar für die Entwicklung generativer KI-Anwendungen nutzbar
sind. Davon profitieren vor allem kleinere Entwicklungsteams und
Open-Source-Initiativen, für die eine solche Aufbereitung bislang
kaum zu leisten war.
Philippe Saade (WMDE)
Philippe Saade
CC BY-SA 4.0
Der Start des Embedding Projekts zeigt, dass leistungsstarke KI
nicht von einer Handvoll Unternehmen kontrolliert werden muss – sie
kann offen und kollaborativ entstehen.
Philippe Saadé,
AI/ML-Projektmanager bei Wikimedia Deutschland
In der ersten Phase des Embedding Projektes wurden rund 23
Millionen Items aus Wikidata über die neue Datenbank
bereitgestellt. Weitere Daten sollen folgen. Das Interesse an dem
Angebot ist bereits hoch: Seit dem Launch wurde auf die
Vektordatenbank zwischen 100.000 und 150.000 Mal pro Monat
zugegriffen.
Community-Aufbau über
Kontinente
Als Wikimedia Deutschland haben wir uns
zum Ziel gesetzt
, dass noch mehr Menschen
Projekte wie Wikipedia und Wikidata nutzen und zu ihnen beitragen
können. Dafür wollen wir leichtere, gerechtere und barriereärmere
Zugangsmöglichkeiten und Vernetzungen schaffen.
Ein Beispiel für neue Wege bei der internationalen
Zusammenarbeit ist das Projekt
Software Collaboration for
Wikidata
, das bis Juni 2025 vom Arcadia Fund gefördert wurde.
Im Rahmen dieser Kooperation arbeiteten Entwickler*innen-Teams aus
Deutschland, Indonesien, Nigeria, Ghana und Brasilien daran,
praktische Werkzeuge für die Arbeit in der freien Wissensdatenbank
zu entwickeln – gerade auch in kleineren Sprachversionen, für die
es oft keine Technologie oder keinen Zugang zu Informationen im
Internet gibt. Unter anderem entstand das neue Tool
Broomstick
, das Editierenden dabei hilft,
Probleme in Wikidata zu erkennen und zu beheben.
Aus der Software Collaboration for Wikidata ist auch das
Projekt
Wiki Mentor Africa
hervorgegangen.
Die Trainingsserie wurde von einem Team aus Nigeria ins Leben
gerufen, das Workshops und Hackathons in verschiedenen
afrikanischen Ländern anbot. Durch das Programm wurden viele
Menschen befähigt, mit Wikidata zu arbeiten und ihr Wissen in ihrer
Sprache ins Internet zu bringen.
Wikimedian of the Year:
Auszeichnung für Softwareentwickler aus Deutschland
Weltweit setzen sich hunterttausende Menschen ehrenamtlich dafür
ein, dass Wissen frei zugänglich wird. Mit der Auszeichnung
„Wikimedian of the Year“ werden jedes Jahr besondere Beiträge und
Errungenschaften gewürdigt. 2025 ging der Preis unter anderem an
Eugene Agbor Egbe. Der gebürtige Kameruner lebt in Paderborn und
gestaltet als Softwareentwickler die technologische Zukunft von
Wikimedia mit. Als Mentor im „Wiki Mentor Africa“-Programm gibt er
sein Wissen und seine Erfahrung an neue Ehrenamtliche in
afrikanischen Communitys weiter.
Mehr dazu
Wie Wikidata Projekte möglich
macht: Einblicke von der WikidataCon
Wie vielseitig die Daten aus Wikidata eingesetzt werden können,
wird jedes Jahr auf verschiedenen Veranstaltungen deutlich. Dazu
gehören die
Wikidata Data Reuse Days
oder
auch das Event
Wikidata and Sister Projects
Ein weiterer zentraler Treffpunkt der internationalen
Wikidata-Community ist die
WikidataCon
, auf der sich jährlich
Ehrenamtliche, Entwickler*innen, Forschende und Organisationen
austauschen, die mit Wikidata arbeiten.
Bei der Konferenz 2025, die Ende Oktober digital stattfand, war
auch der Ehrenamtliche „Cookroach“ dabei. Er stellte das von ihm
mit initiierte Projekt
„Digitale Stolpersteine“
vor.
Europaweit gibt es bis heute über 116.000 Gedenksteine für die
Opfer des Nationalsozialismus. In dem Projekt werden Fotos der
Gedenksteine mit den Biografien der Ermordeten und weiteren
historischen Hintergründen zusammengetragen und in Wikidata
verknüpft. So entsteht ein einzigartiges digitales und frei
zugängliches Netzwerk der Erinnerung.
Ein weiteres Projekt, das auf der WikidataCon vorgestellt wurde,
ist eine App für Hörtraining, die auf
Wikidata-Lexemen
basiert und
Menschen mit Hörschwierigkeiten unterstützt.
Arbeit am
Wikibase-Ökosystem
Ein weiterer Schwerpunkt für Wikimedia Deutschland lag 2025 auf
dem Ausbau des Wikibase‑Ökosystems.
Wikibase
ist die Software, auf
der auch Wikidata basiert. Während Wikidata lange alleiniger
Sammelpunkt für offene strukturierte Daten war, entsteht nun ein
vielfältiges, dezentral organisiertes Netzwerk von Daten-Instanzen.
So sollen Techcommunitys, Forschungsgruppen und Institutionen wie
beispielsweise Bibliotheken eigene Wissensdatenbanken ganz im Stil
von Wikidata, sogenannte Wikibase-Instanzen, betreiben können, um
spezialisierte Daten unabhängig zu pflegen.
Eines von vielen
Beispielen
ist das Projekt einer
Gruppe aus Peru, die Wikibase nutzt, um die indigene
Quechua-
Sprachfamilie zu dokumentieren und ein frei
zugängliches Wörterbuch aufzubauen. Auch die National Library of
Nigeria
nutzt Wikibase
, um Daten über
nigerianische Autor*innen besser zugänglich zu machen und so die
Vernetzung innerhalb der nigerianischen Wissenslandschaft zu
stärken.
Die Zukunft ist frei und
offen
All diese Entwicklungen zeigen, wie wichtig freie und offene
Wissensprojekte wie Wikidata und Wikibase sind. Nicht nur die Zahl
der zugänglichen Daten wächst kontinuierlich – auch immer mehr
Menschen und Initiativen arbeiten an und mit den Projekten. Diese
Entwicklung wird von Wikimedia Deutschland auch in Zukunft
gefördert.
Durch Open-Source-Projekte wie Wikidata können wir Wissensmonopole
verhindern und sicherstellen, dass Wissen als gemeinsames Gut allen
Menschen gleichermaßen zugutekommt.
Franziska
Heine, Geschäftsführende Vorständin von Wikimedia
Deutschland
Open Source Award für Wikidata –
Interview mit Preisträgerin Lydia Pintscher
Ruben Tognetti,
Lydia Pintscher receiving a European
Open Source Award 2025
CC BY-SA 4.0
Lydia
Pintscher erhält einen European Open Source Award 2025 in der
Kategorie Advocacy & Awareness
Große Ehre für Open Source und Freies Wissen: Lydia Pintscher
wurde im Januar 2025 mit dem Europäischen Open Source Award
ausgezeichnet! Als eine der treibenden Kräfte hinter Wikidata hat
sie maßgeblich dazu beigetragen, eine offene und vernetzte
Datenbasis für die Welt zu schaffen. Im Interview spricht sie über
die Bedeutung von Wikidata, die Rolle von Open Source und warum
dieser Preis auch ein wichtiger Meilenstein für die Community
ist.
Zum Interview
Wikidata-Daten via Enterprise APIs: Ein neuer Zugang für große
Datennutzer
Wednesday, 1 April 2026 20:54 UTC
Freies Wissen funktionierte lange nach einer einfachen
Gleichung: Menschen schreiben ehrenamtlich Inhalte, andere können
sie lesen und frei weiterverwenden. Crawler und Bots gab es zwar
schon immer, doch sie bewegten sich im Hintergrund in einem
überschaubaren Rahmen – etwa zur Indexierung für Suchmaschinen oder
andere Wissensplattformen. Viele Nachnutzer, wie beispielsweise
Suchmaschinen oder Sprachassistenten, führten Nutzer*innen zudem
wieder zurück zu Wikipedia und anderen Projekten. So entstand ein
funktionierendes Ökosystem, in dem Nutzung und Mitwirkung sich
gegenseitig verstärkten.
In den vergangenen Jahren hat sich dieses Gleichgewicht jedoch
grundlegend verschoben. Mit dem Aufkommen generativer KI-Systeme
ist der Datenverkehr durch Crawler und Bots großer KI-Anbieter
sprunghaft angestiegen. Sie analysieren Inhalte, extrahieren Daten
und nutzen sie, um eigene Systeme zu betreiben oder zu trainieren –
ohne dabei etwas an die Wikimedia-Projekte zurückzugeben.
Für die technische Infrastruktur, die über Jahre hinweg für
menschliche Nutzung, Wissenssuche und ehrenamtliche Zusammenarbeit
aufgebaut wurde, stellt das eine enorme Herausforderung dar:
Automatisierte Zugriffe belasten
Server
, verlangsamen Werkzeuge und beanspruchen genau die
Ressourcen, die die Community von Wikipedia oder Wikidata für ihre
Arbeit benötigt.
Wenn Nutzung zur Belastung
wird
In diesem Umfeld trägt
Wikimedia Enterprise
dazu bei, wieder etwas Balance
herzustellen. Die Initiative der Wikimedia Foundation verfolgt zwei
zentrale Ziele:
Erstens soll sie die Arbeit der Community und die Stabilität
der Infrastruktur für Freies Wissen schützen.
Zweitens bietet sie großen Technologieunternehmen einen
skalierbaren Zugang zu Wikimedia-Inhalten – in Formaten, die sich
besser für deren technische Anforderungen eignen, für die Nutzung
durch Menschen aber oft weniger relevant sind.
Damit folgt Wikimedia Enterprise den Empfehlungen der
Wikimedia Movement Strategie
, die
auf mehr
Nachhaltigkeit innerhalb der
Bewegung
und eine
Verbesserung der Nutzererfahrung
abzielen. Diese Empfehlungen wurden zwischen 2018 und 2020 in einem
kollaborativen Prozess mit Wikimedia-Organisationen und den
Communitys weltweit erarbeitet.
Über die APIs von Wikimedia Enterprise erhalten Nutzer*innen
strukturierte und verlässliche Daten
. Für
kommerzielle Anwendungen mit hohem Datenbedarf bietet das
Angebot
unter anderem höhere Abfragekapazitäten, Zugriff auf
Echtzeit-Änderungen in großem Umfang sowie professionellen
24/7-Support. Das Preismodell ist dabei so gestaltet, dass alle
Funktionen grundsätzlich auch über einen kostenlosen Zugang im
Sinne der
Projektprinzipien
verfügbar sind
– größere Nutzungskontingente sind jedoch kostenpflichtig.
Die Einnahmen aus Wikimedia Enterprise fließen zurück in die
Wikimedia-Projekte und unterstützen langfristig Infrastruktur,
Softwareentwicklung und Community-Arbeit. Gleichzeitig wird
sichergestellt, dass die öffentlichen Schnittstellen, die von
Ehrenamtlichen und Leser*innen genutzt werden, nicht zusätzlich
belastet werden. Textbasierte Wikimedia-Projekte wie Wikipedia,
Wikivoyage oder Wiktionary sind bereits über Enterprise verfügbar –
nun kommt mit Wikidata ein weiterer zentraler Baustein hinzu.
Wikidatas Inhalte als Teil des
Enterprise-Angebots
Wikidata nimmt im Wikimedia-Ökosystem eine besondere Rolle ein.
Anders als klassische Wikipedia-Artikel besteht es aus
strukturierten Aussagen – sogenannten Tripeln –, die Beziehungen
zwischen Dingen beschreiben: Subjekt → Prädikat → Objekt, zum
Beispiel:
Marie Curie
Beruf
Physikerin
. Dadurch sind die Daten nicht nur für
Menschen lesbar, sondern auch direkt maschinell weiterverarbeitbar.
Genau deshalb sind sie für Suchmaschinen, KI-Systeme und
Wissensdatenbanken besonders wertvoll.
Da Wikidata-Daten nun auch über die Enterprise-APIs verfügbar
sind, können kommerzielle Nutzer*innen gezielt einzelne Datensätze
abrufen, Änderungen in Echtzeit verfolgen oder große Datenmengen
nahtlos in ihre Systeme integrieren – ohne die offenen
Schnittstellen der Community zu überlasten. Für Unternehmen
bedeutet das vor allem: planbare Verfügbarkeit, konsistente
Datenformate und technische Unterstützung für den Einsatz in
produktiven Anwendungen.
In dieser ersten Phase liegt der Fokus auf einem Beta-Zugang,
über den Daten entweder in Echtzeit – also direkt bei Änderungen –
oder gezielt auf Anfrage abgerufen werden können. Vollständige
Datensätze („Snapshots“) werden in einem späteren Schritt ergänzt.
Weitere Details zu den technischen Funktionen finden sich im
Ankündigungsblog
Neue Arbeitsteilung hinter den
Kulissen
Für die Community ist diese Entwicklung vor allem deshalb
relevant, weil sie die Zugriffsstrukturen neu ordnet. Wenn große
Crawler und Bots künftig verstärkt über Wikimedia Enterprise auf
die Daten zugreifen, reduziert sich die direkte Belastung der
technischen Infrastruktur von Wikidata und Wikipedia. Das sorgt für
stabilere Tools, weniger Ausfälle und insgesamt mehr
Verlässlichkeit für alle, die an den Wiki-Projekten arbeiten.
Gleichzeitig bleiben die bestehenden Zugänge zu Wikidata – etwa
der SPARQL Query Service oder die REST-API – unverändert bestehen.
Laut Wikimedia Foundation werden sie weiterhin der zentrale Zugang
für Community-Tools, Forschung und experimentelle Anwendungen
bleiben. Wikimedia Enterprise ersetzt diese Schnittstellen nicht,
sondern ergänzt sie um ein Angebot für hochvolumige, kommerzielle
Nutzung.
Dass diese Trennung notwendig geworden ist, hängt auch mit der
veränderten Rolle von Wikidata zusammen. Der Wissensgraph ist
längst mehr als ein internes Hilfsmittel für Wikipedia und andere
Schwesterprojekte – er ist zu einer globalen Infrastruktur für
strukturierte Informationen geworden, die von zahlreichen externen
digitalen Projekten genutzt wird.
Mit über 120 Millionen Einträgen und Verbindungen zu externen
Normdatenbanken wie VIAF (einer internationalen Datei zur
eindeutigen Identifikation von Personen und Werken) oder GND (der
Gemeinsamen Normdatei, die vor allem im deutschsprachigen
Bibliothekswesen genutzt wird) ist Wikidata zu einem zentralen
Knotenpunkt im offenen Daten-Ökosystem geworden. Entsprechend
wichtig ist eine stabile und verlässliche Infrastruktur, auf die
sich viele Menschen und Anwendungen verlassen können.
Community first
Die Integration von Wikidata in Wikimedia Enterprise wirft in
der Community verständlicherweise auch Fragen auf: Bleiben die
offenen Daten langfristig wirklich frei, wenn sie über
kostenpflichtige Schnittstellen bereitgestellt werden? Können auch
nicht-kommerzielle Projekte mit sehr hohem Datenbedarf auf die
Wikidata-Daten über die Enterprise-APIs zugreifen? Und entstehen
der Community gegenüber Unternehmen tatsächlich keine
Nachteile?
Die kurze Antwort auf alle diese Fragen ist laut Wikimedia
Foundation: Ja.
Alle Daten in Wikidata bleiben weiterhin unter der freien Lizenz
CC0 verfügbar und alle bisherigen Zugänge bleiben bestehen.
Enterprise schafft keinen exklusiven Zugriff, sondern bietet
lediglich einen alternativen Weg für Akteure mit sehr hohem
Datenbedarf. Das Motto der Wikimedia Foundation dabei ist:
Das Wissen ist frei – die
Infrastruktur ist es nicht.
Deshalb können die Wikimedia Enterprise APIs in kleinerem Umfang
auch von allen kostenlos genutzt werden, oder über die
Wikimedia Cloud Services
auf
Echtzeitdaten zugreifen. Wenn nicht-kommerzielle Projekte und
Partner, die unsere Mission teilen, mit großen Datenmengen arbeiten
und erweiterte Anforderungen haben, können sie kostenfreien Zugang
zu erweiterten Nutzungsmöglichkeiten beantragen – ähnlich wie
kommerzielle Nutzer*innen. So nutzt beispielsweise die
gemeinnützige Organisation
Internet Archive
, die alle Internetinhalte
archiviert und eine wichtige Rolle bei der Bewahrung von Wissen im
Internet spielt, den Echtzeit-Stream von Wikimedia-Inhalten über
die Enterprise APIs kostenlos. Wer sich dazu im Detail informieren
will,
findet hier mehr Informationen.
Auch wenn sich das Angebot von Wikimedia Enterprise stärker an
externe, auch kommerzielle Zielgruppen richtet, steht im Kern etwas
anderes im Mittelpunkt: der Schutz der Arbeit der Community und die
Sicherung Freien Wissens. Für Community-Mitglieder und Leser*innen
entstehen dadurch keine Einschränkungen – im Gegenteil: Das Angebot
soll gerade dazu beitragen, solche Einschränkungen langfristig zu
vermeiden.
Echt oder KI? Wie wir Bildern und Videos im Netz noch trauen können
Wednesday, 1 April 2026 14:21 UTC
Wenn Bilder nicht mehr die
Wahrheit sprechen
Künstliche Intelligenz macht es heute einfacher denn je,
täuschend echte Bilder, Videos und Audioinhalte zu erzeugen – und
erschwert damit die Unterscheidung zwischen Realität und
Manipulation. Die Non-Profit-Organisation
WITNESS
arbeitet seit über 30 Jahren an der
Schnittstelle von Menschenrechten und audiovisuellen Medien. Sie
unterstützt Aktivist*innen, Journalist*innen und Communitys dabei,
Übergriffe zu dokumentieren und mit Risiken wie Desinformation
umzugehen.
Diese Arbeit ist heute dringlicher denn je: KI-generierte
Inhalte und andere Formen der Manipulation können Vertrauen gezielt
untergraben, besonders in sensiblen Kontexten. Gleichzeitig geht es
darum, manipulierte Inhalte zu erkennen und die Glaubwürdigkeit
authentischer Medien zu sichern. Auch für Plattformen wie
Wikipedia, Wikidata oder Wikimedia Commons ist das entscheidend.
Ihre frei zugänglichen Medien belegen und veranschaulichen Wissen –
umso wichtiger ist es, Herkunft und Kontext einschätzen zu
können.
Im folgenden Interview gibt shirin anlen, AI Research
Technologist und Impact Managerin bei WITNESS, Einblicke in die
Herausforderungen KI-generierter Medien, zeigt Strategien zur
Verifikation auf und erklärt, wie sich vertrauenswürdige
audiovisuelle Belege schützen lassen.
Takeaways
Echtes und gefälschtes Material lassen sich immer schwerer
unterscheiden:
KI kann täuschend echte Bilder, Videos und
Tonaufnahmen erzeugen – dadurch werden echte Inhalte ebenfalls in
Zweifel gezogen. In diesem Zusammenhang spricht man auch von der
„Liar’s Dividend”.
Einfache Manipulationen sind am häufigsten:
Falsche
Beschriftungen, verkürzte Inhalte oder ein neuer Kontext können die
Aussage eines Mediums massiv verändern – aufwändige Deepfakes sind
dafür meist gar nicht nötig.
Verlässliche Inhalte sichern durch Kontext und
Zusammenarbeit:
Es hilft, die Originaldateien aufzubewahren,
Zeitpunkt, Ort und die Situation der Aufnahme zu dokumentieren, um
im Zweifel die Authentizität eines Beitrags belegen zu können. In
Communitys lässt sich Material gemeinsam noch leichter überprüfen
oder schneller als Fake erkennen.
Überprüfen statt überwältigt sein:
Methoden wie SIFT
helfen: innehalten, Quelle prüfen, weitere Belege suchen und den
Ursprung zurückverfolgen. Reverse Image Search (Bildrückwärtssuche)
oder ein Blick auf die Metadaten eines Mediums helfen ebenfalls,
Manipulation zu erkennen.
Resilienz ist wichtiger als Perfektion:
Niemand muss
oder kann jede Fälschung sofort erkennen. Wichtiger ist, eine gute
Überprüfpraxis zu entwickeln, um bei unsicheren Rahmenbedingungen
verantwortungsvoll handeln zu können.
Hi shirin! Welche Risiken und
Chancen hat der Aufstieg KI-generierter Inhalte für Aktivist*innen
und NGOs gebracht – zum Beispiel, wenn es darum geht,
Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren?
KI-generierte Inhalte haben die Anforderungen im Umgang mit
Medien als Beweismaterial deutlich erhöht. Das größte Risiko
besteht nicht nur darin, dass sich ki-generierte Bilder, Audio-
oder Videoaufnahmen immer leichter erstellen lassen – sondern auch
darin, dass echte Dokumentation schneller in Zweifel gezogen wird.
Dieses Phänomen wird oft als „
Liar’s Dividend
“ bezeichnet: Akteur*innen mit
fragwürdigen Absichten nutzen die Existenz solcher Inhalte, um
authentische Beweise zu diskreditieren.
Für Aktivist*innen und NGOs bedeutet das, dass Verifikation,
Kontext und langfristige Sicherung von Material wichtiger sind denn
je. Ein Video allein reicht oft nicht mehr aus – entscheidend sind
zusätzliche Informationen darüber, wer es aufgenommen hat, wann und
wo es entstanden ist und wie es archiviert wurde.
Gleichzeitig eröffnet KI auch neue Möglichkeiten. Sie kann
Menschenrechtsorganisationen dabei unterstützen, große
Datenbestände zu strukturieren, Aussagen zu transkribieren und zu
übersetzen, Muster von Online-Gewalt zu erkennen oder Inhalte
barrierefreier zugänglich zu machen. Auch bei Recherchen kann KI
helfen, relevantes Material schneller zu finden.
Letztlich geht es also nicht darum, ob KI „gut“ oder „schlecht“
ist. Entscheidend ist, ob wir Praktiken entwickeln, die dafür
sorgen, dass verlässliche Dokumentation auch in einem zunehmend
umkämpften Informationsraum Bestand hat.
shirin anlen CC BY-NC-ND 4.0
shirin
anlen von WITNESS setzt sich sowohl für die Erkennung von
manipulierten Inhalten als auch für die Glaubwürdigkeit von
Inhalten ein.
Welche Formen der Manipulation
von Audio- und Videoinhalten begegnen euch bei WITNESS aktuell am
häufigsten – worauf sollten Menschen besonders achten?
Die häufigsten Manipulationen sind nicht unbedingt die technisch
aufwändigsten. Oft geht es um ältere Aufnahmen, die als aktuell
ausgegeben werden, um echtes Material, das mit falschen Angaben zu
Ort, Zeit oder Kontext versehen wird, oder um Ausschnitte, die so
geschnitten sind, dass entscheidende Informationen fehlen. Viele
dieser Veränderungen sind vergleichsweise einfach – sie zielen
weniger auf Perfektion als auf schnelle Verbreitung ab.
Gleichzeitig beobachten wir neue Formen KI-gestützter
Manipulation, die die Grenzen zwischen authentischen und
synthetischen Inhalten weiter verwischen. So werden etwa echte
Bilder zu kurzen Videos animiert oder authentisches Material mit
künstlich eingefügten Elementen kombiniert. Auch sehr kleine,
gezielte Eingriffe können die Aussage eines Bildes oder Videos
komplett verändern. Hinzu kommen generative Inhalte, die durch
sogenannte „Enhancement“-Techniken erzeugt oder verändert werden.
Besonders Audioinhalte geraten zunehmend in den Fokus, da
Manipulationen hier oft schwerer zu erkennen sind.
Ein großer Teil des Schadens entsteht jedoch nicht nur durch
ausgefeilte Fälschungen, sondern durch das wachsende Misstrauen
insgesamt – die Vorstellung, dass alles manipuliert sein
könnte.
Das erleichtert es, echte Belege infrage zu stellen, und
erschwert es der Öffentlichkeit, verlässliche Informationen zu
erkennen. In vielen Fällen sind einfache Methoden wie falsche
Beschriftungen oder fehlender Kontext nach wie vor verbreiteter und
wirksamer als komplexe KI-Fälschungen. Während spektakuläre
Deepfakes
viel Aufmerksamkeit bekommen, prägen
gerade diese alltäglichen, schnell produzierten und verbreiteten
Manipulationen maßgeblich, wie sich Desinformation verbreitet.
Im Folgenden zeigen wir
einige KI-Trends
, die wir für
das Jahr 2025 identifiziert haben.
Welche einfachen Methoden oder
„erste Checks“ können alle nutzen, um einzuschätzen, ob ein Medium
manipuliert sein könnte?
Wir empfehlen oft die sogenannte SIFT-Methode – ein einfaches
Schema, das dabei hilft, Online-Inhalte schnell zu prüfen, bevor
man sie teilt. SIFT steht für: Stop (Innehalten), Investigate the
source (Quelle prüfen), Find better coverage (weitere
Berichterstattung suchen) und Trace the claim to its original
context (zum ursprünglichen Kontext zurückverfolgen).
Stop – Innehalten:
Der erste Schritt ist simpel: kurz innehalten und sich ein paar
grundlegende Fragen stellen. Wenn ein Inhalt starke Emotionen
auslöst, lohnt es sich, einen Moment zu warten, bevor man reagiert
oder ihn weiterverbreitet.
Investigate the source – Quelle
prüfen:
Wer hat den Inhalt ursprünglich veröffentlicht? Handelt es sich
um den Original-Upload oder um einen Repost von einem unbekannten
Account? Welche Inhalte teilt dieser Account sonst – und wirkt er
vertrauenswürdig?
Find better coverage – Weitere
Quellen suchen:
Wird über das Ereignis auch an anderer Stelle berichtet? Wenn
tatsächlich etwas Relevantes passiert ist, gibt es oft weitere
Berichte oder Bestätigungen aus anderen Quellen.
Trace the claim – Kontext
prüfen:
Versuchen, die ursprüngliche Quelle des Materials zu finden –
häufig zeigt sich bei einer kurzen Recherche, dass ein Video
bereits Monate oder Jahre zuvor in einem ganz anderen Zusammenhang
veröffentlicht wurde.
Auch ein genauer Blick auf das Material selbst kann helfen: Gibt
es Unstimmigkeiten wie unnatürliche Lippenbewegungen, abrupte
Schnitte, widersprüchliche Spiegelungen, ungewöhnliche
Handbewegungen oder unpassende Hintergrundgeräusche? Außerdem
sollte man noch prüfen, ob Details wie Wetter, Umgebung, Kleidung,
Sprache, Schatten oder Kennzeichen zu den behaupteten
Aufnahmebedingungen passen.
Solche ersten Checks sind oft hilfreicher als reine
KI-Erkennungstools. Auch wenn sie nicht jede Frage beantworten,
fördern sie einen bewussteren Umgang mit Inhalten. Schon ein kurzes
Innehalten und das Überprüfen des Kontexts können verhindern, dass
irreführende Inhalte weiterverbreitet werden.
Um diesen Prozess zu unterstützen, hat WITNESS für Communitys
umfassende
Leitfäden zur Verifikation
entwickelt.
Screenshot der WITNESS Website, Stand 31.3.2026
Gibt es denn Tools oder
Ressourcen, die ihr empfehlen könnt, um manipulierte Inhalte zu
erkennen – und wie können Einsteiger*innen anfangen, ohne sich
überfordert zu fühlen?
Für Einsteiger*innen ist es sinnvoll, zunächst auf einfache
Prüfmethoden zu setzen, statt direkt auf sogenannte
„Deepfake-Detektoren“, die oft trügerische Sicherheit vermitteln.
Ein erster Schritt ist die umgekehrte Bildsuche: Bilder lassen sich
in Suchmaschinen wie Google Bilder oder
TinEye
hochladen, um herauszufinden, ob sie schon einmal online
aufgetaucht sind und in welchem Kontext. Auch einzelne
Videostandbilder genau anzuschauen kann helfen, Auffälligkeiten
oder Schnittfehler zu erkennen. Wenn möglich, lohnt sich außerdem
ein Blick auf die Metadaten einer Datei (wenn vorhanden), zum
Beispiel Aufnahmezeit, Kamera oder Gerät. Weitere Hinweise ergeben
sich, wenn man Ort und Zeitpunkt überprüft: Gebäude, Wetter,
Schatten oder Sprache können zeigen, ob ein Bild oder Video
tatsächlich zu den angegebenen Bedingungen passt. Hilfreich können
zudem frei zugängliche und vertrauenswürdige
Investigations-Anleitungen sein, die zeigen, wie man online Inhalte
zuverlässig überprüft – ohne dass teure oder komplexe Software
nötig ist. Hilfreiche Tools gibt es zwar, doch entscheidender als
die Technik ist ein systematisches Vorgehen.
Die wichtigste Botschaft für Einsteiger*innen ist: Niemand muss
über Nacht zur forensischen Expert*in werden. Es ist hilfreicher,
sich einige verlässliche Routinen anzueignen, als nach dem
perfekten Tool zu suchen. Technologien zur Erkennung verändern sich
schnell, gute Verifikationsgewohnheiten sind hingegen von
Dauer.
WITNESS hat zudem praxisnahe Materialien entwickelt, um
Journalist*innen, Aktivist*innen und die Öffentlichkeit im Umgang
mit manipulierten Inhalten zu unterstützen – darunter auch der
Leitfaden „
Dinge, die man vor Benutzung von KI
Erkennungs-Tools wissen sollte
“, der die Grenzen und Risiken
automatisierter Erkennungssysteme aufzeigt. Ergänzend gibt es
hilfreiche
Schritt-für-Schritt-Anleitungen
aus
Fact-Checking-Communitys, die zeigen, wie sich Bilder, Videos und
Behauptungen im Netz überprüfen lassen.
Wie unterscheiden sich die
Herausforderungen durch Desinformation und KI-generierten Inhalten
je nach Region oder politischem Kontext?
Ki-generierte Inhalte sind nicht nur ein technisches Problem.
Sie stehen oft in Verbindung mit Macht, Vertrauen, Zensur,
Ungleichheit und bereits bestehenden Repressionsmustern – ihr
Einfluss ist also stark kontextabhängig. Einige Gefahren treten
weltweit auf, unabhängig von Kultur oder Region. Ein besonders
gravierendes Beispiel ist die Verbreitung nicht-einvernehmlicher
intimer Aufnahmen, die zu den häufigsten und schädlichsten
Einsätzen von Deepfake-Technologie gehören.
Die Art und Weise, wie synthetische Inhalte eingesetzt werden,
hängt oft stark vom politischen und sozialen Umfeld ab. Vor
kritischen Momenten wie Wahlen oder Konflikten sehen wir etwa, wie
Staaten oder politische Akteure Informationen großflächig
manipulieren, um falsche Narrative zu verbreiten. In anderen
Kontexten geht es um gezielte Angriffe: Aktivist*innen oder
Journalist*innen werden mit erfundenen sexuellen, politischen oder
anderen Inhalten diskreditiert.
In stark zensierten Umgebungen verschärft sich das Problem
zusätzlich, weil Menschen weniger vertrauenswürdige Quellen haben,
um Informationen zu überprüfen – Manipulationen lassen sich dadurch
schwerer widerlegen. Auch Sprache spielt eine zentrale Rolle: Viele
Systeme zur Moderation oder Erkennung funktionieren in dominanten
Sprachen deutlich besser als in unterrepräsentierten. Communitys,
die ohnehin marginalisiert sind, sind dadurch oft stärker
gefährdet.
Die
linke Seite zeigt ein echtes Foto vom Midland Grand Hotel in
Groß-London. Auf der rechten Seite ein KI-generiertes Bild von
Gemini Nano Banana. Der Unterschied lässt sich inzwischen nicht
mehr so einfach erkennen.
Kannst du Beispiele nennen, wie
Desinformation oder gefälschte Inhalte die Menschenrechtsarbeit
beeinflussen kann?
Desinformation beeinflusst die Menschenrechtsarbeit auf viele
Arten. Ein zentraler Effekt ist, dass sie das Umfeld von
Beweismaterial „verschmutzt“. In Krisenzeiten sehen sich
Investigator*innen oft mit einer Flut von wiederverwendeten, falsch
beschrifteten oder KI-generierten Inhalten konfrontiert. Das
erschwert es erheblich, schnell zu erkennen, was echt ist, und
verlangsamt dringend notwendige Reaktionen. Diese Flut
manipulierten Materials kann auch dazu führen, dass Menschen
grundsätzlich an allem zweifeln, was den Aufbau von Vertrauen in
authentische Beweise deutlich erschwert.
Wir beobachten auch, dass Opfer und Zeug*innen diskreditiert
werden. Wenn echtes Filmmaterial von Misshandlungen auftaucht,
behaupten Behörden oder feindliche Akteure häufig, dass die
Aufnahmen bearbeitet, inszeniert oder KI-generiert seien. Diese
Taktik kann Verantwortungsprozesse verzögern und die Öffentlichkeit
verwirren.
Desinformation wird zudem zur direkten Einschüchterung genutzt:
Aktivist*innen, Journalist*innen und insbesondere Frauen in der
Menschenrechtsarbeit werden häufig mit gefälschten sexualisierten
Bildern, manipulierten Audioaufnahmen oder koordinierten
Diffamierungskampagnen attackiert, um ihre Glaubwürdigkeit zu
untergraben und Angst zu erzeugen.
Schließlich kann Desinformation Gemeinschaften spalten. Wenn
Menschen Dokumentationen grundsätzlich misstrauen, wird es
schwieriger, eine gemeinsame Faktenbasis für kollektives Handeln zu
schaffen. Der Schaden entsteht so auch durch Vertrauensverlust, auf
den Menschenrechtsarbeit und demokratische Institutionen angewiesen
sind.
Welche Best Practices gibt es,
damit Fotos, Videos oder Audioaufnahmen als Beweismaterial
vertrauenswürdig bleiben?
Ziel ist es, authentisches Material so zu sichern, dass es
verteidigt werden kann. Vertrauen entsteht nicht nur durch den
Inhalt selbst, sondern auch durch den Prozess, wie die Aufnahmen
erstellt, gesichert und geteilt werden. Selbst starkes
Beweismaterial kann an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn es nicht
abgespeichert oder aus dem Kontext gerissen wird. Wichtige
Praktiken sind zum Beispiel, das Originalmaterial möglichst immer
zu behalten, festzuhalten, wer die Aufnahmen gemacht hat, wann und
wo sie entstanden sind und unter welchen Umständen, und unnötige
Bearbeitungen zu vermeiden. Wenn eine Bearbeitung nötig ist, sollte
immer die uneditierte Originalversion erhalten bleiben.
Es kann außerdem hilfreich sein, zusätzliches Kontextmaterial
aufzunehmen – etwa Straßenschilder, markante Gebäude oder
kontinuierliche Sequenzen, die Ort und Zeit belegen. Auch relevante
Details zu dokumentieren, die später die Glaubwürdigkeit der
Aufnahmen stärken können, ist empfehlenswert. WITNESS hat zu diesen
Praktiken mehrere hilfreiche Materialien entwickelt, die
Journalist*innen und Aktivist*innen bei der sicheren Dokumentation
von Beweismitteln unterstützen. Zum Beispiel mit diesem
Video Field Guide
und diesem
Basic Practices-Leitfaden
Wie trainiert ihr Communitys
resilient zu bleiben, auch wenn manipulierte Inhalte nicht immer
eindeutig erkennbar sind?
Resilienztraining sollte weniger darauf abzielen, „jede
Fälschung zu erkennen“ oder Inhalte strikt in „KI-generiert“ oder
„nicht KI-generiert“ einzuteilen. Wichtiger ist, den Menschen zu
vermitteln, wie sie unter unsicheren Rahmenbedingungen
verantwortungsvoll handeln können. Das bedeutet, praktische
Gewohnheiten zu fördern: kurz innehalten, bevor Inhalte geteilt
werden, zusätzliche Quellen prüfen, Originaldateien sichern oder
hochauflösende Versionen nutzen, den Kontext dokumentieren und sich
auf vertrauenswürdige Netzwerke verlassen, um unsichere Inhalte
einzuschätzen. Besonders betonen wir dabei kollektive Verifikation
anstelle der Verantwortung Einzelner: Communitys sind stärker, wenn
sie gemeinsame Abläufe und ein Bewusstsein für den Kontext
entwickeln.
Am wichtigsten ist, Vertrauen aufzubauen, ohne falsche
Sicherheit zu versprechen. Gute Verifikationsgewohnheiten und
verantwortungsbewusste Praktiken beim Teilen von Inhalten können
schon einen erheblichen Unterschied machen, auch wenn sich nicht
immer jede Manipulation erkennen lässt.
Wie können Menschen kritisch
bleiben, ohne in die Falle zu tappen, alles für gefälscht zu
halten?
Es ist entscheidend, hier im Gleichgewicht zu bleiben. Unser
Ziel ist, dass Menschen einen scharfen Blick entwickeln, aber nicht
zynisch werden. Gesunder Skeptizismus bedeutet, nach Belegen,
Kontext und Bestätigung zu fragen. Zynismus hingegen geht davon
aus, dass nichts echt ist, und gibt die Suche nach Wahrheit auf.
Letzteres ist besonders schädlich, weil es genau denen nützt, die
wollen, dass es keine Verlässlichkeit mehr gibt.
Eine hilfreiche Faustregel lautet: Nicht fragen „Sind Medien
generell vertrauenswürdig?“, sondern „Welche Belege gibt es für
diese konkrete Behauptung?“ Dabei sollte man Herkunft, Kontext und
Konsistenz prüfen. Manche Inhalte lassen sich nicht zu 100% klären
– und das ist in Ordnung. Nicht jedes Medium braucht sofort ein
endgültiges Urteil.
Welche Entwicklungen bei
KI-generierten Inhalten bereiten euch im Moment die größten Sorgen
– und wo seht ihr Hoffnung oder positive Potenziale?
Ich bin besonders besorgt über die Normalisierung des
„plausiblen Verleugnens“, bei der mächtige Akteur*innen
authentische Beweise immer häufiger als KI generiert abtun. Wir
erreichen einen Punkt, an dem fast jeder Inhalt als Fake bezeichnet
werden könnte. Dieses ständige Misstrauen untergräbt das
öffentliche Vertrauen und erschwert Verantwortlichkeit.
Technologisch macht mir vor allem die Kombination aus drei
Entwicklungen Sorge: Inhalte lassen sich einfacher erstellen,
schneller verbreiten und gezielter auf Personen, Communitys,
Sprachen oder politische Situationen zuschneiden. Das erhöht die
Risiken bei Wahlen, Konflikten, Belästigung, Betrug und der
Diskreditierung von Zeug*innen erheblich.
Gleichzeitig sehe ich auch Hoffnung: Wir stehen an einem Punkt,
an dem wir die Richtung dieser Technologien noch gestalten können.
Das öffentliche Bewusstsein wächst, die Zusammenarbeit zwischen
Technik und Zivilgesellschaft wird stärker, und die Bedeutung von
Herkunft, Sicherung und Medienkompetenz für vertrauenswürdiges
Material wird zunehmend anerkannt. Entscheidungen zu Standards,
Schutzmaßnahmen und Verantwortlichkeit werden maßgeblich bestimmen,
wie diese Technologien die Gesellschaft in Zukunft
beeinflussen.
Wir bedanken uns für das Interview.
Wer noch stärker in das Thema einsteigen möchte, findet weitere
Informationen zur KI-Arbeit von WITNESS unter
Mit dem Abspielen des Videos erklären Sie sich damit
einverstanden, dass YouTube und Google Ihre Daten speichern und
verarbeiten dürfen. Bitte beachten Sie die
Datenschutzerklärung
von Google.
Wie Conny Menschen per Telefon die Wikipedia näher bringt
Wednesday, 1 April 2026 11:44 UTC
Wer Wikipedia nutzt oder gerade angefangen hat, selbst
mitzuschreiben, steht oft vor vielen Fragen. Nicht immer ist es
leicht, sich in den Regeln, Abläufen und Diskussionsseiten
zurechtzufinden oder bei Fragen die passende Antwort zu bekommen.
Genau hier setzt eine besondere Initiative an: Seit 2017 bieten
engagierte Ehrenamtliche eine Wikipedia-Telefonberatung an, um
niedrigschwellig zu helfen. Zweimal pro Woche nehmen sie sich
jeweils zwei Stunden Zeit, hören zu, erklären und helfen bei ganz
unterschiedlichen Anliegen rund um die Online-Enzyklopädie weiter.
Einer von ihnen ist Conny. Er erzählt uns, wie die Idee zur
telefonischen Sprechstunde entstanden ist, was ihn bis heute
motiviert – und welche überraschenden Erfahrungen er dabei schon
gemacht hat.
Hallo Conny, seit wann
engagierst du dich in der Wikipedia – und wie bist du dazu
gekommen?
Das war 2004 durch einen Bekannten. Was mich von Anfang an
begeistert hat, ist die Transparenz und Nachvollziehbarkeit aller
Änderungen in der Wikipedia. Ich habe versucht, an verschiedenen
Ecken und Enden mitzuarbeiten, eben da, wo ich kann. Anfangs waren
das eher Kommafehler und ähnliches.
Wie kam es zur Idee, eine
Telefonberatung anzubieten?
Bei der WikiCon 2013 in Karlsruhe kam in einer
Kleingruppenarbeit die Idee auf: Es muss eine Hotline geben für
Menschen, die Fragen haben. Die Idee ist dann wieder eine Weile in
Vergessenheit geraten, bis sie 2017 wieder aufgegriffen und
umgesetzt wurde. Der Benutzer .js hat bei Wikimedia
Deutschland einen Förderantrag für die Telefonberatung gestellt.
Anfangs gab es dann ein Telefon im Community-Raum in Berlin. Ich
freute mich über die Idee und wollte gerne auch außerhalb des
Community-Raums mitmachen können. Das ging ratz fatz, über einen
Online-Client.
Wie läuft eine Telefonberatung
genau ab?
Die Menschen, die anrufen, haben oft einen Hinweis, dass etwas
nicht aktuell ist. Ich muss dann entscheiden: Mache ich die
Änderung selbst oder möchte ich, dass die Leute Wikipedia-Autor*in
werden. Meine Erkenntnis: Je mehr Menschen in einen Artikel
involviert sind, desto besser. Deswegen gebe ich inzwischen lieber
Ratschläge, statt selbst direkt Änderungen vorzunehmen. Aus
Gesprächen aus der Telefonberatung nehme ich aber häufig auch
Impulse für meine eigene Artikelarbeit mit.
Die
Wikipedia-Telefonberatung
Die Wikipedia-Telefonberatung bietet eine kostenlose und
ehrenamtliche telefonische Beratung durch erfahrene Wikipedianer
zur Nutzung und Bearbeitung der Wikipedia. Sie ist unter folgenden
Nummern erreichbar:
Anrufe aus Deutschland:
0 800 9454 733 42
(kostenlos)
Anrufe aus Österreich und aus allen internationalen Netzen:
+43 13 580 123
Anrufe aus der Schweiz:
043 508 06 99
und aus
allen internationalen Netzen:
+41 43 508 06
99
Sprechzeiten:
Mittwoch von 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr (
MEZ
Donnerstag von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr (
MEZ
Weiter Infos gibt es
hier
Was sind dabei die größten
Herausforderungen?
Viele haben falsche Erwartungen an die Wikipedia. Mir ist es
wichtig, dass niemand enttäuscht aus so einem Telefonat geht. Es
geht darum, den Leuten zu vermitteln, wie die Wikipedia
funktioniert, welche Funktionsweisen und Prinzipien
dahinterstecken. Ich empfehle dann: Schreib nicht über dich selbst,
checke die Relevanz, bevor du einen Artikel schreibst, schreibe in
einer enzyklopädischen Sprache.
Von wem wird das
Beratungstelefon gern genutzt?
Das sind ganz unterschiedliche Menschen: Teilweise werden sie
von einer Firma beauftragt, manchmal sind das Menschen aus der
Öffentlichkeitsarbeit oder einfach Menschen, die Fehler gefunden
haben. Es rufen auch Menschen aus akademischem Umfeld an, die z. B.
ein Buch geschrieben haben und wollen, dass es in der Wikipedia
erwähnt wird. Oder sie haben Bilder auf dem Dachboden gefunden und
wollen diese ergänzen. Dann muss ich erst erklären: Wer hat das
Bild gemacht? Steht es unter einer freien Lizenz? Auch eine tolle
Gelegenheit, den
Lizenzhinweisgenerator
vorzustellen.
Es kommt auch vor, dass Leute irrtümlich anrufen und eigentlich
das Unternehmen kontaktieren wollen, auf dessen Wikipedia-Artikel
sie gerade waren.
Kannst du schätzen, mit wie
vielen Menschen ihr im Team monatlich telefoniert?
Das ist sehr unterschiedlich. Ich denke, drei Telefonate pro
Woche sind es im Schnitt. Im Sommer und an Feiertagen ist weniger
los. Manchmal sind es auch bis zu sechs Anrufe pro Sprechzeit.
Gibt es ein spannendes
Telefonat, an das du dich besonders erinnerst?
Ich freue mich immer wieder, wenn ich Menschen etwas ihren Groll
nehmen kann. Es gab z. B. einen Anrufer, der erfahren hatte, dass
einem Bundesverdienstkreuzträger das Bundesverdienstkreuz aberkannt
wurde. Der Anrufer wollte unbedingt, dass dies im Wikipedia-Artikel
erwähnt wird. Ich habe dann bei der offiziellen Stelle des
Bundespräsidialamtes nachgefragt, aber die Entziehung eines Ordens
wird nicht öffentlich dokumentiert oder statistisch erfasst. Gründe
liegen vor allem an der Wahrung der Vertraulichkeit und dem Schutz
sensibler Persönlichkeitsrechte, da der Entzug meist auf einem
„unwürdigen“ Verhalten oder schweren Straftaten basiert, deren
öffentliche Nennung einen massiven Eingriff in die Privatsphäre
darstellen würde.
Demnach gibt es auch mangelhafte Quellen in Zeitungen zu
derartigen Themen. Wir haben dann gemeinsam nach Lösungen gesucht.
Manchmal gibt es für bestimmte Änderungswünsche erstmal nur die
Möglichkeit, es auf die Diskussionsseite zu schreiben.
Mir ist es wichtig, die Prinzipien der Zusammenarbeit in der
Wikipedia zu vermitteln:
Keine persönlichen Angriffe
und
Gehe von guten Absichten
aus
Auch wenn Leute dank meiner Unterstützung dauerhaft
Wikipedianer*in werden, freue ich mich sehr. Viele Menschen nehmen
über längere Zeit immer wieder Kontakt auf und ich begleite sie bei
ihren ersten Schritten.
Gibt es dafür nicht andere
Angebote wie das Mentorenprogramm?
Ja, die Telefonberatung ist ein zusätzlicher Weg, in Kontakt zu
kommen und zu bleiben. Für viele Menschen ist gerade der
telefonische Kontakt hilfreich und niedrigschwelliger als die
schriftliche Interaktion.
A propos verschiedene Wege der
Kontaktaufnahme: Du hast ja gerade kürzlich eine Sprechstunde im
Teil:Laden in Bautzen gegründet. Wie kam es dazu?
Es gab schon mal eine Sprechstunde in Dresden. Das war im Jahr
2020. Ich hatte jetzt Lust, das wieder aufleben zu lassen, in
Bautzen. Die Idee geht auf die Anfangszeit der Wikipedia zurück.
2013 gab es ein Dreiländereck-Treffen von Wikipedianer*innen und
Denkmalpfleger*innen. Es entstand die Idee die Wikipedia-Artikel zu
Denkmalen mit Bildern zu versehen und in Wikidata eine
Überblickskarte von Umgebindehäusern anzulegen. Für die weitere
Arbeit war Hilfestellung nötig. Deswegen lud ich
beispielsweise Herrn Jürgen Cieslak nach Bautzen ein, um gemeinsam
in Wikidata zu arbeiten und die Abläufe zu beleuchten.
Das ist die Sprechstunde in
Bautzen
Die Sprechstunde in Bautzen findet wie folgt statt:
jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr
im „Teil:Laden“ am Buttermarkt 1
Weitere Infos:
Und wie läuft es
bisher?
Aktuell ist es eine Herausforderung, die Leute – gerade
diejenigen, die noch nicht in den Wiki-Projekten aktiv sind, auf
die Sprechstunde aufmerksam zu machen. Meine Idee ist jetzt, an
verschiedene lokale Initiativen, Vereine und Kulturveranstaltungen
heranzutreten: Briefmarkensammler*innen, Münzensammler*innen,
Heimatvereine. Sie brennen schon für eine Sache, wissen aber nicht,
dass ihr Hobby und ihr Wissen auch einen Beitrag für die Wikipedia,
Wikidata und Wikimedia Commons leisten könnten.
Zum Abschluss: Hast du einen
Tipp für alle, die bei Wikipedia mitmachen wollen?
Such dir Verbündete, die Ähnliches machen wollen wie du und das
vielleicht schon können. Triff dich real mit Menschen, knüpfe
Kontakte, nutze die Angebote von Wikimedia Deutschland, die lokalen
Räume, Community Konferenzen etc. Mach was mit Menschen, erlebe die
Menschen, die wirklich recherchiert haben. Ich lade auch jeden
Wikipedianer, jede Wikipedianerin ein, die Telefonberatung zu
nutzen, um hier miteinander ins Gespräch zu kommen.
Nicht nur in Bautzen, sondern in vielen weiteren Städten gibt es
regelmäßige Angebote für Interessierte, die mehr über die Wikipedia
lernen möchten:
Hier geht es zu den Sprechstunden
Und hier gibt es eine Übersicht über alle
Community-Treffen (auch online)
Weitere Infos zum Mitmachen gibt es hier:
wikipedia.de/mitmachen
Jetzt selbst Teil der freien
Wissenscommunity werden
Wikimedia Deutschland unterstützt verschiedene Projekte, die
Engagierten den Einstieg in die Wikipedia lehren. Wer selbst Lust
hat, Wissen zu teilen oder zu verbessern, kann jederzeit
mitmachen.
Einen Online-Kurs zur Einführung gibt es am 15. April, online
und kostenfrei.
MOR im Auftrag von Wikimedia Deutschland,
basierend auf einer Illustration Mam’Gobozi Design Factory (MDF)
für die Wikimedia Foundation., Wikipedia Online-Einführungskurs, CC
BY 4.0
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Berliner Senat beschneidet Informationsfreiheit – und ignoriert
Expertise und Petition
Tuesday, 31 March 2026 08:33 UTC
Was der Senat verändert
hat
Mit dem
Gesetzentwurf vom 24. Februar
wurde bekannt: Sechs Gesetze und Verordnungen will die Berliner
Landesregierung ändern – darunter das Informationsfreiheitsgesetz
(IFG), das Bäder-Anstaltsgesetz und das Datenschutzgesetz. Die
Begründung: Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar
erfordere „eine Stärkung Kritischer Infrastruktur“.
Seitdem hagelte es Kritik –
von der Berliner
Datenschutzbeauftragten
, von Journalist*innenverbänden, der
Opposition und vielen anderen. Dabei ging es nicht um die
grundsätzliche Idee, die Infrastruktur zu schützen. Es ging um die
Umsetzung. Die Datenschutzbeauftragte kritisierte, die geplanten
Änderungen, etwa zur Videoüberwachung, seien „praktisch
wirkungslos“. Zahlreiche Gesetzesänderungen, wie die zur
Überwachung von Schwimmbädern sowie neue Ausnahmen am IFG, haben
nichts mit kritischer Infrastruktur zu tun – oder sind aufgrund
bereits bestehender Ausnahmen unnötig.
Berlin darf in Sachen
Transparenz nicht absteigen
Berlin hatte sich in den vergangenen Jahren als Vorreiter für
Open Data positioniert und stand bis zur eilig anberaumten
Abstimmung über das Gesetzespaket am 26. März im
Transparenzranking Deutschland
auf Platz vier der
deutschen Bundesländer. Mit den neuen Einschränkungen im IFG wird
Berlin weniger transparent. Das zeigt sich schon jetzt. Berlin
steht nur noch auf Platz sechs. Wenn das Gesetz seine Wirkung
entfaltet und weniger öffentlich relevante Informationen zugänglich
werden, ist ein weiterer Abstieg vorprogrammiert.
Der Schutz kritischer Infrastruktur ist wichtig. Doch sensible
Informationen sind durch existierende Ausnahmen ohnehin schon
geschützt.
Jan-David
Franke, Referent Politik & Öffentlicher Sektor bei Wikimedia
Deutschland
Die Berliner Behörden konnten auch schon vor der Verabschiedung
der IFG-Änderungen den Zugang zu Informationen verweigern, wenn das
für das Land „schwerwiegende Nachteile
hätte oder „zu einer
schwerwiegenden Gefährdung des Gemeinwohls“ führen könnte. Die
neuen Ausnahmen im IFG sind daher nicht notwendig.
Was ändert sich
jetzt?
SPD und CDU hatten es eilig. Trotz zahlreicher kritischer
Stimmen aus Expert*innenkreisen und einer Petition mit über 18.000
Unterschriften wurde das Gesetzespaket am 26. März zur dringlichen
Beschlussfassung auf die Agenda des Abgeordnetenhauses gehievt.
Und das, obwohl eine Anhörung im Digitalausschuss wenige Tage
zuvor ein eindeutiges Bild gezeichnet hatte. Als Experte geladen
waren, neben der Datenschutzbeauftragten für Berlin, einem Fachmann
für kritische Infrastruktur der gemeinnützigen AG Kritis, Arne
Semsrott von FragDenStaat auch Jan-David Franke von Wikimedia
Deutschland.
Er machte deutlich: Die Auswirkungen der IFG-Änderung sind
weitreichend. Verwaltungen in Berlin können künftig pauschal
Informationen über Einrichtungen aus 13 Bereichen – darunter
Energie, Transport und Verkehr, Gesundheit, Wasser, Medien und
Kultur – ausnehmen, wenn sie eine hohe Bedeutung für das
Gemeinwesen haben. Das Problem: Es muss nicht mehr geprüft werden,
ob überhaupt ein Sicherheitsrisiko besteht. Das schützt nicht die
Infrastruktur. Es würde aber die Arbeit von Journalist*innen
deutlich erschweren. Auch Bürger*innen, die nicht
sicherheitsrelevante Daten des ÖPNV nutzen oder Informationen zum
Berliner Gesundheitssystem anfragen wollen, können künftig vor
verschlossenen Türen stehen.
Außerdem werden Informationen aus der Steuerverwaltung
verschlossen. Kosmetische Korrekturen gab es in einem leicht
veränderten Gesetzentwurf kurz vor der Anhörung. Informationen, die
künftig potenziell in einem Ermittlungsverfahren relevant werden
könnten, können unter Berufung auf das IFG doch noch angefragt
werden. Sie waren im ersten Entwurf ausgenommen wurden. Weiterhin
ausgeschlossen: Informationen über anhängige oder bevorstehende
Verfahren. Berichterstattung darüber, wie intern mit Missständen
umgegangen wird, wird als erschwert.
Erst jüngst hatten Journalist*innen durch eine IFG-Anfrage die
sogenannte
CDU-Fördermittelaffäre
ans Licht
gebracht. Die Aufklärung solcher Missstände in Politik und
Verwaltung wird so verhindert oder erschwert.
Petition angenommen, Stimmen von
Expert*innen und Bürger*innen aber ignoriert: Raed Saleh (SPD,
MItte rechts) und Dirk Stettner (CDU, Mitte links) bei der Übergabe
der Petition am 23. März 2026. Foto: Paul Lovis Wagner / Campact
So sind wir aktiv geworden – mit
Unterstützung der Bürger*innen
Nachdem wir Anfang März von den geplanten Änderungen erfahren
haben, haben wir unsere Argumente gegen die Änderungen des
Informationsfreiheitsgesetzes in einer
Pressemitteilung
deutlich
gemacht und einen offenen Brief an die Fraktionsspitzen
initiiert. Gemeinsam mit 37 Organisationen haben wir die
Spitzen von CDU und SPD aufgefordert, die geplanten Einschränkungen
des IFG nicht umzusetzen.
Das zeigte – vorerst – Wirkung. Die Regierungsfraktionen wollten
den Gesetzentwurf noch einmal überprüfen. Die für den 12. März
geplante Abstimmung im Abgeordnetenhaus fand nicht statt.
Stattdessen gab es am 23. März die Anhörung und erneute Beratung
zum Gesetz im Digitalausschuss des Abgeordnetenhauses. Zuvor hatten
wir den Abgeordneten mit anderen Organisationen in
einer Stellungnahme
, die
Konsequenzen der geplanten Änderungen deutlich gemacht.
Eine Petition gegen die Einschnitte beim IFG brachte über 18.000
Unterstützer*innen in wenigen Tagen. Dass die beiden
Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh (SPD) und Dirk Stettner (CDU)
diese Petition vor der Anhörung im Ausschuss persönlich entgegen
genommen haben und zugesichert haben, sich mit unseren Argumenten
auseinanderzusetzen, war Anlass für Optimismus – doch der währte
nur kurz. Ein neuer Entwurf brachte unbedeutende Änderungen und
wurde trotz breiter Proteste und vielfältiger Expertise gegen das
Gesetzespaket verabschiedet.
Die Koalition sollte – wie im
Koalitionsvertrag von 2023
angekündigt
– ein „Transparenzgesetz nach Hamburger Vorbild
einführen und dabei nur den Bereich Verfassungsschutz aus dem
Geltungsbereich herausnehmen.“ Hamburg ist Spitzenreiter beim Thema
Offenheit und hat bereits seit 2012 ein Transparenzgesetz. Die
Verwaltung veröffentlicht von sich aus Informationen, die auf einer
digitalen Plattform für alle frei zugänglich sind.
Informationsfreiheit – wem nützt
das eigentlich?
Wer mehr Transparenz vom Staat fordert, begegnet häufig zwei
Vorurteilen: Es macht der Verwaltung nur Mehrarbeit und
Bürger*innen würden die Informationen ohnehin nicht nutzen. Beides
stimmt nicht.
Verwaltungen sind selbst Nutzende und werden effizienter und
schneller, wenn sie Informationen als Open Data zugänglich machen.
Das
zeigt die Evaluation des Hamburger
Transparenzportals
. Alleine von April 2015 bis Februar 2017 gab
es rund 630.000 Zugriffe durch Behörden. E-Mails, Telefonate und
Anträge oder Bewilligungsverfahren entfallen.
Bürger*innen können nachvollziehen, wie staatliche Institutionen
Gesetze anwenden und Entscheidungen treffen. Und sie wollen es auch
wissen. Das Transparenzportal in Hamburg, mit über 170.000
Datensätzen, wurde alleine im Jahr 2025 über
24 Millionen mal
genutzt
Im digitalen Ehrenamt entstehen immer wieder praktische
Lösungen, die Bürger*innen mit offenen Daten bauen. Ein Beispiel:
ParkenDD
. Studierende haben die App mit offenen
Daten aus Parkleitsystemen für die Städte Dresden, Ingolstadt,
Zürich, Basel und Hamburg entwickelt. Sie hilft bei der Suche nach
einem freien Parkplatz.
Auch
Wikipedianer*innen nutzen Wissen,
dass sie über Informationsfreiheitsfragen
von staatlichen
Institutionen erhalten, um damit Wikipedia-Artikel auszubauen. Sie
sind außerdem auf seriöse Medienberichte angewiesen. Und
Journalist*innen nutzen das IFG oft für Recherchen, die dann zu
Berichten führen.
Von mehr Transparenz profitieren am Ende also alle. Sie kann
dazu beitragen, staatliches Handeln nachvollziehbar zu machen und
so das Vertrauen in Staat und Politik zu stärken. Die Berliner CDU
hat jüngst im Umgang mit Fördermitteln einiges an Vertrauen
verspielt. Auch die Kommunikation des Regierenden Bürgermeisters
nach dem Anschlag auf das Stromnetz war alles andere als
transparent. Die Gesetzesänderungen helfen nicht dabei, verlorenes
Vertrauen zurückzugewinnen – sie beschädigen es eher weiter.
Wikipedia und KI – so geht es weiter
Thursday, 19 March 2026 12:05 UTC
Eine richtungsweisende
Entscheidung: Keine KI-generierten Inhalte für die
Wikipedia
Das
Meinungsbild
im vergangenen
Februar zielte darauf ab, die menschliche Produktion von Inhalten
in der Wikipedia in den Vordergrund zu rücken. Denn
Wikipedia funktioniert nach
Grundprinzipien
– unter anderem sind das Nachprüfbarkeit,
Neutralität und Belegpflicht. Auf Künstlicher Intelligenz
basierende Textgeneratoren sind zwar technisch in der Lage,
Bearbeitungen oder ganze Wikipedia-Artikel zu erstellen. Jedoch
überprüfen sie diese weder auf Richtigkeit, noch geben sie
verlässlich Quellen an oder formulieren sie in neutraler,
enzyklopädischer Sprache. Kurz: ChatGPT und Co. sind nicht in der
Lage, Inhalte in der Wikipedia regelkonform zu bearbeiten – und
schmälern somit deren Qualität.
Anfang März trafen sich rund 40 Community-Mitglieder aus
Deutschland, Österreich und der Schweiz in Berlin, um sich über den
Umgang mit KI in der Wikipedia auszutauschen. Das Treffen war
bereits vor dem Meinungsbild geplant. Dass die richtungsweisende
Entscheidung in der Zwischenzeit erfolgte, verlieh dem Treffen noch
zusätzliche Aktualität.
Dabei haben sich die Teilnehmenden teils in Workshops in
Kleingruppen, teils durch Vorträge von Expert*innen und teils in
Diskussionen in großer Runde aus vier Perspektiven der Thematik
genähert: Wikipedia ohne KI, Wikipedia mit KI, Wikipedia über KI
und Wikipedia trotz KI.
Wie kann Wikipedia vor
KI-generierten Inhalten geschützt werden?
KI-generierte Texte sorgen immer wieder für Probleme in der
Wikipedia. Die grönländische Wikipedia musste sogar geschlossen
werden. Der Grund: Viele der Artikel waren Übersetzungen, die mit
generativer KI erstellt wurden – allerdings sprachlich so
fehlerhaft, dass die Qualität der grönländischen Wikipedia nicht
mehr gewährleistet war und der Administrationsaufwand nicht mehr zu
stemmen war.
Wie kann die Community also die Wikipedia vor KI-generierten
Inhalten schützen? Wie können KI-generierte Texte erkannt und
verbessert werden?
Der Wikipedianer Seewolf ist Admin der deutschsprachigen
Wikipedia. Als Admin verfügt er über erweiterte Rechte, unter
anderem Artikel zu löschen. Er schätzt die Anzahl der Löschungen
KI-generierter Artikel, die er seit Mai 2024 vorgenommen hat, auf
1000.
Beim Community-Treffen stellt er harte und weiche Kriterien vor,
an denen er erkennt, dass ein Artikel nicht von einem Menschen,
sondern einer generativen KI erstellt wurde: Ein für KI-Chatbots
typischer Aufbau von Artikeln, Fragmente aus dem Chat-Verlauf, die
definitiv nicht zum Artikel gehören oder auffällige Formatierungen,
sind einige davon. Wenn gleich mehrere Kriterien zutreffen, handele
es sich ziemlich sicher um einen mit generativer KI erstellten
Artikel, so Seewolf.
Hilfreiche Tipps auch für andere Admis. Doch wie sollen sie im
Verdachtsfall argumentieren? Erst Warnung aussprechen oder direkt
löschen? Die Teilnehmenden diskutierten auch über technische
Möglichkeiten, die Kommunikation im Verdachtsfall zu
automatisieren. Eine Idee: Wenn mehrere der definierten Kriterien
zutreffen, könnte etwa ein Hinweis aufploppen: „Der Artikel steht
unter Verdacht, von generativer KI erstellt worden zu sein.“ Mit so
einem Hinweis könnte der Artikel markiert werden – und wird er
nicht verbessert, so könnte ein Löschantrag folgen. Auch denkbar:
Bei Klick auf Veröffentlichen eine automatisierte Direktnachricht
an den Autor oder die Autorin senden.
Wichtig auch: Die Sensibilisierung, sowohl der bestehenden
Community als auch von Neulingen. Nur, wer weiß, welche Standards
ein Wikipedia-Artikel erfüllen muss, wird verstehen, dass mit
generativer KI erstellte Artikel diesen Standards nicht entsprechen
können.
Wikipedia mit KI?
Die Ehrenamtlichen tauschten sich auch darüber aus, welche
KI-Tools für die Arbeit in der Wikipedia nützlich sein können. Und
was es dabei zu beachten gibt – zum Beispiel bei der Recherche und
auch bei Verwaltungsaufgaben, bei der Fehlererkennung und
Optimierung von Abläufen. Dabei ging es nicht nur um Diskussionen
und Theorie, sondern auch ums Ausprobieren und Kennenlernen: So hat
ein teilnehmender Wikipedianer mit Hilfe von ChatGPT ein einfaches
Tool für Aufräumarbeiten in der Fotoplattform Commons gebaut. Ein
anderer Ehrenamtlicher hat ein Tool gebaut, um z. B. die
Einleitungstexte von Wikipedia-Artikeln zu vergleichen. Das kann
unter anderem auch hilfreich sein, um KI-generierte Inhalte, die
sich im Einführungstext im Aufbau ähneln, zu erkennen.
Auch der Blick über den Tellerrand durfte nicht fehlen: So hat
ein weiterer Wikipedianer ein Tool zum Fact Checking vorgestellt,
das auch für Wikipedianer*innen nützlich sein kann.
Wikipedia trotz KI!
Welche technologischen Entwicklungen bergen Chancen, das
Bearbeiten der Wikipedia für die Communitys einfacher zu machen?
Und welche können auch Lesenden mehr Möglichkeiten geben, die
Wikipedia noch besser zu erleben? Eines ist klar: Viele in der
Wikipedia-Community haben Lust, weiter am Themenfeld zu arbeiten.
Dafür wurden während des Treffens wichtige Grundsteine gelegt. Die
Community wird im Austausch bleiben, sei es auf der WikiCon oder
anderen Veranstaltungen. Im Umgang mit KI wird es immer wieder
darum gehen, die technologischen Entwicklungen mit dem auszuloten,
was die Wikipedia im Kern ist: Ein von und für Menschen gemachtes
Gemeinschaftsprojekt.
Wissen ist menschlich: Unser Einsatz für die Wiki-Communitys
Thursday, 12 March 2026 09:18 UTC
Ein Meilenstein für Freies
Wissen
Die deutschsprachige Wikipedia ist nach der englischen die
größte der insgesamt über 340 Sprachversionen. Am 25. März 2025 um
genau 8:27 Uhr gab es einen besonderen Grund zum Feiern: An diesem
Tag knackte die deutschsprachige Wikipedia die Marke von
drei Millionen Artikeln
Natürlich ist es etwas Besonderes, den dreimillionsten Artikel in
der deutschsprachigen Wikipedia angelegt zu haben. Vor allem freut
mich aber, dass Wikipedia diesen Meilenstein erreicht hat und
weiterhin wächst.
Benutzer
Superanton
Autor des
dreimillionsten Artikels
Durchschnittlich arbeiten monatlich rund 37.000 Menschen
ehrenamtlich an der deutschsprachigen Wikipedia mit, etwa 5.000 von
ihnen sind besonders engagiert. Die Förderung, Unterstützung und
der Ausbau dieser Community standen auch 2025 im Fokus der Arbeit
bei Wikimedia Deutschland.
In unserer
Strategischen Ausrichtung
haben wir uns klare
Ziele gesetzt: Unter anderem soll bis zum Jahr 2030 die Zahl der
regelmäßigen Wikipedia-Autor*innen um mindestens zehn Prozent
steigen. Auch eine größere Diversität und gleichberechtigte
Beteiligung innerhalb der Community gehört zu unseren Zielen bis
2030.
Jason Krüger für Wikimedia Deutschland,
Franziska Heine, Portrait
CC BY 4.0
Hinter dem Meilenstein von drei Millionen Artikel steht eine
beeindruckende Gesamtleistung. Jeder einzelne Artikel, jede
erstellte Grafik, jedes hochgeladene Foto zeugt vom unermüdlichen
Engagement unserer Community. Gerade in Zeiten von Desinformation
ist die Wikipedia als Quelle für verlässliche, faktenbasierte
Informationen bedeutender denn je.
Franziska
Heine
Geschäftsführende
Vorständin von Wikimedia Deutschland
Starke Förderung und hohe
Zufriedenheit in der Community
Auf diesem Weg gab es 2025 wichtige Fortschritte: Insgesamt
haben wir 321 Projekte und Veranstaltungen durch unsere
Community-Förderung unterstützt – das ist ein Anstieg von 8,5
Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit mehr als 2.300 Teilnehmenden
stießen besonders Veranstaltungen wie die
WikiCon
, die
FemNetzCon
oder die
AdminCon
auf großen Zuspruch. Zudem
haben wir die Ehrenamtlichen unterstützt, indem wir 1.032
Serviceleistungen etwa für Reisen oder Literaturstipendien
übernommen haben. Auch diese Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr
erhöht.
© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via
Wikimedia Commons),
Maja in der Fotoecke der WikiCon
2025-4482
CC BY-SA 4.0
Hier sind coole Projekte, nette Menschen und viel mehr Frauen als
gedacht. Das hat mich sehr gefreut. Das FemNetz und Women Edit
finde ich richtig stark. Der Austausch hat mir Mut gemacht, weiter
zu editieren und mich bei Kritik nicht unterkriegen zu
lassen.
Benutzerin
Maja
Wie zufrieden die Ehrenamtlichen mit den Förderangeboten von
Wikimedia Deutschland sind, wird jedes Jahr mit dem Förderbarometer
festgehalten. Das zeigte auch 2025 wieder Spitzenwerte: Die
Zufriedenheit mit unseren Angeboten lag bei 9,6 von 10 Punkten.
Mittlerweile kennen einer Community-Umfrage zufolge 46 Prozent der
Befragten die Förderangebote von Wikimedia Deutschland – 2023 waren
es noch 30 Prozent.
Um weiterhin vielen Menschen das Mitmachen in den
Wikimedia-Projekten zu ermöglichen und Kapazitäten für dieses
Ehrenamt zu schaffen, verbessern wir fortlaufend unsere Förderung.
2025 haben wir unsere Förderrichtlinie zusammen mit einer
ehrenamtlichen Redaktionsgruppe überarbeitet und dabei mehrere
Änderungen für eine noch niedrigschwelligere Förderung für mehr
Zielgruppen umgesetzt. Die neue Förderrichtlinie gibt es nun auch
in einfacher Sprache, damit noch mehr Menschen einen leichteren
Zugang zu unseren Angeboten bekommen.
WikiCon feiert Rekord – GLAM
öffnet Türen
Einer der wichtigsten Orte für den Austausch der Community ist
jedes Jahr die WikiCon. 2025 fand sie
in Potsdam
statt und war mit 397
Teilnehmenden vor Ort und online die bisher größte Konferenz in
ihrer Geschichte.
Steffen Prößdorf,
2025-10-04 WikiCon 2025 in Potsdam
STP 7471
CC BY-SA 4.0
Gruppenfoto auf der WikiCon 2025 in Potsdam
Besonders erfreulich: 91 Prozent der Teilnehmenden bewerteten
die WikiCon als hilfreich für ihr Ehrenamt, ebenso viele fühlten
sich motiviert, weiter aktiv zu sein. Außerdem stieg der Anteil der
unter 30-Jährigen auf 14 Prozent (2024: 10 Prozent) – ein wichtiger
Schritt für den
ehrenamtlichen Nachwuchs
im Bereich
Freies Wissen.
Meine erste WikiCon war eine tolle Erfahrung – überall gab es die
Möglichkeit zum Austausch, ich konnte viele Fragen stellen, neue
Kontakte knüpfen und mich mit meinen Projektpartner*innen intensiv
austauschen. Man ist überall willkommen – und bekommt ein super
Gefühl dafür, wie die verschiedenen Projekte
funktionieren.
Benutzer
BariumFiasko
Auch die GLAM-Events stießen 2025 auf große Resonanz. Schon seit
2010 bringt Wikimedia Deutschland Kulturerbe-Institutionen mit der
Wikipedia-Community zusammen. Die Kunstsammlungen, Bibliotheken,
Archive und Museen machen ihre Sammlungen, historische Dokumente
und Bilder frei zugänglich, indem sie über Wikimedia-Projekte wie
Wikipedia, Wikimedia Commons oder Wikidata bereitgestellt
werden.
2025 feierte die Reihe GLAM digital ihre
50. Ausgabe
. Einige Veranstaltungen
standen unter dem Motto „Wiki Loves Demokratie“, so zum Beispiel
die Kooperation mit der
Gedenkstätte Deutscher
Widerstand
Neue Ehrenamtliche gewinnen und
Vernetzung fördern
Janna Siebert (WMDE)
Besuch des Bauernhausmuseums
Bielefeld JWP-Treffen 2025-I
CC0 1.0
Jungwikipedianer*innen beim Treffen in Bielefeld, 2025
Damit Wikipedia und die anderen
Wikimedia-Projekte auch in Zukunft stark bleiben, ist es
entscheidend, neue Ehrenamtliche zu gewinnen.
Nur mit vielen
aktiven Mitwirkenden aus unterschiedlichen Altersgruppen und
Lebensrealitäten können die Projekte weiter wachsen, verlässliches
Wissen gesichert und aktuelle Herausforderungen gemeistert
werden.
Auch 2025 hat Wikimedia Deutschland die Neulingsgewinnung
gezielt unterstützt – vor allem durch Treffen und
Vernetzungsangebote, etwa mit den
Jungwikipedianer*innen
oder der Aktion
„Mit Wikipedia unterwegs“
. Bei
verschiedenen Treffen lernten junge bzw. neue Wikipedianer*innen
die Community kennen und fanden Inspiration, sich zu
engagieren.
Auch die internationale Vernetzung der Community wird von
Wikimedia gefördert. 2025 haben wir unter anderem 14 Stipendien für
die Teilnahme an der
Wikimania
in Nairobi vergeben, der
globalen Zusammenkunft der Wikimedia-Bewegung. Für viele
ehrenamtlich Aktive war das eine wichtige Horizonterweiterung, wie
ihre
Erfahrungsberichte
zeigen:
Konkret habe ich es als sehr hilfreich empfunden, mehr über die
Bedürfnisse in anderen Communitys zu erfahren.
Benutzer
Ameisenigel
Ich habe User:Macholi aus Uganda kennengelernt, der Editathons zum
Thema Boxen in seinem Land organisiert hat. Er hat mich dazu
inspiriert, sowas in München zu versuchen.
Benutzerin
Kaethe17
Gemeinsam für mehr
Wissensgerechtigkeit
Ein weiteres unserer Ziele ist es, die Diversität und
gleichberechtigte Beteiligung innerhalb der Community zu stärken.
Das Wissen der Welt abzubilden bedeutet,
alle
Perspektiven
einzubeziehen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass mehr Menschen
aus marginalisierten Gruppen ihr Wissen in die Wikipedia einbringen
können. Ein wichtiger Baustein ist dabei das Förderprogramm
re·shape
, das zu mehr Wissensgerechtigkeit beiträgt.
2025 startete die dritte Programmrunde, in der weitere
zehn Projekte
unterstützt wurden, die marginalisiertes
Wissen aufbereiten und ihre Ergebnisse unter freien Lizenzen
veröffentlichen.
Darüber hinaus haben wir 2025 die Workshop-Reihe „Dein Wissen
zählt!“ ins Leben gerufen. In Kooperation mit migrantischen
Initiativen und Organisationen lernten Teilnehmende an fünf
Standorten, wie sie recherchieren und Artikel bearbeiten können –
mit Fokus auf Themen und Perspektiven, die in der Wikipedia bislang
unterrepräsentiert sind.
Respektvolle Zusammenarbeit
fördern
Zu unserem Auftrag gehört auch, eine Atmosphäre zu stärken, in
der sich alle willkommen fühlen. Denn ein respektvolles Miteinander
ist die Grundlage für ein dauerhaft aktives Engagement. Deswegen
gibt es bei Wikimedia Deutschland das Team Unterstützung und
Beratung, das 2025 neun Veranstaltungen zu Themen wie Gewaltfreier
Kommunikation oder zum Umgang mit Antifeminismus organisiert hat.
Über 100 Ehrenamtliche haben daran teilgenommen.
Darüber hinaus steht den Communitys mit der Beratungsstelle ein
vertraulicher Raum zur Verfügung, um Konflikte, Belastungen oder
schwierige Situationen im Engagement individuell zu besprechen.
Die Rückmeldungen zeigen: Die Ehrenamtlichen fühlen sich gehört,
verstanden und respektiert. Besonders hervorgehoben wurden die
emotionale Entlastung durch die Beratung sowie die praktische
Anwendbarkeit von Erkenntnissen aus den Workshops im eigenen
Engagement
Auch hier zeigt sich, dass wir auf einem guten
Weg sind: Bis 2030 wollen wir als Wikimedia Deutschland dazu
beitragen, dass doppelt so viele Wikipedianer*innen die
Kommunikation innerhalb der Community als respektvoll
empfinden.
Verlässliches Wissen bleibt
menschlich
Vor allem die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz
verändern derzeit grundlegend, wie Menschen Wissen suchen und
finden – oft auf Kosten der Verlässlichkeit. Im Jahr 2025 hat sich
erneut gezeigt, wie entscheidend in diesen Zeiten freie und
unabhängige Wissensprojekte wie Wikipedia sind, die durch das
Engagement vieler getragen werden.
Dieser freie Zugang zu Wissen und die herausragende Arbeit der
Ehrenamtlichen werden wir weiter fördern und schützen – gemeinsam
mit unseren über 116.000 Vereinsmitgliedern, hunderttausenden
Spender*innen und zahlreichen Unterstützenden aus der
Zivilgesellschaft.
Denn auch in Zeiten rasanter technologischer Veränderungen gilt:
Verlässliches Wissen entsteht nicht durch Maschinen, sondern durch
Menschen.
Die meistgelesenen Wikipedia-Artikel im Februar
Wednesday, 4 March 2026 16:36 UTC
Was Menschen beschäftigt, lesen
sie in der Wikipedia nach
Im Februar wurden folgende Artikel in der deutschsprachigen
Wikipedia besonders häufig gelesen:
U.S. Virgin Islands, Department of
Justice,
U.S. Virgin Islands, Department of
Justice, Sexual Offender Registry Photograph 4
, als gemeinfrei
gekennzeichnet, Details auf
Wikimedia Commons
#1 Jeffrey Epstein
Im Januar veröffentlichte das Justizministerium der Vereinigten
Staaten weitere Dokumente der
Epstein-Akten
, einer Sammlung
von mehreren Millionen Dokumenten, Bildern und Videos. Sie lösten
unter anderem die vorläufige Festnahme des ehemaligen Prinzen
Andrew Mountbatten-Windsor aus.
2,4 Millionen
mal wurde der
Wikipedia-Artikel des 2019 angeklagten und verstorbenen
Sexualstraftäters
Jeffrey Eppstein
aufgerufen.
ERIC SALARD,
OLYMPIC OPENING CEREMONY
MILANO-CORTINA 2026 STADIO SAN SIRO speech of Giovanni Malagò, CEO
COJO, and Kirsty Coventry, CEO CIO
CC BY-SA 4.0
#2 Olympische
Winterspiele 2026
Der Februar stand ganz im Zeichen des Wintersports.
Informationen über die an sechs Orten in Norditalien ausgetragenen
Winterspiele, die Eröffnungs- und Schlussfeier, den traditionellen
Fackellauf und natürlich das Wettkampfprogramm, aber auch zu Kritik
und Kontroversen wurden rund
850.000
mal auf Wikipedia
gefunden.
Sven Mandel,
Gil Ofarim – 2018082185858
2018-03-23 Radio Regenbogen Award 2018 – Sven – 1D X MK II – 0285 –
B70I2064
CC BY-SA 4.0
#3 Gil Ofarim
Gil Ofarim
machte 2021 durch eine
Falschbeschuldigung auf sich aufmerksam und war nun im
Dschungelcamp dabei – Grund genug, sich nochmals genauer
anzuschauen, wer das eigentlich ist, dachten sich viele
Wikipedia-Nutzer*innen und riefen den Wikipedia-Artikel zur Gil
Ofarim
648.796
mal auf.
U.S. Ski Team
World Cup Champs Lindsey Vonn
CC BY 2.0
#4 Lindsey Vonn
Lindsey Vonn
, die
zweiterfolgreichste Skirennläuferin der Weltgeschichte, wollte bei
den Olympischen Winterspielen ihr Comeback feiern. Doch leider
zwang sie zu Beginn des Wettbewerbs ein Unfall, die Spiele
abzubrechen. In der Wikipedia wurde das
632.875
mal
nachgelesen.
Alex Sirac
2026 Women’s medal ceremony 29
(cropped)
CC BY 4.0
#5 Medaillenspiegel
der Olympischen Winterspiele 2026
Welches Land bei Olympia wie viele
Medaillen
gewonnen hat, wurde in der Wikipedia in
Sekundenschnelle aktualisiert – auf Wikipedia ist eben Verlass,
dachten sich Lesende
602.960
mal.
Federal Bureau of Prisons
Ghislaine Maxwell MDC mug shot
als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf
Wikimedia Commons
#6 Ghislaine
Maxwell
Ghislaine Maxwell
gilt als
Schlüsselfigur der Epstein-Affäre. Nun ist die 2021 Verurteilte
wieder ins öffentliche Interesse gerückt. Ihr Wikipedia-Artikel
wurde im Februar
553.181
mal aufgerufen.
Super Festivals
from Ft. Lauderdale, USA,
James Van Der Beek Photo Op
GalaxyCon Oklahoma City 2025
CC BY 2.0
#7 James Van Der
Beek
Nicht nur in den 90er Jahren schwärmten Teenager für den durch
die US-Serie Dawsons Creek berühmt gewordenen
James Van Der Beek
. Im Februar starb der
Schauspieler an Darmkrebs.
467.312
mal informierten sich
Menschen zu ihm auf der Wikipedia.
SpiritedMichelle
Ilia Malinin – 2026 United States
Figure Skating Championships 02
CC BY 4.0
#8 Ilia Malinin
Der US-Amerikaner
Ilia Malinin
gilt als absolutes Ausnahmetalent und ist
der bisher einzige Eiskunstläufer, dem ein vierfacher
Axel
, einem vierfachen Sprung in einem
Wettbewerb, gelang. Bei den Olympischen Winterspielen verhalf er
seinem Team zur Goldmedaille, im Einzel belegte er aufgrund
mehrerer Stürze nur den 8. Platz – wie auch auf dieser Liste der
meist aufgerufenen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel, mit
434.555
Aufrufen.
© Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia
Commons),
2018-05-14-Gil Ofarim-hart aber
fair-9037
CC BY-SA 4.0
#9 Fall Gil Ofarim
Der
Fall Gil Ofarim
schlug, wie bereits
erwähnt, auch im Februar 2026 Wellen. Neben dem Artikel über seine
Person, interessierten sich Wikipedia-Leser*innen
417.422
mal natürlich auch für den Fall an sich.
Rita.suessmuth.ma01
Rita Süssmuth im Bundestag
CC BY-SA 4.0
#10 Rita
Süssmuth
Die ehemalige CDU Politikerin
Rita Süssmuth
war zunächst Bundesministerin für
Jugend, Familie und Gesundheit und von 1988 bis 1998 Präsidentin
des Deutschen Bundestages. Nach der Veröffentlichung ihrer
Brustkrebsdiagnose im Juni 2024, verstarb sie am 1. Februar 2026 in
Neuss. Der Wikipedia-Artikel zu Rita Süssmuth wurde im Februar
416.559
mal aufgerufen.
Webinar: Schreiben für
Wikipedia
Wikimedia Deutschland unterstützt verschiedene Projekte, die
Engagierten den Einstieg in die Wikipedia lehren. Wer selbst Lust
hat, Wissen zu teilen oder zu verbessern, kann jederzeit
mitmachen.
Einen Online-Kurs zur Einführung gibt es am 10. März und 15.
April, online und kostenfrei.
MOR im Auftrag von Wikimedia Deutschland,
basierend auf einer Illustration Mam’Gobozi Design Factory (MDF)
für die Wikimedia Foundation., Wikipedia Online-Einführungskurs, CC
BY 4.0
Zur Anmeldung
Stark und zukunftsfähig – Wikipedia reagiert auf die
Herausforderungen des Internets
Wednesday, 4 March 2026 14:07 UTC
Seit 25 Jahren steht Wikipedia für ein Internet, wie es im
besten Sinne gedacht ist: kollaborativ, menschenzentriert und
getragen von einem gemeinsamen Engagement, das Leben aller Menschen
zu verbessern. Von Ehrenamtlichen weltweit aufgebaut und von
Wikimedia-Organisationen unterstützt, ist sie zu einer der
vertrauenswürdigsten und meistgenutzten Informationsquellen
überhaupt geworden.
Doch das digitale Umfeld verändert sich rasant.
Künstliche Intelligenz
prägt zunehmend, wie Wissen entsteht,
verbreitet und konsumiert wird. Besonders jüngere Menschen
informieren sich häufiger über soziale Medien wie TikTok statt über
klassische Nachrichtenformate. Sie orientieren sich stärker an
einzelnen Influencern – und wenn Fakten gefragt sind, genügt vielen
die KI-Zusammenfassung in ihrer Suchmaschine. Chatbots verändern
grundlegend, wie Informationen recherchiert und verarbeitet werden.
Gleichzeitig wandeln sich die Erwartungen an Zusammenarbeit,
Sichtbarkeit und Anerkennung auf digitalen Plattformen.
Für Wikipedia hat das spürbare Folgen: Besonders in großen
Sprachversionen sind die Zugriffszahlen rückläufig. Die Wikimedia
Foundation verzeichnete von Mai bis September 2025 in der
englischsprachigen Version einen Rückgang der Seitenaufrufe um acht
Prozent, in der deutschsprachigen Wikipedia waren es im selben
Zeitraum sogar zehn Prozent. Weniger Sichtbarkeit bedeutet auch:
Potenziell neue Ehrenamtliche finden seltener den Weg zur
Mitarbeit. Sinkt die bewusste Wahrnehmung von Wikipedia, kann das
langfristig auch Auswirkungen auf ihre Relevanz und
Spendenbereitschaft haben.
Wikipedia Forever – aber dafür
müssen wir etwas tun
Doch diese Zahlen sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es
gleichzeitig immer noch sehr viele Menschen gibt, die die Wikipedia
nutzen: Laut
Semrush
verzeichnet Wikipedia 2025
rund 4,28 Milliarden Seitenaufrufe und gehört damit weiterhin zu
den zehn am häufigsten aufgerufenen Webseiten weltweit. In Zeiten
von
generativer KI
und wachsender Desinformation schätzen viele
Menschen
verlässliches, freies Wissen
mehr denn je. Verloren ist also
nichts – aber es ist Zeit zu handeln.
Genau hier setzt das
Wikimedia Futures Lab
an. Ende
Januar kamen in Frankfurt am Main 110 Teilnehmende aus der
weltweiten Wikipedia-Community und aus Wikimedia-Organisationen
zusammen. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von Wikimedia
Deutschland und der Wikimedia Foundation organisiert. Auch externe
Expert*innen von Organisationen wie Reddit, Creative Commons,
Britannica oder Signal brachten ihre Perspektiven ein und
diskutierten über gemeinsame Herausforderungen.
Drei Leitfragen für die
Wikipedia der Zukunft
Auf der Veranstaltung galt es zunächst, die globalen Trends
besser zu verstehen, die das Internet prägen. Deshalb gab es an
jedem der drei Tagen
inspirierende Impulse von externen
Expert*innen
aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft. Die
daraus resultierenden Denkanstöße mündeten in intensive
Diskussionen, die auf den Erfahrungen der Wikimedia- Ehrenamtlichen
und Organisationen aufbauten. Am Ende standen mehr als
80 Ideen
im Raum. Über zwanzig
davon wurden zu konkreten Projekten bzw.
Experimenten
weiterentwickelt,
die verbindlich umgesetzt werden sollen.
Die Programmschwerpunkte orientierten sich an drei
Leitfragen:
Wie wird KI menschengemachte Inhalte beeinflussen?
Wie werden Menschen in Zukunft Informationen konsumieren?
Was erwarten Beitragende vom Internet – und wie werden sich
diese Erwartungen verändern?
Jason Ekvidi
Wikimedia-Futures-Lab-26-Sunday-1
CC BY-SA 4.0
Der
Moderator Matt Thompson stellt einige der rund 80 Ideen vor, die
von den Teilnehmenden entwickelt und im Rahmen eines Gallery Walks
visualisiert wurden.
Wie wird KI menschengemachte
Inhalte beeinflussen?
Der erste Programmschwerpunkt widmete sich einer zentralen
Herausforderung: Wie stellen wir sicher, dass von Menschen
geschaffenes Wissen in einer zunehmend von generativen KI geprägten
Umgebung sichtbar, vertrauenswürdig und relevant bleibt?
Im Fokus der Teilnehmenden standen dabei vor allem Large
Language Models – also große Sprachmodelle, die Texte generieren
können – sowie die Chatbots, über die diese Modelle für
Nutzer*innen niedrigschwellig zugänglich sind. Eine wichtige
Erkenntnis zog sich durch die Diskussionen: Ein von KI dominiertes
Wissensökosystem ist kein unausweichliches Schicksal, dem wir uns
fügen müssen. Die Zukunft des Freien Wissens im Netz hängt von den
Entscheidungen ab, die die Communitys und Wikimedia heute
treffen.
Jason Ekvidi
Wikimedia-Futures-Lab-26-Friday-40
CC BY-SA 4.0
Ich habe (heute) bereits dreimal von den Auswirkungen von KI
gehört, aber noch nichts über die Auswirkungen von Wikis. Ich halte
es für sehr wichtig, den Spieß umzudrehen. Uns wird ständig gesagt,
dass wir von der KI beeinflusst werden – was in gewisser Weise auch
stimmt. Aber wir können ebenso Einfluss auf das entstehende
KI-Ökosystem nehmen.
Alek
Tarkowski
Director of
Strategy bei Open Future
KI bringt ohne Zweifel Herausforderungen für die
Wikimedia-Ehrenamtlichen und Projekte mit sich. Gleichzeitig
eröffnet sie Chancen, die Mission zu stärken – vorausgesetzt, sie
wird verantwortungsvoll und im Einklang mit unseren Werten
eingesetzt.
Diskutiert wurde in diesem
Kontext
unter anderem, wie KI-Chatbots – zum Beispiel in
Kooperation mit Unternehmen – so gestaltet werden können, dass sie
nicht nur Wikipedia-Inhalte nutzen, sondern auch etwas an das
Projekt zurückgeben.
Ebenso ging es um
KI-gestützte Werkzeuge
, die die
Arbeitsbelastung von Ehrenamtlichen reduzieren können. Solche Tools
könnten auch die Begleitung und Einarbeitung neuer Autor*innen
unterstützen – etwa durch konstruktives Feedback bei
überarbeitungsbedürftigen Beiträgen. Das würde nicht nur entlasten,
sondern zugleich dazu beitragen, neuen Autor*innen ein Gefühl des
Willkommenseins zu vermitteln.
Im Mittelpunkt stand dabei nie die Idee, menschliche Beitragende
durch Maschinen zu ersetzen, sondern sie sinnvoll zu unterstützen.
Deutlich wurde auch: Ethische, gemeinwohlorientierte Experimente
mit KI sind ausschlaggebend, wenn die Wikimedia-Bewegung
technologische Entwicklungen aktiv mitgestalten will. Genau für
diese Art von Experimenten wurden beim Futures Lab zahlreiche Ideen
entwickelt.
Wie werden Menschen in Zukunft
Informationen konsumieren?
Der zweite Schwerpunkt widmete sich den Nutzenden: den
Leser*innen und Menschen, die Inhalte aus den Wiki-Projekten
weiterverwerten. Auf Grundlage der
Einblicke der Panelist*innen
die aus den Bereichen Medien und digitale Kommunikation kommen,
wurde diskutiert, wie Wikimedia in einem zunehmend fragmentierten
Informationsökosystem neue Zielgruppen erreichen kann.
Wie können wir Menschen dort ansprechen, wo sie sich heute im
Netz aufhalten? Wie sichtbar sind Wikipedia und Wikimedia als
Marken in digitalen Räumen, die insbesondere von jüngeren
Generationen genutzt werden? Und wie kann die Benutzeroberfläche
der Wikimedia-Projekte noch ansprechender, intuitiver und
vielleicht auch spielerischer gestaltet werden?
Diskutiert wurden in diesem Zusammenhang die Entwicklung von
Initiativen zur stärkeren Markenwahrnehmung sowie neue, stärker an
Leser*innen orientierte Funktionen und Produkte. Ziel war es, die
Nutzung von Wikimedia nicht nur weiterhin verlässlich, sondern
zugleich einladender und mit klarem Mehrwert zu gestalten. All
diese Überlegungen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Freies Wissen
auch künftig dort präsent zu halten, wo Menschen nach Informationen
suchen.
Was erwarten Beitragende vom
Internet?
Der dritte Schwerpunkt stellte die Beitragenden in den
Mittelpunkt – also die ehrenamtliche Community unserer Projekte. Im
Fokus stand die Frage, was Menschen heute motiviert, online
beizutragen, und wie sich diese Motivation verändert. Auf vielen
digitalen Plattformen erwarten Beitragende neue Nutzererfahrungen,
vielfältigere Kooperationsmöglichkeiten und eine stärkere
Anerkennung ihrer Arbeit. Beiträge sollen leicht umsetzbar und
zugleich sichtbar wirksam sein.
Auch hier ist für Wikimedia und die Community das
Experimentieren unverzichtbar. Könnte KI-gestütztes Feedback dazu
beitragen, neue Autor*innen zu halten und die Qualität ihrer ersten
Bearbeitungen zu verbessern? Können Werkzeuge repetitive Aufgaben
reduzieren und mehr Raum für die eigentliche inhaltliche
Zusammenarbeit schaffen? Und wie können wir mit Geschichten über
Wikimedia noch mehr Menschen begeistern, ihr Wissen in unseren
Projekten zu teilen?
Jason Ekvidi,
WFL Hypothesis 10
CC BY-SA 4.0
Eine der
80 Ideen, die beim Futures Lab entwickelt wurde und viel Zustimmung
erhielt (siehe die viele Punkten auf dem Post-it)
Jason Ekvidi
Wikimedia-Futures-Lab-26-Sunday-8
CC BY-SA 4.0
Wenn Sie einem 10-Jährigen jedes Jahr 15 neue Themen beibringen
müssten, wie würden Sie das tun? In welcher Form würden Sie ihm
diese Themen vermitteln? […] Der Grund, warum ich mich immer wieder
auf jüngere Menschen beziehe, ist, dass dies die eigentliche
Herausforderung ist. […] Wenn sie (die jungen Menschen) in Zukunft
die Mehrheit der Internetnutzenden stellen, wird die Welt eine ganz
andere sein. Deshalb müssen wir uns Gedanken über sie machen – über
den Weg, den sie einschlagen, und über den Weg, den sie einschlagen
sollten.
Udbhav
Tiwari
VP Strategy and Global
Affairs bei Signal
Ein Startschuss für Experimente
– nicht für fertige Lösungen
Während des Futures Lab wurde eines immer wieder betont:
Relevanz entsteht nicht von selbst. Sie erfordert eine ständige
Entwicklung und neue, mutige Experimente. Dabei geht es nicht nur
um technologische Innovationen – ebenso wichtig sind Ansätze, die
kulturelle und soziale Fragen einbeziehen. Denn nachhaltiger Wandel
gelingt nur, wenn Technik, Kultur und Gemeinschaft zusammengedacht
werden.
Ein Beispiel dafür ist das Experiment „
Early Adopter Wikis
“. Hier
melden sich ausgewählte Wikis freiwillig, um neue Funktionen
frühzeitig zu testen – etwa über A/B-Tests. So können Innovationen
unter realen Bedingungen erprobt und schneller weiterentwickelt
werden.
Jason Ekvidi
Wikimedia-Futures-Lab-26-Sunday-15
CC BY-SA 4.0
Der
Moderator Matt Thompson präsentiert eine Auswahl von Themen, die in
den Breakout-Sessions besprochen wurden.
Mit dem Abschluss des Futures Lab beginnt für die Teilnehmenden
die eigentliche Arbeit: Die Verantwortlichen der Experimente
treiben nun die Umsetzung ihrer Ideen voran. In den kommenden
Monaten werden weitere Austauschformate folgen, um den Dialog
fortzuführen und die entstandene Dynamik aufrechtzuerhalten.
Das Wikimedia Futures Lab war selbst ein Experiment – und es hat
gezeigt, dass Wikipedianer*innen aus aller Welt bereit sind, nicht
nur auf Veränderungen zu reagieren, sondern die Zukunft des
Ökosystems Freien Wissens aktiv mitzugestalten. Wikipedia ist kein
Relikt aus den Anfangstagen des Internets, sondern ein lebendiges
Projekt – getragen von Menschen, denen Freies Wissen am Herzen
liegt.
Mehr Datenschutz bei Video-Calls: Diese Tools sind die Alternative
Wednesday, 4 March 2026 11:29 UTC
Online-Meetings sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken:
Arbeit, Ehrenamt, Schule, Politik – Video- und Audio-Calls sind der
Kitt, der uns Menschen zusammenbringt..
Meist greifen wir dabei automatisch zu Zoom, Teams oder Google
Meet. Oft, weil sie vorgegeben sind. Oder einfach auch weil „alle
anderen“ sie nutzen.
Aber: Diese Tools gehören großen Konzernen, laufen meist über
deren Server und sammeln eine Menge Metadaten. Heute stellen wir
deshalb die Frage: Gibt es gute freie Alternativen für Video- und
Audio-Kommunikation – und was können sie leisten?
Darüber sprechen wir mit Julian Hahn, Mitarbeiter der Internen
IT bei Wikimedia Deutschland.
Takeaways
Es gibt echte Alternativen:
Tools wie
Jitsi Meet
oder
BigBlueButton
eignen sich für unterschiedliche
Anforderungen – sowohl privat als auch in der Organisation.
OpenTalk
ist ebenfalls einen
Blick wert.
Mehr Kontrolle:
Freie Software
bietet Ihnen
Transparenz, besseren Datenschutz und oft die Möglichkeit, die
Plattform selbst zu hosten.
Einfacher Einstieg:
Viele Tools laufen direkt im
Browser; ein Account ist nicht zwingend nötig, eine Installation
entfällt häufig.
Gewohnheit ist die größte Hürde:
Technik ist selten das
Problem – es geht eher darum, sich an neue Abläufe und Oberflächen
zu gewöhnen.
Hi Julian, magst du dich kurz
vorstellen?
Hi, ich bin Systemadministrator bei Wikimedia Deutschland und
beschäftige mich viel damit, dass alle internen Programme und
Geräte reibungslos laufen. Wenn ich alles richtig mache, dann
können meine Kolleg*innen alle gut arbeiten.
Was versteht man eigentlich unter
Video- und Audio-Call-Tools – und was leisten sie technisch im
Hintergrund?
Video- und Audio-Call-Tools sind Programme, mit denen Menschen
miteinander sprechen können – entweder zu zweit oder in Gruppen,
mit oder ohne Kamera. Gerade für Meetings mit mehreren
Teilnehmenden, auch über Organisationsgrenzen hinweg, sind sie
heute kaum noch wegzudenken. Bekannte Beispiele sind etwa Zoom oder
Microsoft Teams.
Technisch passiert dabei mehr, als man auf den ersten Blick
sieht. Jede Person nutzt auf ihrem Gerät ein Programm – den
sogenannten Client. Das ist die App auf dem Laptop oder Smartphone,
die das eigene Mikrofon und Kamerabild aufnimmt, diese Daten ins
Internet sendet und gleichzeitig die Audio- und Videodaten der
anderen Teilnehmenden empfängt und darstellt.
Damit all diese Daten bei allen Beteiligten ankommen, gibt es im
Hintergrund Server. Diese kann man sich wie eine zentrale
Vermittlungsstelle vorstellen: Sie sammeln die Audio- und
Videoströme aller Teilnehmenden und verteilen sie wieder an die
jeweiligen Geräte. In einem Gruppen-Call laufen dort also viele
Daten gleichzeitig zusammen, die verarbeitet und weitergeleitet
werden müssen.
Gerade bei größeren Meetings entsteht dadurch eine hohe
Belastung für die Server, weil viele Video- und Audiosignale
gleichzeitig verarbeitet werden. Deshalb benötigen diese Systeme in
der Regel leistungsfähige Hardware und eine stabile
Internetanbindung.
Die Server können unterschiedlich betrieben werden:
Organisationen können sie selbst auf eigener Hardware betreiben
bzw. hosten – entweder direkt vor Ort oder in einem angemieteten
Rechenzentrum. Alternativ lassen sich Server in der Cloud mieten
und selbst verwalten. Häufig greifen Nutzer*innen aber auch direkt
auf die Infrastruktur von Anbietern zurück, bei denen die Server
komplett vom Dienstleister betrieben werden.
Zarah Ziadi (WMDE)
Julian Hahn – Interne IT Wikimedia
Deutschland
CC0 1.0
Julian
hat sich besonders während der Corona-Pandemie mit Freien
Alternativen für Video-Call Tools auseinandergesetzt. Heute is er
überzeugter BigBlueButton und Jitsi-Poweruser.
Wie bist du selbst mit solchen Tools
das erste Mal in Berührung gekommen?
Eigentlich ganz klassisch: im Studium und im Freundeskreis. In
beiden Kontexten ging es oft darum, sich abzustimmen oder gemeinsam
Zeit zu verbringen, ohne sich physisch treffen zu müssen. An der TU
Berlin, an der ich bis vor kurzem studiert habe, wurden dafür
häufig bestimmte Tools vorgegeben, die für Lehrveranstaltungen oder
Gruppenarbeiten genutzt werden sollten. Gleichzeitig haben wir im
privaten Umfeld auch selbst nach Alternativen gesucht – zum
Beispiel, wenn die vorgegebenen Lösungen nicht gut funktioniert
haben oder nicht zu unseren Bedürfnissen gepasst haben. So bin ich
relativ früh mit verschiedenen Video- und Audio-Call-Tools in
Kontakt gekommen.
Warum beschäftigst du dich speziell
mit freien Alternativen zu Zoom & Co.?
Ein wichtiger Auslöser war die Corona-Pandemie. In dieser Zeit
ist der Bedarf an Video- und Audio-Call-Tools plötzlich stark
gestiegen, und viele Menschen und Organisationen waren gezwungen,
sich intensiver mit passenden Lösungen auseinanderzusetzen. An der
TU Berlin gab es beispielsweise eine vorgegebene Nutzung von Zoom,
mit der wir jedoch nicht vollständig zufrieden waren. Man wurde
immer dazu gedrängt, eine App zu nutzen und niemand war sich
wirklich sicher, ob der Vertrag der TU mit Zoom tatsächlich dafür
sorgte, dass die Daten innerhalb der EU blieben. Gerade auch die
Benutzbarkeit mit verschiedenen
Betriebssystemen
(Windows, Linux, Android, etc.) war nicht durchgängig gut. Das hat
dazu geführt, dass wir aktiv nach Alternativen gesucht haben, die
unterschiedlichen Kontexten gerecht werden können. Im privaten
Umfeld etwa hatte ich einen festen Freundeskreis, der sich
regelmäßig zu einem digitalen „Stammtisch“ getroffen hat. Hier
standen vor allem einfache Nutzung und Verlässlichkeit im
Vordergrund.
Parallel dazu war ich in ein Uni-Projekt mit über 50 Studierenden
eingebunden, die sich wöchentlich zu größeren Update-Meetings
getroffen haben. In diesem Rahmen waren die Anforderungen deutlich
komplexer – etwa in Bezug auf Stabilität, Skalierbarkeit und
Moderation.
Wo liegen die typischen Probleme bei
proprietären Tools wie Zoom, Teams oder Google Meet?
Proprietäre Tools wie Zoom, Microsoft Teams oder Google Meet
funktionieren in der Regel sehr gut, haben aber einen
entscheidenden Nachteil: Sie liegen vollständig in der Hand der
Anbieter. Das bedeutet, dass Daten, Infrastruktur und Einstellungen
dort verwaltet werden.
Nutzer*innen sind darauf angewiesen, wie die Anbieter mit
Datensicherheit umgehen und welche Preise oder Lizenzmodelle sie
festlegen. Die Nutzungsbedingungen müssen meist so akzeptiert
werden, wie sie sind.
Gerade deshalb fühlen sich viele Menschen damit nicht wohl –
insbesondere bei großen Anbietern und deren Verbindungen zu anderen
Organisationen oder staatlichen Stellen. Google mit Meet und
Microsoft mit Teams etwa unterliegen der Gesetzgebung in den USA,
was unter anderem dafür sorgt, dass Daten auf Anfrage von Behörden
von den Unternehmen rausgegeben werden müssen. Gleiches gilt für
Zoom oder Webex, während Discord Verbindungen nach China hat, da
sie von Tencent mitfinanziert werden.
Warum dominieren diese Tools den
Markt so stark?
Ein wichtiger Grund ist, dass viele große Organisationen Rahmen-
oder Lizenzverträge mit Anbietern solcher Tools abschließen.
Dadurch können – und sollen – alle Mitarbeitenden innerhalb der
Organisation dieselbe Plattform nutzen.
Hinzu kommt, dass diese Tools oft Teil eines größeren
Software-Ökosystems sind. Wer zum Beispiel bereits Programme von
Microsoft wie Microsoft Office nutzt, greift häufig auch zu
Microsoft Teams. Ähnlich ist es bei Google, wo Google Workspace eng
mit Google Meet verzahnt ist. Diese Integration macht die Nutzung
bequem und effizient – führt aber auch dazu, dass sich bestimmte
Lösungen stark verbreiten und andere es schwer haben, sich
durchzusetzen.
Welche freien Video- und
Audio-Call-Alternativen würdest du empfehlen?
Zwei Tools, die ich häufig empfehle, sind
Jitsi Meet
aus Frankreich und
BigBlueButton
aus Canada. Beide sind
Open-Source-Anwendungen, und ich nutze bzw. empfehle sie für
unterschiedliche Anwendungsfälle.
Jitsi Meet eignet sich besonders gut für kurze, unkomplizierte
Treffen, die man schnell starten möchte – ganz ohne großen
Setup-Aufwand für jedes Betriebssystem. Man kann einfach einen Raum
erstellen und direkt loslegen. Allerdings läuft das Ganze dann über
die Infrastruktur von Jitsi, wodurch man weniger Kontrolle über die
Daten und die technische Umgebung hat. Man kann Jitsi Meet auch
selber hosten, aber damit habe ich mich bisher noch nicht
auseinandergesetzt.
BigBlueButton ist dagegen stärker auf größere und dynamischere
Veranstaltungen ausgelegt, zum Beispiel Vorlesungen oder Meetings
mit vielen Teilnehmenden. Es bietet mehr Funktionen für Moderation
und Zusammenarbeit, ist aber in der Einrichtung und im Betrieb
etwas aufwendiger. Auch hier gibt es die Möglichkeit, die Anwendung
selbst zu hosten. Wie bei allen Tools gibt es auch hier jeweils
Vor- und Nachteile – die passende Lösung hängt letztlich davon ab,
wofür man sie einsetzen möchte.
Es gibt auch noch
OpenTalk
aus Deutschland, damit
habe ich persönlich noch keine Erfahrungen gemacht, aber ich denke
es wäre auch mal einen Blick als weitere Alternative wert.
Mattruffoni
JitsiSchermoInsegnante2
CC BY-SA 4.0
Jitsi
ist ein beliebtes Video-Call Tool für weniger Komplexe
Meetings.
Was sind die größten Vorteile dieser
freien Tools?
Der größte Vorteil freier Tools wie Jitsi und BigBlueBotton
liegt darin, dass sich beide auch selbst hosten lassen: Wer die
Plattform selbst hostet, entscheidet selbst, wer an Meetings
teilnimmt, wo die Daten gespeichert werden und welche technischen
Ressourcen zur Verfügung stehen – man hat dann einfach die volle
Kontrolle. Zusätzlich laufen beide Services beim Teilnehmenden dann
im
Browser
also muss er/sie sich nicht noch umständlich eine weitere Software
herunterladen, die aktuell gehalten werden muss.
Außerdem lassen sich auf diese Weise die laufenden Kosten
deutlich reduzieren, weil teure Lizenzgebühren wegfallen.
Gleichzeitig erfordert das Selbsthosten aber auch eigenen Aufwand –
man muss Zeit für Installation, Wartung und Betreuung der Plattform
einplanen. Wer sich dafür interessiert, findet hier übersichtliche
Leitfäden für
BigBlueButton
und für
Jitsi
Gibt es weitere Vorteile bei den
Tools, falls man nicht selbsthosten kann, oder ist das der
Hauptvorteil?
Nutzende, die nicht selbst hosten können oder möchten,
verlieren die Kontrolle darüber, wo die eigenen Daten
gespeichert werden. Auch wenn es sich bei Video-Tools nur um eine
vorübergehende Zwischenspeicherung handelt, lässt das theoretisch
schon Einblicke in individuelle Verhaltensweisen zu. . Trotzdem
sind Open-Source Tools, wie Jitsi und BigBlueButton dahingehend
beruhigend, dass durch den offen einsehbaren Code nichts verborgen
bleibt. Wenn sich also kundige Menschen kritisch mit dem Programm
auseinandersetzen wollen, können sie das jederzeit tun. Zusätzlich
sorgt die Möglichkeit des Selbst-Hostens oft dafür, dass mehrere
kleinere Anbieter entstehen, die diese Aufgabe für Nutzende
übernehmen und Bandbreite vermieten. Dank dieser Anbieter kann man
dann immerhin die Infrastruktur einsehen, ohne sich direkt um das
Programm und dessen Installation kümmern zu müssen.
Wie einfach ist der Einstieg – wenn
wir dich richtig verstanden haben, ist ein eigenes Hosting zwar die
sicherste Version, aber nicht zwingend notwendig.
Es geht in der Tat auch ohne Selbst-Hosting. Bei Jitsi Meet zum
Beispiel klickt man einfach auf „kostenloses Meeting starten“ –
alles läuft direkt im Browser, man muss nichts installieren und in
der Regel auch keinen Account anlegen. Den Link teilt man dann mit
den Leuten, die teilnehmen sollen, und schon kann das Meeting
losgehen. Wer mag, kann sich später einen Account anlegen, um
eigene Räume besser zu verwalten, muss es aber nicht.
Wer die Vorteile einer eigenen Plattform haben möchte, aber
keine Lust auf die ganze Technik drumherum hat, kann wie oben
erwähnt einen vorkonfigurierten Server mieten. Der läuft dann schon
fertig eingerichtet, man zahlt ein bisschen dafür, hat aber
trotzdem die Kontrolle über Links, Teilnehmende und Daten – ohne
selbst Server warten oder Updates machen zu müssen.
Am Ende gibt es also für fast jede Situation eine passende Lösung:
direkt im Browser loslegen, selbst hosten für maximale Kontrolle
oder gemietete Server für den Mittelweg.
Wikiuka
Sitzung von Wiki Loves Broadcast im
Kontor Hamburg Januar 2023
CC BY-SA 4.0
Auch die
Wikipedia Community nutzt gerne BigBlueButton – hier zu sehen bei
einem Treffen im Contor Hamburg – einem ehemaligen lokalen
Wikipedia Raum.
Gibt es Dinge, die für Nutzer*innen
erstmal ungewohnt sind, wenn sie umsteigen?
Der Umstieg auf freie Tools ist letztendlich mit jedem
Umstieg auf ein anderes Tool vergleichbar: Schaltflächen befinden
sich an anderen Stellen, manche Funktionen gibt es zusätzlich,
andere fehlen. Man muss ein wenig ausprobieren, welche
Einstellungen und Features für den eigenen Anwendungsfall am besten
passen. Das ist bei den proprietären Tools gar nicht so anders – es
ist vergleichbar mit dem Kauf eines neuen Handys: Es gibt viele
objektiv gute Modelle, aber nicht jedes passt zu den individuellen
Bedürfnissen.
Valerio Bozzolan
BigBlueButton screenshot
collaborative board
CC0 1.0
Video-Call Tools, sind mit einer Vielzahl von FeatureFs
ausgestattet, um zum Beispiel kollaborativ zu arbeiten. In Zukunft
werden die meisten Video-Calls alle wichtigen Features besitzen, um
keinen Wettbewerbsnachteil zu haben.
Hast du praktische Tipps für
Einsteiger*innen, damit Meetings mit freier Software gut
funktionieren?
Mein Tipp ist Testen :) Das Tool erstmal in Ruhe im kleinen
Kreis mit Freunden, Familie oder wenigen Kolleg*innen ausprobieren.
Man muss dabei nicht direkt selbst das Tool hosten, um zu sehen, ob
es zu den individuellen Anforderungen passt. Und bevor wichtige
Meetings mit Menschen außerhalb der Organisation stattfinden, würde
ich ebenfalls dazu raten, alles vorher noch einmal zu testen – so
kann sichergestellt werden, dass Audio, Video und alle Funktionen
reibungslos laufen, sobald es drauf ankommt.
Was denkst du – wohin werden sich
freie Video- und Audio-Call-Tools in den nächsten Jahren
entwickeln?
Ich glaube, dass freie Tools in Zukunft noch flexibler werden.
Zum Beispiel werden sie wahrscheinlich auf immer mehr Hardware- und
Software-Systemen laufen, sodass man dasselbe Tool auf ganz
unterschiedlichen Servern hosten kann.
Außerdem werden die zusätzlichen Funktionen wie Whiteboards,
Umfragen oder andere interaktive Features weiter angepasst und
ausgebaut. Dadurch werden viele Tools in ihren Möglichkeiten immer
ähnlicher, aber gleichzeitig einfacher zu nutzen und noch besser
auf die Bedürfnisse der Nutzer*innen zugeschnitten.
Next Steps
Einfaches ausprobieren
Starten Sie ein Meeting mit einem freien Tool wie Jitsi Meet oder
BigBlueButton – viele Instanzen sind kostenlos zugänglich.
Klein testen
Probieren Sie das Tool zunächst in kleiner Runde mit Kollegi*nnen,
Freund*innen oder Familie aus, bevor Sie wichtige Meetings
abhalten.
Optionen vergleichen
Überlegen Sie, ob Sie selbst hosten möchten, einen
vorkonfigurierten Server nutzen wollen oder lieber die kostenlose
Browser-Variante einsetzen.
Bedürfnisse klären
Prüfen Sie, welche Funktionen Sie wirklich benötigen (Whiteboard,
Umfragen, Moderation), damit das Tool langfristig zu Ihren
Anforderungen passt.
Seit sieben Jahren zur Berlinale: Bühne frei für Filmfrauen
Thursday, 19 February 2026 11:22 UTC
Ein kraftvolles Zeichen für mehr
Sichtbarkeit
Noch immer sind Frauen in der Filmbranche weniger sichtbar – ob
als Regisseurinnen, Produzentinnen, Kamerafrauen, Tonfrauen oder
Drehbuchautorinnen. Und das spiegelt sich auch in der Wikipedia
wider.
Filmfrauen Statistik
Ende vergangenen Jahres waren 36,8 Prozent aller
Wikipedia-Biografien zu Filmschaffenden Frauenbiografien. „Während
Frauen vor der Kamera mit 45,8 Prozent beinahe paritätisch
vertreten sind, sind Frauenbiografien in den Gewerken „hinter der
Kamera“ wie Drehbuch, Kameraführung, Tontechnik, Sounddesign
deutlich unterrepräsentiert,“ erläutert Grizma, eine der
Organisatorinnen des Edit-a-thons.
Der Filmfrauen Edit-a-thon wirkt diesem Ungleichgewicht seit
2020 entgegen. Was als engagierte Initiative begann, ist inzwischen
zu einer festen Größe im Terminkalender der Wikipedianer*innen
geworden. Jedes Jahr kommen filminteressierte Wikipedia-Aktive und
die, die es werden wollen, zusammen, um die Präsenz von Frauen in
der Filmgeschichte zu stärken: Gemeinsam werden Artikel und
Einträge in Wikidata neu angelegt, ergänzt, mit Quellen belegt,
strukturell verbessert und bebildert.
Highlights aus sieben Ausgaben
Berlinale-Edit-a-thon
Insgesamt sind in der deutschsprachigen Wikipedia über die
Jahre 249 Artikel zu Filmen und 248 Artikel zu Filmfrauen
entstanden.
Hinzu kommen 149 Artikel in der alemannischen Wikipedia sowie
über 700 Bilder
Einige der entstandenen Artikel beschreiben Filme, die später
renommierte Awards gewonnen haben: Beispielsweise der Teddy Award
Preisträger „
Playback. Ensayo de una
despedida
“ (2020) und
„Walchensee Forever“
(2020), der später den
Bayerischen Filmpreis gewann.
Gleichzeitig sind auch Filmfrauen, die keine Hollywoodgrößen
sind, jetzt dank der Edit-a-thons in der Wikipedia vertreten – etwa
das Berlinale-Team selbst: Mariette Rissenbeek, Linda Söffker,
Marie Losier, Paz Lázaro, Cristina Nord (2020).
Mehr als Editieren:
Gemeinschaft, Begegnung und neue Impulse beim
Edit-a-thon
Das gemeinsame Bearbeiten von Artikeln macht Spaß, und auch der
ein oder andere Löschantrag konnte in Gemeinschaftsleistung
abgewehrt werden. Dabei geht es um noch viel mehr als das reine
Editieren: Auch persönliche Begegnungen spielen eine große Rolle.
Die Teilnehmenden, die aus ganz unterschiedlichen Regionen des
DACH-Raumes anreisen, sehen sich wieder, tauschen sich aus und
schmieden neue Pläne. Einige sind erst durch den Edit-a-thon zur
Wikipedia gekommen und inzwischen seit mehreren Jahren dabei. Und
auch Fortgeschrittene nehmen jedes Jahr etwas Praxisnahes mit. So
lag 2025 beispielsweise der Fokus auf Filmtonfrauen. Die
Teilnehmenden lernten, wie eine Tondatei mit der Aussprache eines
Filmtitels oder Namens Schritt für Schritt in einen Artikel
eingebaut werden kann.
Wie Wikipedia-Aktive und
Filmfrauen voneinander lernen
Die Organisatorinnen Grizma, und Reisen8 freuen sich sehr, dass
der Edit-a-thon sich verstetigt hat, schließlich konnte er
pandemiebedingt 2021 nur online und 2022 nur unter strengen
Auflagen stattfinden.
„Mir gefällt die Verbindung zu anderen Wikipedia-Projekten aus
der Community,“ so Reisen8. So wurden Artikel, die während des
Edit-a-thons entstanden sind, auch bei den
100WomenDays
präsentiert, einem
Wettbewerb, der jedes Jahr 100 Tage vor dem internationalen
Frauentag beginnt und sich zum Ziel gesetzt hat, so viele
Wikipedia-Artikel mit Frauenbezug wie möglich zu erstellen oder zu
überarbeiten. Auch ist der Berlinale Edit-a-thon inzwischen zum
Vorbild für ähnliche Formate geworden: Letztes Jahr fand in München
ein Edit-a-thon zum DOKfest nach ähnlichem Muster statt. „Mir
gefällt, dass wir so viel Freiheit bei den Themen haben – uns also
auch auf Artikel über Kurz- oder Kinderfilme stürzen können“,
erzählt Reisen8 weiter.
Mir gefällt, dass wir so viel Freiheit bei den Themen haben – uns
also auch auf Artikel über Kurz- oder Kinderfilme stürzen können.
Gleichzeitig zeigt zum Beispiel der Artikel „No Other Land“, den
ich 2024 angelegt habe, wie schnell unsere Arbeit ins
gesellschaftliche Rampenlicht rücken kann.
Reisen8
Wikipedianerin
Was sich in den letzten Jahren ebenfalls verstetigt hat, ist die
Zusammenarbeit zwischen erfahrenen Wikipedianer*innen und
Expertinnen aus der Filmbranche. So war etwa in diesem Jahr
Sabine Jainski
zu Gast. Die
Filmemacherin und Journalistin betonte, wie hilfreich die Arbeit
der Wikipedianer*innen sei – gerade in Zeiten, in denen die Rechte
von Frauen auch in der Filmbranche immer noch beschnitten würden.
Vom Austausch profitieren beide Seiten gleichermaßen: Die
Filmemacherinnen freuen sich über gewonnene Sichtbarkeit in der
Wikipedia und Wikipedianer*innen erhalten Expert*innenwissen aus
der Branche.
25 Jahre Wikipedia – und warum
Edit-a-thons so wirkungsvoll sind
Gerade im Jahr des
25. Geburtstags der Wikipedia
kommt diesem Engagement
eine besondere Bedeutung zu. Seit 2001 hat sich die Plattform zur
größten Enzyklopädie der Welt entwickelt. In der Wikipedia spiegeln
sich jedoch gesellschaftliche Strukturen wider – sowohl was ihre
Inhalte, als auch was die Zusammensetzung der
Ehrenamtlichen-Community betrifft. Und hier setzen Initiativen wie
der Berlinale Edit-a-thon an. Viele Initiativen und Gruppen aus der
Wikipedia-Community setzen sich erfolgreich für mehr Diversität ein
– in der Filmbranche, in Wikipedia-Artikeln und unter denen, die
mitmachen.
Wikipedia
Online-Einführung am
10.März
Jetzt bis
zum 5. März 2026 anmelden!
Wikipedia
Online-Einführung am 15.
April
Jetzt bis
zum 10. April 2026 anmelden
Intelligent doomscrollen mit Xikipedia – Wikipedia als Wissens-Feed
Thursday, 19 February 2026 08:15 UTC
Xikipedia
hat sich die Entwicklerin Lyra Rebane
ausgedacht, um dem verbreiteten Doomscrolling etwas
entgegenzusetzen – also dem endlosen Wischen durch schlechte
Nachrichten, das von den meisten Social-Media-Algorithmen gern
befeuert wird. Ihre Web-App funktioniert zwar nach dem gleichen
Prinzip wie die der großen Plattformen. Aber liefert ausschließlich
Inhalte, die uns schlauer machen – und für alle verständlich sind.
Der angezeigte Content stammt aus der
Simple Wikipedia
, der englischen Wikipedia in
einfacher Sprache.
Wissen statt Frust beim Scrollen
– so funktioniert Xikipedia
Zu Beginn können wir aus einer Reihe von Kategorien auswählen,
zum Beispiel Wissenschaft, Musik, Natur oder Kunst. Entsprechend
werden dann Wikipedia-Artikel aus dem jeweiligen Gebiet zum
Durchscrollen angezeigt. Über den Klick auf Titel oder Teaser geht
es zum jeweiligen Artikel in der Simple Wikipedia.
Außerdem bietet uns Rebanes Anwendung die Möglichkeit, einen
Artikel zu liken und so die eigene Feed-Auswahl zu steuern. Ein
Wiki-Algorithmus, der garantiert nicht in Weltuntergangsstimmung
versetzt! Noch dazu kommt er ohne KI aus, läuft lokal und gibt
keine Daten weiter. So macht Doomscrolling Spaß.
Viel Vergnügen beim Scrollen!
Warum gibt es Wikimedia Enterprise?
Thursday, 19 February 2026 08:10 UTC
Freies Wissen für jeden
Zweck
Wikipedia ist ein Projekt von Menschen für Menschen. Die Inhalte
sind durch die Creative Commons Lizenz zu jedem Zweck für alle frei
nachnutzbar. Und alle heißt, alle: Egal ob es Menschen sind, die
Informationen zu ihrem Lieblingskünstler oder einem aktuellen
Ereignis suchen, Forschende, gemeinnützige Organisationen oder
kleine wie große Unternehmen.
Technologieunternehmen nutzen Wikipedia schon lange.
Sprachassistenten wie Alexa oder Siri sowie Googles Infobox – das
sogenannte Knowledge Panel – greifen auf die Inhalte zu. YouTube
und Facebook verweisen als Gegengewicht zu Desinformation auf
Wikipedia. Sie verbessern oder entwickeln also Produkte basierend
auf der ehrenamtlichen Arbeit hunderttausender Menschen
weltweit.
Das Wissen ist frei – die
Infrastruktur nicht
Mit dem Aufkommen der KI-Chatbots hat die Nutzung von
Wikipedia-Inhalten neue Dimensionen angenommen. Die Sprachmodelle,
auf denen ChatGPT und Co. basieren, müssen mit Texten trainiert
werden. Nur so können sie Sprachmuster lernen und reproduzieren.
Daher grasen Bots und Crawler von KI-Unternehmen auf der Suche nach
Trainingsdatenfutter die Wikimedia Projekte ab. Diese massiven
Datenabrufe
belasten die Server enorm
. Die Infrastruktur des Freien Wissens
ist vorrangig auf menschliche Nutzung ausgelegt – und sie
wird überwiegend mit Spendengeldern der Menschen finanziert, die
Wikipedia im Alltag nutzen.
Es sind aber nicht nur Tech-Konzerne, die freie Inhalte von
Wikipedia und Co. nutzen. Auch Forschende oder
Software-Entwickler*innen, die ehrenamtlich Apps entwickeln nutzen
sie. Schon bevor es Enterprise gab, hat die Wikimedia Foundation
regelmäßig Daten-Dumps
der Wikipedia
veröffentlicht, die jede*r herunterladen und für eigene Projekte
nutzen konnte. Das entspricht der Philosophie der weltweiten
Wikimedia Bewegung: Verlässliches Wissen soll für alle frei
zugänglich sein.
Ein Lösungsansatz: Wikimedia
Enterprise
Wie gelingt es also, dass Millionen Nutzer*innen Wikipedia im
Alltag störungsfrei nutzen können? Dass Forschende, Start-ups,
gemeinnützige Organisationen ebenso wie große Unternehmen die
Inhalte der freien Enzyklopädie für eigene Projekte
weiterverwenden? Und dass all dies möglich ist, ohne dass die
Wikimedia-Bewegung die hohen Kosten für Betrieb und Infrastruktur
alleine tragen muss?
Mit
Wikimedia Enterprise
hat die Wikimedia
Foundation bereits 2022 ein Angebot entwickelt, um diesen Spagat zu
schaffen. Klar ist: Forschende, Softwareentwickler*innen und
Unternehmen, die Inhalte aus Wikimedia-Projekten nutzen, haben ganz
andere Anforderungen als Menschen, die Wikipedia im Alltag
lesen.
Forschende benötigen häufig den gesamten Datenbestand der
Wikipedia in komprimierter Form, um damit arbeiten zu können.
Softwareentwickler*innen und Technologieunternehmen hingegen
brauchen die Inhalte so aufbereitet, dass Maschinen sie verarbeiten
können – also als strukturierte Daten in maschinenlesbaren Formaten
wie JSON. Unternehmen, die Suchmaschinen betreiben, brauchen
Zugriff auf einzelne Artikel, während KI-Entwickler*innen ständig
neue Daten für das Training ihrer KI-Modelle suchen: Für sie ist
vor allem das Streaming jeder einzelnen Änderung an Wikipedia
relevant.
Für diese unterschiedlichen Anforderungen stellt Wikimedia
Enterprise drei Programmierschnittstellen, sogenannte APIs, bereit.
Sie liefern dieselben Daten – aber jeweils in der Form und über die
Abrufmethode, die den jeweiligen Nutzungsszenarien entsprechen.
Was bieten die APIs?
Mit der Snapshot API ist der Abruf von Massendaten möglich.
Nutzende können kostenfrei Momentaufnahmen von Wikimedia-Projekten
als Datei herunterladen. Dazu gehört Wikipedia ebenso wie
Wikibooks, Wikivoyage und andere. Alle zwei Wochen kann eine neue
Momentaufnahme heruntergeladen werden.
Einzelne Artikel können in der On-demand API abgerufen werden.
Sie ermöglicht den Abruf von mindestens 5.000 einzelnen Artikeln
pro Monat und den Abruf von Structured Content Articles. Die
Inhalte sind dann so strukturiert, dass Maschinen sie verstehen und
weiterverarbeiten können.
Die kostenpflichtige Realtime API wurde für Unternehmen
entwickelt, die auf die Inhalte der Wikimedia-Projekte in einer
Weise zugreifen, die zu einer kostenintensiven Nutzung der
Infrastruktur führen oder die Dienstleistungen und Beratung beim
Umgang mit den Daten brauchen.
Wer die Realtime API nutzt, kann sowohl bestehende Inhalte als
auch Veränderungen an Wikimedia Projekten in Echtzeit streamen. Das
funktioniert mit der sogenannten Firehose. Eine digitale
Technologie, die einen dauerhaften, sehr schnellen und
hochvolumigen Datenstrom liefert. Hinzu kommen Support-Leistungen
und Dienstleistungen von Wikimedia-Softwareingenieur*innen.
Das bedeutet, dass Spenden von Lesenden nicht dazu verwendet
werden, die Belastung zu decken, die kommerzielle Wiederverwender
von Wikimedia-Inhalten auf die technische Infrastruktur ausüben.
Die Einnahmen von Wikimedia Enterprise gehen an die Wikimedia
Foundation. Sie sind auf 30 % der Gesamteinnahmen der Wikimedia
Foundation begrenzt, die zum Betrieb der Infrastruktur und zur
Förderung von Freiwilligen genutzt werden.
Wer nutzt Wikimedia
Enterprise?
Neben der bekannten Partnerschaft mit Google, die Enterprise für
das Knowledge-Panel in Google-Suchergebnissen nutzt, und Amazon,
Microsoft und den Unternehmen aus dem KI-Sektor gibt es zahlreiche
andere.
Dazu gehört auch das Internet Archive. Es kann den
Echtzeit-Stream der Wikimedia-Inhalte kostenlos nutzen. Denn das
Archiv für alle Internet-Inhalte ist eine gemeinnützige
Organisation und leistet einen wichtigen Beitrag dazu, Wissen im
Netz zu sichern.
2025 haben Wikimedia Enterprise und die Suchmaschine Ecosia
bekanntgegeben, dass sie zusammenarbeiten. Ecosia ist eine
Suchmaschine aus Berlin, die mit ihren Gewinnen Bäume pflanzt.
Statt selbst komplette Wikipedia-Inhalte herunterzuladen und zu
verarbeiten, nutzt Ecosia die Enterprise APIs, um fertige,
strukturierte Daten zu erhalten. Ecosia kann damit über drei
Millionen Suchanfragen täglich mit verlässlichen Informationen aus
Wikipedia anreichern – zum Beispiel in Form von Infoboxen
(Knowledge Panels) über Personen, Orte und Ereignisse. Indem Ecosia
die
kostenpflichtige Variante der
Snapshot API
nutzt, kann die Suchmaschine tägliche
Schnappschüsse der Wikipedia-Inhalte nutzen.
Im Gegenzug arbeitet Ecosia mit Wikimedia Enterprise am
Beta-Testing und hilft so, neue technische Funktionen zu testen und
weiterzuentwickeln, bevor sie allgemein verfügbar sind.
Wikimedia Enterprise agiert damit nach dem Prinzip: Das Wissen
ist frei – die Infrastruktur ist es nicht.
Im Blog von Wikimedia Enterprise finden sich weitere
Informationen dazu, wer die APIs nutzt und was damit möglich
ist.
Zum Blog
Wikipedia begrenzt Einsatz von generativer KI – welche
Herausforderungen bleiben
Thursday, 19 February 2026 08:08 UTC
Warum das
Meinungsbild?
Die Wikipedia funktioniert nach Grundprinzipien – unter anderem
sind das Nachprüfbarkeit, Neutralität und Belegpflicht. Diese
Prinzipien machen sie in Kombination mit ihrem umfangreichen
Regelwerk so verlässlich und resistent gegen Desinformation.
Generative KI funktioniert ganz anders: Sie formuliert Texte nicht
faktenbasiert, sondern auf Wahrscheinlichkeit und Plausibilität
basierend. Das passt nicht zur Idee einer menschengemachten
Enzyklopädie: Wenn mit Textgeneratoren erstellte Bearbeitungen oder
ganze Wikipedia-Artikel nicht auf Richtigkeit geprüft, nicht mit
geeigneten Quellenangaben versehen und nicht in enzyklopädischer
Sprache formuliert sind, widersprechen sie den Grundprinzipien des
Online-Lexikons – und schmälern somit dessen Qualität.
Die Abstimmung (in der Wikipedia „Meinungsbild” genannt) zielte
darauf ab, die menschliche Produktion von Artikelinhalten und
Diskussionsbeiträgen in den Vordergrund zu rücken und nur wenige
Ausnahmen zuzulassen. Die Abstimmung lief vom 1. bis zum 15.
Februar. Sich beteiligen durften alle Wikipedianer*innen, die seit
mindestens zwei Monaten aktiv sind und mindestens 200 Bearbeitungen
vorgenommen haben – davon mindestens 50 Artikelbearbeitungen in den
letzten 12 Monaten.
Zum Ende des Meinungsbildes, für dessen Annahme eine einfache
Mehrheit vorausgesetzt wurde, waren 208 Stimmen dafür abgegeben
worden, den restriktiven Umgang mit KI verbindlich festzuschreiben.
108 stimmten dagegen, 16 enthielten sich. Damit ergibt sich eine
deutliche Mehrheit für eine strenge Begrenzung und klare Regelung
für KI-generierte Inhalte in der Online-Enzyklopädie.
Was bedeutet das Ergebnis für
die Wikipedia?
Verbot von KI-generierten Texten
in Artikeln
Ausdrücklich untersagt ist das Einstellen von Texten, die mit
Large Language Models (LLM) wie ChatGPT erzeugt oder bearbeitet
wurden. Von allen Mitwirkenden wird erwartet, dass sie ihre
enzyklopädischen Texte selbst verfassen.
Verbot automatisierter
KI-Edits
Ebenfalls unzulässig ist der Einsatz von Tools, die Änderungen
in Artikeln KI-gestützt und ohne menschliche Prüfung vornehmen.
Keine KI-Texte als
Belege
Erkennbar von einem LLM generierte Texte – etwa auf externen
Websites – gelten nicht als geeignete Belege für die Artikelinhalte
in der Wikipedia.
Regelung gilt
projektweit
Die Grundsätze gelten nicht nur für Artikel, sondern auch für
Diskussionsseiten – also den Seiten, auf denen Wikipedianer*innen
über Artikelinhalte diskutieren – und andere Projektbereiche
Sanktionen bei
Verstößen
Autor*innen, denen das wiederholte Einstellen von mit LLM
generierten Texten nachgewiesen werden kann, können unbeschränkt
gesperrt werden. Sperren aufgrund von KI-Einsatz sollen jedoch nur
erfolgen, wenn die Beweislage klar ist.
Gibt es Ausnahmen?
Trotz der klaren Begrenzung sieht die Regelung bestimmte
Ausnahmen vor:
KI-generierte oder bearbeitete
Bilder…
…dürfen in Ausnahmefällen nach Diskussion und Konsens für jedes
einzelne Bild eingesetzt werden – aber nie als Ersatz für echte
Bilder.
Der Einsatz von
Machine-Learning-Algorithmen…
…etwa zur Rauschentfernung in Bildbearbeitungssystemen bleibt
zulässig.
Maschinelle
Übersetzungen,…
…auch wenn sie KI-gestützt arbeiten (zum Beispiel bei
Übersetzungen aus anderen Sprachversionen der Wikipedia), sind
erlaubt – vorausgesetzt, Übersetzungen und Belege werden sorgfältig
auf inhaltliche Korrektheit geprüft.
KI-gestützte Tools zur
Fehlererkennung…
…dürfen genutzt werden, sofern jede Änderung menschlich geprüft
wird. Zulässig ist etwa der Einsatz von Werkzeugen, die Texte auf
Plausibilität, Lücken oder Widersprüche hinweisen oder
Rechtschreibung und Grammatik prüfen. Inhaltliche Änderungen müssen
jedoch von Menschen vorgenommen werden.
Reine Recherche mit Hilfe von
KI…
…bleibt möglich, sofern die gewonnenen Informationen
eigenständig geprüft und regelkonform belegt werden.
Wie geht es weiter?
Die Abstimmung gilt verbindlich für alle, die an der
deutschsprachigen Wikipedia mitarbeiten. Die neuen Regeln
unterstreichen ein wichtiges Grundprinzip des Projekts:
Wikipedia-Artikel sollen von Menschen für Menschen recherchiert und
geschrieben werden. Community-Mitglieder sehen in der Entscheidung
die Grundlage für eine Regelung, die eine sinnvolle Nutzung von KI
nicht verbietet, aber klar festlegt, dass die Verantwortung immer
bei den menschlichen Autoren liegt.
Innerhalb der Community und auch öffentlich wird nun aber vor
allem darüber diskutiert, wie dies künftig umgesetzt werden soll.
Dabei sind viele Fragen noch offen: Wie lassen sich KI-generierte
Texte erkennen? Wie kann ein zusätzlicher Aufwand für die
ehrenamtlich Mitarbeitenden möglichst gering gehalten werden? Wie
wird mit Texten umgegangen, die zwar mit KI erstellt wurden, aber
inhaltlich korrekt und regelkonform sind? Und wie laufen
Diskussionen ab, wenn es um das Löschen oder Behalten solcher
Inhalte geht?
Einige Ehrenamtliche haben bereits erste Methoden entwickelt, um
KI-Texte zu erkennen und den Mehraufwand zu begrenzen. Um weitere
Antworten auf die offenen Fragen zu finden, wird es in der nächsten
Zeit noch weiteren Austausch geben. Unter anderem fand im März ein
dreitägiges Treffen in Berlin statt, bei dem sich Ehrenamtliche und
Wikimedia Deutschland mit dem Thema beschäftigen werden. Ein
ausführlicher Artikel dazu folgt in Kürze.
Bezahltes Wikipedia-Schreiben in der Belletristik
Monday, 12 September 2022 20:02 UTC
Bezahltes Schreiben im PR-Auftrag in der Wikipedia, ist ein
Thema, das mich und die Wikipedia-Community seit einigen Jahren
umtreibt. Das Thema wabert seit etwa 2010 durch die Wikipedia, mal
intensiver und mal weniger intensiv diskutiert; mal mit Skandal und
mal ohne. Aber wenn man sich, ganz ohne Insiderkenntnisse, einfach
mal durch Wikipedia-Artikel lebender Personen clickt (sei es in der
deutschen Ausgabe oder der englischen): normalerweise riecht man
die gekauften und geschönten Artikel 500 Kilobyte gegen den Wind.
Die peinlichen PR-Artikel: weil auch die siebte Teilnahme am
Rettet-die-Bergdackel-Benefiz-Gala-Dinner getreulich unter dem
Punkt „gesellschaftliches Engagement“ gelistet wird. Die weniger
peinlichen PR-Artikel: weil sie so nichtssagend sind.
Wie lange das Problem existiert und wie sehr es schon vor vielen
Jahren auffiel, wurde mir letztens beim lesen gewahr. Es war ein
Fantasy-Crime Roman – komplett fiktiv, mit vagen Bezugspunkten zu
unserer Welt. Und selbst dort kommt Wikipedia-PR-Schreiben vor. Es
geht um „Moon over Soho“ von Ben Aaronovitch. Erstmal erschienen
2012 bringt es der Roman auf den Punkt:
Auf deutsch etwa:
„Die Reichen, vorausgesetzt sie vermeiden Prominenz, können
etwas Unternehmen um ihre Anonymität zu bewahren. Lady Tys
Wikipedia-Artikel las sich als wäre sie von einem PR-Schreiber
verfasst worden, denn zweifellos hatte Lady Ty einen PR-Schreiber
beschäftigt, um sicherzustellen, dass die Seite ihren Vorstellungen
entsprach. Oder wahrscheinlicher: Einer ihrer „Leute“ hatte eine
PR-Agentur beauftragt, die einen Freelancer beschäftigt hatte, der
das in einer halben Stunde runtergeschrieben hatte, damit er sich
schneller wieder auf den Roman konzentrieren konnte, den er grade
schrieb. Der Artikel gab preis, dass Lady Ty verheiratet war, zu
nicht weniger als einem Bauingenieur, dass sie zwei schöne Kinder
hatten von denen der Junge 18 Jahre alt war. Alt genug um Auto zu
fahren aber jung genug um noch zu Hause zu wohnen.“
Diese Beschreibung trifft auch zehn Jahre später auf einen
Großteil aller PR-Artikel zu. Schnell und lieblos, aber
professionell gemacht. Oft genug mit Versatzstücken aus anderen
Werbematerialien; zu unauffällig, um jemand ernstlich zu stören.
Aber auch zu nichtssagend, um der Leser*in auch nur den geringsten
Mehrwert zu bieten.
Damit hat ein Roman-Autor, der selber kein aktives Mitglied der
Wikipedia-Community ist, die PR-Problematik schon im Jahr 2012
richtiger eingeschätzt als ein relevanter Teil der diskutierenden
Community im Jahr 2022.
(Und Randbemerkung: die Community rächte sich, indem sie
Aaronovitchs Autoren-Artikel mit einem unvorteilhaften Autorenfoto
versah – no PR-flack weit und breit war hier unterwegs.)
Von einer anderen Form des beeinflussten Schreibens erfuhr ich
heute beim Mittagsessen. In immer mehr autoritären Regimes scheint
es vorzukommen, dass einzelne Wikipedia-Autor*innen, die in dem
jeweiligen Land leben, einen Anruf oder einen Besuch bekommen. Mit
dem freundlichen Tipp, doch den ein oder anderen Artikel zu
„verbessern“ sonst.. Das ist natürlich noch raffinierter: Einfach
einen etablierten Nutzer und dessen Vertrauensvorschuss nehmen und
in dieser Tarnung PR-Edits durchführen.
Die Lyrik der Wikipedia-Auskunft
Monday, 18 July 2022 17:15 UTC
Menschen können auf der
Wikipedia:Auskunft
Fragen an die Wikipedia richten. Die Fragen sind mal banal, mal
lehrreich, und manchmal hohe Poesie. Daran solltet ihr
teilhaben.
Ich stelle mich auf, Brust nach vorne, Kinn nach oben, räuspere
mich noch einmal und deklamiere:
Honda Motorrad,
6-Zylinder,
6 Vergaser,
Blockmotor quer,
luftgekühlt.
Alle Daten fehlen!
Keine Daten
vorhanden.
Warum?
Die Frage
stammte
von einer nicht angemeldeten Person, die am 17. Juli um
16:19h mit der IP 2003:D4:2713:1F50:F120:9BAE:47CF:6C2A unterwegs
war.
Beitragsbild:
2016-08-05 Tokaido Seki Juku Kameyama City Mie,東海道五十三次 関宿
DSCF6949☆
von:
松岡明芳
Lizenz:
Creative Commons
Attribution-Share Alike 4.0 International
Eine Konferenz mit Folgen: Neues aus der semantischen Wiki-Welt
Tuesday, 28 June 2022 09:11 UTC
Wir waren dieses Jahr mit WikiAhoi wieder bei der
SMWCon
dabei. Die
Konferenz zu Semantic MediaWiki findet zweimal pro Jahr statt, im
Frühling in Nordamerika und im Herbst in Europa. Letztes Jahr waren
wir schon in Wien dabei und dieses Jahr gings ins
herbstlich-sonnige Barcelona. In freundlicher, persönlicher
Atmosphäre wurden technische Neuigkeiten, innovative Projekte und
besondere Anwendungsfälle besprochen. Wir möchten Sie an den
wichtigsten Neuerungen teilhaben lassen.
Neuigkeiten aus der Semantic MediaWiki-Welt
Semantic
Forms
(Version 3.4 September 2015) hat sich
mittlerweile als eigenständige Erweiterung etabliert und ist nun
technisch nicht mehr von der Grunderweiterung Semantic MediaWiki
abhängig. Weitere wichtige Änderungen:
Statt den Spezialattributen werden nun ParserFunctions
eingesetzt.
Kartenbasierte Eingabeformate (Google Maps, Open Layers) sind
nun möglich – diese werden nur eingesetzt, wenn
Semantic Maps
nicht
vorhanden ist.
Weiters wird nun
Cargo
unterstützt, es
lassen sich in Formularen auch Eingabeformate und die
Autovervollständigungsfunktion aus Cargo nutzen.
Dazu kann man nun auch „mapping“-Werte hinterlegen, das sind
andere Werte, als auf der Seite angezeigt werden.
Ein neuer Parameter erlaubt es, nur einzigartige Werte
speichern zu lassen.
Alle roten Links können nun mit einer einzelnen Einstellung auf
eine Formularauswahlliste weitergeleitet werden.
Die
MediaWiki Stakeholder’s
Group
nahm die Konferenz zum Anlass, um weitere
Schritte zu besprechen: Ziel der Gruppe ist die Koordination und
die Kommunikation mit Wiki-Nutzern in Unternehmen, die
Unterstützung von Entwicklern und Administratoren und die
offizielle Kommunikation mit der
Wikimedia Foundation
. Wikipedia hat etwas
andere Ziele als einzelne Drittnutzer der Software MediaWiki. Es
geht also stark darum, die Interessen der Nutzer von Wiki in
Unternehmen zu vertreten und in der Weiterentwicklung der
Software voranzutreiben.
Interessante neue
semantische
Erweiterungen
gibt es zu Breadcrumbs, Zitaten, Sprachenlinks und
Metatags:
Semantic Breadcrumb
Links
– mittels Attributen können Breadcrumbs erstellt
werden, die eine Hierarchie erzeugen, ohne Unterseiten erstellen zu
müssen.
Semantic Cite
– unabhängig
von der
Cite
Erweiterung, ermöglicht das seitenübergreifende Verwenden von
Zitaten und eine automatische/manuelle Quellenliste.
Semantic
Interlanguage Links
– automatische Sprachanzeigen (gibt es
diese Seite in anderen Sprachen?) in Wikis mit Interwikis.
Semantic Meta Tags
für SEO, unterstützt auch das
Open Graph
Protokoll
Und warum „eine Konferenz mit Folgen“? Diese Konferenz hat
Folgen auf mehreren Ebenen: Wir haben persönliche Kontakte für
Zusammenarbeit und Austausch geknüpft, es wurden Ideen
beflügelt und Inspirationen für neue Projekte ausgetauscht,
die Motivation wieder gestärkt, das Projekt MediaWiki als Ganzes
voranzubringen und nicht zuletzt viele Features und
Software-Änderungen besprochen, die in der Regel meist recht
schnell umgesetzt werden. Die Konferenz war somit ein voller
Erfolg.
Die Konferenz fand von 28.–30.10.2015 in Barcelona statt, in der
schönen
Fabra
i Coats
Kunstfabrik im Stadtteil Sant Andreu. Knappe 40
Teilnehmer nahmen an einem Tutorial- und zwei Konferenztagen
teil.
WikiPRedia
Tuesday, 23 November 2021 17:31 UTC
Die deutschsprachige Wikipedia-Community versucht wieder einmal,
die Regeln zum bezahlten Schreiben zu verschärfen. Das Thema wabert
ungelöst seit Jahren durch das Wikiversum. Und auch dieses
Meinungsbild ist ein notwendiger Schritt voran. Aber der Weg ist
noch weit. Der beste Kommentar meinerseits wäre die Komposition
eines Quartetts für Singende Säge, Bassdrum, Cembalo und
Spottdrossel.
Aber ich kann nicht komponieren. Deshalb kommt das Nächstbeste:
ein Gedicht.
Wikipredia
Die Regeln
existieren und doch
nicht
nach Mondstand
Die Ethik
absolut seit
Anbeginn
nein denn ja
Die Praxis
gesperrt verworfen
gelöscht
freigeschaltet
Wikipredia
Darwinismus der
Agenturen
Überleben des
Dreistesten
Allein mit der Madonna zum Hasen
Thursday, 30 September 2021 19:49 UTC
Darmstädter Madonna
Hans Holbein der Jüngere, 1526/1528
Öl auf Nadelholz (?), 146,5 × 102 cm
Sammlung Würth, Johanniterhalle (Schwäbisch Hall)
Wikipedia-KNORKE
erwähnte ich ja an
dieser Stelle schon einmal. Berliner Wikipedianerinnen und
Wikipedianer treffen sich und erkunden zusammen eine ihnen
unbekannte Gegend. Soweit so üblich. Diesmal jedoch gab es etwas
besonderes: Auf ins Museum!
In Berlin gastiert gerade die
Darmstädter
Madonna
, ein 1526 entstandenes Gemälde von Hans Holbeim dem
Jüngeren. Diese Madonna hat eine bewegte Lebens- und
Reisegeschichte, ist eines der bedeutendsten deutschen Gemälde des
16. Jahrhunderts und kann Menschen auch über Jahre faszinieren.
Wunderbar, wenn man eine kundige Bilderklärung der Autorin des
exzellenten Wikipedia-Artikels dazu bekommt.
Wir trafen uns einige Minuten vor der Öffnung in kleiner Gruppe vor
dem Bode-Museum und konnten - da alle Anwesenden über eine
Jahreskarte verfügten - auch sofort zur Madonna und zur
Sonderausstellung "
Holbein
in Berlin
" begeben. Der Raum war noch leer, die
Museumswachmannschaft ließ freundlicherweise die leise aber
engagiert redende Gruppe gewähren. Ein einziger Saal, in dessen
Mittelpunkt die Madonna hängt. Links davon einige
Holbein-Teppiche,
ansonsten weitere Bilder und Zeichnungen von
Holbein, Inspiratoren und andere Madonnen. Nicht überladen,
sinnvoll aufbereitet und mit einem klaren Konzept - eine der
besseren Kunstausstellungen.
Und dann ging es los: Es begann mit Schilderungen von der bewegten
Entstehungszeit zur Zeit des Basler Bildersturms im Auftrag des
Basler Ex-Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen. Die Aussage des
Bildes traditioneller Marienfrömmigkeit in Zeiten der Reformation
war Thema, ebenso natürlich wie der Teppich und seine Falte. Wir
staunten über die Eigentümlichkeit, dass sich niemand auf dem
Gemälde eigentlich anschaut und wurden über dden Unterschied
zwischen Schutzmantelmadonnen und Stifterbildern aufgeklärt.
Vermutungen tauchten auf, wo das Bild wohl im Original hing -
vermutlich in der
Martinskirche
als Epitaph - und wir verfolgten gedanklich seine Wanderung aus
Basel über den Grünen Salon im Berliner Stadtschloss bis hin zum
Hause Hessen und das Frankfurter Städelmuseum bis hin zum
spektakulären Verkauf an die Privatsammlung Würth. Die Meinungen
über die Sammlung Würth in der Gruppe waren durchaus geteilt,
ebenso wie die richtige Benennung des Bildes: ist es nun eher die
Darmstädter Madonna
oder eher
die Madonna des
Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen?
Über die Darmstädter Madonna ging es dann zur Dresdner Madonna und
einem der prägenden Momente deutscher Kunstgeschichte:
dem Dresdner
Holbeinstreit.
Im 19. Jahrhundert wurde es den Menschen
bewusst, dass es zwei fast identische Holbein-Madonnas gab und nur
eine die echte sein konnte. In einer großen Ausstellung, unter
lebhafter Anteilnahme der Öffentlichkeit und erregten Debatten der
Experten entschieden sich die Kunsthistoriker schließlich für das
Darmstädter Gemälde. Eine Sensation, da die Kunstkennerschaft
vorher felsenhaft von der Originalität des Dresdner Gemäldes
ausging. Hier zeigte sich erstmals das Bemühen, um eine rein
sachlich, objektive Abwägung der verschiedenen Gesichtspunkte - der
Dresdner Holbeinstreit ist einer der Ausgangspunkte um die
Kunstwissenschaft als Wissenschaft zu etablieren. Und - wie sich
später herausstellte - lag die Kunstwissenschaft auch in diesem
ihren Anfangsurteil richtig; sämtliche mittlerweile vorhandenen
naturwissenschaften Verfahren die Darmstädter Madonna als die
originale der beiden bestätigten.
Erkenntnisse am Rande: eine weitere Kopie des Gemäldes
(beziehungsweise eine Kopie der Kopie - es stellt aus
unerfindlichen Gründen das Dresdner Exemplar dar) hat sich in das
Set des James-Bond-Filmes "Man lebt nur zweimal verirrt".
Hans Holbein der Jüngere
Bildnis des Danziger Hansekaufmanns Georg Gisze in London, 1532.
Eichenholz, 96,3 × 85,7 cm. Gemäldegalerie Dahlem der Staatlichen
Museen zu Berlin – Preussischer Kulturbesitz
Und nachdem wir dann auch noch gerätselt hatten, wer die beiden
Knaben unterhalb der Madonna sind, den verschwundenen Haaren der
Tochter nachspürten und weiter über den Teppich in der
Renaissancemalerei sinniert hatten, kamen wir dann nach knapp einer
Stunde noch zu Georg Giesze. Giesze (auch Georg Giese) ist
Titelheld in einem anderen Holein-Hauptwerk, das praktischerweise
fünf Meter weiter links hing. Wieder mit Teppich und nun auch noch
mit Glas, Metall, Bücherregalen und Briefen. Gedanklich begleitete
wir Holbein dann weiter von Basel nach Antwerpen und London.
Mittlerweile hatte sich der Raum etwas gefüllt. Nachdem wir dann
noch den Weg aus dem Museum gefunden hatte (wie immer im Bodemuseum
nicht ganz einfach und jedes mal findet man zwischendurch neue
Säle) folgte noch ein erschöpfter Abschlusskaffee.
Eine Stunde fast allein mit der Madonna. Und immer noch Neues zu
entdecken.
Wen wählen in das Board der Wikimedia Foundation?
Friday, 20 August 2021 21:03 UTC
Vorweg, für die Eiligen
Meine Wahlvorschläge
Top 4: Douglas Ian Scott, Iván Martínez, Adam Wight, Dariusz
Jemielniak
Top 8: Rosie Stephenson-Goodknight, Lorenzo Losa, Farah Jack
Mustaklem, Gerard Meijssen
Wählbar: Reda Kerbouche, Pavan Santhosh Surampudi, Ravishankar
Ayyakkannu
Wichtige Links
Die
Übersicht aller Kandidat*innen
Die
Regularien
. Wichtigste Info: Die Wahl
endet am 31.
August 2021
Hier ist
die Wahlseite
: (Mit dem Wikip/media-Account einloggen und dann
„Vote now“ clicken.)
Die
Überssichtsseite zur Wahl.
Vote now für das Wikimedia-Board
Für die nicht so Eiligen
Über den Dächern, Türmen und Gasometern Westberlins senkte sich
die Abendsonne. Ich stand auf den Zinnen des Ullstein Castles und
sinnierte. Direkt unter mir Straßentreiben, Sirenen, betrunkene
Jugendliche, ein Ausflugsboot auf dem Teltowkanal, radelnde
Ausflügler überquerten die Stubenrauchbrücke.
In der Ferne betrachtete ich die Türme des
Spitzenlastheizkraftwerks Lichterfelde, der Sendeturm auf der
Marienhöhe, den BfA-Büroturm und den ehemaligen Wasserturm im
Naturpark Schöneberger Südgelände. Heute Nacht auf dem Heinweg:
Welchen Weg sollte ich wählen? Unten, im Süden, über den Prellerweg
vorbei am Sommerbad am Insulaner? Die Nordvariante über den
Tempelhofer Damm und durch die Kopfsteinpflaster Tempelhofs? Oder
die Mittelweg, mit Erklimmen der Höhe am Attilaplatz und später
über den Ikea-Parkplatz? So viel zu wählen.
Wahlen spukten in meinem Kopf herum. Da war die
Mitgliedsversammlung unseres Dauergartenvereins. Die
Vorstandswahlen dort sollten wahrscheinlich, hoffentlich,
unspektakulär verloren. Aber die Anträge. Wenn ein einzelnes
Mitglied auf einem A4-Blatt 40 verschiedene Anträge stellt, richtig
ernsthaft, dann verspricht das Unterhaltung.
Die Bundestagswahl: Auf dem Weg zum Ullstein Castle passierte
ich zahlreiche Bundestagstagswahlplakate: den unlesbaren Blob der
Grünen in Tarnfarbenoliv, die bildhaft dargestellte Biederkeit der
Berliner SPD, zahlreiche Kleinparteien von Team Tödenhöfer über
Volt bis zur Tierschutzpartei. Und so sehr es mich schmerzte das zu
sagen: Das Plakatgame gewannen bisher die CDU und ihr
Wahlkreiskandidat Jan-Marco Luczak. Sowohl optisch – als auch
damit, überhaupt inhaltliche Aussagen fern von Plattitüden zu
machen.
Vor allem aber war ich innerlich bei einer ganz anderen Wahl.
Die Wikimedia Foundation wählte und wählt ihr Board, auf Deutsch
das ehrenamtliche Präsidium der Wikimedia Stiftung. Die Wikipedia
steht meinem Herzen näher als der Bundestag und selbst als der
Dauergartenverein. Aber die Board-Wahlen erfordern merh Gedanken.
Diese Gedanken bedurften des Kontextes.
Was ist die Wikimedia Foundation?
Die
Wikimedia
Foundation (WMF)
ist die Betreiberin der Wikimedia-Projekte wie
zum Beispiel der Wikipedia aber auch
Wikimedia Commons
und
Wikidata
. Die Foundation hostet die Server, stellt die Technik,
ist am Ende rechtlich dafür verantwortlich was in den Wikipedien
passiert. Dafür hat die Foundation derzeit etwa 450 Angestellte,
ein
Endowment
von 90
Millionen Dollar und hatte 2020 Jahreseinnahmen von 127 Millionen
US-Dollar.
Wo genau die Grenzen zwischen dem Einfluss der Wikimedia
Foundation und den Communities liegen, ist umstritten. Letztlich
kann die Foundation alles ändern und machen in den Projekten. Sie
ist meistens weise genug, es nicht zu tun. Insbesondere schreiben
keine Foundation-Mitarbeiter*innen in ihrer Arbeitszeit Artikel
oder legen Inhalte in den Projekten an.
Die Foundation ist eine Organisation eigener selbstgenügsamer
Vollkommenheit. Sie hat keine Mitglieder und ist – rechtlich –
niemand rechenschaftspflichtig. Das Board besetzt sich prinzipiell
aus sich selbst heraus. Es hat entschieden die Hälfte der Sitze
Wahlen der weltweiten Wikip/media-Communities besetzen zu lassen zu
lassen.
Wählenswert: Ian Douglas Scott. Bild:
Discott supports Loujain
Von:
Emna
Mizouni
Lizenz:
Creative
Commons
Attribution
4.0 International
Was ist das Board of Trustees?
Das
Board of Trustees
ist das
ehrenamtliche Aufsichtsgremium der Foundation. Es hat derzeit 16
Sitze. Davon steht einer Jimmy Wales als Gründer zu, sieben Sitze
besetzt das Board selber, acht Sitze werden durch eine weltweite
Communitywahl bestimmt.
Nun ist allein aus den Worten „ehrenamtlich“ und „weltweit / 450
Mitarbeiter / 127 Millionen Dollar Einnahmen“ klar, dass das Board
eine abstrakte Leitungsposition einnimmt. Alleine, einen Überblick
über so eine Organisation zu behalten, ist eine Mammutaufgabe.
Dieser Organisation noch Vorgaben zu machen und sie in eine
bestimmte Richtung zu lenken, eine Herausforderung.
Die Gefahr, in Detailinformationen zu ertrinken oder sich
hoffnungslos im Alltagsgeschäft zu verfangen, ist groß. Seiner
Aufgabe nach, beaufsichtigt das Board, was die Vollzeitkräfte
machen und besetzt die Geschäftsführung.
Was zur Zeit ein besonderer Job ist: Die Geschäftsführerin der
Foundation Catherine Maher verschwand im April 2021 überraschend.
Der Posten ist seitdem unbesetzt. Ebenso wie sich die Chief
Operations Officer im Jahr 2021 verabschiedete, die Abteilungen
Communication und Technology auch niemand im Vorstand haben. Auf
dem Schiff besetzt nur eine Notbesatzung an Offizier*innen die
Brücke. Dem Board obliegt es derzeit, dieses Führungsvakuum schnell
und kompetent zu beenden.
Wählenswert: Iván Martínez Bild:
Iván Martínez
von:
VGrigas
(WMF)
Lizenz:
Creative
Commons
Attribution-Share
Alike 3.0 Unported
Welche Kriterien habe ich?
Grundsätzlich sollte jede
*r Kandidat*
in zwei Kriterien
erfüllen. Sie sollte meine inhaltlichen Ziele teilen. Und sie
sollte in der Lage sein, sich in einem ehrenamtlichen Job gegen
eine komplette Organisation aus Vollzeitangestellten zu behaupten.
Oft genug stehen bei solch ehrenamtlichen Gremien Kandidat*nnen zur
Wahl, bei denen ich denke „Will Schlechtes, aber wird das
erreichen“ und „Will Gutes, ist aber planlos. Am Ende werden die
Hauptberuflichen machen was sie wollen. Oder es gibt Chaos.“
Angesichts der bewegten Zeiten, in denen wir leben; angesichts
der latenten Führungslosigkeit der Foundation derzeit, möchte ich
Kandidat*innen, die sich durchsetzen können. Kandidat*innen, die
nach Möglichkeit die US-Zentrik der Foundation aufbrechen können.
Ich möchte Kandidat*innen, die verstehen, dass Wikip/media keine
allgemeine Weltbeglückungsorganisation ist, sondern sehr
spezifische Sachen sehr gut durchführt – und andere überhaupt nicht
kann. Es bringt nichts, sich auf allgemeine Weltbeglückungsziele zu
stürzen, die weder die Foundation noch die Communities umsetzen
können.
Wählenswert: Adam Wight. Bild:
Recent selfie
. Von:
Adamw
Lizenz:
Creative
Commons
Attribution-Share
Alike 4.0 International
Welche Kandidaten?
Insgesamt stehen 19 Kandidat*innen zur Auswahl, die um vier
Plätze streiten. Dabei sind Wikimedia-Urgesteine ebenso wie
Newbies, viele Männer, mir auffallend viele Inder, viele
Kandidat*innen mit NGO-Hintergrund, kaum eine*r, der/die
fortgeschrittene IT-Kenntnisse hat.
Die Urgesteine
Dariusz
Jemielniak
– Professor of Management,
daueraktiv auf allen Ebenen und vielleicht der einzige Mensch, der
intellektuell versteht wie Wikipedia funktioniert.
Rosie
Stephenson-Goodknight
– WikiWomensGroup, Women
in red, you name it. Bei überraschend vielen der
Wikipmedia-Genderaktivitäten, die funktionieren, ist Rosie
Stephenson-Goodknight beteiligt.
Gerard Meijssen
– gefühlt
war Gerard schon Wikipedianer bevor es Wikipedia gab. Vielleicht
der spannendste Autor des Meta-Wikiversums und ein Chaot.
Mike Peel
– langjähriges
Mitglied des Funds Dissemantion Committees. (FDC) Hat bei mir in
der Rolle durchgehend einen schlechten Eindruck hinterlassen.
Ravishankar Ayyakkannu
– Mr.
Tamil Wikipedia, der seinem Resumee zufolge seit 2005 in der
Community und mit externen Partnern (wie Wikipedia Zero, Google)
zusammenarbeitete. Gewinnt bei mir Diversitätspunkte, weil er nicht
nur aus dem Global South stammt, sondern auch Ausbildung und
Berufstätigkeit dort durchführte.
Wählenswert: Dariusz Jemielniak Bild:
Dr. Dariusz Jemielniak
– Wikimedia Foundation Board von:
VGrigas
(WMF)
Lizenz:
Creative
Commons
Attribution-Share
Alike 3.0 Unported
Im Wikiversum aktiv
Reda Kerbouche
– Aktiv bei
Wikimedia Algeria, Founding member der
Wikimedia of Tamazight
User Group
. Lebt in Europa.
Lorenzo Losa
Ex-Vorsitzender von Wikimedia Italia.
Farah Jack Mustaklem
– Software Engineer,
einer der wenigen Kandidaten mit Ahnung von Software. Aktiv bei den
Wikimedians of the Levant und der Arabic language User Group. Mir
persönlich zu sehr USA-sozialisiert für eine Board-Mitgliedschaft,
andererseits sicher in jeder Hinsicht kompetent.
Douglas Ian Scott
Präsident von Wikimedia South Africa, Organisator der Wikimania
2018 und einziger Kandidat, den ich dank eines langen Wartepause am
Kofferband irgendeines Wikimania-Flughafens persönlich besser
kennenlernte – und begeistert war.
Iván Martínez
– langjährig
engagiert bei Wikimedia Mexiko, LGBTQ+-Aktivist und soweit ich
hörte, das Wikiversum Lateinamerika ist begeistert von ihm.
Pavan Santhosh Surampudi
Community Manager at Quora. Versteht also vermutlich professionell
etwas von Communities.
Adam Wight
– Programmierer,
Ex-Angestellter und WMF und WMDE und neben Gerard der Vertreter des
Ur-basisdemokratischen, selbstorganisierten und
Gegen-Informationsmonopole-Geistes des frühen Movements.
Vinicius Siqueira
– in Wiki
Movimento Brasil
Newbies
Es kann sich hierbei um langjährige und erfahrene
Wikipedianer*innen handeln, die im kleinen Rahmen auch Projekte
oder Gruppen organisiert haben. Erfahrungen in oder mit größeren
Organisationen im Wikiversum fehlt vollkommen.
Lionel Scheepmans
Pascale Camus-Walter
Raavi Mohanty
Victoria Doronina
Eliane Dominique Yao
Ashwin Baindur
Wen werde ich wählen?
Leute, die sich durchsetzen können, und die auch die Grenzen des
Wikiversums sinnvoll einschätzen können. Perspektiven auf das
Leben, anders aussehen als „in US-NGOs sozialisiert“ werden
bevorzugt.
Die Top 4
Douglas Ian Scott
Iván Martínez
Adam Wight
Dariusz Jemielniak
Top 8
Rosie Stephenson-Goodknight
Lorenzo Losa
Farah Jack Mustaklem
Gerard Meijssen
Wählbar
Reda Kerbouche
Pavan Santhosh Surampudi
Ravishankar Ayyakkannu
Wer wird wählen
Es wählen alle Menschen, die vage aktive Accounts in einem
Wikimedia-Projekt haben. Die Bedingungen dafür sind niedrig
angesetzt. Für Autor*innen ist es nötig 300 Bearbeitungen zu haben,
kein Bot zu sein und höchstens in einem Projekt gesperrt zu sein.
Die Bedingungen für die Board-Wahlen sind somit einfacher zu
erfüllen als die Bedingungen zum Sichten in der deutschen
Wikipedia. Die Kriterien mussten am 5. Juli 2021 erfüllt sein. Es
hilft nicht, jetzt noch schnell zu editieren.
Das Wahlsystem
Es gilt das
Präferenzwahlsystem
Dieses wird weltweit von einschlägigen Fachleuten als besonders
fair bezeichnet. Es verzerrt den Wählerwillen weniger als viele
andere Wahlsysteme. Praktisch wird es allerdings nur selten
eingesetzt. Die bekannteste Wahl mit Präferenzwahl in letzter Zeit
war die Bürgermeister*in-Wahl in New York, New York.
Bei Wahlsystem nummeriert man „seine“ Kandidat*nnen nach
Präferenzen. Die beste Kandidatin bekommt eine Eins, der Kandidat
danach eine zwei und so weiter. Hält man keine Kandidatin mehr für
geeignet, hört man auf zu nummerieren.
Bei der Wahl werden in der ersten Runde alle Präferenzen mit „1“
gezählt. Ein Kandidat hat am wenigsten davon. Dieser scheidet aus.
Von allen „1“-Wählerinnen des Kandidaten werden nun die
„2“-Präferenzen seiner Wähler
innen auf die entsprechenden
weiteren Kandidaten verteilt. Und so weiter, bis nur noch so viele
Kandidat
innen übrig sind, wie es Plätze zu besetzen gilt.
Zur Wahl
Geht es hier.
Beitragsbild: Die Apostel
wählen
einen zwölften Zeugen als Ersatz für Judas
. Aus dem
Rabbula-Evangeliar.
Wiki Loves Jules Verne. Mit Wikipedia in Braunschweig.
Tuesday, 17 August 2021 08:28 UTC
Mensch-Maschine Braunschweig
Im ICE ist Deutschland. Der Zug fährt ein und hält. Das Schild am
Gleis behauptet tapfer „Zugdurchfahrt“. Die Türen lassen sich
öffnen. Am Zug steht nichts geschrieben, außer Wagennummern, die
nicht zu den Reservierungen passen. Das Publikum bleibt irritiert.
Etwa die Hälfte der Anwesenden geht in den Zug und bleibt im
Wageninnern ratlos stehen. Die andere Hälfte steht ratlos am
Bahnsteig.
Schließlich: Lichter gehen an. Der Zug verkündet mittels seiner
Anzeigen nun auch, nach Kassel zu fahren. Eine Frau
entschuldigt sich über die Lautsprecheranlage über die falschen
Wagennummern, man solle ich immer zehn wegdenken „Also 22 statt der
angezeigten 32.“
Ein Mensch mit re:publica-Bändchen am Arm verscheucht die ältere
Dame ohne Reservierung von seinem Platz und liest den gedruckten
Spiegel. Ich höre ein angeregtes Gespräch zwischen einem
Musicaldarsteller und einer Abteilungsleiterin im Innenministerium,
die sich gerade kennenlernen über, den relativen Wert von
Musikgymnasien in Berlin. Geht es noch deutscher?
Illustration aus
dem Buch ""Le tour du monde en quatre-vingts jours" Alphonse de
Neuville & Léon Benett
Passenderweise habe ich ein entsprechendes Buch mitgenommen. Nils
Minkmars „Mit dem Kopf durch die Welt.“ Das hat schon auf dem Cover
ein ICE-Fenster und geht der Frage nach, was Deutschland bewegt.
Minkmar lässt sich über deutsche Normalität aus. Der deutsche
Ingenieur, lange Jahrzehnte Sinnbild der Normalität, sei nicht mehr
normal. Minkmar erzählt aus seiner französisch-deutschen
Kindheit:
„Meine Mutter nannte dann immer eine
Berufsgruppe, die uns besonders fern war, nämlich
les
ingenieurs
. Wir waren in Deutschland […] und das ganze frisch
aufgebaute Land ruhte auf Säulen, die
les ingenieurs
berechnet, gegossen und zum Schluss noch festgedübelt hatten. […]
Viele Jahre später sollte ich die Gelegenheit haben, diese seltene
Spezies besser studieren zu können. Sie saßen direkt hinter mir,
zwei ausgewachsene Exemplare: Ingenieure, Familienväter, auf der
Rückfahrt von einer Dienstreise. Sie plauderten über die sich
verändernden Zeiten. […] Fernsehen, Marken, Politiker, auf keinem
Gebiet fanden sich diese beiden braven Männer wieder, alles zu
grell und bunt, zu aufgeregt. Ihre spezifischen Werte und Tugenden,
Sorgfalt und diese stille Freude an der eigenen Biederkeit, das
alles war an den Rand gerückt. Ingenieure waren nun Exzentriker.
[…] Diese Männer fanden sich kulturell kaum zurecht.“
Wenn „der deutsche Ingenieur“ nicht mehr normal in Deutschland ist,
sind es jetzt Ministerialbeamtinnen und Musicaldarsteller?
Forschung Maschinenbau Braunschweig
Minkmar war noch nicht in Braunschweig. Oder Braunschweig ist nicht
normal. Da steige ich harmlos aus dem Zug und die Stadt schlägt mir
„Deutscher Ingenieur“ rechts und links um die Ohren. Braunschweig
hebt das Thema "autogerechte Stadt" in Höhen, die selbst mir als
gebürtigem Hannoveraner unerreichbar schienen.
Braunschweig.
Bahnhofsvorplatz.
VW ist daran beteiligt, ist klar in der Gegend. Aber nicht nur. Ich
wandelte also Freitagabend gegen 21 Uhr auf der Suche nach einem
Wegbier durch das verlassene Braunschweig, passierte die Stadthalle
und wurde prompt begrüßt mit „Tag des Maschinenbaus. Herzlich
Willkommen.“
Vor allem aber fiel mir bei diesem Wandeln auf, wie
unglaublich gepflegt diese Stadt aussieht. Ich erblickte
keine einzige Kippe auf dem Weg. Selbst die Großbaustelle, über die
irrte, wirkte irgendwie aufgeräumt. Viel verwunderlicher war, dass
selbst die in Braunschweig reichlich vorhandenen 1970er-Großbauten
gepflegt und sorgsam hergerichtet wirkten. Die Stadthalle selber,
offensichtlicher spät 1960er/früh 1970er-Stil wirkte besser
gepflegt als Berliner Gebäude nach zwei Jahren. Die Wege und Lampen
darum herum: offensichtlich keine zehn Jahre alt. Sie wirkten wie
frisch aus der Packung genommen.
Wegbier. In
Braunschweig nur schwerlich aufzutreiben, dann aber
stilgerecht,
Selbst die Schwimmbäder sind alle gepflegt(*), alle haben
gleichzeitig geöffnet und keines ist aus obskuren Gründen gesperrt.
Da spielt nicht nur bürgerschaftliches Engagement eine Rolle,
sondern offensichtlich ist auch Geld vorhanden.
Auf dem Hotelzimmer, noch so ein sehr gut gepflegter und
hergerichteter Bau, der einem „1970er!“ ästhetisch schon ins
Gesicht schreit, mit dem Hotel-Wlan (7 Tage, 7 Geräte) nachlesend,
wie das nun ist mit Braunschweig. Bekanntes taucht beim Nachlesen
auf: Die physikalische-technische Bundesanstalt mit der Atomuhr;
geahntes lese ich (Volkswagen – hey, das ist Niedersachsen und die
Technische Universität existiert ja auch) und nicht bekanntes:
„Im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum
(EWR) verfügt die Region Braunschweig über die höchste
Wissenschaftlerdichte,[103] im bundesweiten Vergleich über eine
hohe Ingenieurquote[104] sowie über die höchste Intensität auf dem
Gebiet der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. In der Region
Braunschweig arbeiten und forschen mehr als 16.000 Menschen aus
über 80 Ländern[105] in 27 Forschungseinrichtungen sowie 20.000
Beschäftigte in 250 Unternehmen der
Hochtechnologie[106]“
Dazu noch „Braunschweig ist die Stadt mit der niedrigsten
Verschuldung Deutschlands.“ Und nach einer obskuren EU-Rangliste
ist Braunschweig die innovationsfreudigste Region der EU vor
Westschweden und Stuttgart. Hier lebt der deutsche Ingenieur. Hier
lebt die deutsche Technik. Was für ein passender Ort für Jules
Verne.
Jules Verne
Jules Verne; französischer Erfolgsautor des 19. Jahrhunderts und
vor allem bekannt als "Vater der Science Fiction." Von seinem
vielfältigen Werk sind vor allem die Abenteuer-Techno-Knaller wie
Zwanzigtausend Meilen unter dem Mee
r, die Reise
Von der
Erde zum Mond
oder die
Reise zum Mittelpunkt der Erde
bekannt. Wikipedia und die Deutsche Jules-Verne-Gesellschaft hatten
ein gemeinsames Wochenende organisiert mit einer Tagung zu Jules
Verne und Gesprächen zu Wikipedia.
Volker Dehs
bestreitet das halbe Programm
Jules Verne, mir vor allem bekannt durch vage Erinnerungen an den
1954er Nemo-Film, Weiß-orange Taschenbücher und einen blau
eingebunden Robur-Roman, der mich verstörte, weil er so anders war
als die großen mir bekannten Abenteuerromane von Jules Verne. Warum
ich überhaupt fuhr: Intuition. Ich hätte nur schwerlich begründen
können, was genau mich reizte, aber die Mischung aus Vertrauen in
die Veranstalter, Science Fiction und Neugier auf diese andere
niedersächsische Stadt nach Hannover, trieben mich dorthin.
Verne selber gilt als Begründer Science Fiction. Und so bringt er
als Autor frankophile Literaten und Groschenromanfans, Ingenieure
und Naturwissenschaftler zusammen. Besessene Bibliographen waren
Thema und Anwesend, ebenso wie die phantastische Bibliothek in
Wetzlar – die Mischung der Jules-Verne-Aktiven unterscheidet sich
gar nicht so sehr von der Mischung der Wikipedia-Aktiven. Die
Perspektiven, aus denen Verne hier unter die Lupe genommen wurden,
waren vielgestaltiger als sie es in der Literatur sonst sind.
Faszinierend hier war die Neigung unterschiedlicher und leicht
besessener Menschen sich zu einem Thema auseinanderzusetzen.
Haus der
Braunschweigischen Stiftungen - Veranstaltungsort.
Dementsprechend hatte der Veranstalter, der Wikipedia-Autor
Brunswyk das Programm gestaltet: ist Verne eher katholisch oder
eher laizistisch? Kam der Wille zur Aufklärung in seinen Büchern
durch seinen Verleger Pierre-Jules Hetzel hinein, während auf Verne
eher zurückgeht, dass alles menschliche Streben gegenüber der
göttlichen Macht sinnlos bleibt? Wen inspirierte er? Ist es eine
sinnvolle Frage, dem nachzugehen, welche seiner Voraussagen, sich
bewahrheiten? Dazu kamen dann noch Exkursionen zu Friedrich
Gerstäcker, Fenimore Cooper, die Ingenieure, die ihre U-Boote dann
nach Jules Verne „Nautilus“ nannten – und stark von diesem
beeinflusst waren
Für mich brachte das Treffen interessante Erkenntnisse, wie die
Tatsache, dass Verne immer Theaterautor oder – produzent werden
wollte und wie sehr der Katholizismus sein Denken beeinflusste.
Romancier war er eher gezwungenermaßen – und verdiente mit seinen
zwei erfolgreichen Theaterstücken in seinem Leben ein Viertel so
viel Geld wie mit etwa 80 bis 100 Romanen.
Interessant das Rätseln aller Anwesenden, warum Vernes Roman "der
Grüne Strahl" so ein kommerzieller Erfolg war, was niemand der
Anwesenden nachvollziehen konnte. Und dann eine Dreiviertelstunde
später kam die Bemerkung in einem anderen Zusammenhang,
dass "der Grüne Strahl" quasi Vernes einziges Buch mit einer
weiblichen Hauptfigur war. Ich ahne einen Zusammenhang,
Update
: Es kam wie es kommen musst. Da denke ich mal, ich
habe etwas entdeckt, dabei habe ich nur etwas falsch verstanden.
Tatsächlich ist Der Grüne Strahl nicht das einzige Werk mit einer
Protagonistin. Das prägnanteste Buch ist dabei
Mistress Branican
, da hier die Titelfigur
die komplette Handlung quasi im Alleingang bestreitet. Aber auch in
anderen Büchern spielen Frauen eine wichtige Rolle (und dieser
Umstand war Jules Verne sogar so wichtig, dass er in Interviews
darauf hinwies):
Die
Kinder des Kapitän Grant
Nord gegen Süd
Reise um die Erde in 80 Tagen
Ein Lotterielos
... und einige mehr.
(*Affiliate Links)
Für mich neu war die Erkenntnis, dass ein Großteil von Vernes Werk
gar nicht in den Bereich Science Fiction gehört, sondern es
(fiktive) Reisebeschreibungen sind. Und selbst dort wo Verne
Maschinen und phantastische Gerätschaften erfindet, dienen diese
vor allem dem Zweck zu reisen.
Und jetzt recherchiere ich, natürlich, zum Grünen Strahl.
Die Phantastische Bibliothek
Meine beiden Programmhighlights beschäftigten sich nur mittelbar
mit Jules Verne. Sie kamen von der Phantastischen Bibliothek
Wetzlar: zum einen der Rückblick von Thomas Le Blanc auf Wolfgang
Thadewald. Den großen Phantastik- und Jules-Verne-Sammler.
Thadewald verstarb 2014.
Er
lebte in Langenhagen
. Mehrere der Anwesenden hatten ihn noch
persönlich gekannt. Und die Schilderung seiner Sammlertätigkeit,
seiner Liebe zu Büchern und zu Menschen, aber auch die Besessenheit
mit der Thadewald an ein Thema heranging und auch von Krankheit
schon schwer gekennzeichnet das Arbeiten an Bibliographien nicht
lassen konnte – es ließ sich nicht anders beschreiben als bewegend.
Sicher war dieser Vortrag mein emotionaler Vortrag des
Programms.
Wer auch immer aber auf die Idee kam, den Vortrag von Klaudia
Seibel zu
Future Life
: Wie (nicht nur) Jules Verne dabei
hilft, die Zukunft zu gestalten an Ende der Konferenz zu legen:
Chapeau! Das Projekt ist, kurz gesagt, ein Projekt der
Phantastischen Bibliothek. Die stellt zu bestimmten Themen Dossiers
zusammen, wie Science-Fiction-Autoren sie sich vorstellen. Die
Berichte werden manchmal von öffentlichen Stellen, öfter von
Großunternehmen bestellt, die damit selber zukunftsfähig werden
wollen und in die Zukunft denken.
So als Beispiel:
Nanotechnische Ideen in der Science Fiction
Wobei Auftraggeber von Staats wegen selten sind. Die meisten
Aufträge kommen aus der Privatwirtschaft. Die allerdings meist
gleich umfangreiche Verschwiegenheitsklauseln verlangt, weshalb die
Phantastische Bibliothek da wenig zu sagen kann.
Da haben also Autoren und Mitarbeiter der Bibliothek ein profundes
Wissen über die Science-Fiction-Literatur und die größte Bibliothek
ihrer Art im Hintergrund und seit mittlerweile einigen Jahren eine
große Datenbank aufgebaut, was Autoren zu verschiedenen Themen
schreiben.
Als jemand, der ich selbst weiß, wie viele Situationen ich durch
gelesene Bücher interpretiere – Bilder aus diesen Büchern im
Hinterkopf habe und mir immer wieder mal sagen muss, dass ein Roman
nur bedingt real ist, glaube ich sofort, dass es nichts gibt, was
so sehr Denkprozesse auslösen und Kreativität triggern kann, wie
Romane. Der befreit das Hirn gerade vom strikt
logisch-folgerichtigen Denken, verrückt die Perspektive etwas nach
links oder oben, und schon öffnen sich vollkommen neue
Gedankenwege. Die Idee ist so brillant, dass es überraschend ist,
dass sie wirklich angenommen wird. Anscheinend wird sie das.
Mensch Maschine Normal
Und nachdem ich dann wieder im Zug saß und das erste Handy-Ticket
meines Lebens gekauft hatte, fragte ich mich wieder. Ist diese
Stadt – die mir in vieler Hinsicht – so unfassbar „normal“
vorkommt, vielleicht die große Ausnahme? Sind die
Musicaldarsteller, die mit „dem Alex“ [Alexander Klaws]
telefonieren, normal? Die Menschen im Ministerium? Die größten
Jules-Verne-Experten des Landes, die alle noch einen anderen
Brotjob haben? Oder eher die Normalität vieler Menschen, die darin
besteht, am Ende des Monats zu überlegen, wie denn die letzten 10
Tage mit dem leeren Konto noch überbrückt werden können?
Brauschweig ist die verstädterte Mensch-Maschine-Kopplung. In
seiner Normalität sicher schon wieder ein Ausnahmefall in
Deutschland. Aber ich sah die Zukunft: sie sitzt in einer
Bibliothek in Wetzlar und liest Science-Fiction-Romane.
Weiterlesen
Mit Wikipedianern kann man nicht nur Verne lesen, sondern auch
Cocktails mischen:
Ramos Gin Fizz für die Enzyklopädie.
Oder man läuft mit Wikipedianern durch den Wedding:
Tanz
auf dem Guglhupf, Automatenmaden und die „brutalism appreciation
society“ im #wedding
Mehr zu Future Life bei der phantastischen Bibliothek:
Future
Life.
Zum
Jules-Verne-Club
Die Wikipedia-Seiten zur Veranstaltung:
Wikipedia:Wiki
Loves Jules Verne
Beiträge zur Veranstaltung
im Wikipedia-Kurier
und
im
Blog von Wikimedia Deutschland.
Der grüne Strahl im Gesamttext bei zeno.org:
Der grüne Strahl
Alle Iberty-Posts zur Kultur stehen unter:
Kultur in Iberty!
Anmerkungen
Auch zu Schwimmbädern ein schönes Minkmar-Zitat aus dem
Mit-dem-Kopf-durch-die-Welt.Buch:
„Nichts gegen das große Geld und die
wenigen, die es genießen können, aber die Stärke mitteleuropäischer
Gesellschaften liegt gerade in der Mischung. Für Reiche ist es in
Singapur, Russland und Malaysia ideal. […]Glaspaläste und Shopping
Malls gibt es auf der ganzen Welt, bald vermutlich auch unter
Wasser und auf dem Mond. Öffentliche Freibäder, Stadtteilfeste oder
Fußgängerzonen, in denen sich Reiche und Arme, Helle und Dunkle,
Christen und Muslime mit ihren Kindern vergnügen und drängeln, gibt
es nur hier. Ich fand es immer erstaunlich, dass es in Algerien
beispielsweise keine öffentlichen Schwimmbäder gibt oder dass man
in den USA oder in Brasilien Mitglied in einem Club werden muss.
Das ist eine teure und in vieler Hinsicht sozial sehr
voraussetzungsreiche Angelegenheit, nur um mit den Kindern mal
schwimmen zu gehen, es sei denn natürlich, jeder hat seinen eigenen
Pool im Garten, was, für mich zumindest, wie eine Definition von
struktureller Langeweile klingt.“ (s. 104)
*Dieser Post enthält Affiliate Links zu geniallokal. Es
handelt sich dabei um Werbung. Ich bekomme eine kleine Provision,
wenn ihr dort bestellt, und ihr habt bei den Guten
bestellt.
Berlin celebrates old school #wikipedia15
Tuesday, 17 August 2021 08:13 UTC
I still remember the time when real life meetings for
Wikipedians were new and adventurous and a bit scary. Did one
really want to meet these strange other people from the Internet?
How would they be? Could they even talk in real life or would they
just sit behind a laptop screen staring on it for hours?
My first meeting in Hamburg – THE first Wikipedia meeting in
Hamburg - would consist of three people (Hi Anneke, Hi Baldhur!)
sitting in a pub, and just waiting and seeing what would happen.
These meetings were kind of improvised, in a pub, quite private and
personal in nature and no talk about projects, collaborations, “the
movement” whatever. Just Wikipedia and Wikipedians having a nice
evening.
Bild: By
Sargoth,
CC BY-SA
3.0
So what a fitting setting to celebrate this day in Berlin just the
old school way. Half improvised, organized by our dearest local
troll
user:Schlesinger
on a talk page, we met in a pub, it was not clear who would come
and what would happen except some people having a good time.
And so It was. In the “Matzbach” in the heart of Berlin-Kreuzberg
seven people promised to come, in the end we were almost twenty.
Long time Wikipedians, long-time-no-see-Wikipedians, a Wikipedian
active mostly in Polish and Afrikaans, some newbies and two and a
half people from Wikimedia Deutschland. Veronica from Wikimedia
Deutschland brought a tiny but wonderful home-baked cake, and we
just talked and laughed, talked about history and future.
Actually, mostly we talked about future.
Bild: By
Sargoth,
CC BY-SA
3.0
About the Wikipedian above 30, who has just started a new a
university degree in archaeology, the question whether the Berlin
community should have its own independent space, industrial beer,
craft beer and the differences, the district of Berlin-Wedding, the
temporary David-Bowie-memorial in Berlin-Schöneberg, the vending
machine for fishing bait in Wedding, new pub meet-ups in the
future, who should come to the open editing events, how to work
better with libraries, colorful Wikipedians who weren’t there,
looking for a new flat, whether perfectionism is helpful or rather
not when planning something for Wikipedians, explaining Wikipedia
to the newbie, the difficulties of cake-cutting and whatsoever.
No frustration, almost no talk about meta and politics, just
Wikipedians interested in the world, Wikipedia and eager to be
active in and for Wikipedia and with big plans for the future. Old
school. So good.
Die Verschwundenen
Tuesday, 17 August 2021 08:13 UTC
Crossposting eines Posts von mir aus dem
Wikipedia
Kurier
. Erfahrungsgemäß lesen das dort und hier ja doch andere
Menschen.
Wikipedistas kommen und gehen. Manchmal gehen mehr, manchmal
weniger. Einzelne davon fallen durch ihr Wirken in der gesamten
Wikipedia auf oder versuchen sich wenigstens durch einen
spektakulären Abgang in Szene zu setzen. Die meisten Autoren und
Autorinnen aber gehen genauso still und leise wie sie gekommen sind
und gearbeitet haben.
Die unseligen Autorenschwund-Debatten der unseligen Wikimedias
kümmern sich ja um Zahlen und nicht um Autorinnen und Autoren. Wie
armselig! Den Meta-aktiven Communitymitgliedern - aka Wikifanten -
fallen vor allem die anderen Wikifanten auf, die entschwanden.
Dabei zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass es um lauter
einzelne Individuen mit verschiedenen Vorlieben, Arbeitsstilen und
Interessen geht, die in Wikipedia tätig waren und sind. Es gibt vor
allem diejenigen, die kommen, einen Beitrag leisten und dann wieder
verschwinden. Der größte Teil der tatsächlichen Wikipedia wird von
Menschen und Accounts gestaltet, deren Edits fast nur im
Artikelnamensraum aufzufinden sind. Manchmal arbeiten sie
unermütlich über viele Jahre, manchmal auch nur einige Wochen an
einen oder zwei Artikeln. Viele davon sind als IP aktiv, so dass
sich fast nichts über sie sagen lässt. Vielleicht sind die
Beitragenden per IP auch gar nicht viele, sondern eine einzige sehr
fleißige Autorin? Wer weiß?
Viele Wikipedianerinnen und
Wikipedianer sind derzeit inaktiv.
Anlässlich des
Projektes
WikiWedding
und in meinem Bestreben möglichst viele
Wedding-Aktive daran zu beteiligen, lese ich ja derzeit viele
Artikel zu einem Themengebiet, das mir in den letzten Jahren eher
fremd war und an dessen Entstehung ich nicht beteiligt war. Wer
sich in den letzten Monaten am Thema beteiligt hat, ist mir
bewusst, wer sich von 2001 bis 2014 des Weddings angenommen hat,
musste ich nachlesen. Eine spannende Lektüre voller mir unbekannter
Namen und Accounts. Neben einigen mir bekannten Wikipedistas waren
dort vor allem mir unbekannte Accounts. Accounts, die oft aufgehört
haben zu editieren. Meist sind sie still und leise gegangen. Ihre
Edits und Kommentare geben keinen Hinweis warum. Aber anscheinend
war es anderswo schöner. Oder sie hatten den Einruck, alles in
Wikipedia geschrieben zu haben, was sie beitragen wollten. Um
diesen Autorinnen und Autoren zumindest nachträglich etwas
Aufmerksamkeit zu geben, um ihre Namen kurz aus den Tiefen der
Versionsgeschichten zu retten, sollen hier einfach einige
Autorinnen(?) und Autoren gewürdigt werden, die sich um den Wedding
in Wikpedia bemühten bevor sie verschwanden.
Da ist zum Beispiel der Artikel zur
Chausseestraße
Ein Mammutwerk von
Gtelloke
dessen Wikipedia-Edits sich von Juni bis Dezember 2012 fast
ausschließlich auf diesen Artikel beschränkten.
Bild: Die Chausseestraße 114-118 in Richtung
Invalidenstraße von
Gtelloke
Lizenz:
CC-BY-SA
3.0
Da ist der Artikel zum
Wedding
selber.
Angelegt 2002 von
Otto
, dessen
letzter Edit aus dem Dezember 2004 stammt. Im November 2004 dann
maßgeblich ausgebaut von
Nauck
, der sich
auch sonst dem Ortsteil und seinen Themen widmete. Artikel zu
Moabit, den Meyerschen Höfen, Mietskasernen und Schlafgängern waren
Teil seines kurzen Werks, das im Wesentlichen nur zwei Wochen im
November 2004 dauerte, aber die Grundlagen wichtiger Artikel zur
Berliner Sozialgeschichte legte. Ein Blick auf seine Benutzerseite
zeigt auch den Geist der Wikipedia-Frühzeit: ''GNU rockt! Der König
ist tod, lang lebe das Volk! Lang lebe die Anarchie des Netzes!
Licht und Liebe''
Weiterer Ausbau erfolgte durch
87.123.84.64
auch zu wikipedianischen Urzeiten. Dann passierte 500 Edits und
acht Jahre im Wesentlichen nichts – mal ein Halbsatz hier, mal die
Hinzufügung von drei Bahnstrecken dort, Hinzufügen und Löschen von
berühmten Persönlichkeiten bis im Dezember 2014 der erste heute
noch aktive Wikipedianer hinzukommt:
Fridolin
freudenfett
verpasst dem Artikel mit „Katastrophalen Artikel
etwas verbessert)“ eine Generalüberholung.
Der
Leopoldplatz
angelegt von
Frerix
, der in
den immerhin fünf Jahren seiner Wikipedia-Aktivität nie auch nur
eine Benutzerseite für nötig hielt und anscheinend auch in keine
Diskussion verwickelt wurde. Zu seinen wenigen Beiträgen
gehören neben der Anlage des Leopoldplatzes auch noch die Anlage
der englischen Stadt Sandhurst, die Anlage des Kreuzviertels in
Münster und des Three Horses Biers. Dann war er/sie wieder weg.
Mutter des Artikels ist hier aber
44Pinguine
die den heutigen Inhalt maßgeblich prägt und auch heute noch aktiv
ist.
Da wäre das Wahrzeichen des Weddings. Die
Alte
Nazarethkirche
. Der Artikel stammt vor allem von
62.246.210.30
Bild: Leopoldplatz, Ev. Alte Nazarethkirche,
1832–35 von Karl Friedrich Schinkel von
Schliwiju
Lizenz
CC-BY-SA
4.0
Nichts war für die Entwicklung des Weddings wohl so entscheidend
wie die Geschichte der
AEG
. Dieser Artikel stammte
in seiner Frühzeit von
WHell
engagiertem Wikifanten, mit ausführlicher
Artikelliste
und Diskussionsseite, der uns 2007 verließ. Der
letzte Eintrag auf seiner Diskussionsseite war „Hallo WHell, ich
möchte Dich als den Hauptautor darüber informieren, dass ich den
Artikel John Bull (Lokomotive) in die Wiederwahl zum Exzellenten
Artikel gestellt habe,“ Größere Beiträge zur WEG folgten in den
späteren Jahren durch
Peterobst
aktiv von Februar bis April 2006 vor allem mit Beiträgen zur
Berliner Industriegeschichte, nach seiner Benutzerseite AEG-Kenner
und in Arbeit an einem Buch über den Konzern. Es folgten
80.226.238.197
, von
Georg
Slickers
2006 (auch heute noch aktiv, wenn auch recht
unregelmäßig),
Flibbertigibbet
2006 ,
79.201.110.89
im Jahr 2008 und der unermüdlichen 44Pinguine.
Weiter ausgebaut von
Onkel
Dittmeyer
, aktiv von 2009 bis Juli 2015 in Technikthemen und
vielleicht immer noch unter neuem Account? Begann seine Karrier mit
der Nutzerseite „Hier ist Nichts und das soll so bleiben !“ und
hielt sich im Wesentlichen daran.
Da ist der
Volkspark
Rehberge
. Angelegt von
Ramiro
2005,
aktiv 2005/2006, vor allem zum Thema Fußball. Maßgeblich ausgebaut,
umfassend überarbeitet 2007 von
84.190.89.208
und noch einmal 2010 stark erweitert von
Katonka
Landschaftsplaner mit unregelmäßigen Edits zwischen 2009 und 2014,
die Edits waren wenige, aber die Qualität war hoch.
Bild: LSG-6 Volkspark Rehberge Berlin
Mitte - Panoramabild auf die Wiesen des Volkspark Rehberge in
Berlin, Wedding (Mitte). Von:
Patrick Franke
Lizenz:
CC-BY-SA
3.0
Neben diesen Verschwundenen tauchen glücklicherweise aber auch
heute noch aktive Wikifanten auf. Immer wieder 44Pinguine und
Fridolin freudenfett. Darüber hinaus
Definitiv
Magadan
Flibbertigibbet und
Jo.Fruechtnicht
Die Artikel entstanden durch Wikifanten und IPs. Accounts mit nur
einem Thema oder anderen, die über Jahre thematisch sprangen.
Während in der Frühzeit aber viele verschiedene Accounts und IPs an
den Artikel beteiligt waren, waren in den letzten Jahren deutlich
weniger Menschen aktiv. Fast alle inhaltlichen Edits in den von mir
angesehenen Artikeln verteilen sich auf 44Pinguine, Fridolin
freudenfett und Definitiv. Wikipedia wird kleiner und noch lebt
sie. Aber wir können all‘ den Verschwundenen danken, die vor uns
kamen.
Abschlussbericht der WMF bzgl. der kroatischen Wikipedia
Sunday, 11 July 2021 13:13 UTC
Seit nun schon ein paar Jahren hört man immer wieder über
Probleme in der kroatischen (und zu einem gewissen Grad auch der
serbischen) Wikipedia. Rechte Gruppen sollen das Projekt übernommen
haben und alle Wikipedianer, die nicht ihrer Meinung sind,
rausgeekelt oder einfach gesperrt haben.
Lange war nichts passiert, aber seit Ende letzten Jahres sah
sich die WMF dann doch mal die Situation an und es wurde schon
zumindest ein Admin gebannt.
Nun hat die WMF ein Abschlußdokument veröffentlicht; oder
genauer schon Mitte Juni und ich habe es erst heute bei reddit
gesehen. In dem Dokument finden sich solche Perlen, als das in hrwp
behauptet wurde, Nazi-Deutschland habe Polen überfallen weil Polen
einen Genozid an Deutschen verübt hätten.
Der ganze Bericht kann
hier
gefunden werden. Mich macht die ganze Geschichte sowohl
traurig als auch wütend. Wikipedia soll die Leute so gut es geht
aufklären und nicht Propaganda verbreiten!
IeS: Blog ist zurück
Friday, 16 April 2021 21:38 UTC
Ich habe heute dieses Blog auf einen neuen Server umgezogen,
sein DNS aktualisiert und sein SSL repariert. Werde versuchen, es
nun wieder öfters zu befüllen. Wünscht mir Glück 🙂.
Wahl: Oversighter-Wahlen
Friday, 16 April 2021 21:11 UTC
Bereits seit gestern und noch bis zum 28. April laufen die
Oversighter-Wahlen
Doc Taxon
User:He3nry
und
Nolispanmo
treten zur Wiederwahl an. Ich wünsche: Viel
Erfolg!
Gab es in der DDR Spaghetti?
Friday, 26 March 2021 09:39 UTC
Eine der schöneren unbekannten Ecken der Wikipedia ist die Seite
zur
Auskunft
. Dort können Menschen mögliche und unmögliche Fragen
stellen, die dann mal launisch, mal larmoyant, mal ernsthaft oder
auch gar nicht beantwortet werden. Wie im wahren Leben und eine
ewige Fundgrube obskuren Wissens, seltsamer Fragestellungen und
logischen Extremsports.
Nicht die DDR. Bild: Giorgio Conrad
(1827-1889) - Mangiatori di maccheroni. Numero di catalogo:
102.
Dort nun fragte vor ein paar Tagen ein unangemeldeter Nutzer:
Warum
gab es in der DDR eigentlich nur Makkaroni
(die in Wirklichkeit
Maccheroncini waren), aber keine Spaghetti? Das erscheint mir nach
Lektüre einiger Bücher aus der DDR so gewesen zu sein und ist mir
auch so von meiner aus Ex-DDR-Bürgern bestehenden Verwandtschaft
bestätigt worden. Warum?"
Es folgte eine längere und mäandernde ausgiebige Diskussion, die
immerhin folgendes ergab:
* Anscheinend gab es in der DDR Spaghetti, zumindest erinnerten
sich einige der Diskutanten an derartige Kindheitserlebnisse.
* Ob Spaghetti so verbreitet waren wie Makkaroni oder Spirelli,
darüber bestand Uneinigkeit.
* Die Nudelsaucensituation war in Berlin besser als im Rest der
DDR.
* Die DDR allgemein pflegte in vielerlei Hinsicht traditionellere
Essgewohnheiten als Westdeutschland, die Küche der DDR ähnelte in
vielem mehr der deutschen Vorkriegsküche als dies für die
westdeutsche Küche gilt.
* In Vorkriegszeiten waren Makkaroni verbreiteter als
Spaghetti.
* Schon bei Erich Kästner wurden Makkaroni gegessen
* Der Makkaroni-Spaghetti turn im (west-)deutschen Sprachraum war
Mitte der 1960er
* Schuld könnten wahlweise das mangelnde Basilikum, die mangelnde
Tomatensauce, überhaupt mangelnde Kräuter, Italienreisen,
Gastarbeiter, Miracoli oder auch was ganz anderes sein.
* Klarer Konsens im Rahme: Sahne gehört keineswegs in Sauce
Carbonara!
Gab es in der DDR nicht: Miracoli. Bild:
Miracoli-Nudeln mit Mirácoli-Soße von Kraft. Von:
Brian
Ammon
, Lizenz:
CC-BY-SA
3.0
Daneben tauchten eine ganze Menge Kindheitserinnerungen auf an
exotische Spaghettimahlzeiten mit kleingeschnittenen Spaghetti,
Ketchup-basierter Tomatensauce und anderen kulinarischen Exotika
des geteilten Deutschlands.
Einige Antworten, viel mehr Fragen:
* seit wann wird in Deutschland überhaupt Pasta gegessen?
* wie lange schon ist Tomatensauce verbreitet?
* seit wann essen westdeutsche Spaghetti?
* Und wer ist Schuld? Die Gastarbeiter? Die Italienurlauber?
Miracoli?
* Und wie kommen eigentlich die Löcher in die Makkaroni?
Also verließen wir dann erst einmal die Auskunft und die dortige
Diskussion und betrieben etwas weitere Recherche. Das heimische
Kochbuch der Haushaltungs- und Kochschule des Badischen
Frauenvereins"
, veröffentlicht 1913 in Karlsruhe, kennt sowohl
Makkaroni wie auch Spaghetti. Ungewohnt für heute: die Makkaroni
werden in "halbfingerlange Stückchen gebrochen" und dann 25 bis 30
Minuten gekocht.
Neben den diversen Makkaroni-Gerichten gibt es auch einmal
Spaghetti. Die Priorität ist klar. Spaghetti werden erklärt als
"Spaghetti ist eine Art feine Makkaronisorte. Beim Einkauf achte
man darauf, daß sie nicht hohl sind"
Die
"Basler Kochschule. Eine leichtfaßliche Anleitung zur
bürgerlichen und feineren Kochkunst"
von 1908 kennt keine
Spaghetti aber diverse Gericht mit "Maccaronis". Darunter sogar
schon die Variante "a la napolitaine" mit Tomatensauce.
Weitere Recherche. Weitere Erkenntnisse bringt das Buch "
Meine
Suche nach der besten Pasta der Welt: Eine Abenteuerreise durch
Italien
", das die Ankunft der Makkaroni in Deutschland auf das
frühe 18. Jahrhundert verlegt. Die 1701 nachweisbaren "Macronen"
waren wohl eher Lasagne, aber Anfang des 18. Jahrhunderts
entstanden in Prag und Wien echte Makkaroni-Fabriken.
Die Pasta folgte anscheinend den jungen Männern der
Grand Tour
aus
Italien in das restliche Europa. Bestimmt waren die Grand Tours für
junge Männer, die mal etwas von der Welt sehen und klassische
europäische Bildung mitbekommen sollten, die auf der Tour aber
anscheinend nicht nur Statuen und Kirchen kennenlernten, sondern
auch Pasta.
Der Macaroni. Der Hipster seiner Zeit. Bild:
Philip Dawe: The Macaroni. A Real Character at the Late Masquerade,
1773.
In England gab es sogar einen eigenen Modestil
Macaroni
für exaltierte junge Männer -
"a fashionable fellow who dressed
and even spoke in an outlandishly affected and
epicene
manner".
Die englische Wikipedia schreibt dazu lakonisch:
"Siehe auch: Hipster. Metrosexuell." Komplett falsch wäre wohl auch
die Assoziation zur Toskana-Fraktion nicht.
Nach diesen extravagant und auffallend auftretenden jungen Männern
ist nun wiederum im Englischen der
Macaroni
penguin
- auf deutsch der Goldschopfpinguin - benannt.
Makkaroni-Penguin. Benannt nach dem Stil,
nicht nach den Nudeln. Bild: Macaroni Penguin at Cooper Bay, South
Georgia von
Liam Quinn
Lizenz:
CC-BY-SA
2.0
Wie aber kommen nun die Löcher in die Makkaroni? Und seit wann?
Licht in dieses Dunkel bringt die "
Encyclopedia
of Pasta
." Diese lokalisiert die Entstehung der maschinellen
Pastafertigung - die für Makkaroni in zumutbarer Menge
unvermeidlich ist - in die Bucht von Neapel in das 16. Jahrhundert.
Dort existerte eine Heimindustrie mit Mühlen, an die sich relativ
problemlos eine im 16. Jahrhundert aufkommende
’ngegno da
maccarun
anschließen lies, die es den Neapolitanern ersparte
stundenlang im Teig herumzulaufen, um ihn zu kneten: im
Wesentlichen Holzpressen mit einem Einsatz aus Kupfer, je nach Form
des Einsatzes entstehen verschiedene Nudelsorten und damit unter
anderem Makkaroni. Die Makkaroni wurden dann in langen Fäden zum
trocknen in die süditalienische Sonne gehängt.
Neapel, 19. Jahrhundert. Bild:
Giorgio Sommer (1834-1914), "Torre Annunziata-Napoli - Fabbrica di
maccheroni". Fotografia colorita a mano. Numero di catalogo:
6204.
Das hat alles nicht mehr wirklich etwas mit Spaghetti und der DDR
zu tun, beantwortet nicht, warum die Deutschen in den 1960ern
plötzlich lieber Spaghetti als Makkaroni mochten, oder warum die
Makkaroni bei ihrem ersten Zug über die Alpen die Tomatensauce in
der Schweiz ließen? Warum gibt es in Deutschland kein Äquivalent zu
"Macaroni and cheese" (mehr)? Gab es ein Miracoli-Äquivalent in der
DDR, bei dem es Pasta, Sauce und Käse schon in einer Packung gab?
Warum sind Makkaroni in Deutschland tendenziell lang und dünn in
vielen anderen Ländern aber dicker und hörnchenförmig-gebogen? Es
ist hochspannend. Und ein Grund, noch viel mehr zu
recherchieren.
Weiterlesen
Eine Investigation:
Es gibt kein Mirácoli Carbonara mehr.
Coolest Wikipedia Tool 2020: Pywikibot
Thursday, 7 January 2021 17:31 UTC
Seit 2019 wählt das Wikiversum die coolsten Tools, die besten
Hilfsmittel, um in Wikipedia und anderen Wikis zu werken. Eines
davon ist der Pywikibot, der Bot aller Bots.
Schneeregen fegte waagerecht über Vorplatz des Tempelhofer
Hafens. Mein Pullover war gar nicht so kuschlig und dicht wie ich
ihn in Erinnerung hatte. Die Handschuhe waren im Laufe der Jahre so
fadenscheinig geworden, dass eine einzelne kurze Radtour die Finger
vereisen ließ.
Ein einsamer, von Weihnachten übrig gebliebener,
Quarkkeulchen-Stand vor dem Tempelhofer Hafen. Seine Lichter
verhießen Wärme. Der Weg dorthin: Von Entbehrungen gezeichnet. Der
Wind, der einem aus allen Richtungen ins Gesicht blies, trieb die
Leute davon. Sie wussten nicht wohin, denn alles war geschlossen
und zu Hause wollten sie ihre Mitbewohner nicht mehr sehen. Über
der Szene kreiste ein hungriger Taubenschwarm.
„Ist es nicht herrlich“, fragte ich DJ Hüpfburg. „So viel Platz!
Fast das ganze Hafengelände gehört uns. Und wir können uns
problemlos aus drei Meter Sicherheitsabstand anschreien.“ – Sie
antwortete „Du spinnst. Es ist scheißkalt. Ich bibbere. Das letzte
Mal, als ich so gefroren habe, bin ich im Rozbrat mit meiner
ehemaligen Band aufgetreten: „Pierdzące Zakonnice“.
Wir spielten Prog-Punk. Kein Wasser, keine Heizung und ein
sibirischer Windhauch kam aus Richtung Minsk. Wer auf Toilette
wollte, hat einen Eispickel in die Hand bekommen, falls das
Plumpsklo wieder zugefroren war. Und am Ende des Abends haben wir
Wahlplakate im Konzertsaal verbrannt, um nicht ganz zu
erfrieren.
Aber wir haben gerockt: Kasia an der Geige, die andere Kasia am
Theremin, ich an der KitchenAid und Anna am Gong und an der
Rezitation. So viel Kunst war nie wieder davor oder danach im
Rozbrat. Leider war es den Pferden zu kalt, so dass die weiße
Kutsche ausgefallen ist. Hier am Hafen ist keine Kunst. Hier ist es
nur scheißkalt. Ich gehe.“
Später, im Chat. Hüpfburgs Schilderung hatte mich an ein Video
erinnert, das ich kurz vorher gesehen hatte: „
Wikimedia
Coolest Tool Award 2020
.“ in meinen Versuchen, DJ Hüpfburg für
die Wikipedia und ihr Umfeld zu begeistern, postete ich ihr den
Link.
Southgeist:
– Tools sind doch was für Dich
Hüpfburg:
click
Hüpfburg:
Das ist Wikipedia. Was soll ich
damit?
Southgeist:
Aber Tools. Nur mit ausgewählten Menschen. Fast
nur Technik und kreative Sachen.
Hüpfburg:
Wikipedia spießerfrei? Du meinst, das soll
gehen?
Southgeist:
Schau doch mal.
Hüpfburg:
Ich sehe jetzt schon drei Minuten lang Berliner
Straßen ohne Ton. Ich dachte schon, meine Lautsprecher wären
kaputt.
Hüpfburg:
I like the music.
Southgeist:
Eben. Warte erst auf die Tools.
Hüpfburg:
52 Minuten! So lange soll ich Wikipedia schauen?
In der Zeit zerstöre ich zwei Ehen, bringe einen Priester vom
Glauben ab und bringe drei Paare neu zueinander. Sage mir lieber,
was für Tools vorkommen.
Die coolest Tools
Ich erzählte.
Im Video werden vorgestellt: Der
AutoWikiBrowse
(Hüpfburg: „Da klingt der Name schon langweilig“),
SDZeroBot
generiert Benutzerseitenreports („Mich interessieren weder Benutzer
noch ihre Seiten“),
Proofread
Page Extension
(„Korrekturlesen, geht es noch spießiger?“),
Listen to Wikipedia
(„Schön, aber reichlich Kitsch. Wenn eines Tages zwei Wikipedianer
kommen und einander heiraten wollen, werde ich das Tool in den
Event integrieren“),
AbuseFilter
(„Zu sehr Polizei“),
LinguaLibre
(„I
like“), und Pywikibot – ein Tool zum Erstellen weiterer Tools.
(„Das klingt spannend – erzähle mir mehr.“)
Pywikibot
Pywikibot ist ein Framework zum Erstellen von Bots. Oder anders
gesagt: wer sich den Pywikibot installiert, kann mit überschaubarem
Aufwand eigene Bots schaffen. Oder sich an einem der bereits auf
dieser Basis geschaffenen Skripte bedienen. Die Bots können
prinzipiell alles, was menschliche Nutzer von MediaWiki-Wikis auch
können – nur schneller.
Pywikibot-Logo von:
Xqt
Lizenz:
Creative
Commons
Attribution-Share
Alike 3.0 Unported
Wobei können in diesem Zusammenhang natürlich bedeutet: jemensch
muss dem Bot vorher sagen, was er tun soll. Das dauert länger als
ein Edit. Der Bot kommt sinnvoll ins Spiel, wo es eine hohe Zahl
gleichartiger Edits gibt. Zum Artikelschreiben ist das wenig – zum
Anpassen von Formalien ist es super. Und dazwischen liegt ein
Graubereich. Nicht alles ist sinnvoll, nicht alles ist erlaubt –
und um die Kontrolle zu wahren, hat der Pywikibot einen
automatischen Slow-Down-Mechanismus, der den Bot absichtlich
ausbremst.
Pywikibot geht zurück auf verschiedene Bots und Skripte aus dem
Jahr 2003, existiert in dieser Form seit etwa 2008. Die aktuelle
Variante ist in und für Python 3 geschrieben. Die Community, die
sich um das Framework kümmert, hat eine dreistellige Zahl von
Mitgliedern und ist so international, wie es die frühe Wikipedia
war. Rein aus dem Bauchgefühl heraus würde ich auch sagen, was
Charaktertypen und Soziodemographie angeht, ist die
Pywikibot-Gruppe sehr viel näher an der Ur-Wikipedia als die
heutigen Wikipedistas.
DJ Hüpfburg: „Du sagst es. Alt-Wikipedia. Diese Tool-Awards sind
solche Lebenswerkauszeichungen? Das Bot-Framework gibt es seit fast
20 Jahren, das Proofread-Tool existiert seit fast 15 Jahren. Ist
der Award so langsam oder gibt es so wenig Neues?“
Ich glaube, der Award ist langsam. Beziehungsweise er existiert
erst seit letztem Jahr. Jetzt muss er die ganzen Tools der letzten
Jahrzehnte durchprämieren, damit die nicht vergessen werden. Wie
bei der Wikipedia auch: Die Grundlagen wurden vor langer Zeit
gelegt. Alles, was jetzt kommt, baut darauf an, verbessert, schafft
aber nur selten fundamental Neues.
Change Musiker to Musiker*innen
„Außer dem Tool-Award. Der ist neu? Und dem Video nach zu
urteilen reichlich großartig.“
Yup. Und er hat mir und dir den Pywikibot gelehrt und damit eine
wichtige Aufgabe erfüllt.
DJ Hüpfburg: „Ich kann also auf Basis von Pywikibot alle
‚Musiker‘ in Wikipedia durch ‚Musiker*innen‘ ersetzen?“
Ich: „Theoretisch ja. Praktisch gibt es verschiedene Hindernisse.
Und du wirst auf ewig gesperrt werden.“
DJ Hüpfburg: „Dachte ich. Noch so jung und schon so
strukturkonservativ diese Website. Wäre sie ein Mensch, würde sie
einen beigen Pullunder über weißem Hemd tragen und Leserbriefe an
die Fernsehzeitschrift schreiben. Aber ich kann mein eigenes Wiki
aufsetzen und da noch Herzenslust alles bot-mäßig umbauen?“
Ich: „Yup. Wikidata freut sich auch. Da gibt es noch viel zu tun
und die sind superfreundlich dort.“
DJ Hüpfburg: „Ich auf meinem Pybot einreitend in Wikidata! Das
wäre fast so gut wie im Rozbrat. Mit der Kutsche, die dann doch
nicht kam. Irgendwann im Laufe des Abends spielten wir Mozart. Da
haben die Squatter angefangen mit Äpfeln zu werfen. Wir uns hinter
dem Gong geduckt und ich ein Kitchen-Aid-Solo. Ich erinnere mich
noch an den einen Tänzer, der allein Stand und Luft-Küchenmaschine
gespielt hat. Ein Arm angwickelt am Körper als würde er die
Maschine an sich drücken, mit dem anderen weit ausholende
Bewegungen, um dann auf dem Einschaltknopf zu laden.“
„Leider hatten wir dem Publikum einen Mozart-Schock versetzt und
die wollten uns nicht mehr gehen. Dadurch hatten wir alle
Auftrittsorte in Posen durch. Kasia ging nach Prag und Paris,
Jazz-Theremin studieren. „Ein Juwel unter unserer Studentinnen“
sagte mal eine Professorin. Kasia wäre fast dieses Jahr in der
Philharmonie aufgetreten. Aber Deine komische Wikipedia hat immer
noch keinen Artikel von ihr.“
Ich: „Es ist nicht meine Wikipedia.“
Ruhe. Hüpfburg dachte.
„Dieser Bot. Der kann doch sicher in Wikidata alle Personen
auslesen, die Theremin spielen. Und dann eine Liste in Wikipedia
anlegen. Die regelmäßig erneuert wird. Das müsste doch gehen.
Vielleicht ist es einen Versuch wert.“
(Beitragsbild:
Brødmaskin med striper i mange farger
von:
Øyvind
Holmstad
Lizenz:
Creative
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