Georg Simmel – Wikipedia
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Georg Simmel
Georg Simmel
(*
1. März
1858
in
Berlin
; †
26. September
1918
in
Straßburg
Deutsches Reich
) war ein deutscher
Philosoph
und
Soziologe
Er leistete Beiträge zur
Kulturphilosophie
, war Begründer der „
formalen Soziologie
“, einer
Stadtsoziologie
und der
Konfliktsoziologie
. Simmel stand in der Tradition der
Lebensphilosophie
, aber auch der des
Neukantianismus
Leben und Wirken
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Karriere
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Georg Simmel wurde am 1. März 1858 in Berlin als jüngstes von sieben Kindern in einer Berliner Kaufmannsfamilie geboren. Sein Vater, Eduard Maria Simmel (1810–1874), vom Judentum zum Katholizismus konvertiert,
war mit seiner Firma „Chocolaterie Simmel“ in Potsdam Hoflieferant des Preußischen Königs und Mitbegründer des 1852 in Berlin eröffneten Confiserie-Unternehmens „
Felix & Sarotti
“. Seine Mutter Flora Bodstein (1818–1897) stammte aus einer vom Judentum zum Protestantismus konvertierten
Breslauer
Familie.
Georg Simmel wurde protestantisch getauft, die Erziehung durch die Mutter war vorrangig christlich geprägt. Als sein Vater 1874 starb, wurde der Mitbegründer des „Musik-Editions-Verlages Peters“
Julius Friedländer
(1827–1882), ein Freund der Familie, zu seinem Vormund bestimmt. Dieser adoptierte Georg später und hinterließ ihm ein Vermögen, das ihn wirtschaftlich unabhängig machte. Nach dem Abitur 1876 am
Friedrichwerderschen Gymnasium
in Berlin studierte er an der
Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin
Geschichte, Völkerpsychologie, Philosophie, Kunstgeschichte und Altitalienisch in den Nebenfächern. 1881 wurde er mit der aus dem Jahr 1880 stammenden preisgekrönten Schrift über Kants Materiebegriff „Die Natur der Materie nach Kants Physikalischer Monadologie“ promoviert, nachdem eine ursprünglich als Dissertationsschrift vorgesehene Arbeit zur Musikethnologie „Psychologisch-ethnische Studien über die Anfänge der Musik“ abgelehnt worden war.
Im Jahr 1885
habilitierte
er sich mit einer Arbeit über „Kants Lehre von Raum und Zeit“. Ab 1885 war er
Privatdozent
für Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Seine hauptsächlichen Themen waren Logik, Geschichtsphilosophie, Ethik, Sozialpsychologie und Soziologie. Er war ein sehr beliebter Dozent mit breiter, thematisch heftig interessierter Zuhörerschaft.
Gertrud Simmel auf einer Fotografie von
Jacob Hilsdorf
Er heiratete 1890 die Zeichenlehrerin, Malerin und Schriftstellerin
Gertrud Kinel
, die ab 1900 unter dem Pseudonym „Maria Louise Enckendorf“ auch philosophische Bücher schrieb. Ihr Sohn war der Mediziner
Hans Simmel
(1891–1943). Ihr gemeinsames Haus in
Charlottenburg-Westend
wurde zu einem Ort des geistigen Austausches, wo sich z.
B.
Rainer Maria Rilke
Edmund Husserl
Reinhold
und
Sabine Lepsius
Heinrich Rickert
Marianne
und
Max Weber
trafen. Einige dieser einflussreichen Freunde engagierten sich dafür, dass Simmel einen Lehrstuhl erhielt, was sowohl das deutsche akademische Establishment als auch der vorherrschende
Antisemitismus
zu verhindern suchten.
Erst 1900 erhielt Simmel, was eher als ein unumgänglicher formaler Akt anzusehen ist, eine Berufung an die Berliner Universität, allerdings für eine unbezahlte außerordentliche Professur für Philosophie. Auch eine Prüfungsberechtigung wurde ihm verwehrt. Einen Ruf an die Universität Heidelberg konnte er 1908 aufgrund eines antisemitischen Gutachtens des Historikers
Dietrich Schäfer
trotz der Fürsprache von Max Weber
nicht annehmen.
Seine Vorlesungen über Probleme der
Logik
Ethik
Ästhetik
Religionssoziologie
Sozialpsychologie
und
Soziologie
waren sehr beliebt. Sie wurden sogar in Zeitungen angekündigt und gerieten mitunter zu gesellschaftlichen Ereignissen. Simmels Einfluss durch seine Aktivitäten und Netzwerke ging weit über die von ihm akademisch vertretenen Fächer hinaus;
Kurt Tucholsky
Siegfried Kracauer
oder auch
Ernst Bloch
und
Theodor W. Adorno
, um nur einige zu nennen, haben ihn hoch geschätzt.
Um 1906 ging Georg Simmel mit der aus Posen stammenden Studentin
Gertrud Kantorowicz
(1876–1945) ein Liebesverhältnis ein. 1907 kam Angelika (Angi), ihr gemeinsames Kind, in Bologna zur Welt. Beide kamen überein, die tatsächliche Vaterschaft zu verschweigen, und Simmel weigerte sich, das Kind „jemals“ zu sehen. Angelika wuchs bei Pflegeeltern auf, erst nach dem Tod von Georg Simmel 1918 wurde das Geheimnis gelüftet.
1911 wurde ihm das
Ehrendoktorat
der Staatswissenschaften der
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
auf Grund seiner Verdienste um die Erweiterung der Kenntnisse der
Nationalökonomie
und in Anerkennung seiner Leistung als einer der Begründer der Soziologie verliehen. Erst 1914 erhielt er einen ordentlichen Lehrstuhl für Philosophie an der
Kaiser-Wilhelm-Universität Straßburg
. Nach fast zehnjähriger Abstinenz von soziologischen Themen erscheint 1917 die Arbeit „Grundfragen der Soziologie“. Seine letzte Veröffentlichung galt wieder grundlegenden Fragen des philosophischen Denkens, der gesellschaftlichen Einflüsse auf Denken und Handeln der Menschen, abgeleitet auch aus eigenen Lebenserfahrungen in dem Werk „Der Konflikt der modernen Kultur“, das 1918 erschien. In Straßburg verstarb Simmel, 60-jährig, am 26. September 1918 an Leberkrebs. Er wurde auf dem
Jüdischen Friedhof Cronenbourg
in Straßburg beigesetzt
Leistung und Wirkung
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Im Jahre 1892 erscheint seine Arbeit „Einführung in die Wissenschaft der Ethik“, und er definiert 1894 in einem programmatischen Aufsatz „Das Problem der Soziologie“ die Soziologie als Wissenschaft von den Prozessen und Formen der Wechselwirkung von Gesellschaften.
In einem seiner Hauptwerke, der
Philosophie des Geldes
(1900), geht er davon aus, dass das
Geld
immer mehr Einfluss auf die
Gesellschaft
, die
Politik
und das Individuum erhält. Die Verbreitung der Geldwirtschaft habe den Menschen zahlreiche Vorteile gebracht, wie die Überwindung des
Feudalismus
und die Entwicklung moderner
Demokratien
. Allerdings sei in der
Moderne
das Geld immer mehr zum Selbstzweck geworden. Sogar das
Selbstwertgefühl
des Menschen und seine Einstellungen zum Leben würden durch Geld bestimmt. Er endet mit der Erkenntnis „Geld wird Gott“, indem es als absolutes Mittel zu einem absoluten Zweck werde. Dies veranschaulicht Simmel durch ein prägnantes Beispiel: Die Banken sind inzwischen größer und mächtiger als die Kirchen. Sie sind zum Mittelpunkt der Städte geworden. Alles sinnlich Wahrnehmbare hat mit Geld zu tun. Der Mensch habe jedoch die
Freiheit
, nach Dimensionen zu streben, die
mehr als Geld
sind. Dies könne durch die Bildung solidarischer Gemeinschaften, die sich mit dem Geistesleben auseinandersetzen, geschehen. Durch
soziales Handeln
könne die Macht des Geldes, beispielsweise in der Kultur, eingeschränkt werden. So arbeite ein Künstler nicht allein des Geldes wegen, sondern um sich in seiner
Arbeit
geistig
selbst zu verwirklichen.
Parallel zu
Leopold von Wiese
war Simmel ein Mitbegründer der
formalen Soziologie
. Diese verfolgt das Ziel, gesamtgesellschaftliche Phänomene auf möglichst wenige Formen des Zusammenwirkens der Menschen zurückzubeziehen. Dabei wird den Inhalten weniger Bedeutung zugemessen. Sie befasst sich insbesondere mit sozialen Verbindungen und deren Beziehungen, beispielsweise Hierarchien in unterschiedlichen sozialen Gefügen wie Familie, Staat usw. Mit dem 1903 erschienenen Aufsatz
Die Großstädte und das Geistesleben
wurde Simmel zum Begründer der
Stadtsoziologie
. Sein Aufsatz wurde in Deutschland zunächst nicht besonders intensiv rezipiert, hatte jedoch unmittelbaren Einfluss auf die Soziologie in den
USA
Simmel suchte als Gesellschaftswissenschaftler einen neuen Weg. Dabei stand er sowohl der Theorie eines soziologischen
Organizismus
bei
Auguste Comte
oder
Herbert Spencer
fern als auch der
idiographischen
Geschichtsschreibung im Gefolge etwa
Leopold von Rankes
Zusammen mit
Ferdinand Tönnies
, Max Weber und
Werner Sombart
begründete er 1909 die
Deutsche Gesellschaft für Soziologie
(DGS). Simmel war außerdem Mitherausgeber der 1910 gegründeten Zeitschrift
LOGOS
. Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur
Ein
konsistentes
philosophisches oder soziologisches System hinterließ er nicht, auch keine Schule, auch weil er den Ruf als ordentlicher Professor nach Straßburg erst 1914 erhielt und so bis zu diesem Zeitpunkt keine Erlaubnis hatte, selbst Promotionen oder Habilitationen zu betreuen. Nur Betty Heimann (1888–1926) und
Gottfried Salomon
(später Salomon-Delatour) (1892–1964) konnten 1916 bei ihm noch promovieren, vom Habilitationsrecht konnte er keinen Gebrauch mehr machen.
Dafür lieferte Simmel viele Anregungen und Inspirationen für spätere Forschergenerationen. Er veröffentlichte mehr als fünfzehn große Werke sowie zweihundert Artikel in Fachzeitschriften und Zeitungen. Neben der Stadtsoziologie nahm Simmel viele Elemente der späteren Rollensoziologie vorweg, ohne noch den Begriff der „
sozialen Rolle
“ explizit zu benutzen. Das Kapitel
Der Streit
aus seiner
Soziologie
(1908) war von erheblicher Bedeutung für die spätere
Konfliktsoziologie
Lewis Coser
u.
a.).
Einzelne Bücher Simmels wurden schon zu seinen Lebzeiten ins Italienische, Russische, Polnische und Französische übersetzt. In Deutschland hatte er einen bedeutenden Einfluss auf den akademischen Nachwuchs, dabei unter anderem auf
Georg Lukács
Martin Buber
Max Scheler
Karl Mannheim
und Leopold von Wiese, ferner auf einige spätere Mitglieder der
Frankfurter Schule
. Mit dem jungen Ernst Bloch war Simmel befreundet. Bloch war es auch, der während des
Ersten Weltkriegs
den Positionswechsel des späten Simmel zum
Patriotismus
kritisierte.
Als Philosoph wird Simmel häufig dem Kreis der
Lebensphilosophie
zugerechnet. Andere prominente Vertreter dieser Richtung waren beispielsweise der Franzose
Henri Bergson
, dessen Werke auf Anregung Simmels ins Deutsche übertragen wurden, oder der Spanier
José Ortega y Gasset
. Simmel publizierte nicht kontinuierlich als Soziologe. So erschienen zwischen 1908 und 1917 keine größeren soziologischen Werke, sondern Abhandlungen über
Hauptprobleme der Philosophie
(1910), über
Goethe
(1913) und
Rembrandt
(1916).
In der geplanten Einleitung zu seinem unveröffentlichten Buch über Georg Simmel erfasst
Siegfried Kracauer
die philosophische Methode Simmels querschnittartig. Die Abhandlung erschien erstmals 1920 in der Zeitschrift
Logos.
Unter dem Titel
Georg Simmel
fand der Aufsatz später in Kracauers Aufsatzsammlung
Das Ornament der Masse
Eingang.
Erkenntnistheorie
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Simmel gehört zu den Philosophen, die von
vorbestimmten
ideellen
Kategorien
der
Erkenntnis
ausgehen, was er am Beispiel der Geschichtswissenschaft expliziert, die das Erkannte durch unabhängig vom jeweiligen Gegenstand der Erkenntnis gegebene Bedingungen und Kategorien gestaltet. Allerdings sind diese nicht universell und notwendig wie bei Kant, sondern historisch relativ, teils zufällig und unsystematisch.
Fortschritte im Sinne zunehmender Differenzierung und Komplexität gebe es durch die
Selektionswirkung der Evolution
, in deren Folge sich in historisch und gesellschaftlich bestimmten Prozessen auch das
Individuum
entwickle. Jedoch könne ein Mensch durch bloßes
Denken
die
Totalität
des
Lebens
nicht erfassen. Insofern entwickelt er die Erkenntnistheorie
Immanuel Kants
weiter: Zwar sei der Mensch nicht in der Lage, die Wahrheit ganz zu erfassen und wiederzugeben, da sie zu komplex sei. Dennoch sei die menschliche Vorstellung von Wahrheit nicht willkürlich: Wenn zwei Theorien vorhanden seien, werde schließlich diejenige überleben, die den besseren Zugriff auf das Wirkliche erlaube. Seine Position ist damit der
Evolutionären Erkenntnistheorie
zuzuordnen. Gleichzeitig positioniert Simmel sich zwischen
Relativismus
und
Positivismus
und weist den
Realismus
als Erkenntnistheorie zurück, ohne sich aber dem
Skeptizismus
zuzuwenden. Beispiel: Nach Simmel bestehen Vorstellungen eines „erkennenden Subjektes“ stets aus einem bewussten und einem unbewussten Teil, was sich schließlich auch auf den
Wert
auswirkt, der einem Objekt zugemessen wird. Dieser Wert ist demnach nicht unbedingt „wahr“, sondern muss sich oftmals an der Wirklichkeit prüfen lassen, wenn es zum Beispiel zu einem Austausch von Waren kommt. Durch Preisaushandlung auf dem Markt wird der Wert „objektiviert“.
Auch hinsichtlich des Bildes, das sich Individuen voneinander machen, verlässt Simmel die Grundlagen der Erkenntnistheorie Kants. Das Bild, das sich A von C macht, sei stets verschieden von dem, das sich B von C macht. Die Bilder gründeten auf den je individuellen Interaktionen, und diese stützten sich wiederum auf die jeweiligen Bilder. So entwickle sich das Wissen voneinander auf der Basis der jeweiligen Wechselwirkungen und umgekehrt. Der andere Mensch sei zwar auch ein Stück Natur, doch das Individuum war für Simmel kein Gegenstand des Erkennens, sondern nur des Erlebens. Für jeden Menschen hängen die Erkenntnismöglichkeiten über einen anderen von dessen Möglichkeiten der Verhaltensmodifikation ab, wozu auch das Lügen gehört. Aber auch jede seiner aufrichtigen Aussagen über sein Innenleben ist nur eine bruchstückhafte Umformung seiner inneren Wirklichkeit, eine Selektion aus einer Flut zusammenhangloser Bilder und Ideen.
Soziologie
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Soziologie ist nach Simmel – anders als bei seinem ersten soziologischen Vorgänger
Tönnies
– eine
eklektische
Wissenschaft. Sie hat keinen eigenen spezifischen Gegenstand, sondern benutzt lediglich das von anderen Wissenschaften bereitgestellte Material, um daraus neue
Synthesen
und einen neuen Standpunkt zu gewinnen. Sie arbeitet mit Ergebnissen der Geschichtsforschung, der Anthropologie, der Statistik, der Psychologie und vieler anderer Fächer. Dabei benutzt sie nicht das ursprüngliche Material dieser Wissenschaften, sondern synthetisiert aus dem, was schon aus Synthese geschaffen ist, als eine Wissenschaft zweiter Potenz sozusagen. „Soziologie, als Geschichte der Gesellschaft und aller ihrer Inhalte, d.
h. im Sinne einer Erklärung alles Geschehens vermittels der gesellschaftlichen Kräfte und Konfigurationen“, ist demnach keine „besondere Wissenschaft“, sondern „eine Erkenntnismethode, ein heuristisches Prinzip, das auf einer Unendlichkeit verschiedenster Wissensgebiete fruchtbar werden kann, ohne doch für sich allein eines auszumachen“.
Simmel betrachtet Soziologie als „Wissenschaft von den Beziehungsformen der Menschen untereinander“.
10
Ihre Aufgabe ist das Auffinden von Regeln, nach denen sich die Menschen verhalten. Solche „formalen Gleichheiten“ des Verhaltens wie Über- oder Unterordnung, Bindung oder Konflikt finden sich in den verschiedensten „sozialen Vereinigungen“, von deren Zweck die Soziologie jedoch abstrahiere.
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Die Soziologie verhalte sich zu den Inhalten des sozialen Lebens wie die Geometrie als Lehre der räumlichen Formen zum Material der von ihr beschriebenen Körper.
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Da weder beim Begriff der „
Gesellschaft
“ noch bei dem des „
Individuums
“ ein letzter Anhaltspunkt gefunden werden könne, der zum Grundbegriff und damit zum Gegenstand der Soziologie gemacht werden könnte, bleibe einem nichts anderes übrig, als das Fließende der „Wechselwirkungen“, durch das die Gesellschaft wie das Individuum sich in
Schemen
verlieren, zum spezifisch-unspezifischen Gegenstand zu erklären. Damit nimmt Simmel den modernen
Interaktionsbegriff
vorweg. Simmel verstand „den Verlauf der Geschichte als ein Wechselspiel zwischen den materiellen und ideellen Faktoren“ und grenzt sich so von Marx’
historischem Materialismus
ab, welchen er „um den Nachweis, daß die ökonomischen Wertungen und Bewegungen ihrerseits Ausdruck tiefergelegener Strömungen des individuellen und gesellschaftlichen Geistes sind [ergänzt]“.
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Soziologische Apriori
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Für das Entstehen derartiger Wechselwirkungsphänomene macht Simmel drei
Apriori
aus:
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Rollen-Apriori
: Menschen begegnen einander in
sozialen Rollen
(Kaufmann, Bäcker, Ärztin …), welche an rollenspezifische Erwartungen geknüpft sind. Diese bilden den (sozialen) Rahmen, in der Interaktion und Wahrnehmung stattfindet.
Individualitäts-Apriori:
Der Mensch ist mehr als seine Rolle, er weist darüber hinaus individuelle, für ihn charakteristische Merkmale und Eigenschaften auf.
Struktur-Apriori:
Die Formen und Struktur der sozialen Rollen gehen der Individualität voraus, sie werden von Menschen inhaltlich ausgefüllt.
Simmel geht es also nicht um den Inhalt oder die Zwecke der Wechselwirkung, welche bereits in anderen Wissenschaften, wie der Wirtschaft, der Literaturwissenschaften und so weiter behandelt werden. Es geht um die Form der Wechselwirkung zwischen Individuen über den Inhalt hinweg. Ein Religionsforscher kann beispielsweise über die Opferwilligkeit in einer Gruppe auch von Sozialdemokratischen Gruppen lernen, religiöse Momente sind nicht nur spezifisch religiös, sondern auch sozial. „Wenn demnach die »soziologische Methode«
angewendet wird, um den Verfall des Römerreiches oder das Verhältnis von Religion und Wirtschaft bei den großen Kulturvölkern, um die Entstehung des deutschen Nationalstaatsgedankens oder die Herrschaft des Barockstils zu entwickeln, d. h. wenn solche Geschehnisse oder Zustände als Summierungen ununterscheidbarer Beiträge, als Ergebnisse der Wechselwirkung von Individuen, als Lebensstadien überindividueller Gruppeneinheiten erscheinen - so mag man diese nach soziologischer Methode geführten Untersuchungen als Soziologie bezeichnen.“
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Simmels Bestreben, die Konstitution des Gesellschaftlichen aus den zum großen Teil flüchtigen, zufälligen, ja antagonistischen Wechselwirkungen zwischen den Individuen – unabhängig von deren positiven oder negativen Intentionen und Emotionen – zu erklären, wie es beispielsweise in seinem Werk
Der Streit
oder im Essay über die Großstädte deutlich wird, führte dazu, dass seine Sozialphilosophie wie auch seine essayistische Darstellungsweise schon vor dem Ersten Weltkrieg von
Richard Hamann
und von Simmels Schüler
Georg Lukács
als „impressionistisch“, nämlich als Teil einer zeitgenössischen ästhetischen Protestbewegung gegen die festen Formen bezeichnet wurde.
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Simmel untersuchte viele Bereiche des Lebens: Von der Mode über die Alpen bis hin zur Mahlzeit. Den Essay-Charakter und die Vielfältigkeit seines Werkes verstand Simmel als Methode, da sich „von jedem Punkt der gleichgültigsten, unidealsten Oberfläche des Lebens ein
Senkblei
in seine letzten Tiefen werfen lässt, dass jede seiner Einzelheiten die Ganzheit seines Sinnes trägt und von ihr getragen wird“.
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In seinem ersten Werk:
Über sociale Differenzierung
entwirft Simmel die zentrale These, dass sich mit wachsender Entwicklung und Differenzierung einer Gesellschaft die Individualität des Einzelnen stärker ausbilde. Gleichzeitig ermögliche dies eine Annäherung an andere Menschen außerhalb der bestehenden Gruppe. Die Ausbildung der Individualität hänge mit der schwindenden Bindekraft durch die soziale Gruppe zusammen, die sich vor allem in der modernen Großstadt zeige. Der Entwicklungsgrad einer Gesellschaft sei am Netz sozialer Wechselwirkungen und Verflechtungen ablesbar, die in dem Maße stiegen und sich verkomplizierten, in welchem auch die
Differenzierung
wachse. Erweitere sich der Kreis, innerhalb dessen wir uns betätigen und dem unsere Interessen gelten, so wachse darin der Spielraum für die Entwicklung unserer Individualität.
Am Ende beschreibt Simmel dann die soziale Differenzierung bzw. Spezialisierung als evolutionäres Gesetz der Kraftersparnis. Die Differenzierung sei ein evolutionärer Vorteil, jedes Wesen ist in dem Maße vollkommener, in dem es den gleichen Zweck mit einem kleineren Kraftquantum erreicht (technologischer Fortschritt, Arbeitsteilung, Verwaltungsapparat). Den Preis des
Fortschritts
allerdings sieht Simmel dann in der Zunahme und Verdichtung eines breiten Netzes sozialer Abhängigkeiten unter Zunahme ständiger Interventionen des
Systems
in die Lebenswelt des Individuums.
Auf der Basis dieser These verfasst Simmel sein zweites großes Werk: die
Philosophie des Geldes
. Wichtiger Grund für Simmels gestiegenes Interesse am Problem der Geldwirtschaft ist deren Verortung in den Großstädten. In Verbindung mit der „Verstandesherrschaft“ (terminologisch bei
Max Weber
der „
Zweckrationalität
“) sei die
Geldwirtschaft
prägend für die
Moderne
. Die Welt als gigantisches Rechenexempel der kalkulierenden
Rationalität
würde in Geld gemessen wie die Zeit mit der Uhr.
Diese beiden Maßstäbe machten die Moderne erst möglich. Bei Simmel basiert der Wert eines Produktes anfänglich auf subjektiver Wertschätzung. Mit steigender Komplexität der Gesellschaft erreiche der
Tausch
den Stellenwert einer sozialen Gegebenheit. Um den Tausch zu vereinfachen, sei das Geld notwendig.
18
Im Geld spiegle sich der Wert der Dinge wider. In ihm träfen die Welt der Werte und die der konkreten Dinge aufeinander: „Das Geld ist die Spinne, die das gesellschaftliche Netz webt.“ Es sei ebenso
Symbol
wie Ursache einer Vergleichgültigung bzw. Relativierung aller Dinge und einer Veräußerlichung. Indem alles mit allem getauscht werden könne, weil es ein identisches Wertmaß erhalte, finde gleichzeitig eine Angleichung (Nivellierung) statt, die keine qualitativen Unterschiede mehr generiere. Der Sieg des Geldes sei einer der
Quantität
über die
Qualität
, des Mittels über den Zweck. Es sei nur das wertvoll, was einen Geldwert besitze. Damit finde eine Verkehrung statt, denn am Ende diktiere das Geld unsere Bedürfnisse, kontrolliere uns, anstatt uns zu entlasten und unser Leben zu vereinfachen. Indem das Geld mit seiner Farblosigkeit und Indifferenz sich zum Generalnenner aller
Werte
aufschwinge, höhle es den Kern der Dinge, ihre Unvergleichbarkeit aus. Am Ende stehe das moderne Individuum vor dem
Dilemma
, dass die Versachlichung des Lebens es zwar aus alten Bindungen gelöst habe, dass es sich aber der neu gewonnenen
Freiheit
nicht zu erfreuen wisse.
Analog zu bisherigen Religionen, die Sicherheit, Lebenssinn und Versprechen für die Zukunft gegeben haben, kann in der Moderne die Geldwirtschaft als neue
Religion
bezeichnet werden, die alle sozialen und individuellen Beziehungen berührt und auch die menschlichen Gefühle beherrscht. Als alternative Lebensentwürfe jenseits von dogmatisch
machtvoller
traditioneller Religion und Geldbeziehungen sah Simmel diejenigen des antiken bedürfnisarmen
Kynikers
Diogenes
und des mittelalterlichen – einstmals reichen, dann in freiwilliger Armut lebenden –
Franz von Assisi
an.
Ästhetik
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Neben seinen von kunsthistorischem bzw. literarischem Interesse geprägten Aufsätzen etwa zu
Rembrandt van Rijn
Johann Wolfgang von Goethe
oder
Auguste Rodin
hat Simmel mit seinen kulturtheoretischen Schriften implizit auch eine ästhetische Theorie formuliert. Einem von
Hannes Böhringer
gegebenen Hinweis folgend, hat der Kulturwissenschaftler
Oliver Schwerdt
gezeigt, dass Simmels
Philosophie des Geldes
systematisch auf eine Analyse künstlerischer Werke des
Dadaismus
angewendet werden kann. Die von der modernen, geldwirtschaftlich geprägten Lebenswelt erzeugte Indifferenz der Dinge wird so in Dokumenten relativistischer Kunst im ästhetisch prägnanten Sinne erfahrbar.
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Nachlass und Ehrungen
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Berliner Gedenktafel
an Simmels Wohnhaus in
Berlin-Westend
Es existiert kein kompletter Nachlass der Schriften, Vorlesungen und Briefe von Georg Simmel. Allerdings befindet sich im
Universitätsarchiv Bielefeld
ein unechter, angereicherter Nachlass, der von
Otthein Rammstedt
zusammengestellt wurde. Dieser besteht neben Originalen von Manuskripten und Texten Simmels vor allem aus Kopien verschiedenster
Provenienz
Weiterhin befinden sich in Bielefeld Unterlagen zur Georg-Simmel-Gesellschaft und zur Georg-Simmel-Gesamtausgabe.
Am 19. August 1988 enthüllte der Bürgermeister von Berlin am ehemaligen Wohnhaus der Familie Simmel, Nussbaumallee 14 in Berlin-Westend, eine Berliner Gedenktafel in KPM-Porzellan. Nach Umbauarbeiten am Haus war die Tafel 2013 nicht auffindbar. Inzwischen ist sie, in restaurierter Form am alten Ort, wieder angebracht.
2005 wurde an der Humboldt-Universität Berlin das Georg Simmel Zentrum für Metropolenforschung (GSZ) gegründet.
Zum 100. Todestag Georg Simmels erschien bei Suhrkamp ein fast 1000-seitiger Arbeitsband mit neuen Beiträgen von mehr als 80 Wissenschaftlern zu dessen Schriften inklusive sechs Essays.
20
Ein weiteres Handbuch erschien 2021.
Hans-Peter Müller
Tilman Reitz
(Hrsg.):
Simmel-Handbuch. Begriffe, Hauptwerke, Aktualität, Suhrkamp Verlag
, Berlin 2018, 960 Seiten,
ISBN 978-3-518-29851-0
Jörn Bohr,
Gerald Hartung
, Heike Koenig, Tim-Florian Steinbach (Hrsg.):
Simmel-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung
. Berlin/Heidelberg: J. B. Metzler, Part of Springer Nature 2021.
Siehe auch
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Objektiver Geist
Exkurs über den Fremden
, über das gleichnamige Kapitel aus
Soziologie
(1908)
Der Streit
, über das gleichnamige Kapitel aus
Soziologie
Werke
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Das Wesen der Materie nach Kant’s Physischer Monadologie
(1881)
Zur Psychologie der Frauen
(1890) –
Volltext bei DigBib.Org
(PDF)
Über sociale Differenzierung
(1890) –
Volltext bei DigBib.Org
Digitalisat und Volltext
im
Deutschen Textarchiv
Die Probleme der Geschichtsphilosophie
(1892; 2. Fassung 1905/1907) –
archive.org
Einleitung in die Moralwissenschaft
(1892/93) –
Volltext bei socio.ch
Philosophie des Geldes
(1900) –
Digitalisat und Volltext
im
Deutschen Textarchiv
2. Aufl. 1907 – Digitalisat unter:
urn
nbn:de:s2w-8029
Volltext bei DigBib.Org
(PDF; 1,1
MB)
4. Aufl. 1922 –
Faksimiles vom Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Uni Köln
(dort nach Suche nicht mehr auffindbar)
Zur Psychologie der Scham
(1901) –
books.google.at
Stefan George
. Eine kunstphilosophische Betrachtung. In:
Die Zukunft
, 26. Februar, Bd. 22 (1898), S. 386–396.
Digitalisat und Volltext
im
Deutschen Textarchiv
Stefan George. Eine kunstphilosophische Studie
(1901)
Digitalisat und Volltext
im
Deutschen Textarchiv
Die Großstädte und das Geistesleben
(1903)
Kant. Sechzehn Vorlesungen
(1904);
Textarchiv
– Internet Archive
Philosophie der Mode
(1905)
Kant und Goethe
. Zur Geschichte der modernen Weltanschauung (1906, überarb. 1916)
Volltext der 3. Auflage 1916
Memento
vom 25. Juli 2009 im
Internet Archive
Die Religion
(1906, überarb. 1912) –
Volltext
(PDF; 114
kB) DigBib.Org
Schopenhauer und Nietzsche. Ein Vortragszyklus.
(1907)
Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung
(1908); 7. Auflage 2013, Verlag Duncker & Humblot Berlin, Print
ISBN 978-3-428-13725-1
, E-Book
ISBN 978-3-428-53725-9
, Print & E-Book
ISBN 978-3-428-83725-0
archive.org
– darin das für die
Konfliktsoziologie
später bedeutsame Kapitel
Der Streit
sowie der klassische Text der
Migrationssoziologie
Exkurs über den Fremden
Hauptprobleme der Philosophie
Göschen, Leipzig (Reihe: Sammlung Göschen) (1910)
Philosophische Kultur. Gesammelte Essais
Klinkhardt, Leipzig (1911)
Goethe
(1913) –
archive.org
Deutschlands innere Wandlung. Rede gehalten im Saal der Aubette zu Straßburg am 7. November 1914.
Trübner, Straßburg (1914)
Das Problem der historischen Zeit
. Reuther & Reichard, Berlin (1916) –
archive.org
Rembrandt. Ein kunstphilosophischer Versuch
(1916);
Textarchiv
– Internet Archive
Der Krieg und die geistigen Entscheidungen. Reden und Aufsätze
. Duncker & Humblot, München/Leipzig (1917)
Grundfragen der Soziologie
(1917) –
archive.org
Vom Wesen des historischen Verstehens.
Mittler, Berlin (1918) –
dnb.de
Lebensanschauung. Vier metaphysische Kapitel.
(1918)
Der Konflikt der modernen Kultur. Ein Vortrag.
Duncker & Humblot, München/Leipzig (1918)
Fragmente und Aufsätze. Aus dem Nachlaß und Veröffentlichungen der letzten Jahre
. Hrsg. von
Gertrud Kantorowicz
. Drei Masken Verlag, München (1923)
Im Suhrkamp Verlag erschien in den Jahren von 1989 bis 2016 eine
Gesamtausgabe
unter der Federführung von
Otthein Rammstedt
. Alexander Cammann nannte sie anlässlich ihrer Vollendung ein großartiges Beispiel der Großeditionsprojekte, „jener geisteswissenschaftlichen
Königsdisziplin
, die vor sich hin staubende Gedanken und vergessene Zusammenhänge ans Licht bringt“.
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Gesamtausgabe in 24 Bänden, herausgegeben von Otthein Rammstedt, Suhrkamp, Frankfurt am Main / Berlin 1989–2016.
Überblick über den Editionsplan
Einzelbände
Lehrveranstaltungen
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Als Privatdozent für Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin:
Sociologie
(1897/98)
Logik und Erkenntnislehre
(mit Darstellung der Kantischen Theorien) (1898)
Logik und Erkenntnistheorie
(mit Darstellung der Hauptlehren Kants) (1899)
Sociologie
(mit Besonderer Berücksichtigung der Staatsformen) (1899/1900)
Als außerordentlicher Professor für Philosophie an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin:
Formprobleme der Kunst
(1902)
Philosophie des 19. Jahrhunderts (von Fichte bis Nietzsche)
(1902/1903)
Philosophie des 19. Jahrhunderts (Von Fichte bis Nietzsche)
(1903/1904)
Allgemeine Geschichte der Philosophie
(1904)
Ethik und Prinzipien der philosophischen Weltanschauung
(1905/1906)
Einleitung in die Philosophie, mit Berücksichtigung der Philosophie der Gesellschaft und der Geschichte
(1906)
Philosophie der Kultur
(1906/1907)
Literatur
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Philosophiebibliographie: Georg Simmel
– Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema
nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet
Franz Beitzinger; Winfried Gebhardt:
SIMMEL, Georg.
In:
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
(BBKL). Band 10, Bautz, Herzberg 1995,
ISBN 3-88309-062-X
, Sp. 369–385
Artikel/Artikelanfang im Internet-Archive
Jörn Bohr,
Gerald Hartung
, Heike Koenig, Tim-Florian Steinbach (Hrsg.): Simmel-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Berlin/Heidelberg: J. B. Metzler, Part of Springer Nature 2021.
Paschen von Flotow:
Geld, Wirtschaft und Gesellschaft. Georg Simmels Philosophie des Geldes
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Wikiquote: Georg Simmel
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Wikisource: Georg Simmel
– Quellen und Volltexte
Wikibooks: Georg Simmel
– Lern- und Lehrmaterialien
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Werke von und über
Georg Simmel
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Normdaten
(Person):
GND
118614436
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AKS
LCCN
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NDL
00456621
VIAF
39384262
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Personendaten
NAME
Simmel, Georg
KURZBESCHREIBUNG
deutscher Philosoph und Soziologe
GEBURTSDATUM
1. März 1858
GEBURTSORT
Berlin
STERBEDATUM
26. September 1918
STERBEORT
Straßburg
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Hochschullehrer (Universität Straßburg)
Vertreter des Pragmatismus
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Geboren 1858
Gestorben 1918
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