Gustav Stresemann – Wikipedia
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Gustav Stresemann (1925)
Gustav Ernst Stresemann
(*
10. Mai
1878
in
Berlin
; †
3. Oktober
1929
ebenda) war ein
deutscher
Politiker
und Staatsmann der
Weimarer Republik
, der 1923
Reichskanzler
und danach bis zu seinem Tod
Reichsminister des Auswärtigen
war. Er trug zur Verbesserung der Beziehung mit Frankreich bei. 1926 erhielt er zusammen mit seinem französischen Amtskollegen
Aristide Briand
den
Friedensnobelpreis
Stresemann begann als
industrieller Interessenvertreter
, war ab 1917 Partei- und Fraktionsvorsitzender der
Nationalliberalen Partei
und nach der
Novemberrevolution
und der Gründung der
DVP
deren Parteivorsitzender. In seine kurze Zeit als Reichskanzler im Krisenjahr 1923 fallen das Ende des
Ruhrkampfes
, Umsturzversuche der extremen Rechten und Linken sowie die Stabilisierung der deutschen Währung. Als Außenminister in unterschiedlichen
Kabinetten
hat er insbesondere zur Normalisierung der Beziehungen zu Frankreich beigetragen. Stresemanns Ziel war, die außenpolitische Isolation Deutschlands zu beenden und eine friedliche
Revision
des
Versailler Vertrages
zu erreichen. Maßgeblich war seine Mitwirkung unter anderem 1924 beim Zustandekommen des
Dawes-Plans
und bei den Verträgen, die während der
Locarno-Konferenz
1925 abgeschlossen wurden. Dies trug zur Aufnahme des Deutschen Reiches in den
Völkerbund
1926 bei.
Leben
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Frühe Jahre
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Als einziges von acht Kindern des Berliner Bierhändlers und Gastwirts Ernst Stresemann und dessen Frau Mathilde Stresemann, geborene Juhre, konnte Gustav Stresemann das
Gymnasium „Am Weißen Turm“
in
Berlin-Friedrichshain
besuchen. Dort interessierte er sich besonders für das Fach Geschichte und die Biografien von Persönlichkeiten wie
Napoleon
oder
Goethe
. Als Berufswunsch gab er in seinem Abiturlebenslauf
Journalist
oder
Privatdozent
an. Tatsächlich veröffentlichte er noch als Primaner in der freisinnigen
Dresdner Volks-Zeitung
eine Reihe von Beiträgen unter dem Titel „Berliner Briefe“ und einige weitere. Dabei verschwieg er gegenüber der Zeitung sein wahres Alter und gab sich als langjähriges Mitglied der
Freisinnigen Volkspartei
aus. Im damals noch linksliberalen Sinn kritisierte er verschiedene politische Zeiterscheinungen wie die
Flottenrüstung
, die er später selbst befürwortete.
Er war wegen gesundheitlicher Probleme vom Militärdienst befreit. Nach bestandenem Abitur 1897 studierte Stresemann von 1898 bis 1901 zunächst in
Berlin
und dann in
Leipzig
anfangs Literatur und Geschichte und dann
Nationalökonomie
. Er wurde dabei vor allem durch den Staatswissenschaftler
Karl Theodor Reinhold
geprägt.
Stresemann war Mitglied der
Reformburschenschaften
Neogermania Berlin
(1897)
, Suevia Leipzig (1898) und später Ehrenmitglied der
Burschenschaften
Normannia Heidelberg
, Arminia Dresden, Rhenomarchia Münster, Alemannia Köln, Palatia Tübingen und Cheruscia Königsberg im
Allgemeinen Deutschen Burschenbund
(ADB).
In seiner aktiven Zeit als
Burschenschafter
bekannte sich aber zu den liberalen Ideen von
1848/1849
. Er lehnte den dort weit verbreiteten
Antisemitismus
und auch die
Mensur
ab. Trotzdem focht er zwei Mensuren und trug dabei
Schmisse
im Gesicht davon. Stresemann war Mitarbeiter der
Allgemeinen Deutschen Universitäts-Zeitung
. 1898 organisierte er wesentlich den
Bundestag des ADB
in
Frankenhausen
mit. Er wandte sich dabei strikt gegen Versuche insbesondere von
Paul Lensch
, eine Annäherung der Burschenschaften an die Sozialdemokraten zustande zu bringen. Später übernahm er die redaktionelle Verantwortung für die
Allgemeine Deutsche Universitäts-Zeitung
1901 beendete er sein Studium mit einer
Promotion
bei
Karl Bücher
über das Thema „Die Entwicklung des Berliner
Flaschenbiergeschäfts
“.
Stresemanns Vater war Besitzer einer kleinen Berliner Kneipe, einer „
Budike
“, und einer Flaschenbier
abfüllanlage
. Der elterliche Betrieb befand sich in Berlin-
Luisenstadt
im heutigen Bezirk Mitte an der
Köpenicker Straße
. Neben dem Studium einschlägiger Literatur untersuchte Stresemann durch eine Umfrage empirisch die Lage der
Bierverleger
Verbandsvertreter
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Von 1901 bis 1904 arbeitete Stresemann als
Interessenvertreter
und Rechtsberater in der Position eines Assistenten beim
Verband deutscher Schokoladenfabrikanten
in Dresden und bewies dort erhebliches Geschick. Die Schokoladenindustrie spielte in Dresden, wo er nun lebte, eine wichtige Rolle. Sie war als Luxusindustrie allerdings in hohem Maß konjunkturabhängig. In seinem neuen Beruf wurde er besonders mit den sozialpolitischen Forderungen der Arbeiter konfrontiert. Ihm gelang es, unter den unterschiedlich strukturierten Mitgliedsunternehmen einen Interessenausgleich herbeizuführen. Es kam auf seine Initiative hin zu einer Verständigung über einen Mindestpreis für die Produkte. Erst nach dem Ausscheiden Stresemanns endete diese Absprache und führte 1906 zu einem langen Preiskampf. Um die Abhängigkeit von Zulieferern zu begrenzen, schlug er mit Erfolg den Bau einer eigenen Zuckerfabrik außerhalb des Zuckerkartells vor. Bemerkenswert ist, dass Stresemann als einer der ersten Verbandsvertreter systematische
Pressearbeit
betrieb.
Verlobungsanzeige von Käte Kleefeld und Gustav Stresemann
Stresemann kurz vor seinem Tod mit Ehefrau Käte und Sohn Wolfgang (September 1929)
Am 20. Oktober 1903 heirateten Stresemann und
Käte Kleefeld
(1883–1970) in der
Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
in Berlin. Das Ehepaar hatte zwei Söhne:
Wolfgang
(1904–1998) und Joachim Stresemann (1908–1999). Käte war die Schwester seines
Bundesbruders
Kurt Kleefeld
aus der Leipziger Burschenschaft Suevia. Sie spielte eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben Berlins in den
1920er
Jahren. Die jüdische Herkunft seiner evangelischen Frau brachte Stresemann in der Weimarer Republik zahlreiche Anfeindungen ein.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts dominierte in der öffentlichen Wahrnehmung neben der Landwirtschaft mit dem
Bund der Landwirte
die Schwerindustrie mit dem
Zentralverband der deutschen Industriellen
. Die Fertigwaren- und Exportindustrie war dagegen weniger gut organisiert. Ihr Verband war der
Bund der Industriellen
(BdI). Dort gewann Stresemann bald Einfluss. 1902 wurde er Geschäftsführer des Bezirksvereins Dresden/Bautzen des BdI. Im selben Jahr wurde auf Stresemanns Anregung der
Verband sächsischer Industrieller
gegründet. In diesen trat er als
Syndikus
ein. Diese Position nahm er bis 1919 hauptberuflich wahr. Bei der Gründung umfasste der Verband lediglich 180 Unternehmen. Zehn Jahre später waren es 5000 Betriebe, die zusammen mehr als eine halbe Million Arbeiter und Angestellte beschäftigten. Stresemann war damit der Sprecher eines der bedeutendsten regional organisierten Wirtschaftsverbände in Deutschland.
Die Erfahrungen mit dem
Textilarbeiterstreik
1903/1904 in
Crimmitschau
ließen Stresemann 1904 für eine Versöhnung der Wirtschaftspartner und die Gründung eines zentralen
Arbeitgeberverbandes
eintreten.
Politische Anfänge
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Stresemann begann seine politische Karriere zunächst in
Friedrich Naumanns
Nationalsozialem Verein
, in dem er seit Juli 1901 als stellvertretender Vorsitzender des
Dresdner
Ortsvereins
fungierte.
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Im Zuge der Auflösung des Vereins trat er 1903 der
Nationalliberalen Partei
bei, für die er 1906 in den Dresdner
Stadtrat
gewählt wurde. Anfangs trat er, etwa beim Parteitag 1906 in Goslar, als Kritiker der bisherigen Parteilinie auf. Er kritisierte, noch beeinflusst vom Gedankengut Naumanns, die regierungshörige Politik der Partei und sprach sich für eine Öffnung der
Honoratiorenpartei
in Richtung der Handwerker und Arbeiter aus.
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Er kandidierte 1907 für den Wahlkreis
Annaberg
, profitierte bei der sogenannten
Hottentottenwahl
von der nationalistischen Erregung und schürte sie in Wahlreden, in denen er als überzeugter Vertreter der Flottenpolitik und
Kolonialpolitik
auftrat. Stimmen bekam er auch von den Anhängern der Freisinnigen und der Konservativen. Es gelang ihm, den Wahlkreis vom bisherigen SPD-Abgeordneten
Ernst Grenz
zu gewinnen. Er zog als jüngster Abgeordneter in den
Deutschen Reichstag
ein.
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Stresemann galt als Kronprinz seines politischen
Mentors
Ernst Bassermann
. Auch privat standen sich die Familien nahe und verbrachten trotz des Altersunterschiedes mehrfach den Urlaub miteinander. In seinen ersten Reden sprach er sich bei fortbestehender Gegnerschaft gegen Sozialdemokraten für die freie Organisation der Gewerkschaften und für
Tarifautonomie
aus. In
sozialpolitischer
Hinsicht engagierte sich Stresemann intensiv für die Interessen der Angestellten, nicht zuletzt, weil er in dieser wachsenden Gruppe ein wichtiges Wählerpotenzial sah. Gleichzeitig blieb er wirtschaftspolitisch Vertreter des Mittelstandes und des produzierenden Gewerbes. Er vertrat eine aggressive außenpolitische Linie nach der Art
Wilhelms II.
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Als begeisterter Anhänger der Flottenpolitik gehörte er dem
Deutschen Flottenverein
an und war Mitglied des sächsischen Landesausschusses der Organisation.
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Zudem war er Mitglied der
Deutschen Kolonialgesellschaft
1908 kam es zu parteiinternen Konflikten. Dabei standen sich insbesondere die Vertreter der
Schwerindustrie
und die des verarbeitenden Gewerbes gegenüber. Stresemann plante, gegen den Zentralverband der deutschen Industriellen eine Zentralstelle der deutschen Industrie zu schaffen. Dieser Plan scheiterte zwar, aber Stresemann spielte als Vertreter des sächsischen Industriellenverbandes eine führende Rolle bei der Gründung des
Hansabundes
. Auch an der Gründung des
Deutschen Bauernbundes
als Gegenorganisation zum konservativen Bund der Landwirte war Stresemann beteiligt.
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Seine Unterstützung von Sozialmaßnahmen brachte ihn häufiger in Konflikt mit dem rechten Flügel seiner Partei, der von Angehörigen der Schwerindustrie dominiert wurde. Dieser Flügel verhinderte 1912 seine Wiederwahl in den Parteivorstand. Allerdings machte eine Vertreterversammlung dies kurze Zeit später rückgängig. Bei der
Reichstagswahl im Januar 1912
verlor er seinen Sitz im Reichstag. Er konzentrierte sich danach auf die Verbandsarbeit. Er wurde Vorsitzender des Angestelltenausschusses des Hansabundes und Präsidiumsmitglied des
BdI
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Auf Einladung des internationalen Handelskammerkongresses in Boston unternahm Stresemann 1912 zusammen mit anderen Wirtschaftsexperten eine Studienreise in die
Vereinigten Staaten
und nach
Kanada
1913 kandidierte er vergeblich in einer Nachwahl im Wahlkreis
Reuß älterer Linie
gegen den Sozialdemokraten
Max Cohen
und den Antisemiten
Wilhelm Lattmann
. Stresemann wurde 1914 in einer Nachwahl im
ostfriesischen
Wahlkreis
Wittmund
Aurich
erneut in den Reichstag gewählt, dem er mit kurzer Unterbrechung 1918/1919 bis zu seinem Tod angehörte.
Zusammen mit dem Reeder
Albert Ballin
saß Stresemann im deutschen Organisationskomitee für die Weltausstellung 1913 in
San Francisco
. Gemeinsam planten beide die Gründung einer Deutschen Gesellschaft für Welthandel, stießen damit aber auf den Widerstand etwa
Alfred Hugenbergs
. Schließlich blieb von den Plänen die Gründung des
Deutsch-Amerikanischen Wirtschaftsverbandes
1914 übrig.
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Stresemann erhielt den gut bezahlten Posten eines geschäftsführenden Präsidiumsmitgliedes, den er fast ein Jahrzehnt – bis zur Übernahme der Kanzlerschaft – innehatte. In dieser Zeit führte Stresemann in deren Verbandsräumen auch sein Privatsekretariat.
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Erster Weltkrieg
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Im
Ersten Weltkrieg
gehörte Stresemann zu den „Annexionisten“, die durch
Gebietserwerbungen
im Osten, Westen und in den
Kolonien Deutschlands
Macht vergrößern wollten, unter anderem mit
Calais
als dem „deutschen
Gibraltar
“. Als Hauptfeind sah er Großbritannien an, das eine Allianz gegen Deutschland geschmiedet habe. Die Gebietserwerbungen sollten Deutschlands Sicherheit vergrößern. Stresemanns Unterstützung der Heeresleitung unter Ludendorff
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entfremdete ihn von den Mitte-links-Parteien und wurde ihm noch nach dem Krieg vorgeworfen.
Matthias Erzberger
vom linken Flügel des
Zentrums
war seit 1916/17 vom Annexionisten zum Befürworter eines
Verständigungsfriedens
geworden. Stresemann hingegen blieb bis Kriegsende bei seiner Position, allein schon um den Kampfeswillen des Volkes aufrechtzuerhalten. Er setzte sich auch für den uneingeschränkten
U-Boot-Krieg
ein, um Großbritannien dazu zu bewegen, einen für Deutschland günstigen Frieden abzuschließen.
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Eine ähnliche Haltung zeigte sich auf seiner Balkanreise 1916 im Hinblick auf den
Völkermord an den Armeniern
Wolfgang G. Schwanitz
verweist darauf, dass Stresemann in seinem Tagebuch nach einem Gespräch mit
Enver Pascha
eine „Armenier-Verminderung 1–1½ Millionen“ vermerkte.
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Trieb seine außenpolitische Haltung Stresemann zu den Konservativen, so neigte er innenpolitisch zu den Parteien, die später die
Weimarer Koalition
ausmachten (
SPD
Deutsche Zentrumspartei
, Linksliberale). Mit einer Reform der Verfassung sollte aus Deutschland eine parlamentarische Monarchie werden. Anfangs folgte er aus taktischen Gründen seinem Parteivorsitzenden Bassermann, der größere Verfassungsänderungen erst nach Kriegsende sehen wollte.
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Im März 1917 drängte die SPD unter dem Eindruck der
Februarrevolution
in Russland auf Reformen – sie werde sonst die
Kriegskredite
nicht mehr bewilligen. Stresemann vertrat nun in der uneinigen Nationalliberalen Partei den Kurs baldiger Reformen schon vor Kriegsende. Er versuchte, seinen Fraktionskollegen den Schwenk schmackhaft zu machen, indem er darauf hinwies, dass dies wohl die letzte Möglichkeit sei, in
Preußen
das allgemeine Wahlrecht abzuwenden und das
Dreiklassenwahlrecht
nur durch ein
Zensuswahlrecht
abzuschaffen.
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Im Reichstag sagte er, das politische Zurückbleiben Deutschlands in den vergangenen Jahrzehnten habe mit einem Fehler im politischen System zu tun gehabt. Alle öffentlichen Posten sollten allein nach der Leistung vergeben werden, und mit einer Reform des preußischen Wahlrechts solle das künftige Verhältnis zur SPD verbessert werden. Als der erkrankte Bassermann meinte, Stresemann sei zu weit gegangen, antwortete dieser in einem langen Brief, Deutschland und Österreich seien die letzten Länder auf der Welt, die ihrem Monarchen einen so großen Einfluss zugeständen. Es könne nicht sein, dass
der Kaiser
nach eigenem Gutdünken einen Kanzler einsetzen dürfe. Man brauche nicht gleich an ein vollständig parlamentarisiertes Regierungssystem zu denken, aber der Reichstag müsse die Macht haben, einen
Reichskanzler
zum Rücktritt zu zwingen.
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Stresemann gelang es, erzürnte rechtsgerichtete Mitglieder seiner Partei durch Gespräche auf eine einheitliche Parteilinie zu bringen. Doch den erkrankten Bassermann ersetzte provisorisch erst Prinz
Heinrich zu Schoenaich-Carolath
, mit Stresemann als einem von drei Stellvertretern. Der debattenstarke Stresemann wurde aber bereits als natürlicher Nachfolger in der Führung gesehen.
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Bassermann starb im Juli. Im September, als der Reichstag wieder tagte, wurde Stresemann Fraktionsvorsitzender. Den Parteivorsitz übernahm der rechtsgerichtete, 66-jährige Vorsitzende der preußischen Landtagsfraktion,
Robert Friedberg
; der 39-jährige Stresemann wurde sein Stellvertreter.
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Der Kanzlerwechsel vom Beamten
Georg Michaelis
zum rechten Zentrumsmann
Georg von Hertling
im November 1917 rückte die Nationalliberale Partei enger an die Mitte-links-Parteien heran. Stresemann überredete Friedberg, stellvertretender preußischer Ministerpräsident zu werden, damit dieser für die Reform des preußischen Wahlrechts verantwortlich sei und auch der rechte Flügel der Nationalliberalen der Reform eine Mehrheit geben würde. Stresemanns vehementer Einsatz für das gleiche Wahlrecht in Preußen brachte zwar eine Mehrheit bei den Nationalliberalen, nicht aber eine Mehrheit im Landtag insgesamt zustande.
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Freilich gelang es ihm auf der entscheidenderen Reichsebene mit einer die Mehrheit bildenden Parteienkoalition, einen Antrag für das gleiche Wahlrecht zu stellen, das auch das
Frauenwahlrecht
implizierte. Wegen der ausbrechenden Revolution kam der Antrag nicht mehr zur Behandlung.
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Novemberrevolution und Republikgründung
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Seit November 1918 befand sich Stresemann in der Opposition und fühlte sich nach rechts gedrängt. Als Demokraten ihm die
Illusionen
eines „Siegfriedens“ und von
Annexionen
vorwarfen, antwortete er, jede Partei habe im Krieg Politiker gehabt, die die eine oder andere Annexion gefordert hätten, und die Illusionen eines günstigen
Wilson
-Friedens durch den Bruch mit der Tradition hätten sich als die größeren erwiesen. Seine Überzeugung lautete, wenn es keine
Novemberrevolution
gegeben hätte, hätte die Armee zwar keinen Sieg, aber einen günstigeren Frieden erkämpfen können. Die Familie Stresemann hatte vor 1918 ihre sommerlichen Sandburgen beim Strandurlaub mit den Farben der 1848er-Revolution geschmückt (also
Schwarz-Rot-Gold
) und so nahm sie seither
Schwarz-Weiß-Rot
mit.
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Nach dem Krieg gab es Bestrebungen, beide liberalen Parteien (
Fortschrittliche Volkspartei
und
Nationalliberale Partei
) als Gegengewicht zum Sozialismus in
einer
großen liberalen Partei aufgehen zu lassen. Stresemann war skeptisch, er glaubte an eine nationalliberale Partei, die zusammen mit dem Zentrum die Balance zwischen Sozialdemokraten und Fortschrittlern einerseits und Konservativen andererseits ausmachen würde. Besonders die neu auftretende Gruppe unter
Theodor Wolff
, die Demokraten, lehnte er ab.
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Am 15. November wurden dennoch ein Wahlbündnis mit den Fortschrittlern und eine spätere Fusion vereinbart. Die Fortschrittler wollten die Demokraten in der Fusion sehen, um keine Konkurrenz auf der Linken entstehen zu lassen, und Stresemann musste auch dies akzeptieren. Am 18. November jedoch, auf einem gemeinsamen Treffen, forderte
Alfred Weber
für die Demokraten, dass wenigstens der rechte Flügel der Nationalliberalen draußen bleiben müsse. Bei der Gründung der
Deutschen Demokratischen Partei
(DDP) am 20. November waren die meisten Fortschrittler und vier nationalliberale Abgeordnete dabei. Dem stellten Stresemann und Friedberg zwei Tage später eine neue
Deutsche Volkspartei
(DVP) gegenüber, obwohl die meisten nationalliberalen Gliederungen sich die Einheit wünschten. Auch Spendengelder aus der Geschäftswelt wurden von der Einheit abhängig gemacht. Im Laufe einiger Wochen fand sich jedoch Unterstützung für Stresemann, nachdem die Demokraten den rechten Nationalliberalen Friedberg zu einer Art Kapitulation gezwungen hatten. Am 15. Dezember wurde die DVP offiziell gegründet. Stresemann wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt.
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Für die Teilung des Liberalismus machten die Demokraten in der Folge Stresemann verantwortlich, der auf seine Führungsrolle nicht verzichten wollte. Stresemann wiederum sah darüber hinaus fundamentale politische Unterschiede zwischen den auf Tradition bedachten Nationalliberalen und dem linken Flügel der Demokraten, und die Wahlen von 1920, als die DVP stärker wurde als die DDP, konnte er als Bestätigung seiner Haltung sehen. Er meinte auch, eine Einheitspartei wäre im Laufe der Zeit sowieso zerfallen, und viele Nationalliberale wären nach weiter rechts abgewandert.
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Anfangsjahre der Weimarer Republik
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Die in
Versailles
beschlossene
Friedensordnung
lehnte Stresemann ab. Er sah in diesem Vertrag die Entehrung Deutschlands. Aber die moralische Komponente des Vertrages wog für ihn weniger schwer als die wirtschaftlichen und territorialen Konsequenzen. Bezüglich der neuen deutschen Ostgrenzen waren es Zweifel an der historischen Richtigkeit und sicherheitspolitische Überlegungen gegenüber Polen, die ihn zum Gegner der Regelungen werden ließen. Obwohl Stresemann den Versailler Vertrag ablehnte, war er nicht bereit, die Verantwortung für eine Ablehnung dieses Vertrages zu übernehmen, die unzweifelhaft eine militärische Intervention der
Alliierten
nach sich gezogen hätte. Er kam zu der Einsicht, dass die Wahrung und Durchsetzung deutscher Interessen nicht gegen, sondern nur auf der Grundlage der neuen Friedensordnung zu erreichen waren. Als Mitglied der
Weimarer Nationalversammlung
und des
Reichstages
betrieb er die sogenannte „
Realpolitik
“ und trat, wie er später selbst sagte, aus Vernunftgründen für die Republik ein.
Bereits im wilhelminischen Deutschland dienten Stresemanns wirtschaftspolitische Einsichten als Ausgangspunkt außenpolitischer Überlegungen. Die verbliebene deutsche Wirtschaftskraft nach 1918 begriff er als einzige Deutschland noch zur Verfügung stehende Machtquelle.
Reparationsprobleme
, Ostgrenzen und
Rheinlandfrage
, all dies stand seiner Meinung nach in
wechselseitigen Abhängigkeiten
. Eine Verbesserung der deutschen Lage wollte er durch eine Verständigung mit den Westmächten, insbesondere mit Frankreich, suchen.
Obwohl Stresemann keine konkrete Kenntnis der Pläne des
Kapp-Putsches
im März 1920 unterstellt werden kann, gelang es ihm, von diesem unter anderem durch seine Vermittlungsbemühungen politisch zu profitieren. Von der republikanischen Linken wurde sein Verhalten während der Krise im Nachhinein als opportunistisch kritisiert.
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Nach der
Reichstagswahl 1920
, in der der DVP ein Sprung von 22 Sitzen in der Nationalversammlung auf 65 Sitze im Reichstag gelang, beteiligte sich die bisher republikskeptische Oppositionspartei an der vom
Zentrum
angeführten
Minderheitsregierung Fehrenbach
, der die
SPD
als nur tolerierende Kraft nicht mehr angehörte. Für Stresemann selbst blieb kein Ministerposten übrig, dafür übernahm er zusätzlich zum Partei- auch den Fraktionsvorsitz und den Vorsitz des wichtigen Reichstagsausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Nach dem Ausscheiden der DVP aus der Regierung im April 1921 wegen der Reparationsfrage, welches den Sturz der ganzen Regierung nach sich zog, galt Stresemann erstmals als ernsthafter Kanzlerkandidat. Er scheiterte jedoch am parteiinternen Widerstand der Gruppe um
Hugo Stinnes
gegen die Annahme des
alliierten Reparationsultimatums
. Die DVP verblieb in der Folgezeit von 1921 bis 1922 trotz mehrfacher Versuche einer Regierungsbeteiligung in der Opposition, unterstützte aber die wieder von der
Weimarer Koalition
gebildeten Regierungen von
Joseph Wirth
fallweise bei Einzelentscheidungen, so bei der Verabschiedung des
Republikschutzgesetzes
nach der Ermordung von Reichsaußenminister
Walther Rathenau
im Juni 1922.
Der im November 1922 gebildeten
Regierung Cuno
gehörten erstmals wieder zwei DVP-Mitglieder als Fachminister an, ohne dass die Partei sich dadurch zur Unterstützung der Regierung verpflichtet hätte. Die durch den französisch-belgischen Einmarsch im Januar 1923 begonnene
Ruhrbesetzung
und den von der
Regierung Cuno
ausgerufenen
passiven Widerstand
empfand er als Chance, ein neues Bündnis des Bürgertums mit der Arbeiterklasse zu schmieden, das sich letztlich in einer
großen Koalition
niederschlagen würde, die anders als heute nicht wegen der Größe der Parteien, sondern der Anzahl von vier Parteien aus diversen Teilen des politischen Spektrums derart bezeichnet wurde. Als die SPD im August 1923 der Regierung Cuno ihre Unterstützung aufkündigte und ihre Bereitschaft zu einer großen Koalition bekanntgab, war Stresemann der natürliche Kanzlerkandidat. Er selbst hatte zuvor zwar in einem Brief an seine Frau eine Amtsübernahme als „beinahe politische[n] Selbstmord“ bezeichnet, konnte sich aber nun nicht verweigern. Zusätzlich zum Amt des
Reichskanzlers
übernahm Stresemann auch die Leitung des
Auswärtigen Amtes
an der Spitze einer Koalition aus SPD,
DDP
Zentrum
, DVP und
BVP
. Den Fraktionsvorsitz gab er an
Ernst Scholz
ab.
Stresemann nach Übernahme des Reichskanzleramts 1923
Stresemann 1923 mit Journalisten
Im Krisenjahr 1923 schloss sich Stresemann den
Freimaurern
an. Dabei spielte der Berliner Pfarrer
Karl Habicht
eine wichtige Rolle. Habicht war National-Großmeister der
Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“
und Meister vom Stuhl der Loge „Friedrich der Große“. Dieser trat auch Stresemann bei. Als Motiv gab er an: „Schon lange ist es mein Wunsch, in eine engere Beziehung zu einem Kreis gleichgesinnter Menschen zu gelangen, die in unserer an Materialismus, Hast und Unruhe sich zermürbenden Zeit sich das Reich allgemeinen Menschentums, innerer Besinnung und Geistigkeit zu erhalten suchen. Im deutschen Freimaurertum hoffe ich eine solche Gemeinschaft zu finden.“
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Am 1.
Oktober 1924 schrieb
Kurt Tucholsky
Édouard Herriot
, ein Sympathisant der
Paneuropa-Union
, und Stresemann hätten
„sich gleich beim ersten Händedruck erkannt. Herr Gustav Stresemann ist in diesem Jahre Freimaurer geworden, und das ist in Frankreich nicht unbekannt geblieben.“
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In seiner Rede zum Beitritt Deutschlands zum Völkerbund verwendete er freimaurerische Begriffe wie den des
göttlichen Baumeisters der Erde
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Reichskanzlerschaft
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Regierungsbildung
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Während der französischen
Ruhrbesetzung
unterstützte Stresemann zunächst den passiven Widerstand der
Regierung Cuno
. Dieser geriet mit seiner Regierung aber bald von verschiedenen Seiten unter Druck. Die Kommunisten versuchten, ihn mithilfe der sogenannten
Cuno-Streiks
zum Rücktritt zu bewegen. Einflussreiche Sozialdemokraten wie
Rudolf Hilferding
oder
Eduard Bernstein
sprachen sich für eine Große Koalition unter Reichskanzler Stresemann aus. Ebenso plädierte die
Deutsche Allgemeine Zeitung
, die von
Hugo Stinnes
(DVP) kontrolliert wurde, für eine Große Koalition unter Stresemann. Ähnlich äußerten sich Zentrum und DDP. Lediglich die
Bayerische Volkspartei
stand einem Bündnis mit der SPD skeptisch gegenüber. Innerhalb der DVP war dem Unternehmerflügel klar, dass der passive Widerstand gescheitert war und beendet werden müsse. Stinnes wollte das Bündnis mit der SPD auch, weil diese dann mitverantwortlich für die unpopuläre Entscheidung eines Abbruchs des Widerstandes wäre. Hatte die Großindustrie in den vergangenen Jahren von der Inflationsentwicklung durchaus profitiert, war dies während der
Hochinflation
nicht mehr der Fall. Auch für die Stabilisierung der Währung mit zwangsläufigen Belastungen wollten die Industriekreise die SPD in der Regierung haben. Obwohl die SPD die mit Abstand größte Partei in der Koalition war, war sie aus Sorge um den inneren Zusammenhalt nicht bereit, den Reichskanzler zu stellen. So war die Übernahme des Amtes durch Stresemann für alle Beteiligten klar.
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Als dieser am 13. August 1923 das Amt des Reichskanzlers übernahm, war längst offensichtlich, dass der passive Widerstand gegen die Ruhrbesetzung keine Aussicht mehr auf Erfolg hatte. Damit eng verbunden waren der völlige Zusammenbruch der deutschen Währung und die Phase der Hochinflation. Hinzu kam die innenpolitische Radikalisierung. Unklar war auch die Haltung der Reichswehr etwa gegenüber Aufstandsbewegungen von rechts. Insgesamt befand sich die Republik zu diesem Zeitpunkt in der bislang schwersten Krise ihrer Geschichte. Selbst der Zusammenhang der staatlichen Einheit war bedroht.
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Obwohl Stresemann einer großen Koalition mit naturgemäß widerstreitenden Interessen vorsaß, vollzog sich die Regierungsbildung schneller als bei jeder anderen Weimarer Regierung vor der Zeit der
Präsidialkabinette
am Ende der Republik. Die Sozialdemokraten stellten vier Minister (Innenminister
Wilhelm Sollmann
, Finanzminister
Rudolf Hilferding
, Justizminister
Gustav Radbruch
, Wiederaufbauminister und Vizekanzler
Robert Schmidt
). Aus dem Zentrum gingen drei Minister hervor (Arbeitsminister
Heinrich Brauns
, Postminister
Anton Höfle
, Minister für die besetzten Gebiete
Johannes Fuchs
). Die DDP stellte zwei Minister (Reichswehrminister
Otto Geßler
, Verkehrsminister
Rudolf Oeser
). Stresemann selbst übernahm das Außenministerium. Ebenfalls von der DVP war Wirtschaftsminister
Hans von Raumer
. Der parteilose
Hans Luther
blieb Ernährungsminister.
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In seiner Regierungserklärung vom 14. August 1923 plädierte Stresemann für den „Zusammenschluss aller den verfassungsmäßigen Staatsgedanken bejahenden Kräfte“. In der anschließenden Abstimmung sprachen sich von 342 anwesenden Reichstagsmitgliedern 239 für die neue Regierung aus. 76 stimmten mit Nein und 24 enthielten sich. Aber von Anfang an gab es selbst in den Regierungsparteien Gegenkräfte. In der SPD blieben die Abgeordneten aus Sachsen und die meisten ehemaligen Angehörigen der
USPD
der Abstimmung fern. Ebenso verließen einige DVP-Abgeordnete um
Reinhold Quaatz
den Saal vor der Abstimmung.
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Ende des Ruhrkampfes
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Zivilist und französischer Soldat während der Ruhrbesetzung vor dem
Essener Hauptbahnhof
Voraussetzung für die Lösung der Währungsstabilisierung war die Beendigung des Ruhrkampfes, hatten doch die Kosten dafür einen großen Anteil am Zusammenbruch der Mark gehabt. Stresemann selbst überließ die Planungen für die Währungsreform weitgehend Hilferding und dessen Fachleuten im Ministerium. Er selbst kümmerte sich in erster Linie um die Lösung der
Ruhrfrage
. So versuchte er, durch Entgegenkommen in der Frage der Reparationen Gespräche mit den Besatzungsmächten Frankreich und Belgien in Gang zu bringen. Er bot einen Teil der deutschen Wirtschaft als produktives Pfand zur Durchführung der Reparationen an. Abgesehen von einigen eher symbolischen Bedingungen war er bereit, auf den Widerstand zu verzichten, allerdings weigerte sich der französische Ministerpräsident
Raymond Poincaré
strikt, sich auf irgendwelche Bedingungen einzulassen. Als sich die Hoffnungen auf britische Unterstützung zerschlugen, führte für Stresemann kein Weg mehr an einem bedingungslosen Ende des Widerstands vorbei. Am 26. September 1923 wurde der Ruhrkampf offiziell aufgegeben. Die Entscheidung zur Einstellung des Ruhrkampfes wurde von der Öffentlichkeit weitgehend ruhig hingenommen.
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Bayerische Krise
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Schon am 26. September 1923 hatte die bayerische Landesregierung unter
Eugen von Knilling
dem Druck von rechts nachgegeben und den Ausnahmezustand erklärt. Die vollziehende Gewalt wurde
Gustav von Kahr
als „Generalstaatskommissar“ übertragen. Hinter diesem standen rechte Verbände, unter ihnen auch die
NSDAP
. Ihr Ziel war der Sturz der Regierung Stresemann und letztlich das Ende der Republik. Die Reichsregierung reagierte mit der Erklärung des Ausnahmezustandes für das ganze Reich. Die vollziehende Gewalt wurde Reichswehrminister Geßler übertragen. Allerdings suchte die Regierung keine direkte Konfrontation mit Bayern. Stattdessen entwickelte sich ein anhaltender Konflikt zwischen Bayern und dem Reich.
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Ohne Gefahr, in Bayern belangt zu werden, hetzte die NSDAP gegen die „Diktatoren Stresemann-Seeckt“ und verband dies mit antisemitischen Angriffen, da beide mit Frauen mit einem jüdischen Hintergrund verheiratet waren. Die Anweisung von Reichsminister Geßler an Kahr, die Verbreitung dieser Anschuldigungen zu verbieten, befolgte dieser nicht. Auch General
Otto von Lossow
, Kommandeur der Reichswehr in Bayern, weigerte sich. Dies war ein klarer Fall von Befehlsverweigerung. Später ernannte Kahr Lossow sogar zum bayerischen Landeskommandanten und unterstellte die Reichswehreinheiten dem Kommando Bayerns.
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Die von Stresemann befürwortete Reichsexekution gegen Bayern hatte keine Erfolgsaussicht, weil die Reichswehr dazu nicht bereit war. Auch in Berlin gab es zeitweise Bestrebungen aus Kreisen der Industrie, insbesondere von Hugo Stinnes, der Großlandwirtschaft und dem
Alldeutschen Verband
, die Regierung zu stürzen und ein ähnliches Regime wie in Bayern einzusetzen. Auch Stresemann, Ebert und die Regierung dachten über eine Krisenlösung mit diktatorischen Mitteln nach. Selbst führende Sozialdemokraten wie
Carl Severing
und Rudolf Hilferding waren bereit, zum Schutz von Volk und Reich notfalls einige Spielregeln der parlamentarischen Demokratie zeitweise außer Kraft zu setzen.
46
Deutscher Oktober
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Hauptartikel
Deutscher Oktober
Abriegeln einer Straße durch Reichswehr mit gefälltem Bajonett in
Freiberg
in Sachsen
Neben der Gefahr von rechts gab es eine durchaus reale Bedrohung von links. In
Sachsen
traten die kommunistischen paramilitärischen
proletarischen Hundertschaften
immer offener auf. Auch in Thüringen konnten die proletarischen Hundertschaften weitgehend unbehelligt agieren. Die Entscheidung für einen kommunistischen Revolutionsversuch als
Deutscher Oktober
ging indes vom Exekutivkomitee der
Kommunistischen Internationale
aus. Ein erster Schritt in diese Richtung war der Eintritt der
KPD
in die Regierungen von Thüringen und Sachsen, ohne jedoch verfassungsfeindlich wie die Rechten in Bayern zu agieren. Für die Regierung Stresemann schien es aber klar zu sein, dass dies nur ein erster Schritt hin zu einem Umsturz war. Die proletarischen Hundertschaften wurden verboten und die
sächsische Polizei
wurde der Reichswehr unterstellt. Damit waren der KPD ihre potenziell wichtigsten Machtmittel entzogen. Die Aufstandspläne wurden am 21.
Oktober 1923 aufgegeben. Nur in Hamburg kam es zu einem begrenzten Aufstand (
Hamburger Aufstand
). In Sachsen kam es zu einer förmlichen
Reichsexekution
47
Regierungskrise und Ermächtigungsgesetz
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Bereits Anfang Oktober war das Kabinett Stresemann in eine tiefe innere Krise geraten. Hintergrund war, dass die Minister Hilferding und Braun ein
Ermächtigungsgesetz
gefordert hatten, das der Regierung alles in politischer und finanzieller Hinsicht Notwendige gestatten sollte. Insbesondere hielten sie in Übereinstimmung mit den Arbeitgebern und im Gegensatz zu den Arbeitnehmern eine Verlängerung der Arbeitszeit für nötig. Dazu war die SPD-Fraktion indes nicht bereit. Schärfere Kritik an der Regierung Stresemann kam vom Vorsitzenden der DVP-Fraktion,
Ernst Scholz
, der damit auch die Ziele von Hugo Stinnes vertrat. Scholz forderte ein Ende des
Achtstundentages
, einen „Bruch mit Frankreich“ und den Eintritt der DNVP in die Regierung. Nachdem ein Kompromiss in der Arbeitszeitfrage gescheitert war, trat Stresemann zurück.
48
Friedrich Ebert
betraute Stresemann aber erneut mit der Regierungsbildung (die diesem auch gelang:
Kabinett Stresemann II
ab 6. Oktober 1923). Es gelang, einen Kompromiss in der Arbeitszeitfrage zu finden. Der
Achtstundentag
wurde nicht abgeschafft, aber es sollte möglich sein, diesen zu überschreiten. Die SPD stimmte einem Ermächtigungsgesetz zu, das die Arbeitszeitfrage aussparte und bis zum Ende der Koalition Gültigkeit behalten sollte. Auf dieser Grundlage wurden verschiedene Verordnungen erlassen. Darunter waren die höchst umstrittene
Personalabbauverordnung
und die Einführung der staatlichen
Zwangsschlichtung
in Tarifkonflikten.
49
Minderheitskabinett Stresemann
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Stoßtrupp Hitlers (mit
Hakenkreuz-Armbinden
), verhaftete sozialistische Stadträte während des Hitler-Putsches
Unter den Sozialdemokraten war die Empörung über die Ungleichbehandlung der Verhältnisse in Sachsen und Bayern groß. Die SPD-Fraktion verlangte ein energisches Vorgehen gegenüber Bayern. Die Minister aus den bürgerlichen Parteien lehnten dies ab. Daraufhin verließ die SPD die Koalition. Stresemann stand nunmehr einer bürgerlichen
Minderheitsregierung
vor. Kurze Zeit später rückte die Reichswehr auch in Thüringen ein und entwaffnete die proletarischen Hundertschaften. Die Lage eskalierte noch einmal durch den
Hitler-Putsch
vom 9. November 1923. Der Reichspräsident übertrug
von Seeckt
den Oberbefehl über die Reichswehr und die vollziehende Gewalt im Reich. Bereits zuvor war der Putsch zusammengebrochen.
50
Eine Woche nach dem Hitler-Putsch führte das Kabinett Stresemann die
Rentenmark
ein. Mithilfe dieses Provisoriums gelang es, den Kursverfall der deutschen Währung gegenüber dem US-Dollar zu stoppen. Die
Reichsbank
legte einen Umtauschkurs von 1 Billion Papiermark zu 1 Rentenmark fest. Damit war das Wechselkursverhältnis von 4,2 Mark zu einem Dollar, wie es in der Vorkriegszeit bestanden hatte, wiederhergestellt.
51
Bereits seit dem 25. Oktober zeichnete sich ein Wandel der französischen Haltung in der Reparationsfrage ab. Die Vorschläge Poincarés liefen auf den späteren
Dawes-Plan
hinaus. Damit hatte Stresemann bedeutende Fortschritte erzielt. In dieser Situation brachte die SPD am 22. November gegen das Minderheitskabinett Stresemann einen Misstrauensantrag ein, der mit der Ungleichbehandlung von Sachsen und Bayern begründet wurde. Obwohl Stresemann gute Chancen hatte, den Antrag zu überstehen, antwortete er seinerseits mit der Vertrauensfrage. Diese ging gegen ihn aus. Stresemann kommentierte dies gegenüber der ausländischen Presse, dass erstmals in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus eine Regierung in „offener Feldschlacht gefallen sei“.
52
Außenpolitiker
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Siehe auch
Außenpolitik der Weimarer Republik
Ziele
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Stresemann knüpfte mit der Übernahme des Außenministeriums 1923 an den Beginn der
Erfüllungspolitik
von 1921 an. Allerdings waren die außenpolitischen Voraussetzungen günstiger als damals. Zentrale Elemente von Stresemanns Außenpolitik waren die Verständigung mit den Siegermächten des Ersten Weltkrieges auf der einen Seite und die Anerkennung Deutschlands als gleichberechtigten Akteur auf der internationalen Bühne auf der anderen Seite. Voraussetzung für eine angestrebte Veränderung des Versailler Vertrags war zunächst dessen Anerkennung. Von erheblicher Bedeutung für Stresemanns Politik war, dass die USA nach dem Ende des Ruhrkampfes eine wichtige Rolle spielten, um Deutschland international zu integrieren und die gegen Deutschland gerichtete Politik Frankreichs zu begrenzen. Vor diesem Hintergrund bekam der deutsch-amerikanische Handelsvertrag vom Dezember 1923 erhebliche Bedeutung. Dieser sicherte den Vertragsparteien die unbedingte gegenseitige Wechselseitigkeit zu und betonte die Gleichberechtigung Deutschlands im internationalen System.
53
Für Stresemann war klar, dass die Wirtschaft nach dem Ende des Krieges die international einzige verbliebene Kraftquelle Deutschlands war. Diese galt es, sich außenpolitisch nutzbar zu machen. Für ihn waren die internationale Zusammenarbeit und die Verfechtung nationaler Interessen im wirtschaftlichen Bereich kein Widerspruch. Zur Durchsetzung der deutschen Interessen, insbesondere mit dem Ziel der Gleichberechtigung Deutschlands, hielt er Formen internationaler Kooperation für zielführender als nationale Drohgebärden oder gar Krieg.
54
Ob sein letztes Ziel war, Deutschland zu einem verlässlichen Partner in einem friedlichen Europa zu machen oder ihm eine
dominierende Stellung
als
Großmacht
zu geben, ist in der historischen Forschung umstritten.
55
Die Beantwortung dieser Frage hängt unter anderem von der Interpretation des sogenannten Kronprinzenbriefs ab. Am 7. September 1925 erläuterte Stresemann Wilhelm von Preußen den von ihm angestrebten Beitritt zum Völkerbund als Mittel, den Versailler Vertrag zu revidieren:
„Das Wichtigste ist […] das Freiwerden deutschen Landes von fremder Besatzung. Wir müssen den Würger erst vom Halse haben. Deshalb wird die deutsche Politik, wie
Metternich
von Österreich wohl nach 1809 sagte, in dieser Beziehung zunächst darin bestehen müssen, zu finassieren und den großen Entscheidungen auszuweichen.“
Dadurch werde es möglich, den zwölf Millionen
Auslandsdeutschen
besser zu helfen, „die jetzt unter fremdem Joch in fremden Ländern leben“. Außerdem könne man danach eine „Wiedergewinnung von
Danzig
, vom
polnischen Korridor
und eine Korrektur der Grenze in
Oberschlesien
“ sowie den
Anschluss Österreichs
ins Auge fassen.
56
In Frankreich wurde dieser Text lange als Beweis für Stresemanns Großmachtstreben und seine Doppelzüngigkeit gedeutet. Die Historikerin
Annelise Thimme
bekräftigt, dass die umfassende Revision des Versailler Vertrags, einschließlich des Anschlusses, selbstverständliches Ziel aller deutscher Parteien und somit auch Stresemanns gewesen sei. Daher sei es zwangsläufig gewesen, dass die deutsch-französischen Beziehungen über kurz oder lang „schweren Belastungsproben unterworfen werden“ würden.
57
Auch der Völkerrechtler
Walter Poeggel
glaubt, dass der Brief die „wirklichen Ziele, die Deutschland mit seinem Beitritt zum Völkerbund verfolgte“, enthält.
58
Laut dem Historiker
Eberhard Kolb
schrieb Stresemann den Brief aber nicht, um seine wahren Ziele darzulegen, sondern in der innenpolitischen Absicht, über Wilhelm von Preußen auf den neuen Reichspräsidenten
Paul von Hindenburg
und auf die DNVP einzuwirken, die mit ihm in der Regierung saß, aber gegen einen Völkerbundbeitritt Deutschlands Vorbehalte hatte.
59
Da die territorialen Ziele Stresemanns im Osten nicht friedlich zu erreichen gewesen seien, hält es der amerikanische Historiker
Henry Ashby Turner
für durchaus möglich, dass Stresemanns Außenpolitik, wäre sie fortgeführt worden, in den 1930er Jahren ebenfalls zu einem Krieg geführt hätte, wenn auch nur zu einem begrenzten, in den sich die Westmächte nicht eingemischt hätten.
60
Hans-Ulrich Wehler
schreibt, Stresemann sei „wegen seines beinharten
Nationalismus
nie bereit“ gewesen, „auf einen Revisionskrieg gegen Polen zu verzichten“.
61
Demgegenüber vertritt ein Großteil der Forschung den Standpunkt, dass Stresemann die Revision des Versailler Vertrages ausschließlich mit friedlichen Mitteln erreichen wollte.
62
Voraussetzungen
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Stresemann zusammen mit Karl von Schubert (Staatssekretär AA/Botschafter in Italien), Johann Heinrich von Bernstorff (Botschafter in den USA), Rudolf Breitscheid (Reichstagsabgeordneter SPD) und wahrscheinlich
Friedrich Gaus
, 1924
Allerdings musste Stresemann erst vom Parteipolitiker in die Rolle des Diplomaten hineinwachsen. So kam es zu Verstimmungen, als nach kritischen Äußerungen Stresemanns zu
Woodrow Wilson
nach dem Tod des ehemaligen Präsidenten eine Anweisung an den deutschen Botschafter in den USA bekannt wurde, dass keine offiziellen Beileidsbekundungen erfolgen sollten. Stresemann dementierte umgehend, aber gleichwohl war man in Amerika irritiert.
63
Auch in der deutschen Öffentlichkeit stieß die Widersprüchlichkeit zwischen dem Parteipolitiker und dem Außenpolitiker auf Kritik. Er versuchte dem dadurch zu begegnen, dass er die Zahl seiner Reden auf Parteiversammlungen einschränkte.
64
Auch innerhalb des Auswärtigen Amtes wurde Stresemann kritisch gesehen. Ihm fehlte die Weltgewandtheit und die Sprachgewandtheit, wie sie etwa
Walther Rathenau
eigen gewesen war. Für die Staatssekretäre im Auswärtigen Amt,
Adolf Georg von Maltzan
und
Carl von Schubert
, war Stresemann ein diplomatischer Außenseiter. Hinzu kam, dass Maltzan eher für eine nach Osten gerichtete Politik stand. Die von Stresemann angeordnete Ernennung Maltzans zum Botschafter in Washington war allerdings nicht als Strafversetzung gemeint, sondern sollte die besonders wichtige Beziehung zu den USA unterstreichen. Der neue Staatssekretär von Schubert leistete Stresemann durch seine Loyalität und Gewissenhaftigkeit gute Dienste.
Friedrich Gaus
war seit 1923 Leiter der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes und formulierte die verschiedenen deutschen Vertragsentwürfe wesentlich. Schubert und Gaus waren neben Stresemann die beiden Konstrukteure der deutschen Außenpolitik in der Ära Stresemann.
Ulrich Rauscher
war der Verbindungsmann Stresemanns zum Reichspräsidenten Ebert. Der Tod Stresemanns verhinderte die Ernennung Rauschers 1929 zum Staatssekretär. Stresemanns Personalpolitik innerhalb des Hauses unterschied sich vom bisher Üblichen. Neben die oft aus altem Adel stammenden Karrierediplomaten traten vermehrt bürgerliche Neueinsteiger. Zentral für die Ernennung eines Diplomaten wurde die Qualifikation.
65
Positiv wirkte sich aus, dass Stresemann seit längerem persönlich gute Beziehungen zum französischen Botschafter in Berlin,
Pierre de Margerie
, pflegte. Fast freundschaftlich waren seine Beziehungen zum englischen Botschafter
Edgar Vincent Lord D’Abernon
und zum amerikanischen Botschafter
Alanson B. Houghton
66
Besonders wichtig war, dass Stresemann nach dem Regierungswechsel in Frankreich am 24. Mai 1924 mit Aristide Briand als Außenminister einen Partner bekam, der ebenfalls eine Entspannungspolitik verfolgte.
67
Dawes-Plan
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Die deutsche Delegation in Locarno, Stresemann in der Mitte.
Autochrom
von Roger Dumas, 1925.
Zentral für die Überwindung der Konfrontation zwischen Deutschland und den Siegermächten war der Dawes-Plan, der die Verfahrensweise der Reparationszahlungen neu regelte. Zwar musste Deutschland unter anderem die internationale Kontrolle von Reichsbank und Reichsbahn zugestehen, allerdings sagte Frankreich den Abzug seiner Truppen aus dem Rheinland innerhalb eines Jahres zu. Außerdem hatte es auf sein Sanktionsrecht zu verzichten. Weiterhin bekam Deutschland eine internationale Anleihe von 800 Millionen Mark, die weiteres internationales Kapital anzog und so zum wirtschaftlichen Aufschwung beitrug. Der Plan wurde auf der Londoner Konferenz vom August 1924 unter Beteiligung Stresemanns angenommen. In Deutschland war der Plan allerdings umstritten. Erst nach langen Verhandlungen wurde er vom Reichstag angenommen.
68
Konferenz von Locarno
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Konferenz von Locarno 1925: Gustav Stresemann mit
Austen Chamberlain
(Mitte) und
Aristide Briand
(rechts)
Im Februar 1925 richtete Stresemann ein Memorandum an Frankreich, das einen Sicherheitspakt zwischen England, Frankreich, Deutschland und Italien mit den USA als Garantiemacht vorsah. Briand ging sofort darauf ein. Auch international stieß der Vorstoß auf Unterstützung. Dies führte schließlich zur Konferenz von Locarno.
69
Das
Vertragswerk von Locarno
vom Oktober 1925 war ein großer Erfolg auch für die Politik Stresemanns. Um die letzten Hürden wegzuräumen, hatte Stresemann ein Motorschiff für die letzten Verhandlungen chartern lassen und den Kapitän angewiesen, so lange auf dem
Lago Maggiore
zu kreuzen, bis alle von der deutschen Delegation gewünschten Fragen behandelt worden waren.
70
Der Vertrag änderte die Nachkriegsordnung stark. Festgeschrieben wurden die deutschen, französischen und belgischen Grenzen und ein gegenseitiger Gewaltverzicht sowie eine Entmilitarisierung des Rheinlandes. Dafür traten Großbritannien und Italien als Garantiemächte auf. Ebenso vorgesehen war der Beitritt Deutschlands zum Völkerbund sowie ein ständiger Sitz im
Völkerbundsrat
. Nicht gelungen war eine Grenzregelung gegenüber Polen. Frankreich schloss mit Polen und der Tschechoslowakei Beistandsbündnisse zum Schutz vor einem etwaigen deutschen Angriff ab.
71
Stresemann selbst sah den Erfolg der Konferenz später eher skeptisch. Kurz vor seinem Tod äußerte er:
„Wenn ihr mir nur ein einziges Zugeständnis gemacht hättet, würde ich mein Volk überzeugt haben [...] Ich könnte es heute noch. Aber ihr habt nichts gegeben, und die winzigen Zugeständnisse, die ihr gemacht habt, sind immer zu spät gekommen [...] Die Zukunft liegt in den Händen der jungen Generation. Und die Jugend Deutschlands, die wir für den Frieden und für das neue Europa hätten gewinnen können, haben wir beide verloren. Das ist meine Tragik und eure Schuld.“
72
Stresemann in Den Haag, August 1929.
Autochrom
von Stéphane Passet.
Aufnahme in den Völkerbund
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Die Aufnahme in den Völkerbund an sich schien problemlos. Die Übernahme eines Sitzes im Völkerbundsrat erwies sich allerdings als schwierig, weil keines der bisherigen Mitglieder verzichten wollte und Frankreich auch Polen einen Sitz versprochen hatte. In der deutschen Delegation machten sich Nervosität und Unruhe breit. Der mit angereiste Reichskanzler
Hans Luther
wollte unter Protest abreisen, während Stresemann gelassen blieb. Letztlich musste die Delegation ohne den erstrebten Sitz im Völkerbundsrat abreisen, nachdem Brasilien für sich einen Sitz im Rat durchgesetzt hatte. Stresemann überstand eine heftig geführte Debatte im Reichstag und bekam mit 262 zu 139 einen erheblichen Vertrauensvorschuss für weitere Verhandlungen.
73
Stresemann vor der Vollversammlung des Völkerbunds, 1926
Im April 1926 schloss Stresemann mit der Sowjetunion einen Freundschaftsvertrag ab, der das
Abkommen von Rapallo
ergänzte. Der Reichstag, von den Kommunisten bis zu den Deutschnationalen, stimmte dem begeistert zu. Stresemann verfolgte damit aber auch die Absicht, mögliche Widerstände gegen einen Völkerbundbeitritt vonseiten der UdSSR aus dem Weg zu räumen.
74
Bei der Herbsttagung des Völkerbundes wurde beschlossen, die Zahl der Sitze im Völkerbundsrat zu erhöhen. Damit war der Konfliktpunkt vom Frühjahr entfallen, und Stresemann reiste nach Genf, um seine erste Rede vor dem Völkerbund zu halten. Er bekannte dort am 10. September 1926: „Nur auf der Grundlage einer Gemeinschaft, die alle Staaten ohne Unterschied in voller Gleichberechtigung umspannt, können Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit die wahren Leitsterne des Menschenschicksals werden.“
75
Briand bezeichnete den Tag als Tag des Friedens zwischen Deutschland und Frankreich und als Ende der blutigen und schmerzreichen Zusammenstöße der Vergangenheit.
76
Stresemann hatte auf der Konferenz in Genf erreicht, dass acht Jahre nach Ende des
Ersten Weltkrieges
das einst verhasste Deutschland wieder vollwertiges Mitglied der Staatengemeinschaft wurde.
Im Anschluss an die Tagung trafen sich Stresemann und Briand in
Thoiry
. Bei gutem Essen und Wein kamen sich beide persönlich näher. Bei dem Treffen kam es zu weitergehenden Absprachen. Darunter war das Angebot, die
Rheinlandbesetzung
zu beenden, das Saargebiet an Deutschland zurückzugeben und die alliierte Militärkontrolle aufzuheben. Im Gegenzug sollte Deutschland Frankreich wirtschaftlich entgegenkommen. Verwirklicht werden konnten diese Ziele bis zum Tod Stresemanns nicht, zumal bilaterale Abkommen im Auswärtigen Amt kritisch gesehen wurden. Wichtiger erschienen Absprachen mit allen Siegermächten.
77
Für seine Versöhnungsarbeit erhielt er zusammen mit seinem französischen Kollegen
Aristide Briand
1926 den Friedensnobelpreis. In Deutschland wurde ihm jedoch eine entsprechende Anerkennung für seine Außenpolitik versagt; er wurde für seine Verständigungspolitik als „
Erfüllungspolitiker
“ beschimpft. Stresemann setzte sich für Verständigung und eine Einbindung Deutschlands in die internationale Gemeinschaft ein. Das machte ihn zum Todesfeind der
Nationalsozialisten
1928 hatte Stresemann wichtigen Anteil am Zustandekommen des
Briand-Kellogg-Pakts
, welches er zwischen den USA und Frankreich vermittelte.
Krankheit und Tod
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Totenmaske
Gustav Stresemanns, angefertigt von
Hugo Lederer
Trauerzug für Gustav Stresemann
Unter den Linden
Stresemann verfügte schon in seiner Jugend über keine gute gesundheitliche Konstitution. Im Juni 1919 erlitt er einen ersten
Herzinfarkt
. Darüber hinaus litt er unter einer chronischen Stoffwechselkrankheit. Sie hatte Nieren und Herz nachhaltig geschädigt und wurde als eigentliche Todesursache diagnostiziert. Wahrscheinlich handelte es sich bei Stresemanns Erkrankung um eine besonders schwere Form der
Basedowschen Krankheit
. Die hektische Betriebsamkeit Stresemanns hatte auch pathologische Ursachen. Immer wieder musste er in den folgenden Jahren seine Tätigkeit als Folge seiner Krankheit zu Genesungszwecken oder zu Kuraufenthalten unterbrechen.
78
Seit 1928 war Gustav Stresemann aufgrund der hektischen Regierungsgeschäfte gesundheitlich stark angeschlagen. Bereits im August 1928 erlitt er einen ersten, kleinen
Schlaganfall
79
Auch wenn Stresemanns Lese- und Schreibfähigkeit dadurch merklich beeinträchtigt wurde, nahm er sich keine Auszeit.
80
Seine letzte große Amtshandlung war die Aushandlung des
Young-Plans
. Die politische Rechte in Deutschland forderte daraufhin in einem Volksbegehren die Bestrafung der Unterzeichner des Planes durch Zuchthaus wegen Landesverrats. Wolfgang Stresemann, sein erster Sohn, erinnert sich an die Reaktion seines Vaters folgendermaßen: „Und das hat meinen Vater so unerhört erregt und hat auch seine letzten Tage seines Lebens vergällt in einer Weise, die schwer zu beschreiben ist.“
81
Vermutlich trugen jene starken Gefühlsregungen Stresemanns auch zur Entstehung seiner zwei finalen Schlaganfälle und seines finalen Herzinfarkts bei. Den vorletzten Hirnschlag erlitt er am 2. Oktober 1929 gegen 22:00 Uhr und den letzten am 3. Oktober 1929 kurz nach 5:00 Uhr morgens.
82
Kurz darauf erlitt er einen Herzinfarkt und starb.
83
84
Das Reichskabinett
Müller II
beschloss, ihn mit einem Staatsbegräbnis zu ehren. Der
Trauerzug
fand am 6. Oktober 1929 statt, Hunderttausende gaben Stresemann
das letzte Geleit
. Seit 1888, nach dem Tod
Wilhelms I.
hatte es in Berlin keine so große Veranstaltung dieser Art mehr gegeben. Im
Reichstag
fand in Anwesenheit des Reichspräsidenten
Paul von Hindenburg
und der Reichsregierung die Trauerfeier statt. Von dort aus zog der Trauerzug durch das Brandenburger Tor über die
Wilhelmstraße
zum
Luisenstädtischen Friedhof
. Die vom Bildhauer
Hugo Lederer
gestaltete große Grabstelle in der Abteilung G2 des Friedhofs wird als
Ehrengrab des Landes Berlin
bis heute gepflegt.
85
Mit Stresemann verlor die Weimarer Republik ihren sowohl für die Innen- als auch für die Außenpolitik bedeutendsten
Staatsmann
86
Sein Biograf
Eberhard Kolb
nennt ihn die „zu seinen Lebzeiten […] weltweit bekannteste und geachtetste deutsche Politikerpersönlichkeit“.
87
Harry Graf Kessler
, der Stresemann mitunter zu politischen Gesprächen getroffen hatte und bei dessen Tod in
Paris
weilte, beschrieb in seinem Tagebuch die Pressereaktionen: „Alle Pariser Morgenzeitungen bringen die Nachricht vom Tode Stresemanns in größter Aufmachung. Es ist fast so, als ob der größte französische Staatsmann gestorben wäre. Die Trauer ist allgemein und echt. Man empfindet, daß es doch schon ein europäisches Vaterland gibt. Die Franzosen empfinden Stresemann wie eine Art von europäischem Bismarck.“
88
Stresemanns Tod und der Beginn der
Weltwirtschaftskrise
markierten im Oktober 1929 den Anfang vom Ende der Weimarer Republik. Am 27. März 1930 trat die Regierung der Großen Koalition aus SPD, DDP, DVP und Zentrum zurück. Es begann die Ära der
Präsidialkabinette
, die in die Kanzlerschaft
Adolf Hitlers
mündete. Die Familie Stresemann musste in der Zeit des Nationalsozialismus Deutschland verlassen.
89
Ehrungen
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Auszeichnungen
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Monumentalgrab auf dem
Luisenstädtischen Friedhof
Gedenktafel für Stresemann im Eingangsbereich des
Europa-Centers
an der
Tauentzienstraße
1926 erhielt Stresemann, zusammen mit dem französischen Außenminister
Aristide Briand
, den
Friedensnobelpreis
. 1928 wurde ihm die
Ehrendoktorwürde
der
Universität Heidelberg
verliehen.
Benennungen
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In
Berlin
wurde die ehemalige Königgrätzer Straße in Kreuzberg in
Stresemannstraße
umbenannt. Auch in vielen anderen Städten sind Straßen nach ihm benannt, außerdem die Stresemannufer in
Bonn
und
Mainz
, die Stresemannallee in
Frankfurt am Main
sowie die Stresemannplätze in
Dresden
Nürnberg
Osnabrück
Recklinghausen
und
Düsseldorf
Seit 1959 existiert unter dem Namen
Gustav-Stresemann-Institut
e.
V. eine europäische Tagungs- und Bildungsstätte in
Bonn
, die in den folgenden Jahren Tagungsstätten in
Bergisch Gladbach
Haus Lerbach
), in
Bad Bevensen-Medingen
und
Schloss Neuburg am Inn
bei
Passau
begründete. In Mainz, Wiesbaden, Bad Wildungen
90
, Kaiserslautern, Fellbach und anderen Städten sind Schulen nach Stresemann benannt.
Der
Stresemann
, ein eleganter und bequemer Anzug für vormittägliche gesellschaftliche Termine, ist nach Gustav Stresemann benannt. In den 1950er Jahren führte die
Pelikan AG
aus
Hannover
einen
Füllfederhalter
ein, der auch als Stresemann bezeichnet wird. Er hat einen Schaft mit einer grün-transparenten Binde, welche dem Streifenmuster des Stresemann-Anzugs ähnelt (Souverän-400er-Serie).
2019 untersagte das
Landgericht Berlin
der
AfD
auf Klage der Enkel von Gustav Stresemann, seinen Namen für eine parteinahe
Stiftung
zu nutzen.
91
Denkmäler
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Eine 1931 eingeweihte
Stresemann-Gedenkstätte
stand am Fischtorplatz in
Mainz
. Der Adler und weitere Bauplastik stammten von dem Mainzer Bildhauer
Carl Hoffmann
92
Das Denkmal wurde 1935 von nationalsozialistischen
Bilderstürmern
zerstört. Erst 1960 wurde ein neues Ehrenmal eingeweiht. Ein weiteres Stresemann-Denkmal gab es im Park von
Schloss Freienfels
„In diesem großen Zeitalter geht es nicht nur um die Beziehungen von einem Volk zum anderen, sondern um eine Idee, die mehr ist als die Phrase, um eine Idee europäischer Kultur, um eine Idee der Menschheitsentwicklung.“
Gustav Stresemann
Inschrift einer Wandtafel in der Stresemann-Gedenkstätte in Mainz, die als Kabinettsaal der
Staatskanzlei Rheinland-Pfalz
genutzt wird.
Quellen und Schriften
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Allgemeine Quellen
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Akten zur Auswärtigen Politik 1918–1945 (ADAP).
Serie A 1918–1924, Band A Iff., Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1982
ff.; Serie B 1925–1933, Band B Iff., Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1966
ff.
Akten der Reichskanzlei Weimarer Republik.
Hrsg. von
Karl Dietrich Erdmann
im Auftrag der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Die Kabinette Stresemann I und II, 2 Bände, Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1978.
Sammlungen von Schriften und Reden
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Hrsg. von Gerhard Zwoch. Verlag AZ Studio Pfattheicher & Reichardt, Bonn 1972.
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Hrsg. von Arnold Harttung. Berlin Verlag, Berlin 1976.
Vermächtnis. Der Nachlaß in drei Bänden.
Hrsg. von
Henry Bernhard
. Verlag Ullstein, Berlin 1932/33 (Digitalisat:
Bd. 1
Bd. 2
Bd. 3
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Gustav Stresemann.
Reden der Kanzler- und Außenministerzeit.
Hrsg. v.
Wolfgang Elz
(bisher Jahr 1923–1927).
Einzelschriften (Auswahl)
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Die Entwicklung des Berliner Flaschenbiergeschäfts. Eine wirtschaftliche Studie.
(zugleich
Dissertation
an der Universität Leipzig, 1902). Berlin (o. V.) 1902 (
Digitalisat
).
Wirtschaftspolitische Zeitfragen.
Leipzig 1911 (
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Deutsches Ringen, Deutsches Hoffen.
Berlin 1914.
Englands Wirtschaftskrieg gegen Deutschland.
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Das deutsche Wirtschaftsleben im Kriege
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online
Internet Archive
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Michel horch, der Seewind pfeift...!
Kriegsbetrachtungen. Berlin 1916/1917.
Weimar und die Politik.
Berlin 1919.
Die Märzereignisse und die Deutsche Volkspartei.
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Weblinks
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Commons
: Gustav Stresemann
– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Gustav Stresemann
– Quellen und Volltexte
Wikiquote: Gustav Stresemann
– Zitate
Literatur von und über Gustav Stresemann
im Katalog der
Deutschen Nationalbibliothek
Werke von und über
Gustav Stresemann
in der
Deutschen Digitalen Bibliothek
Werke von Gustav Stresemann
im
Project Gutenberg
Werke von Gustav Stresemann
im
Projekt Gutenberg-DE
Zeitungsartikel über Gustav Stresemann
in den
Historischen Pressearchiven
der
ZBW
Susanne Eckelmann:
Gustav Stresemann.
Tabellarischer Lebenslauf im
LeMO
DHM
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HdG
Informationen
der
Nobelstiftung
zur Preisverleihung 1926 an Gustav Stresemann (englisch)
Gustav Stresemann
in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
Gustav Stresemann im Originalton: Gustav Stresemann Rede für die Deutsche Volkspartei anlässlich der Reichstagswahl 1928
(YouTube-Video)
Gustav-Stresemann-Gesellschaft
Gustav-Stresemann-Institut e.
V., Bonn
Einzelnachweise
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Koszyk
Gustav Stresemann.
1989, S. 56
ff.
Koszyk:
Gustav Stresemann.
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Herausgekramt
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Gustav Stresemann.
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Gustav Stresemann.
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Dieter Düding
Der Nationalsoziale Verein 1896–1903. Der gescheiterte Versuch einer parteipolitischen Synthese von Nationalismus, Sozialismus und Liberalismus.
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Gustav Stresemann. Weimar’s Greatest Statesman.
2002, S. 124.
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Gustav Stresemann 1878–1929. Weimars größter Staatsmann.
2006, S. 158
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Gustav Stresemann.
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Republik wider Willen, Texte 1911 bis 1932; Der erste Händedruck
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Gustav Stresemann.
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Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie.
München 1993, S. 221–223.
Heinrich August Winkler:
Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie.
München 1993, S. 213–227.
Heinrich August Winkler:
Der lange Weg nach Westen.
Bd. 1:
Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik.
München 2000, S. 440.
Heinrich August Winkler
Der lange Weg nach Westen.
Bd. 1:
Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik.
München 2000, S. 441.
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München 2000, S. 444
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Schöningh, Paderborn 1998,
ISBN 3-506-77507-3
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1989, S. 275, 288.
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Klaus Hildebrand
Das vergangene Reich: Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler 1871–1945.
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Michael Lipp (Hg.):
Brunnen, Denkmäler und Plastiken in Mainz. Versuch einer Bestandsaufnahme
. Schmidt, Mainz 1991.
ISBN 3-87439-198-1
, S. 65, Nr. 84.
Reichskanzler
der
Weimarer Republik
(1918 bis 1933)
Friedrich Ebert
Philipp Scheidemann
Gustav Bauer
Hermann
Müller
Constantin Fehrenbach
Joseph Wirth
Wilhelm Cuno
Gustav Stresemann
Wilhelm Marx
Hans Luther
Wilhelm Marx
Hermann
Müller
Heinrich Brüning
Franz von Papen
Kurt von Schleicher
Reichsaußenminister
des
Deutschen Reiches
(1919 bis 1945)
Weimarer Republik:
Ulrich von Brockdorff-Rantzau
Hermann Müller
Adolf Köster
Walter Simons
Friedrich Rosen
Joseph Wirth
Walther Rathenau
Frederic von Rosenberg
Gustav Stresemann
Julius Curtius
Heinrich Brüning
Konstantin Freiherr von Neurath
Zeit des Nationalsozialismus:
Konstantin Freiherr von Neurath
Joachim von Ribbentrop
Arthur Seyß-Inquart
Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk
Kabinett Stresemann I
– 13. August 1923 bis 4. Oktober 1923
Gustav Stresemann
(Reichskanzler, DVP)
Robert Schmidt
(SPD)
Wilhelm Sollmann
(SPD)
Gustav Radbruch
(SPD)
Rudolf Hilferding
(SPD)
Hans von Raumer
(DVP)
Hans Luther
(parteilos)
Heinrich Brauns
(Zentrum)
Otto Geßler
(DDP)
Rudolf Oeser
(DDP)
Anton Höfle
(Zentrum)
Johannes Fuchs
(Zentrum)
Kabinett Stresemann II
– 6. Oktober 1923 bis 23. November 1923
Gustav Stresemann
(Reichskanzler, DVP)
Robert Schmidt
(SPD)
Wilhelm Sollmann
(SPD)
Karl Jarres
(DVP)
Gustav Radbruch
(SPD)
Hans Luther
(parteilos)
Joseph Koeth
(parteilos)
Gerhard Graf von Kanitz
(parteilos)
Heinrich Brauns
(Zentrum)
Otto Geßler
(DDP)
Rudolf Oeser
(DDP)
Anton Höfle
(Zentrum)
Johannes Fuchs
(Zentrum)
Kabinett Marx I
– 30. November 1923 bis 26. Mai 1924
Wilhelm Marx
(Reichskanzler, Zentrum)
Karl Jarres
(DVP)
Gustav Stresemann
(DVP)
Erich Emminger
(BVP)
Hans Luther
(parteilos)
Eduard Hamm
(DDP)
Gerhard Graf von Kanitz
(parteilos)
Heinrich Brauns
(Zentrum)
Otto Geßler
(DDP)
Rudolf Oeser
(DDP)
Anton Höfle
(Zentrum)
Kabinett Marx II – 3. Juni 1924 bis 15. Dezember 1924
Wilhelm Marx
(Reichskanzler, Zentrum)
Karl Jarres
(DVP)
Gustav Stresemann
(DVP)
Hans Luther
(parteilos)
Eduard Hamm
(DDP)
Gerhard Graf von Kanitz
(parteilos)
Heinrich Brauns
(Zentrum)
Otto Geßler
(DDP)
Rudolf Oeser
(DDP)
Rudolf Krohne
(DVP)
Anton Höfle
(Zentrum)
Kabinett Luther I – 15. Januar 1925 bis 5. Dezember 1925
Hans Luther
(Reichskanzler, parteilos)
Gustav Stresemann
(DVP)
Martin Schiele
(DNVP)
Otto Geßler
(DDP)
Josef Frenken
(Zentrum)
Otto von Schlieben
(DNVP)
Albert Neuhaus
(DNVP)
Rudolf Krohne
(DVP)
Gerhard Graf von Kanitz
(parteilos)
Heinrich Brauns
(Zentrum)
Karl Stingl
(BVP)
Kabinett Luther II – 19. Januar 1926 bis 12. Mai 1926
Hans Luther
(Reichskanzler, parteilos)
Gustav Stresemann
(DVP)
Wilhelm Külz
(DDP)
Wilhelm Marx
(Zentrum)
Peter Reinhold
(DDP)
Julius Curtius
(DVP)
Heinrich Haslinde
(Zentrum)
Heinrich Brauns
(Zentrum)
Otto Geßler
(DDP)
Rudolf Krohne
(DVP)
Karl Stingl
(BVP)
Kabinett Marx III – 16. Mai 1926 bis 17. Dezember 1926
Wilhelm Marx
(Reichskanzler, Zentrum)
Gustav Stresemann
(DVP)
Wilhelm Külz
(DDP)
Johannes Bell
(Zentrum)
Peter Reinhold
(DDP)
Julius Curtius
(DVP)
Heinrich Haslinde
(Zentrum)
Heinrich Brauns
(Zentrum)
Otto Geßler
(DDP)
Rudolf Krohne
(DVP)
Karl Stingl
(BVP)
Kabinett Marx IV
– 28. Januar 1927 bis 12. Juni 1928
Wilhelm Marx
(Reichskanzler, Zentrum)
Oskar Hergt
(DNVP)
Gustav Stresemann
(DVP)
Walter von Keudell
(DNVP)
Heinrich Köhler
(Zentrum)
Julius Curtius
(DVP)
Martin Schiele
(DNVP)
Heinrich Brauns
(Zentrum)
Otto Geßler
(DDP)
Wilhelm Groener
(parteilos)
Wilhelm Koch
(DNVP)
Georg Schätzel
(BVP)
Kabinett Müller II
– 28. Juni 1928 bis 27. März 1930
Hermann Müller
(Reichskanzler, SPD)
Gustav Stresemann
(DVP)
Julius Curtius
(DVP)
Carl Severing
(SPD)
Erich Koch-Weser
(DDP)
Theodor von Guérard
(Zentrum)
Rudolf Hilferding
(SPD)
Paul Moldenhauer
(DVP)
Robert Schmidt
(SPD)
Hermann Dietrich
(DDP)
Rudolf Wissell
(SPD)
Wilhelm Groener
(parteilos)
Georg Schätzel
(BVP)
Adam Stegerwald
(Zentrum)
Joseph Wirth
(Zentrum)
Träger des Friedensnobelpreises
1901:
Dunant
Passy
1902:
Ducommun
Gobat
1903:
Cremer
1904:
IDI
1905:
von Suttner
1906:
Roosevelt
1907:
Moneta
Renault
1908:
Arnoldson
Bajer
1909:
Beernaert
Estournelles de Constant
1910:
IPB
1911:
Asser
Fried
1912:
Root
1913:
La Fontaine
1914–1916:
nicht verliehen
1917:
IKRK
1918:
nicht verliehen
1919:
Wilson
1920:
Bourgeois
1921:
Branting
Lange
1922:
Nansen
1923–1924:
nicht verliehen
1925:
Chamberlain
Dawes
1926:
Briand
Stresemann
1927:
Buisson
Quidde
1928:
nicht verliehen
1929:
Kellogg
1930:
Söderblom
1931:
Addams
Butler
1932:
nicht verliehen
1933:
Angell
1934:
Henderson
1935:
von Ossietzky
1936:
Lamas
1937:
Cecil
1938:
Internationales Nansen-Büro für Flüchtlinge
1939–1943:
nicht verliehen
1944:
IKRK
1945:
Hull
1946:
Balch
Mott
1947:
The Friends Service Council
AFSC
1948:
nicht verliehen
1949:
Boyd-Orr
1950:
Bunche
1951:
Jouhaux
1952:
Schweitzer
1953:
Marshall
1954:
UNHCR
1955–1956:
nicht verliehen
1957:
Pearson
1958:
Pire
1959:
Noel-Baker
1960:
Luthuli
1961:
Hammarskjöld
1962:
Pauling
1963:
IKRK, Liga der Rotkreuz-Gesellschaften
1964:
King
1965:
UNICEF
1966–1967:
nicht verliehen
1968:
Cassin
1969:
IAO
1970:
Borlaug
1971:
Brandt
1972:
nicht verliehen
1973:
Kissinger

1974:
MacBride
Satō
1975:
Sacharow
1976:
Williams
Corrigan
1977:
Amnesty International
1978:
Sadat
Begin
1979:
Mutter Teresa
1980:
Pérez Esquivel
1981:
UNHCR
1982:
Myrdal
García Robles
1983:
Wałęsa
1984:
Tutu
1985:
IPPNW
1986:
Wiesel
1987:
Arias Sánchez
1988:
UN-Friedenstruppen
1989:
Dalai Lama
1990:
Gorbatschow
1991:
Suu Kyi
1992:
Menchú
1993:
Mandela
Klerk
1994:
Arafat
Peres
Rabin
1995:
Rotblat
Pugwash Conferences on Science and World Affairs
1996:
Ximenes Belo
Ramos-Horta
1997:
ICBL
Williams
1998:
Hume
Trimble
1999:
Ärzte ohne Grenzen
2000:
Kim
2001:
UN
Annan
2002:
Carter
2003:
Ebadi
2004:
Maathai
2005:
IAEO
el-Baradei
2006:
Yunus
Grameen Bank
2007:
IPCC
Gore
2008:
Ahtisaari
2009:
Obama
2010:
Liu
2011:
Sirleaf
Gbowee
Karman
2012:
EU
2013:
OPCW
2014:
Satyarthi
Yousafzai
2015:
Quartet du dialogue national
2016:
Santos
2017:
ICAN
2018:
Mukwege
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Parteivorsitzende der Deutschen Volkspartei
Gustav Stresemann
(1918–1929)
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(1929–1930)
Eduard Dingeldey
(1930–1933)
Normdaten
(Person):
GND
118619268
lobid
GND Explorer
OGND
AKS
LCCN
n79141330
NDL
001104928
VIAF
61621945
Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME
Stresemann, Gustav
ALTERNATIVNAMEN
Stresemann, Gustav Ernst (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG
deutscher Politiker (DVP, NLP), MdR, Außenminister der Weimarer Republik und Friedensnobelpreisträger
GEBURTSDATUM
10. Mai 1878
GEBURTSORT
Berlin
STERBEDATUM
3. Oktober 1929
STERBEORT
Berlin
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Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik)
Parteivorsitzender (Deutschland)
Verbandsfunktionär (Deutschland)
NLP-Mitglied
DVP-Mitglied
Burschenschafter (19. Jahrhundert)
Mitglied des Nationalsozialen Vereins
Ehrendoktor der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Bestattet in einem Ehrengrab des Landes Berlin
Freimaurer (Deutschland)
Freimaurer (20. Jahrhundert)
Person (Berlin)
Ehrenmitglied einer Studentenverbindung
Deutscher
Geboren 1878
Gestorben 1929
Mann
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Gustav Stresemann
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