Karl Schönherr – Wikipedia
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Dieser Artikel befasst sich mit dem Arzt und Schriftsteller Karl Schönherr. Zum Bildhauer siehe
Karl Schönherr (Bildhauer)
; zum Maler siehe
Karl Gottlob Schönherr
Der österreichische Arzt und Autor Karl Schönherr (1867–1943), Photo von Georg Fayer - Foto Fayer Wien 1927
Schönherr in einer Aufnahme von 1913 von Wenzl Weis - Foto Weis Wien, hier noch mit dem um die Jahre vor dem 1. Weltkrieg modischen Bart
Porträt, Abbildung des Geburtshauses in Axams sowie des Wohnhauses um 1937 (in Telfs in Tirol) des österreichischen Bühnen-Schriftstellers Karl Schönherr in der
"Kronen-Zeitung" vom 24.2.1937
(Ausgabe zum 70. Geburtstag des Autors)
Wiener Zentralfriedhof – Ehrengrab von Karl Schönherr
Porträtbronzebüste Karl Schönherrs am Karl-Schönherr-Hof in Wien 9
Karl Schönherr
(*
24. Februar
1867
in
Axams
Tirol
; †
15. März
1943
in
Wien
) war
Arzt
und
Schriftsteller
Leben
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Karl Schönherr war der Sohn Maria Suitners (* 7. April 1835 in Leiblfing) und des Dorfschullehrers Josef Schönherr (*
12. April 1836 in Obsteig). Karl Schönherr studierte zunächst Medizin und wurde zum Dr. med. promoviert.
In jungen Jahren publizierte er in der
Wiener Zeitung
Als Schriftsteller gelang ihm nach humoristisch angelegten Erzählungen in der Welt ländlicher Alltagsszenarien der Durchbruch; als
Dramatiker
mit seiner Tragödie braver Leute
Die Bildschnitzer
, die 1900 am
Deutschen Volkstheater in Wien
Premiere hatte. Zu seinen erfolgreichsten Stücken zählen
Glaube und Heimat
(1910) und
Der Weibsteufel
(1914). Nach der
Machtergreifung
der
Nationalsozialisten
gehörte er der
politisch gesäuberten
Deutschen Akademie der Dichtung an, einer Unterabteilung der
Preußischen Akademie der Künste
Reichsdramaturg
Rainer Schlösser
bezeichnete Schönherrs schriftstellerische Tätigkeit am 9. Mai 1933 im
Völkischen Beobachter
als „
blutechtes, bodenständiges Schaffen
“.
Schönherr schrieb zu dieser Zeit Werke wie
Die Fahne weht
(1937). Anlässlich der
Volksabstimmung
über den
Anschluss Österreichs
schrieb er im April 1938 folgende Verse: „Nun sind wir wieder ein gewaltiges Land, / so wie in alter Zeit, / das keine Welt auseinanderreißt“.
Schönherr, der nach den
rassistischen
Nürnberger Gesetzen
mit einer
Jüdin
verheiratet war (Malvine, 1867–1956), erhielt weiterhin Schreiberlaubnis;
er verstarb 1943.
Karl Schönherr ruht in einem
Ehrengrab
auf dem
Wiener Zentralfriedhof
(Gruppe 14 C, Nummer 11).
Aufführungen und Rezeption (Auswahl)
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1912 hat eine Gruppe von amerikanischen Studenten
Glaube und Heimat
in deutscher Sprache aufgeführt, und zwar als Studententheater am Central Wesleyan College in
Missouri
1918 hat
Kardinal Faulhaber
gegen die Aufführung von
Der Weibsteufel
in München protestiert; der bayerische König ließ das Stück vom Programm absetzen.
Auszeichnungen und Ehrungen
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1908 Ritterkreuz des
Franz-Joseph-Ordens
1908
Schiller-Preis (Preußen)
für
Erde
1908
Volks-Schillerpreis
für
Erde
1908
Bauernfeld-Preis
für
Erde
1911
Grillparzer-Preis
1917 Grillparzer-Preis
1920 Grillparzer-Preis
1934
Österreichisches Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft
1937 Ehrenring der Stadt Innsbruck
1937
Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft
In
Innsbruck
Kufstein
Lienz
Axams
Wörgl
Telfs
und
Graz
wurden Verkehrsflächen nach ihm benannt. In der Karl-Schönherr-Straße in Innsbruck befindet sich die Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule, in Axams trägt die Sprengelhauptschule des Westlichen Mittelgebirges den Namen Karl-Schönherr-Hauptschule. In
Schlanders
im
Vinschgau
ist das Kulturhaus nach ihm benannt.
Werke
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Inntaler Schnalzer
. Gedichte, 1895
Tiroler Marterln
. Gedichte, 1895
Allerhand Kreuzköpf
. Erzählungen, 1895
Karrnerleut’.
In:
Die Presse
, 29. Oktober 1895,
online
Der Judas von Tirol
. Drama, 1897
Die Bildschnitzer
. Drama, 1900 (
online
Internet Archive
Der Sonnwendtag
. Drama in fünf Akten, erstmals aufgeführt 1902 im Hofburgtheater in Wien
Caritas
. Erzählung, 1905
Karrnerleut
. Drama, 1905
Familie
. Drama, 1905; unter dem Titel
Kindertragödie
, 1913
Erde
. Komödie des Lebens, 1907 (geschrieben in
Altenberg
im Haus von
Adolf Lorenz
Glaube und Heimat
. Die Tragödie eines Volkes. Drama, Leipzig 1910
– Das Bühnenstück wurde zur Namensgeberin für die 1924 gegründete deutsche evangelische Kirchenzeitung
Glaube und Heimat
in
Thüringen
. Der
Stummfilm
Glaube und Heimat
von
Emerich Hanus
kam 1921 erstmals auf die Leinwand.
Aus meinem Merkbuch
. Erzählung, 1911
Schuldbuch
. Erzählung, Leipzig 1913
Tiroler Bauernschwänke
. Erzählungen, 1913
Die Trenkwalder.
Komödie, 1914 (
online
Internet Archive
Der Weibsteufel
. Drama, 1914
Der Weibsteufel
, Hörspielbearbeitung und Regie:
Ursula Scheidle
, Produktion: ORF/SWR 2019
Volk in Not
. Drama, 1916 (
online
Internet Archive
Frau Suitner
. Schauspiel in fünf Akten, Leipzig 1917
Das Königreich
. Volksmärchen in vier Akten. Leipzig 1917
Narrenspiel des Lebens
. Drama, 1918
Der Kampf
. Drama, 1920 (
online
Internet Archive
Es
. Schauspiel in fünf Akten, Leipzig 1923
Der Komödiant
. Ein Vorspiel und fünf Akte, Wien 1924
Die erste Beicht’ und andere Novellen
[aus:
Aus meinem Merkbuch
und
Schuldbuch
; Nachwort: Anton Bettelheim]. Philipp Reclam jun., Leipzig, 1924
Die Hungerblockade
. Drama, 1925
Der Armendoktor
. Drama, 1927
Der Spurius
. Österreichische Komödie in drei Akten, Wien 1927
Herr Doktor, haben Sie zu essen?
Drama, 1930
Passionsspiel
. Drama, 1933
Die Fahne weht
. Schauspiel in drei Akten, 1937
Verfilmungen
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Der Judas von Tirol
1933
, 1978, 2006.
Erde
. Drehbuch:
Eduard Köck
, Regie:
Leopold Hainisch
, Coproduktion Österreich/Schweiz, 1946/47.
Der Weibsteufel
. 1920, 1924,
1951
1966
, 1983, 1984, 2000, 2009,
2012
(unter dem Titel
Grenzgänger
und englisch
She-Devil
).
Die Bildschnitzer – eine Tragödie braver Leut’
. Spielfilm/Fernsehen, Drehbuch und Regie: Luis Walter, RAI Sender Bozen, 2001.
Literatur
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Karl Paulin
Karl Schönherr und seine Dichtungen
. Heimat und Leben. Der Erzähler. Der Dramatiker, Innsbruck 1950.
Wilhelm Bortenschlager
Tiroler Drama und Dramatiker im 20. Jahrhundert
, St. Michael 1982.
Josef Kuderna (Hrsg.):
Tiroler Volksschauspiele 1982 in Telfs
. Telfs 1982.
Wendelin Schmidt-Dengler
Schönherr Karl.
In:
Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950
(ÖBL). Band
11, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1999,
ISBN 3-7001-2803-7
, S.
85
f.
(Direktlinks auf
S.
85
S.
86
).
Hans Peter Buohler: [Art.]
Schönherr, Karl.
In: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums. Begr. von Walther Killy, hrsg. von Wilhelm Kühlmann (u. a.). Zweite, vollst. überarb. Auflage. Band 10. Berlin und New York: de Gruyter, 2011,
ISBN 978-3-11-022042-1
, S. 530–532.
Georg Kierdorf-Traut:
Karl Schönherr (1867–1943). Ein vergessener Tiroler Dichter-Arzt.
In:
Der Schlern
Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde. 90.
Jahrgang, Heft
12. Athesia Druck, Bozen Dezember 2016,
ISSN
0036-6145
, S.
44–49.
Johann Holzner:
Der Hall Karl Schönherr
. In: Aneta Jachimowicz (Hrsg.):
Gegen den Kanon – Literatur der Zwischenkriegszeit in Österreich
. Peter Lang, Frankfurt am Main 2017, S. 231–248.
Widmungen von Ehrengräbern durch die nationalsozialistische Stadtverwaltung in Wien von 1938–1945. Kommissionsbericht an den amtsführenden Stadtrat für Kultur und Wissenschaft
, Wien 2004, S. 300–310.
Endbericht der ExpertInnenkommission für Straßennamen Graz
, Graz 2017, S. 119–121.
Weblinks
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Literatur von und über Karl Schönherr
im Katalog der
Deutschen Nationalbibliothek
Werke von Karl Schönherr
im
Projekt Gutenberg-DE
Karl Schönherr
im Internet Archive
Zeitungsartikel über Karl Schönherr
in den
Historischen Pressearchiven
der
ZBW
Karl Schönherr
bei
IMDb
Karl Schönherr
im
Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
Johann Holzner:
Porträtmodul zu Karl Schönherr bei litkult1920er.aau.at
, einem Projekt der Universität Klagenfurt
Sammlung im
Brenner-Archiv
der Universität Innsbruck
Eintrag im
Lexikon Literatur in Tirol
Einzelnachweise
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Ernst Klee
Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945.
S. Fischer, Frankfurt am Main 2007,
ISBN 978-3-10-039326-5
, S. 541–542.
Rebecca Unterberger:
Vom Diarium zur Zeitung: Wiener Zeitung
auf litkult1920er.aau.at, verfasst März 2017, redaktionell ergänzt Februar 2019
Zitat bei Ernst Klee:
Das Kulturlexikon zum Dritten Reich
. S. 541.
Zitat bei Ernst Klee:
Das Kulturlexikon zum Dritten Reich
. S. 542.
Wohlgelungene Aufführung
. In:
Mississippi Blätter
. St. Louis, Missouri 16.
Juni 1912,
S.
Wendelin Schmidt-Dengler: Schönherr Karl. In:
Österreichisches Biographisches Lexikon
1815–1950 (ÖBL). Band 11, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1999,
ISBN 3-7001-2803-7
, S. 85 f.
Adolf Lorenz:
Ich durfte helfen. Mein Leben und Wirken.
(Von Lorenz besorgte Übers. und Bearbeitung von
My Life and Work.
Charles Scribner’s Sons, New York) L. Staackmann Verlag, Leipzig 1936; 2. Auflage ebenda 1937, S. 241.
Glaube und Heimat.
Theatergemeinschaft Wipptal
abgerufen am 21.
Juni 2023
(deutsch).
Der Weibsteufel, nach dem Drama von Karl Schönherr
Memento
vom 28. Mai 2019 im
Internet Archive
, SWR vom 23. Mai 2019, abgerufen am 28. Mai 2019.
Normdaten
(Person):
GND
118758926
lobid
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OGND
AKS
LCCN
no2001078744
VIAF
51836502
Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME
Schönherr, Karl
KURZBESCHREIBUNG
österreichischer Arzt und Schriftsteller
GEBURTSDATUM
24. Februar 1867
GEBURTSORT
Axams
Tirol
STERBEDATUM
15. März 1943
STERBEORT
Wien
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Kategorien
Autor
Literatur (19. Jahrhundert)
Literatur (20. Jahrhundert)
Literatur (Deutsch)
Literatur (Österreich)
Lyrik
Erzählung
Drama
Tirolensien
Person (Wiener Zeitung)
Träger des Franz-Joseph-Ordens (Ritter)
Bauernfeld-Preisträger
Ehrenringträger der Stadt Innsbruck
Person (Cisleithanien)
Träger des Grillparzer-Preises
Österreicher
Geboren 1867
Gestorben 1943
Mann
Karl Schönherr
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