משתמש:דג ירוק/Neunzehn Briefe über Judenthum – ויקיטקסט
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מתוך ויקיטקסט, מאגר הטקסטים החופשי
משתמש:דג ירוק
בסיעתא דשמיא
הקלדתי את הספר
אגרות צפון
במקורו הגרמני מתוך
הקובץ הזה
, זאת למרות שאיני יודע גרמנית; מעבר לטעויות הכתיב הרבות שמן־הסתם ישנן (לא הצלחתי לעבור על כל לוח התיקונים בסוף הספר) אני רוצה לציין חלק מאופן העבודה שלי:
רשר"ה, כמו שמפורט בסוף האגרת השנייה, תיעתק מילים עבריות לפי ההגיה הייקית ולצורך זאת הוא השתמש בתווים ייחודיים. אני העתקתי את é, ú ו־ó, אך לא את í כי פחדתי לבלבל בינה לבין i. במבט לאחור זה היה מטופש אבל קל לי לומר זאת לאחר מעשה.
רשר"ה הצמיד את התו ´ גם לאות ï; אני הקלדתי אותו לאחר האות, מה שבולט במיוחד במילה Jissroeï´l שנמצאת בשימוש נרחב בספר, אך התו אמור להופיע מעל האות.
במקומות בהם רשר"ה כן השתמש באותיות עבריות, ניסיתי ככל האפשר לשמור על מבנה השורות כמו בנדפס, מה שכלל שימוש אינטנסיבי בתווי כיווניות; זה יצר מראה שבור עם העברת החומר לויקיטקסט.
התעלמתי ממקומות בהם רשר"ה מדגיש מילים באמצעות הרחבת המרווח בין האותיות, כמו־גם ממקומות בהן מילים לטיניות נכתבו בגופן אחר.
ההבנה שלי הייתה שכל מקף בסוף שורה מצביע על חיבור עם המילה הראשונה בשורה הבאה, חוץ ממקרים בהם ברור שמדובר במילים נפרדות (כשהמילה השנייה מתחילה באות גדולה, או שזו מילית כמו und או oder). כמובן שאני לא מבין את ההקשר
אני יודע שהמקום המתאים לכך הוא
de:Neunzehn Briefe über Judenthum
, אך, כאמור, איני יודע גרמנית ואני לא רוצה להעלות חומר בניגוד לִכְלָלִים שאיני מכיר; אבקש בזאת מכל קורא דובר גרמנית להעביר את הטקסט למקומו הראוי כראוי, ועד אז כל קורא מוזמן להגיה ולשפר.
ברכה
דג ירוק
שיחה
) • ערב שבת, ה' בשבט ה'תשפ"ו;
ולמנינם: 16:28, 23 בינואר 2026 (IST)
Vorwort
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Diese Briefe fielen mir als Hinterlassenschaft eines theuren Freundes in die Hände. – Mehreres darin sprach mich so sehr an; sie schienen mir manchen hochwichtigen Gegenstand von so neuer Seite aufzufassen, daß ich mir, wenn man auch vielleicht nicht Allem darin beystimmen möchte, doch den Dank meiner Brüder zu erwerben hoffe, indem ich sie ihnen übergebe. – Die in dem letzten Briefe angedeuteten Versuche finden sich auch vor; und möchte ich darum gerne die Herausgabe dieser Briefe als eine Anfrage an's Publikum betrachten, ob ich auch jene Versuche veröffentlichen soll. Die Stimmen, die über diese Briefe laut werden, werden mich in Bezug auf jene bestimmen. – Erscheinen die Versuche auch; so dürften diese Briefe einigermaßen die Stelle der Umrisse ersetzen,die der Verf. nach dem 19ten Brief voranzuschicken beabsichtigt hatte. = Was die Briefe betrifft, so gebe ich sie ganz so, wie ich sie vorfand; und habe mir, als an dem Werk eines Anderen, auch nicht erlaubt, hir und da Härten im Styl zu verbessern, um nicht manche Eigenthümlichkeit desselben mit zu verwischen. – Aus einem noch vorgefundenen späteren Briefe des Naphtali an Benjamin, der ihm das Urtheil eines Freundes über vorliegende Correspondenz mitgetheilt zu haben scheint, halte ich's für passend, folgende Stelle hierherzusetzen:
"In Uebrigrn, Lieber Benjamin," heißt es darin, "vergessen Sie nicht, daß ich Ihnen damals in den Skizzen nicht so wohl vollständige Grundund Umrisse, als vielmehr nur Einen Anfriß vom Judenthum, und noch dazu flüchtig, unter anderen Beschästigungen hingezeichnet. – Ich führte Sie nur Einen großen Hauptgang im Gebäude, durch den Sie eine vorläufige Idee vom Ganzen sich bilden konnten; ich wollte Ihrem Kopf und Herzen fast nur erst Eine Grundidee von Judenthum vorführen, die uns am raschesten zum Ziele führen konnte; und durfte deshalb nicht auf alles Das eingehen, was Ihr Freund sonst mit Recht darin vermißt. -"
Ich füge nur noch die Bitte hinzu, man möge sein Urtheil über Einzelnes in diesen Briefen zurückhalten, bis man sie ganz gelesen und die nur flüchtig angedeuteten Ideen weiter für sich verfolgt hat; wenigstens habe ich über Manches, das mich anfangs nicht wenig frappirte, später dann anders denken gelernt; Vieles, namentlich den 13ten und 14ten Brief, habe ich erst aus den erwähntenVersuchen recht verstehen gelernt; und endlich den Wunsch, daß ich mich in der Meinung nicht möchte getäuscht haben, daß dieser Briefwechsel Anregung zu manchem Guten enthalte, und ich durch das Urtheil bewährter Männer mich auch zur Herausgabe der noch vorhandenen Verfuche aufgemuntert fühlen möge.
Der Herausgeber.
Inhalt.
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1. Brief. Anklage . . . . . . . 1
2. -- Standpunkt. Methode . . . . 5
3. -- Gott, Welt . . . . . . 9
4. -- Mensch . . . . . . . 17
5. -- Erziehung . . . . . . 22
6. -- Geschichte . . . . . . 28
7. -- ישראל . . . . . . . 35
8. -- אבות, מצרים, מדבר, בארץ . . . . 37
9. -- גלות . . . . . . . . 41
10. -- Eintheilung der מצות . . . . 50
11. -- תורות, משפטים, חוקים . . . . 53
12. -- מצות . . . . . . . . 57
13. -- עדות . . . . . . . . 59
14. -- עבודה . . . . . . . 63
15. -- Erwiederung (Entwurf) . . . . 66
16. -- Emancipation . . . . . . 78
17. -- Reform . . . . . . . 83
18. -- -- . . . . . . . . 87
19. -- Versuche . . . . . . 104
Abkürzungen.
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Thnach תנ"ך . . . תורה נביאים כתובים
Schaß ש"ס . . . ששה סדרים, die 6 Mischna-Ordnungen, überhaupt für Thalmud.
תשב"כ . . . . תורה שבכתב, schriftliche Lehre.
תשב"פ . . . . תורה שבעל פה, mündliche Lehre.
דאוריתא . . . . vom Sinai stammendes Gesetz.
דרבנן . . . . Bestimmung der, für die Verwirklichung des Gesetzes verpflichteten, Gesetzbehörden.
D. H.
Erster Brief.
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Mein lieber Naphtali,
Als uns, nach langjähriger Trennung, jüngstens bey Ihrer Durchreise eine flüchtige Stunde des Wiedersehens gegönnt war, ahnten Sie wohl nicht, mein lieber Naphtali, welches Interesse der Gegenstand unserer damaligen Unterhaltung noch immer für mich habe. – Sie fanden mich in meiner religiösen Denkweise, noch mehr in meiner religiösen Lebensart, so verändert, daß Sie die Fragen "seit wann?" und "warum?" bey Ihrer sonst toleranten Denkungsart unmöglich unterdrücken konnten. – Zur Erwiederung hatte ich eine ganze Reihe von Anklangen gegen das Judenthum, über das mir erst, seit ich dem väterlichen Hause fern bin, durch Lectüre und Umgang, die Augen geöffnet worden waren. – Sie hörten meine Tiraden ruhig aus, und entgegneten am Ende nur: "glauben Sie denn den Gegenstand zu Augen und redlicher Forschung selbst über einen Gegenstand in's Klare gesetzt, der, als die heiligste Augelegenheit unseres Lebens, doch mindestens nicht leichtsinnig beseitigt warden dürfte?" und wieser mir nach, wie die Ouellen meiner Kenntniß, einerseits nur die elterliche Erziehungsgewöhnung, und einiges unter polnischer Leitung verstand-und begrifflose Bibel-und Thalmud-Studium wären; andrerseits christliche Schriftsteller, neuere Reformatoren, – und vor Allem, die, nur zur Abfindung der inneren Stimme mit den äußeren Anforderungen der Bequemlichkeit in der Zeit sich gebildet habende, Lebensansicht. Ich mußte Ihnen die Unzulänglichkeit derselben ein gestehen, bat um Ihre Belehrung, – da rief der Postillon, – und Sie konnten mir beim Lebewohl – nur das Wörtchen "schriftlich!" noch zurufen. – Mistrauisch haben Sie mich also gemacht, m. l. Naphtali, gegen meine bisherigen Ansichten, aber sie noch keineswegs widerlegt, noch weniger mir bissere an ihre Stelle gegeben. – Ich benutze darun Ihre gütige Erlaubniß, und wiederhole Ihnen schriftlich eine Reihe meiner Anklagen, weniger um in Ihren Augen meiner jetzige Lebensweise zu vertheidigen, als aus dem aufrichtigen Wunsch nach besserer Belehrung. -
Jede Religion, so glaube ich, soll den Menschen seiner Bestimmung näher bringen. Diese Bestimmung, was könnte sie anderes seyn, als Glückseligkeit und Vollkommenheit? Nehmen wir aber diese Prinzipien als Maßstab für's Judenthum, welche durchaus niederschlagende Resultate erhalten wir! – Zu welcher Glückseligkeit führt denn das Judenthum seine Bekenner? – Von jeher war Elend und Skaverey ihr Loos; nichtgekannt oder verachtet von den übrigen Völkern; und während die übrigen Nationen den Gipfel der Eultur, des Wohlstand's und des Glücks erstiegen, blieben seine Bekenner stets arm an Allem, was Menschen groß und edel macht und das Leben verschönt. – Die Lehre selbst versagt alle Genüsse, ist ein Hemmschuh aller Lebensfreuden! Und nun, seit 2 Jahrausenden sind wir ein Spielball aller Uebrigen, noch in heutiger Zeit zurückgewiesen von allen Bahnen des Glücks. – Und Vervollkommnung? welche Cultur? welche Eroberungen im Felde der Wissenschaft, der Kunst, der Erfindung, überhaupt welche Größe hat das Judenthum erzeugt, verglichen mit Aegyptern, Phöniciern, Griechen, Römern, Italienern, Franzosen, Engländern, Deutschen? – Und so, bis aufs Letzte aller Volksthümlichkeit beraubt, dünkt man uns gleichwohl Volk, und werden wir durch Geburt jeder an diese Unglückskette geschmiedet! – und die Lehre? zuerst Schuld an allem Diesen; durch die gebotene Absonderung mindestens Argwohn veranlassend und feindseliges Mistrauen; – niederbeugend den Geist zu ruhiger Ertragung und dadurch einladend den Hohn; versagend Bestrebungen in bildenden Künsten; durch Glaubenssaßungen sperrend den Weg freier Speculation; durch jene gebotene Absonderung auch genommen jeder Lohn für Bestrebungen in Wissenschaft und Kunst, und sie drum nicht erzeugt. – Und die eigene Wissenschaft? verdreht den Geist, verleitet ihn zu Grübeleien und Kleinlichkeitsscrutationen, daß er unfähig wird für jede gerade Ansicht; also, daß ich mich immer nicht wenig verwundert habe, wie Sie, der Sie doch die Schönheiten eines Virgils, Tasso's, Shakespeare's zu schmecken verstehen, der Sie einzugehen wissen in die consequenten Schlußbauten eines Leibnitz und Kant, wie Sie Gefallen finden konnten an den form- und geschmacklosen Schriften des alten Testaments, und den begriffswidrigen Schriften des Thalmuds. – Und welche Wirkung hat sie auf Herz und Leben? Zu einer ängstlichen Skrupulosität; wird nur Gott fürchten gelehrt; Alles, bis auf die kleinsten Kleinigkeiten des Lebens, auf Gott bezogen; das Leben selbst ein fortgesetztes Mönchthum, ein Bet- und Ceremoniendienst; und das der gefeierteste Jude, der von der Welt zurückgezogen, sie nicht kennt, von ihr sich nähren läßt – selbst aber unter Fasten und Beten, und Lesen sinnloser Schriften sein Leben vergeudet. – Sehen Sie nur selbst das Buch, das uns als "Weg des Lebens" in Händen gegeben ist, und alle jüdischen Pflichten enthält, was lehrt es uns anders, als Beten und Fasten und Festtage feiern? wo ein Wort von den Pflichten des thätigen wirkenden Lebens? – In unserer Zeit nun gar vollends! Ist sie ja ganz unmöglich zu erfüllen, mit ihren für eine ganz andere Zeit berechneten Gesetzen. Welche Beschränkung auf Reisen, welcher Anstoß im Verkehr mit Nichtjuden, welch Hinderniß in jeglichem Gewerbe! Da weisen Sie mich nur ja nicht zur Entgegnung hin auf die reformirenden Bestrebungen der Zeit, wie ja da wirklich allmälig Alles weggeschnitten werde, was nicht mit dem Begriff der Bestimmung des Menschen und mit den Anforderungen der Zeit paßt. Ist das denn nicht eben ein Schritt außer dem Judenthume? Und warum denn nicht lieber diese Begriffe selbsständig consequent dutchgeführt, als solches Anlehnen an Widerstrebendes, das doch nichts als nur willkürliches Stückkram zu werden vermag. Dazu fehlts ja auch an Einigkeit, an Behörden, an Autorität. Bleiben es ja lauter Einzelbestrebungen; die divergentesten Ansichten herrschen unter den Rabbinern und Predigern; während die Einen erleucht niederreißen, halten die Andern noch fest an dem morschen Bau, und wollen sich lieber darunter begraben lassen. Habe ich doch noch kürzlich einen jungen Rabbi gesehen, der noch auf Reisen, aus einfältiger Gewissenhaftigkeit, sich mit Gefangenkost begnügte; den, wenn man ihn besucht, man noch immer über Thalmudfolianten finden, und der noch ernstlich in der Seele darüber trauern soll, daß Einige in seiner Gemeinde schon so fortgeschritten sind in der Aufklärung, am Sabbath ihr Geschäft nicht zu schließen. Was soll aus uns werden, lieber Naphtali? Ich stehe im Begriff, mich zu verheirathen; aber, Gott weiß es, ich zittere wenn ich daran denke, vielleicht Vaterpflicht an Kindern üben zu müssen. – Entschuldigen Sie, lieber Freund, daß ich so frei gesprochen, obgleich ich weiß, daß Sie dies Alles fehr verehren, auch wohl als Rabbiner müssen, Standes halber; doch traue ich Ihnen, aus früheren Zeiten, so viel Liebe gegen mich zu, daß Sie in Ihrer Antwort Ihres Standes vergessen werden; denn was der lehrt, weiß ich zur Genüge. – Leben Sie wohl.
Ihr Benjamin.
Zweiter Brief.
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Wenn ich Ihnen so bald antworte, lieber Benjamin, so glauben Sie nur nicht, ich hätte nicht reiflich darüber nachgedacht. – Sie wissen, wie bereits in früher Jugend diese Gegenstände meine Seele beschäftigt; wie von erleuchtet religiösen Eltern erzogen, früh Th'nach's Töne zu meinem Gemüthe geredet, und aus freier Luft, mit schon gereifterem Verstand, Th'nach selbst mich zur G'moró geführt; wie kein äußeres Bedürfniß mich den Rabbinerstand habe wählen lassen, sondern innerer Lebensplan. – Um so mehr staune ich, daß Sie Standesheucheley von mir befürchten können. Ich würde Ihnen zürnen, wären Sie nicht mein Freund, wäre ich nicht der Ihrige. Aber das ist eben der Fluch der Zeit, und Hemmschuh alles Standeswirkens, daß das, was Gemeingut seyn soll, Standeseigenthum geworden, und die Lebensregel für Alle man zur Ordensregel zu machen geneigt ist, und spricht: "ja, der muß so seyn, muß so sprechen, das fordert sein Stand – sein Brod." – Traurige Niedrigkeit der Zeit! die es ganz gewöhnlich findet, daß ein Mann, für sein theuerstes Selbst, für seine innere Uberzeugung sich Brod ermäkelt, und die Alles entschuldbar findet, wenn es nur Brod giebt, Brod!- Doch Sie freuen sich vielleicht, Benjamin, und Tausende mit Ihnen, daß sich dies Alles bereits nur in den Kreis eines Standes noch geflüctet; ist ja so Hoffnung, daß es – wozu ja Aussicht – bald auch von da verscheucht werde, und der consequente Lebensbau auf Glückseiligkeit und Volkommenheitsprincip, schwebend zwischen Himmel und Erde, auf sich selber gestützt, beginnen könne. – Doch verzeihen Sie mir diese Aufregung, lieber Freund, ich will auch vergessen, daß Sie also gesprochen. – Ich schreite also zur Beantwortung Ihres Briefes, und darf nun wohl, ohne Sie mit Recht zu erzürnen, nicht erst Versicherung geben, daß mein Stand keinen Einfluß auf meine Erwiederung haben werde. -
Sie messen also Judenthum an dem Princip der Menschenbestimmung; und dies ist Ihnen Glückseligkeit und Vollkommenheit. – Ich könnte fragen: ist es denn so gewiß, daß Glückseligkeit und Vollkommenheit Ziel der Menschenbestimmung sey? fragen nach dem Boden, auf den diese Ansicht sich gründe? fragen, was Sie dem Leichtsinnigen, dem Verbrecher denn erwiedern wollen, wenn für ihn Rausch und Reizbefriedigung des Augenblicks zeitliche und ewige Glückseligkeit überwiegen? wenn Jeder sich Maßstab eignen Glückes bauen wollte, da ja Glück, nach gezwungenem äußeren Maß, aufhört, Glück zu seyn? – Und Selbstvervollkommnung? Geistesvollkommenheit? von wie Wenigen erreicht, für wie Wenige erreichbar! Die Wahrheit selber – von tausend Denkern, tausendfältig gefaß! endlich auch ihre Vernachlässigung ja nur Sünde gegen sich selbst, weshalb nur mit sich selber abzufinden. Wem denn wäre ich Rechenschaft scguldig, wenn dies Princip Förderung der Glückseligkeit und Vollkommenheit Anderer nur als Mittel zu meiner eignen von mir fordert – und diese – ich Preis gäbe? Fragen endlich, auch außer dem Judenthume, wo bleibt die Anzahl Unglücklicher und Unvollkommener? Doch ich will nicht also fragen. Lassen wir das Maß zuerst dahin gestellt, und erkennen wir zuerst, was wir messen wollen, das Judenthum nach Geschick und Lehre. Vielleicht werden mir auf dem Wege dahin anders denken lernen über Menschenbestimmung, und erhalten andern Maßstab für der Völker Seyn und Sollen. Aber aus der Quelle müssen wir es kennen lernen, die es uns selber reicht, die es als Urkunde und Aufschluß über sich selber einzig gerettet hat aus dem Schiffbruch alles seinen übrigen Glückes, – aus seiner Thauróh. Auch sein Geschick aus ihr. Denn geschichtliche Erscheinung ist ja das Judenthum; und für seinen Ursprung, seinen ersten Eintritt in die Geschichte, wie für eine geraume Folgezeit ist uns ja Thauróh einziges Denkmal. Und wie? wenn nun bey diesed Volkes Wiege, wie sonst bei keines, und Stimmen entgegen tönten, die dieses Volkes Bestimmung, für die und zu der es eintrat in die Geschichte, und mit ihr sein Geschick, uns aufschlössen; wollten wir nicht lauschen diesen Stimmen, und sie aufnehmen zur Würdigung seines Geschickes? Für seine Lehre bleibt sie ja ohnehin, schriftlich und mündlich, einziger Quell. Also zur Thauróh. – Doch ehe wir sie öffnen, überlegen wir, wie wir sie lesen wollen. Nicht für philologische und antiquarische Untersuchungen, nicht um antediluvianische und geognostische Hypothesen zu stützen, nicht in Erwartung aufgeschlissener, überirdischer Geheimnisse, – als Juden wollen wir sie lesen, d.h. als ein Buch, uns von Gott gereicht, daraus uns selber zu erkennen, was wir in unserem irdischen Hierseyn sind und sollen. Als Thauróh, als Unterweisung und Zurechtweisung für uns in Gottes Welt und Menschheit, als eine Erzeugerin des Lebens in unserm Innern. – Wir wollen ja Judenthum erkennen, müssen uns drum in's Judenthum versetzen und uns fragen: was werden Menschen seyn, die den Inhalt dieses Buches, als ihnen von Gott geoffenbarten Lebensboden und Regel erkennen. Eben so auch Erkenntniß der Mizwaúß als Juden erstreben, d.h. ihren Umfang und Inhalt aus mündlicher und schriftlicher Lehre zuGrunde legen. Alles aber aus dem Gesichtspunkt der Absicht dieser ganzen Veranstaltung, Lebenslehre zu seyn. Nur erst wenn Sie also das Judenthum uas sich erkannt, es erkannt haben, wie es sich selber giebt, und es dann in sich unhaltbar und verwerflich gefunden – dann mögen Sie, wenn Sie wollen, den Stein darauf werfen. – Auch Hebräisch müssen wir lesen, d.h. dem Geiste dieser Sprache gemäß. Sie beschreibt uns wenig; aber durch ihre bedeutungsreichen Wortwurzeln malt sie uns im Worte die Sache. Sie stellt uns nur Prädicat zum Subject, Satz zu Satz, und setzt die hörende Seele so wach voraus, daß sie das übrige aus selbstthätiger Anschauung ergänze. Also gleichsam halb Symbolschrift. Mit wachem Aug und Ohr, und mit zur Selbstthätigkeit erweckter Seele müssen wir drum lesen; nichts wird uns vorerzählt, daß wir's nur also im wachen Traum aufzunehmen hätten; selbstthätig nacherschaffen müssen wir des Sprechers Gedanken, ihm nachdenken, oder es entgeht uns der Sinn. – Eben so zur Erfassung der Mizwaúß, wenn sie für erkannten gegenstand Bestimmung setzen, oder eine symbolische Handlung anordnen. Dort müssen wir analytisch den Zusammenhang des Gegenstandes mit der Bestimmung erforschen, hier den natürlichen Ausdruck solcher Handlung mit Rücksicht auf Absicht und Zusammenhang erspähen. – Ich deute Ihnen nur ungefähr den Weg an, den ich gemacht habe; Ihnen werde ich nur Resultate geben, und diese vorläufig hier in Umrissen; später, wenn Sie es wünschen, ausführlich, und auch Methode und Forschung begründen. -
Jetzt wollen wir lesen. – Mögen Sie vergessen alle die Unannehmlichkeiten, die das Lesen dieser Schriften Ihnen in Ihrer Jugend gebracht; vergessen alle Vorurtheile, die von mancher Seite gegen diese Schriften bey Ihnen mögen Eingang gefunden haben; lesen wollen wir, als hätten wir's noch nimmer gelesen, nimmer davon gehört. Erwecken wir in unserer Seele die reinen lebensfragen: "was ist die Welt, in mir und um mich, mir? was bin, was soll ich ihr? was bin, was soll ich als Mensch-Jissroeï´l?" Mit solchem fragenden Gemüthe wollen wir lesen – und die Antwort als Juden, aus dem Munde der, allein Aufschluß zu geben vermögenden, Gottheit vernehmen. – Leben Sie wohl.
Nachschrift: An meiner Art hebräische Wörter deutsch zu schreiben werden Sie keinen Anstoß nehmen; ich schreibe sie nach der bei uns üblichen Aussprache, die, wenn nur nicht durch Nachlässigkeit verunstaltet, und nur grammatisch richtig gehalten, keineswegs der sogenannten Portugiesischen nachstehen dürfte. eï schreibe ich für's hebr. ִ.
Dritter Brief.
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Ich habe Ihnen bis zu diesem Briefe Zeit gelassen, auf daß jene, am Schlusse des vorigen berührten, Lebensfragen Raum gewinnen möchten in Ihrem Innern, und Sie vielleicht selber schon in dieser Gesinnung das Buch des Lebens zur Hand genommen haben. Wir wollen es nun gemeinschaftlich öffnen. – Nicht wahr, mein Benjamin, Jissroeï´l wollen wir kennen lernen, lernen Inhalt und Bedeutung dieses Namens, den wir durch Geburt tragen; was als solche wir sind und sollen? Aber Jissroeï´l ist eine geschichtliche Erscheinung unter den übrigen, – also die Frage: was Bedeutung der Geschichte? – Aber Geschichte, wie auch immer begriffen, ist jedenfalls Weg von oder zur Verwirklichung der Menschenbestimmung in Gesammtmenschheit; – also die Frage: was ist, was soll der Mensch? – Aber der Mensch selber ist nicht isolirt, ist Geschöpf unter übrigen Geschöpfen, von ihnen leidend, auf sie und durch sie wirkend; also: was ist die Welt? – Aber Jissroeï´l, Geschichte, Menschheit, Welt, nur aus Gott – wie das Werk aus Absicht des Meisters – zu begreifen, und für unser Auge, Gott nur in ihnen offenbart. So führt uns denn auch die Thauróh. – Zum Selbstbegriff Jissroeï´ls und seiner Pflichten leitet sie, über die Erkenntniß Gottes, – der Welt, – des Menschenberufs, – und der Geschichte. Folgen wir diesem Weg der Lehre.
In den Anblick des Himmels und der Erde ruft die Thauróh uns hin und spricht: Vom Himmel zur Erde, von Erde zum Himmel, Alles was du daseyend erkennest, als es ward – בראשית ברא אלהים!‏: in seinem Anfang war Gott als Schöpfer wirkend! – Siehst du den Himmel in seinem ewig stillen, gleichen Gang, Inhaber des Lichts und der Wärme und aller Lebenshebel unserer Erde, Träger der Erdenwelt, siehst ihn mit seinen Millionen Sternwelten, oder in Glanze des herrlich dahinstrahlenden Sonnenballs; – oder die Erde, die Läuferin, mit ihrem ewigen Kreisgang des Werdens und Vergehens, des Blühens und Welkens, des Lebens und Sterbens, und Vergehen und Welken und Tod stets zu neuem Daseyn, neuer Blüthe und neuem Leben sich ringend; siehst sie mit ihren Millionem Geschlechtern, Steinen, Pflanzen, Thieren, die sie alle erzeugt, alle nährt und alle wieder aufnimmt in ihren Schooß; siehst du das Licht, den Boten des Himmels zur Erde, der Alles locket zum Leben und führet vom Leben, durch den du siehest Alles, was ist, und Dir sich Alles in Farbenkleid hüllet; oder die Luftdünnung um die Erde gespannt, die den Lichtstrahl auffängt und ihn umschafft zum Bedürfniß der Erde, an der die Wolken hinziehen und trinken und tränken lechzende Erde, dürstende Gräser und Thiere und Menschen; – siehst du das Weltmeer mit allumfassendem Fluthenarm die Erde umspülend; oder die Quellen, die in Felsklüften entspringen und als Bäche, als Flüsse, als Ströme fortfließen, und freuest du dich ds Erdbodens, an den du sicher dich lehnest mit dem Deinen, freust dich seiner Gräserflur, und seiner Baumgeschlechter, und der Thiere aller, die munter sich regen in Wassern und in Lüften und mit dir auf der Erde; siehest du die Sonne, den Mond und die Sterne, die über dir regeln die Zeiten des Tages, des Monats, des Jahres, und erzeugen den Reigen von Wachen und Schlafen, von Steigen und Fallen, von Blühen und Welken auf der Erde; – "Ein Gott ist's, Ein allmächtiger Schöpfer," ruft dir die Thauróh zu, durch dessen Wort ward Alles, was ist. Sein Werk Himmel und Erde, Sein das Licht und die Luft und das Meer und das Trockene, Sein die Pflanze und der Fisch und der Vogel und der Wurm und das Thier, Sein Geschöpf Sonne, Mond und die Sterne; – Er sprach, – וַיֶּֽהִי!‏ und es ward! – Und siehst du nun einzeln jedes Geschöpf, von dem Strohhalm bis zum Sonnenball, jegliches besondere Bestimmung tragend, jegliches zu dieser Bestimmung nach Stoff und Form besonders Gebildet; – derselben Allmacht Weisheit ists, die jedes besonders bildete und bestimmte
. Sie rief dem Licht zu: "diene dem Tage!" dem Dunkel: "diene der Nacht!" der Luftdünnung: "werde Himmel der Erde!" der Wassersammlung: "Meere!" dem Trockenen: "werde Entwickelungserde!" den Gestirnen: "seyed Regler der Zeiten!" Sie bestimmte, und wog für die Bestimmung Jeglichem zu Stoff und Form und Kraft und Maß; sie sprach, ויהי כן!‏ und es ward, wie es ist – Kleinstes und Größtes durch Gottes Wort im Daseyn, durch Gottes Wort bestimmt, durch Gottes Finger gebildet. – Alle die Kräfte, die du in Jedem wirken siehest, und alle die Gesetze, nach denen sie wirken, und die du erspähest und bewunderst; von Kraft und Gesetz, nach denen der Stein fällt, nach denen ein Saatkorn sich entwickeit, bis hinan zur Kraft und zum Gesetz, nach denen die Sternbahnen sich regeln – und dein Geist sich entfaltet; – Gottes, der Allkraft, sind alle Kräfte, Sein Wort herrscht in jedem Gesetz. – Und nun sieh diese große Schaar von Wesen, wie durch eigenthümliche Bildung und Bestimmung geschieden, wieder zu einer großen Friedensordnung verbunden, jedes nur an seiner Stelle, in seiner Zeit, mit dem ihm zugewiesenen Maß von Stoffen wirkend; Keins das Andere beeinträchtigend, vielmehr jegliches ttragend das All, und das All tragend ein jedes; – wer ists, der also alle Gegensätze vermittelt und das Zahllose einet zum All? – ויבדל אלהים בין האור ובין החשך!‏ derselbe Alleine ists, der vrmittelnd dasteht zwischen Licht und Dunkel, zwischen Leben und Tod. Wie seine Liebe spendet Stoff und Kraft zum Wirken; so weiset seiner Gerechtigkeit Finger Schranke und Ziel und Maß. – "Vermittler aller Gegensätze ist sein Name!" – Und was Er geschaffen, gebildet, geordnet – ויברך אלהים!‏ mit dem Segen der Forterhaltung und Fortentwickelung segnete Er Alles. – Nicht nur ward Alles durch Ihn, Alles ist auch durch Ihn! Sein Segen jede Knospe und Blüthe, Sein Segen jeder Keim und jede Frucht, Sein Segen das Junge, das die Mutter schützet, Sein Segen der Säugling, den du drückest an liebende Brust! – Und Er, der Geschaffen, gebildet, geordnet, gesegnet – וינפש!‏
, unsichtbar – wie die Seele dir im Körper – zog er sich zurück, und hüllte – wie Seele – sich ein in seine Schöpfung und wirket, erhaltend und enwickelnd, unsichtbar weiter. Sein Werk sieheft du, seine Blidungen staunest du an, seine Gesetze erspähest du, seines Segens freuest du dich – aber ihn, den Schöpher, Bildner, Ordner, Segener der Welt – Ihn siehest du nimmer! Drum, wenn du siehst und staunest, erspähest und dich freuest – sinke hin und bete Ihn an, den Alleinen, der schuf und bildete, ordnete und segnete, und verehre Ihn als Allmacht, Allweisheit, Allgerechtigkeit und Allliebe!
Schreibet Gott zu alle Geburten der Kräfte,
Schreibet Gott zu alle Ehre und Macht!
Schreibet Gott zu Offenbarung seines Namens,
Beuget euch Ihm in Heiligthum's Gewand!
Stimme Gottes über die Wasser,
Der Schöpfung Allmächtige donnert,
Gott, über mächtige Fluthen.
Stimme Gottes in jeder Kraft,
Stimme Gottes in jeder Schöne.
Stimme Gottes bricht die Zedern,
Gott zerbricht L'wonaún's Wald,
Lässet sie hüpfen gleich dem füllen,
L'wonaún und Sirjaún wie R'eim's Junge.
Stimme Gottes schlägt flammendes Feuer,
Stimme Gottes schreckt die Wüste,
Gott erschreckt die Wüsteney!
Stimme Gottes lässet gebären die Hindinn,
Wie sie die Wälder entblättert.
Und in seiner Verehrung Tempel -
Spricht sein All:
"Offenbarung!"
- – - -
Auch dem zittert mein Herz entgegen und weicht von seiner Stelle.
Höret ihr, hört! – im Drohen Seine Stimme, und das Word – wie's seinem Munde entfährt!
Unter'm ganzen Himmel siehet man Ihn,
Sein Licht an den Schwingen der Erde.
Hinterdrein grollt der Donner -
Er donnert in seiner Hoheit Ton -
Und Er folgt nicht der Spur – wenn auch seine Stimme man höret.
So donnert die Allmacht in ihrer Stimme Wunder -
Uebt auch Großes, wo wir nicht es merkken,
Spricht auch zum Schnee: "werde der Erde!"
Und Regen – Sendung seiner Macht!
An jedes Menschen Hand legt Er durch ihn sein Siegel,
Bedenkt durch ihn seiner Schöpfung jeglich Glied. -
Und ruhet in seinen Stätten;
Und kommt aus Verborgenem Sturm,
Und aus Jahresgang die Kälte;
Von Gottes Hauch, – Er giebt den Frost,
Und weite Wasserbahn wird fest.
Auch wenn der Glanz den Dunst zerreißt
Ist Er's, der zerstreut Gewölk für sein Licht.
Er! aller Ursachen Hebel! In seiner Schöpfungsweisheit wandelt Er sie sich, ihrer Wirkung entsprechend.
Alles ist, wie Er es ihnen aufträgt für seine Menschenwelt, zur Erde.
Sey's zur Zucht, sey's zur Erdentwickelung, sey's zur Liebe – Man findet Ihn!]
Also: Ein Schöpfer! alles Uebrige, Alles, was du kennst, Geschöpf, Offenbarung dieses Alleinen! Alles von Ihm hin- und Ihm untergeordnet! Alles geworden durch Ihn, seyend durch Ihn, wirkend durch Ihn! -
Und siese Welt – was wäre sie nun? – Auf heiligen Boden treten wir, mein Benjamin, in einer Gotteswelt leben wir, – Gottes Geschöpf – und Diener ein Jegliches rings um uns! – Jede Kraft: Gottes Bote; jeder Stoff: ihr von Gott zuertheiltes Maß, auf ihn und in ihm und durch ihn zu wirken, nach Gottes allmächtigem Gesetz; – Gottesdiener Alles! Jedes an seiner Stelle, in seiner Zeit, mit dem ihm zugetheilten Maß von Kräften und Mitteln, Gottes Wort erfüllend, Beitrag liefernd in Seine Hand, den Er dann füget zum Bau des Ganzen, – Gottesdiener Alles!
Er, der Licht umhüllt wie Gewand, die Himmel spannt wie Teppich,
Der wölbt in Wassern seine Höhen, Wolken sich zu Füßen gibet, einherwandelt auf Fittigen des Windes, -
Er macht auch Stürme seine Boten,
Seine Diener flammend Feuer.]
Diener der Sturmwind, der Blitz und der Regen und Schnee, Diener der Wurm, der zu deinen Füßen schleicht, der Grashalm, der dir am Wege nicht, der Donner der dir majestätisch hinrollt, und der Luftzug, der leise Kühlung dir fächelt, – Diener Alles!
Denn wie der Regen und der Schnee steiget vom Himmel,
Und dorthin nicht zurückkehrt, er habe denn getränket die Erde, Zur Geburt sie geführt, und ihr Pflanzen entlockt,
Und gegeben Saamen den Sämann, und Brod dem Esser;
So ist jeglich mein Wort, das meinem Munde entfähret,
Se kehrt nicht leer zu mir wieder:
Sondern es führet aus, was ich gewollt,
Und vollendet glücklich, wozu Ich es Gesendet.]
Alles Diener um Gottes Thron! – Denn, "siehest du nicht?" – sprechen die Weisen
– "nicht mit Einem Schöpfungsruf rief der Allmächtige Alles, das Ganze und das Einzelne, ins Daseyn, daß Jedes, das Ganze und Einzelne, nur unmittelbar an Gottes Mund hange mit Daseyn und Leben und Wirken, Alles nur unmttelbar von Gott getragen würde und nicht Eins das Andere trüge und getragen werde von ihm – sondern in zehn Entwickelungen rief Er seine Welt ins Daseyn, schuf die Fülle von Kräften, ließ sie einander durchdringen und innig wirken seinem Worte gemäß, – und sonderte sie dann los, also, daß Eine das Andere trage, keins die Bedingungen seines Daseyns und Wirkens fortan in sich fasse, sondern vom Brudergeschöpf zu empfangen habe, um hinwieder Brudergeschöpfen zu spenden die Bedingungen des Lebens und Wirkens, – auf daß jedes Einzelne mit seiner Kräfte maß, wie viel oder wenig auch immer, Beitrag werden könne zur Erhaltung des Ganzen – und was ein Brudergeschöpf vernichte, sich selber raube eine Bedingung des eigenen Lebens." – So das Wasser, nachdem es die Erde durchdrungen, besonders gesammelt in Wolke und Meer; so das Licht, nachdem es die Erde durchdrungen und Pflanzen, die Kinder des Lichtes, erzeugt, an Sonne und Mond und Sterne gebunden; so der Keim, nachdem die Erde gezeuget, genommen der Erde und der Fruchtkrone geschcnkt, daß auch die Erde fortan erst empfangen müsse, um zu geben – und so Ein großes Liebesband von Empfangen und Geben die Wesen vereine, Keines durch sich, für sich dasey, Alles ein Ineinander-, Durcheinander- und Füreinanderwirken des Einzelnen fürs Ganze, des Ganzen fürs Einzelne; Keines Kraft und Mittel nur für sich erhalte, sondern empfange, um zu geben; gebe, und empfange im Geben Vollendung seiner Daseynsbestimmung.
"‎ה," Liebe – sprechen die Weisen, – tragende und getragen werdende Liebe, ist Typus der Erdschöpfung, – "Liebe!" haucht dir Jegliches zu. -
Vierter Brief.
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Der Mensch, – was wäre er nun in dieser Gotterfüllten Welt? unter dieser Schaar von Gottesgeschöpfen? – in diesem Chor von Gottesdienern? – Schwiege die Thauróh fortan, – sagt's Ihnen nicht der Anblick der Schöpfung, sagt's Ihnen nunmehr nicht die eigene Brust? Der Mensch – nicht auch Geschöpf Gottes? nicht Diener Gottes auch? Jede Fiber Ihres Körpers Geschöpf aus Gottes Hand – von Ihm gebildet, von Ihm geordnet – von Ihm mit Kraft beschenkt; – Ihr Geist, diese Welt von Kräften, Gottes Schöpfung durch und durch; – der göttliche Funke, Ihre Persönlichkeit, der, unsichtbar wie Gott, in dieser Kleinen Welt webet und wirket, und dessen ist Geist und Körper und Kraft, die ganze Erdenwelt als seine Mittel künstlich sich anzueignen, selber Ausfluß der Gottheit. – - Lernen Sie sich heilig achten als Geschöpf Gottes – und sprechen Sie, im Anblick des Himmels und der Erde, im Anblick des großen Chors von Gottesdienern, weihend über sich aus den freudigernsten Namen auch Ihrer Bestimmung: "Gottesdiener!" Wenn Alles, Kleinstes und Größtes, Gottgesandte Kraft ist, mit gegebenen Mitteln, an angewiesener Stelle, in angewiesenem Kreise, nach Gottes Gesetzen, wirksam zu seyn, – zu nehmen, nur um zu geben; – da wäre der Mensch allein ausgeschlossen aus diesem Lebenskreis? nur zu nehmen geboren? – zu schwelgen oder zu darben? – nicht zu wirken? keine Stelle auszufüllen? vielmehr Alles in sich enden zu lassen? Alles – Welt- und darin Gottes- Diener – und nur der Mensch sich dienend, sich? Nein! Ihr Bewußtseyn sprichts, und es sprichts die Thauróh: צלם אלהים!‏ soll er seyn, Ebenbild Gottes! Mehr als Alle, für Alle seyend. Nur wirkend kennst du Gottin Liebe un Gerechtigkeit; nur zur Wirksamkeit in Gerechtigkeit und iebe bist du berufen; nicht, nur zu genießen und zu dulden. – Alles, was di wird, Geist,Körper, Menschen, Güter, Geschöpfe – und jede Fähigkeit und jede Kraft – Mittel zum Wirken! – לעבדה ולשמרה!‏ zu förden und zu hüten Alles; – Liebe und Gerechtigkeit! – Nicht dir ist die Erde, – der Erde bist du geschenkt, – sie als Gottesboden zu achten, und jedes ihrer Geschöpfe als Gottesgeschöpf, als deinen Bruder, als solches es zu achten, als solches es zu lieben und es thätig zu fördern seinem Ziele zu – nach Gottes Willen. Dazu liefert deinem Geiste jedes Wesen Abbild von sich; – dazu tönen deines Herzens Saiten mitfühlend mit, mit jedem Schrei des Schmerzens, der irgendwo in der Schöpfung tönt, – mit jedem Freudeton, der einem frohen Geschöpfe entquillt; – dazu freuest du dich mit der Blume Blüthe – und dazu trauerst du mit der welkenden. – Dem Gesetz, dem alle Kräfte bewußt- und willenlos dienen müssen, dem sollst auch du, aber mit Bewußtseyn und frey dich unterordnen. – "Mit Bewußtseyn und Freiheit!" das ist des Menschen hoher Ruf, das ist des Menschen hoher Vorzug. Alle
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Kräfte stehen dienend um Gottes Thron, ihnen ist ihr Stand verhüllt, verüllt ihr Angesicht, zu schauen den Begriff ihrer Sendung, aber sie fühlen geflügelte Kraft zum Wirken – und wirken ihrer Bestimmung gemäß! Du Mensch! dir ist halb enthüllt das Antlitz, halb enthüllt dein Stand, kannst dich begreifen als Gottes Geschöpf, kannst dich weihen als Gottes Diener, – kannst den Begriff ahnen der Sendung, die zu vernehmen das Ohr Er dir geöffnet; – Do wolltest dich rings umgeben sehen von Gottes wirkenden Dienern – wolltest selber fühlen Kraft zum Wirken, – ud wolltest dich nicht hineinjauchzen in den großen Diener-Chor mit dem Rufe: נעשה ונשמע!‏ "will wirken, und drum aufhorchen! will wirken – und erfüllend zu erfassen streben des Auftrags Sinn!" – Mit Bewußtseyn – und frey! Darin erster Diener im Diener-Chor! – - Nicht drum, mein Benjamin, ws uns wird, ist unser Beruf; nicht nach Umfang der äußern und innern Güter, die wir in äußern oder innern Schatzkammern sammeln, wollen wir unser Leben wessen; was von und wird, was von uns ausgehet, das ist unser Beruf; nach dem, wie wir mit erlangten äußern und innern Gütern Gottes Willen erfüllen, jede kleinste und größte Gabe umschaffen zu einer menschlichen, Gott dienenden That – danach können wir uns messen! Und nur als Erlangung von Mitteln zu diesem Wirken haben Erstrebungen der öußern und innern Güter auch ihren Werth. – Von der leisesten Geisteskraft und dem Nervkörnchen, das ihr vielleicht dienet, bis zur Thatkraft Ihrer Hand, mit der Sie die Schöpfung umwandeln und der die Erdenwelt dienet, und jedes Wesen, das einmal in Ihren Kreis gekommen, – Ihnen alles geliehene Mittel, – die einst als Zeugen, für oder gegen Sie, um Gottes Thron zeugen werden, wie Sie sie vernachlässigt oder verwendet, und Segen oder Fluch damit gebauet. Es giebt also ein äußeres Maß für die Manschenthat, – es ist Uebereinstimmung mit Gottes Willen; und es giebt ein inneres für des Menschen Größe, – es ist nicht der Umfang der verliehenen Mittel, es ist nicht der Umfang des Gewirkten, sondern es die Erfüllung göttlichen Willens nach Verhältniß des Verliehenen. Also, mit bester Gesinnung ein verfehltes Leben, wenn die That nicht die recht ist; also mit kleinstm Wirken ein großes Leben, wenn die Mittel zu mehr nicht ausreichten. Also auch Glückseligkeit und Vollkommenheit nur größte fülle von äußern und innern Gütern, deren volle Verwendung nach Gottes Willen erst des Menschen Größe macht. –
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Der Genius der Menschenbildung, spricht ein Weiser, nimmt den werdenden Menschenkeim und führt ihn vor den Heiligen, dessen Wille alle Wesen fördern, und fragt: "dieser Keim, was soll ihm werden im Leben? soll stark oder schwach, klug oder einfältig, reich oder arm er werden?" ob aber gut oder bös, das fraget er nicht; denn Alles wird durch Gottes Hände, nur nicht die Gottesfurcht, nur nicht die treue Erfüllung der Pflicht mit dem Gegebenen." Wollen wir drum den Menschen danach messen, was kaum halb in seinen Händen ist – und nicht vielmehr danach, was Gott ganz allein in seine Hände gelegt – und das darum ganz allein Seine Größe zu seyn vermag? – Die Menschenbestimmung – so begriffen, ist dann auch von Jedem in jeder Zeit, mit jedem Maß von Kräften und Mitteln, in jeder Lage erreichbar. Wer in seiner Zeit, mit seinem Maß von Kräften und Mitteln, in seiner Lage, an den Geschöpfen, die in seinen Kreis geführt, Gottes Willen erfüllt, keines beeinträchtigt in seinem Kreise und jedes, nach seinen Kräften, gefördert, wozu Gott es gefördert haben will; – der war Mensch! er hat Gerechtigkeit und Liebe erfüllt in seinem Hierseyn! Sein ganzes Leben, sein Ganzes, sein Denken und Fühlen, sein Reden und Handeln, auch sein Eraerben und Genießen, – war Gottesdienst! Und ein solches Leben ist erhaben über allem Wechsel. Ob Genießen oder Darben, ob Fülle oder Mangel, ob die Thräne der Ergebung oder der Freude geweint – die Menschenenpersönlichkeit selber, unveränderlich fast wie Gott, siehet in jeder neuen Gabe, in jedem neuen Verluft, nur Aufruf zu neuer Lösung derselben Aufgabe. – So ist der Mensch in seiner irdischen Hülle der Erde angehörig, und auch sein Hierseyn bedeutungsvoll. Wie kein leiser Hauch und kein tagdauernder Halm und Käfer vergebens da ist, jeder, wie unscheinbar auch immer, einen Beitrag liefert, den Gottes Weisheit zum Bau des Ganzen fügt; so auch kein Genuß, kein Gedanke, keine That, wie leis auch immer, leer und vergebens; die rechten sind in Gottes Hand gelieferte Arbeit, der sie füget zum Bau das Ganzen. Erfüllung göttlichen Willens mit Besitz und Genuß, mit Gedanke, Wort und That, das ist unseres Lebens Gehalt. – Und diesen Willen müssen wir vernehmen. Denn das ist die alleinige Größe des Menschen, daß, während Gottes Stimme in allen übrigen, oder vielmehr durch alle übrige Geschöpfe spricht, sie in Bezug auf den Menschen zu ihm spricht; daß er sie frey aufnehme, als Hebel seiner Lebensthat. – - Gehen Sie nun hin, mein Benjamin, und prüfen Sie sich; prüfen Sie sich im Anblick eines Grashalms, eines hinrollenden Donners; und wenn Sie sich nicht, mit all Ihrer Besitzes- und Genussesgröße äußerer und innerer güter, schaamroth verhüllen vor solchen Geschöpfes Engelsgröße, in Ihrer selbstsüchtigen Kleinheit; und wenn Sie sich nicht erheben mit aller Kraft, mit jedem Fünkchen Daseyns, solch Engelbewußtseyn sich zu erringen; dann gehen Sie hin und jammern Sie über Entartung, die die Zeit Ihnen gebracht. -
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Segne meine Seele den Herrn,
Und all mein Inneres seine heilige Anerkennung!
Eegne meine Seele den Herrn,
Und vergiß nicht Alles, was Er dir läßt reifen.
Wie Er verzeihet allen deinen Krümmen,
Wie Er heilet alle deine Leiden,
Wie Er erlöset vom Grabe dein Leben,
Wie Er dich krönet mit Liebe und Erbarmen,
Wie Er sättigt mit Gütern, was dich zieret -
Daß du wie Adler deine Jugend erneuest.
- – - – - – - -
Der gesunkene Mensch, – wie Gras sind seine Tage,
Wie Feldes Blume blühet er;
Fährt Wind ihm über, so ist er nicht mehr,
Ihn erkennt nicht mehr seine Stätte.
Aber die Liebe des Herrn – waltet von Ewigkeit zu Ewigkeit
Ueber die, die Ihn verehren, und seine Gnade wird den Kindeskindern,
Denen, die achten seines Bündnisses,
Und denken seiner Aufträge, sie zu erfüllen.
Denn Er, – wie Er im Himmel den Thron sich gegründet,
So waltet seine Herrschaft durch Alles.
Segnet drum Ihn, Ihr seine Boten!
Die, kraftgerüstet, ausführen sein Word, horchend der Stimme seines Wortes;
Segnet Ihn, Ihr all seine Schaaren!
Seine Diener Ihr, Erfüller seines Willens!
Segnet Ihn, Ihr seine Geschöpfe alle! an jeder Stätte seines Reiches -
Segne auch du meine Seele den Herrn! -]
Fünfter Brief.
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Ich habe Sie nicht anders vermuthet, lieber Benjamin, als Ihr jüngster Brief Sie mir brachte. Welcher noch für Edeles empfängliche Jüngling könnte im Anblick Himmels und der Erde und ihrer Schaaren, im Anblick auch nur eines Geschöpfes, seine Bestimmung also deuten hören, ohne abzuwerfen alle Götzen Silbers und Goldes und den Allgötzen "Genuß", und sich schaamroth zu verhüllen! Aber nicht Erachlaffung ist Ziel solcher Erkenntniß und solchen Lossagens; sondern vielmehr Ermannung und Ergreifen alles Dessen; aber nicht mehr als Zweck, sondern als Mittel. Je reicher Sie der Himmel werden läßt an inneren und äußeren Gütern, eine um so umfassendere Erfüllung seines Willens fordert er von Ihnen, um so umfassender Ihre Pflicht. Sie haben Recht, daß, auch nur die Fähigkeiten des Menschen betrachtet, sein Beruf zu wirken sich herausstellt. Nehmen Sie zu dem von Ihnen Bemerkten noch hinzu sein zur Umsicht und Aufsicht aufrecht getragenes Haupt, seine zum Bilden gegliederte Hand, seine Geisteskraft uasreichend, die Dinge zu erkennen, in so fern sie ihm als Mittle zum Wirken dienen, aber darüber hinaus der Weg der Erkenntniß schwer und gefahrvoll und nur von Wenigen erklommen; die Entwickelung seiner Denkkraft selbst an Wirkemittel, an Mittheilungswort geknüpft; dagegen das Herz, der Quell aller That, ausreichend zur Achtung und zum Allunschluß aller Wesen in Liebe, allein der höchsten Steigerung und unbegränzten Fortschritt's fähig. – Auch darin haben Sir Recht, daß, so begriffen, Offenbarung des göttlichen Willens unabweisbar gefordert werde, sey es nun äußere oder innere, oder beide vereint. – Daß Sie mir in der Schrift nicht zu folgen vermögen, ist mir nicht unerwartet. Nehmen Sie einstweilen meine Skizzen als Hypothese hin; prüfen Sie ihre innere Wahrheit; machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut: wie? wenn nun dies wirklich der Thauróh Inhalt wäre? und überlassen Sie es mir, später nachzuweisen, daß er es wirklich sey. – Fahren wir fort.
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Wir haben also von der Thauróh geleitet für den Menschen ausgefunden seine Stelle in der Schöpfung. Weder Gott noch Sklave soll er seyn seiner Erdenwelt, sondern Bruder, mitdienender Bruder, aber Erstgeborner nach Art und Umfang seines Dienstes; Verwalter der ganzen Erdenwelt, zu achten und zu fördern Jedes nach Gottes Willen. Nur aus Gott, von dem die Kraft, stammt ihm auch Recht,
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die Erdenwelt sich anzueignen, aber mit diesem Recht auch Pflicht, nur das Gestattete sich anzueignen und es nur nach Gebers Willen zu gebrauchen. "Gut" soll ihn d'rum nur das seyn, was diesem Gottes Willen, und den von Gott gesetzten Bestimmungen der Wesen entspricht; "Bös" nur das, was dem entgegen. Nicht aber gut und bös, was ihn, den Menschen, an- oder ihm widerspricht, was seinen Treiben zusagt oder fremd ist, oder was einem sich willkürlich, nicht in Rücksicht auf Gottes Willen, gesetzten Ziele gemäß oder nicht gemäß ist. Denn nicht ja Trieb- und Genußbefriedgung, nicht Selbstvergrößrung oder Willkür ist des Menschen Aufgabe, – sondern Alles, auch seine Triebe und Körperanforderungen soll er ja adeln unter dem Willen Gottes, sie nur als Mittel zu seiner Bestimmung achten. – Aber mit seiner Freiheit ist auch Abirrung als möglich gegeben. Dem Gesetze, dem alle Wesen dienen müssen, soll er frey sich unterordnen – er kann sich ihm also auch entziehen. – Duurch seinen thierischen Theil, die Anforderungen seines Körpers, droht Genußsucht; daß von dem Reiz des Angenehmen, den Gottes Liebe jeder Befriedgung des Bedürfnisses zugesellt, bestochen, Genuß ihm Zweck werde und er Genuß nicht nur als Mittel erstrebe. – Durch Geistesherrschaft drohet Stolz; daß in der Kraft, nach erkanntem Zweck die Dinge umzuwandeln und zu beherrschen, er sich selbst als Herren achte, Gottes vergesse, vergesse, daß Alles nur zu bestimmten Zwecken geliehenes Gottes-Eigenthum sey, und er das Recht sich usurpire, nur eigenem Willen sich unterzuordnen. Höchste Entartung dann – wenn sein ganzes Streben nur thierische Genußsucht wird, und der Geist vom Herrscher sich zum Sklav des Thier's herablaßt, ganz allein Erreichung des vom Thier Geforderten zu ermitteln. – Dann stehet der Mensch als gefährlichstes Raubthier da, denn er ist mit Geist gewaffnet – und die Welt ist nicht sicher gegen seine Willkür. –
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Die Schrift übergehet Offenbarung göttlichen Willens an den Menschen für die Menschheit, weil diese später für den Kreis eines Volkes verjüngt erscheint und alles Frühere nur dahin führet. – Ein Erziehungsgebot erscheint und daran wird uns der Mensch und seine Erziehung durch Gott gelehrt. Dem Menschen, eine Welt zum Besitz und Genuß zu Füßen, wird ein Genuß untersagt, ohne offenbarten Grund, blos aus Gottes Willen. Denn Ihm soll ja der Mensch sich unterordnen, und höchste Vernunst ist's ihm ja, Gottes Willen als Seines Gottes Willen zu erfüllen. Ihn aber nur dann und nur darum vollführen wollen, wann und weil auch wir ihn als recht und weise und gut einsehen, hieße das noch Gott gehorchen? wäre es nicht Gehorsam nur – gegen sich selbst? – Genußsucht reizt: "ist's doch so ansprechend, so lieblich, so süß!" Geistesstolz läßt folgen dem Reize: "haben wir ja auch Geist und Einsicht und Verstand! können ja Göttergleich selbst wissen, was Gut ist und Bös! ist ja nichts leichter! Ist's ja so süß – und wär' nicht gut?! und ist unser ja die Erde und was sie füllet! – und gut wird dem Menschen das Süße, bös nur das ihm Bittere!" Geschichte aller Sünden! – Gott offenbart sich als Richter – aber auch als Vater und Erzieher! – Richter – Ist sein nicht die Erde und was sie füllt? haben wir nicht aus Ihm und nur aus Ihm Kraft und Recht zu erwerbwn, zu genießen? Und auch nur einmal misbraucht diese Kraft, auch nur einmal die Hand ausgestreckt nach dem Verbotenen – und wir hätten nicht verwirkt allen Anspruch aufs Hierseyn? "Am Tage, da du des Verbot's nicht achtest, hättest du Hierseyn verwirkt" war darum zum voraus warnender Richterspruch. Aber ihn nicht führet Gott aus an seinen gesunkenen Kinde, sondern will es väterlich erziehen. Der Weg zum Genuß wird ihm erschweret; seine Thierheit nicht zu nähren und seinen Stolz zu beugen; und den Menschen in sich und aufwärts zu Gott zu führen, durchs Innewerden der Schranken seiner Macht, und daß Anderes sein Beruf, seine Größe seyn müsse, als was ihm nur so gegeben und genommen werden könne. – So wird auch Jeder von uns noch heute erzogen. Durch unser Geschick spricht Gottes väterliche Erziehung zu uns. Rein tritt Jeder in die Zeitlichkeit ein, der höchsten Staffel menschlicher Größe fähig. Daß Sie in dieser Stunde, an dem Orte, unter solchen Umgebungen, von den Eltern, zu solchen Geschwistern, mit dem Maß von Geistes- und Körperkräften und äußern Mitteln geboren werden, daß Sie solche Lehrer, Bekannte, Freunde finden, das ist das Eden, in das Gott Sie fetzt. – Aber auf daß Sie nicht übermüthig Sein vergessen, und sich dem als ewigem Gute anklammern, das Ihnen nur zeitliches Mittel seyn soll; und wenn Sie es gethan, treten צרות Leiden ein in Ihres Lebens Hütte, die Sie auf sich selber beschränken, die Ihnen zurufen, Alles, Eltern und Geschwister, Freunde und Bekannte Geld und Gut, Körper und Geist werde Ihnen gegeben, von Gott gegeben, und das Alles seyen Sie nicht selber! Auf daß Sie jegliches Gut nur als geliehenes Mittel tragen in Händen, damit Erfüllung göttlichen Willens zu erzielen. -
Aber die Freiheit verschiebt auch Erfolg der Erziehung. In der Arbeit wird der Stolz genährt und "Sein" nennt der Mensch den Boden, den er mit seinem Schweiß ja gedüngt (קין); Versorgung körperlicher Anforderungen, nunmehr größeren Lebenstheil in Anspruch nehmend, hebet das Thierische im Menschen hervor; – er siehet in sich nur das Thier, und seinen Geist als Mittel zur bessern Befriedigung desselben; – das Menschliche im Menschen sinkt (נפילים)! Das, was den Menschen noch heben konnte, die Anerkennung Gottes als alleinigen Herrn und Vater, und somit alles Uebrigen als Gescöpf und Diener, und daraus seiner selbst als Diener und Kind, die Anerkennung war längst schon getrübt. Denn sobald der Mensch nicht mehr als kräftiger Träger und Verwalter sener Erdenwelt sich fühlet, sobald er mit Allem und gegen Alles, nicht mehr Gottes, sondern seinen Willen auszuführen bestrebt ist, und aufhört Diener Gottes zu seyn; so erblickt er bald auch in jedem ihn umgebenden Kraftwesen nicht den Gottesdiener mehr, sondern sich gehorchende, Besitz und Genuß und Kraftäußerung erstrebende Kraft, – er hat kein Auge mehr für das Gesetz das Alleinen, dem sie alle dienen, – und es zersplittert ihm sich die Welt inso viele Götter, als er Kräfte wirkend siehet. Ihm scheint nicht die Sonne, ihm rollt nicht der Donner, ihm leuchtet nicht der Blitz, ihm grünet nicht die Erde, ihm rauscht nicht der Sturm, ihm gatten und zeugen nicht Kräfte und Wesen mehr, weil sie müssen – sondern weil sie wollen! – denn ihm ist ja geschwunden das Gesetz aus eigener Brust. Und er, nur Besitz und Genuß erstrebend, wird Sklav der Wesen, aus dere Händen er sich kommen siehet Besitz und Genuß, und beugt sein Knie den Geschöpfen (אנוש); bis er, die Allmacht seiner Triebe gewahrend, selbst diese vergöttert, und – da alle Wesen um ihn, nicht als Diener eines großen Weltplans, sondern als selbstständige Kräfte angeschaut, ihm nur Gewalt und Genuß erstrebend erscheinen mußten – fand er bald Gewalt- und Genussesstreben nicht viehisch, also unter dem Menschen, sondern göttlich als des Menschen würdiges Zeil. Die Anerkennung des Alleinen hätte ihn wieder gehoben, aber Vielgötterey ward seines reinen Menschthum's Grab. – Das Geschlecht erschien unverbesserlich und – Vernichtung ward sein Loos. Nur einer Familie Haupt, das noch seinen Wandel vor dem Alleinen begriff, gerechtigkeit erstrebte, und auch das Thier in sich beherrschend veredelte, bot Trost in diesem Untergang de Geschlechtes, ward mit seiner Familie gerettet, zur Gründung neuen Bau's der Menschheit (נח). -
Sechster Brief.
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Das neue Geschlecht, das schauernd Gott als Richter und Herrn und Retter erlernt haben sollte – vergaß bald diese Lehre. – Auf neu geschenkter Erde will es sich stolz als Herrn begründen. In der Kraft, mit der es die Natur beherrscht, glaubt es Gottes zur Lebensgründung und Erhaltung entbehren zu können; – da beginnt Geschichte! – Nicht mehr vernichten will Gott sein Meschengeschlecht; sondern erziehen, das ganze Menschengeschlecht zum Gottes- und Selbstbewußtseyn will Er erziehen durch Erfahrung. – Den Grad der Verworfenheit des untergegangenen Geschlechts soll es nimmer im Ganzen mehr erreichen. Zerstreut muß es darum werden, daß nicht, nur allmälig sich verbreitend über die Erde, eine Familie das Menschengeschlecht bleibe, und die Gesunkenheit des einen Endes der Erde sich rasch ansteckend dem Ganzen mittheile. Zerstreut muß es werden, auf daß fortan das Menschengeschlecht uas sich selber sich verjünge, und ein alle Stadien des Menschenwahns durchlaufener, entnervter Menschenstamm einem kräftigern, roheren weichen müsse, der neues Leben beginne. Zerstreut muß es werden, muß überall verschiedene Richtung finden, auf daß sich die verschiedensten Seiten des Menschengeistes erproben in Selbstbegründung der Natur gegenüber, und allseitig die Erfahrung werde. Dazu die Erde aus der Vernichtung neu gestaltet für diesen Erziehungsplan hervorgegangen; verschieden gestaltet nach Clima und Boden und vielfach durchschnitten durch Meere und Flüsse und Berge und Wüsten; so daß überall dem Menschen, der sich Herr des Bodens wähnet, dieser Boden selber Richtung vorschreibe in Lebensart und Beschäftigung, und ihn durch Clima und Eigenheit bis in sein Inneres, seinen Körper, seine Ansichten, Denkweisen und Triebe beherrsche und das Product von alle Dem, seine Sprache, und so die Vielseitigkeit der Erfahrung begründe. – Durch diese Erfahrung soll er zu Gott und zu sich erzogen werden; soll lernen, daß Ein Gott walte über Natur und Menschenleben, soll lernen, daß höher des Menschen Beruf sey – als besitzen und genießen. – Seitdem tritt Volk nach Volk ein in die Reihen der Geschichte, jedes bringt neue Kraft und neue Seite des Menschengeistes mit, und erprobt beide zur Erringung von Besitz und Genuß, im Kampfe mit der Natur, – und mit einander, und will das Errungene sich verewigen. – Aber eine höhere Hand, die ja die Bedingungen alles ihres Wirkens leitet, stürzt, was sie für die Ewigkeit zu bauen vermeinen, durch leisen Hauch zusammen, und entwickelt gerade aus dem unbeachteten Kleinen vor den Augen staunender Menschheit das Größte. – Und wenn Eines dann den Gipfel der Besitzes- und Genusses-Größe erstiegen, gehet es in dieser Größe und durch diese Größe selber zu Grunde, und räumt neuem Geschlechte, zu neuem gleichen Versuche die Bahn. – Von Gott geleitet werden die Ergebnisse aller dieser Versuche dem spätern Geschlechte allseitig zum Bewußtseyn gebracht; – und wenn sie nun durchgemacht diese Versuche, und jedes Volk durch sein Steigen und Fallen "הבל!" Nichtigkeit über alle menschliche Größe eingeschrieben in's Buch der Geschichte, – und gescheitert sind alle Versuche, sich dauernde Glückseligkeit durch Besitz und Größe zu schern; – und zusammengestürzt alle Bauten der Gewalt und der, Besitz und Gennuß berechnenden, Klugheit; – und nur das für die Ewigkeit gegründet war, was, wo immer nur, Menschen in Gottverehrendem Gerechtigkeits- und Liebes-Streben gebaut; – wenn dann über den Trümmern menschlicher Gewalt und menschlichen Wahn's das spätere Geschlecht, – nachdam alle Geschöpfe und zuletzt sich selbst der Mensch auf den Menschenleben begründenden Thron vergötternd gesetzt, – die Nichtigkeit aller dieser Götterwesen schauernd erlernt, und frey wird das Auge zum Hinaufblick zum Alleinen – und wieder das Gefühl erwacht für wahre Menschengröße, die selbst Besitz und genuß nur als Mittel begreift; – und, das zerstreute Menschengeschlecht wieder künstlich vereint, diese Erfahrung, dieses Gefühl alle Erdenenden durchdringt, – und über den Trümmern der Vergangenheit das Menschengeschlecht reif wird für die Frage, nicht, was haben wir zu thun, damit wir glücklich und selig werden – sondern, wenn wir glücklich und selig sind, wenn wir die Fülle des Segens in Händen tragen – was haben wir dann zu thun mit diesem Segen? – dann -
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In diesem Ende der Tage stehet gegründet der Berg des Herrn an der Spitze der Berge
Und getragen von den Hügeln – und ihm strömen alle Völker dann zu.
Und es gehen dann große Nationen und sprechen:
"Kommet, lasset uns hinaufziehen zum Berge des Herrn, zum Hause des Gottes Jaakaúws,
"Daß es uns lehre von Seinen Wegen und auch wir wandeln in Seinen Pfaden;
"Denn von Ziaún gehet die Lehre aus, und des Herrn Wort von J'ruscoláim.
"Daß Er richte zwischen Nationen, und leher mächtig Völker,
"Daß sie zerstücken ihre Schwerdter zu Sensen,
"Und iher Speere zu Winzergeräth,
"Und Volk nicht mehr trage gegen Völk das Schwerdt,
"Und nicht sie lernen mehr Krieg.
"Haus Jaakaúws! Gehet doch voran, daß auch wir wandeln im Lichte des Herren!
"Denn du hast uns, dein Volk, verlassen, Haus Jaakaúws! -
"Daß sie sich füllten von Morgenland her,
"Warden Zeitenwähler wie Philister,
"Und mußten sich mit Geburten der Fremden begnügen.
"Und wie sich da füllte Seine Erde mit Silber und Gold und kein Ende war dieser Schätze;
"Und wie sich da füllte Seine Erde mit Rossen und kein Ende war dem Gespann;
"So füllte Seine Erde mit Göttern sich an,
"Seiner Hände Werk beugten sie sich, dem, was Seine Finger gebildet.
"Da beugte sich Menschheit – da sank der Mensch; und du – crhobest sie nicht!
"Gehet ein in Felsen, bergt euch in Staub -
"Vor dem Schrecken den Herrn, und vor der Größe Seiner Hoheit!" -
So wird gebeugt das Auge des Hochmuths der Menschheit
Und es sinkt der Stolz des Menschen,
Und groß stehet Gott allein da an jenem Tage.
Denn ein Tag ist dem Herrn Zwoaúß
Ueber alle Stolze und Hohe, und über alles Hochsichtragende – daß es sinke!
Ueber alle Zedern L'wonaúns, die hohen und hochsichtragenden, und über alle Eichen Boschóns;
Ueber alle Berge, die hohen, und über alle Hügel, die hochgetragenen,
Ueber jeden hohen Thurm, und über jede feste Mauer,
Und über alle Schiffe Tharschisch's, und über alle Gebäude der Lust; -
Daß sich beuge der Hochmuth der Menschheit – und sinke der Stolz der Menschen,
Und groß allein da stehe der Herrr an jenem Tage; -
Und die Götter läßt Er schwinden im Rauch.
Und man eilt in die Klüfte der Felsen unnd in die Höhen des Staubes
Vor dem Schrecken des Herrn und vor der Größe seiner Silbers und die götzen seines Goldes,
Die dahin ihn gebracht, daß er dem fruchtverderbenden Thier und der Fledermaus sich beugte;
Zu eilen in die Spalten dn Felsen und die Abhänge des Gestein's
Vor dem Schrecken des Herrn und vor der Größe Seiner Hoheit,
Wenn Er aufstehet, die Erdentwickelung zu meistern.]
Wenn Sie darum durchgegangen sind die Blätter der Geschichte und müssen mit der "Alles sammelnden Stimme" ausrufen:
20
Nichtigkeit der Nichtigkeiten! Alles ist eitel!
Was ist denn Ziel der Menschheit mit all ihrem Mühen unter der Sonne?!
Geschlechter gehen, Geschlechter kommen, und die Erdentwickelung harrt immer neu verhülleter Zukunst entgegen; -
Hier gehet sie auf, des Glückes Sonne, – dort gehet sie unter, – und zu ihrem Untergangsort strebt sie aufgehend schon hin;
Gehet zur Mittagshöhe – und wendet zur Mitternacht sich. -
So gehet kreisend der Tag, – und in seinen Kreisen – kehret zurück der Tag.
Alle Völkerströme strömen zum Meere, und das Meer doch nimmer sich füllet;
Zum Ort, dahin die Ströme wallen, dort kehren sie nur zurück, um neuerdings zu strömen.
So ermüden alle Worte, kein Mensch kann etwas aussprechen,
Das Auge wird nie gesättigt am Schauen, das Ohr nie voll vom Hören;
Was war, – das soll erst werden; was geschehen, – soll erst geschehen; -
Und so tritt nimmer ganz Neues auf unter der Sonne.
Manches, wovon du spricht: "Siehe, das ist doch neu!" – es war schon der Zukunft gestellt in Zeiten, die vor uns gewesen.
Man gedenkt der Erstern nicht mehr, und auch den Spätern wird Andenken nicht mit dem, das zuletzt wird auftreten.
Gebe ich mein Herz nun hin, zu forschen und zu spähn in Weisheit über Alles, was geschiehet unter der Sonne,
So erscheint es als ein Bruchverhältniß; – Gott gab's den Menschensöhnen frey, daß darin sie sich aussprechen.
Sehe ich darum alle Geschichten, die geschehen unter der Sonne,
Und siehe: Alles Nichtigkeit und Geistesbruch!
Selber verkrümmt! – kann darum nichts verbessern -
Selber ein Mangel! – kann darum hinzugezählet nicht werden. – -
So ist Ziel des Worts, – daß Alles offenbart, vernommen werde,
Daß, zu Gott mit ehrender Scheu aufschauen,
Seine Gebote erfüllen,
Daß das "Allmenschthum" sey. -
---
21
Herr! Stätte Du! Du bleibst uns, wenn Geschlechter an Geschlechter sich reihen; -
Ehe Berge geboren wurden, ließest Du kreisen die Erde – und so auch die Menschenwelt!
Und von verhülleter Zeit bis zu verhülleter Zeit – bist Du die Allkraft!
Lässest gesunkene Menschheit bis zur Vermichtung kehren -
Und sprichst dann: "kehret wieder als würdige Menschensöhne!"
Denn tausend Jahr, von Dir überschauet, sind wie der gestrige Tag, wenn er dahin nun schwindet,
Sind oft nur Eine Nachtwache in der Nacht. -
Du lässest sie hinströmen, – Schlaf werden sie; -
Aber am Morgen – stehet's wie Kraut in frischer Kraft.
Ja, am Morgen – treibet Blüthe in frischer Kraft, -
Was am Abend – zerknickt ward und – dorrte. -
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22
Gott! sey uns gnädig und segne uns, lasse leuchten deine Waltung stets um uns!
Daß man erkenne auf Erden Deinen Weg, unter allen Völkern Dein Heil;
Daß dir huldigen Völker, Gott, daß dir huldigen Völker, sie alle,
Sich freuen und jauchzen Nationen, daß du Völker in Gradheit richtest und Nationen auf Erden Du führest. -
Dir huldigen einst Völker, Gott, dir huldigen einst Völker, sie alle.
Wenn erst die Erdentwickelung ihre Frucht getragen, dann segnet so Gott uns, unser Gott;
Dann segnet uns Gott, und es verehren ihn alle Enden der Erde.]
---
23
Es spricht Dowid, Jischais Sohn, es spricht der Mann, der hochgestellt,
Gesalbter des Gottes Jaakaúws, lieblich an Gesängen Jissroeï´ls:
Gottes Geist sprach in mir, Sein Wort war auf meiner Zunge.
Er sprach Gott Jissroeï´ls, mir sprach es Jissroeï´ls Hort:
"Es siegt einst in der Menschheit das Gerechte,
Es siegt die Gottesfurcht.
Wenn einst der Morgen leuchtet, strahlt Es als Sonne,
Der Morgen, der wolkenleer,
Weil schon vom Strahl, vom Regen. Kraut der Erde entsprossen." -
Denn nicht so ist mein Haus mit Gott;
Denn verhülleter Zukunst Bündniß gründete er mir, im All geordnet und bewahret,
Denn All umfassend mein Heil, All umfassend das Ziel,
Und blühet es auch noch nicht hervor.
"Aber Gewaltsames -
Wie verscheuchter Dorn ist's ganz,
Wird's gleich nicht mit sichtbarer Hand fortgenommen.
Freilich, müßte Mensch es angreifen,
Er müßte sich rüsten mit Eisen und Speer;
So aber, – im Feuer, -
Wird's unbemerkt verbrannt, -
In unsichtbarer Waltung."]
Siebenter Brief.
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Aus dem Anfange der J'schajóhustelle haben Sie erahnet, welche Stelle nun Jissroeï´l einnehme in der Reihe der Völkerentwickellungen, und haben nicht geirrt, lieber Benjamin. – Während so die Menschheit, der Erziehung durch Erfahrung hingegeben, Gott und sich aus ihren Schicksalen erlernen sollte, sollte Ziel dieser Erziehung gesichert und gefördert werden durch eigenthümliche Veranstaltung. Hatte man Gott aus dem Leben, ja aus der Natur zurückgewiesen und des Lebens Grund im Besitz, des Lebens Ziel im Genuß gefuden, also, daß das Leben Product der Vielheit der Menschentriebe ward, wie die Natur als Product der Vielgötter dastand; sollte ein Volk eingeführt werden in der Völker Reihen, das durch Geschick und Leben den alleinigen Gott al des Lebens einzigen Grund, Erfüllung Seines Willens als des Lebens einziges Ziel darstellen sollte und den Ausspruch dieses Willens, für den Kreis eines solchen Volkes verjüngt, durctragen als allrinigrn Mittelpunkt seiner Vereinigung. Dazu bedurfte es eines Volkes, arm an Allem, worauf die übrige Menschheit ihre Größe und ihren Lebensbau aufführet; im Aeußern untergehend unter selbstständiggerüstete Völker, unmittelbar nur von Gott getragen; auf daß in Ueberwindung des Entgegenstehenden Gott sich als alleinigen Schöpfer, Richter und Herren in Natur und Geschichte unmittelbar offenbare. Andererseits sollte zu gleicher Offenbarung dieses Volk geschichtlich zum zweitenmale aus Gottes Händen alle Mittel zum Menschen- und Völkerdaseyn erhalten, dieses Alles nur als Mittel zu tragen für den einzigen Beruf: Erfüllung göttlichen Willens; dieser Wille ihnen offenbart, an Erfüllung dieses Willens auch ihr von den Völkern geachtetes Wohl und Weh geknüpft seyn und so durch dieses Volkes Geschick und That die Lehre über Gott und Manschenberuf unmittelbar zur Anschauung gebracht werden, zu der auf anderem Wege mittelbar durch Geschichtserfahrung die Menschheit heranertogen werden soll: "Ein Gott aller Wesen Schöpfer, gesetzgeber, Richter und Lenker und Erhalter, Vater, alle Wesen seine Kinder, seine Diener, auch der Mensch ihm Kind und Diener, aus Seinen Händen ihm alles, und dieses All nur der Erfüllung Seines Willens bestimmt, dieses allein genüge zum Lebensbau, alles Uebrige gebe Gott als Mittel für diese Berufserfüllung." – Also ein Volk, das ה'‏ zum alleinigen אלהים habe, d. h. das den, alle Menschheit zu seinem Dienste in Liebe berufenden, und durch alle Zeitentwickelung dahin erziehenden Gott allein als seinen Gott anerkenne, Ihn allein als Begründer, Leiter und Hebel seiner Gedanken, Gefühle, Worte und Thaten habe; von Ihm Alles empfangen achte, zu Ihm mit Allem hinauflebe. – Mit ihm also Stein zu einem neuen Bau der Menschheit, in ihm geflüchtet Erkennung Gottes und des Menschenberufs und durch Geschick und Leben offenbaret zum Beispiel, zur Warnung, zum Muster, Erziehung. Aber eben darum mußte es gesondert bleiben; durfte nicht eingehen in's Treiben der übrigen Volker, damit es nicht auch untergehe in Besitz- und Genußvergötterun; bis einst durch Erfahrung und durch dieses Beispiel belehrt die Allmenschheit einig sich zu Gott wende, den alleinigen Gott mit ihm vereinigt als Begründer ihres Lebens erkenne, und "dann, wie Gott einig ist, auch seine Anerkennung einig sey, und dann von Ziaún die Lehre ausgehe und Gottes Wort von Jeruscholáim:"
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Der Herr von Ssinai kam und strahlte von Sseïir ihm,
Erschien vom Gebirge Porón, trat ein aus Myriaden Heiligthuns,
Von Seiner Rechten – ward ihm des Gesetzes Feuer.
Wenn auch alle Völker liebend, wurden seine Heiligen Werkzeug Deiner Hand;
Wenn Jene in sich werden geführt durch Deiner Thaten Eintritt,
Trägt Es von Deinen Worten;
Die Thauróh, zu der uns Mauschéh verpflichtet,
Sie ist das zu vererbende Gut in Jaakaúw's Gemeine!]
Achter Brief.
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Dazu ward zur Zeit jenes Anbeginns der Geschichte ein Mann erwählt zum Stammvater dieses Volkes, Awrohóm, in seinem Einzelleben das Ideal des einstigen Volkes schon verwirklichend. – Der Alleine, den er unter Besitz und Genuß erstrebenden Vielgötterern allein erkannte, der Alleine rief,-und ihn allein liebend warf Awrohóm hin Vaterland, Geburtsort, Familie, Elternhaus und Alles, was dem Menschen theuer und lieb ist, – und folgte Ihm, der ihn rief; empfing die Bestimmung, Stammvater eines Volkes zu werden, das
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"darin Segen werden sollte allen Völkern der Erde, daß es bewahren werde den Weg des Herrn, Milde und Gerechtigkeit zu üben;" und folgte Ihm; bethätigte diese Liebe zu dem Alleinen in der Liebe zu Seinen Kindern, zu den Menschenbrüdern; pflegte, rettete, wo er's vermochte, und flehete für sie zum Allrichter. – Und Er, um den er Alles verließ, und Seinen Ruf folgte in die Fremde, er schützte ihn auf seiner Wanderung und segnete ihn, daß er Erhaltung und Segen nur aus Seinen Händen trug und nur zum Heile seiner Welt verwendete. Zu dieser אהבה, zu dieser Liebe gesellte sich "אמונה", dies felsenfeste Vertrauen, das alles Leben getragen sieht von dem Alleinen und darum fest hält an Seinen Verheißungen, wie wenig auch ihnen die Gegenwart entsprechen möge; und "יראה" jene Gottesfurcht, die jeden Augenblick bereit ist, das Theuerste dem Allerhöchsten ohne Murren zurückzugeben, weil sie's stets nur als Gotteseigenthum trägt. – Und diese Gesinnung und diese Lebenserfüllung, sie vererbte sich auf Jizchóck, seinen Sohn, auf Jaakaúw, seinen Enkel, jener im Grundcharacter "Jiróh" hervortragend, dieser "Emunóh."
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Sie wanderten alle von Volk zu Volk und von einem Reich zu anderer Nation,
Er ließ nicht Menschen zu, sie zu drücken, und strafte ob ihrer Fürsten:
"Legt nicht Hand anmir Geweihte! und meine Propheten, trübet sie nicht!"]
So offenbarte sich in ihrem Einzelleben Gott als die "unsichtbarwaltende Vorsehung", bis sie zu einer Familie von 70 heranwuchsen. In diesen der Kern des einstigen Volkes. Aber aus diesem Kern mußte erst das Volk erzogen werden zur Tüchtigkeit für seinen einstigen Beruf. Im Gegensatz zu den übrigen Völkern mußte es den Weg zur Volksthümlichkeit nur in der Schule des Elends machen. Abgestreift sollte ihm werden Alles, was Völker zu Völker, ja Alles, was äußerlich Menschen zu Menschen macht; bis zur Freiheit sollte es Alles verlieren, nur Sitte und Verheißung und Hinaufblick zum Alleinen bewahren, – und dann aus Seinen Händen Alles neu empfangen. – Egypten, das damals höchster Vollendung der Menschencultur sich freuende Egypten, das in seinem Boden und seinem Fluß seine Götter erblickte, Egypten sollte die Elendswiege für seine einstige Bestimmung werden. – Zur Belohnung einer von ihnen stammenden Wohlthat wurden sie eingeladen, – als Gäste wurden sie eingebürgert; – aber Egypten, das nur Besitz vergötternde Egypten, kannte den Alleinen nicht, sah nicht in Allen Menschen Seine Kinder, übermüthig seiner Macht höhnete es Gast- und Menschenrecht und knechtete Jissroeï´l zu seinem Sklaven. – Tiefste Stufe menschlichen Daseyns nahm das zur Volkszahl herangewachsene Jissroeï´l ein, und ihm gegenüber Mizráim in der Blüthe seiner Macht, stolz auf seine Größe, höhnend die Gedrückten. Da erscheint der Alleine!
["Auf leichter Wolke tritt Er ein – und es wanken Mizráim's Götter!"]
Er offenbart sich als alleinigen Schöpfer, als Herrn der Natur, auch wenn schon Menschenhand sie ergriffen, als Richter der Uebermüthigen. – Mizráims Größe sinkt vor der Hoheit des nur Gott habenden Volkes. Dieser Gott spricht, – und es sinken die Mauern des Mizráimkerkers, und in seinen Fesseln zieht frey aus das Volk. – Aus Gottes Händen erhielt es Freiheit und Volksthümlichkeit und als Ziel dieses Allen die Offenbarung seines Willens für Menschenleben, – die Thauróh. Aus seiner Mizráim's-Schule und aus der Wüstenbildung sollte sich "אמונה" zu seinem Grundcharacter ausbilden, jenes felsentreue Hangen an dem erkannten Alleinen für alle Gänge, die Seine Leitung es thun lassen werde. In Wüsteney erhielt es Thauróh und ward dadurch in Wüsteney, ohne Land und Boden, Volk, – Ein Körper, dessen Seele "Thauróh;" – und dadurch "ממלכת כהנים", wie der Priester im Volke, so als Volk in der Menschheit die Gotteslehre bewahrend und "גוי קדוש" sie erfüllend, heilig dastehend, nicht eingehend in's Treiben und Streben der übrigen Völker, heiliges Menschthum im eigenen Leben bewährend. Thauróh, Erfüllung göttlichen Willens, ihm Grund und Boden und Ziel – und daher seine Volksthümlichkeit nicht an Vergängliches geknüpft, nicht durch Vergängliches bedingt; ewig, wie Geist und Herz und das Wort des Ewigen. – Aber es sollte als Volk eintreten in die Mitte der Völker, sollte als Volk zeigen den Völkern, daß Gott Inhaber und Spender alles Segens sey; daß es genüge, der Erfüllung Seines Willens sich zu weihen, um auch allen von Menschen geschätzten Segen als Fülle von Mitteln aus Gottes Händen zu empfangen; daß diese Weihe genüge zur Gründung des Lebens. – Ihm wird daher Boden und Segen und Staatseinrichtung, aber nicht als Ziel, sondern als Mittel zur Erfüllung der Thauróh, und darum an Erfüllung derselben als einzige Bedingung geknüpft. – Und gesondert mußte es bleiben im Glücke von den Völkern, daß es nicht von ihnen lerne dies sein Glück als Ziel seines Lebens verehren, und gleich ihnen untergehe in Besitz- und Genußvergötterung. – Welches Bild dieses Volkes, wenn es sein Ideal erreicht! Ein Gott, der Alleine, ihrer aller alleiniger Herr und Vater; sie alle gleiche Brüder unter diesem Alleinen; Erfüllung Seines Willens in Gerechtigkeit und Liebeswirken ihre einzige Größe; und für dieses Wirken diie Fülle des Segens als Mittel aus seinen Händen hingenommen, -
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Wie schön deine Hütten, Jaakaúw,
Deine Wohnungsstätten, Jissroeï´l!
Wie Bäche sind sie geneiget,
Wie Gärten an dem Strom,
Wie Aloe, die der Herr gepflanzt,
We Zedern an Gewässer;
Das Wasser rieselt aus Gottes Eimer,
Seine Saat ist's an Wasserfülle.
Darum wird höher als Agag sein König,
Und es erhebet sich sein Reich. – - – -
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Man sieht kein Unrecht in Jaakaúw,
Darum siehet man nicht Unglück in Jissroeï´l;
Der Herr, sein Gott ist mit ihm,
Weil seines Königs Anerkennung in ihm ist;
Und dieser Gott, der aus Mizráim sie führte,
Wie R'eim's hochstrebende Gewalt ist Ihm!
Denn es ist nicht Ahnungskunst in Jaakaúw,
Nicht Zauberwürfel ist in Jissroeï´l. -
Es kommet die Zeit, – dann forscht bey Jaakaúw man und Jissroeï´l,
Was die Allmacht hat gewirkt. – ]
Neunter Brief.
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Dies Ideal, diese Erfüllung seines Berufes im Glücks, – es hat es nur auf kurze Zeit erreicht. Schon sein erster Führer Mauschéh sprach's prophetisch, wie sie auf Gottes Boden Gottes vergessen, wie sie durch Völker und Fülle verführt an Besitz und Genuß sich anklammrnd,vergessen würden ihres Berufs; – und es kam die Zeit, wo auch in Jissroeï´l der Prophet klagen konnte:
["Die Zahl deiner Städte wurden auch deine Götter, J'hudóh!"]
Da mußte ihm genommen werden die Fülle, der Reichthum, der Boden, der sie verführt, – es mußte fort von dem Boden des Glücks, der es übermüthig von seinem Berufe entfernte; nichts mit hinausretten, als die Seele seines Lebens, die Thauróh; kein anderes Einigungsband haben fortan, als "Gott und seinen Beruf," das unverwüstlich, – weil Geist. Denn nicht aufgehoben war mit dem Untergang seines Staatenlebens der Beruf, dem ja auch jenes nur als Mittel seinen sollte. Vielmehr dieser Untergang selber bestandtheil seines Gott und Menschthum offenbarenden Geschicks, und in der Zerstreuung selber nur andere Seite derselben Berufserfüllung beginnend. Keine andere Sünde war in Jissroeï´ls Staatenleben begangen worden, als die, die auch im Leben aller übrigen Völker hervortritt; aber, wenn nirgends, so mußte sie i Jissroeï´l gerügt werden; denn es hatte ja keine andere Bestimmung, als sich rein zu halten von dieser Verirrung, – ה'‏ war ja sein Gott! – Dieser Untergang darum so lehrreich wie sein Glück. Und ein neues, großes, allverbreitetes Feld für seine Berufsbestimmung öffnet ihm seine Zerstreuung. Darum, ehe sie angetreten die große Wanderschaft durch Zeiten und Völker, nach kurzer Frist, wie noch einmal im Vaterhause, noch einmal versammelt auf heimischem Boden, um dort noch fester erst zu schlingen das geistige Thauróhband, das sie sorten allein tragen sollte; ud nun – nachdem es noch am Vorabend seiner Wanderung – einen Sprößling abgesetzt, der ihm sich halb entfremden mußte, um an die in Vielgötterey, Gewaltthätigkeit, Unsittlichkeit und Menschenentwürdigung versunkene Welt midestens von dem Alleinen und von Brüderschaft aller Menschen und von Erhabenheit des Menschen über dem Thiere Botschaft zu bringen und Lossagung von Besitz- und Genußvergötterung zu lehren, wenn gleich nicht Ergreifen derselbenb als Mittel zum Dienste des Alleinen, – mit seinem spätern Zweige großer Schritt zur Förderung des Ziels aller Geschichte, – nun hinausgestreuet in alle Welt, unter alle Völker und Zonen, um dort in der Zerstreuung seine Sendung zu vollbringen. "In die Wüste wieder!" tönt Prophetenstimme,
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"In die Wüste wieder!" bahnet dort den Weg des Herrn!
Ebenet in abendlicher Mischung eine Bahn für unsern Gott!
Daß, – wenn einst jedes Thal sich erhebt, und Berg und Hügel nieder,
Und alle Krümme Fläche wird und das Hügelichte eben,
Dann sich offenbare Gottes Herrlichkeit,
Und alles Fleisch dann sehe, daß Gottes Mund gesprochen.]
Und besser als im Glücke hat es seine Aufgabe im Golúß gelöst. – Gebessert sollte es zuerst selbst werden durchs Golúß. Sahe es ja vor seinen Augen untergehen alle Macht und alle Hoheit und allen Glanz, die es geblendet und die es als seine Götter zu verehren begonnen; – und es sollte je wieder Besitz und Macht und Glanz als Götter des Lebens verehren? Ohne Macht, ohne Hoheit, ohne Glanz, ohne künstlichen Menschenbau hat seine Treue gegen den Alleinen es getragen, und der Geist und die Erfüllung seines einzig geretteten Schatzes, seiner Thauróh, haben es getragen und fürs Leben errettet aus Quaal und Drangsal, aus Ruin und allen Schlägen entfesselten wüthigen Wahns; – Staaten in ihrer Menschenmacht und Hoheit sind rings um dasselbe geschwunden von der Erde – und es, ohne gróße und Hoheit ist geblieben durch diese Gottestreu und durch diese Gotteslehre – und es sollte nicht diesen alleinigen Gott als einzigen Gott seines Lebens für immer nun verehren – und seine Thauróh als seinen einzigen Beruf? – Und es hat's gezeigt, daß nicht ganz vergebens diese Erziehung. Tausendmal hat mit Gewalt gewassneter Wahn und durch diesen Wahn geschützte Leidenschaft Jissroeï´l den Weg zur Fülle des Erbenglücks geöffnet, wenn es nur oft mit einem Worte die Verkennung des Alleinen, seine Untreue gegen seine Thauróh aussprechen wollte; aber es hat stets fortgeschleudert diesen ja so leichten Schlüssel; – hat seinen Nacken hingereicht zum hinopfernden Schlag; hat verschmäht die Besitzes- und Genussesreize; hat sein eigenes kärgliches Glück, die theuersten Güter des Erdenlebens, Weiber, Kinder, Eltern, Geschwister und das eigne Leben und Gut und alle Freuden des Lebens noch hinzugeopfert; – es hat mit seinem Herzblut auf alle Blätter der Geschichte hingeschrieben die Lehre: daß es nur Einen Gott ehre und liebe und daß es höhere Menschengröße kenne als Besitz und Genuß! Es hat seine Treue an Gott und Thauróh und sein Zeugniß für sie mit mehr als seinem Blute besiegelt. – Seine ganze Golúßgeschichte ist Ein Altar, – auf dem es Alles, was Menschen gelüstet und sie lieben, der Anerkennung Gottes und seiner Lehre geopfert; – und unter allen Völkern und Zonen haben solcche Altäre geraucht; – - – und diese hätten, – diese sollten nichts lernen – daraus? nicht lernen in dm unter solchem Geschicksgang dennoch erhaltenden Höhern – den Alleinen? – in solcher Treue – den Menschenberuf? – - -
Und wenn sie nun verdampfen diese Altäre, – wenn Jissroeï´ls Zerstreute nun geduldet, geschützt, angebürgert, wie es die Völker gestatten, ruhig alle Größe ihres Jissroeï´llebens entfalteten; – wenn es, wie seiner Propheten Wort ihm als Pflicht verkündet, überall angeschlossen dem Staate, der es aufenommen, fördert dessen Wohl und Heil; – wenn es, mitten in einer Besitz und Genuß vergötternden Welt, nun ruhig und still sein Leben der Gerechtigkeit und Liebe lebte; wenn auch überall abwärts elien sollte das Geschlecht in Sinnlichkeit und Entartung, Jissroeï´ls Söhne und Töchter blüheten im kräftigen Jugendschmuck der Sittenreinheit und Unschuld; wenn auch überall die Häuser aufhören sollten, Pflanzschule reiner, gottdurchdrungener Menschensprößlinge zu seyn, in jedem Jissroeïlhause sich doch ein Tempel erhübe für Gottesfurcht und Gottesliebe und Gottvertrauen; wenn überall Gewinnsucht und Genußsucht und Selbstsucht Hebel der Handlungen werden sollten, aber in jedem Juden stände doch im stillen Lebensbeispiel ein Lehrer da der Allgerechtigkeit und Allliebe; – wenn so Jissroeï´ls Zerstreuten überall still aufblüheten als Priester Gottes und reinen Menschthums; – mein Benjamin! wenn wir wären, – wenn wir würden, was wir seyn sollten! – wenn unser Leben vollendetes Abbild unserer Lehre wäre! – welch allmächtiger Hebel für daas Allziel aller Menschheitserziehung!! Stiller, – aber höher und mächtiger noch und tieferwirkend als unser Gott und Menschthum offenbarendes Leidensgeschick! – In jenen Jahrtausenden des Leidens und des Hohns unvollkommenen nur erreichbar; – aber, wenn die Zeiten der Milde uns dahin reifen, dahin, – jeder Jude und jede Jüdinn durch eigenes Leben still bescheidene Priester und Priesterinnen Gottes und reinen Menschthums! wenn das Ideal und die Aufgabe unser wartet; – wollen wir noch, mein Benjamin, trauren über user Geschick??
- – - -
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Haltet euch rein, – Träger göttlichen Werkzeugs!
Denn nicht mit Leichtsinn sollt ihr ausziehen und in Flüchtigkeit nicht wandeln,
Denn es wandelt vor Euch der Herr und auf nimmt euch Jissroeï´ls Gott.
Siehe, – nur wenn weise handelt mein Diener, wird er hoch und getragen und erhoben gar sehr.
So wie die Vielen über dich staunten: "hat doch sein Ausehen alles Männliche verloren und seine Gestalt Menschliches All!"
So wird's unter Völkern jetzt vorbrechen, Fürsten schließen den Mund d'rob.
Denn was ihnen nimmer erzählt, schauen sie jetzt, was sie nimmer gehört, begreifen sie nun.
"Wer hätte unserer Erfahrung geglaubet! und der Arm des Herrn, an wem offenbarte er sich!
Wie ein Reis stieg's vor ihm auf, und wie Wurzel aus dürrem Lande,
Hatte keine Gestalt, keine Schöne, daß wir's anblicketen; kein Ansehen, daß wir's gelüsteten;
War verachtet, von Menschen aufgegeben, der Schmerzen Preis, mit Leiden wohl bekannt; -
Und als Gott sein Angesicht vor ihm barg, verachteten wir's und achteten es nicht. -
Und doch nur Leiden von uns trug es, Schmerzen von uns lasteten auf ihm;
Und wir – wir hielten es von Gottes Finger berühret, von Gott geschlagen und gdrückt!
Und es – erschlagen durch unsere Vergehen, durch unsere Sünden gedrückt;
Und doch unseres Friedens Einigungsband auf ihm, – und in seiner Wunde sollte uns Heilung werden.
Waren wir doch alle wie Schaafe verirrt, – hatten uns jeder nur seinem Wege zugewendet; -
Und Gott – suchte nur bey ihm heim die Sünde, die wir doch alle getheilt.
Es ward gedrückt, es ward gepeinigt – und öffnete doch nicht seinen Mund!
Wie Schaaf zur Schlachtbank ward's geführet, – wie Lamm vor seinen Scheerern
Blieb es verstummt – und öffnete doch nicht seinen Mund!
Der Herrschaft und Selbstwaltung war's entnommen – und sein Geschick, wer könnt's aussprechen ganz!
Denn es ward geschieden aus dem Lande des Lebens, – von der Völker Verirrung ward das Leiden ihm.
Es ließ Leidenschaftgetriebene sein Grab seyn
Und Machtstolze Werkzeug seiner tausendfältigen Tode,
Und es hatte doch Gewalt nimmer geübet,
Und es war nicht Trug in seinem Mund.
Aber Gott ersah seinen Zweck in siener Leidenszermalmung;
Wenn es nur selber als Opfer sich weihet, – siehet es Frucht, – dauert Zeiten durch -
Und Gottes Zweck wird durch dasselbe gefördert.
Durch die eigenen Leiden wird es erst selber erleuchtet, genährt;
Mit seiner Erkenntniß soll es dann Gerechtes als gerecht verkünden,
Wird mein Diener an Viele, – deren vergehen es trug.
Darum gebe ich ihm Antheil unter der Menge, mit Starken wird sein Loos;
Weil es sein Leben preisgab dem Tode, – mit Verbrechern sich zählen ließ -
Und es doch nur Sünde der Menge getragen – und sich Vergehende traf." -
Jauchze, Unfructbare, die du noch nicht geboren; brich aus in Wonne und jauchze laut, di du noch nimmer gekreiset;
Denn mehr sind die Söhne der früher Verödeten, denn der freudig Gefreieten, spricht Gott.
Weite nur Raum deiner Hütte, – die Teppiche deiner Wohnung – laß sie sich dehnen, – halte nicht sie zurück!
Verlängere deine Seile – und deine Pflöcke nache fest!
Denn rechts und links breitest du dich aus, – Völker schließen deinen Kindern sich an -
Und menschenverödete Städte werden bewohnt.
Fürchte dich nicht, – denn du wirst nicht zu Schaunden! Erröthe nicht, denn du hast nicht zu erbleichen!
Denn die Schande deiner Jugend wirst du vergessen und der Schmach deines Witwenstandes nie mehr gedenken.
Denn dein Herr und dein Schöpfer, Vermittler aller Gegensätze ist sein Name,
Und dein Erlöser, der Heilige Jissroeï´ls, – Gott der ganzen Erde wird er nunmehr genannt!
Denn wie verlassene Gattin und Gemüthsbetrübte ruft dich der Herr,
"Gattin der Jugend, daß du nur selber dich nicht verachteft," spricht dein Gott.
In kleinem Augenblick verließ ich dich, und mit großem Erbarmen nehme ich dich wieder auf.
Im Unwillen barg ich einen Augenblick mein Angesicht vor dir, und mit ewiger Liebe erbarme ich mich dein,
Spricht dein Erlöser, der Herr.
Denn Naúachs Fluth ist nir dies; wie ich geschworen daß Nauachs Fluth nicht mehr komme über die Erde, -
So hab' ich's geschworen, nicht dir mehr zu zürnen und dir Unwillen zu zeigen. -
Wenn auch die Berge weichen und die Hügel wanken, – meine Liebe weicht nicht von dir
Und meines Friedens Bund wanket nicht, – spricht dein Erbarmer, der Herr.
Du Arme, Sturmgetriebene, Nimmergetröstete! siehe, ich setze in Mörtel deine Steine
Und habe in Sapphir dich gegründet.
Ich mache Kadkaud deine Sonnen, und deine Thore zu leuchtenden Steinen, und all dein Gebiet zu Steinen der Anmuth,
Und all deine Kinder Jünger des Herrn, und groß d'rum der Friede deiner Kinder. -
Nur durch Gerechtigkeit kannst du dich gründen;
Halte dich fern von Unrecht, denn du hast nichts zu früchten; von Angst, denn sie kommet dir nicht.
Soll man ja fürchten nichts außer mir! wer darum fürchtet bey dir, daß es über dich falle?
Habe Ich ja jeden Künstler geschaffen, der bläset im Feuer die Kohle, und fördert das Geräth zu seinem Werk;
Habe Ich ja geschaffen auch jedes Verderben, daß es zur Geburt lasse Kreisen!
Jedes Geräth, das wider dich man schmiedet, wird nicht gelingen;
Jede Zunge, die mit dir zu Gericht geht, wirst des Unrechts du zeihen;
Dies der Antheil der Diener des Herren, und deren Gerechtigkeit von mir stammt, spricht Gott.
Jeder, den es dürstet, er komme zum Wasser,auch wem nicht Silber,
Kommet und kaufet und nährt euch; kommet und kaufet ohne Silber und Entgelt
Belebenden Wein und nährende Milch!
Was wägt ihr euer Siber und erhltet nicht Brod, euer Vermögen und erhaltet nicht Sättigung?
Höret mir zu und genießet das Gute, und es wonne sich der Fülle eure Seele.
Neiget euer Ohr und kommt zu mir; höret, daß sich belebe eure Seele,
Und ich euch das ewige Bündniß errichte, – die Liebe Dowids, die ewig treue;
Den ich ja nur zum Zeugen für Völker gegeben, Vermittler und Pflicht hinaustragend an Nationen. -
Siehe Volk, das du nicht kennest, rufst du herbey, und Völker, die dich nicht kennen, eilen zu dir
Um des Herrn, deines Gottes Willen, um Jissroeï´ls Heiligen, der dich schmücket.
"Forschet den Herrn, da Er überall zu finden; rufet Ihn an, da er überall nahe.
"Es verlasse der Leidenschaftliche seinen Wandel, und der Mann der Gewalt seine Pläne,
"Und er kehre hin zum Herrn; Er erbarmet sich sein; zu unserem Gotte hin, denn Er verzeihet Viel." -
Denn nicht meine Gedanken sind eure Gedanken, und eure Wege nicht meine Wege, spricht Gott.
Denn wie hoch sind die Himmel über die Erde, so hoch meine Wege über eure Wege, und meine Gedanken über die eurigen.
Denn wie steiget der Regen und der Schnee vom Himmel und dorthin nicht wiederkehrt,
Er habe denn getränket die Erde und zur Geburt sie geführt, und ihr Pflanzen entlockt;
So ist jeglich mein Wort, das meinem Munde entfähret, es kehrt nicht leer zu mir wieder;
Sondern es führet aus, was ich gewollt, und vollendet glücklich, wozu Ich es gesendet.
Denn in Freude ziehet ihr aus, und in Frieden kommet ihr heim;
Berg' und Hügel brechen aus entgegen euch in Freude, und alle Feldesbäume schlagen in die Hand,
Unter dem Dornstrauch steigt schon die Zeder, unter der Distel steigt schon die Myrthe -
Und bleibet, dem Herrn zur Anerkennung, zum Denkmal allverhülleter Zeit,
Wird nimmer ausgewurzelt mehr.
So hat also Gott gesprochen: Achtet des Recht's! übet die Milde!
So ist nah mein Heil zu kommen und meine Milde sich zu offenbaren.
Heil dem Menschen, der solches übt, dem Odómssohn, der das ergreift!
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Der den Schabbóß hütet, daß er ihn nicht entweihet, und hütet seine Hand, daß sie nichts Böses vollführet.
Und es spreche ja nicht des Fremden Sohn der sich anschließt dem Herrn:
"Wird mich ja sondern der Herr von seinem Volke!"
Und es spreche der
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Kinderlose nicht: "Bin ich ja ein dürres Reis!"
Denn also spricht der Herr den Kinderlosen, die meine Schabboßaúß beachten
Und erwählen, was mir gefällt, und halten an meinem Bund: -
Ihnen gebe ich in meinem Hause und in meinen Mauern Ort und Namen, besser als Söhne und Töchter;
Der Ewigkeit Namen gebe ich ihm, der nimmer verschwindet.
Und die Söhne des Fremden, die sich anschließen dem Herrn,
Ihm zu dienen und zu lieben den Namen des Herrn, sich ihm als Diener zu weihen,
Wer nur des Schabbóß achtet, ihn nicht zu entweihen, und ergreift meinen Bund,
Ich bringe sie alle zu meinem heiligen Berge, erfreue sie alle in meinem Hause des Gebets,
Ihre Gaben und Opfer wohlgefällig auf meinem Altar; -
Denn mein Haus, – ein Haus des Gebets wird es genannt für alle Völker.]
Zehnter Brief.
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Meinen flüchtig Pinselstrichen ist's gelungen, Sie auszusöhnen mit Ihres Volkes Geschick; ja, Sie freuen sich des, trotz seiner Armuth, – in seiner Armuth; schönster Lohn unseres Briefwechsels, mein Benjamin! – Aber, wenn Sie sich fühlen auf der Höhe Ihrer Berufsidee und blicken dann auf die Lehre, die nun enthalten soll Verwirklichung dieser Idee; – fühlen Sie Kluft. Es wehet Ihnen Angst an, wenn Sie denken, daß das Gottes Wille seyn solle; sehen auch nicht die Wirksamkeit, zu der Sie berufen; sondern nur Beten und beschauendes Leben, und dazu begriffswidrige Forderungen und geistlose Uebungen! – Wie? mein Lieber, wenn nun übermäßiger Druck der Jahrhunderte in ihrer gehäuften Last zuletzt nur Nettung des Aeußeren der Lehre gestattet, aber der Geist keinen Raum mehr gefunden? Wenn nun Jissroeï´l, aus dem Leben verbannt, der Welt und dem Leben entfremdet, Anschauung der Welt und des Lebens verloren und sie in letzter Zeit nicht mit hinzu mehr brachte zur Erfassung dieser Lehre – und sich glücklich preis, nur das Aeußere gerettet zu haben? Wenn nun ein geistloser Geist die lebensvollsten Gesetze erfaßt hat und sie zur Mumie versteinert und von mancher Verirrung in Geistesbestrebungen geschreckt, wie Raubvögel scheuchte den Geist vom theuren Leichnam? Wenn Jahrhunderte des Drucks und des Elends, zum Wirken keinen Raum bietend, nur zu dulden und zur Ergebung rufend und Erhebung dazu im Gebete findend und in Beschauung des Lebens Trost, gerade diese Seite hervorkehren mußten? Wenn dazu eine unverstandene Disziplin, in er eingentlich niedergelegt der Geist, diesen Geist selbst wieder verkörperte, und, was inneres und äußeres Menschenwirken bezeichnet, als ein – mechanisches, – dynamisches, magisches Weltenbauen begriff – und also unverstanden die Uebungen, die Erziehung des Geistes und Erzeugung des Lebens seyn sollten, – zu Amuletenwesen erniedrigt wurden, – und Sie, mein Benjamin, so nur äußeres Judenthum und unerkanntes, unbegriffenes, misverstandenes Judenthum und nur Bruchstück von ihm kennen?? – Vergessen Sie, was Sie davon wissen hören Sie, als ob Sie noch nimmer gehört, – und Sie werden auch mit der Lehre nicht nur versöhnt; nein, mit inniger Liebe werden Sie sie erfassen und Ihr ganzes Leben nur Abdruck dieser Lehre seyn lassen. – Ich gebe Ihnen wiederum nur Grundzüge, allgemeine Ansichten der verschiedenen Lehrtheile, fast nur Titel- und Begriffsnennung; Ausführung, wie Begründung mir für die Zukunft vorbehaltend. Lesen Sie wiederum nur als Hypothese, aber Sie lesen keine. Jede Ansicht ist mir Ergebniß mehrjährigen Studiums von תנ"ך,‎ ש"ס und מדרש; jedes Detail und jeder Schritt in G'moró Bestätigung dafür; wenn nur im Begriff erfaßt und Schritt vor Schritt gefragt: was habe ich hier vernommen? welcher Begriff des Gegenstandes? welcher der Bestimmung? welche Symbolhandlung angeordnet? was ihr natürlicher Sinn im Zusammenhang und mit Absicht erfaßt? mit sorgfältiger Scheidung des דאוריתא und דרבנן; jenes aus dem Wesen des Gegenstandes, dieses aus der Natur der practischen Verwirklichung des Gesetzes zu erfassen; dazu mit gehöriger Rücksicht auf die Eigenthümlichkeit der Quellen, die dem Niederschreiben aus Grundsatz Feind, nur das Besondere und für die Anwendung geben, das Allgemeine, den Geist, mündlicher Belehrung oder selbstthätiger Analyse überlassen. -
Nach allem Bisherigen – was erwarten sie n Thauróh? Nicht wahr,Offenbarung, wie Sie nun mit allem Ihnen Gegebenen, gegen alles Sie Umgebende Gottes Willen erfüllen; mit anderm Worte, wie Sie Gerechtigkeit und Liebe üben sollen mit Allem und gegen Alles? Nehmen Sie dies und noch dazu den Begriff Jissroeï´ls, das nicht nur dies Alles im Leben verwirklichen, sondern auch die Idee desselben bewahren und aussprechen soll,sich und Anderen zur Erziehung; und endlich Alles, was aus dem Begriff seines einstigen Staatenlebens fließt, welches Letztere natürlich außer dem Lande und Staate keine Anwendung findet; – und Sie haben den Inhalt der verpflichtenden Thauróh.
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1) תורות: die geschichtlich offenbarten Ideen über Gott, Welt, Mensch- und Jissroeïlthum mit ihren Folgen; nicht als Glaubens- oder Wissenssätze, sondern als anzuerkennende und mit Geist und Herz aufzunehmende Prinzipien des Lebens. – 2) משפטים: Aussprüche der Gerechtigkeit gegen Ihnen gleichgeordnete Wesen aus dem Grundsatze dieser Gleichheit, also der Gerechtigkeit gegen Menschen. – 3) חקים: Aussprüche der Gerechtigkeit gegen Ihnen untergeordnete Wesen aus dem Grundsatze der Gotteshörigkeit; also Gerechtigkeit gegen Erde, Pflanze, Thier und, alle drei schon in Ihre Persönlichkeit übergegangen, gegen Ihren Besitz, gegen Ihren Körper, Ihr Gemüth und Ihren Geist. – 4) מצות: Gebote der Liebe gegen alle Wesen ohne Anspruch derselben, rein aus Gottes Auftrag und dem Begriffe Ihrer Mensch-Jissroeï´lbestimmung. – 5) עדות: Denkmale für Mensch- und Jissroeï´lthum begründende Wahrheiten durch Darstellungen in Wort und Thatsymbol für den Einzelnen, für Jissroeï´l und über Jissroeï´l hinaus. – 6) עבודה: Erhebung und Weihe des innern Lebens für die Berufserfüllung im äußeren Leben durch Urtheilsläuterung in Symbolhandlung und Wort. – Also Grundbegriffe Gerechtigkeit und Liebe und Erziehung dazu. 1) Gerechtigkeit, d. i. Achtung jedes Wesens als Gottes Geschöpfs, jedes Eigenthums als einer Gottesbestimmung, jeder Ordnung als eines Gottesgesetzes, und Genügen allen ihren Ansprüchen. 2) Liebe, d. i. Aufnahme jedes Wesens als eines Gotteskinds, als Bruders, Förderung desselben und seiner Verhältnisse zu seiner ihm von Gott gesetzten Bestimmung; ohne Anspruch, rein als Gotteswille, Erfüllung göttlichen Auftrags. 3) Erziehung seiner selbst und Anderer zu solchem Wirken, durch Beherzigung der Wahrheiten als Lebensprinzipe, durch Ausspruch derselben für sich und Andere und Wiedererringung der Beherzigung derselben,wenn durch Leben eingebüßt. -
Gehen wir sie nun durch und heben Einzelnes mit den zum Grunde liegenden Ideen zur Uebersicht heraus. -
Eilfter Brief.
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Thauraúß, Beherzigung der geschichtlich geoffenbarten Wahrheiten als Lebensprincipe: Gottes als deines Gottes, d. h. als Leiters deiner Gedanken, Gefühle, Worte und Thaten, – als Hebels deines ganzen Lebens
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; – Seiner Einheit, als dich aufrufend, zu begreifen alle Seiten deines Lebens und zu einigen alle deine Kräfte, Mittel und Verhältnisse aus, unter und zu diesem Einen
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; – der wirkenden Dienerschaft aller Wesen, – dich selber als solchen wirkenden Diener zu begreifen und ihnen dich einzureihen
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; – dafür dir Sein Wille für alle Zeiten offenbaret
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; – als Erziehung dahin dein Geschick zu benutzen
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; – aus diesen Erkenntnissen dir zu erzeugen die Gottesfurcht aus Seiner Größe, die Gottesliebe aus Seiner Güte, das Gottvertrauen aus Seiner Wahrheit
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; – dein Inneres zu veredeln, daß es rein werde von Allem, was dich von deinem heiligen Berufe herabzöge
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; – ablege Stolz und Genußsucht
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; – mitfühlend mittöne mit Schmerz und Freude aller Wesen; – und sie alle als Kinder deines Gottes mit Libe umfange
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. – Nichts, als anwendende Recapitulation der als Wahrheiten aus den Thatoffenbarungen Gottes zu erschließenden Sätze. Nur als solche Principe Sein Gebot; als Begriff, nur offenbaret, nicht befohlen; wer die Wahrheit will, nehme sie auf!
Mischpotim. Aber alles Dies hat nur Werth, wenn du wirklich lebst, wie du begriffen, in einer Gotteswelt, mit Gotteskräften Mench-Jissroeï´l. Die erste Forderung: Gerechtigkeit! daß du achtest jedes Wesen um dich und in dir als deines Gottes Geschöpf; alles Seine als ihm von Gott ertheilt, oder nach ´von Gott ertheiltem Rechte angeeignet, und ihm lassest und spendest, was es das Seine zu nennen ein Recht hat, – nicht Fluch bringest! – jeden Menschen als deines Gleichen zuerst, Ihn, seine unschtbare Persönlichkeit, achtest in seiner Körperhülle und in seinem Leben
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; – in seinem künstlich erweiterten Körper; – in seinem Besitz
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; – in seinen Ansprüchen an von die zu spendende Besitzübertragungen und Kraft leistungen
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; – in Maß und Zahl
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; – in Ergänzung des ihm mit Körper oder Besitz Geschadeten
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; Ihn achtest in seinem Anspruch auf Wahrheit
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; auf Freiheit, Lebensfreude und Gemüthsruhe
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; – auf Ehre und Frieden
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; – nimmer misbrauchest seine Körper-, Geistes- und Herzensschwäche
52
; nimmer misbrauchest deine gesetzliche Gewalt über ihn
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; -
und Chuckim: wie den Menschen, so jedes Wesen abwärts; von der Erde, die Alles trägt, bis zur Pflanzen- und Thierwelt, deinen eigenen Körper, deine eigenen Seelenkräfte, dein eigenes Ich, das du mehr als "dein" nennst. – Es ist dieselbe Gerechtigkeit wie gegen Menschen. Was dort aus dem Begriff der gleichen Presönlichkeit, fließt hier aus dem Begriff der Gotteshörigkeit, Gottes, der alles dir Untergebene gegen deine Willkür vertritt. – Jene ist dir in ihren Anforderungen kllarer, weil du größtentheils nur dich selber zu kennen nöthig hast, um dich in den Brudermenschen hineinzufühlen. Würdest du dich ebenso in jedes andere Wesen hineinfühlen können; ebenso deinen Körper und Geist und die Bedingungen ihres Zusammenwirkens kennen; dir wären Chuckim so klar als Mischpotim. – Sie fordern von dir: Achtung der Wesen als Gottes Eigenthums: Vernichte keines! Misbrauche keines! Vergeude nicht! Benutze Alles weise
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! – der Gattungen als Gottes Ordnung, mische sie nicht
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; – der Geschöpfe als Diener im Haushalte der Schöpfung
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; – Achtung des Gefühls und der Triebe der Thiere
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; – des Menschenkörpers, wenn ihm schon die Persönlichkeit entflohen
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; – Achtung des eigenen Körpers und Erhaltung desselben als Hülle und Boten und Werkzeugs des Geistes
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; – Beschränkung und Unterordnung auch deiner Triebe und deiner thierischsten Handlungen unter Gottes Gesetz, daß auch sie nur rein menschlich heilig seyen zum Bau des heiligen Menschheitszweckes, – und du nicht verthierest
60
; – Achtung deines Geistigen Theils in Nahrung seines Körperwerkzeugs; daß du diesem nur solche Nahrung zuführest, die ihn tüchtig seyn lässet zum reinen, gefügigen Boten der Welt an den Geist, des Geistes an die Welt, und nicht Stumpfheit oder Kampf der Sinnlichkeit erzeuget
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; drum verhüllest und veredelst, nicht überschätzest und achtest deines thierischen Theils, daß endlich ausgeglichen werde aller Gegensatz in dir, und auch das Thier nur Reinmenschliches wolle
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; – endlich Achtung deiner Persönlichkeit in ihrem reinsten Ausdrucke, in deinem Worte
63
. -
Zwölfter Brief.
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Mizwaúß. Aber das Zweite und die Vollendung des Lebens ist die Liebe! da du nicht nur nicht Fluch bringest dir selber und ringsum, sondern in Liebe allwirkender Gottheit nachstrebest
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– und Segen werdest dir selber und ringsum; – Dir selber, – auf daß du es Andern zu werden vermögest; Dich erst ausstattest mit allen Kräften und Mitteln, dich reich machest an allem Guten und Edelen und dich dann ganz der Welt um dich schenkest in vollendetem Segengottesdienst. – Dieses Segenswirkenn an dir selber beginnt mit: Verehrung der Eltern als Boten Gottes, der Menschheit und Jissroeï´ls an dich; sie nehmen dich auf für sie in den Bund
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; – der Weisheit, des Alters und der Tugend, als Leiter und Vorbilder, wo sie dir in Menschencharakter verwirklicht entgegentreten
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; – mit Erleuchtung deiner selbst durch die Lebensweisheit der Thauróh
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; – mit Fliehen des Beispiells des Bösen und dich anschließen dem Guten, selber gut zu werden
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; – und stetem inneren Fortbilden und Wiedererheben in Ein-, Auf- und Rückkehr zu Gott und zu deinem Berufe
69
; – mit Umschaffen der Erde und ihrer Geschöpfe zum Menschenwohnplatz und zu Menschengütern, daß du zu jenen inneren Gütern auch die äußeren erwerbest als Mittel für deinen Segensberuf und zur selbstständigen Gründung eines Hauses, Erziehungstempels für Menschheitssprossen zu Mensch-Jissroeï´ltiten
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. – In solchem Sinne, für solches Haus angeeignet die Gattin und geführet ins Haus
70
; – und nun die erste Aufgabe liebenden Segenswirkens und die vollenndetste: jeden Anspruchs entbehrenden Meschensprossen Alles zu werden, mit Aufopferung deines ganzen Selbst's, auf daß sie werden und du nur in ihnen fortlebest – Kindererziehung zu Mensch-Jissroeï´l
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; – aber auch über deines Hauses Räume hinaus mit jedem Theilchen deiner Kräfte beispringen, wo es gilt, eines Menschen Leben, Eigenthum, Glück zu retten
72
; – leidendem Thiere helfen
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; – Unternehmungen eines Menschen mit Kraft und Vermögen fördern
74
; – oder, wie immer, mit deinem Vermögen und mit der Kraft deines Körpers, Geistes, Wortes Arme unterstützen, Nackte kleiden, Hungrige speisen, Leidende trösten, Kranke heilen, Unversorgten Versorgung, Unberathenen Rath, Unbelehrten Belehrung spenden, Entzweite vereinen, Segen werden, wie und wo du kannst
75
; – und daß du nicht nur selbst erfüllest solche Anforderungen und unmittelbar Einzelne dazu vermögest, sondern die Quellen erhaltest, aus denen du und Alle, Mit- und Nachwelt, Erleuchtung und Kraft schöpgen sollen zu solchem Wirken – Thauróh-Erhaltung
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; – dich der Gesammtheit anschließest, durch die allein im Umfang gewirkt und für die Ewigkeit gewirkt werden kann, einerseits der Gemeinde
77
; andrerseits dem Staate, der dich aufnimmt und schützt
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; – und so mit deinem ganzen Leben, wo und wie du kannst, im kleinen und großen Kreise, Heiligung des Göttlichen Namens erstrebest, Denkmal und Zeuge werdest für Gotteswaltung ud für Menschenberuf; auf daß daran deine Jissroeï´lbrüder und vor Allen deine Nichtjissroeilitischen Brüder sich erleuchten, erwärmen, und lernen den alleinigen Gott auch als ihren Gott verehren und lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzem Vermögen; und nach seinem Willen ein Leben der Gerechtigkeit und Liebe leben; also du in deinem kleinen Kreise und mit deinem Einzelleben das werdest, was im Großen deines Volkes Bestimmung ist.
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Dreizehnter Brief.
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Eïdaúß. Aber zu solchem Wirken in Gerechtigkeit und Liebe genügt das einmalige Anerkennen der Lebensgrundwahrheiten nicht; dein Beruf als Jissroeï´l, als Träger der Lehre über Gott und Menschthum an die Menschheit, ist nicht erfüllt durch bloßen Aufbau deines Lebens auf jene Grundwahrheiten; für jenes und für dieses sollt du jene Grundideen und ihre Folgen wiederholt in Wort und Thatsymbol in die Seele prägen und dadurch dir und Anderen sie festhalten. Dies Inbegriff der Eïdaúß. – Die Wahrheit, die Leben gebären soll, muß wiederholt und im Leben und so prägnant als möglich dem Geist und Gemüth vorgeführt werden. Daher vorzüglich in Thatsymbol, durch Zeichen und Handlungen. So die Grundidee: Gott Schöpfer und Herr des Alls; Alles Sein Eigenthum, der Mensch Verwalter nach Seinem Willen, und Jissroeïl Träger der Lehre dieses Menschenberufs: durch בכור,‎ חלה,‎ ערלה,‎ חָדָש,‎ שבת, und in Bezug auf Jissroeïls Boden: יובל und שמטה,‎ חלה,‎ תרומה, und בכורים. Gott Schöpfer u. Erhalter des Volkskörpers und -geist's in Jissroeï´l: durch שמצי עצרת und סוכת,‎ שבועות und פסח; – auch im Golúß: durch חנכה und פורים; – Anerkennung, daß Körper nur durch Geist, Freiheit nur durch Gesetz, Werth erhalte: durch ספירה; – Beherzigung der Ursachen und der Aufgabe des Golúß und Warnung vor Golußsünden: durch תעניות; – Heiligung auch des Körpers und Warnung vor Verthierung: durch מילה; – Rüsten aller Geistes-, Herzens- und Körperkräfte zum Dienste des Alleinen: durch תפלין; – Vergegenwärtigen des Unsichtbareinen und seiner Offenbarung in der Vergangenheit; Vergegenwärtigen der Schranken des sinnlichen Verstandes zum Schutze in dem Kampfe mit der Sinnlichkeit: durch ציצת; – Weihe dienes Hauses zum Gottestempel und deines Lebens darin zum Gottesdienst: durch מזוזה; – Anerkennung des Jaakaúwstandes im Jissroeïlberuf, d. h., der Armuth an selbsteigener äußerer Macht und Selbstständigkeit, um fähig zu seyn des geistigen, Gott offenbarenden Jissroeï´lberufs: durch מצה und גיד הנשה; – Nichtvergötterung und Nichtverachtung und weise Benutzung des Besitzes: durch לולב und סוכה, und in Bezug auf Jissroeï´lland: durch מעשרות; – endlich Lebensprüfung nach dem Gedanken: Gott = König, Richter, Vater; und Erkenntniß und Bekenntniß des verlorenen Anspruchs auf Daseyn und Leben durch nicht volle Erfüllung des Lebensberufs und Wiedererhebung zu reinerer Zukunft: durch י"כ und שופר‎ ר"ה,‎ ר"ח
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. – Allesammt Ideen aussprechend, aber nicht zersplittert den Gedanken in Worte; sondern einig, wie der Gedanke selber, wie der Entschluß, den er gebären soll; einig also der Aufruf dazu an die Seele, durch Symbolthat. Dadurch auch Ausdruck einer, von einem Gedanken durchdrungenen, von einem Entschluß beseelten Gesammtheit möglicher, und dadurch auch über Jissroeï´l hinaus verständlich. Jedes einzelne, specielle Thum und Lassen im Gesetztheil Eïdaúß: Schrift, Wort, Rede; Erinnerung für die Seele oder lebendig ausgedrückte Gesinnung durch bedeutungsvolle Thatsprache; bis hinab zum nimmer genug belächelten Nichtgenuß des am Jaúmtaúw und Schabbóß geborenen Ei's – Symbolausdruck; und die Sorgfalt um sogenannte Kleinigkeiten nicht mehr lächerlich und nicht weniger vernünftig, als deine Sorgfalt um klare, verständliche Sprache und leserlich zierliche Schrift. – Nehmen Sie z. B. das Erste, Schabbóß mit seinem M'lochóhverbot. Der Tag, an dem zuerst vollendete Erdschöpfung dem Menschen zur Beherrschung dalag, er sollte ihm stets Denkmal bleiben, daß Alles ringsum ihn Gotte, des Schöpfer Eigenthum sey, ihm auch nur aus Gott Kraft und Recht sey, es zu beherrschen, – auf daß er in dieser Herrscherkraft nicht übermüthig werde und Alles nur als Gottes Eigenthum, nach dem Willen Gottes, des Herrn, verwalte. – Diese Idee zu beleben, soll er an diesem Tage seine Menschenherrscherkraft über die Dinge nicht üben; soll keine Hand an irgend einen Gegenstand legen, ihn menschlich zu beherrschen, d. h. ihn zu einem Menschenzweck umzuwandeln; also gleichsam zurückgeben die gliehene Welt; daß es stets ihm inne bleibe: nur geliehen sey sie ihm. Daher ist die am Schabbóß nicht zu übende M'lochóh wesentlich "מלאכת מחשבת", das heißt, eine mit Bewußtseyn, Absicht, entsprechenden Mitteln, in entsprechender Größe ausgeführte, das eine, auf Menschengeist und -kraft beurkundende Weise, ausgeführte Idee an einem Gegenstand; nicht aber קלקול, nicht מתעסק, nicht שאינו מתכוין, nicht שאינה צריכה לגופה, nicht כלאחר יד, und im שיעור. – Sehen Sie nicht, wie in jedem Augenblick, da Sie am Schabbóß Ihre Hand von M'lochóh zurückhalten, Sie Gott als den alleinigen Schöpfer und Herrn beurkunden und sich an Ihren Beruf mahnen, "Diener" zu seyn? Sehen Sie nicht, wie auch die leiseste, müheloseste Production am Schabbóß Wegleugnung Gottes ist als Herren und Schöpfers der Welt, Sichselbsteinsetzen ist auf Gottes Thron, – Wegleugnung, Verkennung des ganzen Mensch-Jissroeï´lberufs? Sehen Sie nicht, wie Schabbóß durch und durch, ברית,‎זכרון,‎ אות ist? wie er קודש ist, weihendes Heiligthum für die kommenden Tage des Werks? nicht Ausruhen von den Mühen vergangener Woche! – und so ist Alles und Jedes im Abschnitt Eïdaúß, mit gehörigeer Unterscheidung des דאוריתא und דרבנן. -
Vierzehnter Brief.
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Es bleibt uns noch der letzte Theil: Awaudóh, zur Betrachtung übrig. – Hinaustritt aus dem wirkenden Leben ist er zur Wiedererringung der zu beherzigenden Lebenswahrheiten, wenn sie uns verloren gegangen sind durch Täuschungen, Irrungen, Kämpfe und Reize des Lebens. – עבודה שבלב Erfüllung göttlichen Willens an unserem Innern, d. i. Erhebung desselben und Läuterung; – תפלה Erringung richtigen Urtheils über unser ganzes Ich in Bezug auf Gott, Welt und Menschheit. – Dazu früher symbolische Opferhandlung; in Darstellung und Handlung nichts als Symbol. – der Tempel – Wohnung der Thauróh; sie Jissroeïls Mittelpunct und Lebensheiligthum, darstellend: Thauróh aus Gott
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, und zu deren Erfüllung von Gott Körper und Geist verliehen
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. – Opfer – Ablgung der Genußsucht
83
; der Selbstsucht
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; Weihe des Lebens
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; des Gemüthes
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; der ganzen Persönlichkeit
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an Gott in Erfüllung seiner Thauróh. – Dies einfache Elemente zum Ausdruck fürs Streben 1.) der Selbstweihe an Gott durch Thauróh
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, 2.) der Wiedererringung verlorener Lebensreinheit durch Ablegung der Genuß- und Selbstsucht, also Rückkehr zur Thauróh
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; 3.) u. 4.) der Anerkennung Gottes als Spenders irgend einer hervorragenden Lebenswohlthat, oder als Erhalters des ungetrübten Lebensfriedens, und der Lossagung von jedem genußsüchtigen und selbstsüchtigen Gedanken dabey; vielmehr Weihe alles Gewährten und Erhaltenen ganz allein der Erfüllung göttlichen Willens in Thauróh
90
. Alle diese Symbolhandlungen waren begleitt durch's lebendige Wort (siehe unter andern רמבם ,הל'תמידי'פ'ו'‏). – Der Tempel ist gesunken; aber das Wort ist us geblieben; und um s vollständiger, als auchjene Symbohandlung mit zu ersetzen ist. – Ziel der T'fillóh = התפלל, Läuterung, Erleuchtung, Wiedererhebung des Innen zur Anerkenntniß der Wahrheit; nicht Rührung und verfliegende Andacht und Gefühlsschwärmerey und Thränenerguß; sondern Gedanken- und Herzensreinigung. Das Leben raubt uns das wahre Urtheil über Gott, Welt, Mensch, Jissroeï´l und über uns selbst in diesen Kreisen; – aus dem Leben hinaustretend zu Gott hinan sollst du es wiederfinden in T'fillóh. Daher תהלות: Anschauungen Gottes in Natur, Wenschenwelt und Jissroeï´l; תפלות Selbstanschauungen aus diesen Begriffen; תודות und בקשות, Anerkennung aller Zukunft in Gottes Händen; aller Vergangenheit aus Gottes Händen; und Erkenntniß zurückgelegten Lebens, wo es verfehlt; תחנות Wiederemporringung aus verfehltem Leben. Für alles Dies, als Quelle alles Lebensbegriffs und aller Lebensweisheit קריאת התורה, – und als Blüthe, Frucht und Ziel von allem Diesen und drum auch mit im Leben begleitend: ברכות, Entschlüsse zur thätigen Förderung göttlichen Willens im thätigen, wirkenden Leben. – Verfolgen Sie diese skizzirten Gedanken und betrachten Sie aus diesem Gesichtspunkte unsere T'fillaúß und unsern ganzen Gottesdienst, und Sie werden vielleicht ein würdigeres Urtheil darüber fällen. – "Schulen" nennen wir unsere Bethäuser, und das sollen sie auch seyn, Schulen für Erwachsene, bereits im Leben Stehende. -
Und nun, mein Benjamin, eine Lehre, die uns zur Erkenntniß Gottes in Welt und Menschheit ladet, und seines Willens als unseres Berufs, die uns in Ihm aller Wesen,aller Menschen Vater,in jedem Wesen, in jedem Menschen unsern Bruder weist; eine Lehre, die unser ganzes Leben Gottesdienst seyn läßt durch Wirksamkeit in Gerechtigkeit und Liebe gegen alle, alle Wesen, und Darstellung dieser Lebenswahrheiten für uns und Andere; – kann sie eine Lehre seyn, die Geist und Herz verkrüppelt, jede Lebensfreude hemmt, den Menschen zum grübelnden Mönch macht? und kann die Beschäftigung mit dieser Lehre, wenn nur wahr und verständig, den Geist verschrauben und tödten, das Herz verkümmern und verrschrumpfen? – oder ist es nicht Schwärmerey und Wahn, – ists Wahrheit, lebhaft gefühlte Wahrheit, was Jissroeï´ls Sänger singt:
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Wohl verkündet der Himmel sich schon
Als Offenbarung der Allmacht;
Daß Schöpfers Werk es sey,
Spricht dünnes Gewölbe der Luft;
Tag auf Tag macht schon kund,
Daß ein Gottesausspruch herrschet;
Nacht auf Nacht belebt
Vorsehungsgedanken dir;
Bedarf nicht der Rede,
Bedarf nicht der Worte,
Ohne sie vernehmen die Stimme wir dennoch.
Durch ganze Erdentwickelung tönet ihr Ton,
Und wo Menschenwelt aufhört, vernehmlich ihr Wort;
Hat Er in ihnen dem Sonnenball Zelt ja gegründet,
Daß er,wie ein Bräutigam, tret' aus seiner Wolkenhülle,
Freue sich, als wäre er der Allmächtige, zu laufen die Bahn,
Und doch bestimmter Himmelstheil sein Ausgang bleibe,
Und seinen Kreislauf er um bestimmte Gränzen kreise,
Und so vor Gottes Sonne es ist, vor der kein Wesen sich birgt; -
Aber nur
Lehre Gottes ist allumfassend,
Giebet Antwort der Sich forschenden Seele;
Zeugniß Gottes allein durchdauerndtreu,
Gibet Weisheit dem Lehrbedürftigen;
Aufträge Gottes gerade,
Geben Freude dem Herzen;
Gebot Gottes klar,
Gibet Licht dem Auge;
Verehrung Gottes rein,
Besteht darum auch ewig;
Aussprüche Gottes Wahrheit,
Gerechtigkeit allsammt;
Erstrebungswürdiger denn Gold und Geschmeide viel,
Süßer denn Honig und was von Süßem träuft.
O, daß auch deinem Diener ein Strahl von ihnen würde! -
Wenn er sie verfolgt, wie große Lebensspur! – - – - ]
Funfzehnter Brief.
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Sie haben sich, mein Benjamin, den Sängerspruch "גם עבדך יכו" zur Devise Ihres Lebens genommen; haben sich's gelobt, nicht eher u ruhen, als bis Sie diese Erleuchtung sich errungen; nicht eher ein Haus zu gründen, als bis, zu dem Wohlstand an äußeren Gütern, Sie auch die inneren aus der Thauróh geschöpft, auf daß Sie nun auch würdig verwenden diese Güter nach Gottes Willen, und ein Haus zu gründen vermögen im Thauróhgeist für Jissroeï´lmenschthum; – es ist mir Bürge, daß ich nicht umsonst geschrieben. – Kommen Sie nur, wie Sie sichs vorgenommen, daß ich Ihnen mündlich ausführe und begründe, was Sie bis jetzt nur so im Fluge und in Umrissen kennen. Doch erwarten Sie keinen unfehlbaren Meister. Redlich will ich Ihnen zeigen, wo ich noch selbst im Zweifel und im Dunkel bin, und Sie zur selbstthätigen Forschung laden. – Sie wollen mich zugleich nun der Mühe überheben, Ihren ersten Brief zu widerlegen; Sie haben ihn nun schon selbst geprüft und ihn sich beantwortet; es muß mich überaus freuen, daß Sie es gethan. Ich habe jedoch seine Beantwortung schon im Entwurf liegen, und lege ihn darum somit an, blos zur Vergleichung mit Ihren eigenen Gedanken; erwarten Sie darum nichts mehr, als Gedankensplitter. -
Natürlich mußten Sie Ihr Judenthum im Widerspruch finden mit Ihrem Begriffe von Menschenbestimmung, den das Judenthum nicht anerkennt, gegen dessen niedere Potenzen, Genußsucht und Besitzvergötterung, geradezu es ankämpft, – Potenzen, deren Natur die Höheren wohl vergeistigen, doch nicht ablegen. Jener Begriff ward gefunden in Betrachtung der Welt ohne wirkenden Gott, und Gottes ohne ihm dienende Welt. Judenthum kennt Anderes und Höheres, dort das Höchste selbst nur als Mittel setzend zu seinem höheren Zweck. -
Das nationale Unglück wird Ihnen nun einerseits motivirt durch nationale Verirrungen dastehen; Verirrungen, durch die Jissroeï´l keineswegs unter die übrigen Völker sinkt. Denn das Volk Jissroeï´l hat keine Sünde begangen, die nicht auch von allen übrigen Völkern der Erde begangen wäre. Aber daß bei ihm allein Zerrüttung äußeren Staatenglücks auf diese Verirrungen unmittelbar folgen mußte, das selbst ist mit Theil seines Bestimmungsplans.
["Und Gott – fuchte bei ihm nur heim die Sünde, die wir doch alle getheilt."]
Andererseits erscheint Ihnen jetzt diese Beraubung im Aeußeren selber mit Plan seines Gott offenbarenden Geschicks; dabey ja nicht störend seinen Beruf, nicht schmälernd seine Größe, da andere Größe erkannt und in dieser Zerstreuung selber ein eigenes Feld seiner Berufserfüllung geöffnet. -
Und diese Lehre Hemmschuh aller Lebensfreuden, versagend alle Genüsse? – Gehen Sie sie durch diese Lehre, welchen natürlichen Genuß sie ausmerzen will, von welchem natürlichen Trieb sie Ertödtung verlangt? welchen natürlichen Genuß sie nicht adelt, welchen natürlichen Trieb sie nicht in weiser Anwendung auf den vom Schöpfer bestimmten Zweck heiligt? Gerechtigkeit ist ihr Typus, Genuß und Triebbefriedigung nie Ziel und darum höherem Gesetz untergeordnet, und drum von des Schöpfers Weisheit nach seiner Weisheit Zweck geweiht, heilig und rein menschlich, wie jede Erfüllung menschlichen Berufs. Nur gegen Besitz- und Genußvergötterung als Ziel unseres Lebens kämpft sie an; – aber sie als Mittel und in den von Gottes Weisheit gesetzten Schranken zu erstreben, erlaubt sie nicht nur, sondern ist ihr gleich den übrigen heilige, Menschenberuf erfüllende Pflicht; – und
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als Sünde stempelt sie zweckloses, willkürliches Sichversagen erlaubter Genüsse. Wie wär's auch anders möglich! Gott irgend Anlage gebend und nachher durchs Gesetz bis zur Vernichtung verfolgend!! Höchster Gottesdienst ist nach dieser Lehre "Freude vor Gottes Angesicht!" frohe Lebensheiterkeit durchs Bewußtseyn, unter Gottes Auge zu leben, zu denken und zu fühlen, zu reben und zu wirken, zu genießen und zu dulden! und ausgesöhnt in ihrer höchsten Erfüllung Schmerz und Freude; – Alles Aufgabe; – und einziges ewiges Lebensziel: heitere Lösung derselben!! -
Und dieses Volk keinen Beitrag geliefert zum großen Bau der Menschheit? Ich will nicht fragen, wo denn eins dieser Völker aller mit Bewußtseyn den Stein geliefert; nicht fragen, ob denn nicht fast alle, alle nur sich erstrebt und Bausteine waren in Gottes Hand; nicht fragen, ob denn auch Alles Segen gebracht; – wohl aber fragen, ob nicht Jissroeï´l mit Bewußtseyn und mit Aufopferung seiner selbst das Einzige als Palladium aus dem Schiffbruch der Zeiten rettet, durch das allein einmal, ihm als Mittel sich unterordnend, Wissenschaft, Kultur, Kunst und Erfindung wirklich Segensbausteine werden zum Heile der Welt? Und giebt es menschlichere Größe, als Träger der Lehre über Gott und Menschenberuf zu seyn und durch Geschick und Leben zu lehren: daß es noch Höheres gebe als Besitz und Genuß, als Wissenschaft und Cultur, dem alle diese als Mittel dienen sollen?
Und diese Lehre absondernd? Allerdings! sonst wäre längst schon Jissroeï´l Jissroeï´l nicht mehr. Sehen Sie nur, welche Kämpfe die Reinhaltung des Jissroeï´lthums n Jissroeï´l zu bestehen hat trotz dieser Absonderung! Aber aus Feindschaft? aus Stolz? Als ob Gott nicht aller Wesen' aller Menschen Gott? unseliges Misverständniß! Hat ja gerade Jissroeï´l keine andere Bestimmung als den alle Menschen zu seinem Dienste berufenden und erziehenden Alleinen als seinen Gott anzuerkennen, Ihn als solchen durch Geschick und Leben zu verkünden! Heißt ja סגולה nicht, daß Gott keinem andern Volke, sondern, daß dies Volk keinem anderen Gotte angehören, kein anderes Wesen als seinen Gott anerkennen solle
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! Findet Jissroeï´l nicht sein Ziel in Allverbruderung der Menschheit? wird nicht fast auf jeder Seite selbst unserer heutigen Gebete um Förderung dieses Ziel's geflehet? – An Einem großen Bau arbeiten wir alle, alle Völker, die waren und sind in Ost und West, in Südund Nord, – jedes mit seinem Daseyn und Schwinden von der Bühne der Geschichte, mit dem, was es erringt und verliert, mit seinen Tugenden und Fehlern, seiner Weisheit und seinem Wahn, mit seinem Steigen und Fallen, und mit dem, was es als Summe seines Daseyns der Nachwelt vermacht: – Alles Beitrag zu Einem Bau der Menschheit;Alle hinauferzogen zu Einem Gott
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! Dafür werden alle Guten unter allen Völkern gelebt haben, die das Beispiel gaben uneigennütziger Gerechtigkeit und wahrer Menschenwürde; dafür werden gewirkt haben die Erleuchteten aller Völker, die mit Wort und mit That ihre Brüder hinaufhoben zu dem Alleinen und zur Achtung des Rechts und zur Erhebung ds Menschen über's Thier; dazu wird auch der Griechen Kunst, wenn rein, die Gemüther veredelt; ihre Weisheit, wenn wahr, die Geister erleuchtet; dazu der Römer Schwerdt alle Völker vereinigt; friedlicher der Europäer Handel dazu Nationen verbrüdert haben; – und dazu wird auch Jissroeï´l sein Theil auf seine Weise lösen. -
Niedergebeugt der Geist durch die Ergebung, die diese Lehre fordert? – Wen achten Sie höher, wer ist wahrhaft der Stärkere? – der niedergetretene Jude, der im Staube Geistes- und Gemüthskraft behält, den Gegner zu bemitleiden, den Hohn als von Gott geschickte Prüfung hinzunehmen und als Theil seines Volksgeschicks; – oder der Bube, der in seinem Uebermuth die Schwäche misbraucht, sich gleichsam berufen fühlt zur Höhnung des Schwachen, und seine Größe darin erkennt?
Und sagen Sie doch nicht, daß eine solche Gottes-, Welt- und Allmenschheitslehre Wissenschaft hemme! Kunst, bildende Kunst? Freilich! seitdem Menschen des Alleinen vergaßen und seine dienenden Geschöpfe vergötterten, vergötterten selbst ihre thierischen Triebe, deren Allmacht sie fühlten, und sie in Steinsymbol verehrten, und nun jede Götterstatue trauriges Denkmal gesunkener Menschheit ist; – freilich! seitdem untersagt Judenthum Bildung und Besitz solcher Kunstgebilde; denn ihm geht Wahrheit über Kunst. So würde auch kein vom Geist des Judenthuums erfüllter Künstler Meißel und Pinsel und Schreibgriffel rühren zu einem Kunstgebilde, das unreine Phantasie geboren und das nur das Thierische im Menschen zu nähren vermag; – oder sollen uns denn wirklich Sittlichkeit und reines Menschthum nur leere Schälle seyn und nicht jede unserer Thätigkeiten von ihnen geleitet werden? -
Satzungen? Glaubenssatzungen? 613 Pflichten kennt das Judenthum, keine Glaubensgebote; – die Wahrheiten, die es zum Grunde legt, offenbart es als Wahrheit, spricht sie aus für den, der Ohren hat, Wahres zu vernehmen, und öffnet eben durch seine Bestimmungen ein Feld zu allweiter Forschung; zum Eindringen in Wesen und Zusammenhang von Geschöpf, Welt, Mensch, Menschheit, in Entwickelung der Menschengeschichte und im Plan Gottes mit ihr; für Alles den Begriff erstrebt aus Anschauung, Erfahrung und Thauróh; überall nur Thauróh mit als Factum hingenommen. Denn das ist doch wohl nicht wahre Speculation, mit der Welt verschlossenem Aug und Ohr aus dem Schema eines innern Ich's eine Welt zu construiren; die wahre nimmt Natur, Mensch, Geschichte als Facta bin und forscht in ihnen zur Erkenntniß; ihnen gesellt Judenthum Thauróh zu, eben so Factum wie Himmel und Erde. Aber es achtet keines Speculation, deren Ziel nicht zum thätigen, wirkenden Leben beiträgt, es zeigt die Gränze unserer Fassungskraft und warnt vor bodenloser, die eigene Kraft verkennender, Forschung, wie combinirt und schillernd consequent auch immer, die nur aberwitziger, sich seiner Schranken nicht bewußter, finnlicher Verstand zu seiner Beruhigung bedürfen mag. -
Freilich ist der jüngste Geist vorherrschend Grübelgeist geworden; lebendige Anschauung der Welt fehlte; man lernte nicht für's Leben, zur Welt- und Pflichterkenntniß; Forschung war Ziel, nicht Mittel; der Gegenstand der Forschung schwebte Wenigen vor; man forschte Lehre des Judenthums und hatte den Begriff des Judenthums aus Th'nãch zu holen vergessen. Aber das ist nicht reine Weise des Judenthums; dagegen haben sich stets Meister erhoben; dagegen liegen Muster der Früheren vor. – Th'nach und Schaß aus dem einzigen Gesichtspunkte ihrer Bestimmung fürs Leben gelernt "ללמוד וללמד – לשמור ולעשות!‏", und jeder durch's Gesetz behandelte Gegenstand erst lebendig angeschaut, oder die Anschauung sich aus der Wissenschaft geholt; – es gibet keine Wissenschaft, die gerade conserquenter und zur Allumsicht den Geist entwichelt. – Daß die Lehre, die Jiróh, Ahawóh und Emunóh als Grundsteine setzt, nicht das Herz verkrüppeln, und begriffen und in den Geist aufgenommen, die Erfüllung ein Leben von innen heraus werde, nicht ein schematisirter Zwerg, und gerade sie zur freien Entfaltung und Anwendung aller Kräfte lade; – das haben Sie schon durch Ihren Anschluß beurkundet. -
Misverstandener, durch von außen eingeschwärzten Misverstand minbegriffner Name "Choßid!" – חסיד ist der, der sich ganz in Liebe hingiebt, sich nicht selbst vertritt, seine Ansprüche aufgiebt an die Welt, – um ganz nur für die Welt in Liebeswirken thätig zu leben; nicht also sich zurückzieht von ihr, sondern gerade nur ganz in ihr und mit ihr und für sie lebt; – Choßid ist für sich Nichts, – Alles aber für seine Welt. Daher Dowid, der Mann, der von seiner frühesten Jugend nur für seines Volkes äußeres und inneres Wohl unausgesetzt thätig war, und dagegen die Wiederherstellung des ihm von Schoúl zugefügten Unrechts, so wie überhaupt die Vollendung seines eignen Geschick's nur Gott anheimgab; – der Mann wird חסיד genannt; und den Spruch kennen Sie doch: "שלך שלך שלי שלך חסיד?" Aber ein von der Welt zurückgezogenes, blos beschauendes und betendes Leben ist nicht Judenthum; Thauróh und Awaudóh sind nur Weg zum Wirken! "תלמוד גדול שמביא לידי מעשה!‏" Ausspruch unserer Weisen; und Blüthe und Frucht aller unserer T'fillaúß sind B'rochaúß, Entschlüsse zu einem gottdurchdrungenen thätigen Leben; dies allein also überall Ziel.
Wie aber diese Verirrungen im Gebiete der Wissenschaft und der Lebensansicht gekommen, darüber unterhalten wir uns vielleicht später einmal. -
Aber die Schwierigkeit der Erfüllung dieser Lehre in unserer Zeit Beschränkung auf Reisen, im Verkehr mit Nichtjuden, im Gewerbe? – Geben wir einmal vorläufig Alles zu, was die Söhne der Zeit von Schwierigkeiten und Beschwerden klagen; – des Lebens Ernst ernst genommen, Judenthum als den Auftrag begriffen, den wir durchzutragen haben durch Zeitengang und Fahrniß, Judenthum als Lebensregel der Pflicht begriffen; – Kann die Schwierigkeit, das Schwere einer Pflicht auch der Pflicht entheben? Sollte es un nicht Erfüllung solcher Pflicht um so theurer machen? Aber sehem wir den Beschwerden näher in's Auge, ob sie nicht vielleicht ganz und gar schwinden im Geiste des Judenthums. – Nehmen wir Ihr Letztes zuerst: Gewerbe! -
Sohn meiner Zeit! du könnest die Lehre nicht erfüllen, weil sie 1/7 deiner Zeit Stillstand deinem Gewerbe gebietet, auf daß du dadurch beurkundest: nur von Gott stamme dir Kraft und Recht zur Aneignung seiner Welt, nur von Ihm dir Segen, und dadurch dich rüstest und weihest, seinen Segen als heiliges Gotteseigenthum nur in Gottes Sinne zu verwalten; daß also dieses 1/7 Geist und Weihe den übrigen 6/7 bringe; – weil sie noch 1/17 fordert, nicht zum Weiterspinnen deines Lebens, sondern zum Hinblick auf deine Jissroeïlbestimmung, und zur geistigen Lösung derselben, und zur Prüfung deiner Erfüllung im Leben und zur Wiedererhebung dazu; – - Sohn meiner Zeit! erröthest du nicht über solche Klang? Freilich! wenn du nur zu besitzen und zu genießen geboren dich achtest; wenn die Größe oder Kleinheit deines Besitzes und Genusses dich groß macht oder klein; – wen dir dies Alles Ziel, nicht Mittel ist; – freilich, wenn du in deinem Gewerbe mehr thun zu können vermeinest, als blos, dem Landmanne gleich, die Saat streuen in Erde, auf daß Gottes Segenssonne und Rgen sie groß ziehe; wenn freilich deine Kraft und die Macht deiner Hand das Gebäude deines Glücks bis zum Gipfel führt, nicht Gott du – und du allein! und diesem, diesem Streben alles Uebrige weichen muß; – freilich dann – !
Aber im Geiste des Judenthums! wenn du ihn nur begreifst den Schabbóß, wenn du nur siehest, wie dir mit ihm Grundlage deines ganzen Berufs und zugleich schönste, geistigste Erfüllung desselbendasteht: Zeuge zu seyn, daß ein Gott ist, und nur Ein Gott ist, und der Mensch nur zu Seinem Dienste berufen! und gegenüber das ganze Wahnsinniggräßliche des Gedankens ganz durchdenkest: "Erwerbes halber Schabbóß zu entweihen!" "um mich zu ernähren, um den Segen meines Hauses zu vergrößern, und um mir die Mittel zu verschaffen, meine Pflichten gegen Gott zu erfüllen, – spreche ich es aus, daß es keinen Gott gebe, dessen sey die Welt und was sie füllt; spreche ich es aus, daß nicht von Ihm stammt alles Leben und aller Segen zum Leben; spreche ich es aus, daß Besitz und Genuß mein Beruf und nur Erfüllung meines Willens mir Ziel; – um mich körperlich zu nähren, – werde ich Leugner an Gott und Menschenberuf!" wie du das, und nichts weniger als das aussprichst in jeder Höhnung des Schabbóß um Erwerbes Willen; – wird nicht diese einzige Betrachtung dir senken die Hand, die du in Erwerbesstreben am Schabbóß gehoben? – Ja, wenn du nur einmal im Schabbóßgeiste dein Leben betrachtet, – wenn du dich auch nur einmal also unter Gottes Auge begreifest, wie der Schabbóß dich lehret, – wenn du auch nur einmal dich gottbelebtes Wesen, in durchunddurch gotterfüllter Welt, mit durchunddurch von Gott geleitetem Leben fühltest, fühltest dich Kind und Diener des Alleinen; fühltest dein ganzes Seyn und Leben hangend am Munde des alleinen Vaters und Herrn, jeden Athemzug Seine Spende, jede Kraft Seine Gabe, jeden Zug in deinem Leben Seine Fügung – und du dich da begriffest mit deinem großen und kleinen Segen – Gottesdiener! und dein ganzes Leben Erfüllung solchen Rufs; – wirst du da noch begreifen deine jetzige Klage? Du würdest sehen: daß auch dein Besitzesstreben nur Eine Pflicht ist, wie alle deine übrigen; wirst auch seinen Werth nicht nach Umfang des Errungenen messen, sondern nach Beachtung göttlichen Willens im Erringen – und dann nach Beachtung göttlichen Willens im Verwalten und Anwenden! sehen, wie, wenn sechs Tage dir die äußeren Mittel für deinen Beruf bringen sollen, der fiebente Tag dir die inneren, Geist und Weihe, spenden soll, daß jenes Erringen und jenes Anwenden auch in göttlichem Sinne geschehe; sehen würdest du, daß, wie ja Gott allein es ist, der dir spendet Kraft zum Erringen und Segen im Erringen, Er ja auch reich genug ist, in sechs Tagen so viel Món deiner Hütte fallen zu lassen, daß du den siebenten nicht darbest; – sehen würdest du: daß nicht, weil du jene Klage führen könnest, du aufhören müssest, Jude zu seyn; – sendern du aufghört haben mußtest Jude zu seyn, – um jene Klage führen zu können. -
"Aber Verkehr mit Nichtjuden! Man zeichnet sich so aus, wird sogleich als Jude erkannt!" – Sohn meiner Zeit! Wer sagt dir denn, daß du es verleugnen sollst, Jude zu seyn? – Sey Jude, sey es wahrhaft, erstrebe das Ideal eines wahren Juden in Thauróherfüllung der Gerechtigkeit und Liebe, – daß man dich achte, weil du Jude bist, nicht obgleich du Jude bist; habe dich selbst als Juden begriffen und verbreite den Begriff davon durch dein Wort, noch mehr durch dein Leben, unter deine nichtjüdischen Brüder; – und du wirst dich wahrlich nicht zu beklagen haben, daß deine Judenheit nicht incognito zu reisen vermag.
"Aber den Grad der Vertraulichkeit vermagst du nicht zu erlangen, – wenn du nicht – mindestens – mit ihnen an ihren Gastmälern issest und trinkest?" – Wiederum! übe Gerechtigkeit und Liebe, wie deine Thauróh dich lehrt; – sey gerecht in That, sey wahr im Wort, trage Liebe im Herzen gegen deinen nichtjüdischen Bruder, wie es deine Thauróh dich lehrt; – speise seine Hungrigen, kleide seine Nackten, erquicke seine Kranken, tröste seine Leidenden, berathe seine Unberathenen, springe ihm bey mit Rath un That in Noth und Fahrniß, entfalte die ganze edle Fülle deines Jissroeïlthums: – und er wird dich nicht achten und lieben? und es wird sich nicht der Grad der Vertraulichkeit herstellen, den dein Leben zu tragen vermag? – Aber mehr! – wie Familienglied? – Siehst du denn nicht, wie du das, bis zu jener Allverbrüderung, nicht sollst, nicht sollen kannst? nicht aus Feindschaft, sondern deines Jissroeï´lberufs halber! Du zürnst dem Gesetze nicht, wenn es deine Verschwägerung außer Jissroeï´l nicht gut heißt, weil du deine Kinder, die theuersten Pfänder göttlicher Liebe, nur Seiner Thauróh erziehen sollst, und du sie entziehest der Thauróh, wenn du nicht jissroeï´litischen Vater, wenn du nicht jissroeï´litische Mutter ihnen giebet; – und du dankest es nicht dem Gesetze, wenn es schützen will, daß nicht Jissroeï´lssöhne Leidenschaft fassen zu nichtjissroeïlitischen Töchtern, und nichtjissroeïlitische Söhne – zu Töchtern Jissroeï´ls?!
Begreife Ziel deines Lebens, begreife Jissroeï´lpflicht, und es schwindet alle Beschwerde, die ja in unserer Zeit nur fühlbarer geworden, weil Jissroeï´lgeist geschwunden, – die ja zum Theil erst wirklich schwerer worden, weil auch Jissroeï´ls Söhne sich nicht mehr kennen, weil auch Jissroeï´ls Söhne sich nicht mehr achten, – weil zum Theil auch Jissroeï´ls Söhne – Verletzung von Jissroeï´lpflichten fordern. -
Sechzehnter Brief.
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Sie fragen mich um meine Ansichten über die Frage, die jetzt so vielfach die Gemüther bewegt, über "Emancipation;" ob ich im Geiste des Judenthums sie für möglich, für Pflicht dahin zu streben, für wünschenswerth sie achte. – Nach dem neugewonnenen Begriffe des Judenthums sind Sie, lieber Benjamin, irre daran geworden. Es sind Ihnen Zweifel gekommen, ob das Streben danach auch dem Geiste des Judenthums gemäß sey, da es einer Anbürgerung an Anderes und Lossagung vom Jissroeï´lgeschicke nahe käme; ob wünschenswerth, da leicht durch die große Annäherung Jissroeï´ls Eigenthümlichkeit verwischt werden könnte. Ich achte Ihre Skrupel und theile Jhnen meine Ansicht s. m. mit. – "Ob im Geiste des Judenthums?" – Als Jissroeï´l die große Wanderschaft durch Zeiten und Völker antrat, ward ihm durch Jirmijóhu als Pflicht verkündet:
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"Bauet Häuser lasset euch nieder; pflanzet Gärten und genießet ihre Frucht; nehmet Frauen und zeuget Söhne und Töchter und nehmet für eure Söhne Frauen und eure Töchter gebet Männern, daß sie gebären Söhne und Töchter, und vermehrt euch dort, und mindert euch nicht. Und strebet für das Wohl der Stadt, dahin ich euch vertrieben, und betet für sie zum Herrn, denn in ihrem Heile wird euch Heil." – ]
Jenes Zurückstoßen und Beschränken in den Bahnen des Lebens also nicht wesentliche Bedingung des Golúß; vielmehr Pflicht, so viel nur immer möglich, sich dem Staate anzubürgern, der uns aufgenommen; des Staates Zwecke zu fördern und das eigene Wohl nicht getrennt von des Staates Wohl zu achten. – Dieses Anschließen überall an die Staaten ja auch, dem Geiste des Judenthums unbeschadet, möglich; denn jenes frühere selbstständige Staatenleben war ja auch nicht Wesen und nicht Zweck der Volksthümlichkeit Jissroeï´ls, war ja auch nur Mittel zur Lösung seines geistigen Berufs. Nie war Land und boden sien Einigungsband, sondern die gemeinsame Aufgabe der Thauróh; darum ja auch eine Einheit noch, wenn auch fern vom Lande, – und drum noch Einheit, wenn auch überall in der Zersteuung angebürgert; (nenne man diese Einheit hebr. עם und גוי, nicht deutsch "Volk", wenn man von diesem deutschen Worte das Merkmal gemeinsamen Bodens nicht zu trennen vermag); bis sie einmal Gott auch äußerlich als Volk auf einem Boden vereinigen und die Lehre der Thauróh wieder als Princip eines Staates dastehen werde, zum Muster und zur Offenbarung Gottes und des Menschenberufs. – Eine Zukunst, die als Ziel des Golúß gesteckt, verheißen ist, aber ja nicht thätig von uns gefördert werden darf, nur erhofft; und zu der wir erzogen werden, daß wir dann im Glücke besser "Jissroeï´l" darstellen mögen, als das erste Mal; eine Zukunft, die ja Hand in Hand gehet mit Erhebung der Allmenschheit zur Allverbrüderung unter Gott, dem Alleinen! Eben dieser rein geistigen Natur der Volksthümlichkeit Jissroeï´ls halber ist es darum auch überall zum innigen Anschluß an Staaten fähig;nur rin sich vielleicht scheidend, daß während Andere etwa die Güter, die der Staatszweck sichert, Besitz und Genuß in weitester Bedeutung als das Höchste achten möchten, es sie selber stets nur als Mittel zur Erfüllung des Menschenberufs betrachten könne. – Und denken Sie sich einmal das Bild solches unter Völkern freiwohnenden, ein Ideal erstrebenden Jissroeï´ls! Jeder Jissroeï´lssohn geachteter, weitwirkender Beispielspriester der Gerechtigkeit und Liebe; – nicht Jissroeï´lthum – was ihm verboten – aber reines Menschthum unter den Völkern verbreitend! Welcher Hebel zum Fortschritt der Menschheitserziehung, welche Leuchte und Stab in des Mittelalters nächtigen Tagen, wenn Jissroeï´ls Sünde und der Völker Wahn dieses Bild des Golúß nicht zurückgedrängt; wenn in Mitte einer nur Gewalt und Besitz und Genuß erstrebenden und vergötternden, nicht selten von Wahn umdunkelten Menschheit, still und offen Menschen gelebt hätten, die in Besitz und Genuß nur Mittel sahen, Gerechtigkeit und Liebe gegen alle Welt zu üben, deren Geist, von der Lehre Wahrheit und Weisheit erfüllt, nur menschlich gerade, vernünftige Ansichten gehegt und in lebendigem Thatsymbol für sich und Andere verewigt hätte! – Aber es scheint, daß erst durch die herbe Seite des Golúß Jissroeï´l zu dieser mildern erzogen werden soll. – Wenn erst Golúß so aufgefaßt und hingenommen,wie es soll, wenn in Leiden Gott und Thauróh als alleinige Aufgabe des Lebens gefaßt, und äußere Fülle nur als Mittel geschätzt, und auch im Elend Gott gedient; – dann, – wie vom Standpunkt der Völker immer, – vom Standpunkt des Judenthums, – dann vielleicht reif für die noch größere Prüfungsschule des Glücks und der Milde in der Zerstreuung. – Daher auch keine Frage. Wie uns geboten Erwerbung der äußeren Mittel als Bedingung des Daseyns und Lebens, so auch gewiß jedem Einzelnen Pflicht, jede auf rechtlichem Wege offenstehende Erleichterung und Vermehrung dieser Mittel nicht zurückzuweisen; denn je mehr Mittel, je mehr Möglichkeit der Berufserfüllung in weiterem Umfang; und so auch gewiß für die Gesammtheit Pflicht, wenn auf rechtlichem Wege die Aussicht geöffnet, sie auf rechtlichem Wege zu erstreben. – Ob aber wünschenswerth? – Ich segne die Emancipation, – wenn ich sehe, wie das Uebermaß des Druckes Jissroeï´l aus dem Leben zurückgedrängt, Pflege seines Geistes ihm verkümmert, freie Entfaltung seines edlen Charakters beschränkt, und zur Selbsterhaltung manche seiner Individuen auf Wege hingezwungen, die freilich vom Geiste des Judenthums erfüllte Männer auch in solcher Noth nie betreten hätten, und die ihren Beruf tief verletzen,an welcher hohen Prüfung aber ihre Schwäche gescheitert. – Ich segne die Emancipation, – wenn ich sehe, wie ihr heutigen Tages kein geistiges Princip, wenn auch nur ein wahngeborenes, entgegenstehet; sondern nur den Menschen erniedrigende Besitzsucht und selbstsüchtige Engherzigkeit; – und wie hier Achtung des Rechts, des Menschenrechts: Mensch unter Menschen zu seyn, und die Ansicht, daß Gottes die Erde sey, und wer nur den Stempel als sein Kind trägt, freudig von Allen als Bruder geachtet warden soll, – wie dieses Recht und diese Gesinnung ohne Gewalt, blos durch die Kraft ihrer inneren Wahrheit, das Opfer der niedrigen Selbst- und Besitzsucht fordert; – und begrüße freudig, wo dieses Opfer gebracht wird, als eine Morgenröthe wieder erwachenden Menschthums in der Menschheit, – eine Vorstufe zur Anerkennung Gottes als des alleinigen Herren und Vaters, aller Menschen als des Alleinen Kinder und somit Brüder,undder Erde als Allen gemeinsam von Gott verliehenen Bodens zur Verwaltung nach Gottes Willen. – Aber – für Jissroeïl – segne ich sie nur, wenn vor Allem in Jissroeï´l gleichzeitig der wahre Geist erwacht ist, der, unabhängig von Emancipation oder Nichtemancipation, auf Erreichung des Jissroeï´lberuf hinarbeitet, auf unsere Selbstveredlung, den Geist aus dem Judenthum in die Gemüther zu pflanzen, auf daß er ein Leben in solchem Geiste gebäre; – ich segne sie nur, wenn Jissroeï´l die Emancipation nicht als Ende seines Berufs, sondern als eine neue Seite seiner Aufgabe, als eine neue Prüfung, und als eine viel schwerere, als die des Drucks, entgegenimmt; – aber ich trauerte, – wenn so wenig Jissroeï´l sich selber begriffe, so wenig seinen Geist mehr hätte, daß es Emancipation als Ende seines Golúß begrüßte, als höchstes Ziel seines geschichtlichen Berufs; – als Lebensermächlichung und als Weg zu größerer Besitzes- und Genussesfülle nur sie vergötternd zeigte, daß es den Geist seiner Thauróh nicht begriffen und aus dem golúß nichts gelernt; – aber ich trauerte wehmüthig, wenn Jissroeï´l so weit sich verkennen sollte, – Emancipation, von ungerechtem Drucke befreieten Raum für Besitzes- und Genußstreben – nicht zu theuer erkauft zu haben glauben sollte durch willkürliches Beschneiden der Thauróh, durch willkürliches Aufgeben unserer Lebensseele. – Juden müssen wir werden, im wahren Sinne Juden, von der Thauróh Geist durchdrungen, sie als Quelle des Lebens aufnehmen; – dann wird auch der Geist des Judenthums Emancipation freudig begrüßen als eine nun größere Bahn zur Erfüllung ihrer Anforderung, – zur Verwirklichung ihres Lebensbildes. -
Siebenzehnter Brief.
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Sie haben Recht. Die ganze Frage der Emancipation, als blos unser äußeres Geschick zunächst berühresse. – Die Völker werden früh oder fpät sich entscheiden über die Frage zwischen Recht und Unrecht, zwischen Menschlichkeit und Unmenschlichkeit, – und das erste Erwachen des Bewußtseyns eines edleren, höheren Berufs als – "Haben" – und "Genießen", die erste Aeußerung lebndigerer Anerkennung Gottes als alleinigen Herren und Vaters, und er Erde als von Ihm allen Menschen gewährten heiligen Bodens zur Entfaltung ihres Menschenberufs – wird überall seinen Ausdruck finden, – in Emancipation aller Unterdrückten, – auch in Emancipation der Juden. – Aber, wie das äußere Geschick überhaupt, ist sie mehr ein Gegebenes; und wohl mögen wir beitragen dazu, – aber an und für sich macht sie uns nicht größer, nicht kleiner. – Ein anderes Ziel ist uns vorgesteckt, dessen Erreichung ganz in unseren Händen, – das der Veredlung unserer Selbst, – das der Verwirklichung des Judenthums durch Juden. Dies führt uns zu der Frage, die Sie mit "Reform" bezeichnen.
Gewiß, mein Benjamin, wir sind noch lange nicht, was wir seyn sollen; und vergleichen Sie das Lebensbild, das uns die Thauróh zum verwirklichen aufstellt, auch nur einmal nach den dürren Umrissen, die ich Ihnen einmal in Briefen gezeichnet, mit unserem wirklichen Leben im Einzelnen und Ganzen; Sie finden die großen Schritte, die wir noch zu thun haben; den Abstand, den bis zur Höhe zu erklimmen uns noch bevorstehet. – Und daher – Reform! Hinangearbeitet mit allen unseren Kräften, mit Aufgebot alles Guten und Edeln, hinangearbeitet zu dieser Höhe! – Reform! – Aber ihr Ziel kann nichts anderes seyn, als Verwirklichung des Judenthums durch Juden in unserer Zeit; Verwirklichung jenes ewigen Ideals in den und mit den von der Zeit gestellten Verhältnissen; Erziehung, Erhebung der Zeit zur Thauróh! – nicht aber Nivellirung der Thauróh nach der Zeit, Abtragung des Gipfels zu der Flachheit unseres Lebens. – Wir Juden bedurfen der Reform durchs wiedererkannte, geistig erfaßte, mit aller Thatkraft verwirklichte Judenthum; – aber nicht jenes ewige, vom Gott aller Zeiten für alle Zeit uns aufgesteckte Vorbild der Reform durch unsere Lebensermächlichung erstrebenden Söhne der Zeit. Es soll uns zu sich hinauferziehen – und wir? – wir sollten es herabziehen – zu uns?!
Sehen Sie den Schaden der Zeit. – Unkenntniß und Miskenntniß des Judenthums; dabey ein von außen auch in unsere Hütten eindringendes Streben – nach Genuß, als des Lebens Ziel! – Unkenntniß! Wo ist jetzt der Jude, der sich selber kennt, kennt Inhalt und Bedeutung seines Geschicks, – Inhalt und bedeutung seines Berufs? wo sind die Söhne Jissroeï´ls, in deren Brust die Töne der Dowid'sharfe und des Prophetenworts töneten, und deren Geist erleuchtet wäre – ich schweige vom Geist – auch nur über den Umfang ihrer Jissroeï´lpflicht? – Und Miskenntniß vor Allem! – Was davon seinem Aeußeren nach gekannt, wie wenig erkannt nach seinem Innern? Von einer Seite die erziehenden Eïdaúßpflichten gekannt – und diese als geistloses opus operatum begriffen, oder fast als Amuletenkram zur Abwehrung physischer Uebel oder zum Aufbau mystischer Welten! Von anderer Seite Pflichten der Gerechtigkeit und Liebe als eine Rubrik neben dem Judenthume, nicht im Judenthume liegend! Und nun die unerkannten, nur als Menschenquälerey begriffenen Anforderungen des Judenthums im Kampfe mit Anforderungen sinnlicher Lust des Magens und der Triebe, mit Anforderungen der Gemächlichkeit und Weichlichkeit; – wie sollen sie nicht erliegen in diesem Kampfe, da diese nur durch Geist überwogen werden können, und der – nicht da ist! An diesem Inneren fehlt es, am Begriff des Judenthums nach Geschik und Lehre – und daraus an Liebe zu ihnen, – alleinigem Gegengewicht gegen Reize von innen und außen; – und Gewährung dieses Innern unser Ziel – und unser alleiniges Heil. Vergleichen Sie damit die reformirenden Bestrebungen der Zeit! – Zürnen Sie Keinem! Achten Sie Alle! – denn Alle fühlen sie einen Schaden, – Alle wollen das Gute, wie sie es erkannt, – Alle meinen das Heil der Brüder, – und wenn sie das Gute nicht erkannt, im Ergreifen des Wahren gefehlt haben sollten; – nicht sie tragen meistens die Schuld, – eine ganze Vergangenheit träget sie mit; – darum achten Sie die Gesinnung! – aber bedauern, weinen mögen Sie, wenn Sie sie prüfen diese Bestrebungen.
Ist's die Reform, die uns Noth thut, irgend einen Standpunkt außer dem Judenthum nehmen, irgend einen anderwärts geschöpften Begriff der Menschenbestimmung oder Emancipation, – und nun danach die Fülle des Judenthums beschneiden oder ausmergeln? – Ist's die Reform, – in Judenthum, aber im unbegriffenen Judenthum, stehen und nur die äußere Erscheinung eines unbegriffenen Theils des Judenthums, des Gottesdienstes, nach der Anforderungen einer nur fühlenden Zeit zu modeln? – Ueberall Unbegriffenes abgeschafft, – Unbegriffenes festgehalten, – und wenig aus innerem Begriff hergestellt! – Und nun die Schulen! sie, Inhaber aller unserer Hoffnungen für die Zukunst? Sie sind, wie die Schulen der Zeit! – Zum einstigen Broderwerb durch Handwerk, Handel, Kunst, Wissenschaft, wird die Jugend ertüchtigt, der Verstand zum Theil entwickelt, aber auch da mehr Gedächtniß als Denkkraft geübt! – aber das Herz gebildet, Judenthum gelehrt, von jüdischem Geist die Schule durchdrungen, damit er einst das Leben durchdringe, – Menschen gebildet, die sich erkennen in einer Gotteswelt mit Gott gehörenden Kräften, Gottes Willen zu erfüllen, die sich freuen dieses Berufs, mit Feuer und Liebe hangen am Namen "Jude", der sie ruft zu solchem Leben, zur Durchtragung solcher Lehre durch Zeit und Fahrniß, Dulden und Entbehrung, – und dazu Welt erkannt, sich erkannt, Geschichte erfahren, Gegenwart begriffen, und sich begriffen als Bausteine der Zukunft – Kluft! – Nehmen Sie nur eins der Religionsbücher zur Hand; – irgend ein außerhalb des Judenthums geschöpftes Lebensprincip voran, 13 Worte des Glaubens, auf denen vielleicht, – aus denen aber nimmer das Judenthum bestehet, – einige Moralbegriffe aus den Zehngeboten deducirt, – Chuckim und Eidaúß gar nicht – oder dürr nur genannt – oder als Ceremonialgesetz nur im Anhang; – Alles mehr und minder Schattirungen eines auf ganz anderem Boden, zu ganz anderen Zwecken entstandenen Katechismus. – Von anderer Seite Wortverstand der Thauróh, und nur Wortverstand derselben gelehrt, und glücklich, wenn nur der! und die Pflichten nur zur praktischen Erfüllung aus Compendien für die Praris, aber ohne Begriff und Geist, oder mit dem Geist der Mizwaúß, der aber mit Nichten Stich hält und begleiten kann im praktischen Leben; – - ums Himmels Willen! wo sollen da Juden herkommen?! Juden mit lebendigem Geist der Gottes- und Berufserkenntniß, und mit Kraft gerüstet für den Kampf gegen Sinnlichkeit und Irrthum, gegen Zeitenlast und -irrung?! Sehen Sie; – doch wozu das traurige Bild ausführen! – Freuen wir uns lieber, daß noch immer Jissroeï´ls Jugend keiner andern nachstehet an Geist und Sittlichkeit, – wenn gleich weit ab von den Forderungen des Judenthums; – freuen wir uns der Regsamkeit im Bau des Judenthums, wenn es auch zum Theil uns Niederreißen oder Uebertünchen morscher Stellen scheint; – es ist Bürgschaft einer besseren Zeit! – und versuchen wir lieber einige Skizzen der Veranlassung solcher Gestaltung – und der Mittel zu der uns wahr scheinenden Reform. -
Achtzehnter Brief.
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Jissroeï´ls ganzes Wesen beruhet auf Thauróh; sie sein Boden und sein Ziel und Lebenssaft in seinen Adern. Ist's da gesund, – kann Jissroeï´l nicht kranken; ist's da aber krank, – kann Jissroeï´l nimmer gesunden. Es giebt darum keine Misgestaltung, die nicht durch Sünde in Thauróherfassung erzeugt werde – oder mindestens Dauer erhalte. – Schon für den ersten nationalen Verfall weisen unsere tiefblickenden Weisen den letzten Grund darin nach: "שלא ברכו בתורה תחלה!‏‎"
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d. h. daß sie Thauróh nicht mit Entschluß der Erfüllung, also nicht mit Rücksicht aufs Leben und für dasselbe getrieben; das Leben floh aus der Wissenschaft; so konnte die Wissenschaft auch das Leben nicht durchdringen, nicht wahrhaft erleuchten, – erwärmen. – Und wenn Sie den Ursprung der heutigen Krankheit suchen, – Sie finden sie wiederum nirgends als dort. -
Ursprünglich ward Jissroeï´ls Wissenschaft nur in ihren Grundnormen schriftlich festgehalten ת'ש'ב'כ'‏; aber Ausführung derselben, und vor Allem der Geist, wie er selber Leben ist, sollte nur in lebendigem Wort sich erhalten ת'ש'ב'פ'‏. – Der Drang de Zeiten und die Zerstreuung drohete Untergang der Wissenschaft; – man schrieb die Mischnóh, und überließ den Geist dem mündlichen Wort. – Der Drang der Zeiten forderte mehr; man schrieb der Mischnóh Geist, aber auch nur in seinem praktischen Ausdruck, in G'moró nieder; den Geist der G'moró der mündlichen Lehre vorbehaltend. – Der Drang der Zeiten forderte mehr; man schrieb Geist von Th'nãch und G'moró in Aggodaúß nieder; aber wieder nur verhüllt, auf daß nur selbstthätiges Eindringen dem mündlich sich vererbenden Geiste zu Hülfe käme. – In zwey Akademien flüchtete sich Lehre und Geist; – aber bald wurden sie durch Leidenschaft und Verirrung untergraben; – aufgehoben; – die Lehre ging ins Eril, – der Buchstabe und die äußere praktische Erfüllung war gerettet, – der Geist, bis auf symbolisch ihn verhüllung Buchstaben, – der Geist – war entflohen. – Aus dem Buchstaben und aus dem verhüllenden Symbol, verbunden mit dem, was sich zu glänzen darin Einzelne hervor. Aber nicht Alle hatten den Geist. – In nichtjüdischen Schulen bildete Jissroeï´ls Jugend ihren Geist in selbstständiger, philosophischer Richtung. Griechische Philosopheme schöpften sie aus arabischen Brunnen. Sie erlernten als höchste Aufgabe Selbstvervollkommnung in Erkenntniß der Wahrheit. Ihr erwachter Geist fühlte sich in Widerspruch mit dem Judenthum, in dem sie keinen Geist erlernt; ihre Lebensansicht in Widerspruch mit einer Lebensansicht, die vor Allem auf That, auf Wirken hindrängt und Erkenntniß selbst nur als Mittel zu solchem Wirken achtet. – Da erzeugte die Zeit einen Geist, der, gleichzeitig in unbegriffenem Judenthum und in arabischer Wissenschaft erzogen, – in sich selber den Zwiespalt auszugleichen hatte, wie er ihn ausglich, aussprach, und damit Führer ward für alle in gleichem Kampf Begriffene. – Dieser große Mann, wie wir ihm, und nur ihm, die Erhaltung des praktischen Judenthums bis auf unsere Zeit verdanken, hat gerade darin, und daß er auf anderer Seite nur ausglich, nicht schöpferisch das Judenthum aus sich selbst entwickelte, und wie er es ausglich, – alles Gute und Böse geboren. – Seine eigenthümliche Geistesrichtung war arabischgriechisch, auch sein Lebensbegriff war es. Er drang von außen in's Judenthum und brachte Ansichten mit, die ihm anderweitig feststanden – und glich damit aus. Höchstes Ziel auch ihm: Selbstvervollkommnung durch Erkenntniß der Wahrheit; ihr das Praktische untergeordnet. Erkenntniß Gottes – Ziel, nicht Mittel; daher Spekulationen über Gottes Wesenheit, und – Judenthum an Resultate solcher speculativer Forschungen als an Wissens- oder Glaubenssätze constituirend gebunden. Mizwaúß – ihm nur Leiter, aber nothwendige Leiter zur Erkenntniß und Schutz vor Irrthum, zum theil selbst nur vor temporell im Gebiete des Polytheismus dastehenden, partiellen Irrthümern. So wurden Mischpotim Klugheitsregeln, ebenso Mizwaúß; Chuckim Gesundheitsregeln, Gefühl erzielend, Abwehr temporellen Wahns; Eidaúß zum Theil Veranstaltungen zu speculativen und andern Zwecken; Alles nicht in dem ewigen Anspruch an mich, aus meiner ewigen Bestimmung fließend, Alles nicht Verewigung der Idee durch Symbol – und dabey mit Nichten die Totalität der Mizwaúß zu Grunde liegend. Und er, der große systematische Ordner der practischen Resultate des Thalmud's, legte im letzten Theile seines philosophischen Werkes Ansichten über Mizwaúß als Geist derselben nieder, die, dem größten Theile nach eben jene practischen Resultate als Inhalt der Mizwóh genommen, nicht Stich halten, sie nicht erleuchten – also in der Praris, im Leben und in der Wissenschaft für dasselbe nicht Begleiter seyn können. – Diese Ansichten sind's, die sich bis auf den heutigen Tag bei denen herabgeerbt, die überhaupt Geist der Mizwóh haben wollen. Aber eben mit ihnen stehet das für die Praris Geltende ganz außer Zusammenhang – und mußte daher geistlos sinken, – ja verachtet werden. – Sie sehen, statt sich in's Judenthum zu stellen und sich zu fragen: nachdem das Judenthum diese Forderungen an uns macht, welche Ansicht über Menschenbestimmung muß es haben? – und statt jede Anforderung erst in ihrer Totalität nach תנ"ך und ש'ס zu fassen und sich dann zu fragen: was kann also nun wohl Begriff und Sinn dieser Anforderung seyn? – hatte man seinen Standpunct außer dem Judenthum und zog es zu sich herüber; bildete man sich von vorn herein Ansichten, was die Mizwaúß seyn könnten, unbekümmert um die wirkliche Erscheinung der Mizwóh nach allen ihren Theilen. – Was war die Folge? – Als nun diese Ansichten im Leebn die natürliche Erscheinung erzeugten, daß nun Männer, die Inhaber der Erkenntniß zu seyn glaubten, der Mizwóh, die ja nur Leiter seyn sollte, nicht mahr zu bedürfen meinten, noch weniger der Wissenschaft dieser Mizwaúß, die ihnen geistlos geblieben; – wurden Männer, die das Judenthum tiefer faßten, Feinde dieses philosophischen Geistes; – spätere wurden Feinde des Geistes überhaupt und des philosophischen insbesondere, – und mehrere mißverstandene Aussprüche
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wurden Schutzwehr zur Zurückweisung aller geistvollen Erfassung des Thalmuds; wobey man noch dazu nicht unterschied die Frage: "was ist hier ausgesprochen?" von der: "warum ist es ausgesprochen?" und nicht einmal die Kategorie "Eïdaúß", uas dem Geistesbann ausschloß, die doch ihrem ganzen Wesen nach nichts anderes als Geist gebären soll; ebenso wie späterhin eine misverstandene Stelle (סנהדרין כד' א', תוספ' בד'ה בלולה) selbst Thnáchsstudium ganz hinauswies; eine Verirrung, vor der schon (מס' סופרים פ' טו' הל'ט) wie prophetisch ausdrücklich gewarnt war. Also – daß, als nun Druck und Verfolgung überhaupt lebendige Anschauung der Welt und des Lebens raubte, dabey in Resultaten für's practische Leben der Thalmud fast erschöpft war, mußte der doch selbstthätig seyn wollende Geist abirren und in Spitzfündigkeit seine Beschäftigung finden. – Nur Wenige im ganzen Laufe dieser Zeit standen mit ihren Geistesforschungen rein im Judenthum und bauten es geistig auf aus sich selber. Unter allen glänzen hervor der Verfasser des Kusri und der Sohn des Nach'móns. Vor Allem in Deutschland, wo die Zeiten des Drucks und der Verfolgug ohnehin jeden freiern Geistesaufschwung unterdrückten, ward jener Zustand des unbegriffenen Judenthums vorherrschend. Die allgemeine Grundansicht jedoch: Gott der Alleine, und die Thauróh Sein Wille, und die Erfüllung derselben mit Gottesfurcht, Gottesliebe und Gottvertrauen, blieb überall in lebendiger Kraft, – und ihr ward das Leben und alle seine Güter und alle seine Freuden – in glänzender Higebung freudig zum Opfer gebracht. – Es trat eine Disciplin in's Leben, von der, als ein Uneingeweiheter, zu urtheilen ich mir nicht wage, die aber, wenn ich das, was ich von ihr zu verstehen glaube, recht verstehe, unschätzbares Repositorium is eben jenes Geistes von Th'nãch und Schãß; aber dann auch unglücklich misverstanden worden ist, und was ewiges, fortschreitendes Fortentwickeln ist, als stehender Mechanismus, und sa innere Erscheinun und Begriff ist, als äußere Traumwelten begriffen worden. – Diese Disciplin trat in's Leben, und der Geist wandte sich entweder jener äußeren scharfsinnigen Entwickelung des Thalmud's zu, oder dieser das Gemüth mit ansprechenden Disciplin. Das practische Judenthum, das, wenn sie rein erfaßt worden wäre, vielleicht von Geist sich durchdrungen hätte, ward, – da sie misverstanden worden, – in ihr ein magischer Mechanismus, ein Wirken oder Abwehren theosophischer Welten und Unwelten. – Allmälig kam in die Hände des Volkes ein Theil eines Werkes, das ursprünglich nur für Repetition des Gelehrten bestimmt, die letzten Resultate der Thalmudischen Wissenschaft rein für die äußere Praris darstellt; vorzugsweise nur andersgeordneter Auszug aus dem systematischen Werke des Rambams, wodurch dieser uns gerade als der große Erhalter des practischen Judenthums in den Zeiten des übergroßen Golúßdrukkes erscheint. Aber unglücklicher Weise kam fast nur ein Theil dieses Werkes in die Hände der Leute, der nur die Abschnitte Eïdaúß und Awaudóh enthält, des Gottesdienstes und der Festtage; die übrigen Pflichten werden in den andern Theilen entwickelt und zwar auch seinem Zwecke gemäß für Gelehrte, nicht fürs Volk. – Da erzeugte sich nach und nach die unglückselige Ansicht hie und da, als ob das Eigenthümliche des Judenthums nichts sey als beten und Festtage feiern; – aber das Leben blieb unerkannt. – Nehmen Sie diese verschiedenen Einflüsse zusammen, so werden Sie sich die Erscheinung des Judenthums vor ungefähr 80 Jahren erklären können. Und auch Alles, was folgt. – Denn nun, als das äußere Joch sich zu lüften begann und der Geist sich freier rege fühlte, trat wieder eine hochhervorglänzende, höchst achtbare Persönlichkeit auf, die wieder durch ihre Persönlichkeit die Entwickelung bis auf den heutigen Tag geleitet. – Sie selbst, ihre freiere Geistesentwickelung auch nicht aus dem Judenthum geschöpft habend, eigentlich groß in philosophischen Disciplinen der Metaphysik und Aesthetik, Th'nãch nur philologischästhetisch entwickelnd, das Judenthum als Wissenschaft nicht aus sich selber erbauend, sondern nur gegen politischen Unverstand und frommchristliche Zumuthungen vertheidigend, dabey persönlich ein practisch religiöser Jude, zeigte ihren Brüdern und der Welt: man könne streng religiöser Jude seyn und doch hochgeachtet hervorglänzen als deutscher Plato
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! – Dies "und doch!" entschied. – Seine Nachfolger begnügten sich, eifrig Thnãch philologischästhetisch zu entwickeln, den Mauréh zu studieren – und doch humanistische Studien anzubauen und zu verbreiten, – aber das Judenthum, Thnãch und Schãß als Wissenschafr – blieb verwahrlost. Ja, selbst das eifrige Thnãchstudium konnte nicht dazu führen, weil man es eben nicht als Lehre für den Begriff bearbeitete, sondern als schöne Dichtung für die Phantsie. – Und nun, dem verwahrlosten Thalmudstudium, dem unbegriffenen practschen Judenthum gegenüber, mußte sich jene früher unterbrochene, aber jetzt freigegebene Ansicht bis zur äußersten, alles Judenthum vernichtenden Consequenz hinausleben. – Ist jene Lebensansicht wahr, die des Menschen höchsten Beruf in die Wahrheitserkenntniß setzt, und wer wollte daran zweifeln, da ja Maimonides sie aufgestellt! – vor Allem, sind jene Ansichten über die Anforderungen der Thauróh wahr, – und wer dürfte daran zweifeln, da ja Maimonides, der große Kenner des Thalmuds und selbst practischer Jude, sie aufgestellt; – sind sie wahr; – ei so ist doch in Wirklichkeit der bändereiche Thalmud nichts als milbenklaubende Spitzfündigkeiten; so ist ja wirklich das practische Judenthum nichts als geistlose Quälerey; denn wer müßte nicht einstimmen! Ist z.B. Bedeutung des Werkverbot's am Schabbóß, – und wer könnte daran zweifeln, da es ja beide Moses so gefaßt und ja auch der christliche Sonntag das bedeutet, – ist sie z.B. nichts anderes, als Ausruhen von den Mühen der Woche, Körperfeier, damit auch der Geist einmal sich beschäftigen könne; – wer siehet nicht, welche Kleinlichkeitskrämerey und Haarspaltung, nun einen ganzen Folioband auszufüllen mit Untersuchungen, welche Arbeiten nun verboten; – welche Sonderbarkeit nun, das Schreiben zweier Buchstaben – doch vielleicht eine geistige Beschäftigung! – als Todsünde zu stempeln; – aber dagegen manche größte körperliche Anstrengung und jede Zerstörung gleinder zu fassen! Und nun gar noch selbst der Henne das Eierlegen zu verbieten! – War, z.B. in einem anderen Gebiete, war das Opfer nichts anders als vielleicht Darbringen von dem Seinigen zur Anerkennung, daß es von Gott stammt, und vorzüglich, zumal in seinen einzelnen Theilen, nichts als bloßer Gegensatz zeitlich herrschender polytheistischer Opfergebräuche; – welcher Unsinn, 3, 4 Foliobände zu füllen mit Untersuchungen, wie nun diese Darbringung, welche Theile, von wem, und wann? Sehet ihr nicht, daß das Alles nur geisttödtende Pfäfferey ist! Darum – Aber man hätte sich doch nur einmal die Frage stellen sollen: ist denn Moses ben Maimon, oder Moses ben Mendel, sind sie denn wirklich Moses ben Amram?! Liegt denn nicht eben in diesem Widerspuch zwischen der Ansicht und der Wirklichkeit der Mizwóh der Beweis, daß sie nicht die richtige sey, daß sie nicht auf den Totalbegriff der Mizwóh sich gründe, sondern von außen – erträumt ist? Spricht sich nicht der Mauréh selbst darüber aus, daß er zur Berutheilung der Mizwaúß nur תשב"כ zu seinem Standpunkt genommen, einen Standpunkt, den er ja für die Praris selbst als den unrichtigen erklärt haben würde, – der also somit – ein Wahnstandpunkt ist? Spricht er nicht sich selbst darüber aus, daß er bei Berutheilung der Mizwaúß eben jene Theilbestimmungen außer Auge gelassen habe, die ja erst zusammengenommen den Totalbegriff der Mizwóh geben, und die gerade vorherrschender Bestandtheil der תשב"פ sind? (מא'‏ und מ'נ כו'‏) – Sinn muß liegen in allen Mizwaúß – und vor allen von denen, die sich selbst als erziehend ankündigen, ihr Geist muß sich erschließen lassen; sie nennen sich ja selbst Zeugniß, Denkmal, Symbol, – wie, wenn wir's versuchten? wenn wir sie einmal auffaßten als Zeugniß, als Denkmal, als Symbol? – Dazu gelangte man nicht. Manche wollten auch nicht dazu gelangen. Denn es war vom Westen ein Geist eingedrungen, der lachte alles Heiligen, und sich freuete, es lächerlich zeigen zu können; uud mit ihm ein Streben nach Sinnlichkeit, das sich freuete, so wohlfeilen Kaufs lästiger Schranken los werden zu können; – so riß man denn nieder, damit es flach und eben werde.
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Und nun heute? nachdem nun die eine Seite dieses Geistes sich auch schon hinausgelebt; heute, nachdem nun zwey Generationen sich einander gegenüber: – die eine, das unbegriffene Judenthum als מצות אנשים מלומדה ererbt, ohne den Geist als heilige Mumie in Händen tragend, fürchtend, den Geist zu wecken; – die andere, zum Theil in edlem Feuer glühend für der Juden Wohl, aber das Judenthum nur als geistlose Erscheinung, als einer längst zu Grabe gegangenen Zeit angehörig achtend, – den Geist suchend und nicht findend, – und im besten Streben Gefahr laufend, den Juden zu helfen und auf dem Wege dahin des Judenthums letzten Nerv zu durchschneiden – aus Unkenntniß! – - Und jetzt, – wo in tausend Schattirungen sich annähernd diese Gegensätze eben darin bezeugen, daß sie beide im Irrthume, – jetzt? welcher Weg zum Heile? Genügt's zum Heile, auf diesen zwiespältigen Grund unsere Schulen zu gründen, den Gottesdienst zu reformiren? – An Geist, an dem innern Einen Lebensprincip fehlt es, – und den schaffet ihr nimmer durch Poliren des äußeren Rahmens. -
Einen Weg giebt's zum Heile; – wo gesündigt ward, da muß die Sühne beginnen, – und dieser Eine ist – vergessen die herabgeerbten Ansichten und Nichtansichten über Judenthum; nehmen die Quellen des Judenthums תנ"ך,‎ ש"ס,‎ מדרש; sie fürs Leben gelesen, studirt, begriffen; daraus Judenthums Ansicht geschöpft über Gott, Welt, Menschheit, Jissroeï´l nach geschick und Lehre, und das Judenthum aus sich erkannt, aus sich begriffen, aus sich zu eine Wissenschaft der Lebensweisheit erhoben. – Mit תנ"ך begonnen! mit Sprachkenntniß zuerst! aus dem Geist der Sprache der Geist der Sprechenden geschöpft; – Th'nãch dann nicht für Sprachnnd Alterthumsforschungen oder Geschmackstheorien und Amusement gelesen; – studirt, zum Aufbau einer Wissenschaft studirt, – mit Davidischem Sinne Natur angeschaut, mit Jesaitischem Ohr Geschichte vernommen; und dann, mit also gewecktem Auge, mit also geöffnetem Ohre, über Gott, Welt, Mensch, Jissroeï´l und Thauróh aus Th'nãch die Lehre geschöpft, zum Begriff gebracht, – und dann – mit dem Geiste solchen Begriffes ש'ס studirt, nichts als in Hallochóh Auseinanderlegung dieses Begriffs, aber ihn aus Th'nãch voraussetzend, in Aggodóh nichts als Bild verhüllter Ausspruch solchen Geistes, – und dann, – unbekümmert, für was euer Studium die Einen, für was die Andern es halten, unbekümmert, ob ihr nun in eurem Geiste der Einfachheit nicht mahe zu glänzen vermöget unter den Heroen spitzfündiger, aber der Wahrheit und dem Leben nicht als Ziel huldigender Disputationen; unbekümmert, ob ihr nun nicht in den einzelnen Disciplinen, die ihr nur als Hülfswissenschaften für eure Eigene durchforscht, zu glänzen vermöget, – unbekümmert, ob ihr nun untauglich werdet für scheinvolle Präsentation; – ihr lernet euch zum Lichte der Wahrheit, zur Wärme und Höhe des Lebens, – und dorthin gelangt, – werdet ihr Jissroeï´ls Geschick und Lehre begreifen, und das Leben als Abdruck solcher Lehre, durch und durch mit Geist erfüllt! – Ein Geist! in Allem! von dem Bau der Sprache bis zum Thatenbau des Lebens – Ein Geist, – angeweht vom Geiste des Alleinen!
Das wäre Werk für der Wissenschaft Jünger! Aber nun die Resultate solcher Wissenschaft dann ins Leben – durch Schulen verpflanzt! Schulen für Juden! die jungen Sprößlinge eures Volkes erzogen zu Juden, – zu Söhnen und Töchtern des Judenthums, wie Ihrs erkannt und begriffen und achten und lieben gelernt als das Leben eures Lebens; – die Sprache Th'nãch's, wie die Sprache ihres Landes, ihnen eigen, in beiden sie denken gelehrt, ihr Herz dem Fühlen, ihr Geist dem Denken zuerzogen, die Schriften Th'nãch's ihnen Buch der Lehre für's Leben, und sie fähig, das Leben hindurch ihr Wort zu vernehmen, – ihr Auge geöffnet zur Anschauung der Welt um sich als einer Gotteswelt und ihrer selbst in solcher Gotteswelt als Gottesdiener! ihr Ohr der Geschichte geöffnet als der Erziehung aller Menschen zu solchem Gottesdienst, – und ihnen dann aus Thauróh und Schaß in Resultaten ihr Leben nun als solch durch und durch geisterfüllter Gottesdienst auseinandergelegt, und begreifen, achten, lieben gelehrt; daß sie sich freuen des Namens "Jude" und des Lebens aus solchem Namen, mit allem Hohn und aller Entbehrung; – und ihr Unterrricht zum Broderwerb eingereihet in solche Lebensschule, wie einst der Broderwerb in's Leben, als Mittel der Lebenserfüllung, nicht als Ziel; – sie des Lebens Werth nicht nach Stand, nach reichthum und Glanz schätzen gelehrt, sondern nach innerem Lebensgehalt erfülleten, Gott dienenden Berufs; – nicht die Forderungen ihres Berufs den Anforderungen der Sinnlichkeit und Gemächlichkeit untergeordnet, sondern umgekehrt; – und dann, – bis Jissroeï´ls Häuser aus solchen Jissroeï´ls-Söhnen und -Töchtern erbauet sind, – geflehet, gebettelt in den Häusern ihrer Eltern, daß sie nicht stören das Werk der Schule, nicht mit eisigem oder dumpfem Geist zerknicken und tödten die jungen Sprossen in ihrer Kinder Gemüth; – das schlummernde Edle auch in der Eltern brust angefacht, und wo begreifen nicht mehr möglich, – doch Achtung erzielt, – - und es müßte nicht anders werden in Jissroeïl? – -
Es wird anders werden in Jissroeï´l; dazu führt unabweisbar unsere Zeit. – Sehen Sie sie nicht so düster an, mein Freund; – sie ist ängstlich wie die Kreisensstunde einer Gebärerin. Aber besser diese Angst in dem Hause einer Gebärerin, als das angst-, aber auch freude- und hoffnungslose Haus der Unfruchtbaren. – Mag immerhin diese Zeit des Kreisens unser, unserer Kinder, wenn Sie wollen, unserer Enkel Leben noch überdauern; so werden die Urenkel sich freuen des sich an's Licht und an's Leben gerungenen Kindes; sein Name ist: "sich selbst begreifendes Judenthum!" – Eine Bürgschaft trägt die Zeit dafür, sie ist das Streben: denken, begreifen, mit Geist erfassen zu wollen, was man achten soll. Wohlan! wenn erst der Geist das Vergebliche seines grund- und ziellosen Strebens, des Unterhandelns mit überschätzten Anforderungen des flüchtigen Augenblicks erkannt, – eingegangen ist ins Bewußtseyn, nur auf Begriff und auf innen erfaßte Wahrheit sey das Leben zu erbauen; – dann wird er erwachen zu der Frage: "was bin ich denn als Jude? was ist Judenthum?", und wird die Lösung dieser Frage nicht mehr sich holen von den Lehrstühlen und Schriften nichtjüdischer, das Judenthum oft nur durch ein Zerrglas kennender Gelehrten, und die zum Theil Thauróh und Judenthum in Geiste vernihten zu müssen glauben, um sich das Eigene zu erbauen; nicht aus den Schriften für äußere Rücksichten arbeitender Reformatoren der Zeit; nicht aus den Schriften ihren Standpunkt außer dem Judenthum erwählender jüdischer Weisen; sondern sie werden wandeln zur Urquelle des Judenthums, zu תנ"ך und ש"ס – und dieses einzige Streben: Begriff des Lebens aus dem Judenthum, und das Judenthum als Institut fürs Leben zu erfassen, dieses einzige Streben nur mitgebracht – wird führen zum Ziele, das Wahre und Lebenhaltige als Wahrheit und Leben zu erzeugen; nach der uralten, aber leider vergessenen Regel: "ללמוד וללמד – לשמור לעשות!‏"
O, daß euch Allen, die ihr's noch treu mit Judenthume meint,das ihr aus Gewohnheit ererbet und durch Gewohnheit wieder zu vererben gedenket,daß euch die Augen aufgingen, und ihr's erkennetet, nur durch den Geist könnt ihr's vererben; – und daß ihr euren Söhnen und Töchtern mindestens reichtet die Schriften, die Schriften der Thauróh, der N'wiim und K'ßuvim, daß ihnen der Geist, der da wehet, Leuchte nnd Stab werde im Leben; – o, daß ihr Edeln unter denen, die jetzt thätig zu seyn meinen für des Judenthums Heil, o, daß ihrs bedächtet, daß es nicht Leben erzeugen heißt, von Hand und Fuß nur Fesseln lösen zu helfen, und den Schmuck der Kleidung, die Erscheinung im Aeußern zu zieren; daß ihr anhieltet die zum Niederreißen erhobene Hand und erst prüfetet, ob nicht Heiliges und Ewiges und Leben ind Wahrheit Haltendes das Gebäude birgt, das, vom Staub der Jahrhunderte unkenntlich geworden, euch nur des Artstreiches werth noch scheint; daß ihr hinwendetet den abgewandten Blick und erst prüfetet, – wovon ihr euch wendet. – Ist es der Sache Schuld, soll es die Sache büßen, daß ihre Trägger, selber vom Staube des Kampffeldes gegen Druck und Elend bedeckt, nur staubbedeckt sie retten konnten? Wollen wir, denen der Zeiten Milde die Aufgabe setzen sollte, abzuwischen den Staub, so wenig achten jener Mühen und Kämpfe, daß wir's – nicht einmal der Mühe werth halten, für uns das Kleinod zu säubern, und zu prüfen, wofür jene gekämpft; – vielmehr, uns nur an's Aeußere haltend, – es staubbedeckt, – und weil es staubbedeckt ist, – wegwerfen, – wie werthlos wegwerfen das Kleinod, für das die Väter Leben und Gut und Freiheit und alle Freuden des Lebens geopfert?? – Soll – doch, mein Benjamin, ich vergesse, daß nur der Himmel diese Wünsche hört, nur dieß Papier sie siehet, und nur Sie sie hören werden, – ich vergesse, daß ich nur Ihnen schreibe. – - Licht und Wahrheit und Leben wird sich erzeugen aus dieser Zeit der Prüfung; daran halten Sie fest, m. Fr., und dann werden Sie auch anders würdigen, was ich sonst such mit Ihnen bedauerte, den scheinbar rathlosen Zustand dieser geistigen Angelegenheit unseres Volkes; keine Behörde, keine Autorität, Alles nur Bestrebung von Einzelnen, und in diesem Reformationsstreben bald der Gottesdienst, um den sich Alles zu drehen scheint, so buntscheckig, daß ein Jude durch Deutschland's Gauen reisend bald in jeder Gemeinde ihn anders findet; – sehen Sie nicht, wie auch das sein Gutes hat?
Ich bin es überzeugt, daß Keiner von uns Allen, die wir jetzt leben, das Judenthum in seiner Reinheit und Wahrheit erfaßt; nehmen Sie dabey die Divergenz der Ansichten, die auch natürlich ist, da fast jeder Rabbine sich selbst den Weg bahnen muß und keine Schule ihn leitet; gedenken Sie überhaupt, daß wir erst in der Zeit des Kreisens sind; so wäre es ja unglückselig, wenn jetzt eine Autorität etwas begründete; sie würde nur Wehen verewigen! Denn wie auch die Männer gewählt, wenn einseitig, so werden sie eine Ertravaganz, wenn gemischt, so werden sie eine Halbheit verewigen und den Strom der Entwickelung hemmen, der nur, wenn bis zu seinem Ziele gelangt, reines Lebenswassr bringen wird. So aber, was die Zeit geboren, wird die Zeit verwischen, und stets Raum bleiben für den höheren Bau, der unser wartet. – Denke ich mir,wie, wenn in den Zeiten nach Maimonides nicht die ernste Sorgfalt um Erhaltung des Judenthums in äußerer Praris es nothwendig gemacht hätte, gegenseitige Bestrebungen zu hemmen, wie dann schon vor Jahrhunderten der Geist durch Sichausleben zur Besonnenheit gekommen und wir jetzt schon wären, wo wir erst in Jahrhunderten seyn werden; so muß ich's ja nur segnen, daß jetzt die Waage ganz frey hängt, nur von Gott gehalten, nur Geistesbestrebungen sich das Gleichgewicht erringen werden, und keine Gewalt ihr Schwerdt d'rein werfen kann, zu hemmen die Schwingung. Würde sie wieder gehemmt, unsere Urenkel hielten, wo wir. – Sollten wir uns scheuen, für sie die Zeit der Bangigkeit zu bestehen? – Lassen Sie sie schwingen die Schale! Je freier sie hängt, und je geläuterter sie am Ende Wahrheit und Leben wägen wird, um so auffallender muß bald in Höhe und Niedere jetzt die Schaale sich schwingen. – Und wenn sie nun einst ausgeschwungen die Schaale, und lichtig dastehet in Jissroeï´l der Geist, der sich und sein Geschick und seine Lehre begreift und alle seine Glieder durchdringt und solches Leben erzeugt, – und dann auch der von Jissroeï´l ausgegangene Sprößling seine Botschaft vollbracht, ein Kampf anderer Art im Kreise unserer nichtjüdischen Brüder ausgekämpft seyn wird, und dort der freie Hinaufblick zum Alleinen und das Bewußtseyn sittlicher Kraft siegreich niedergekämpft haben wird, was den Blick zu umdunkeln und die Kraft zu vernichten gedrohet, – und dann auch das Buch der Geschichte mit seiner Schlußlehre alle Geister durchdringt – - – -
Begreifen wir unsere Zeit, mein Benjamin; – und Jeder mit der Kraft des Geistes, so viel ihm verliehen, fördere den Weg zum Ziele, in kleinerem und größerem Kreise. – Und wenn auch Tausende sie aufgeben die Sache des Lebens und des Lichtes, wenn auch Tausende sich lossagen vom Geschicke und vom Namen Jissroeï´l, dessen Leben sie längst schon abgeworfen, – die Sache der Wahrheit zählt nicht die Zahl ihrer Träger. – Und wenn auch nur Einer bleibt, – Ein Jude mit dem Buche der Lehre in der Hand, – Jissroeï´ls Lehre im Herzen, Jissroeï´ls Licht im Geiste, – auch der Eine genügt; – Jissroeï´ls Sache bleibt unverloren. – Als Jissroeï´l unfähig geworden war für seinen Beruf, wollte der Alleine Jissroeï´ls Geschick und Lehre auf dem alleinigen Mauschéh durchgetragen seyn alssen; – und auch uns ruft, – wenn wir etwa zagen möchten, – der Prophet zu:
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Schauet hin auf den Fels, aus dem ihr gehauen,
Auf den Born hölenden Hammer, mit dem ihr gegraben!
Schauet hin auf Awróhóm, euren Vater,
Auf Ssoróh, die euch gebären sollte;
Einer nur war er, als ich ihn reis; -
Da segnete ich ihn – und machte ihn viel!
Leben Sie wohl, mein Benjamin, erziehen Sie sich zu solch Einem; leben Sie wohl.
Neunzehnter Brief.
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Sie haben überwunden, mein Benjamin. – An dem Tage, da Sie sich die Gattin heiligen, gemeinschaftlich ein Haus in Jissroeï´l zu erbauen, – reiche ich Ihnen das Angebinde, das Sie sich einzig dazu erbeten; die Gewährung der Bitte, die Sie schon längst und so oft gegen mich ausgesprochen. Ich will, wenn Gott Geist und Gesundheit verleihet, legen auf meines Volkes Altar die einzige Spende, die ich in meiner Schwachheit zu legen vermag. – Nicht als ob ich davon die sanguinischen Hoffnungen hegte, mit denen Sie diesen Entschluß begrüßen; nicht als ob ich wähnte, weil Sie das, was ich als meines Inneren eigensten Schatz längst gehegt und ich Ihnen schriftlich und mündlich mitgetheilt, mit heißer Innigkeit als die Wahrheit ergriffen, müsse es nun auch von Allen als Wahrheit erkannt werden, – müsse es überhaupt schon lauteres Gold der Wahrheit seyn; – dazu kenne ich zu gut meine eigne Beschränktheit, zu gut meine Zeit, als daß das mich lockte auf die Bahn. – Aber in einer Zeit so ernster Bedeutung, für eine Sache, die uns die heiligste gilt, halte ich Jeden verpflichtet, das, was ihm als Wahrheit erscheinen, offen und redlich zu offenbaren. – Und gelänge es mir auch nur, zu zeigen, daß man noch lange nicht alle Seiten der Sache erforscht, daß es vielleicht noch einen Weg gebe, auf dem zu ganz anderen Resultaten man gelange, eine Ansicht, in der Alles in einem anderen Lichte erscheine, als man zu nehmen es gewöhnt ist; und gelänge es mir auch nur, eine zu rasch zum Niederreißen und zum Aufbau sich bestimmende Hand zu hemmen, um erst besonnener zu prüfen; und wenn ich zu dem Ziele, das ich Ihnen einmal in briefen geschildert, auch nur das beitrüge, daß ein Anderer nun die Bahn betrete, ein Reicherbegabter, und stärker gerüstet mit Licht und Kraft, und der nun ein viel wahreres, höheres, lichtigeres und lebenerfüllteres Gebäude des Judenthums darstellte, – daß man meine schwachen Versuche bemitleidete – und – vergäße; – Freund! ich hätte überreichen Lohn meiner Arbeit. – Auch irren Sie nicht, wenn Sie meinen, nur Schüchternheit hätte so lange mich zurückgehalten; die Aufgabe selbst müsse längst schon in meinem Innern gesprochen haben. – Daß ich diese Aufgabe längst schon gefühlt, davon überzeuge Sie beifolgende Rolle von Versuchen über Jissroeï´l und seine Pflichten; oder vielmehr über seine Pflichten, denn die über Jissroeï´l sind nur noch Entwurf – und im Geiste. – Aber schüchtern – war ich – und bin ich noch; nicht für mich, wohl aber für die Sache, für die ich aufzutreten versuche. -
In einer Zeit, wo sich gegensätze einander gegenüberstehen, wo auf keiner Seite die Wahrheit ist, da darf der, der keiner Parthey angehörig, nur die Sache im Auge habend und nur ihr dienend auftritt, – wenn er nicht der göttliche Meister ist, der die göttliche Wahrheit rein erfaßt, und in ihrem göttlichen Glanze also strahlend zu zeigen vermöchte, daß ihr alle Gemüther und Geister überwunden huldigen, – keinerseits auf Zustimmung rechnen. Das wußte ich und weiß es; wußte es, und mit dem Bewußtseyn habe ich die erste Feder an diese Versuche gesetzt. Nicht um Ruhm und persönliche Anerkennung ist mir's ja zu thun, denn dann – hätte wahrlich der Ausspruch Recht, der mir schon als Urtheil einer Menge über mein Werk herüber tönt: "der kennt schlect die Welt und seine Zeit und was sie fordert!" Nicht solches Streben, wohl aber die innere Stimme, die bei tausendfältiger Prüfung immer mir wiederkehrt: "es ist etwas von der Wahrheit in deiner Ansicht, von der Wahrheit, von der du meinst, sie müsse sich endlich siegend an's Licht ringen; – der Weg, den du betreten, ist vielleicht, sey's auch nur ein Nebenweg, doch immer ein Weg dahin; und wenn ihn vielleicht nach dir ein Fähigerer beträte, so würde der Wahrheit Sache nur gewinnen;" diese einzige Stimme leitete mich. Denn, Freund, ein Körnchen Wahrheit, ist es nicht meine Persönlichkeit, und müßte ich sie tausendfältig opfern, zum Opfer werth? – Diese Sorge hat mich nie stuzzen gemacht. – Wohl aber Sorgen anderer Art. – Werde ich nicht schaden, wo ich zu nützen vermeine?? Ich habe den Weg zum Aufbau des Judenthums als Wissenschaft in meinem Innern fast allein gemacht. Nur die kleinere, leichtere und lichtigere Hälfte geleitete mich ein theurer Freund als Genosse; und nur ein Stern schwebte mir anfangs leitend vor. Ich habe mich durchgearbeitet bis dahin, wo Sie mich fanden. Werde ich aber nicht auf diesem Wege, wo bey jedem Schritt Dornen und Schutt wegzuräumen war, und wo ich mit meinen beschränken Kräften allein eine ganze Vergangenheit und eine ganze Gegenwart abzuwehren hatte und im Stillen mich fortarbeiten mußte, – werde ich da nicht in tausend Krümmungen eingegangen seyn, tausend Irrthümer vielleicht als Wahrheit hegen? Kann das Gebäude, wie es nun in meinem Innern lebt, und wie ich's gern den Brüdern mittheilen möchte, kann es schon frey von Fehlern seyn? Und wenn mir nun mislingt der Versuch; – werden nicht die, die die Sache, für die ich lebe, gern ausgestrichen sähen aus dem Buche des Lebens, werden sie nicht meine mislungenen Versuche mitgebrauchen als Erstickungsmittel: – "Sehet da, ganz neue Versuche ums Judenthum – und gänzlich misglückt!!"?? – Ich bin nicht zum Schriftsteller gemacht; ich habe mein Leben lang mehr gedacht als gesprochen, mehr grsprochen als geschrieben; – werde ich für das Wahre zu schreiben vermögen mit aller der Klarheit, die Geister, mit aller der Kraft, die Herzen gewinnt?? – Ich muß, will ich zu den Söhnen der Zeit reden, in deutscher Sprache und in deutscher Schrift reden, – und so gewiß ich weiß, daß das Judenthum, wahe gefaßt und wahr dargestellt, Ein Band der Liebe und Gerechtigkeit schlägt um Alle Wesen; so gewiß weiß ich auch, daß böswilliges Streben Einzelnes, außer Zusammenhang gerissen, nicht nach seinem Geiste erfaßt und nicht als Theil des Gesammtgebäudes begriffen, zu spitzem Pfeil und zu plumpem Kolben gebraucht hat, ohnmächtige Preisgegebene zu verwunden und zu drücken; – wird es meinen Versuchen besser ergehen? Wird kein von rohem Uebermuth zurückgedrängtes und beleidigtes Gemüth auf mich hinweisen können als auf – wenn gleich unschuldige – Veranlassung?? Und noch der Sorgen viel! – "Und nun?", hör' ich Sie fragen, "wie haben Sie sich dies Alles beantwortet, da Sie doch sich entschlossen?" Eben weil ich allein zu einer Höhe gekommen, will ich nun, da mir Aussicht geworden, Genossen herbeirufen, hinabsteigen und gemeinschaftlich mit ihnen den Weg von vorne beginnen. Ich will ja nur das geben, was ich bis jetzt schon zu geben vermag; nicht als Vollendung, sondern in Wahrheit nur "Versuche." Wird es ferner in den Augen der Vernünftigen der Sache schaden, daß ein einzelner, unmündiger Jünger vielleicht gänzlich misglückte Träume um sie geträumt? – und im Uebrigen? Ein Kind sehe ich in Flammen; die Umstehenden stehen ängstlich unthätig oder suchen nur das Gebäude zu retten. Ich sehe das Kind, – stürze hinein; – darf ich den Nachbar erst fragen, ob er auch das Kind sehe; darf ich mich darum kümmern, ob ich im Hinandrang manchen Nachbar vielleicht blutend stoße; darf ich danach fragen, ob ich durch meinen Hineinsturz für's Kind die Rettung des Gebäudes vielleicht verzögere, oder dem Feuer neuen Zugwind eröffene? – "Aber wenn Sie es nun zu spät gesehen, und ehe Sie hinangelangt, stürzt das Gebäude über das Kind prasselnd zusammen?" – Und begrübe es mich mit, – ich hätte gethan, was mir Pflicht.
Gewiß, mein Benjamin, wäre es nun der natürliche Weg, zuerst für die Wissenschaft zu arbeiten, und was sich dort dann im Kampf der Geister als wahr und probehaltig erwiesen, ruhig sich in's Leben hinüberleben zu lassen. Es wäre der ruhigere, der sicherere, der erfreulichere Weg; – Anderes aber fordert die Zeit. – In Mendelssohn's Tagen, da, als die neue Bewegung der Geister begann und unangetastet das Leben noch war, da hätte man das Judenthum als Wissenschaft erbauen und dem überall bestehenden Leben das Licht und die Wärme des Geistes bringen sollen; und anders stünde es jetzt um uns. – So aber nicht jetzt. – In's Leben sich schon die dem wahren Judenthum nicht entsprungenen Ansichten getreten und arbeiten feindlich an Untergrabung desselben. Unmittelbar im Leben muß ihnen entgegengetreten werden; auf daß Mancher, der noch hält den Begriff, bekomme zu dem von ihm Gehaltenen; Mancher, der verwirst, stutzig werde und erst prüfe, was er verwerfe; aufgehalten werde manche vielleicht in gutem Eifer zum Niederreißen oder Neuschaffen gehobene Hand, erst besonnen zu prüfen das Innere dessen, das niedergerissen, zu dem Neues hinzugeschaffen werden sollte. – Dann, wozu man unmittelbar im Leben aufgerufen, wäre dann für die Männer der Wissenschaft in der Wissenschaft und als Wissenschaft zu begründen. Das ist der Weg, den ich zu betreten gedenke. – Giebt der Himmel Geist und Gesundheit, so werde ich in einem 1ten Theile auszusprechen versuchen die Ansichten des Judenthums über Gott, Welt, Mensch, Jissroeï´l, Thauróh; – im 2ten die Mizwaúß zu entwickeln, so weit sie uns, auch des Bodens beraubt, zur Erfüllung obliegen; überall die stellen der Thauróh zuvor; dann die Ansichten, die mir eben Ergebniß mehrjährigen Studiums sind; und, für die Praris angeschlossen, Auszüge aus den 4 Scholchón Orúch. Alles unmittelbar für's Leben dargestellt, und die Begründung in jüdischer Wissenschaft späterer Nachweisung vorbehalten; wie Sie diesen 2ten Theil mit Gegenwärtigem jetzt in Händen haben. Ich freue mich deshalb nun, daß mir die erste Anregung zu diesen schriftlichen Versuchen durch das Bedürfniß wurde, den Lehrern der mir anvertrauten Schulen ein Buch in die Hände zu geben, in dem sie sich erst selbst zu Juden lesen könnten, ehe sie junge Gemüther zum Judenthum erzögen; und indem ich sie für einen größeren Kreis ausarbeitete, blieben mir darum immer denkende Jünglinge und Jungfrauen meines Volkes als Leser gegnwärtig. -
Diesen 2ten Theil denke ich – so Gott will – zuerst erscheinen zu lassen. – Freilich haben Sie ganz Recht, wie Sie mir den Plan entwerfen, daß die Kenntniß des Allgemeinen der des Besonderen vorangehen müsse, und so ist's ja auch Plan meines Werkes an sich. Aber erscheinen lassih doch das Beondere zuerst. – Wohl weiß ich, daß ich mir damit vielleicht noch mehr Gegner erwecken werde; denn zu Principien versteht man sich leichter, ehe man die Consequenzen in ihrem Umfange überschauet, zu denen sie folgerichtig führen. Gleichwohl kann ich nicht anders. – Unser nächstes Grundübel glaube ich erkannt zu haben in den falschen Ansichten und Begriffen, die sowohl über Umfang als über Inhalt und Sinn unserer Mizwaúß herrschend sind. In diesen einzelnen, unbegriffenen Pflichtaufgaben wird Jissroeï´ls Wesen verkannt, angegriffen, vernichtet. Hier ist's, wo die größte Strömung abwärts ist. – Hier ist darum zuerst entgegen zu treten. Ist dann zuerst nachgewiesen, was das überall im Einzelnen darliegende Judenthum sey, dann mag sich der Blick erheben und zusammenfassend die Frage sich beantworten, welche Stellung dies so vorliegende Judenthum nun als Ganzes einnehme in der Reihe der übrigen Erscheinungen; welche in der Menschheit; und welche diese, aus ihm begriffen, in der Welt, und diese aus Gott, und Gott aus ihr. – Erschiene der 1ste Theil zuerst; man würde da, wo ich von Jissroeï´l zu sprechen habe, es wie ein Traumbild anschauen, wie ein Gebilde schwärmerischen Wahn's, das nirgends in Wirklichkeit vorhanden. – Um aber gleichwohl meinen Lesern vom Allgemeinen das Nöthigste zum Verständniß des Besonderen zu geben, würde ich solche allgemeine Umrisse voranschicken, wie ich Ihnen im Anfange unseres Briefwechsels zu geben versuchte, und habe ich auch bey jeder einzelnen Mizwóh den Leser auf den aus dem Allgemeinen zu fassenden Standpunkt zu führen versucht. -
So viel, und vielleicht schon mehr als zuviel, von diesem Vorhaben, für das Sie sich jedoch mit so vieler Wärme verwenden. – Mögen Sie, wenn es nicht ganz leer ausgeht an Segen, sich mit Freuden erinnern, in der Zeit, die Ihren Blick mit so vielen schönen Hoffnungen ganz in Ihr Einzelleben zu ziehen geeignet war, dem Allgemeinen so viele Liebe zugewendet zu haben. – Möge der Tag, an dem Sie diese Zeilen erhalten, der Begründer einer heiteren, wirkensvollen Zukunst für Sie seyn. Bleibe Ihnen die Gattin, die Sie heute "Geheiligte" sich nennen, Ihnen geweihet Ihr heiligstes Gut. Werde das Haus, das Sie vereint nun gründen, rein und heilig und göttlich getragen, wie die mit göttlichem Symbol geschmückte "Hülle", die Sie gemeinschaftlich sich umgeben. Sey Ihnen der "Lebensbecher", den Sie vereint nun leeren werden, stets mit so vielem Süßen gefüllt, daß Sie nie verzweifeln, – mit so vielem Bitteren, daß Sie nie übermüthig sich erheben; und mögen Sie alle Segensfülle nur als Mittel aus Gottes Händen hinnehmen, ein Leben der Gerechtigkeit und Liebe zu leben. Adieu, mein Benjamin, leben Sie wohl.
Ihr
Naphtali.
הערות שוליים
עריכה
I. B. M. 1.
ילקוט בראשי'ה'.
2. B. M. 31, 17. ילקוט תהלי' תתנז
תהלי' 29.‏
איוב 37.‏
תהלי' 104 ,2–4.‏
ישעי'‏‎ 55, 10. 11.
אבות, פ'ה'א.‏
ב"ר פ'יב' .‏
I. B. M. 1, 27 u. 2.
ילקוט יתרו, רעז'‏
נדה יו'ב.‏
תהלי'‏ ‎103, 1-6, 15-22.
ברך heißt segnen, den Verhältnissen eines Andern Gedeihen geben oder anwünschen, ברך ד'‏ heißt daher Gott segnen, d. h. die Erfüllung seines Willens gedeihen lassen, oder ihm Gedeihen anwünschen, d. i. seinen Willen erfüllen, oder zu solcher Erfüllung Entschluß aussprechen.
I, 3 – 8, 1.
I, 1, 28.
Von einer spätern an die Söhne Nauach's ist uns ein Nachhall in den שבע מצות aufbewahrt geblieben, aus denen wir die Grundzüge:

1) Anerkennung Gottes als des Alleinen,

2) Gerechtigkeit, so weit die innere Offenbarung reicht,

3) Beherrschung der thierischen Triebe und Selbstschutz vor Verthierung, entnehmen können. Die Anforderungen der Liebe fehlen da schon. סנהדרי' נו'א'.‏
I, 9 – 11.
ישעי'‏ .2
קהלת‎ 1, 2 – 15 u. 12, 13.
תהלי'‏‎ 90, 1 – 7
תהלי'‏‎ 67.
שמואל ב'‏‎ 23, 1 – 7.
V, 33, 2 – 4.
von I, 12 und frener.
1. B. M. 12, 2. 3. 13, 18, 19.
תהלי'‏‎ 105, 13 – 15.
IV, 24, 5 – 7.
IV, 23, 21 – 23.
ישעי'‏ ‎40, 3 – 5.
ישעי'‏‎ 52, 11 – 56, 7.
Vergl. die Idee des Schabbóß im 13ten u. 15ten Brief.

Anm. d. H.
Kinderlose, wie oben Unfruchtbare, bezeichnet wohl Jissroeï´l, dessen Wirken in der Geschichte nicht so dem sinnlichen Auge sichtbar hervorgetreten, als der übrigen Völker. Anm. d. H.
Man pflegte auch wohl die Mizwaúß in עשה und ל"ת, in Gebote und Verbote zu theilen und sie auch so abzuhandeln; diese Eintheilung ist jedoch für unsern Zweck nicht wesentlich, denn ein und derselbe Begriff kann meiner Thätigkeit in Bezug auf die eine Handlung Schranken, in Bezug auf eine andere Aufgabe setzen, z. B. ביומו תתן שכרו und לא תעשוק oder תאכל מצות und לא יאכל חמץ, u. s. w.
II, 20, 2.
V, 6, 4. 4, 39. II, 20, 3. V, 18, 13. III 19, 26.
V, 4, 19. 20.
V, 4, 9. 5, 19.
V, 8,2.
V, 6, 12. 13. V, 4, 40. V, 6, 16. 7, 19.
V, 10, 12 – 16. III, 11, 44. 20, 7.
V, 8, 11. V, 5, 18.
V, 15, 7. III, 19, 18.
II, 20, 13. V, 25, 1. (V, 27, 24) י"ד.‎ ח"מ.
III, 19, 11. 13. II, 22, 1. III, 5, 21. V, 24 14. ח"מ.
III, 25, 14. II, 22, 6. 9. 13. ח"מ.
III, 19, 35. V, 25, 13. ח"מ.
II, 22, 4. 5. 21, 35. 33. V, 22, 3. II, 21, 18. ח"מ.
II, 23, 7. II, 19, 11. ח"מ.‎ א"ה.
II, 22, 20. II, 19, 34. II, 25, 16. III, 19, 18. ח"מ.
III, 19, 16. V, 17, 5. י"ח.
III, 19, 14. V, 27, 18. V, 13, 12. א"ח,‎ ח"מ,‎ י"ד.
II, 20, 14. III, 19, 15. II, 23, 1. 6. 8. V, 1, 16. ח"מ.
V, 20, 19. III, 22, 24. הל' מלכים‎ י"ח,‎ ט"ז zum י"ד.‎ שבת fol. 67, 2. א"ה.
III, 19, 19. V, 22, 9 – 11. II, 23 ,19. י"ד.
V, 22, 6. III, 22, 28. י"ד.
II, 23, 5. V, 25, 4. א"ח.‎ ח"מ.
V, 21, 22. י"ד.
I, 9, 5. V, 4, 9. ח"מ,‎ י"ד. V, 14, 1. III, 19, 28. י"ד.
V, 23, 10. III, 18, 4 – 24. V, 22, 22 – 23, 9. י"ד.‎ א"ה.
III, 11. V, 14. III, 7, 23. III, 20, 25. V, 12, 23. III, 3, 17. II,22, 30. V, 14, 20. V, 12, 21. II, 34, 26. V, 14, 21. I, 9, 4. י"ד.
III, 23, 10. IV, 31, 21. III, 19, 27. V, 22, 5. י"ד.‎ א"ח.
IV, 30, 2. V, 23, 22. י"ד.

Anm. Ich citire Ihnen in der Regel nur den Anfang der Stelle.
V, 28, 9. V, 13, 4 V, 6, 14.
II, 20, 12. V, 5, 16. III, 19, 3. V, 27, 16. י"ד.
III, 19, 32, י"ד.
V, 5, 1. V, 4, 5. V, 6, 6. V, 30, 11. י"ד.
V, 13, 5. V, 13, 8.
V, 10, 16. III, 11, 44. III, 20, 7. IV, 5, 5. III, 5, 5. 20. III, 16. III, 26, 39. V, 30, 1. א"ח.
I, 1, 28. V, 34, 1. V, 25, 5. V, 7, 3. י"ד.‎ א"ה.
V, 33, 4. V, 4, 9. V, 6, 6. V, 11, 19. א"ח,‎ י"ד,‎ א"ה.
III, 19, 16. V, 22, 1. III, 5, 1. ח"מ.
II, 23, 5. א"ח.‎ ח"מ.
V, 22, 4. II, 23, 5. II, 22, 24. III, 25, 35. V, 23, 21. V, 24, 6. 17, 10. ח"מ,‎ י"ד.
V, 28, 9. 15, 7. III, 19, 17. V, 6, 18. III, 19, 18. 34. V, 23, 8. V, 33, 4. ח"מ,‎ י"ד
V, 31, 19.א"ח,‎ י"ד.
II, 18, 21. א"ח,‎ י"ד,‎ ח"מ.
ירמי'‏‎ 29, 5.
III 22, 31. י"ד,‎ ח"מ.
Ich muß bey diesem ganzen flüchtigen Ueberblick der Mizwaúß und besonders bey Eïdaúß und Awaudóh voraussetzen, daß Ihnen die Mizwaúß nach ihrem Aeußern zum Theil aus dem Leben und aus Ihrer früheren Beschäftigung mit Thn'ach und G'moró bekannt sind, und auch dann wird Ihnen bey vielen die Unterordnung derselben unter die Ihnen gegebenen Begriffe schwer fallen. Es ist auch dies hier nicht meine Absicht. Ich gebe Ihnen nur die Begriffe, unter denen sie sich mir darstellen, gleichsam nur als Aufschrift der Behälter, um einerseits wo möglich den Wunsch in Ihnen rege zu machen, den Inhalt derselben vollständig kennen zu lernen, andererseits vorzüglich Ihnen Data zur Selbststellung der Frage in die Hände zu geben: "wie? wenn dies wirklich der Begriff der Mizwaúß wäre?" Daß er es wirklich sey, dies, wie vieles Andere, Ihnen nachzuweisen, muß ich mir, wie Ihnen häusig bereits bemerkt, für die Zukunft vorbehalten.
ארון.
מנורה und שולחן.
הקטרת כבוד und כליות.
הקטרת חלב.
זריקת דם.
קטורת.
עולה.
עולה.
אשם und חטאת.
שלמים und תודה.
תהלי'‏‎ 19.
(כב'.‏ und תענית יא'‏).
סגולה heißt ein einem verbleibendes Eigenthum, woran kein Anderer ein Recht hat. Vergl. ב'ק פז'‏.
חסידי א"ה ישלהם חלק לע"ה ist Ausspruch unserer Weisen; und ע"ה, wie häufig auch als das geschichtliche Ziel aller Menschheitsentwickelung begriffen, würde es heißen: die Guten aller Völker haben Antheil an Erreichung jenes Ziels. Siehe auch unter andern (ת"כ, א"מ י'ג יב'.‏)

מעיד אני עלי את השמים ואת הארץ יכו'‏, "Himmel und erde rufe ich zu Zeugen an", spricht an anderer Stelle der Weisen Einer, "Himmel und Erde rufe ich zu Zeugen an, es sey Nichtjude oder Jude, Mann oder Weib, Knecht oder Magd, nach dem Wirken jedes Menschen ruhet heilige Gottesbegeisterung auf ihm." (ילקוט נ"ר רמז מ"ב) Ich citire Ihnen diesen Satz aus dieser Stelle; er muß jedoch noch an anerer, mit jetzt entfallenen, vollständiger vorkommen.
ירמי'‏‎ 29, 5 – 7.
נדרי' פא', ב"מ פה.‏
Z. B. ב"ר, לך לך, מד'. ת"כ, א"מ, יג', ט'‏ u. dergl. m.; der Ausspruch, daß nicht דרשינן טעמא דקרא, der mir nicht selten entgegnet wurde, heißt ja ohnehin nichts weiter als der sehr richtige Satz, man dürfe der muthmaßlich geschöpften Ansicht des Grundes einer Mizwóh in practischer Entscheidung keine Folge geben, eben weil es nur Muthmaßung ist. Siehe auch רמב"ן zur Thauróh u. A. קדושים יט' יט'.‏
Misverstehen Sie mich nicht. Es kann hier nur nach dem Totalanblick seines Wirken's für Judenthum gesprochen werden. – Und wenn auch in dem Denk- und Glaubensfreiheit vertheidigenden und sie auch aus dem Judenthum vindizirenden Jerusalem im Gegensatz zum Maureh, die practische Wesenheit des Judenthums hervorgehoben und über Eïdaúß eine Ansicht ausgesprochen wird, die, wenn sie von ihm oder seinen Nachfolgern nur im Einzelnen durchgeführt und damit eine geistige Erfassung derselben versucht worden wäre, vielleicht der ganzen Folgezeit eine andere Richtung gegeben hätte; so ist doch weder das Eine noch das Andere geschehen, die Wissenschaft des Judenthums ward durch ihn nicht weiter geführt; und seine Nachfolger, die sich nicht, wie ihres Meisters religiöses Gemüth, mit der Herausstellung der ewigen Verpflichtungskraft des Gesetzes als göttlichen Ausspruchs begnügten, hatten für die geistige Erfassung desselben nichts, als sich der Maimonidischen Ausgleichung in die Hände zu werfen.
Ein Wort über Methode der Thauróhforschung: Zwei Offenbarungen liegen vor dir: Natur – und Thauróh. Für beide giebts nur Eine Methode der Forschung. Wie in der Natur die Erscheinungen dir als Facta dastehen, und du nur rückwärts Gesetz jeder einzelnen und Zusammenhang aller zu erspähen strebst; Beweis der Wahrheit oder vielmehr der Wahrscheinlichkeit deiner Annahmen nur wieder die Natur selber ist, an deren Erscheinungen du deine Annahmen auf Probe zu nehmen hast, und dir der höchste von dir zu erzielende Grad von Gewißheit bleibt, sagen zu können: es verhält sich Alles so, als ob deine Annahme wahr wäre; d. h. alle beobachteten Erscheinungen lassen sich nach deiner Annahme erklären; – wie darum auch nur Eine widerstrebende Erscheinung deine Annahme unhaltbar macht, und du deshalb zuvor alle dir nur mögliche Erfahrung über die deiner Forschung vorliegende Erscheinung zu machen hast, damit sie dir, wo möglich, in ihrer Totalität vorliege; wie endlich, auch wo und so lange du noch nicht Gesetz und Zusammenhang irgend einer als Factum vorliegenden Erscheinung erspähen konntest, die Erscheinung selber doch als Factum bleibt; – ganz so die Forschung der Thauróh. Factum ist sie uns wie Himmel und Erde; als Facta liegen ihre Bestimmungen vor uns; in der Thauróh – wie in der Natur – letzter Grund Gott; wie in der Natur, auch in der Thauróh kein Factum wegzuleugnen, wenn auch Grund und Zusammenhang nicht erspähet; aber wie in der Natur, so auch in der Thauróh Gottes Weisheit nachzuspüren. Ihre Bestimmungen darum zuvor in ihrem ganzen Umfange als Erscheinung aufzunehmen, und nach ihnen ihren Zusammenhang unter einander und mit dem von ihnen bestimmten Gegenstande zu ermitteln; deine Annahmen wiederum an ihren Bestimmungen zu prüfen, und deine höchste Gewißheit auch hier: es verhält sich Alles so, als ob deine Annahme wahr wäre. Wie aber in der Natur dir die Erscheinung als Factum dasteht, wenn du sie auch noch nicht nach Grund und Zusammenhange erkannt hast, ihre Eristenz nicht durch deine Forschung bedingt ist, sondern umgekehrt; so stehen dir auch die Bestimmungen der Thauróh als Gesetz da, hättest du auch noch von keiner Grund und Zusammenhang erforscht, und deine Erfüllung ist nicht durch deine Forschung bedingt; nur die Gesetze der Kategorie Eïdaúß, als erkenntniß und Gefühlsleben erzielend, bleiben wesentlich unvollkommen ohne solche Forschung.
ישעי'‏‎ 51, 1 – 2.
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