Philharmonie Stettin
Freiluftkonzert am Chopin-Denkmal

Mittelalter

Die ersten erhaltenen polnischen Kompositionen gehen auf die Regierungszeit Mieszko II. Lambert Anfang des 11. Jahrhunderts zurück. Der erste namentlich bekannte Musiker Polens ist der Dominikaner Wincenty z Kielczy, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte und die Hymne „Gaude mater Polonia“ schrieb. Dagegen ist der Autor des ältesten bekannten polnischen Liedes Bogurodzica unbekannt. Neben Hymnen zeichnete sich die mittelalterliche polnische Musik durch Tänze aus. Mikołaj Radomski schrieb diese am Anfang des 15. Jahrhunderts auf. Peter von Graudenz war ein Komponist der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der mit der Krakauer Akademie verbunden war.

Renaissance

In der Renaissance kamen viele italienische Musiker an den polnischen Königshof. Mikołaj Gomółka war der bekannteste polnische Komponist des 16. Jahrhunderts. Er schrieb Kompositionen unter anderem zu den Gedichten von Jan Kochanowski (Melodie na Psałterz polski). Andere wichtige Renaissancekomponisten am polnischen Königshof waren Wacław von Szamotuł, Marcin Leopolita, Mikołaj Zieleński und Jakub Reys, der auch in Frankreich tätig war. Johannes von Lublin war ein bedeutender Kirchenmusiker in Krakau, der vor allem mit der dortigen Heilig-Geist-Kirche verbunden war. 1540 wurde am Krakauer Königshof von Sigismund I. der Männerchor Capella Rorantistarum unter der Leitung von Nikolaus aus Posen gegründet, der von 1543 bis 1794 in der Wawel-Kathedrale tätig war.

Barock

1628 wurde in Warschau die erste Oper außerhalb Italiens aufgeführt: Galatea. Die italienischen Opernkomponisten Luca Marenzio, Giovanni Francesco Anerio und Marco Scacchi waren zur Barockzeit in Warschau tätig. Während der relativ kurzen Regentschaft von Władysław IV. Wasa von 1634 bis 1648 wurden in Warschau mehr als zehn Opern aufgeführt, womit Warschau zu dieser Zeit zum wichtigsten Opernzentrum außerhalb Italiens wurde. Die erste Opernkomponistin der Welt, Francesca Caccini, schrieb ihre erste Oper La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina für den polnischen König, als dieser noch ein Prinz war. Die polnischen Barockkomponisten komponierten vor allem Kirchenmusik; deren bekannteste Schöpfer sind Adam Jarzębski, Marcin Mielczewski, Bartłomiej Pękiel und Grzegorz Gerwazy Gorczycki.

Klassik

In der späten Barockzeit entstand auch die Polonaise als Tanz an polnischen Höfen, während die bäuerliche Gesellschaft regional unterschiedliche Tänze wie die Mazurkas von Krakowiak und Chodzony und die auch in Tschechien bekannten Polkas entwickelte. Die wichtigsten Polonaise-Komponisten im 18. Jahrhundert waren Michał Kleofas Ogiński, Karol Kurpiński, Juliusz Zarębski, Henryk Wieniawski, Mieczysław Karłowicz und Joseph Elsner. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich auch die polnische Oper weiter. Bekannte Opernkomponisten waren Wojciech Bogusławski und Jan Stefani. Die erste polnische Symphonie komponierte Jacek Szczurowski um 1750.

Frédéric Chopin

19. Jahrhundert

Gleichwohl sollte erst Frédéric Chopin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die polnische Musik zur Vollendung bringen. Er gilt als einer der größten polnischen Komponisten. Im 19. Jahrhundert entwickelte Stanisław Moniuszko die moderne polnische Oper, deren berühmtestes Werk Halka ist. Oskar Kolberg begann zu dieser Zeit die polnische Folkloremusik zu sammeln und niederzuschreiben. Seinen Werken verdanken die Folkloreensembles Mazowsze, Słowianki und Śląsk ihr Entstehen. Karol Szymanowski, der sich in Zakopane niederließ, entdeckte die traditionelle Musik der Goralen in Podhale, die er im 19. Jahrhundert weiter entwickelte.

Artur Rubinstein

20. Jahrhundert

Berühmte Komponisten der Zwischenkriegszeit waren Artur Rubinstein, Ignacy Jan Paderewski, Grażyna Bacewicz, Zygmunt Mycielski, Michał Spisak und Tadeusz Szeligowski. Die zeitgenössische polnische Musik wird von Stanisław Skrowaczewski, Roman Palester, Andrzej Panufnik, Tadeusz Baird, Bogusław Schaeffer, Włodzimierz Kotoński, Witold Szalonek, Krzysztof Penderecki, Witold Lutosławski, Wojciech Kilar, Kazimierz Serocki, Henryk Mikołaj Górecki, Krzysztof Meyer, Paweł Szymański, Krzesimir Dębski, Hanna Kulenty, Eugeniusz Knapik und Jan A. P. Kaczmarek repräsentiert. Jazzmusiker Polens werden zu den besten Europas gezählt. In den 1950er Jahren entwickelte sich der Jazz zu einer wichtigen Musikrichtung des Landes. Das Jazz Jamboree findet seit 1958 statt, und schon zur Zeit der Volksrepublik Polen traten US-amerikanische Musiker wie etwa Miles Davis auf.[143]

seit 2000

Die zeitgenössische Musik in Polen unterscheidet sich aufgrund der Globalisierung der Musikszene kaum von der Musik in anderen Teilen der globalisierten Welt. Dies gilt insbesondere für die Pop- und Rockmusik, aber auch für Komponisten der klassischen Musik des 21. Jahrhunderts.

Ruinen des Ostrów Lednickier Palas

Bis ins 9. Jahrhundert wurden die meisten Gebäude auf dem heute zu Polen gehörenden Gebiet aus Holz errichtet, wie die Siedlung Biskupin. Aus dieser Zeit sind nur Grabhügel und kultische Steinzirkel erhalten, wie die Krakauer Hügelgräber Krak-Hügel und Wanda-Hügel. Die christliche Architektur kam im 9. Jahrhundert nach Kleinpolen, das unter den Einfluss des Großmährischen Reiches geriet. Die lateinisch-christliche Architektur kam als Vorromanik um die Mitte des 10. Jahrhunderts nach Großpolen. In diesem Stil wurden die Burgen und Kirchen der Polanen gebaut. in der polnischen Architekturgeschichte wird die Epoche der Vorromanik mit den Regierungszeiten der drei ersten historisch nachweisbaren Piasten Mieszko I., Bolesław I. und Mieszko II. angesetzt. Das älteste Steingebäude der Vorromanik in Polen dürfte der Posener Palas auf der Dominsel gewesen sein, der auf die 940er Jahre zurückgeht. Etwas jünger waren der Gieczer Palas und der Ostrów Lednicki Palas, die sich ebenfalls in Großpolen befanden, sowie der Przemyśler Palas. Die ersten Steinkirchen befanden sich ebenfalls vor allem in Großpolen, unter anderem der 968 begonnene Posener Dom, die vor 977 begonnene Gnesener Erzkathedrale und die 997 gegründete Benediktinerabtei in Tum, sowie auf dem Krakauer Wawel die Kirche B und die Rotunde der Allerheiligsten Jungfrau Maria, die jeweils aus der Zeit vor 970 stammen. Als im Jahr 1000 die Kirchenorganisation in Polen reformiert wurde, kamen mit dem Erzbistum Gnesen die Bistümer Krakau, Breslau und Kolberg zum ursprünglichen Bistum Posen hinzu. In allen Bistümern wurden um die vorletzte Jahrtausendwende Kathedralen errichtet, unter anderem auf dem Wawel in Krakau, der Dom auf der Breslauer Dominsel und der Kolberger Dom. 1038 erfolgte zu Beginn der Regierungszeit Kasimirs I., des Erneuerers, ein heidnischer Aufstand gegen die katholische Kirche in Polen, bei dem die meisten vorromanischen Gebäude zerstört wurden, so dass aus dieser Epoche bis auf die Rotunde auf dem Wawel nur Fundamente erhalten sind.

Romanische Kollegiatstift von Tum

Nach der Niederschlagung des heidnischen Aufstandes verlegte Kasimir I. der Erneuerer seinen Regierungssitz von Gnesen auf den Krakauer Wawel und begann Polen im Stil der Romanik wieder aufzubauen. So wurden die Kathedralen in Gnesen, Krakau, Breslau, Kolberg und Posen im neuen Architekturstil wiedererrichtet sowie zahlreiche Rotunden (z. B. die Strehlener Gothardrotunde, die Teschener Nikolausrotunda oder die Strzelnoer Prokoprotunde), Wehrkirchen und Zisterzienser- sowie Benediktiner-Klöster gebaut. Die meisten romanischen Gebäude entstanden in der neuen Hauptstadt Krakau, wo noch die Leonhardskrypta in der Wawel-Kathedrale, die Albertkirche, die Andreaskirche, die Salvatorkirche, die Zisterzienser-Abtei Kloster Mogila sowie die Benediktiner-Abtei Kloster Tyniec erhalten sind. Ebenfalls in Kleinpolen gehen die Kościelecer Albertkirche, die Sandomirer Jakobskirche, die Wiślicaer Marienbasilika, das Końskier Kollegiatstift, Opatówer Kollegiatstift, die Skalbmierzer Johanneskirche, die Benediktiner-Abtei Kloster Heiligkreuz, die Zisterzienser-Abtei Kloster Wąchock und die Zisterzienser-Abtei Kloster Jędrzejów auf die Romanik zurück. Großpolnische Bauwerke der Romanik sind die Benediktiner-Abtei Lubińer Kloster, die Inowłódzer Ägidiuskirche, das Kollegiatstift von Tum und das Kloster Sulejów mit der Thomaskirche. In Kujawien befindet sich neben der Strzelnoer Prokoprotunde auch die Dreifaltigkeitskirche im selben Ort, das Mogilnoer Benediktiner-Kloster sowie die Inowrocławer Marienkirche. In Schlesien gehen das Liegnitzer Piastenschloss, die Ägidiuskirche, die Breslauer Magdalenenkirche, das Prämonstratenserstift St. Vinzenz, die Breslauer Martinskirche, die St.-Bartholomäus-Krypta des Klosters Trebnitz, die Löwenberger Marienkirche, die Goldberger Marienkirche und die Gleiwitzer Bartholomäuskirche auf die Romanik zurück. In Pommern entstanden der Camminer Dom und die Zisterzienser-Abtei Kloster Kolbatz in der Zeit der Romanik. Aus der Romanik stammen in Masowien die Czerwińsker Regularkanonikerabtei und Płocker Kathedrale. Viele Gebäude der Romanik wurden während des Mongolensturms 1241 zerstört. Dieses Datum markiert auch das endgültige Ende der Epoche der Romanik in Polen. Der Wiederaufbau erfolgte bereits im Stil der Frühgotik.

Gotische Danziger Marienkirche

Die Gotik kam im 13. Jahrhundert auf der einen Seite aus Böhmen – unter anderem errichteten die Prager Parler das Krakauer Rathaus – zunächst nach Schlesien und von dort nach Groß- und Kleinpolen sowie später nach Masowien. Auf der anderen Seite brachten die Hanse und der Deutsche Orden die Backsteingotik nach Pommern, Kulmerland, Ermland und Masuren. So dominiert in Nordpolen die Backsteingotik und eine gemischte Backstein-Kalksteingotik im Süden, insbesondere in Krakau. Die Frühgotik fällt mit dem Wiederaufbau Polens nach dem Mongolensturm Mitte des 13. Jahrhunderts zusammen.

Die romanischen Kathedralen in Krakau, Breslau, Gnesen, Posen, Cammin, Płock und Oliva bei Danzig wurden in diesem Zusammenhang gotisiert. In diesem Stil neu errichtet wurden Kathedralen wie die Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas in Frombork, die Nikolauskathedrale in Elbing, die Marienkathedrale in Pelplin, die St.-Johannes-Kathedrale in Thorn, die Jakobskathedrale in Stettin, die Marienkathedrale in Köslin, die Marienkathedrale in Landsberg, die Kathedrale zum Heiligen Kreuz in Oppeln, die Kathedrale St. Peter und Paul in Liegnitz, die Stanislauskathedrale in Schweidnitz, die Marienkathedrale in Sandomir, die Marienkathedrale in Tarnów, die Marienkathedrale in Przemyśl, Marienkathedrale in Włocławek oder die Johanneskathedrale in Warschau, sowie Konkathedralen, wie die Dreifaltigkeitskonkathedrale in Kulmsee, die Dreifaltigkeitskonkathedrale in Kulmsee, die Marienkonkathedrale in Kolberg, die Johanneskonkathedrale in Marienwerder, die Kathedralbasilika St. Jakob in Allenstein, die Adalbertkonkathedrale in Riesenburg und Hedwigkonkathedrale in Grünberg.

Die Franziskaner und Dominikaner errichteten ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ihre gotischen Klöster mit Klosterkirchen in den Innenstädten wie die Krakauer Dreifaltigkeitskirche, die Krakauer Franziskuskirche, die Breslauer Albertkirche, die Breslauer Vinzenzkirche, die Danziger Dreifaltigkeitskirche, die Thorner Marienkirche, die Oppelner Dreifaltigkeitskirche, die Warschauer Annakirche und die Sandomirer Jakobskirche. Auch die Zisterzienser bauten im Stil der Gotik um, unter anderem in den Klöstern Mogila, Trebnitz, Kolbatz und Pelplin. Der Malteserorden errichtete in Striegau die Peter-und-Paul-Basilika. Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem erbaute die Johanneskirche in Gnesen und die Grabkirche in Miechów. Der Augustinerorden errichtete sein Kloster mit Katherinenkirche in Kazimierz bei Krakau.

Das im Zeitalter der Gotik stetig anwachsende Bürgertum baute seine Pfarr- und Kollegiatkirchen im gotischen Stil um. Dazu errichtete es neue gotische Pfarrkirchen, zum Beispiel in Krakau die Marienkirche, die Barbarakirche, die Markuskirche, die Heiligkreuzkirche, die Allerheiligenkirche (nicht erhalten) und die Kazimierzer Fronleichnamkirche, in Breslau die Elisabethkirche, Kreuzkirche, die St. Maria auf dem Sande, die Christophorikirche, die Katharinenkirche, die Fronleichnamkirche, die Dorotheakirche, die Matthiaskirche, die Magdalenenkirche, in Danzig die Marienkirche, die größte Backsteinkirche weltweit, die Nikolauskirche, Peter- und Paulkirche und die Katharinenkirche und in Thorn die Jakobskirche, die Neißer Jakobskirche, die Stettiner Johanneskirche, die Brieger Nikolauskirche, die Rügenwalder Marienkirche, die Stargarder Marienkirche, die Basilika zum heiligsten Erlöser und allen Heiligen in Dobre Miasto, die Gleiwitzer Allerheiligenkirche, die Georgkirche in Rastenburg und die Herz-Jesu-Kirche in Żary.

Gotische Holzkirchen sind unter anderem in Haczów, Dębno und Lipnica Dolna erhalten.

Das Bürgertum baute seine Rathäuser im neuen Stil. Die Parler errichteten das Rathaus in Krakau. Nennenswert sind zudem das Breslauer Rathaus, das Rechtstädtische Rathaus in Danzig, das Thorner Rathaus, das Marienburger Rathaus, das Stargarder Rathaus, das Königsberger Rathaus und das Liegnitzer Rathaus. Unter anderem in Krakau (unter anderem das Długosz-Haus), Danzig (unter anderem das Schlieffhaus), Thorn (unter anderem den Junkerhof und das Kopernikus-Haus), Sandomierz (unter anderem das Długosz-Haus) und Stargard sind zahlreiche gotische Bürgerhäuser erhalten. Gotische städtische Wehranlagen und Stadtmauern sind unter anderem in Krakau, insbesondere der Abschnitt um das Florianstor mit dem Barbakan, in Danzig, insbesondere das Brotbänkentor, das Frauentor, das Häkertor, das Johannistor, das Milchkannentor, das Kuhtor, das Peinkammertor und das Krantor, in Stargard, unter anderem das Mühlentor, in Olsztyn, insbesondere das Hohe Tor, in Szydłów, insbesondere das Krakauer Tor, in Sandomierz, insbesondere das Opatower Tor, in Lublin, insbesondere das Krakauer Tor, in Neiße, insbesondere der Münsterberger Turm, in Patschkau und in Königsberg erhalten. Das Collegium Maius der Krakauer Universität geht ebenfalls auf die Gotik zurück. Die Glatzer Johannesbrücke wurde als kleinere Version der Prager Karlsbrücke gebaut. Die Juden bauten ihre ersten Synagogen ebenfalls im Stil der Gotik, unter anderem die Alte Synagoge in Kazimierz bei Krakau.

Die Königsburg auf dem Wawel sowie zahlreiche Königsburgen der Piasten und des Adels wurden im Krakau-Tschenstochauer Jura (Adlerhorst-Burgen: die Burg Ojców, die Burg Tenczyn), den Pieninen (Burg Niedzica, Burg Czorsztyn und Pieninen-Burg) und Beskiden (Dunajec-Burgen: die Burg Muszyna, die Burg Lanckorona, und die Salzgrafenburg Wieliczka) den Sudeten (unter anderem die Kynastburg, die Burg Fürstenstein, die Burg Tzschocha, die Burg Grodno, die Burg Grodziec, die Burg Ottmachau oder die Burg Frankenstein) sowie im Flachland (unter anderem die Burg Łęczyca, Burg Czersk, die Burg Toszek, die Burg Ciechanów, die Burg Łowicz, die Burg Wenecja, die Burg Thorn und die Burg Lublin) errichtet.

Gotische Marienburg

Der Deutsche Orden baute Ordensburgen im Stil der Backsteingotik im Kulmerland, Ermland und Masuren. Zu den bekanntesten Ordensburgen im heutigen Polen gehören der Ordenssitz in Marienburg an der Nogat – der größte gotische Backsteinbau der Welt –, Marienwerder, Heilsberg, Mewe, Neidenburg, Barten, Thorn, Neidenburg, Osterode, Gollub, Rehden, Rößel, Schönberg, Hohenstein, Rastenburg, Allenstein, Braunsberg, Soldau, Schlochau, Lötzen und Bütow.

Kasimir III. der Große gliederte um 1340 Rotruthenien in die polnische Krone ein und Ladislaus II. Jagiełło christianisierte nach der im Jahr 1385 geschlossenen Union von Krewo Litauen von Polen aus. Dadurch kam der gotische Baustil der Westkirche in Gebiete, die heute zu Belarus, Litauen und der Ukraine gehören. Zu den wichtigsten gotischen Gebäuden im damaligen Osten von Polen-Litauen gehören die Lemberger Kathedrale, die Lemberger Kathedrale der polnischen Armenier (Mischung aus westlicher Gotik und armenischer Architektur), die Wilnaer Annakirche, die Wilnaer Franziskanerkirche, der Wilnaer Gediminas-Turm, die Burg Trakai, die Burg Kaunas, die Burg Grodno, die Burg Mir und die Burg Luzk.

Renaissance Wawel-Schlosshof

Das goldene Zeitalter Polens begann in der Spätgotik und reichte über die Renaissance und den Manierismus bis in den Frühbarock. Aus dieser Zeit (1350–1650) stammen die bedeutendsten Bauwerke Polens, allen voran das königliche Wawelschloss in Krakau. Kronprinz Sigismund I. weilte ab 1498 bei seinem Bruder Ladislaus II. von Böhmen und Ungarn am ungarischen Königshof, wo er mehrere florentinische Künstler und Architekten unter der Leitung von Francesco Fiorentino kennenlernte und nach Krakau holte, um das 1499 abgebrannte Königsschloss auf dem Wawel im Stil der italienischen Renaissance wieder aufzubauen. Francesco Fiorentino begann den Arkadenhof des Wawel-Schlosses zu bauen. Neben Francesco Fiorentino beteiligten sich auch Benedikt aus Sandomir und nach Francesco Fiorentinos Tod auch Bartolommeo Berrecci und Giovanni Cini aus Siena am Wiederaufbau. Bartolommeo Berrecci und Bernardino Zanobi de Gianotis bauten zudem an der Wawel-Kathedrale die Sigismundkapelle an, die als bedeutendstes Bauwerk der florentinischen Hochrenaissance außerhalb Italiens gilt. Weitere bedeutende Renaissance-Architekten aus Italien und dem Tessin, die in Polen-Litauen tätig waren, sind Bernardo Monti, Giovanni Maria Mosca und Mateo Gucci, welche die italienische Renaissance den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas anpassten und so einen eigenen polnischen Renaissancestil schufen, der jedoch mit seinen beliebten Arkaden der florentinischen Renaissance am nächsten kam. Das Zentrum der Renaissance war Südpolen, insbesondere die Region Kleinpolen um Krakau und die Gegenden um Lemberg. Vor allem in Krakau kann man die typisch polnische Renaissancearchitektur an der Polnischen Attika erkennen.

Das Wawel-Königsschloss mit seinem Renaissance-Arkadenhof und die Sigismundkapelle wurden zum Vorbild für zahlreiche neue Bauwerke im ganzen Jagiellonenreich und wurde vom Königshof und den Adeligen in ganz Polen-Litauen sowie Schlesien hundertfach nachgebaut. Zu den bedeutendsten Renaissance-Schlössern zählen das Großfürstliche Schloss Vilnius, das Warschauer Königsschloss, das Königsschloss Niepołomice, das Königsschloss Sanok, das Königsschloss Posen, das Königsschloss Podhorce, das Schloss Baranów Sandomierski, das Schloss Nowy Sącz, das Schloss Łańcut, das Schloss Janowiec, das Schloss Krzyżtopór, das Schloss Pieskowa Skała, das Schloss Iłża, das Schloss Ogrodzieniec, das Schloss Ujazdów, der Bischofspalast Kielce, das Schloss Konstantynów, das Schloss Międzyrzecz Ostrogski, das Schloss Nieśwież und das Schloss Mir. Viele dieser Bauwerke haben die Zeit der schwedischen Kriege im 17. Jahrhundert nur als Ruinen überdauert.

Anders als in der Gotik entstanden in der Renaissance nur wenige Kirchen im Renaissance-Stil, dem sich mehr die weltliche Architektur widmete. Bedeutendster sakraler Bau der Hochrenaissance war die Kathedrale von Płock, die um 1530 von Bernardino Zanobi de Gianotis, Giovanni Cini und Filippo Fiesole im Renaissance-Stil umgebaut wurde. Weitere erhaltene Renaissance-Kirchen in Polen-Litauen sind die Lemberger Mariä-Entschlafens-Kirche sowie die Lemberger Goldene-Rosen-Synagoge. Es wurden jedoch zahlreiche Renaissance-Kapellen nach dem Vorbild der Sigismundkapelle an gotischen Kirchen errichtet, unter anderem für die weiteren Kapellen der Wawel-Kathedrale wie die Vasa-Kapelle, die Załuski-Kapelle die Tomicki-Kapelle, die Johann-I.-Kapelle, die Myszkowski-Kapelle, die Potocki-Kapelle und die Zadzik-Kapelle, die Maciejewski-Kapelle und die Hyazinth-Kapelle der Krakauer Dominikanerkirche, die Annakapelle in Pińczów, die Antonius-Kapelle der Przeworskier Bernhardinerkirche sowie die Boim-Kapelle und die Kampianów-Kapelle in der Lemberg Marienkathedrale.

Gleichzeitig entwickelte sich am Übergang zwischen Spätgotik und Renaissance auch die bürgerliche Architektur in den Städten in Polen-Litauen, die viele Rathäuser, Bürgerhäuser des Patriziats sowie Gebäude anderer öffentlicher Einrichtungen wie die Krakauer Tuchhallen, das Collegium Iuridicum und das Collegium Nowodworski der Krakauer Akademie, das Kazimierzer Rathaus, das Posener Rathaus, das Tarnówer Rathaus, das Sandomirer Rathaus, in Krakau die Villa Decius und der Erasmus-Ciołek-Bischofspalast, in Warschau der Barbakan und in Danzig das Ferberhaus, hervorbrachte, die im Renaissancestil entweder um- oder neugebaut wurden.

In der Renaissance wurden in Polen-Litauen zahlreiche Schlossgärten angelegt, von denen die meisten nicht erhalten geblieben sind beziehungsweise später zu Barockgärten umgestaltet wurden. Den ersten Renaissance-Garten legten Königin Bona Sforza und König Sigismund I. der Alte in den 1530er Jahren vor dem Ostflügel des Wawel-Schlosses an. Die Königsgärten auf dem Wawel wurden später im Barockstil umgebaut, sind jedoch in den folgenden Jahrhunderten verwahrlost. Endgültig zerstört wurden sie im Zweiten Weltkrieg, als der auf dem Wawel residierende Generalgouverneur Hans Frank an ihrer Stelle ein Schwimmbad und Tennisplätze bauen ließ. Ab den 1990er Jahren wurden die Königsgärten rekonstruiert und sind seit 2005 für die Öffentlichkeit wieder zugänglich. Weitgehend original erhalten sind dagegen die Renaissance-Gärten des Schlosses Pieskowa Skała. Die Renaissance-Gärten des Schlosses Fürstenstein sind hingegen ebenfalls eine Rekonstruktion aus dem 21. Jahrhundert.

Manieristisches Großes Zeughaus

Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts lässt sich in der Architekturgeschichte Polen-Litauens in vier regionale Zentren mit verschiedenen Stilrichtungen einteilen. Krakau und seine Umgebung blieben weitgehend der florentinischen Hochrenaissance treu und adaptierten den italienischen Manierismus in die neuen Bauten. Bedeutendster Vertreter des Südpolnischen Manierismus in der Architektur war der gebürtige Florentiner Santi Gucci. Daneben sind als südpolnische Manierismusarchitekten der Pole Jan Michałowicz und der Italiener Giovanni Maria Bernardoni zu nennen. Nordpolen und insbesondere Danzig begann sich am niederländisch-flämischen Stil des Manierismus zu orientierten und holte seine Architekten vor allem aus den Niederlanden. Zu diesen gehörten Hans Vredeman de Vries, Anton van Obberghen, Hans Kramer, Willem van den Blocke, Abraham van den Blocke und Hans Strackwitz. Die Gegend um Lublin entwickelte einen eigenen Stil aus der Mischung von italienischen und niederländischen Stilelementen zur Lubliner Renaissance, die bis weit in den polnisch-litauischen Osten ausstrahlte. König Sigismung III. Vasa war dagegen ein Befürworter der Gegenreformation und der Jesuiten und holte in den letzten beiden Dekaden des 16. Jahrhunderts den Frühbarock nach Polen-Litauen, zunächst nach Krakau und Litauen und später vor allem in den neuen Sitz des Königshofs nach Warschau. Für ihn waren vor allem Architekten aus dem Tessin tätig.

Viele Renaissance-Schlösser in Südpolen, wie das Schloss Baranów Sandomierski, das Schloss Krasiczyn, das Saybuscher Schloss oder der Bischofspalast Kielce, die erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fertig gestellt wurden, erhielten einen manieristischen Strich, für den oft Santi Gucci verantwortlich zeichnete. Auf dem Wawel gehen das Wasa-Tor und das Berecci-Tor auf den Manierismus zurück. Beispiele für bürgerliche Architektur des Manierismus in Südpolen sind das Beitscher Rathaus, Patrizierhäuser am Marktplatz in Tarnów, das Orsetti-Haus in Jarosław sowie in Krakau das Branicki-Haus und das Prälat-Haus sowie das Collegium Gostomianum in Sandomierz. Zur sakralen manieristischen Architektur in Südpolen zählen die Krakauer Synagogen Remuh-Synagoge, die Popper-Synagoge und die Hohe Synagoge sowie die Lesko Synagoge, Tykociner Große Synagoge und das Kloster Kalwaria-Zebrzydowska mit der Marienbasilika und den Kapellen des Kalvarienbergs, von denen die Ecco-Homo-Kapelle, die Kreuzigungskapelle sowie die Herz-Marien-Kapelle klare manieristische Züge haben.

Zentrum des Manierismus in Nordpolen war Danzig, wo im manierischen Stil das Altstädtische Rathaus, das Rechtstädtische Rathaus, das Große Zeughaus, der Artushof, das Hohe Tor, das Grüne Tor, das Goldene Tor, das Goldene Haus, das Englische Haus, das Ferberhaus, das Löwenschloss, das Schumannhaus, neu errichtet oder umgebaut wurden. Auch die Marienkapelle an der Włocławeker Marienkathedrale, Getreidespeicher und Bürgerhäuser am Neustädter Marktplatz in Thorn wurden im manieristischen Stil umgebaut. In Pommern sind neben dem Stettiner Schloss auch das Schloss Stolpe, Schloss Krangen, Schloss Pansin und Schloss Tütz erhalten, die ebenfalls im Manierismus umgebaut wurden.

Als Vereinigung von italienischen und niederländischen Stilelementen entstand der Architekturstil der Lubliner Renaissance in der Gegend um Lublin. In diesem Stil wurden ganze Idealstädte, wie Zamość von Jan Zamoyski oder Żółkiew von Stanisław Żółkiewski, neu erbaut beziehungsweise vollkommen umgebaut, wie Kazimierz Dolny. Zu den wichtigsten erhaltenen Baudenkmälern der Lubliner Renaissance zählen in Lublin die Thomaskathedrale, die Synagoge und das Schloss Janowiec. Weitere manieristische Gebäude in Zentralpolen, die nicht unmittelbar zur Lubliner Renaissance gezählte werden, sind das Górka-Palais in Posen, das Schloss Szydłowiec, das Schloss Carolath sowie das Schloss Grudziński in Poddębice. Auch in die aufstrebende Hauptstadt Masowiens, Warschau, zog der Manierismus ein, wo die Jesuitenkirche entstand.

Auch das böhmische Schlesien war reich an manieristischen Schlössern, Kirchen und bürgerlicher Architektur. Da Schlesien jedoch als Teil Böhmens im Dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, sind nur relativ wenige Baudenkmäler aus der Zeit des Manierismus erhalten. Zu diesen gehören das Schloss Krieblowitz, das Schloss Oels, das Piastenschloss Ohlau, die manieristisch ausgebaute Burg Grodno sowie das Breslauer Haus unter den Greifen in Niederschlesien und das Schloss Falkenberg, das Piastenschloss Brieg und das Brieger Rathaus in Oberschlesien.

Barockes Königsschloss Warschau

Der polnisch-litauische Barock lässt sich in drei Phasen einteilen, den Frühbarock unter der Vasa-Dynastie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, den reifen Barock unter Michael I. und Johann III. Sobieski in der zweiten Jahrhundertshälfte sowie den Spätbarock, der unter den Wettinern in der ersten Jahrhunderthälfte des 18. Jahrhunderts in den Rokoko überging, in Litauen dagegen in den Wilnaer Barock mündete. Bedeutende Architekten, die während des Barocks in Polen-Litauen tätig waren, kamen ebenfalls zum großen Teil aus Italien beziehungsweise dem schweizerischen Tessin. Zu ihnen gehören Carlo Antonio Bay, Kacper Bażanka, Giovanni Maria Bernardoni, Giuseppe Brizio, Matteo Castelli, Giovanni Catenazzi, Giovanni Battista Gisleni, Giacomo Fontana, Johann Georg Knoll, Johann Christoph Glaubitz, Johann Christoph Knöffel, Augustyn Wincenty Locci, Matthäus Daniel Pöppelmann, Ephraim Schröger, Constantino Tencalla und Jan Zaor. Der bedeutendste polnische Barockarchitekt, Tylman van Gameren, der Hunderte von Schlössern in ganz Polen projektierte, stammte jedoch aus den Niederlanden.

Der Frühbarock entwickelte sich in Polen, während der Manierismus noch vorherrschend war, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sigismund III. Vasa holte die Tessiner Architekten Giovanni Trevano, Matteo Castelli und Tommaso Poncino an den polnisch-litauischen Königshof, der Ende des 16. Jahrhunderts von Krakau nach Warschau gezogen war. So wurde auch Warschau neben Krakau das Zentrum des polnisch-litauischen Frühbarocks, während in Norden und Osten der Adelsrepublik weiterhin der Manierismus dominierte. Die ersten sakralen Bauten, die im Stil des Frühbarock entstanden, waren oft mit den Jesuiten und der Gegenreformation verbunden. Zu ihnen zählen die Vasa-Kapelle an der Wawel-Kathedrale und die Kasimir-Kapelle an der Wilnaer Stanislauskathedrale, die Krakauer Jesuitenkirche, die Krakauer Kamaldulenserkirche, die Krakauer Martinskirche und das Kloster Heiligelinde. Zu prophanen Baudenkmälern des Frühbarock zählen der Ende des 16. Jahrhunderts nach einem Brand wiederaufgebaute Nordflügel des Wawel-Schlosses (Saal unter den Vögeln und Senatorentreppe), das Warschauer Königsschloss, der Warschauer Kazanowski-Palast sowie das Schloss Ujazdów. Zu der frühbarocken bürgerlichen Architektur gehört das Lissaer Rathaus.

Barocker Wilanów-Palast

In der Zeit des reifen Barocks trat die neue Hauptstadt Warschau als Mittelpunkt hervor, wo vor allem Tylman van Gameren tätig war. Bedeutende Sakralbauten des Hochbarocks sind die Warschauer Kasimirkirche, Krakauer Annakirche, Krakauer Thomaskirche, die Krakauer Kapuzinerkirche, die Krakauer Maria-Empfängnis-Kirche, die Krakauer Agneskirche, Krakauer Theresienkirche, die Wilnaer Peter-und-Paulskirche, die Grodner Jesuitenkirche, das Posener Jesuitenkolleg, das Kloster Woźniki, das Kloster Tschenstochau, die Danziger Königliche Kapelle, die Lubliner Johanneskathedrale, die Warschauer Kapuzinerkirche und die Czerniakówer Antoniuskirche. Große Paläste im Versailler Stil entstanden in und um Warschau, wie der Wilanów-Palast, der Koniecpolski-Palast, der Czapski-Palast, der Pac-Palast, das Palais Marymont, der Ossoliński-Palast, der Primas-Palast, der Krasiński-Palast, das Schloss Ostrogski, das Eiserne Tor oder das Handelszentrum Marywil, sowie in und um Masowien, wie der Puławer Czartoryski-Palast, der Otwocker Palast, das Schloss Nieborów, sowie in Ostpolen, wie der Białystoker Branicki-Palast und das Schloss Łańcut. In Wejherowo stiftete Jakob von Weiher den Kaschubischen Kalvarienberg. In Danzig entstanden das Schildkrötenhaus, das Haus am Langen Markt 20 und das Czirenberg-Haus.

Der Spätbarock entwickelte sich parallel zum Rokoko. Während in Warschau bereits das Rokoko dominierte, entwickelte sich im Osten Polen-Litauens die Wilnaer Schule des Barock, auch Wilnaer Barock genannt, deren Hauptvertreter Johann Christoph Glaubitz war. Zu den bedeutendsten Werken des Wilnaer Barock zählen in Wilna und Umgebung die Heilig-Geist-Kirche, Jesuitenkirche und das Kloster Pažaislis. Zu den spätbarocken sakralen Bauwerken zählt auch die Lemberger Sankt-Georgs-Kathedrale, das Zisterzienserkloster Wągrowiec, das Kloster Ląd und das Krakauer Paulinerkloster. Zu den spätbarocken profanen Bauten in Polen-Litauen zählen in Warschau das Sächsisches Palais, der Sapieha-Palast, der Bischofspalast, der Palast unter dem Blechdach, das Palais Kotowski, der Blank-Palast, das Palais Sanguszko, das Małachowski-Palais, der Symonowicz-Palast und der Blaue Palast sowie in Ostpolen das Schloss Rydzyna.

Im damals böhmischen Schlesien entwickelte sich nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs eine rege Bautätigkeit in der Epoche des Barock. Erhalten geblieben beziehungsweise nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut sind unter anderem in Breslau das Stadtschloss, die Namen-Jesu-Kirche, die Klarakirche, die Kyrill-und-Method-Kirche, die Hofkirche und das Matthias-Gymnasium (Ossolineum). Vom Palais Hatzfeld ist nur das Eingangsportal erhalten. Weitere bedeutende barocke Baudenkmäler sind über ganz Schlesien verteilt: die Mariä-Heimsuchung-Basilika in Bardo, die Marienbasilika in Grüssau, die Marienkirche in Leubus, das Kloster Paradies, das Kloster Kamenz, die Liegnitzer Johanneskirche, die Albendorfer Wallfahrtsbasilika, die Seitscher Martinskirche, die Brieger Kreuzerhöhungskirche, die Neißer Peter-und-Paulskirche, die Teschener Jesuskirche, die Jauerer Friedenskirche, die Schweidnitzer Friedenskirche, das Bunzlauer Rathaus, das Hirschberger Rathaus, das Liegnitzer Alte Rathaus, das Wallensteinsche Schloss Sagan, das Schloss Mittelwalde und das Schloss Lessendorf. Eine besonders hohe Dichte an Herrensitzen, Schlössern und Palästen weist das Hirschberger Tal auf. Auch Schloss Fürstenstein wurde im Barock ausgebaut.

Während des Dreißigjährigen Krieges starb das pommersche Fürstengeschlecht der Greifen aus, und Pommern gehörte während des Hoch- und Spätbarock zu Schweden. Im Gegensatz zu Schlesien sind in Pommern relativ wenige barocke Architekturdenkmäler erhalten geblieben beziehungsweise nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut worden. Zu diesen gehören das Königs- und das Berliner Tor in Stettin und das Schloss Manteuffel.

In der Zeit des Barock wurden in Polen-Litauen auch zahlreiche Gärten und Parkanlagen angelegt, unter anderem der Sächsische Garten, der Krasiński-Garten, Łazienki-Park, Ujazdowski-Park und der Branicki-Garten.

Krakauer Piaristenkirche im Rokokostil

Der Spätbarock und das Rokoko sind von der Zeit der Sachsenkönige geprägt, insbesondere der Regierungszeit des zweiten Sachsenkönigs August III. Beide Sachsenkönige brachten ihre in Dresden tätigen Architekten und Künstler an den Königshof in Warschau, wo der neue Stil schnell angenommen wurde. Als erster Architekt, der im Rokoko-Stil in Polen-Litauen baute, gilt der in Turin geborene Franzose Juste-Aurèle Meissonnier, der im Puławyer Czartoryski-Palast und später in Warschau tätig war. Der wichtigste Architekt des polnischen Rokoko war allerdings wie bereits seit der Renaissance ebenfalls ein Italiener – der gebürtige Römer Francesco Placidi. Zu den weiteren bedeutendsten Rokoko-Architekten, die in Polen-Litauen tätig waren, zählen Jan de Witte, Joachim Daniel Jauch, Johann Friedrich Knöbel, Bernhard Meretyn, Giacomo Fontana, Ricaud de Tirregaille und Johann Sigmund Deybel von Hammerau. Die meisten Rokoko-Bauten entstanden in Warschau, sind jedoch aufgrund der Zerstörung des Zweiten Weltkriegs nicht erhalten geblieben und wurden aufgrund des großen Aufwands nur vereinzelt rekonstruiert. Über den Wiederaufbau der Westseite des ehemaligen Sachsen-Platzes mit dem Sächsischen Palais, dem Brühlschen Palais und den Bürgerhäusern an der Ecke des Platzes zur Königsstraße wird seit 2005 diskutiert.

Zu den wichtigsten erhaltenen Gebäuden, die im Stil des polnisch-litauischen Rokoko neu- oder umgebaut wurden, gehören sakrale Bauten wie die Warschauer Visitantinnen-Kirche, die Warschauer Anna-Kirche, die Warschauer Heilig-Kreuz-Kirche, die Lemberger Georgskathedrale, das Mariä-Entschlafens-Kloster Potschajiw und die Krakauer Piaristenkirche.

Zu den wichtigsten erhaltenen Gebäuden, die im Stil des polnisch-litauischen Rokoko neu- oder umgebaut wurden, gehören profane Bauten wie der Äbtepalast zu Oliva, Butschatscher Rathaus, das Warschauer Palais Abramowicz, der Warschauer Borch-Palast, der Warschauer Branicki-Palast an der Honigstraße, das Warschauer Prażmowski-Palais, der Młociner Brühl-Palast, der Warschauer Chodkiewicz-Palast, der Warschauer Dembiński-Palast, das Warschauer Stroński-Palais, der Warschauer Przebendowski-Palast, der Warschauer Humański-Palast, der Warschauer Jabłonowski-Palast, der Warschauer Wessel-Palast, der Warschauer Szaniawski-Palast, das Warschauer Chodkiewicz-Palais an der Kirchgasse, der Warschauer Collegium Nobilium, der Warschauer Potocki-Palast, der Warschauer Palast zu den vier Winden, der Warschauer Mokronowski-Palast, das Warschauer Palais Sanguszko, der Warschauer Zamoyski-Palast an der Neuen Welt, der Warschauer Młodziejowski-Palast, der Warschauer Radziwiłłowa-Palast, der Warschauer Potkański-Palast, der Warschauer Karaś-Palast und das Warschauer Palais Lelewel (die drei Letztgenannten nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht wieder aufgebaut) und der Lemberger Lubomirski-Palast.

In Schlesien sind aus der Zeit des habsburgerischen Rokoko vor allem Mariensäulen erhalten, wie die Leobschützer Mariensäule, die Ratiborer Mariensäule, die Hirschberger Mariensäule (trägt bereits klassizistische Züge), die Glatzer Mariensäule und Oberglogauer Mariensäule (beide Übergang vom Barock zum Rokoko).

Klassizistisches Belvedere

In den Jahren der Regentschaft des letzten polnisch-litauischen Königs Stanislaus II. August Poniatowskis begann die Epoche des Klassizismus, der frühe Klassizismus wird in Polen-Litauen daher auch als Stanislaus-Stil bezeichnet. Nach der Dritten Teilung Polens und der Abdikation von Stanislaus II. August Poniatowski 1795 überdauerte der Klassizismus die napoleonische Zeit bis in die Zeit des Kongresspolens vor dem Novemberaufstand. Zentrum des Klassizismus war wieder Warschau und wieder waren es italienische Architekten, die die Architektur Polen-Litauens in dieser Kulturepoche prägten, allen voran Domenico Merlini und Carlo Spampani unter Stanislaus II. August Poniatowski sowie Antonio Corazzi in Kongresspolen des frühen 19. Jahrhunderts. Weitere bedeutende Architekten des Klassismus in Polen-Litauen waren Chrystian Piotr Aigner, Laurynas Gucevičius, Johann Christian Kamsetzer, Ephraim Schröger, Wilhelm Heinrich Minter, Stanisław Zawadzki, Jakub Kubicki und Simon Gottlieb Zug.

Das ehrgleizigste Bauprojekt Stanislaus II. August Poniatowskis war der Ausbau der Schlösser und Paläste im Warschauer Königlichen Park der Bäder „Łazienki Królewskie“. Hierzu ließ er durch Domenico Merlini und Johann Christian Kamsetzer das Badeschloss der Lubomirski in Ujazdów bei Warschau in den Palast auf dem Wasser umbauen. Auf Domenico Merlini gehen im Łazienki-Park zudem die Eremitage, das Weiße Haus, das Jagdschloss, der Wasserturm, die Neue Wache und die Alte Orangerie sowie auf Johann Christian Kamsetzer die Alte Wache und das Amphitheater. Die Offizierschule und Invalidenkaserne im Łazienki-Park geht auf Wilhelm Heinrich Minter zurück. Jakub Kubicki baute im Park das Belvedere, den Kubicki-Stall und das erste Projekt des Tempels der Göttlichen Vorsehung. Die Neue Orangerie wurde von Adolf Loewe und Józef Orłowski gestaltet und das Narutowicz-Haus auf Andrzej Gołoński. Weitere bekannte romantische Parkanlagen neben dem Łazienki-Park wurden im 18. Jahrhundert in Puławy, Arkadia und Radziejowice angelegt.

Weitere Beispiele des Stanislaus-Stils sind der Parlamentssaal auf dem Warschauer Königsschloss, der Jabłonnaer Potocki-Palast, der Warschauer Królikarnia-Palast, der Natoliner Potocki-Palast, die Warschauer Karmelitenkirche, der Warschauer Dziekana-Palast, der Warschauer Borch-Palast, der Warschauer Raczyński-Palast, der Warschauer Tyszkiewicz-Palast, die Hofgebäude des Warschauer Czapski-Palasts, die Warschauer Dreifaltigkeitskirche, der Garten Arkadia sowie das Burggassentor in Lublin.

Im Stil des späten Klassizismus wurde das damals größte Theatergebäude der Welt von Antonio Corazzi, der im Stil des Palladianismus schuf, in Warschau errichtet. Dazu kamen die Gebäude der Alten Warschauer Wertpapierbörse, der Polnischen Bank, der Leszczyński-Palast, das Ursynówer Krasiński-Palais, der Hołowczyc-Palast, der Staszic-Palast, der Lubomirski-Palast, der Uruski-Palast, der Mostowski-Palast, das Palais Śleszyński, das Palais zur Artischocke, das Warschauer Arsenal, sowie die Warschauer Alexanderkirche. Zu spätklassizistischen Baudenkmälern zählen die Warschauer Zitadelle, die Warschauer Alte Synagoge sowie die Warschauer Hospitalsynagoge (die beiden Letztgenannten im Zweiten Weltkrieg zerstört).

Bedeutende klassizistische Baudenkmäler außerhalb von Warschau sind das Oppelner Alte Posthaus, die Breslauer Elftausend-Jungfrauen-Kirche sowie die Breslauer Alte Börse, die Reichenbacher Maria-Mutter-der-Kirche-Kirche, die Porembaer Fürstliche Fasanerie, die Płocker Kleine Synagoge, der Pawlowitzer Mielżyński-Palast, die Tschenstochauer Neue Synagoge, der Zegrzer Radziwiłł-Palast, das Schloss Dyhernfurth, das Schloss Juditten, die Groß Wartenberger Evangelische Kirche, die Krippitzer Synagoge, die Orlaer Synagoge, die Praschkauer Synagoge, die Siemiatyczer Synagoge, die Kempener Synagoge, die Włodawaer Große Synagoge, der Wilnaer Bischofspalast und das Rathaus Vilnius.

Neogotisches Schloss Kamenz

Der Historismus begann im bereits zwischen Preußen, Russland und Österreich geteilten Polen-Litauen um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, als der Klassizismus noch anhielt. Als erstes Bauwerk des Historismus gilt das neogotische Gotikhaus im romantischen Park Puławy des klassizistischen Architekten Chrystian Piotr Aigner aus der ersten Dekade des 19. Jahrhunderts. Die Zentren der polnischen Architektur des 19. Jahrhunderts waren in Kongresspolen Warschau und Łódź, wo viele Bürgerhäuser und Schlösser im Stil des Historismus errichtet wurden, in Galizien Krakau und Lemberg sowie Posen und Bydgoszcz in Preußen.

Als erster Stil des Historismus setzte sich nach den napoleonischen Kriegen die Neugotik durch. Sie entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu dem sogenannten Weichsel-Ostsee-Stil, der an die Backsteingotik Krakaus und Nordpolens anknüpfte. Wichtige Vertreter dieses Architekturstils waren Józef Pius Dziekoński, Enrico Marconi und Alexis Langer. Zu den bedeutenden Bauwerken der Neugotik in Polen zählen das Schloss Kórnik, das Schloss Kamenz, der Breslauer Hauptbahnhof und die Posener Erlöserkirche. Beispiele für den Weichsel-Ostsee-Stil sind die Warschauer Kathedrale St. Michael und St. Florian und die Krakauer Josefskirche.

Neoromanisches Nationalmuseum

Die Neuromanik setzte sich später durch als die Neugotik. Sie spielte gegenüber letzterer eine untergeordnete Rolle und setzte sich nur im preußischen Landesteil wirklich durch. Zu den wichtigsten Baudenkmälern der Neuromanik in Polen zählen insbesondere das Posener Kaiserschloss, das Schloss Juditten, das Danziger Akademische Gymnasium, die Krypta verdienter Polen auf dem Skałkahügel, die Warschauer Nożyk-Synagoge, die Buker Synagoge sowie die nicht mehr erhaltenen schlesischen Synagogen in Gleiwitz, Myslowitz, Cosel, Kreuzburg und Ratibor, die Breslauer Augustinuskirche, die Beuthener Barbarakirche, die Zakopaner Heilige Familie, die Warschauer Katherinenkirche, die Neusalzer Antoniuskirche, die Friedenshütter Pauluskirche, die Oppelner Peter- und Paulskirche, die Thorner Dreifaltigkeitskirche, die Wszembórzer Nikolauskirche, die Zabrzer Annakirche und das Stettiner Nationalmuseum.

Die Neorenaissance setzte in Polen zeitgleich mit der Neuromanik ein, erreichte ihren Höhepunkt jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der führende Architekt der Neorenaissance in Kongresspolen war der gebürtige Italiener Enrico Marconi. Er schuf im neuen Stil unter anderem die Warschauer Karlskirche, die Wilanówer Annakirche, die Warschauer Allerheiligenkirche und das Warschauer Europahotel. Als weitere Beispiele der Neorenaissance in Polen gelten der Uruski-Palast, der Thorner Artushof und das Schloss Neudeck. Eine Abwandlung der Neorenaissance war der Arkadenstil, in dem unter anderem die Kattowitzer Auferstehungskirche, die Drohobytscher Choral-Synagoge und das Warschauer Hotel Bristol erbaut wurde. Besonders reich an Neorenaissance-Architektur ist Łódź und hier insbesondere die Petrikauer Straße.

Der Neobarock folgte der Neorenaissance in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Stefan Szyller, der zunächst im Stil der Neorenaissance baute, war wohl der bekannteste Vertreter des Neobarocks in Polen. Sein bekanntestes Bauwerk in diesem Stil ist die Galerie Zachęta im Zentrum Warschaus, das allerdings teilweise auch bereits zum Eklektizismus gezählt wird. Weitere bedeutende Beispiele für den Neobarock in Polen sind das Schloss Pleß und der Warschauer Kronenberg-Palast (im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und bisher nicht wieder aufgebaut), der Warschauer Leszczyński-Palast, das Breslauer Landeshaus sowie das Görlitzer Kulturhaus.

Als letzte Stilrichtung des Historismus kam der Eklektizismus im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts nach Polen, der sich durch die Vermischung der anderen Architekturstile des Historismus kennzeichnete. Das bekannteste Bauwerk des Eklektizismus in Polen ist das Krakauer Słowacki-Theater. Im gleichen Stil sind auch das Bielitzer Schloss, der Bielitzer Hauptbahnhof, das Lubliner Grand Hotel Lublinianka, das Hauptgebäude der Technischen Universität Warschau und die Warschauer Philharmonie (im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht mehr originalgetreu aufgebaut), gebaut worden.

Der Jugendstil kam relativ früh in die polnischen Teilungsgebiete, entwickelte sich jedoch in den verschiedenen Landesteilen je nach politischer Zugehörigkeit zu Deutschland, Russland oder Österreich-Ungarn sehr unterschiedlich. Eine eigene Spielart der Wiener Secession, Junges Polen genannt, entwickelte sich in Galizien, insbesondere in Krakau. Ein wichtiger Vertreter der Sezession war Gustaw Landau-Gutenteger. In der Bergregion Podhale entwickelte Stanisław Witkiewicz um 1890 den Zakopane-Stil. Weitere bedeutende Zentren des Jugendstils waren Łódź, Warschau, Bydgoszcz, Bielsko-Biała und Oberschlesien.

Bedeutende Beispiele der Sezession in Polen sind der Oppolner Ceresbrunnen, die Krakauer Herz-Jesu-Kirche, die Krakauer Michaliks Höhle, das Palais Nowik, das Hallenschwimmbad Breslau, das Breslauer Handelshaus Barasch, das Breslauer Hotel Monopol, die Breslauer Markthalle, die Technische Universität Breslau, der Wasserturm Breslau, das Warschauer Hotel Rialto und das Warschauer Hotel Savoy.

Modernes Präsidentenschloss

Einer der wichtigsten polnischen Architekten der Zwischenkriegszeit war Adolf Szyszko-Bohusz, der unter anderem das Präsidentenschloss in Wisła erbaute. Der Erste Weltkrieg brachte viele Zerstörungen in Südpolen. Viele öffentliche Gebäude wurden im Art-déco-Stil, Funktionalismus und Modernismus wiederaufgebaut oder neu gebaut. Hierzu zählen zum Beispiel das neue Sejmgebäude, das Warschauer Prudential-Hochhaus, das Warschauer Haus ohne Ecken, das Hauptgebäude der Warsaw School of Economics, das Gebäude der Polnischen Wertpapierdruckerei, das Warschauer Gebäude des Fernmeldeamtes, die Pferderennbahn Służewiec, das Breslauer Warenhaus Wertheim, die Nationalmuseen in Warschau und Krakau, die Jagiellonische Bibliothek, die Zabrzer Josephskirche, die Breslauer Gustav-Adolf-Kirche, das Breslauer Kaufhaus Rudolf Petersdorff, die Stettiner Heilige-Familie-Kirche, die Seefahrt-Akademie Gdynia, der Kattowitzer Wolkenkratzer oder die Kattowitzer Christkönigskathedrale. Ein bedeutendes Gebäude des Modernismus, das bereits vor dem Ersten Weltkrieg entstand, ist die Breslauer Jahrhunderthalle.

Rekonstruierte Warschauer Altstadt

Die bisher größte Zerstörung der polnischen Bausubstanz brachte der Zweite Weltkrieg. Warschau wurde systematisch zerstört, die Baudenkmäler in Ostpolen kamen an die Sowjetunion und alle größeren Städte Polens bis auf Krakau wurden durch Kriegshandlungen erheblich beschädigt. Der Wiederaufbau in der Nachkriegszeit wurde mustergültig aufgenommen – die polnischen Restauratoren genießen Weltruhm –, ist aber auf absehbare Zeit nicht abzuschließen. Die Altstadt und die Neustadt von Warschau sowie das Weichselviertel Mariensztat wurden in den 1970er Jahren und das Königsschloss in den 1980er Jahren wiederaufgebaut. Die UNESCO würdigte die Leitung der polnischen Restauratoren mit der Aufnahme der wiederaufgebauten Altstadt in das Weltkulturerbe im Jahr 1980. Die Bausubstanz des 19. Jahrhunderts im Zentrum um die Marszałkowska-Straße, die Aleje Jerozolimskie und die Świętokrzyska-Straße scheinen aber für immer verloren. An ihrer Stelle entstanden monumentale Gebäude im Stil des Sozrealismus, allen voran der Kulturpalast, der Warschauer Platz der Verfassung und das Vorzeigeviertel MDM. Auch in Breslau, Danzig, Stettin und Posen wurden die Altstädte zum großen Teil originalgetreu wieder aufgebaut. Den Zweiten Weltkrieg relativ unversehrt überstanden haben dagegen Krakau, Łódź und Lublin sowie die nach der Westverschiebung Polens nunmehr zur Sowjetunion gehörenden Städte Lemberg und Wilna.

Weitere bedeutende Gebäude des Sozrealismus in Polen sind das Königshütter Schlesische Planetarium, der Hauptbahnhof Gdynia, das Hauptgebäude der Wissenschaftlich-Technischen Universität Krakau, das Krakauer Viertel Nowa Huta, das Łódźer Große Theater, das Warschauer Finanzministerium, das Warschauer Grand Hotel und die Russische Botschaft in Warschau. Während der Volksrepublik entstanden auch neben dem Kulturpalast weitere Wolkenkratzer in der Warschauer Innenstadt wie die Hochhäuser der Ostwand, das Novotel Warszawa Centrum, das Intraco I, das Centrum LIM und der Oxford Tower.

Postmodernes Museum Polin

Der Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ging nach dem Ende der Volksrepublik weiter, wenn auch nicht mehr so originalgetreu wie in den 1940er und 1950er Jahren. Einige Paläste sind in den 1990er Jahren wieder erstanden, als Beispiel kann hier der Jabłonowski-Palast gelten. Es wurde jedoch nur die Fassade originalgetreu aufgebaut, während im Inneren ein modernes Bürogebäude entstand. Demnächst soll mit dem Wiederaufbau der Sächsischen und Brühlschen Paläste und der Wiedererrichtung der Gärten des Königsschlosses begonnen werden.

In den 1990er Jahren begann ein Bauboom von Wolkenkratzern, die von namhaften Architekten wie dem Engländer Norman Foster und dem Amerikaner polnischer Herkunft Daniel Libeskind entworfen wurden. Insbesondere die westliche Innenstadt entlang der Johannes-Paul-II.-Allee und das sich im Westen anschließende Viertel Wola ist von moderner Architektur umgeben. Zu den interessantesten neuen Gebäuden gehören das Warsaw Spire, der Warsaw Trade Tower, das Q22, das Rondo 1-B, die Złota 44, das Warsaw Financial Center, das InterContinental, das Cosmopolitan Twarda 2/4, der TP S.A. Tower, das Blue Tower Plaza, der ORCO Tower, das Millennium Plaza, die Goldenen Terrassen, das Ilmet, der PZU Tower, das Hotel The Westin Warsaw und das Plac Unii. Weitere Wolkenkratzer sind in Kattowitz (unter anderem das Altus), Krakau (unter anderem das K1 und der derzeit umgebaute Unity Tower) in Breslau (unter anderem der Sky Tower), in Posen (unter anderem der Andersia Tower und das Poznań Financial Centre) in der Dreistadt Danzig-Gdynia-Sopot (unter anderem die Sea Towers, das Olivia Star und der Neptun) und in Stettin (unter anderem das Pazim und der Hanza Tower) entstanden. Bemerkenswert sind auch die Warschauer Świętokrzyski-Brücke, die Warschauer Siekierkowski-Brücke, das um- und ausgebaute Gebäude des Warschauer Museums des Warschauer Aufstandes, das Gebäude des Warschauer Museums der Geschichte der polnischen Juden POLIN, das Krakauer Gebäude des Museums der Japanischen Kunst und Technik Manggha, das Warschauer Wissenschaftszentrum Kopernikus und das Gebäude des Danziger Museums des Zweiten Weltkriegs sowie das Gebäude des Danziger Europäischen Zentrums der Solidarność.

Zu den neuen sakralen Gebäuden zählen der Tempel der Göttlichen Vorsehung in Warschau, das Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes und die Johannes-Paul-II-Kirche in Krakau sowie die Basilika der Muttergottes von Licheń in Licheń Stary.

Im Bau befindet sich neben dem nach Fertigstellung höchsten Gebäude in der Europäischen Union Varso Tower auch die Nowa Emilia, der Warsaw Unit, der Skyliner, der Port Praski, der Mennica Legacy Tower, der Spark und das The Warsaw Hub.

Pressefreiheit

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen sieht in Polen „erkennbare Probleme“ für die Pressefreiheit. Die Organisation kritisiert insbesondere, dass die Regierungen seit dem Jahr 2015 den öffentlichen Rundfunk unter ihre Kontrolle gebracht hätten und private regierungskritische Medien durch die Justiz und den Entzug von Werbeanzeigen unter Druck gesetzt würden. Obwohl Polen über eine vielfältige Medienlandschaft verfügt, ist das öffentliche Bewusstsein für die Pressefreiheit nach wie vor gering. Während der achtjährigen Herrschaft der PiS-Partei wurde der öffentlich-rechtlicher Rundfunk zu einem Propagandainstrument umfunktioniert. Parallel wurden private Medien auf verschiedene Weise unter Druck gesetzt. Seitdem die von Donald Tusk geführte Koalition Anfang des Jahres 2024 die Regierungsgeschäfte übernommen hat, sind die verbalen Angriffe und Klagen der Regierung gegen private Medien zurückgegangen.[144]

Fernsehen
TVP-Zentrale in Warschau

Neben den öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen von Telewizja Polska (TVP; dt. Polnisches Fernsehen) gibt es zwei weitere ebenfalls landesweit und flächendeckend empfangbare bedeutsame private Fernsehkanäle: TVN und Polsat.

Bis zum Jahr 1992 besaß nur das öffentlich-rechtliche Fernsehen eine Sendeerlaubnis. 1992 kam Polsat hinzu, 1997 folgte TVN.[145]

Der polnische Fernsehmarkt hat sich seit den 1990er Jahren bis heute kontinuierlich weiterentwickelt, sodass die früheren wichtigsten Anbieter TVP, TVN und Polsat von einzelnen Kanälen zu Paketen aus mehreren Kanälen ausgebaut wurden. So findet man in jedem Paket jedes Anbieters zusätzlich auch einen Nachrichten-, Kultur-, Dokumentations-, Spielfilm- und Sportsender.

Die Landschaft an öffentlich-rechtlichen regionalen Kanälen ist der in Deutschland ähnlich. Es gibt 16 selbstständige staatliche Kanäle mit regionaler Ausrichtung (Die Dritten). Fernsehsender mit dem größten Marktanteil war im Jahr 2012 TVP1 mit 15,41 Prozent. Es folgten Polsat (13,97 %), TVN (13,93 %) und TVP2 (12,56 %).[146]

Hörfunk
Trójka in Krakau

Die öffentlich-rechtliche polnische Hörfunkanstalt Polskie Radio betreibt die drei wichtigsten landesweit empfangbaren staatlichen Radioprogramme. Diese sind Jedynka (Das Erste) mit Schwerpunkt auf Politik, Kultur, Reportagen, Dwójka (Das Zweite) als Kultursender sowie Trójka (Das Dritte) vor allem für jüngere Menschen. Es wird auch ein dichtes Netz aus 17 staatlichen regionalen Radiosendern betrieben. Die staatliche Rundfunkanstalt hat in den 1990er Jahren ernstzunehmende Konkurrenz durch die privaten Radiosender Radio Zet (ein landesweiter Sender) und RMF FM (Netz aus etwa 20 regionalen Sendern) bekommen, die sich bei 15- bis 35-Jährigen größter Beliebtheit erfreuen.

Eine Besonderheit der polnischen Medienlandschaft ist die Existenz stark religiös ausgerichteter Sender, wie TV Trwam und Radio Maryja, die in katholisch-konservativen Kreisen gehört werden.

Den größten Marktanteil konnte 2004 RMF FM mit 23,95 Prozent verbuchen. Es folgten Radio Zet (21,41 %), Polskie Radio 1 (15,51 %), Polskie Radio 3 (5,32 %) und Radio Maryja (2,39 %).[147]

Die Hörfunk- und Fernsehsender werden von einer staatlichen Aufsichtsbehörde, der Rada Mediów Narodowych (dt. Rat Nationaler Medien) lizenziert und überwacht.

Print- und Internetmedien

Auflagenstärkste überregionale Tageszeitungen sind die Boulevardzeitungen Fakt und Super Express sowie die Gazeta Wyborcza und Rzeczpospolita. Sämtliche Tageszeitungen haben in den letzten Jahren an Lesern verloren, insbesondere die Gazeta Wyborcza ist von einer ursprünglichen Auflagenzahl von knapp einer halben Million auf ca. 100.000 im Oktober 2017 gefallen.

Zu den auflagenstärksten meinungsbildenden Wochenmagazinen gehören Gość Niedzielny, Polityka, Newsweek Polska und Sieci. Die wichtigste polnische Presseagentur ist die Polska Agencja Prasowa (PAP). Für englischsprachige Leser erscheinen die The Warsaw Voice und das Warsaw Business Journal. In der Vergangenheit gab es die deutschsprachige polen-rundschau.

1990 gab es 3007 Zeitschriften, die Zahl wuchs bis 1999 auf 5444. Die Zahl der Tageszeitungen sank von 1990 bis 2000 von 130 auf 66. Auflagenstärkste war 2004 Fakt.[148]

Die bekanntesten Internetportale sind Onet.pl, Wirtualna Polska und Interia.pl.

Im Jahr 2023 nutzten 86,4 Prozent der Einwohner Polens das Internet.[149]