Satellitenbild
Klimadiagramm Lissabon
Typische Landschaft des
Alentejo
bei
Elvas
Portugal hat im Osten und Norden eine 1224 km lange
Grenze zu Spanien
und im Westen und Süden eine Küste zum Atlantischen Ozean.
Der Norden Portugals hat ein relativ kühles und feuchtes Klima und besteht aus zwei Landschaften: Der
Minho
im Nordwesten gehört durch die stark entwickelte Industrie zu den am dichtesten besiedelten Gegenden des Landes. Die größten Städte des Minho sind
Braga
Guimarães
Vila Nova de Famalicão
Barcelos
und
Viana do Castelo
. Der Minho wird wegen seines Klimas und der vergleichsweise üppigen Vegetation als der
grüne Garten
Portugals bezeichnet. Auf den Hängen der zahlreichen Flusstäler wird vor allem
Wein angebaut
, der zum
Vinho Verde
weiterverarbeitet wird. Daneben gedeihen viele Gemüsesorten. Die natürliche Vegetation ist eine Mischung aus der Flora
der
gemäßigten Klimazone
und der
subtropischen
Flora; je nach Höhenlage gibt es
Eichen
Kastanien
Pinien
und
Olivenbäume
Im Nordosten liegt
Trás-os-Montes
(„Hinter den Bergen“). Diese dem Meer abgewandte Seite Nordportugals ist sehr gebirgig, hat kalte Winter und sehr heiße Sommer. Die Vegetation ist bedeutend weniger üppig als im Minho und wird zur Grenze nach Spanien hin spärlicher. Beiden Landschaften ist gemein, dass ihre Gebirgsmassive, wie z.
B.
Marão
oder
Peneda-Gerês
, von zahlreichen Flüssen wie dem
Rio Minho
oder dem
Rio Douro
durchschnitten werden. Im Norden Portugals liegt der
Nationalpark Peneda-Gerês
. Dort gibt es noch Restbestände
naturbelassener Wälder
, in denen sich insbesondere die immergrüne
Steineiche
findet. Bedeutende Städte im Nordosten sind
Vila Real
Bragança
Mirandela
und
Chaves
Die Region
Centro
, auch Mittelportugal genannt, ist größtenteils hügelig bis gebirgig und hat mit der
Serra da Estrela
ein beachtliches Gebirge mit Wintersportmöglichkeiten. Der
Torre
ist mit
1993
der höchste Berg Kontinentalportugals. Die wichtigsten Landschaften sind die
Beiras
, die sich im Osten der Region befinden und wo die Städte wie
Castelo Branco
Guarda
Covilhã
und
Leiria
liegen, der
Ribatejo
im Südwesten der Region, sowie die
Metropolregion Lissabon
, wo sich Städte wie
Santarém
Tomar
oder
Entroncamento
befinden. Die
Estremadura
ist die westliche Landschaft der Region; dort liegen die Städte,
Alcobaça
Caldas da Rainha
Torres Vedras
und
Óbidos
. Die gesamte Region ist fruchtbar und hat ein für den Weinbau günstiges Klima. Die Tradition des Weinbaus reicht bis in die
Römerzeit
zurück. Daneben werden Getreide, Reis, Sonnenblumen und Gemüse angebaut. Die Region wird durch den
Tejo
geteilt. Seit dem Bau
zahlreicher Staudämme
gibt es anders als zuvor kaum noch Überschwemmungen.
Der
Alentejo
ist eine trockene und heiße Region des Landes. Die Oberfläche der gesamten Region ist eben bis hügelig. Die Region ist als frühere Kornkammer Portugals bekannt, ist heute nur dünn besiedelt und von
Abwanderung
von den Dörfern in die Städte der Region oder andere Regionen des Landes gekennzeichnet; weitläufige Getreidefelder mit
Olivenhainen
und
Korkeichen
dominieren die Landschaft. Auch Wein und Sonnenblumen werden angebaut. Die Wiesen dienen zur Schafzucht und sind im Frühling mit Blumen übersät. Zum wirtschaftlichen Niedergang haben die länger werdenden
Trockenperioden
beigetragen, die mit dem Bau von Staudämmen gemildert werden sollen. Umstritten ist die Anpflanzung von schnell wachsenden
Eukalyptusbäumen
. Diese stellen ein erhöhtes Risiko für Waldbrände dar, trotzdem haben die Anbauflächen zugenommen. Die südlichen Küstenregionen sind häufig von
Kiefernwäldern
bewachsen. Daneben finden sich zahlreiche
Palmenarten
, von denen nur die
Zwergpalme
einheimisch ist. Im Südwesten der Region, im Kreis
Odemira
, werden diverse Früchte- und Gemüsearten angebaut, die übers ganze Jahr lang wachsen und teils ins europäische Ausland exportiert werden.
Die
Algarve
ist die Südküste des Landes. Sie ist mit ihren hübschen Städten, den Steilküsten und den Sandstränden mit glasblauem Wasser ein beliebtes Urlaubsziel. Im Laufe der Jahre wurde die Algarve immer beliebter und der Tourismus nahm zu. Die größten Städte der Region sind
Portimão
Faro
Loulé
Quarteira
und
Lagos
. Der bestimmende Fluss
Rio Guadiana
bildet zweimal ein längeres Stück die
Grenze zu Spanien
. An die große sommerliche Hitze angepasst sind zahlreiche
sukkulente Pflanzen
Die Tierwelt Portugals unterscheidet sich punktuell, insgesamt aber nur unwesentlich von der Spaniens. Vereinzelt leben hier noch
Wölfe
, die von Norden her wieder zahlreicher wurden, insbesondere vom
Nationalpark Peneda-Gerês
her und im Tal des
Côa
Der nur auf der Iberischen Halbinsel verbreitete
Pardelluchs
war in Portugal nahezu ausgestorben; selten wurden Einzeltiere angetroffen, die vermutlich über die Grenze aus Spanien eingewandert sind. Seit den erfolgreichen Aufzucht- und Auswilderungsprogrammen im
Naturpark Guadiana
und seit 2022 auch an der Algarve erholt sich die portugiesische Luchspopulation und wurde 2022 auf 200 geschätzt.
Ansonsten finden sich
Europäische Wildkatzen
Füchse
Wildschweine
Hirsche
, wilde
Ziegen
sowie
Wildkaninchen
. Die kleine Wildpferderasse
Garranos
lebt vor allem im Norden, insbesondere im
Nationalpark Peneda-Gerês
. Im Landesinneren kommen diverse
Schlangen
und
Skorpione
vor, und insbesondere in der
Serra da Estrela
findet man dort weitere besondere Arten, etwa die
Iberische Gebirgseidechse
Da Portugal auf einer
Zugvogelroute
nach Afrika liegt, lassen sich zahlreiche Vögel beobachten, darunter insbesondere im Süden die
Flamingos
Steinadler
leben und jagen in den Küstengebieten. Dort kommen im Wasser ebenfalls besondere Tierarten vor, etwa die giftige Qualle
Portugiesische Galeere
oder eine der seltenen
Delfinpopulationen
in Europa, hier vor allem in den Mündungsgebieten von
Sado
und
Tejo
Unter den speziell portugiesischen
Nutztieren
sind neben Pferden wie v.
a. das
Lusitano
auch
Rinderrassen
zu nennen, im Norden das größere
Barrosã
und das etwas kleinere
Cachena
, im Süden das
Alentejana
und das
Mertolenga
, von denen auch das bekannte
Texas Longhorn
abstammt. Zudem existieren einige portugiesische Hunderassen, darunter bekannt gewordene wie der
portugiesische Wasserhund
oder alte Wach- und Hütehunde wie der
Cão de Castro Laboreiro
oder der Berghund der Serra da Estrela.
10
Bevölkerungsentwicklung Portugals (in Millionen, 1960–2017)
In Portugal lebten im Jahre 2021 insgesamt 10.344.802 Personen, so das Ergebnis der
Volkszählung
11
Damit hat sich die Bevölkerung seit 1900 verdoppelt.
Die portugiesische Bevölkerung wuchs 2019, 9 Jahre nach dem Beginn der Finanzkrise im Jahre 2010, wieder, nachdem sie seit der
Finanzkrise
geschrumpft war. Einige der Gründe für das erneute Bevölkerungswachstum sind die Aufnahme von Migranten aus den früheren
Kolonien
, die Verbesserung und Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage, welche die Auswanderung junger Portugiesen und Familien stoppte und die Rückkehr von Portugiesen aus dem Ausland.
12
2020 und 2021 wurden über 10,34 Millionen Einwohner verzeichnet.
11
Die Geburtenrate, die vor 1920 noch bei 30 pro 1000 Einwohnern lag, ist bis 2021 auf 8,2 pro 1000 Einwohner gesunken. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,4, die der Europäischen Union betrug 1,5.
13
Regional gibt es hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung erhebliche Unterschiede: Während die Bevölkerung der
Algarve
Lissabons
und der
Azoren
wächst, geht jene des
Alentejo
und im
Centro
zurück.
14
Innerhalb Portugals gibt es starke Migrationsbewegungen, wobei die Wanderungsbewegungen aus den Regionen des Hinterlandes in Richtung der Großstädte wie Lissabon,
Porto
Coimbra
Braga
Leiria
Aveiro
und in die Algarve gehen.
Die Bevölkerung Portugals altert: 2021 lebten in Portugal 1,3 Millionen Personen, die jünger als 16 Jahre alt waren, während 2,5 Millionen Personen 65 Jahre oder älter waren. Dieser Trend ist im Hinterland besonders ausgeprägt; der Grund ist die Abwanderung der jüngeren Bewohner in die Großstädte und in die Metropolregionen. Da zahlreiche Portugiesen, die im Ausland gearbeitet haben, für ihren Lebensabend in ihre Heimat zurückkehren, ist die Alterung der Bevölkerung des Landes besonders prägnant.
15
Die
Lebenserwartung
der Einwohner Portugals ab der Geburt lag 2022 bei 81,6 Jahren
16
(Frauen: 84,5
17
, Männer: 78,8
18
).
Portugal ist, bezogen auf die alteingesessene Bevölkerung, in sprachlicher, ethnischer und religiöser Hinsicht ein sehr homogenes Land.
Die
portugiesische Sprache
wird im ganzen Land gesprochen und nur in den Dörfern von
Miranda do Douro
wird ein dem
Asturischen
zugeordneter Dialekt (
Mirandesisch
) gesprochen, der als Minderheitensprache anerkannt wird.
Die größte einheimische ethnische Minderheit bilden 40.000 bis 50.000 Roma, die sozial und ökonomisch häufig marginalisiert sind.
19
Die erste umfassende offizielle Studie zur portugiesischen Roma-Gemeinde ergab 2017 eine Zahl von gut 37.000 Personen, die sich noch als Roma bezeichnen. Die Studie zeigte eine unterdurchschnittliche Schulbildung, aber auch einige Verbesserungen in der Bildung und Erfolge der verschiedenen Integrations- und Anti-Diskriminierungskampagnen.
20
Die rechtspopulistische Partei
Chega
thematisiert Ressentiments gegen Roma seit ihrer Gründung 2019 als erste und einzige Partei. Die Politik, vor allem aber zivilgesellschaftliche Akteure und Journalisten verstärken seither Aufklärung und Einordnung der Fakten über die Roma in Portugal.
21
Die dichteste Besiedelung weist der Küstenstreifen zwischen den zwei Metropolregionen des Landes,
Porto
und
Lissabon
, auf. In diesem Streifen leben knapp 40
% der Bevölkerung; das Hinterland und der Süden Portugals sind dagegen dünn besiedelt. Mehr als 10
% der Bevölkerung entfallen auf die zwei größten Städte (Lissabon und Porto), während mehr als die Hälfte in Orten mit weniger als 2000 Einwohnern lebt. Die
Verstädterung
nimmt jedoch allmählich zu.
Lange Zeit war Portugal ein Auswanderungsland; 2021 lebten über 20
% der Portugiesen im Ausland. Wichtige Zentren der portugiesischen Kultur in der
Diaspora
gibt es vor allem in
Frankreich
, wo allein 1.132.048 Portugiesen
22
leben, aber auch in vielen anderen Staaten, insbesondere Brasilien, Südafrika, Venezuela, Schweiz, an der Ostküste der USA und neuerdings verstärkt in Angola. In Luxemburg lebten 2025 rund 89.700 Portugiesen, damit stellten sie 13 Prozent der Bevölkerung Luxemburgs.
23
Andererseits war Portugal schon während der Unabhängigkeitskriege seiner Kolonien Zielland für Einwanderer aus den kolonisierten Ländern.
Seit dem Beitritt Portugals zur
Europäischen Gemeinschaft
1986 und dem damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Wandel ist Portugal verstärkt zu einem Einwanderungsland geworden, wobei die Herkunftsländer der Zuwanderer vor allem in Afrika (
Kap Verde
Angola
Guinea-Bissau
), Südamerika (
Brasilien
) sowie in Osteuropa (
Ukraine
Rumänien
Russland
und
Republik Moldau
) liegen. Seit dem
russischen Überfall auf die Ukraine 2022
wurden zudem etwa 54.000 ukrainische Staatsbürger und Einwohner der Ukraine als Geflüchtete in Portugal aufgenommen (Stand 17. Oktober 2022).
25
Zuvor hatte Portugal bereits Geflüchtete aus den Bürgerkriegen im Irak und vor allem Syrien aufgenommen, darunter fast 3.000 im Rahmen von internationalen Abkommen von UNO und EU zur Übernahme von Geflüchteten aus Griechenland, Italien und vor allem der Türkei.
26
Ende 2008 lebten 443.102 ausländische Staatsangehörige in Portugal. Diese stammen zu mehr als der Hälfte aus anderen
portugiesischsprachigen Ländern
, sind meist katholischen Glaubens und haben deshalb einen ähnlichen kulturellen Hintergrund.
27
Etwa ein Viertel der Ausländer, die in Portugal leben, sind Europäer, wovon ein Teil Rückkehrer sind, also aus Portugal ehemals ausgewanderte Portugiesen, die mit fremder Staatsbürgerschaft zurückgekehrt sind. Ein anderer Teil sind Dauerurlauber, die in Portugal ihren Ruhestand verbringen. Im Jahre 2017 waren 8,5
% der Bevölkerung im Ausland geboren.
28
Die ausländische Bevölkerung lebt zu mehr als der Hälfte in
Lissabon
, davon abgesehen konzentriert sie sich auf die Stadtgebiete an der Küste. Im Hinterland liegt der Anteil bei unter 0,5
%.
Die
Volkszählung
2021 ergab eine aktuelle Zahl von 555.299 Einwohnern Portugals mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die damit aktuell 5,4
% der Gesamtbevölkerung stellen.
29
Der
Wallfahrtsort
Fátima
Die Zentralmoschee in Lissabon
(Mesquita Central de Lisboa)
Die große Mehrheit der Portugiesen bekennt sich zum
römisch-katholischen Glauben
, wobei der Anteil an der Gesamtbevölkerung mit Werten zwischen 85
30
und 95
31
angegeben wird. Daneben existieren weitere
christliche
Kirchen in Portugal, darunter
evangelische
Gemeinden, die
Zeugen Jehovas
evangelikale
Freikirchen (vor allem aus Brasilien) oder auch die
anglikanische
Lusitanische Kirche von Portugal
In Portugal herrscht
Religionsfreiheit
und seit Einführung des „Gesetzes über die Glaubensfreiheit“
(Lei da Liberdade Religiosa)
32
offiziell auch Gleichheit zwischen den Religionen. Die Gleichheit ist aber in der Realität noch nicht erreicht: Die
katholische Kirche
betreibt in Portugal bedeutende Kultureinrichtungen, eine
angesehene Universität
, Privatschulen und auch einen
Radiosender
. Weiter ist das Gesetz über die Glaubensfreiheit nur teilweise auf die katholische Kirche anzuwenden.
30
Ob öffentliche Schulen verpflichtet sein sollen,
Religionsunterricht
anzubieten, ist in Portugal seit den 1980er Jahren umstritten.
30
2004 wurde ein neues
Konkordat
zwischen Portugal und dem
Heiligen Stuhl
geschlossen.
33
Einerseits hat die Kirche das Recht, Unterricht anzubieten, doch muss eine Zustimmung vorliegen. Auch müssen prinzipiell alle Religionsgemeinschaften das gleiche Recht haben, was praktisch schwierig umzusetzen ist.
In der
ersten Verfassung Portugals
(1822) wurde der Katholizismus zur
Staatsreligion
erklärt. Die Verfassung von 1826 schaffte die religiöse Verfolgung ab. Die offizielle
Trennung von Staat und Kirche
erfolgte mit der
republikanischen Revolution von 1910
, wobei Konkordate mit dem Vatikan der katholischen Kirche weiterhin weitreichende Privilegien einräumten.
30
34
1976 wurde in der
Verfassung Portugals
(Artikel 41, Absatz 4) der
Laizismus
in der Verfassung verankert.
Die portugiesische Ausprägung des Katholizismus wird als „menschlich, lyrisch und mit Verständnis für die fleischlichen Dinge des Lebens“ beschrieben.
35
Typisch ist die starke Verehrung der
Jungfrau Maria
. Wichtigstes Pilgerziel ist der Wallfahrtsort
Fátima
. Hier soll die Jungfrau Maria 1917 drei Hirtenkindern erschienen sein.
Im Mittelalter spielten zwei weitere Religionen eine bedeutende Rolle in Portugal:
Muslimische
Mauren
und
Araber
beherrschten ab dem Jahr 711 lange vor allem den Süden des Landes. Nach der
Reconquista
mussten sie das Land verlassen oder sich den Christen unterwerfen. Sie brachten zahlreiche technische Fortschritte mit sich, wie Verbesserungen im Brunnenbau, Bewässerung, Olivenanbau, Anbau von Zitrusfrüchten, Baumwolle und
Zuckerrohr
, die
Seidenraupenzucht
, die Herstellung von
Fliesen
, Jalousien, Hygiene und Ornamentik. Die Gesellschaft im damaligen Portugal bot auch unterworfenen oder versklavten Mauren die Möglichkeit, gesellschaftlich aufzusteigen; die muslimische Bevölkerung ging in der christlichen auf.
36
Das
Judentum in Portugal
hat ebenfalls eine lange Geschichte. So genossen die
Juden
im Mittelalter den Schutz der portugiesischen Könige. Das durch Handel und Verwaltungsposten in Staat und Kirche erworbene und gesparte Vermögen diente als Grundlage für den Aufbau der
portugiesischen Flotte
. 1504 und 1506 kam es in Lissabon zu
anti-jüdischen Pogromen
. Später verbesserte sich die Lage der Juden in Portugal wieder. Die faschistische
Salazar-Diktatur
etwa beteiligte sich nicht an der Judenverfolgung, und 1938 wurde mit der
Sinagoga Kadoorie
die größte Synagoge der Iberischen Halbinsel eingeweiht. 2015 erließ Portugal ein Staatsbürgerschafts-Sondergesetz für die Nachfahren der
sephardischen Juden
, unterstrich die Bedeutung der jüdischen Geschichte Portugals für das Land und entschuldigte sich für das ihnen hier geschehene historische Unrecht.
Lissabon beherbergt eine der größten
Hindu
-Gemeinden Europas, vor allem dank seiner nepalesischen und indischstämmigen Bewohner. Daneben existieren in Portugal andere Glaubensrichtungen, darunter der
Buddhismus
, mit dem Verband
União Budista Portuguesa
als Zentralorgan (siehe dazu auch
portugiesisch-tibetische Beziehungen
).
Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission im Rahmen des
Eurobarometers
ergab 2020, dass für 47 Prozent der Menschen in Portugal Religion wichtig ist, für 37 Prozent ist sie weder wichtig noch unwichtig und für 15 Prozent ist sie unwichtig.
37
Die
Universität von Coimbra
zählt zu Europas bedeutendsten Forschungsuniversitäten
Bis zur
Nelkenrevolution
1974 wurde Bildung vernachlässigt; nach der Revolution ging der Aufbau des Bildungssystems nur langsam voran. Dies macht sich bis heute bemerkbar: Im Jahr 2000 verfügten beispielsweise nur ungefähr ein Zehntel der Dreißigjährigen über einen Hochschulabschluss. Damit lag Portugal unter den EU-Mitgliedern vor der Osterweiterung mit großem Abstand weit zurück. Die Analphabetenquote liegt um 4,6
% (3,1
% bei Männern, 5,9
% bei Frauen). Im
PISA-Ranking
von 2015 erreichen Portugals Schüler Platz 29 von 72 Ländern in Mathematik, Platz 22 in Naturwissenschaften und Platz 21 beim Leseverständnis. Portugal liegt damit über dem Durchschnitt der
OECD
-Staaten.
38
Das Schulsystem besteht aus einer vierjährigen Grundschule und einer fünfjährigen Oberschule. Für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr besteht eine gesetzlich festgelegte neunjährige Schulpflicht. Der Pflichtschulunterricht ist an staatlichen Schulen kostenlos. Für den Unterricht an einer der vergleichsweise zahlreichen privaten Schulen können bedürftige Familien Unterstützung erhalten.
Wer nach der Oberschule die dreijährige
Escola Secundária
absolviert, bekommt die Universitätsreife und kann zwischen mehreren Möglichkeiten des Hochschulstudiums wählen: Hochschulbildung wird in Portugal von staatlichen und privaten Universitäten
(universidades)
sowie staatlichen und privaten Fachhochschulen
(escolas politécnicas)
angeboten. Zur Förderung abgelegener Gebiete wurden in vielen mittleren Städten Hochschulen eingerichtet. In jedem Fall ist eine Aufnahmeprüfung zu absolvieren und es sind Studiengebühren zu entrichten, die bei privaten Schulen höher sind als bei staatlichen. Sie sind je nach Fachrichtung unterschiedlich, für staatliche Einrichtungen bis zu 850
Euro jährlich. Trotzdem ist etwa ein Drittel der Studenten bei einer privaten Institution eingeschrieben. Zusätzlich zu den Einschreibegebühren sind
propinas
, Gebühren für die Vergabe von Zeugnissen und Diplomen zu zahlen. Etwa 20
% der Studenten kommen in den Genuss einer einkommensabhängigen staatlichen Unterstützung.
Mit dem steuerfinanzierten
Serviço Nacional de Saúde
steht seit 1979 allen Einheimischen und Besuchern ein, bis auf meist geringe Zuzahlungen, weitgehend kostenloses
Gesundheitssystem
zur Verfügung, wie es die
portugiesische Verfassung
von 1976 festgeschrieben hat. Daneben bestehen berufsständische und private Gesundheitssysteme. Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2022 10,6
% des Bruttoinlandsprodukts.
39
Im Jahr 2020 praktizierten in Portugal 56,2 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.
40
Die Sterblichkeit bei unter 5-Jährigen betrug 2022 3,2 pro 1000 Lebendgeburten.
41
Die
Lebenserwartung
der Einwohner Portugals ab der Geburt lag 2022 bei 81,6 Jahren
16
(Frauen: 84,5
42
, Männer: 78,8
43
). Die Lebenserwartung stieg von 76,3 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 7
%.
16
Der öffentliche Rettungsdienst
INEM
deckt Kontinentalportugal mit einem einheitlichen Notfalldienst ab.
Das im 12. Jahrhundert gegründete
Königreich Portugal
initiierte im 15. Jahrhundert das
Zeitalter der Entdeckungen
und stieg zum ersten weltumspannenden
Weltreich
auf. Das Königreich schuf das erste und eines der größten
Kolonialreiche
mit Besitzungen in
Afrika
Asien
und
Südamerika
, dessen Niedergang im Laufe des 17. Jahrhunderts eingeläutet wurde. 1910 kam es durch einen
militärischen Aufstand
zum Sturz der portugiesischen Monarchie, der König
Manuel
II.
ins
Exil
zwang. Die
Erste Portugiesische Republik
trat am 5. Oktober 1910 in Kraft und bestand bis zum Militärputsch von General
Gomes da Costa
im Jahr 1926. Danach stand das Land für mehr als 40 Jahre unter der
autoritären Diktatur
von
António de Oliveira Salazar
. Die
Nelkenrevolution
vom 25. April 1974 führte zum Sturz des Regimes und eröffnete den Weg zur demokratischen
Dritten Republik
. Zudem leitete sie das Ende des am längsten bestehenden Kolonialreichs ein, das 1975 aufgelöst wurde.
Die römische
Provinz Lusitania
im Südwesten der iberischen Halbinsel
Es wird geschätzt, dass Portugal bereits vor 500.000 Jahren durch
Homo heidelbergensis
und später durch den aus
Homo heidelbergensis
hervorgegangenen
Neandertaler
besiedelt war. Aus einer Höhle
(Lapa do Picareiro)
unweit der Atlantikküste in Zentralportugal stammt der früheste Hinweis auf eine Besiedelung des westlichsten Europas durch anatomisch moderne
Menschen
Homo sapiens
). Entdeckt wurden
Steinwerkzeuge
, die auf ein Alter von 41.100 bis 38.100 Jahren (
cal BP
) datiert wurden.
44
Felszeichnungen aus der
Altsteinzeit
, die die weltweit bedeutendsten ihrer Art sind, wurden auf ein Alter zwischen 22.000 und 8.000 Jahren vor heute datiert.
45
Der Übergang zur
Jungsteinzeit
erfolgte zwar spät, dafür setzte sich speziell in Südportugal die Kupferverarbeitung besonders schnell durch. Erste Handelsbeziehungen mit anderen Regionen Europas sind für diese Zeit belegt. Ab 800 v.
Chr. gründeten
Phönizier
Handelsstützpunkte an der
Algarve
. Ab etwa 600 v.
Chr. gründeten Griechen im östlichen und nordöstlichen Bereich mehrere kleine Siedlungen. Frühestens ab dem 6. bis 3. Jahrhundert v.
Chr. wanderten in mehreren Wellen
Kelten
ein, die sich mit den
Iberern
vermischten. Neben den Kelten wird der Stamm der
Lusitaner
genannt, der den
Römern
als besonders wehrhaft galt und im
Lateinischen
namensgebend für das Land werden sollte.
46
Die Vermischung der Kelten mit der einheimischen Kultur erschuf die
Keltiberer
Der römische
Diana-
Tempel
in
Évora
, einer der besterhaltenen des Landes
Ab 450 v.
Chr. wurde die südliche iberische Halbinsel von
Karthago
kolonisiert. Bis 206 v.
Chr. gelang es den Römern, die Karthager zu vertreiben. Im Verlaufe des
Zweiten Punischen Krieges
, an dem zahlreiche lusitanische Söldner von Karthago eingesetzt wurden, kam es zu einer Gegeninvasion Roms auf der iberischen Halbinsel und damit zu einer Romanisierung.
47
Von den Römern wurde das Territorium Portugals zunächst als Provinz
Hispania ulterior
, ab der Regierungszeit von
Augustus
unter dem Namen
Lusitania
verwaltet, die neben dem Großteil des heutigen Portugal weitere Gebiete im Westen des heutigen
Spanien
umfasste. In Nord- und Nordostportugal trafen die römischen Eroberer auf starken Widerstand; erst ab 19 v.
Chr. galt die Region als unterworfen. Danach kam es zu starker
Romanisierung
, Städte nach römischem Vorbild,
Römerstraßen
Villae
und Bergwerke entstanden, mit den Siedlern kam das
Vulgärlatein
ins Land, aus dem später die
portugiesische Sprache
entstand, und auch das Christentum.
48
Die römische Herrschaft endete in der
Völkerwanderungszeit
Sueben
(ab 409),
Alanen
Vandalen
und vor allem
Westgoten
(ab 416) fielen ein und gründeten kurzlebige Reiche auf dem Gebiet des heutigen Portugal. Nur die Sueben konnten sich länger halten, ihr Reich um
Braga
wurde jedoch 456 durch den König der
Westgoten
Theoderich II.
und ein zweites Mal 585 deren König
Leovigild
zerstört.
49
Iberische Halbinsel (um 1036); Portugal existierte noch nicht.
Im Jahr 711 besiegte ein von
Tāriq ibn Ziyād
geführtes Berberheer die Armee von Westgoten-König
Roderich
. Bis 716 war das ganze Territorium des Westgoten-Reiches unter Kontrolle der
Umayyaden
, Lusitanien wahrscheinlich schon 713.
Al-Andalus
und vor allem das
Emirat
, später
Kalifat von Córdoba
wurde teils von sehr fähigen und erfolgreichen Herrschern wie
Abd ar-Rahman I.
Abd ar-Rahman III.
oder
al-Hakam II.
geführt und gehörte zu den fortschrittlichsten Reichen seiner Zeit. Nach seinem Zerfall in mehrere
Taifas
gehörte der Großteil Lusitaniens zur Taifa von
Badajoz
, der äußerste Süden zu
Sevilla
und zu anderen Kleinkönigreichen. Es kam zu einer Einwanderung von berberischen Siedlern, klimatisch bedingt vor allem in den Süden der Halbinsel. Der
maurische
Einfluss auf Kultur und
Sprache Portugals
war stark und nachhaltig.
50
Das
Königreich Asturien
war für die Mauren nicht von Interesse. Von hier ausgehend begann im 9. Jahrhundert die christliche
Reconquista
der Territorien des späteren Portugal. Im Jahr 868, während einer Schwächephase des Emirates von Córdoba, wurde
Portucale
erobert (
Presúria
), 879
Coimbra
. Mit der Presúria von Portucale durch
Vímara Peres
entwickelte sich in der Gegend um Porto als Teil des Königreiches Asturien-León eine
„erste“ Grafschaft Portucale
(Condado Portucalense)
. Nachkommen aus der Familie von Vímara Peres herrschten in dieser Region bis 1071; es kam zum Wiederaufbau von
Braga
und zum Bau der Festung von
Guimarães
51
1071 wurde eine Revolte des letzten Grafen von Portucale, Nuno Mendes, gegen den 1065 zum König von Galicien und Portugal ernannten Garcia niedergeschlagen. Der König von
León
belehnte um 1095
Heinrich von Burgund
mit Portucale und Coimbra. Es entstand eine, ebenfalls als Condado Portucalense bezeichnete, „zweite“ Grafschaft Portucale, die direkt zur Gründung des unabhängigen Königreiches von Portugal führte.
Die Festung von
Guimarães
, das Hauptsymbol für Portugals Unabhängigkeit
Bereits der Sohn Heinrichs von Burgund,
Alfons
I.
, rebellierte 1127 mit Unterstützung des lokalen Kleinadels
infanções
nach dem Tod Heinrichs gegen seine eigene Mutter, die einen galicischen Prinzen geheiratet hatte. Nach der gewonnenen
Schlacht von Ourique
hatte er so weit an Prestige gewonnen, dass er 1143 mit
Einverständnis
von
Alfons
VII. von León
den Königstitel annahm. Im Jahre 1166 gab
León
den Anspruch der Vorherrschaft über Portucale auf, womit die formelle Unabhängigkeit erlangt wurde. Die Herrscher des
Hauses Burgund
versuchten, ihr Territorium in Richtung Süden auszudehnen, wobei es das Ziel gewesen sein dürfte, die Macht über ganz Lusitanien zu erlangen.
Kastilien
verhinderte dies aber. Bis 1250 wurde die Reconquista mit der Eroberung der
Algarve
, unter starker Beteiligung ausländischer Ritter und
Ritterorden
, abgeschlossen.
52
Denkmal der Entdeckungen (
Padrão dos Descobrimentos
) in Lissabon
1383 starb das Haus Burgund in Portugal aus. Ein nichtehelicher Abkömmling,
Johann von Avis
rief sich zum König aus, konnte
kastilische
Ansprüche auf den portugiesischen Thron in der
Schlacht von Aljubarrota
(1385) abwehren und gründete die zweite portugiesische Dynastie, das
Haus Avis
. Unter den Avis-Königen (besonders
Emanuel
I.
– er herrschte von 1495 bis 1521) stieg Portugal zu einer führenden europäischen Handels- und Seemacht auf.
Heinrich der Seefahrer
(1394–1460) initiierte Entdeckungsreisen an der
westafrikanischen
Küste, die am Beginn der Errichtung des
portugiesischen Kolonialreiches
zuerst in
Afrika
, später in
Südamerika
Brasilien
) sowie
Asien
Portugiesisch-Indien
Ceylon
Malakka
Macau
u.
a.) und der
europäischen Expansion
standen. Das Land wurde zu einer Großmacht und aufgrund der Einkünfte vor allem aus dem
Indienhandel
eine der reichsten Nationen Europas. Auch kulturell kam es zu einer Blütezeit (
Luís de Camões
).
Iberische Union
(1640), Gebiete Portugals in Blau
1580 starb das Haus Avis aus, Portugal fiel aus dynastischen Gründen an die
spanischen
Habsburger
Iberische Union
). Bis 1640 herrschten die Spanier; Portugal verlor seine Unabhängigkeit, sank zur spanischen Provinz herab und verlor Teile seines Kolonialreiches. 1640 führte der Herzog von
Braganza
eine Adelsrevolte gegen die spanische Herrschaft an und rief sich als
Johann
IV.
zum König aus. Er gründete die vorletzte portugiesische Dynastie, das
Haus Braganza
. Außen- und wirtschaftspolitisch geriet das Land in immer größere Abhängigkeit von
England
Methuenvertrag
, 1703). 1755 vernichtete
ein Erdbeben
große Teile der Hauptstadt Lissabon. Unter dem Ersten Minister und Reformer
Marquês de Pombal
wurde die Stadt wieder aufgebaut und das Land mit zum Teil drastischen Methoden zu einem aufgeklärt
absolutistischen
Staat umgeformt. 1761 kam es zu einem Angriff Spaniens und Frankreichs auf das Land, Pombal trug
Wilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe
den Oberbefehl über die vereinigten portugiesischen und britischen Truppen an. Wilhelm wehrte die Angriffe ab und sicherte damit die Unabhängigkeit Portugals. In den folgenden Jahren reformierte er das portugiesische Heer tiefgreifend und ließ die Festung
Elvas
an der spanischen Grenze errichten. 1807 besetzten
napoleonische Truppen
das Land; die königliche Familie floh nach Brasilien. Nachdem die
Franzosen
mit britischer Hilfe vertrieben worden waren, kam es zur
liberalen Revolution
, das Land erhielt zum ersten Mal in seiner Geschichte eine
Verfassung
(1821). Der anschließende Kampf zwischen Anhängern des Absolutismus und Befürwortern einer
konstitutionellen Monarchie
wurde erst 1834 durch den Sieg Letzterer im
Miguelistenkrieg
entschieden. Am 7. September 1822 erlangte Brasilien unter Kaiser
Pedro
I.
seine Unabhängigkeit.
Flagge des Königreichs Portugal von 1830 bis 1910
Maria
II.
Sie war die letzte
Herrscherin des Landes
aus dem
Haus Braganza
Die Zeit nach Ende des Miguelistenkrieges wurde von der Auseinandersetzung zwischen Rechts- und Linksliberalen (
Cartisten
und
Setembristen
) geprägt. 1853 starb mit Königin
Maria
II.
das
Haus Braganza
in direkter Linie aus, über die Ehe der Königin mit
Ferdinand
II.
von
Sachsen-Coburg und Gotha
übernahm der portugiesische Zweig dieses deutschen Adelshauses den Thron (bis 1910). Die Endphase der Monarchie war durch eine große Armut, geringe Bildung (80 Prozent der Portugiesen waren
Analphabeten
), allgemeine wirtschaftliche Probleme (
Staatsbankrott
1891) und durch sich zu Staatskrisen ausweitende republikanische Aufstände geprägt. Unter
João Franco
wurden die Königsbezüge weiter erhöht und das Ansehen der Monarchie litt verschärft durch den sichtbaren Widerspruch zwischen zerrütteten Staatsfinanzen einerseits und dem luxuriösen, extravaganten Lebensstil der Herrscherfamilie andererseits.
53
1908 wurden der König
Karl
I.
und sein Sohn, Thronfolger
Ludwig Philipp
, bei einer Kutschfahrt erschossen. Nur der Sohn Manuel überlebte das Attentat.
Am 3. Oktober 1910 wurde der republikanische Abgeordnete Miguel Bombarda unter ungeklärten Umständen ermordet. In der Nacht kam es daraufhin in Lissabon zu
revolutionären Aufständen
. Eine schnell gebildete provisorische Regierung rief am 5. Oktober 1910 die
Republik
aus; König
Manuel
II.
floh ins englische Exil.
53
Die junge Republik Portugal sagte Großbritannien 1914 materielle Unterstützung und die Entsendung eigener Truppen zu. Obwohl sie offiziell neutral war, rechtfertigte die portugiesische Regierung die Beteiligung am Ersten Weltkrieg mit einem alten Allianz-Abkommen der beiden Länder, das 1912 erneuert worden war.
„Mit der Teilnahme am Ersten Weltkrieg auf der Seite der Briten versuchte Portugal, seine afrikanische Kolonien (Angola und Mozambique) zu schützen, die 1898 Bestandteil eines geheimen Abkommens zwischen den Briten und den Deutschen gewesen waren. Zudem wollte Portugal seinen Eintritt in die Riege der europäischen Nationen unterstreichen. Das Mitwirken auf internationaler Ebene wurde als Mittel zur Stärkung der nationalen Einheit wahrgenommen. Schließlich sollte die Legitimität des republikanischen Regimes gefestigt werden, das zu dem Zeitpunkt durch monarchistische Bewegungen und große wirtschaftliche Schwierigkeiten bedroht war.
Der britische Generalstab begnügte sich zunächst mit der materiellen Hilfe Portugals. Die Führung blieb skeptisch, ob der Einsatz der jungen portugiesischen Republik in den Kampfhandlungen den alliierten Kräften wirklich nutzen würde. Die wachsenden logistischen Probleme der Alliierten veranlassten Großbritannien jedoch dazu, im Dezember 1915 die Beschlagnahmung aller in portugiesischen Häfen ankernden deutschen Schiffe zu erbitten. Dieser Bitte entsprach die Regierung am 24. Februar 1916, worauf Deutschland Portugal am 9. März den Krieg erklärte.“
54
Soldaten des
Portugiesischen Expeditionskorps
an der
Westfront
im Juni 1917
Im März 1916 trat das Land auf Seiten der
Entente
in den
Ersten Weltkrieg
ein. Portugal mobilisierte zeitweise
56.500 Soldaten
. In der
Vierten Flandernschlacht
verlor das Expeditionskorps an einem einzigen Tag fast 7500 Männer (Gefallene, Vermisste, Kriegsgefangene und Verwundete) bei einer deutschen Offensive.
55
In der sogenannten
Ersten Republik
(bis 1926) herrschten allgemeine politische Instabilität und chaotische Zustände. Sie war durch monarchistische und kommunistische Aufstände, Putschversuche (unter anderen des
Sidónio Pais
, 1917) und schwache, häufig wechselnde Regierungen ohne parlamentarische Mehrheit gekennzeichnet.
1926 putschte das Militär und beendete die erste Republik. Unter den Militärs stieg ein Zivilist,
António de Oliveira Salazar
, ab 1928 Finanzminister, ab 1932 Ministerpräsident, zu höchster Macht auf. Er gründete ab 1933 den „
Estado Novo
“, den neuen Staat, ein autoritäres Gebilde mit
faschistischen
Tendenzen, mit Einheitspartei (
Nationale Union
), Staatsjugend und
Geheimpolizei
PIDE
). Die katholisch-autoritäre und antidemokratische Ideologie des Diktators verfolgte das Projekt eines „
Ständestaates
“.
Gemäß dem Dekret Nummer 19694 vom 5. Mai 1931 erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht unter der Bedingung, dass sie mindestens die Sekundarschule abgeschlossen hatten; Männer dagegen mussten nur lesen und schreiben können.
56
57
Nach Adams bewirkte diese Klausel ein sehr eingeschränktes
Frauenwahlrecht
für Frauen mit hoher Bildung.
58
Mit dem Wahlgesetz D.L. 24631 vom 6. November 1934 erhielten alle, die lesen und schreiben konnten, das nationale Wahlrecht.
56
57
Bei Wahlen zu bestimmten lokalen Gremien aber blieben einige Beschränkungen für Frauen bis 1968 in Kraft.
56
57
Außenpolitisch baute Salazar auf die Bindung an Großbritannien, sympathisierte im
Spanischen Bürgerkrieg
mit den nationalspanischen Kräften und taktierte geschickt zwischen den Blöcken. Im
Zweiten Weltkrieg
blieb das Land neutral, belieferte beide Seiten mit dem wichtigen Rohstoff
Wolfram
und wurde zum Tummelplatz von
Geheimagenten
vieler Kriegsparteien. Salazar, der von Anfang an mit einem alliierten Sieg rechnete und entscheidend auf
Franco
im Sinne einer spanischen Neutralität eingewirkt hatte, erlaubte den
Alliierten
schließlich im Herbst 1943 die Einrichtung von
Militärbasen
auf den
Azoren
Portugal ist Gründungsmitglied der 1949 geschaffenen
NATO
. Ab 1960 – dem
Afrikanischen Jahr
, bei dem 18 Länder unabhängig wurden – begann der
Kolonialkrieg
, der in Afrika (
Angola
Mosambik
Guinea-Bissau
) mit großer Härte geführt wurde. Der Versuch des Offiziers
Henrique Galvão
, das Salazar-System durch die Entführung des Passagierschiffs
Santa Maria
im Januar 1961 in der Karibik zum Einsturz zu bringen, scheiterte, obwohl die
Santa-Maria-Affäre
international Aufsehen erregte.
1968 musste Salazar wegen gesundheitlicher Probleme zurücktreten. Sein Nachfolger,
Marcelo Caetano
, konnte sich nicht zu grundlegenden Reformen entschließen. Durch den Kolonialkrieg war Portugal außenpolitisch zunehmend isoliert, die Kriegskosten führten zu steigender Staatsverschuldung und
Inflation
Situation in
Portugals Afrika-Kolonien
Ende 1970
Führende Militärs erkannten, dass der Kolonialkrieg militärisch für Portugal nicht zu gewinnen war. Wegen der Unfähigkeit der Regierung, eine politische Lösung des Problems zu finden,
putschten
linksgerichtete Militärs in der Nacht zum 25. April 1974. Die allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Diktatur, durch die einsetzende Wirtschaftskrise (ausgelöst durch die
erste Ölkrise
1973) noch verstärkt, führte dazu, dass sich große Teile der Bevölkerung mit den putschenden Offizieren solidarisierten.
Durch die allgemeine Volkserhebung, die
Nelkenrevolution
, wurde der Estado Novo rasch beendet. Das Markenzeichen der Revolution in Portugal waren rote Nelken, die den aufständischen Soldaten von der Bevölkerung in ihre Gewehrläufe gesteckt wurden.
Am 14. Mai 1974 wurde ein neues Wahlgesetz beschlossen (Gesetz 3/74, Artikel 4, Nummer 1).
59
Nach dem Dekretgesetz Nummer 621-A/74, Artikel 1.1 vom 15. November 1974 waren für die Konstituierende Versammlung portugiesische Staatsbürger wahlberechtigt, die am 28. Februar 1975 18 Jahre oder älter waren.
59
Zum ersten Mal in der portugiesischen Geschichte war damit das allgemeine Wahlrecht anerkannt und wurde im folgenden Jahr ausgeübt: Im April 1975 wurden die Mitglieder der Konstituierenden Versammlung gewählt, die die Verfassung von 1976 konzipierte.
59
Diese wurde am 2. Juni 1976 proklamiert
57
und damit für alle Wahlen eine Gleichheit des Wahlrechts für Frauen und Männer verfassungsrechtlich abgesichert.
56
Die neuen Machthaber entließen die portugiesischen Kolonien in die Unabhängigkeit (1974/1975),
Macau
folgte 1999.
Mário Soares
war der erste demokratisch gewählte
Premierminister Portugals
Die erste Zeit nach der Revolution war geprägt von der Auseinandersetzung zwischen einer eher konservativen Strömung (
General Spínola
) und einem
sozialistischen
Flügel (
Hauptmann Otelo Saraiva de Carvalho
) innerhalb des
MFA
(Movimento das Forças Armadas – Bewegung der Streitkräfte), der Vereinigung der putschenden Offiziere. Zunächst sah es so aus, als würde die sozialistische Strömung siegen, es kam zu
Verstaatlichungen
und zu einer
Landreform
. Die Verfassung von 1976 definierte den Übergang zum Sozialismus als Staatsziel.
Als sich bei den ersten Präsidentschaftswahlen nach der neuen Verfassung 1976 der gemäßigtere
General Eanes
überraschend deutlich gegen Otelo Saraiva de Carvalho durchsetzen konnte, waren die Weichen für eine Rückkehr des Landes zu einer parlamentarischen Demokratie westeuropäischen Zuschnitts gestellt. Eanes und der Vorsitzende der Sozialistischen Partei
Mário Soares
(Regierungschef von 1976 bis 1978 und 1983 bis 1985, Staatspräsident von 1986 bis 1996) führten das Land schließlich 1986 in die
Europäische Gemeinschaft
1979 gewann zum ersten Mal seit der
Nelkenrevolution
wieder eine politische Gruppierung die Parlamentswahlen, die rechts der Mitte stand, die Regierungen unter
Francisco Sá Carneiro
und
Francisco Pinto Balsemão
. Die Regierung konnte sich mit der sozialistischen Opposition auf eine Verfassungsänderung einigen, die die sozialistischen Überreste entfernte, welche nach der Nelkenrevolution in die Verfassung geschrieben worden waren. Die 1982 in Kraft getretene Verfassungsänderung ersetzte den bis dahin bedeutenden Revolutionsrat durch ein
Verfassungsgericht
nach dem Vorbild anderer demokratischer Staaten. 1985 wurde
Aníbal Cavaco Silva
Premierminister. Seiner konservativen
Partido Social Democrata
(PSD) gelang bei den Wahlen 1987 ein Erdrutschsieg; erstmals errang eine Partei die absolute Mehrheit. Cavaco Silva blieb bis 1995 Ministerpräsident. Er verfolgte eine neoliberale Wirtschaftspolitik und nahm die Verstaatlichungen aus der Zeit der Nelkenrevolution zurück. Von 1995 bis 2002 stellten wieder die Sozialisten mit
António Guterres
die Regierung.
José Manuel Barroso
war von 2002 bis 2004 Ministerpräsident
Bei den
Parlamentswahlen vom 17. März 2002
kam es zu einem neuerlichen Rechtsrutsch. Bei einer Wahlbeteiligung von 62,3
Prozent erreichte die konservative PSD unter
José Manuel Durão Barroso
eine relative Stimmenmehrheit von 40,1
Prozent, gefolgt von der sozialistischen
Partido Socialista
und der rechtskonservativen Volkspartei
CDS-PP
mit 37,9 beziehungsweise 8,8
Prozent. Mit letzterer bildete Barroso eine Koalitionsregierung, wobei der populistische Vorsitzende des CDS-PP,
Paulo Portas
, das Amt des Verteidigungsministers übernahm und zudem die Bereiche Justiz sowie Arbeit und Soziales an das CDS-PP gingen. Die Sozialisten stellten jedoch ununterbrochen den Präsidenten des Landes, da Nachfolger von Soares 1996 der Sozialist
Jorge Sampaio
wurde.
Im Juli 2004 wurde Barroso vom
Europäischen Rat
zum Nachfolger von
Romano Prodi
als
Präsident der Kommission
der
Europäischen Union
nominiert. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde
Pedro Santana Lopes
, der nur kurze Zeit regieren konnte, da Präsident Sampaio bereits im November das
Parlament
vorzeitig auflöste und für
Februar 2005 Neuwahlen
ausschrieb, bei der die Partido Socialista mit 121 von 230 Sitzen zum ersten Mal in der Geschichte die absolute Mehrheit der Parlamentssitze errang. Ihr Spitzenkandidat
José Sócrates
wurde am 12. März 2005 neuer Ministerpräsident des Landes.
Der
Vertrag von Lissabon
wurde 2007 unterschrieben, als Portugal den
Vorsitz
im
Europäischen Rat
innehatte
Am 22. Januar 2006 wählten ungefähr 8,9 Millionen Portugiesen einen neuen Präsidenten. Der bisherige Präsident, der Sozialist
Jorge Sampaio
, durfte sich nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl stellen. Gegen fünf Kandidaten der Linken setzte sich bereits im ersten Wahlgang der Mitte-rechts-Kandidat und frühere Regierungschef
Aníbal Cavaco Silva
(PSD) mit einer absoluten Mehrheit von 50,6
Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 62,6
Prozent durch. Er wurde von einem Bündnis aus
PSD
und CDS-PP unterstützt. Der als Architekt des portugiesischen Wirtschaftsaufschwungs in den Jahren 1985 bis 1995 geltende 66-jährige Wirtschaftsprofessor wurde damit der erste bürgerliche Präsident in Portugal seit der Nelkenrevolution von 1974. Er wurde am 9. März 2006 für fünf Jahre in sein Amt eingeführt. Am 23. Januar 2011 wurde Cavaco Silva
im Amt bestätigt
60
Die drastischen Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise dominierten den Wahlkampf bei den
Parlamentswahlen 2009
. Obwohl die regierenden
Sozialisten
deutlich an Wählerstimmen verloren und ihre absolute Mehrheit einbüßten, gelang es ihnen, sich als wählerstärkste Partei zu behaupten. Damit blieb auch die Regierung Sócrates im Amt.
Nachdem das Sparkonzept der Regierung im Parlament keine Mehrheit gefunden hatte, reichte Sócrates am 23. März 2011 sein Rücktrittsgesuch ein. In den anschließenden
Neuwahlen
erfuhren die Sozialisten eine deutliche Wahlniederlage. Folgerichtig wurde am 15. Juni 2011
Pedro Passos Coelho
, Vorsitzender der mit fast 40
% der Stimmen siegreichen liberal-konservativen
Sozialdemokratischen Partei
(PSD), zum neuen Ministerpräsidenten Portugals ernannt. Er führte eine Koalitionsregierung aus PSD und
CDS-PP
, die mit 132 von 230 Parlamentssitzen über eine solide Mehrheit verfügte.
Nach der
Parlamentswahl am 4. Oktober 2015
blieb das bisher regierende Parteienbündnis
PàF
zwar stärkste Kraft, verlor jedoch die absolute Mehrheit. Die linken bisherigen Oppositionsparteien
PS
BE
und
CDU
halten zusammen mit 124 der insgesamt 230 Sitze im Parlament eine regierungsfähige Mehrheit. Am 20. Oktober 2015 sagte António Costa (PS) dem Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva, dass er eine Linksregierung bilden wolle.
61
Cavaco Silva blockierte jedoch vorerst die Versuche der Sozialisten und Kommunisten, ein Regierungsbündnis zu schließen, und ernannte den amtierenden bürgerlich-konservativen Premierminister Pedro Passos Coelho abermals zum Regierungschef. In einer Fernsehrede an die Nation am Abend des 22. Oktober 2015 begründete Cavaco Silva dies mit Rücksichtnahme auf Europäische Union und Euro,
62
„Finanzinstitutionen, Investoren und die Märkte“.
63
Am 26. November 2015 wurde
António Costa
zum Premierminister ernannt und versprach eine Abkehr von der harten Austeritätspolitik unter Beachtung der Vorgaben der Europäischen Union.
64
Am 24. Januar 2016 wurde
Marcelo Rebelo de Sousa
(PSD) zum Staatspräsidenten gewählt.
65
Nach der
Parlamentswahl 2019
bildete António Costa am 26. Oktober 2019 eine Minderheitsregierung, nach den Parlamentswahlen von 2022 eine Alleinregierung.
Portugal war im Juni 2021 das erste Land, dessen Konjunkturprogramm nach dem Wirtschaftseinbruch infolge der Einschränkungen infolge von Corona von der Europäischen Kommission abgesegnet wurde. Investitionen in umweltfreundliche Produktionsprozesse und Digitalisierung, sowie in Gesundheit, Wohnen und Infrastruktur sollen möglich werden.
Am 21. März 2024 wurde der konservative
Luís Montenegro
Premierminister Portugals und bildete eine Minderheitsregierung. Im Januar 2026 wurde
António José Seguro
(PS) zum Staatspräsidenten gewählt.
Der amtierende portugiesische Premierminister
Luís Montenegro
Partido Social Democrata
Seit der
Nelkenrevolution
des Jahres 1974 hat sich Portugal zu einer stabilen,
repräsentativen Demokratie
mit semipräsidentiellem Regierungssystem entwickelt. Die vier wichtigsten Organe der Politik in Portugal sind der
Präsident
, der
Premierminister
und sein
Ministerrat
, das
Parlament
sowie die
Justiz
(siehe
Verfassung Portugals
).
Der Präsident, der alle fünf Jahre direkt in allgemeinen und direkten Wahlen bestimmt wird, ist Oberkommandierender der
Streitkräfte
. Er ernennt einen Premierminister und den Ministerrat, wobei er sich am Ergebnis der Parlamentswahlen zu orientieren hat. Der Staatsrat ist ein Gremium, das den Präsidenten berät, und besteht aus dem Staatspräsidenten und seinen Vorgängern, dem Premierminister, dem Präsidenten des Verfassungsgerichtes (
Tribunal Constitucional
), dem Bürgerbeauftragten, den regionalen Präsidenten (
Azoren
und
Madeira
) sowie fünf vom Staatspräsidenten und fünf vom Parlament ausgewählten Personen.
Die Verfassung von 1976 galt als ein Kompromiss zwischen zwei Legitimitätsformen, die sich während der
Transformation
herausgebildet haben: dem Militär, dem gewählten Parlament und dem gewählten Präsidenten. Bis zu einer endgültigen Institutionalisierung des Regierungssystems in Portugal dauerte es bis 1982, als die Verfassung eine Revision erfuhr. Bis 1982 wurde die revolutionäre Legitimation des Militärs als notwendig empfunden. Seit der Revision 1982 wurden die Befugnisse des Präsidenten zu Gunsten des Parlamentes beschnitten. Man spricht in dem Zusammenhang von der Herausbildung eines parlamentarischen Regierungssystems.
66
Die Regierung ist seitdem allein dem Parlament verantwortlich. Die Befugnisse des Militärs wurden durch die Auflösung des Revolutionsrates beschnitten und einer zivilen Kontrolle unterstellt. Seit der Verfassungsrevision 1982 hat der direkt gewählte Präsident in Portugal keine exekutiven Befugnisse mehr.
Die Regierung wird vom Premierminister geleitet, der sich einen Ministerrat zusammenstellt. Jede
neue Regierung
muss dem Parlament ihr Programm zur Debatte vorlegen. Wird es nicht abgelehnt, ist die Regierung vom Parlament akzeptiert.
Das Parlament wird als
Assembleia da República
(Versammlung der Republik)
bezeichnet und besteht aus einer Kammer mit bis zu 230 Abgeordneten (
Einkammersystem
). Die Abgeordneten werden für vier Jahre nach
Verhältniswahlrecht
gewählt. Der Präsident hat das Recht, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen.
Das Oberste Gericht ist die höchste Instanz der portugiesischen Justiz. Zudem sind besondere Oberste Gerichte für militärische, verwaltungsrechtliche und steuerrechtliche Fragen zuständig. Das Verfassungsgericht Portugals hat neun Mitglieder und überwacht die verfassungsgemäße Auslegung des Rechts.
Die über lange Zeit größten Parteien sind die sozialdemokratisch orientierte
Sozialistische Partei
(PS)
und die bürgerlich-konservativ orientierte
Sozialdemokratische Partei
(PSD)
. Daneben gibt es noch die rechtspopulistische
Volkspartei
(CDS/PP)
, die traditionsreiche
Kommunistische Partei
(PCP)
und den vor wenigen Jahren als Sammelbecken der intellektuellen Linken gegründeten
Linksblock
(BE)
. Die fünf Parteien sind seit der
Parlamentswahl am 5. Juni 2011
im Parlament vertreten. Die
Grünen
(PEV)
treten in Portugal seit 1987 immer in Listenunion mit den Kommunisten an und bekommen seit Gründung dieses Bündnisses
CDU
immer zwei Parlamentsmandate.
Palais Belém, Sitz des Präsidenten
Villa São Bento, Sitz des Premierministers
Palais São Bento, Sitz des Parlaments
Das
portugiesische Recht
hat sich aus dem
römischen Recht
entwickelt. Nach dem
französischen Recht
ist es im 20. Jahrhundert vor allem vom
deutschen Recht
beeinflusst worden.
Portugal ist ein sehr sicheres Land, 2023 stand es auf dem siebten Platz des
Global Peace Index
67
68
Trotz seiner vergleichsweise konservativen,
katholizistischen
Gesellschaft hat sich das traditionell weltoffene Land heute zu einem sehr liberalen Land entwickelt, was sich beispielsweise in der 2001 eingeführten und international beachteten liberalen
Drogenpolitik Portugals
69
70
oder der vergleichsweise fortschrittlichen Situation der
Homosexualität in Portugal
zeigt. Die vollumfängliche
gleichgeschlechtliche Ehe
wurde in Portugal bereits 2010 legalisiert.
In Portugal bestehen folgende Gerichte:
das
Verfassungsgericht
(Tribunal Constitucional)
der Oberste Gerichtshof
(Supremo Tribunal de Justiça)
5 Rechtsmittelgerichte
(tribunais da relação)
23 Bezirksgerichte
(tribunais de comarca)
, 4 Strafvollstreckungsgerichte
(tribunais de execução das penas)
, 4 Fachgerichte
(Tribunal marítimo
Tribunal da propriedade intelectual
Tribunal da concorrência, regulação e supervisão
Tribunal central de instrução criminal)
25 Friedensgerichte
(julgados de paz)
das Oberste Verwaltungsgericht
(Supremo Tribunal Administrativo)
2 zentrale Verwaltungsgerichte
(tribunais centrais administrativos)
15 Verwaltungs- und Finanzgerichte
(tribunais administrativos e fiscais)
, ein Bezirksverwaltungsgericht
(tribunal administrativo de círculo)
, ein Steuergericht
(tribunal tributário)
der Rechnungshof
(Tribunal de Contas)
71
Der damalige Premierminister
António Costa
und der damalige
Präsident Brasiliens
Michel Temer
2016
Portugal ist Mitglied der
Europäischen Union
und hatte im
zweiten Halbjahr 2007
und im
ersten Halbjahr 2021
den
Ratsvorsitz
inne. Das Land hatte den Vorsitz bereits im ersten Halbjahr 2000. In dieser Zeit verfolgte Portugal vor allem das Ziel, den Dialog mit
Afrika
zu forcieren und Impulse zur Stärkung der
Wettbewerbsfähigkeit
der europäischen Wirtschaft zu geben.
Portugal war Gründungsmitglied der
NATO
und beteiligt sich mit Truppen an der Friedenssicherung auf dem
Balkan
. Zusammen mit Spanien ist Portugal an den
Ibero-Amerikanischen Gipfeltreffen
beteiligt, die vor allem den Dialog mit den Ländern
Lateinamerikas
fördern sollen. Federführend war das Land bei der Gründung der
Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder
(CPLP), deren Ziel es ist, die Zusammenarbeit dieser Länder zu vertiefen. Ferner ist das Land Mitglied in der
Lateinischen Union
, die den Erhalt und die Vielfältigkeit der romanischen Sprachen fördert.
Portugal unterstützte eines seiner früheren Kolonialgebiete,
Osttimor
, im Kampf um Unabhängigkeit von Indonesien, und kooperiert dabei zugunsten des jungen Staates finanziell und militärisch mit asiatischen Ländern, den Vereinigten Staaten sowie der
UNO
Es besteht ein Streit zwischen Portugal und
Spanien
um das Gebiet von
Olivenza
(portugiesisch
Olivença
), das gegenwärtig zum spanischen Staat gehört, jedoch von Portugal beansprucht wird. Olivença kam 1801 unter spanische Verwaltung, doch Spanien erklärte sich auf dem
Wiener Kongress
von 1815 bereit, das Gebiet an Portugal zurückzugeben. Portugal verlangt seither die Rückgabe.
Siehe auch:
Übersicht der bilateralen Beziehungen Portugals
Portugal gliedert sich in 18 Distrikte und zwei autonome Regionen: die
Azoren
und
Madeira
. Die Distrikte sind dabei eine ältere Version der Einteilung des Landes, die immer mehr an Wichtigkeit verliert. Die fünf historischen Regionen des Landes wurden in 25
Subregionen
eingeteilt, die durch die Veränderung der Bevölkerungszentren im Land immer mehr an Wichtigkeit gewinnen. Darunter folgt die
Kommunale Selbstverwaltung in Portugal
, mit 308
Municípios
(welche mit deutschen
Landkreisen
oder Schweizer
Bezirken
verglichen werden können) und 3091
Freguesias
(Gemeinden). Bis zur
administrativen Neuordnung 2013
waren es 4259 Gemeinden.
Die Regionen und Subregionen Kontinentalportugals
Bei der Einteilung von Regionen und Subregionen, welche auch als europäische
NUTS
bekannt sind, existieren in Portugal sieben Regionen (fünf Regionen auf dem Festland und die zwei autonomen Regionen
Azoren
und
Madeira
), welche sich weiterhin in 25 Subregionen einteilen lassen.
Regionen und Subregionen in Portugal
Region
Subregionen
Norden
Alto Minho
Cávado
Ave
Alto Tâmega
Terras de Trás-os-Montes
Metropolregion Porto
Tâmega e Sousa
Douro
Zentrum
Aveiro
Coimbra
Leiria
Beiras e Serra da Estrela
Viseu Dão-Lafões
Beira Baixa
Médio Tejo
Oeste
Lissabon
Metropolregion Lissabon
Alentejo
Alto Alentejo
Alentejo Central
Alentejo Litoral
Baixo Alentejo
Lezíria do Tejo
Algarve
Algarve
Azoren
Azoren
Madeira
Madeira
Die 18 Verwaltungsdistrikte
Kontinentalportugals
Es gibt 18 Distrikte auf dem Festland sowie die beiden gleichgestellten autonomen Regionen:
Die 308
Municípios
, auch bekannter als Kreise oder im Vergleich zu den deutschen Landkreisen, verteilen sich über das ganze Land und bestehen aus einer oder mehreren
Freguesias
, welche auch als Gemeinden bekannt sind.
In Portugal gibt es 3.091 Freguesias, welche auch als Gemeinden bekannt sind, die durch eine oder mehrere Gemeinden einen Kreis, also
Município
, bilden.
Die
Portugiesischen Streitkräfte
portugiesisch
Forças Armadas Portuguesas
) unterstehen dem Verteidigungsministerium und bestehen aus den Teilstreitkräften
Der Präsident ist Oberkommandierender der Streitkräfte. Die bis 2003 herrschende allgemeine Wehrpflicht ist ausgesetzt. Portugal gab 2017 knapp 1,7 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 3,8 Milliarden Dollar für seine Streitkräfte aus.
77
Portugal ist Teil des
Europäischen Binnenmarkts
. Zusammen mit 20 anderen EU-Mitgliedstaaten (blau) bildet es eine Währungsunion, die
Eurozone
Seit seinem Beitritt zur
EG
im Jahre 1986 hat sich Portugal zu einer zunehmend diversifizierten, vor allem auf Dienstleistungen ausgerichteten Ökonomie entwickelt. Dienstleistungen sind mittlerweile für etwa zwei Drittel des
BIP
verantwortlich. Wie in anderen Staaten Europas wurden weit reichende
Privatisierungen
durchgeführt und die Staatsausgaben reduziert. Im Jahre 1998 hat sich Portugal für den Beitritt zur
Europäischen Währungsunion
qualifiziert und führte wie elf andere Staaten am 1. Januar 2002 den
Euro
als Zahlungsmittel ein und löste damit den
Portugiesischen Escudo
ab.
Nach
Einführung des Euro
(1999) sanken die realen Zinsen. Das Wirtschaftswachstum hat mit etwa 3,3
% jährlich jenes des EU-Durchschnitts in den Jahren bis zur
Weltwirtschaftskrise ab 2007
meist übertroffen. Große Kapitalzuflüsse trugen zu Jahren des Wirtschaftswachstums bei; gleichwohl sank die
Produktivität
. Die
Banken- und Finanzkrise seit 2008
hatte auch in Portugal Auswirkungen auf die Realwirtschaft (
Rezession
). Im Rahmen der ab 2010 folgenden
Eurokrise
wurde Portugal zu den besonders betroffenen
PIIGS
-Staaten gezählt. Die
EFSF
sagte Portugal im Mai 2011
Finanzhilfen in Höhe von 78 Milliarden Euro
zu. Danach erholte sich die wirtschaftliche Lage, und Portugal konnte unter Einhaltung aller Zahlungsverpflichtungen den Rettungsschirm 2014 bereits wieder verlassen,
78
die Arbeitslosenquote blieb zunächst aber relativ hoch (im April 2017 9,8 Prozent).
79
Das
Bruttoinlandsprodukt
(BIP) je Einwohner betrug 2016 16.900 Euro.
80
Ab dem Wahlsieg des neuen
sozialistischen
Premierministers
Costa
Ende 2015 und dem folgenden Ende der
Austeritätspolitik
verbesserte sich die wirtschaftliche Lage deutlich. Dank gestiegener Inlandsnachfrage, weiter gewachsenen Tourismuseinnahmen und anhaltend gesteigertem Export sank die Arbeitslosenquote bis 2019 auf 6,5 Prozent
81
und die Brutto-Staatsschulden auf 116,6 Prozent des BIP,
82
das 24.600 Euro pro Kopf erreichte (EU-Platz 18 von 28, EU-Schnitt 31.600 Euro).
83
Portugal ist immer noch das ärmste
Altmitglied
der
EU
: Das Pro-Kopf-BIP (in
Kaufkraftparitäten
) liegt bei etwa 78
% des Durchschnitts der EU-Länder vor der
Osterweiterung
, wobei es im Jahr 1985 noch etwa bei 50
% lag. Im Vergleich mit dem
BIP
der
EU
ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Portugal einen Index von 77 (EU-28:100) (2015).
84
Die Entwicklung im Land ist jedoch sehr unterschiedlich. Nimmt man nur den Großraum Lissabon, so liegt der Index hier mit über 100 inzwischen leicht über dem europäischen Durchschnitt (2014).
85
Im
Global Competitiveness Index
, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Portugal Platz 42 von 137 Ländern (Stand 2017–2018).
86
Der
Index für wirtschaftliche Freiheit
2024 des Landes war der 29 höchste von 176 Ländern.
87
Das Land führt eine
Wertpapierbörse
mit Namen
Euronext Lissabon
und dem zugehörigen Leitindex der Volkswirtschaft, dem
PSI
Entwicklung des
Bruttoinlandsprodukts
(BIP) und anderer Kennzahlen
Jahr
2010
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
2024
BIP in Mrd. USD
(Kaufkraftparität)
302,2
313,6
322,9
339,6
358,9
389,5
370,4
402,7
461,5
491,0
512,9
BIP pro Kopf in USD
(Kaufkraftparität)
28.587
30.207
31.181
32.844
34.725
37.616
35.663
38.691
44.079
46.419
48.014
BIP-Wachstum
(real)
1,7
1,6
2,0
3,3
2,9
2,7
−8,2
5,6
7,0
2,6
1,9
Inflation
(in Prozent)
1,4
0,5
0,6
1,6
1,2
0,3
−0,1
0,9
8,1
5,3
2,7
Staatsverschuldung
(in Prozent des BIP)
100
131
131
126
121
116
134
124
111
98
95
2013 hatten 24,6
% der Männer und 36,1
% der Frauen zwischen 30 und 34 Jahren einen Hochschulabschluss (zum Vergleich: NRW 28,3
% / 29,9
%). Zudem erfuhr die Infrastruktur im Land enorme Investitionen, auch mit Hilfe der EU. Als Ergebnis kann beispielhaft ein überdurchschnittlicher Ausbau der Glasfaseranschlüsse für schnelles Internet gelten (2012: 10,3
%, zum Vergleich: Deutschland 1,1
%),
89
auch ist das
Autobahnnetz Portugals
heute eines der dichtesten in Europa, und eine Unternehmensgründung ist online innerhalb eines Tages möglich.
90
Prämierte Entwicklungen wie die weitverbreiteten
Multibanco
-Bankautomaten oder das
Via-Verde
-Mautsystem können als Beispiele für die Innovationsfähigkeit im Land gelten. Nach einer Boomphase bis Anfang der 2000er Jahre geriet Portugal dann zunehmend in Wettbewerb mit den Niedriglohnländern Mittel- und Osteuropas, Asiens und Nordafrikas, worunter die Attraktivität Portugals für ausländische Direktinvestitionen litt. Diese steigen jedoch seit 2009 wieder deutlich an und betrugen 2012 über 57 Mrd. Euro.
91
Die Durchschnittslöhne in Portugal sind für westeuropäische Verhältnisse weiterhin niedrig und die Arbeitszeiten zum Teil wesentlich länger.
Im Februar 2022 lag die
Arbeitslosigkeit
in Portugal bei 5,8 Prozent.
92
Vor der Krise, 2008, hatte die Arbeitslosenquote bei 7,6 Prozent gelegen.
93
Bis zum Juni 2018 sank sie auf 6,7 Prozent ab und unterschritt damit das Vorkrisenniveau.
94
2014 arbeiteten 8,6
% aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, 23,9
% in der Industrie und 67,5
% im Dienstleistungssektor. Die Gesamtzahl der Beschäftigten wird für 2017 auf 5,23 Millionen geschätzt; davon sind 48,8
% Frauen.
95
Der Außenhandel wird zu etwa 80
% mit den EU-Partnern abgewickelt. Exportiert werden vor allem Bekleidung und Schuhe, Fahrzeuge, Maschinen, Chemieprodukte, Kork sowie Zellstoff und Papier. Importiert werden Maschinen, Fahrzeuge, Öl und Ölprodukte sowie Landwirtschaftsprodukte. Dabei hatte Portugal traditionell ein großes
Handelsbilanzdefizit
, konnte jedoch im Rahmen seiner wirtschaftlichen Anstrengungen, nach seiner tiefen Wirtschaftskrise nach der
Eurokrise
2010, seine Exporte deutlich steigern und weist etwa seit 2012 einen Handelsüberschuss aus, der tendenziell seither weiter ansteigt.
96
Das
Zahlungsbilanzdefizit
war dabei durch Einnahmen aus dem Tourismus und den
Rücküberweisungen
der Auslandsportugiesen auch früher nicht so hoch wie das Handelsbilanzdefizit.
Der Außenhandel hat für Portugals Wirtschaftspolitik seit 2010 eine gesteigerte Bedeutung gewonnen. Auch dank der Anstrengungen der staatlichen Außenhandelskammer
AICEP
und anderer Akteure erreichten die Exporte des Landes im Jahr 2018 den portugiesischen Rekordwert von 44,3
% des
BIP
97
die Planungen der Regierung unter dem
sozialistischen
Premierminister
Costa
zielten –
vor der im März 2020 auch in
Portugal ausgebrochenen COVID-19-Pandemie
– auf eine weitere Steigerung bis auf 50
% des BIP um das Jahr 2025 ab.
98
Auch als IT-Standort gewinnt Portugal zunehmend an Bedeutung. So siedeln sich nicht nur immer mehr
Start-up-Unternehmen
in Portugal an, mit dem Cluster der
LX Factory
in Lissabon als bekanntestem Beispiel, sondern auch internationale Konzerne verlagern ihre Entwicklungsabteilungen hierher, etwa nach
Oeiras
bei Lissabon, oder gründen
Joint Ventures
, darunter auch deutsche Unternehmen wie
BMW
99
Gründe sind das große Angebot an qualifizierten Absolventen, die gute IT-Infrastruktur und das vergleichsweise niedrige Lohnniveau.
100
Ausländische Investitionen kommen vor allem aus
Spanien
Deutschland
und
Großbritannien
. Zwischenzeitlich sorgten auch zunehmende Investitionen aus der ölreichen ehemaligen portugiesischen Kolonie
Angola
für Aufsehen, etwa der Kauf der Bank
Banco BIC Português
durch ein angolanisches Bankhaus oder die Investitionen von
Isabel dos Santos
u.
a. in portugiesische Medienunternehmen.
Zu den bedeutendsten ausländischen Investitionen in Portugal zählt das Automobil-Montagewerk
Autoeuropa
. Zu den wichtigsten international tätigen portugiesischen Unternehmen zählen
Energias de Portugal
, die
Portugal Telecom
, der besonders im Einzelhandel erfolgreiche Konzern
Jerónimo Martins
, und die
Sonae
-Gruppe, die beispielsweise das
Alexa Einkaufszentrum
am Berliner
Alexanderplatz
führt.
Entwicklung des Außenhandels (GTAI)
101
in Mrd. US-Dollar und seine Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozent
2019
2020
2021
Mrd. USD
% gg. Vj.
Mrd. USD
% gg. Vj.
Mrd. USD
% gg. Vj.
Einfuhr
89,5
−6,4
77,9
−13,0
97,6
+25,3
Ausfuhr
67,1
−9,5
61,5
−8,3
75,1
+22,1
Saldo
−22,5
−16,4
−22,5
Haupthandelspartner Portugals (2021), Quelle: GTAI
101
Export (in Prozent) nach
Import (in Prozent) von
Spanien
Spanien
26,7
Spanien
Spanien
32,8
Frankreich
Frankreich
13,1
Deutschland
Deutschland
12,5
Deutschland
Deutschland
11,0
Frankreich
Frankreich
6,7
Vereinigte Staaten
Vereinigte Staaten
5,5
Niederlande
Niederlande
5,4
Vereinigtes Konigreich
Vereinigtes Königreich
5,2
Italien
Italien
5,1
Italien
Italien
4,5
China Volksrepublik
Volksrepublik China
4,7
Niederlande
Niederlande
3,9
Belgien
Belgien
3,1
Vereinte Nationen
sonstige Staaten
30,0
Vereinte Nationen
sonstige Staaten
29,7
Windpark
in Portugal
Im Jahr 2024 wurden 71
% des portugiesischen Strombedarfs mit erneuerbaren Energien gedeckt.
102
103
Dabei lieferte Wasserkraft 28
% des Stroms in Portugal, Windenergie 27
%, Solarenergie 10
% und Biomasse 6
%.
102
103
10
% wurden aus Erdgas erhalten.
103
Gegenüber dem Jahr 2010 haben sich die Verhältnisse fast umgekehrt, damals wurden 37,4 Mrd.
kWh
(77
%) durch Wärmekraftwerke und 11,1 Mrd. (23
%) erneuerbar durch Wasserkraftwerke erhalten.
104
Windenergie
ist seit zwei Jahrzehnten ein sehr wichtiger Faktor in der
Elektrizitätsversorgung
. Ende 2025 waren in Portugal
Windkraftanlagen
mit einer
Nennleistung
von 5,99
GW
installiert.
105
2021 bis 2023 hatte Windkraft jeweils 26
106
107
108
und damit über ein Viertel des portugiesischen Strombedarfes geliefert. Schon 2014 waren 27
% erreicht worden, was weltweit der zweithöchste Wert war und nur von
Dänemark
mit 39,1
% übertroffen wurde.
109
Die Stromerzeugung aus
Photovoltaik
ist mit einer installierten Leistung von 5,67
GW (geschätzt für Ende 2024) noch nicht ganz so bedeutend, aber der Zubau hat 2024 mit 1,77
GW einen neuen Höchstwert erreicht.
110
Dazu kommt die
Bioenergie
mit 0,89
GW.
111
Ende 2008 wurde mit dem
Windpark Alto Minho
der zu diesem Zeitpunkt größte Onshore-Windpark Europas in Betrieb genommen.
112
Für Details zu Windkraftwerken siehe auch
Windenergie in Portugal
Bezogen auf den gesamten
Endenergiebedarf
(Strom, Wärme, Verkehr) lieferten erneuerbare Energien im Jahr 2018 30,3
113
der Energie (2013: 25,7
%), bis 2020 wollte Portugal diesen Anteil auf 31
% erhöhen.
114
Mitte 2021 stammten bereits fast zwei Drittel des erzeugten Stromes in Portugal aus regenerativen Quellen (15,08
Mrd.
kWh) und nur noch gut ein Drittel aus fossilen Quellen, ausschließlich Gas (7,68
Mrd.
kWh) und Steinkohle (0,22
Mrd.
kWh).
115
Bis Ende 2021 wurden die beiden letzten Kohlekraftwerke im Land abgeschaltet, wobei am Standort
Sines
zukünftig
grüner Wasserstoff
produziert wird, während am Standort
Pego
auch der zweite Block auf Gas umgestellt wird.
116
Korkeiche
in Portugal
Die Landwirtschaft Portugals ist eine der ineffizientesten in Europa; der Anteil der Landwirtschaft am BIP liegt bei etwa 5
%, jedoch sind mehr als 15
% der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt. Dies führte dazu, dass viele Betriebe aufgaben und fast die Hälfte der Nahrungsmittel importiert wird. Der Anbau von
Mandeln
befindet sich ebenso wie die
Korkeichenplantagen
(montados)
im
Alentejo
und im
Douro
-Tal in einer tiefen Krise. Zwar ist Portugal mit etwa 125.000 Tonnen und damit der Hälfte der weltweit geernteten Menge das bedeutendste Produktionsland für
Rohkork
118
Dennoch steht der Wirtschaftszweig etwa seit der Jahrtausendwende durch die zunehmende Popularität und internationale Herstellung von
synthetisch hergestellten Verschlussalternativen
für Weinflaschen stark unter Druck. Auch die Hoffnung zahlreicher Korkbauern
(tiradores)
, der portugiesische Kork sei zumindest für Weine im Hochpreissegment unersetzlich, hat sich nicht erfüllt, denn der Trend weg vom Naturprodukt hin zu kostengünstigeren Alternativen aus Kunststoff ist auch bei teuren Weinen zu beobachten.
119
Folge dieser Entwicklung sind zahlreiche Firmeninsolvenzen und Abwanderungen aus den Korkanbauregionen. Portugals Regierung und die Korkindustrie reagieren inzwischen auf die Entwicklung mit weltweiten „Green-Marketing“-Werbekampagnen, in denen
Winzer
wieder von der ökologischen Nachhaltigkeit des Naturprodukts Kork überzeugt werden sollen.
120
Daneben gewinnt Kork als vielseitig verwertbarer und sehr leichter Werkstoff mit seinen wasserabweisenden, hitze- und fäulnisresistenten, wärmedämmenden und schallisolierenden Eigenschaften als eine ökologische Alternative Bedeutung, etwa als Bodenbelag oder Dämmstoff. Kork findet auch in der Schuh- und Bekleidungsmode zunehmend Beachtung, auch als veganer Lederersatz.
121
Für die
Zellstoffindustrie
, einen wichtigen Wirtschaftsfaktor Portugals, werden große Flächen mit schnell wachsendem
Eukalyptus
als Rohstoff aufgeforstet. Dies ist aus ökologischen Gründen bedenklich, weil Eukalyptus den Boden auslaugt, den ursprünglichen Wald und damit die Tierwelt verdrängt, und die katastrophalen Waldbrände im Sommer begünstigt.
Ähnlich der Landwirtschaft kämpft die Fischerei mit Produktivitätsproblemen. Die portugiesische Fischereiflotte ist im Vergleich zur spanischen schwach entwickelt. Der meiste Fisch wird importiert.
Tourismus spielt eine wichtige Rolle in Portugals Wirtschaft; Strand bei
Portimão
Der
Tourismus
ist eine wichtige Einnahmequelle. Mit 17 Millionen Touristen pro Jahr (2015
122
) gehört Portugal zu den
meistbesuchten Ländern
der Welt, häufigste Reiseziele sind die
Algarve
und die Region um die Hauptstadt
Lissabon
Für etwa acht Prozent des BIP, mit steigender Tendenz, ist der Tourismus verantwortlich, wobei die meisten Besucher aus Spanien und Großbritannien kommen. Mit über 11,4 Millionen Touristen stand Portugal 2016 auf Platz 30 der meistbesuchten Länder der Welt.
123
Die
Algarve
ist dabei unangefochten das Zentrum.
15 Stätten
in Portugal zählen zum
Welterbe der UNESCO
, darunter zwei auf den
Azoren
und eine auf
Madeira
Zur internationalen Vermarktung des
Portweins
aus der ältesten Weinbau Region
Alto Douro
ab dem 17. Jahrhundert leisteten die drei deutschen
Kopke
Burmester
und Andresen einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des Portweins.
Die
Paläste
mit Parkanlagen bei
Sintra
und Portugals größte
Schloss-, Klosteranlage
in
Mafra
sind von den deutschen Baumeistern
von Eschwege
und
Ludwig
geplant worden.
Vor der Algarve,
Sétubal
und den Inselgruppen
Madeira
und Azoren gibt es Möglichkeiten, sowohl Delfine als auch Wale in freier Natur zu erleben.
Auf der Atlantikinsel Madeira begann der Tourismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts; die Insel war eines der bevorzugten Ziele wohlhabender britischer Reisender. Sie stiegen vor allem im Hotel
Reid’s Palace
ab, das der Schotte William Reid 1891 hatte bauen lassen.
2018 exportierte Portugal Waren und Dienstleistungen im Wert von 89,211 Mrd. Euro. Die Importe des gleichen Zeitraums beliefen sich auf 87,211 Mrd. Euro, so dass das Land einen
Handelsbilanzüberschuss
von 2 Milliarden Euro verbuchte.
124
Die wichtigsten Zielländer für portugiesische Exporte 2018 waren Spanien (25,27
%), Frankreich (12,27
%), Deutschland (11,48
%), Großbritannien (6,36
%), die USA (4,94
%), Italien (4,25
%), die Niederlande (3,81
%), Angola (2,60
%), Belgien (2,34
%) und Brasilien (1,46
%).
125
Die Importe Portugals stammten vor allem aus Spanien (31,43
%), Deutschland (13,85
%), Frankreich (7,63
%), Italien (5,32
%), den Niederlanden (5,20
%), China (3,14
%), Belgien (2,88
%), Großbritannien (2,51
%), den USA (1,8
%) und aus Russland (1,78
%).
126
Der
Staatshaushalt
umfasste im Jahr 2019 Einnahmen von 91,01 Mrd. Euro und Ausgaben von 90,6 Mrd. Euro, womit sich ein knapper
Haushaltsüberschuss
von etwa 600 Mio. Euro ergab.
127
Dies war ein Zeichen der positiven wirtschaftlichen Entwicklung und guten Haushaltspolitik Portugals, nachdem das Land lange Jahre meist ein Haushaltsdefizit vorwies. 2016 standen Haushaltsausgaben von 92,2 Mrd. Dollar noch Einnahmen von 87,2 Mrd. Dollar gegenüber, woraus sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,0 Mrd. Dollar beziehungsweise 2,4
% des
BIPs
ergab.
128
Die
Staatsverschuldung
betrug 2009 127,9
Mrd. Euro oder 76,1
% des BIP (laut folgender Tabelle 83,6
%), mittlerweile liegt sie bei über 100
% des BIP.
128
Am 6. April 2011 gab der Premierminister Portugals bekannt, dass das Land im Zuge der
Verschuldungskrisen von Eurozonen-Staaten
Finanzhilfen der Europäischen Union annehmen werde.
129
Seit 2014 benötigt das Land keine EU-Finanzhilfen mehr.
Im Jahr 2011 betrug die Neuverschuldung 4,2
% des BIP. Damit erfüllte Portugal die vorgeschriebenen Sparziele der EU von 5,9
% des BIP deutlich. Dies gelang aber nur durch zusätzliche Zahlungen aus Pensionsfonds (Übertragung der Pensionsfonds der staatlichen Sparkasse
CGD
zum Staatshaushalt), ansonsten hätte das Defizit bei 7,7
% gelegen.
Jahr
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
Staatsverschuldung
51,0
54,2
57,4
60,0
63,9
67,1
72,2
73,7
72,7
75,6
87,8
100,2
Haushaltssaldo
− 2,8
− 2,9
− 4,3
− 2,8
− 2,9
− 3,4
− 6,2
− 4,1
− 2,8
− 2,9
− 9,3
− 11,2
Jahr
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
Staatsverschuldung
114,4
129,0
131,4
132,9
131,2
131,5
126,1
121,5
116,2
135,2
127,4
Haushaltssaldo
− 4,8
− 6,2
− 5,1
− 7,4
− 4,4
− 1,9
− 3,0
− 0,3
+ 0,1
− 5,8
− 2,8
Quelle: Eurostat
130
131
Im
Logistics Performance Index
, der von der
Weltbank
erstellt wird und die Qualität der Infrastruktur misst, belegte Portugal 2018 den 23. Platz unter 160 Ländern.
132
Neue Brücke über den Mondego
Ponte Vasco da Gama
Das Straßennetz ist nicht zuletzt dank
EU
-Mitteln aus Förderungsfonds seit den 1980er Jahren schnell gewachsen und gut ausgebaut. Das gesamte Straßennetz umfasste 2008 etwa 82.900
km, wovon 71.294 km asphaltiert sind.
95
Die wichtigen Routen werden von
gebührenpflichtigen
Autoestradas
abgedeckt. Diese erreichen insgesamt eine Länge von 1100
km und werden größtenteils vom börsennotierten Unternehmen
Brisa
betrieben. Gebührenfrei sind hingegen
Itinerários Principais (IP)
oder
Itinerários Complementares (IC)
. Die Investitionen in den Straßenverkehr verdeutlichen sich nicht zuletzt in den Unfallstatistiken, 2008 starben in Portugals Straßenverkehr 83 Menschen pro 1
Million Einwohner nach 323 im Jahre 1991 (zum Vergleich 54 pro 1
Million in Deutschland 2008).
133
Der Fernverkehr mit Bussen hat in Portugal einen höheren Stellenwert als in Mitteleuropa. Das größte Linienbusunternehmen ist
Rede Expressos
Airbus A310 der
TAP Portugal
Die fünf wichtigsten
Flughäfen Portugals
sind
Lissabon
Porto
Faro
Ponta Delgada
und
Funchal
. Sie werden von mehreren Fluggesellschaften bedient, wobei die portugiesischen Linien
TAP Portugal
SATA Air Açores
und
Portugália Airlines
die meisten Verbindungen bieten. Im Jahr 2006 fertigten die portugiesischen Flughäfen insgesamt 22
Millionen Passagiere und 135.000 Tonnen Fracht ab. Es wurde erwartet, dass das Verkehrsaufkommen bis 2025 auf 46,8
Millionen Passagiere und 259.000 Tonnen Fracht steigen werde.
136
Angesichts der steigenden Passagierzahlen wurde 2008 entschieden, zusätzlich zu dem existierenden Flughafen Lissabons einen neuen kommerziellen Flughafen (
Novo Aeroporto Lisboa
) zu schaffen. Er sollte auf dem wenig benutzten Militärflughafen in
Montijo
erbaut werden. Dieser liegt am südlichen Ufer des
Tejo
. Ab 2022 sollte der Betrieb aufgenommen werden.
137
Der Baubeginn wurde mehrfach verschoben, 2024 untersagte die portugiesische Luftfahrtbehörde (Autoridade Nacional da Aviação Civil, ANAC) die Umnutzung des Flugplatzes, womit das Projekt faktisch beendet wurde.
Die wichtigsten Häfen Portugals befinden sich in
Aveiro
, Porto, Lissabon,
Sines
und
Setúbal
. Im Jahr 2007 kamen fast 70
% aller Importe über den Seeweg ins Land, während 41
% der Exporte über die Häfen abgewickelt wurden. Von den 58 Millionen Tonnen liefen 39
% über den Hafen von Sines. Die Häfen werden modernisiert und ihre Verkehrsanbindung verbessert, damit sie einen größeren Teil des spanischen Außenhandels abwickeln können.
138
Von den Flüssen sind der Douro
139
und der Tejo
140
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Luís de Camões
Portugal wird manchmal als
Land der Poeten
bezeichnet. In der portugiesischen Literatur hatte die
Poesie
immer stärkeren Einfluss als die
Prosa
. Im
Mittelalter
, als die portugiesische Nation entstand, war im Nordwesten der Iberischen Halbinsel die Poesie weit verbreitet. Es entstanden exzellente
epische
wie
lyrische
Werke. Während die bekanntesten klassischen Poeten
Luís de Camões
und
Fernando Pessoa
sind, gibt es eine Reihe weniger bekannter Künstler, die auf die moderne portugiesische Literatur bedeutenden Einfluss haben.
Die Prosa entwickelte sich später als die Poesie und prägte sich erst im 14. Jahrhundert in der Form von Chroniken oder der Beschreibung des Lebens von Heiligen heraus. Hier ist
Fernão Lopes
der berühmteste Vertreter; er verfasste eine Chronik der Regentschaften von drei Königen seiner Zeit. Für ihn waren Genauigkeit der Darstellung sowie eine lebhafte Schilderung am wichtigsten. International ist die portugiesische moderne Literatur am bekanntesten, besonders mit den Werken von
José Maria Eça de Queiroz
und dem
Nobelpreisträger für Literatur
1998,
José Saramago
Auch Frauen sind unter den bedeutenden zeitgenössischen Schriftstellern des Landes zu finden, hier zu nennen wären besonders
Sophia de Mello Breyner Andresen
Lídia Jorge
und
Agustina Bessa-Luís
. Unter den jungen Autoren konnte sich zuletzt
José Luís Peixoto
auch international einen Namen machen.
Maria de Medeiros
in Cannes
Die
Filmkunst
hat eine lange Tradition in Portugal. International genießt vor allem der anspruchsvolle
Autorenfilm
des Landes unter
Cineasten
einen guten Ruf, doch sind preisgekrönte Regisseure, wie
João Botelho
oder
João Canijo
, der breiten Bevölkerung, selbst in Portugal, eher wenig bekannt. Wird die
Filmwirtschaft
auch hier von den internationalen Großproduktionen und den
Multiplex-Kinos
bestimmt, so gibt es abseits davon aber noch immer eine rege
Filmklub
-Bewegung und eine Reihe verschiedener
Filmfestivals
im Land, die engagierte neue Regisseure wie die sehr unterschiedlichen
Miguel Gomes
Jorge Pelicano
oder
Fernando Fragata
hervorbringen, ebenso Schauspielernachwuchs mit Namen wie etwa
Ana Moreira
Diogo Infante
oder
Lúcia Moniz
Als bekanntester portugiesischer Regisseur ist hier
Manoel de Oliveira
(† 2. April 2015) zu nennen, der zudem mit über 100 Jahren (Jahrgang 1908) der älteste noch arbeitende Regisseur der Welt war, und der letzte lebende, der bereits zu
Stummfilmzeiten
drehte. Die bekanntesten Schauspieler sind
Maria de Medeiros
, die in
Pulp Fiction
die Filmpartnerin von
Bruce Willis
war, und
Joaquim de Almeida
mit seinen zahlreichen
Hollywood
-Rollen.
Die international bekannteste Musikform Portugals ist der
Fado
, der sehr melancholisch sein kann und zum
Klischee
der melancholischen Portugiesen (gegenüber den temperamentvollen Spaniern) beigetragen hat. Diese Musik geht eng einher mit
Saudade
(etwa:
Sehnsucht
143
und ist wahrscheinlich durch die Vermischung der Lieder von portugiesischen Seefahrern mit den Rhythmen afrikanischer Sklaven entstanden. Hierbei werden zwei Stilformen unterschieden, nämlich der variantenreichere, volksnahe Fado von
Lissabon
, und der akademische, nur von Männern gesungene Fado von
Coimbra
. Das international bekannteste Fadolied wurde
April in Portugal
, das in einigen hundert Versionen weltweit veröffentlicht wurde und von
Raul Ferrão
stammt, und zudem den Fado Coimbras mit dem Lissabons vereint.
Amália Rodrigues
war die bedeutendste Fado-Künstlerin, nach ihrem Tod sind mehrere Musiker aus ihrem Schatten getreten und bringen neue Formen des Fado hervor, die teils nur noch die
saudade
mit dem ursprünglichen Fado gemein haben, teils aber ganz bewusst an traditionellen Mustern des Fado festhalten. In den letzten Jahren hat die Zahl der Fado-Veröffentlichungen und seine öffentliche Präsenz wieder stärker zugenommen, durch Erfolge von jungen Sängern wie
Mariza
Camané
oder
Ana Moura
. In den früheren Kolonien Portugals hat sich der Fado ebenfalls verbreitet und sich zur
kapverdischen
Morna
einer
Cesária Évora
und zum
brasilianischen
Choro
weiterentwickelt. Zu den heute im deutschsprachigen Raum bekannten, vom Fado beeinflussten Gruppen zählt
Madredeus
mit der Sängerin
Teresa Salgueiro
Seit dem
Mittelalter
war die
Kirchenmusik
im Rahmen des starken portugiesischen Katholizismus sehr bedeutend in Portugal und erreichte ihren Höhepunkt in der
Renaissance
. Im Bereich der geistlichen Vokalpolyphonie hatte Portugal eine bemerkenswerte Generation portugiesischer Komponisten vorzuweisen, die im 16. und 17. Jahrhundert die Musikgeschichte von Portugal geprägt haben: Estêvão de Brito (c. 1575–1641), Filipe de Magalhães (c. 1571–1652),
Duarte Lobo
(1565–1646) und
Manuel Cardoso
(1566–1650). Diese sogenannte
Generation der Polifonisten von Évora
stellt die Glanzzeit der Kirchenmusik in Portugal dar. Von dem auf
Madeira
wirkenden Barockkomponisten
António Pereira da Costa
(um 1697–1770) stammen die einzigen bekannten
Concerti grossi
der portugiesischen Musikgeschichte.
Aus der
Barockzeit
existieren bedeutende Orgeln:
Barockorgel in der
Kathedrale von Faro
aus dem 18. Jahrhundert mit landestypischen
Spanischen Trompeten
Im Bereich der klassischen Musik hat Portugal keine international bedeutenden Komponisten vorzuweisen. Im 18. und 19. Jahrhundert waren es einzelne Komponisten wie
Carlos Seixas
João Domingos Bomtempo
José Vianna da Motta
oder
Luís de Freitas Branco
, die zwar für Portugal bedeutende Werke schrieben, jedoch keine nennenswerte internationale Aufmerksamkeit erreichten. Hingegen gehörte
Luísa Todi
La Todi
, 1753–1833) zu den europaweit berühmtesten Sängerinnen ihrer Zeit.
Im 20. Jahrhundert wurde die Tradition portugiesischer klassischer Musik von Komponisten wie
Emmanuel Nunes
António Victorino de Almeida
oder
Eurico Carrapatoso
fortgesetzt. Der Tenor
Lomelino Silva
erlangte in den 1920er und 1930er Jahren internationalen Ruhm, geriet danach jedoch in Vergessenheit.
Zum Ende des 20. Jahrhunderts konnte Portugal international bedeutende Komponisten vorweisen:
Emmanuel Nunes
, der unter anderem einen Lehrauftrag in Paris innehatte,
Jorge Peixinho
, den man als wichtigste Figur der zeitgenössischen Musik Portugals seiner Generation bezeichnen kann, und
Joao Pedro Oliveira
mit Lehraufträgen in Portugal und Brasilien.
Maria Joao Pires
Mário Laginha
Pedro Burmester
António Pinho Vargas
oder
Bernardo Sassetti
wurden sowohl in der Klassik als auch im Jazz bedeutende moderne Komponisten und Interpreten über die Landesgrenzen hinweg.
Der
Jazzclub
Hot Clube de Portugal
in Lissabon gilt als ältester noch bestehender Jazzclub Europas. Mit einer Reihe Jazzfestivals und zahlreichen Musikern ist die Jazzszene weiter lebendig im Land, mit Namen wie dem Trompeter
Sei Miguel
, dem Bassisten
Carlos Bica
, dem Gitarristen
Manuel Mota
, oder der bekannten Sängerin
Maria João
. Im
Free Jazz
und
neuer Improvisationsmusik
weist Portugal eine Reihe aktiver Musiker auf, etwa
Carlos Zingaro
Ernesto Rodrigues
Carlos Maria Trindade
oder
Vítor Rua
Der ehemalige Madredeus-Musiker
Rodrigo Leão
konnte sich mit seinen modern-klassischen Kompositionen im zeitgemäßen und doch traditionellen Gewand sowohl in seiner Heimat, als auch international einen Namen machen. Das Akkordeon-Quartett
Danças Ocultas
erhielt international ebenfalls einige Aufmerksamkeit. Auch gewann Portugal 2017 mit dem Sänger
Salvador Sobral
den
62. Eurovision Song Contest in Kiew
Aus der Zeit des faschistischen
Estado Novo
unter Salazar kommt eine kritische Liedermachertradition. Bekannteste Vertreter dieser Protestbewegung waren
José Afonso
(häufig
Zeca
genannt) und
Adriano Correia de Oliveira
, während Vertreter der Bewegung wie
José Mário Branco
und insbesondere
Sérgio Godinho
bis heute in der Musikszene aktiv sind. Von José Afonso stammt das Lied
Grândola, Vila Morena
, im Stile des
Cante Alentejano
gehalten, welches in der Nacht der Nelkenrevolution und darüber hinaus landesweit politische Symbolwirkung entfaltete. Wie seit 2011 schon der
Fado
steht seit 2014 auch der
Cante
auf der
Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit
der
UNESCO
Die musikalischen Traditionen der verschiedenen Regionen werden zudem immer wieder neu belebt und zeitgemäß interpretiert, oft auch durch die Vereinigung verschiedener Musikstile. Künstler wie
Trovante
Júlio Pereira
oder
Rão Kyao
, ein Komponist, Musiker und Sänger portugiesischer Musik und des Fado hat sich durch Aufnahme musikalischer Einflüsse aus indischer Musik (
Goa
, ehemalige portugiesische Kolonie), aus
Macau
(ehemalige portugiesische Kolonie), aus dem arabischen Raum und aus Nordafrika einen Namen gemacht.
Das
Popmusik
-Genre, das in den 1960er Jahren vor allem mit
Beatbands
wie
Quinteto Académico
Conjunto Académico João Paulo
und insbesondere den
Sheiks
in Portugal eingeführt wurde, konnte seit den 1980er Jahren neben der Rockmusik zur bestimmenden Musik der Jugend aufsteigen, mit Namen wie
Heróis do Mar
, den
Delfins
, oder dem früh verstorbenen, exzentrischen Sänger
António Variações
. Die Band
The Gift
hat in den letzten Jahren mit ihrem vielschichtigen Pop und ihrem Amália Rodrigues-Tribut-Projekt
Hoje
für vergleichbar viel Aufsehen unter Musikfreunden im Land gesorgt, ebenso
Silence 4
und ihr inzwischen solo auftretender Sänger
David Fonseca
. Die erste Eurodance-Gruppe Portugals, „
Santamaria
“, brachte auch Technobeats in die Diskotheken.
Über die Landesgrenzen hinaus konnte sich der Rock- und Blues-Sänger, Gitarrist und Komponist
Rui Veloso
einen Namen machen. Neben bekannten Gruppen wie
GNR
oder
UHF
sind die unbestritten populärste Rockband des Landes die 1978 als
Punkband
gegründeten
Xutos & Pontapés
, während
Moonspell
die international bekannteste
Metal
-Band aus Portugal ist. Aus Bands wie der als Psychobilly-Band begonnenen Gruppe
Tédio Boys
oder der Punkband
Censurados
sind einige der prägendsten Formationen der vielfältigen
Underground
- und
Independent
-Szenen im Land entstanden.
Mata-Ratos
sind die älteste, noch bestehende Band der
Punkszene Portugals
Jede Region Portugals besitzt ihren
Folklorestil
(Ranchos Folclóricos)
. Projekte wie die Popbands
Sétima Legião
oder
Sitiados
verbinden diese mit zeitgemäßen Popstilen. Die portugiesische Musik- und Tanztradition hat sich in
Brasilien
mit den Traditionen der
Sklaven
aus dem heutigen
Angola
zur
Samba
gemischt und ist in dieser Mischung ebenso in Portugal populär. Vor allem unter angolanischen Einwanderern ist der
Kuduro
beliebt. Hierbei handelt es sich um eine Musikrichtung, welche unter anderem Einflüsse des
Sungura
sowie des
Afro Zouk
beinhaltet. Der Rhythmus ist schnell und hart. Die verbreitete
Kizomba
ist eine Mischform aus dem angolanischen
Semba
und
Zouk
. Es handelt sich meist um romantische Lieder mit entsprechend langsamen Rhythmen. Populär sind diese beiden Musikrichtungen (jedoch die Kizomba im Besonderen) bei der jungen Generation afrikanischer Einwanderer. In den vergangenen Jahren wurde diese Musikrichtung unter Jugendlichen kulturell portugiesischer Herkunft verbreitet.
Zudem hat sich in Portugal der
Hip Hop Tuga
entwickelt, eine an Portugal adaptierte Version des
Hip-Hop
, die unter Jugendlichen populär ist. Bekannteste Vertreter wurden
Da Weasel
und
Sam the Kid
. Auch Reggae ist nach dem Erfolg der Gruppe
Kussondulola
in Portugal populärer geworden, mit heutigen Interpreten wie
Richie Campbell
Mercado Negro
oder
Freddy Locks
Im Bereich des Kunsttanzes ist Portugal seit Anfang der 1990er Jahre recht erfolgreich und gehört mit Russland zu den wichtigsten Ländern in Europa auf diesem Gebiet. Zahlreiche Tänzer sowie Choreographen konnten europaweiten oder weltweiten Ruhm erlangen:
Rui Horta
João Fiadeiro
Clara Andermatt
. Dabei werden oftmals moderne und innovative Formen eingesetzt, neue Stile entwickelt. An der Ausbildung junger Tänzer ist Portugal regelmäßig beteiligt. Die Tanzkultur in Portugal wird als
Nova Dança Portuguesa
bezeichnet.
In der Malerei und Bildhauerei erreichten portugiesische Künstler nie große Bekanntheit. Das lag an diversen Gründen: Zum einen gab es keine neuen, innovativen Techniken und Formen aus dem Land. Oft wurden viele Gemälde und Skulpturen zur Ehre Gottes nur für bestimmte Klöster oder Kirchen erschaffen, ohne dass die Namen der Künstler bekannt waren (die oftmals ihren Namen absichtlich nicht angaben). Daneben spielte die oft schwierige Aussprache portugiesischer Namen sowie die Zerstörung von Kunst durch das Erdbeben von 1755 und durch napoleonische Truppen Anfang des 19. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle. Dennoch hat auch Portugal viele Maler hervorgebracht. Die heutige Malerei ist an den Tendenzen moderner Malerei ausgerichtet.
Im Mittelalter und der Renaissance waren es oftmals ausländische Maler, die in Portugal wirkten, etwa aus Flandern, die aber keine berühmten Maler waren, sondern dort, weil sich durch die großen Meister ihres Landes verdrängt worden waren, dann in Portugal wirkten konnten. Bedeutende Namen aus dieser Zeit waren
Nuno Gonçalves
Gregorio Lopes
und
Grão Vasco
Barock, Rokoko und beginnendes 19. Jahrhundert wurde durch Maler wie
Domingos de Sequeira
Vieira Portuense
oder
Francisco Augusto Metrass
abgedeckt.
Im 20. Jahrhundert dann kamen viele Maler:
Paula Rego
Almada Negreiros
Mário Eloy
Santa Rita Pintor
Maria Helena Vieira da Silva
Amadeo de Souza-Cardoso
und viele andere.
Pastéis de Nata
Bacalhau
– das portugiesische Nationalgericht vor der Verarbeitung
Die portugiesische Küche ist mannigfaltig, sie folgt in mancher Hinsicht der iberischen Tradition, darüber hinaus nahm sie jedoch viele Elemente aus den kolonisierten Gebieten auf. Nach der maurischen Herrschaft über Portugal blieben auch viele nordafrikanische Einflüsse erhalten, dazu gehören der starke Gebrauch von Zucker, Zimt, Gewürzen und Eidotter.
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Als Nationalgericht Portugals gilt der
Bacalhau
. Bereits seit dem 13. Jahrhundert spielte diese Art Trocken- und Salzfisch in der Ernährung der Portugiesen eine bedeutende Rolle. Heute sagt man, dass es in der portugiesischen Küche ein Bacalhau-Rezept für jeden Tag des Jahres gibt.
Sardinen
, im 16. Jahrhundert das billigste Nahrungsmittel im Land, sind auch heute ein traditionelles Essen. So sind gegrillte Sardinen
Sardinhas Assadas
insbesondere im Sommer sehr populär.
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Zahlreiche weitere Gerichte wie
Caldeirada
Amêijoas à Bulhão Pato
Rissóis de Camarão
oder
Arroz de marisco
unterstreichen die Bedeutung von Fisch und anderen Meeresprodukten in der portugiesischen Küche.
Typisch sind außerdem Suppen wie
Caldo verde
, eine Grünkohl-Kartoffelsuppe aus dem portugiesischen Kohl
Couve-galega
, die typischerweise mit
Broa
Maisbrot
) und
Chouriço
serviert wird, oder die
Sopa alentejana
mit Brot, Ei,
Koriander
, Knoblauch und Olivenöl. Fleisch wurde im Mittelalter Portugals nur sehr wenig gegessen, trotzdem sind Würste
(enchidos)
verbreitet und es gibt einige berühmte Fleischgerichte wie
Cozido à portuguesa
oder das populäre Schnellgericht
Francesinha
Frango Assado
(Gegrilltes Hähnchen) insbesondere mit scharfem Piri-Piri gewürzt, ist heute ein weitverbreitetes Gericht, das aus den afrikanischen Kolonien nach Portugal kam. Außerdem gibt es eine lange Tradition in der Käserei, nennenswert sind
Queijo do Pico
Queijo Serra da Estrela
oder
Queijo de Azeitão
Süßspeisen nehmen in Portugal einen ganz bedeutenden Platz ein. Die berühmten
Pastéis de Nata
(Pastéis de Belém) sind eine Spezialität aus
Belém
und verbreiteten sich in den letzten Jahren über
Macau
in weite Teile Südostasiens. Einige der zahlreichen weiteren Süßspeisen sind die
Pastéis de Tentúgal
, die
Ovos moles de Aveiro
, oder auch der vor allem zu Weihnachten verbreitete
Bolo Rei
. Vor allem im Herbst werden traditionell geröstete
Maronen
an kleinen Straßenständen verkauft.
Für seinen Wein ist Portugal bekannt. Seit der
Römerzeit
wird Portugal mit dem Gott des Weines und der Feste,
Bacchus
Dionysos
, assoziiert. Einige portugiesische Weine gehören zu den besten der Welt. Eine bekannte Weinspezialität ist der spritzig-
moussierende
Vinho Verde
. Weltbekannt ist der
Portwein
, während von der Insel Madeira ein weiterer bekannter
Likörwein
aus Portugal stammt, der
Madeira
. Daneben gibt es auch einige einheimische Bierbrauereien.
Im Juni finden in ganz Portugal Feste zu Ehren der drei Volksheiligen
(Santos Populares)
statt. Diese drei Heiligen sind
Antonius
Johannes
und
Petrus
. Gefeiert wird mit Wein,
água-pé
Most
), traditionellem Brot mit Sardinen, Straßenumzügen und -tänzen, Hochzeiten, Feuer und Feuerwerk sowie viel guter Laune. Besonders bekannt sind die Straßenumzüge, die
Marchas Populares
, der Hauptstadt Lissabon, bei denen Tanzgruppen aus den historischen Stadtvierteln gegeneinander antreten.
Santo António
wird in der Nacht vom 12. auf den 13. Juni gefeiert, vor allem in Lissabon (wo dieser Heilige geboren wurde und lebte), wo eine Art Straßenkarneval
(Marchas Populares)
stattfindet. Zu diesen Tagen gibt es Hochzeiten, die
Casamentos de Santo António
. Der populärste Heilige ist
São João
(hl.
Johannes), für den am
Johannistag
vor allem in
Porto
und
Braga
gefeiert wird, wobei es
Sardinen
und
Caldo Verde
(eine traditionelle Suppe) gibt. Zu Ehren von
São Pedro
wird am 28. und 29. Juni gefeiert, besonders in
Póvoa de Varzim
und
Barcelos
, wobei diese Feste dem Meer gewidmet sind. Dabei gibt es Feuer
(fogeiras)
und einen Straßenkarneval.
Portugals Fußballer
Cristiano Ronaldo
im Nationaltrikot
Fußball
ist der am meisten ausgeübte Sport in Portugal. Der
portugiesische Fußball
hat Weltklassespieler wie
Eusébio
Nené
Paulo Sousa
Rui Costa
Nani
Cristiano Ronaldo
Vítor Baía
Deco
Fernando Meira
oder
Luís Figo
hervorgebracht. Im Jahr 2004 wurde die
Fußball-Europameisterschaft
in Portugal ausgetragen, bei der die
portugiesische Nationalmannschaft
nach
Griechenland
Vize-Europameister wurde. Das Erreichen des dritten Platzes bei der
WM 1966
war lange Zeit der größte Erfolg der portugiesischen Fußballgeschichte, bis zum Gewinn der
EM 2016
in Frankreich.
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Die höchste Spielklasse, die
Primeira Divisão
, wird von den drei bedeutendsten Vereinen
FC Porto
Sporting Lissabon
, und dem Rekordmeister
Benfica Lissabon
dominiert. Erster Gewinner des Landespokals
Taça de Portugal
wurde 1939
Académica Coimbra
, der ihn 2012 erneut gewinnen konnte, und dank seiner Rolle als oppositioneller Studentenverein der 1960er Jahre eine besondere Geschichte vorweisen kann. Weitere Traditionsvereine sind
Belenenses Lissabon
Boavista Porto
und
Vitória Setúbal
. Neben Fußball sind noch
Futsal
und
Strandfußball
verbreitet, und Portugal hat dort Erfolge zu verzeichnen.
Ganzjährig bieten die Küsten im Süden und Westen ideale Bedingungen zum
Wellenreiten
. Einige der besten Surfspots Europas ziehen Surfer aus aller Welt an, etwa in
Ericeira
, das weltweit dritte und Europas erstes Surfreservat. Unter den vielen weiteren Surfspots sind das traditionsreiche Seebad
Figueira da Foz
, der nahe Lissabon gelegene Strand
Praia do Guincho
, oder auch das frühere Fischerdorf
Nazaré
, das für seine
besonders große Welle
bekannt ist. Seit dem Jahr 2010 ist Portugal einer der offiziellen Stopps der
WSL Championship Tour
. Jedes Jahr veranstaltet das Land den „MEO Rip Curl Pro Portugal“ am Supertubos-Strand in
Peniche
. Der beste portugiesische Surfer ist Frederico Morais. In der WSL Championship Tour erreichte er 2017 den 14. Platz in seinem Rookie-Jahr. Vasco Ribeiro gewann 2014 die Junioren-Weltmeisterschaft der Männer und Teresa Bonvalot gewann 2016 und 2017 die Junioren-Europameisterschaft der Frauen.
Segeln hat eine lange Tradition in Portugal. Bekannt dafür sind insbesondere die
Azoren
, etwa mit der
Les Sables–Les Açores–Les Sables
-Regatta oder dem international bekannten Treffpunkt, der Stadt
Horta
. Segelveranstaltungen finden zudem an der Algarve und im Großraum Lissabon statt. So fanden die
ISAF-Segel-Weltmeisterschaften 2007
in
Cascais
statt, das auch für seinen Yachthafen bekannt ist.
João Sousa
(2014)
Mit dem
ATP Estoril
(ab 1990) bei den Herren sowie den
WTA Oeiras
(1999–2014) bei den Damen finden in Portugal bekannte internationale Tennisturniere der höchsten Turnierserie statt. Ehemals ausgetragene Turniere waren die
ATP Porto
(1995–1996) bzw.
WTA Porto
(2001–2002). Darüber hinaus wurden und werden einige Turniere der
ATP Challenger Tour
in Portugal ausgetragen. Zuletzt war
João Sousa
aus
Guimarães
der vielversprechendste portugiesische Tennisspieler. Am 14. Juli 2014 erreichte er mit dem 35. Platz seine bisher beste Platzierung in der
Tennisweltrangliste
Für portugiesisches
Badminton
ist dagegen
Caldas da Rainha
der wichtigste Ort, etwa als häufiger Austragungsort für Turniere der
Portugal International
, und als Sitz des
portugiesischen Badmintonverbandes
. Als erfolgreichste Spielerin kann
Isabel Rocha
gelten, die in den 1960er und 1970er Jahren insgesamt 32 nationale Titel gewann. Als besonders erfolgreicher männlicher Spieler ist
José Bento
zu nennen. Er stammte aus Lourenço Marques, der heute
Maputo
genannten Hauptstadt der damaligen portugiesischen Kolonie
Mosambik
, und dominierte besonders während der 1970er-Jahre das Badminton in Portugal.
Heute
Mit 13 Landesmeisterschaften ist
Joaquim Durão
Rekordmeister im Schach. Erfolgreichste weibliche Spielerin ist
Catarina Leite
, während
Schachgroßmeister
Luís Galego
der aktuell bedeutendste Schachspieler Portugals sein dürfte.
Der
Portugiesische Schachverband
FPX
(Federação Portuguesa de Xadrez)
ist seit seiner Gründung 1927 Mitglied im Weltverband
FIDE
und organisiert die wichtigsten Turniere im Land, darunter den Landespokal
(Taça de Portugal)
und den dreigliedrigen Ligabetrieb für Vereine
(Campeonatos Nacionais por Equipa)
, mit der
Primeira Divisão
als oberster Spielklasse. Heute sind in Portugal über 100 Schachvereine und etwa 4.000 Spieler im FPX organisiert.
Geschichte
Schach wurde in Portugal im 14. und 15. Jahrhundert besonders populär. König
D.
João
I.
lobte das Schachspiel Anfang des 14. Jahrhunderts in seinem Buch
Livro de Montaria
als ausgezeichnetes militärisches Training, und
D.
João
II.
spielte gerne, vor allem auf Reisen.
1512 erschien in Rom das Italienisch verfasste, europaweit verbreitete Schachbuch
Libro da imparare giocare a scachi
des Portugiesen
Damiano de Odemira
. In
Pietro Carreras
im Jahr 1617 veröffentlichtem Werk
Il Gioco degli Scacchi
fand sich auch eine Liste der besten Schachspieler. Auf dem 32. Platz wurde dort der portugiesische König
D. Sebastião I.
aufgeführt, nach
Ruy López
und vor dem spanischen König
Philipp
II.
, der 1575 das erste internationale Schachturnier der Welt ausgerichtet hatte. Damiano de Odemira wurde auf dem 25. Platz gelistet, jedoch wurde er als Spanier aufgeführt, da Portugal 1580 durch Erbfolge an Spanien gefallen war (
Iberische Union
, bis 1640).
José Oliveira de Sousa
ist der erfolgreichste portugiesische
Dartspieler
. 2020 gewann er den
Grand Slam of Darts
, was den ersten Sieg eines Portugiesen bei einem Darts-Major-Turnier bedeutet.
Portugiesische Sportler sind international im
Beachvolleyball
und insbesondere im
Rollhockey
erfolgreich, wo sie mit Spanien im Wechsel Rekord-
Rollhockey-Weltmeister
sind. Traditionelle Sportarten Portugals wie das
Jogo do pau
sind dagegen international weitgehend unbekannt.
Rugby Union
erfreut sich ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Die
portugiesische Nationalmannschaft
qualifizierte sich
2007
erstmals für eine
Rugby-Union-Weltmeisterschaft
, bei dem Turnier in Frankreich landete man in der Gruppenphase jedoch auf dem letzten Platz;
2023
gelang erneut die Qualifikation, wobei ihnen in der Vorrunde jeweils ein Sieg und ein Unentschieden gelang. Portugal ist einer der Teilnehmer bei der
Rugby-Union-Europameisterschaft
und trifft dort auf andere aufstrebende Nationalmannschaften. Dabei gewann die Nationalmannschaft bislang zwei Titel:
2002–2004
und
2025/26
. Als Heimatstadion dient das
Estádio Universitário de Lisboa
in Lissabon.
Portugal richtete eine Vielzahl internationaler Sportveranstaltungen aus, neben der
Fußball-Europameisterschaft 2004
sind so verschiedene Turniere wie die
Handball-Europameisterschaft der Männer 1994
, die
Handball-Weltmeisterschaft 2003
oder die Spiele der
Portugiesischsprachigen Länder
, die
Jogos da Lusofonia 2009
zu nennen.
Inline-Speedskating
-Europameisterschaften fanden mehrmals in Portugal statt, so
1989
1995
2001
und
2007
Special Olympics Portugal
wurde 1987 gegründet und nahm mehrmals an
Special-Olympics-Weltspielen
teil.
Gebäude der alten
Bibliothek Joanina
der Universität von Coimbra
Portugal verfügt, ausgehend von mittelalterlichen und klösterlichen Sammlungen, über eine lange Bibliothekstradition. So entwickelten sich bis heute vielfältige Bibliothekstypen, wie wissenschaftliche Bibliotheken, Universitätsbibliotheken, öffentliche Bibliotheken, Bibliotheken der zentralen Verwaltung und Spezialbibliotheken. Die genaue Anzahl von Bibliotheken und der Gesamtbestand an Medien sind nicht bekannt (die LIB2-Studie von 1986 ermittelte 556 portugiesische Bibliotheken). Systematische und methodische Arbeiten zur Förderung des öffentlichen Bibliothekswesens und der Bibliothekswissenschaft begannen Ende des 19. Jahrhunderts.
In der Zeit des
Estado Novo
(1928–1974) waren die Bedeutung der Bibliotheken und die Bibliotheksarbeit selbst durch Zensur und Restriktionen stark eingeschränkt. Dadurch gibt es bis heute Defizite in der Entwicklung des Bildungs- und Bibliothekssystems. Die jahrzehntelange Diktatur begünstigte eine mangelnde Volksbildung und den Analphabetismus. Nach der
Nelkenrevolution
1974 kam es zur Demokratisierung im Bildungs- und Kulturbereich.
Gegen die mangelnde Volksbildung und den Analphabetismus wurde systematische Erwachsenenbildung und Leseförderung betrieben. Die besorgniserregende Situation der öffentlichen Bibliotheken hatte zahlreiche Initiativen und Neuregelungen innerhalb des Bibliothekswesens zur Folge, z.
B. 1983 das „Manifest des öffentlichen Lesens“. 1986 wurde dies durch eine Gesetzgebung zur Schaffung und Koordinierung eines Netzes des öffentlichen Lesens untermauert. Gleichzeitig kam es zur in Portugal erst relativ spät einsetzenden Automatisierung der Bibliotheksarbeit und zum Einsatz moderner Informationstechnik, zunächst in Universitätsbibliotheken und der
Nationalbibliothek
Biblioteca Nacional de Lisboa
“.
Letztere war die erste öffentliche Bibliothek, die 1796 als Königlich-öffentliche Hofbibliothek gegründet wurde. Sie betreibt z.
B. die nationale bibliographische Datenbank PORBASE. Diese enthält über 1 Million Titeleinträge, 800.000 Verfassereinträge von etwa 134 Bibliotheken und Dokumentationszentren und die Portugiesische Nationalbibliographie. Die
Nationalbibliothek
und vermutlich fast alle anderen Bibliotheken arbeiten mit dem Bibliothekssystem
CDS/ISIS
und dem Datenaustauschformat
UNIMARC
Eine Archivar- und Bibliothekar-Ausbildung ist über ein Studium an den staatlichen Universitäten Coimbra, Lissabon und Porto möglich. Einige zum Teil staatliche Institutionen übernehmen Koordinierungsaufgaben und unterstützen die Förderung des portugiesischen Buches und die Kooperation und Unterstützung von Bibliotheken.
Durch umfangreiche innovative Arbeiten der letzten Jahre hat das portugiesische Bibliothekswesen den Anschluss an europäische und internationale Standards geschafft. Noch existierende Defizite sollen durch Förderung des Lesens und der Bibliotheken und durch internationale Zusammenarbeit weiter abgebaut werden.
Eine komplette
Expresso
-Ausgabe aus dem Jahre 2006
Vier Hauptfernsehkanäle können im ganzen Land per Antenne empfangen werden:
RTP1
und
RTP2
, die vom staatlichen portugiesischen Rundfunk
Rádio e Televisão de Portugal
(RTP) betrieben werden, und die privaten Kanäle
SIC
(Grupo Sonae) und
TVI
(Media Capital, davon 32
% RTL Group). Das Programm wird bei diesen Sendern, außer dem kulturell ausgerichteten
RTP2
, besonders am Abend stark von brasilianischen und portugiesischen
Telenovelas
bestimmt; die Nachrichtensendungen sind mit meist ein bis zwei Stunden Dauer sehr lang und in hohem Maße auf das Tagesgeschehen in Portugal ausgerichtet. Fremdsprachige Spielfilme werden angesichts des kleinen Binnenmarktes selten synchronisiert, sondern mit
Untertiteln
gezeigt. Der Auslandssender
RTP Mundo
kann u.
a. auch in Mitteleuropa empfangen werden und zeigt eine Auswahl der vier Programme, während
RTP África
aus den
portugiesischsprachigen Ländern Afrikas
berichtet. Daneben gibt es eine Vielzahl von Kabelkanälen, zu nennen ist insbesondere
Sport TV
und brasilianische Sender. In Porto und Lissabon gibt es Lokalsender, zudem unterhält die RTP auf Madeira und den Azoren eigene Sendeanstalten.
Es gibt etwa 150 Radiostationen in Portugal. Die Sender der
RTP
, des katholischen
Rádio Renascença
und der
TSF
sind landesweit zu empfangen. Die RTP ist über
Kurzwelle
auch in Mitteleuropa zu hören, allerdings nur auf Portugiesisch.
Unter den zahlreichen Zeitungen, die in Portugal gedruckt werden, findet ein Konsolidierungs- und Konzentrationsprozess statt, bei dem viele der kleinen Blätter aufgeben müssen. Bedeutende täglich erscheinende Zeitungen sind der konservativ-liberale
Diário de Notícias
, der linksliberale
Público
(beide aus Lissabon) und das
Jornal de Notícias
aus Porto, dazu die
Boulevardzeitung
Correio da Manhã
. Wichtige Wochenzeitungen sind
Expresso
und
Sol
, auch das politische Wochenmagazin
Visão
und die Musikzeitung
Blitz
sind zu nennen.
Jornal de Letras
gehört zu den bedeutendsten Kulturzeitungen des Landes, während
Jornal de Negócios
und der
Diário Económico
die bedeutenden Wirtschaftszeitungen sind.
Destak
und
Metro
sind die wichtigsten
Gratiszeitungen
in Portugal.
Sehr große Auflagen haben Sportzeitungen, die täglich erscheinen und sich fast ausschließlich mit Fußball beschäftigen – die bedeutendsten sind
O Jogo
A Bola
und
Record
. Die Benfica Lissabon nahestehende
A Bola
ist die auflagenstärkste Zeitung in Portugal.
Die Betreiber der Seite
Football Leaks
sind Whistleblower aus Portugal.
Von Bedeutung sind auch die zahlreichen
Lokalzeitungen
. Unter den
Regionalzeitungen
sind
OMIRANTE
150
und der
Diário As Beiras
zu nennen.
Im Bereich der
Klatschpresse
sind die wöchentlich erscheinenden Magazine
Maria
und
Nova Gente
die auflagenstärksten. Die bedeutendste Parteizeitung ist der
Avante!
von der
Portugiesischen Kommunistischen Partei
Im Jahr 2023 nutzten 85,8 Prozent der Einwohner Portugals das Internet.
151
In Portugal sind gesetzlich elf fest verpflichtende
Feiertage
und ein optionaler,
de facto
aber auch fester Feiertag (
Karnevalsdienstag
) im Jahr festgelegt. Dazu kommt ein
kommunaler
Feiertag, der von jeder der 308 Kreisverwaltungen (
Municípios
) selbst festgelegt wird.
152
Anmerkung:
Jeder Kreis hat einen eigenen kommunalen Feiertag, oft für den
Heiligen Antonius
am 13. Juni (port.:
Santo António
), den Heiligen Johannes (
Johannistag
) am 24. Juni (port.:
São João
) oder den Heiligen Petrus (
Peter und Paul
) am 29. Juni (port.:
São Pedro
). Wenn der Kreis einen solchen Feiertag nicht hat, ist
Karneval
ein gesetzlicher Feiertag. Der Karneval wird wie ein normaler Feiertag behandelt, insbesondere Staatsbedienstete haben an diesem Tag normalerweise frei. Der erfolglose Versuch im Jahre 1995, diese Regelung abzuschaffen, kostete den damaligen Ministerpräsidenten
Cavaco Silva
viel Popularität. Daneben wurde zwischenzeitlich der 24. Juni als Feiertag diskutiert (Unabhängigkeit Portugals im Jahre 1128).