Rose Valland – Wikipedia
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Rose Valland (ca. 1930)
Rose Valland
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(eigentlich
Rosa Antonia Valland
, *
1. November
1898
in
Saint-Étienne-de-Saint-Geoirs
; †
18. September
1980
in
Ris-Orangis
) war
Kunsthistorikerin
französische Widerstandskämpferin
Capitaine
der französischen Armee und eine der meistdekorierten Frauen der französischen Geschichte.
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg hat sie maßgeblich zur Rettung und Rückführung von
durch die Nazis gestohlenen Kunstwerken
beigetragen.
Jugend und Ausbildung
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Rose Valland wurde am 1. November 1898 in Saint-Étienne-de-Saint-Geoirs, einem Dorf mit 2000 Einwohnern in der Ebene der
Bièvre
im französischen
Département Isère
, unter dem Namen Rosa Antonia Valland als einzige Tochter des
Stellmachers
und
Hufschmiedes
François Valland und Rosa Maria Viardin geboren. Im Jahre 1914 trat sie in die
École normale d’institutrices de Grenoble
(eine Bildungsanstalt für Lehrerinnen) ein, die sie im Jahre 1918 verließ. Sehr begabt im Zeichnen und von ihren Lehrern ermutigt ging sie an die
École nationale des beaux-arts
in Lyon, wo sie zahlreiche Preise erhielt.
Nach dem Abschluss wurde sie im Jahr 1922 an der
École nationale supérieure des beaux-arts
in Paris angenommen. Gleichzeitig besuchte sie die
École du Louvre
und
promovierte
über die Entwicklung der italienischen Kunst bis zu
Giotto
. Nachdem sie
Gabriel Millet
kennenlernte, widmete sie sich völlig der Kunstgeschichte. Sie belegte Kurse an der
École pratique des hautes études
, wo sie eine Arbeit mit dem Titel
Les fresques du XIIe siècle de la crypte d’Apullée en Vénétie
schrieb, gefolgt von Studien am
Collège de France
und am
Institut d’art et d’archéologie
der
Sorbonne
, wo sie die drei Abschlüsse in „Geschichte der modernen Kunst“, „Mittelalterlicher Archäologie“ und „Griechischer Archäologie“ erwarb, was ihr zusammen mit der Promotion an der École du Louvre die Spezialausbildung (
licence spéciale
) in „Kunstgeschichte und Archäologie“ bescheinigte. Sie reiste nach Italien und wahrscheinlich auch nach Deutschland, dessen Sprache sie sprach, ohne sie jemals in der Schulzeit gelernt zu haben.
1932 wurde Rose Valland ehrenamtliche Mitarbeiterin als
attachée bénévole
an der
Galerie du Jeu de Paume
einem Museum für ausländische Malerei und Skulpturen im
Tuileriengarten
in Paris. Sie sollte sich dort mit dem Katalog der Sammlungen des Museums befassen. Dann arbeitete sie an der Realisierung von etwa fünfzehn internationalen Ausstellungen und deren Katalogen. Sie schrieb zahlreiche Artikel in Kunstzeitschriften und Zeitungen. Sie arbeitete ehrenamtlich und ohne Titel bis ins Jahr 1941.
Deutsche Besatzungszeit
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Von Deutschland besetzte Gebiete in Frankreich
(farbig) 1940–1944, (grün: italienische Zone)
Mit der Kriegserklärung Frankreichs im Jahr 1939 wurde Rose Valland
Konservatorin
des
Musée du Jeu de Paume
Während der
deutschen Besatzung
begann in Frankreich unter dem „Sonderstab Bildende Kunst“ des „
Instituts zur Erforschung der Judenfrage
“ des „
Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg für die Besetzten Gebiete
“ (ERR) unter
Alfred Rosenberg
eine systematische Plünderung der Werke von Museen und privaten Sammlungen, hauptsächlich jener, die deportierten oder geflohenen Juden gehörten. Das Musée du Jeu de Paume diente als zentrales Depot, bevor die Werke auf verschiedene Orte und an hohe Persönlichkeiten in Deutschland verteilt wurden.
Während der nationalsozialistischen Plünderung begann Rose Valland, insgeheim so weit wie möglich die Werke zu registrieren, die das Musée du Jeu de Paume durchliefen. Während vier Jahren behielt sie diese Bewegungen im Auge und führte gewissenhaft Buch darüber, woher die Werke kamen, wohin sie transportiert wurden, für welchen Nazi-Würdenträger sie bestimmt waren usw. Dabei benutzte sie auch weggeworfene Notizen aus den Mülleimern des Museums und hörte die Unterhaltungen der nationalsozialistischen Amtspersonen ab. Sie riskierte ihr Leben, indem sie Informationen an den
Widerstand
lieferte. Dabei informierte sie die Résistance auch über die Züge, die die geraubten Bilder abtransportieren sollten. So konnte beispielsweise durch Sabotage verhindert werden, dass im Sommer 1944 die letzten Züge des ERR mit Raubgut nach Deutschland gelangten. Das Musée du Jeu de Paume wurde von hohen nationalsozialistischen Würdenträgern besucht, und Rose Valland war sogar einmal anwesend, als Reichsmarschall
Hermann Göring
bei einem seiner zahlreichen Besuche gestohlene Gemälde persönlich für seine eigene Sammlung auswählte.
Von Herbst 1944 an informierte sie die Amerikaner, um die Bombardierungen der Standorte der nach Deutschland verbrachten bedeutendsten Werke zu vermeiden und um ihre Wiedergewinnung zu vereinfachen. Unter den ersten Amerikanern, die nach der Kapitulation nach Paris kamen, war Leutnant
James Rorimer
von der Kunstschutzabteilung der US-Army, der
Monuments, Fine Arts, and Archives Section
. Sofort machten sich Rose Valland und Rorimer daran, den Kunstraub aufzuklären, und durchsuchten die Büros des ERR und auch die Wohnungen der Kunsträuber. Rorimer beschrieb die Arbeit von Rose Valland in seinem Buch
Survival.
Nachkriegszeit und Rückführung der Werke
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In der Folge der Befreiung von Paris durch die verbündeten Truppen arbeitete Rose Valland als Mitglied der
Commission de récupération artistique
(„Kommission zur Rückführung der Kunst[werke]“). Sie ging in die französisch besetzte Zone und wurde Mitarbeiterin in der 1.
französischen Armee (
officier Beaux-arts
). 1947 erhielt sie einen zentralen Posten in der
Kommission
in Deutschland und arbeitete in allen Besatzungszonen, einschließlich der sowjetischen Zone. Sie nahm an den
Nürnberger Prozessen
als Zeugin teil. Sie trug zur Rückführung der gestohlenen Werke bei, leistete aber auch Hilfe beim Wiederaufbau der deutschen Museen.
Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich im Jahre 1953 wurde sie „Leiterin des Dienstes des Schutzes von Kunstwerken“ (
chef du service de protection des œuvres d’art
). 1955 wurde Rose Valland zur Konservatorin der Nationalmuseen ernannt.
Alter
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1961 veröffentlichte sie ihre Erfahrungen in dem Buch
Le Front de l’art
(neu aufgelegt 1997). Rose Valland ging 1968 in Pension, hat aber weiterhin an der Rückgabe der Werke für die französischen Archive gearbeitet.
Sie starb 1980 im Alter von 81 Jahren in relativer Einsamkeit in
Ris-Orangis
im
Arrondissement Évry
, etwa 23
Kilometer südlich von Paris.
Ehrungen
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Gedenktafel an der
Galerie nationale du Jeu de Paume
Rose Valland wurde in ihrem Geburtsort Saint-Étienne-de-Saint-Geoirs begraben, wo ein Collège ihren Namen trägt. Am 25.
April 2005 enthüllte der französische Kulturminister
Renaud Donnedieu de Vabres
eine Gedenkplatte für sie an der Fassade der
Galerie nationale du Jeu de Paume
Rose Valland erhielt für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen. Die französische Regierung ernannte sie zum Mitglied der
Ehrenlegion
, verlieh ihr den
Ordre des Arts et des Lettres
und die
Médaille de la Résistance
. Von den Vereinigten Staaten wurde ihr die
Medal of Freedom
verliehen. Die Bundesrepublik zeichnete sie 1972 mit dem
Bundesverdienstkreuz I. Klasse
aus.
Darstellung im Film
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Auf ihrem o.
g. Buch basiert der Film
Der Zug
von
John Frankenheimer
von 1964. Die von Rose Valland inspirierte Persönlichkeit von Frau Villard wird dort von
Suzanne Flon
gespielt.
Im Februar 2014 kam der nach dem Buch von
Robert M. Edsel
gedrehte Film
Monuments Men – Ungewöhnliche Helden
unter der Regie von
George Clooney
in die Kinos. Die Filmfiguren orientieren sich an den wahren
Monuments Men
, wurden jedoch aus künstlerischer Freiheit umbenannt. Die Filmfigur der
Claire Simone
, gespielt von
Cate Blanchett
, basiert auf Rose Valland.
Werke
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Le Front de l’art 1939–1945
. éditions Plon, 1961.
(Neuauflage:
Réunion des musées nationaux
. 1997.
The art front: the defense of French collections 1939-1945
, translated from the French by Ophélie Jouan
; edited by Robert M. Edsel and Casey L. Shelton, Dallas
: Laurel, 2024,
ISBN 978-0-9774349-3-0
Siehe auch
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Frauen in der Résistance
Literatur
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Fachliteratur:
Emmanuelle Polack
Philippe Dagen
Les carnets de Rose Valland
: Le pillage des collections privées d’œuvres d’art en France durant la Seconde Guerre Mondiale
. Fage Éditions, 2011
Sophie Coeuré
La Mémoire spoliée. Les archives des Français, butin de guerre nazi puis soviétique
. Payot, Paris 2007,
ISBN 978-2-228-90148-2
Michel Rayssac
L’exode des musées. Histoire des œuvres d’art sous l’occupation
. Payot, Paris 2007,
ISBN 978-2-228-90172-7
Corinne Bouchoux
Rose Valland. Résistance au musée
. Geste, La Crèche 2006,
ISBN 2-84561-236-2
Anja Heuss
Kunst- und Kulturgutraub. Eine vergleichende Studie zur Besatzungspolitik der Nationalsozialisten in Frankreich und der Sowjetunion
. Winter, Heidelberg 2000,
ISBN 3-8253-0994-0
Lynn H. Nicholas
Der Raub der Europa. Das Schicksal europäischer Kunstwerke im Dritten Reich
. Droemer Knaur, München 1997,
ISBN 3-426-77260-4
James Rorimer
Survival
. Abelard, New York 1950.
Belletristische Literatur:
Robert M. Edsel, Bret Witter:
Monuments Men – Die Jagd nach Hitlers Raubkunst
, Residenz Verlag, Wien 2013,
ISBN 978-3-7017-3304-0
. Englische Originalausgabe, London, New York 2009,
ISBN 978-1-59995-149-2
Bettina Wohlfarth,
Wagfalls Erbe
, Osburg Verlag, Roman 439 Seiten, 2019,
ISBN 978-3-95510-180-0
. Auf Französisch erschienen unter dem Titel
Le temps des faussaires
, Liana Levi, 2023, Roman 375 p. (
ISBN 979-10-349-0765-6
, als Taschenbuch
ISBN 979-10-349-0938-4
Biografie:
Jennifer Lesieur:
Rose Valland und die Liebe zur Kunst.
Elisabeth Sandmann Verlag 2024,
ISBN 978-3-945543-48-1
Weblinks
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Commons
: Rose Valland
– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Literatur von und über Rose Valland
im Katalog der
Deutschen Nationalbibliothek
Association „La mémoire de Rose Valland“
(französisch)
Rose Valland auf der Website der Universität von Angers
(französisch)
Rose Valland Institut
Renaud Donnedieu de Vabres:
Hommage an Rose Valland
, April 2005
(französisch)
Tanja Bernsau:
Cate Blanchett als französische Widerstandskämpferin “Rose Valland”
, 2013
Einzelnachweise
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James Rorimer:
Survival. The Salvage and Protection of Art in War.
New York 1950.
Stefanie Peter:
„Monuments Men“. Die Jäger der geraubten Nazi-Schätze
, cicero.de, abgerufen am 10. September 2013.
Tanja Bernsau:
Auch das ist Hollywood – Künstlerische Freiheit bei der Benennung der Protagonisten
, abgerufen am 19. Januar 2014.
Normdaten
(Person):
GND
123693136
lobid
GND Explorer
OGND
AKS
LCCN
n98108509
VIAF
7517498
Wikipedia-Personensuche
Personendaten
NAME
Valland, Rose
ALTERNATIVNAMEN
Valland, Rosa Antonia (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG
französische Kunsthistorikerin und Widerstandskämpferin
GEBURTSDATUM
1. November 1898
GEBURTSORT
Saint-Étienne-de-Saint-Geoirs
STERBEDATUM
18. September 1980
STERBEORT
Ris-Orangis
bei
Paris
Abgerufen von „
Kategorien
Kunsthistoriker
Résistancekämpfer
Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse
Mitglied der Ehrenlegion (Offizier)
Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur)
Träger der Medal of Freedom (1945)
Zeuge in den Nürnberger Prozessen
Kunstraub
Restitution von NS-Raubgut
Franzose
Geboren 1898
Gestorben 1980
Frau
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