Schloss Belvedere – Wikipedia
Zum Inhalt springen
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dieser Artikel befasst sich mit dem Schloss Belvedere in Wien; zu weiteren Schlössern gleichen Namens siehe
Belvedere
Oberes Belvedere, Ansicht vom Hof
Das
Schloss Belvedere
[bɛlveˈdeːɐ̯]
anhören
; von
italienisch
belvedere
schöne Aussicht
) war die
Sommerresidenz
des Prinzen
Eugen von Savoyen
in der
österreichischen
Hauptstadt
Wien
. Die
barocken
Einflügelanlagen
Unteres Belvedere
und
Oberes Belvedere
wurden 1712 bis 1723 von
Johann Lucas von Hildebrandt
erbaut. Hervorzuheben sind der Marmorsaal im Unteren Belvedere sowie die Sala terrena, die Prunkstiege und der Marmorsaal im Oberen Belvedere. Zum
Ensemble
gehört auch der
Garten
mit dem Muschelbrunnen, dem Kaskadenbrunnen und dem Teich. Seit 1955 dient das Schloss als Sitz der
Österreichischen Galerie Belvedere
Baugeschichte
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Unteres Belvedere
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Unteres Belvedere, Ansicht vom Garten
Portrait des Prinzen Eugen von Savoyen
Jacob van Schuppen
, 1718,
Rijksmuseum Amsterdam
Prinz Eugen hatte sich, beginnend 1697, in der
Himmelpfortgasse
in der ummauerten Stadt Wien von
Johann Bernhard Fischer von Erlach
sein
Stadtpalais
errichten lassen. 1702 wurde Johann Lucas von Hildebrandt vom Bauherrn beauftragt, das Palais fertigzustellen. Das Winterpalais war erst teilweise fertiggestellt, als Prinz Eugen 1714 Hildebrandt beauftragte, für ihn nunmehr zusätzlich ein Gartenpalais außerhalb der ummauerten Stadt zu errichten. Der Prinz hatte dazu ab 1697, unmittelbar neben einem seiner militärpolitischen Gegner,
Heinrich Franz von Mansfeld
, ein Grundstück angekauft. Mansfeld ließ sich von Hildebrandt ein Palais errichten, dessen Rohbau bis 1704 fertiggestellt war. Graf Mansfeld verstarb 1715, ohne sein Palais fertiggestellt zu haben. Sein Anwesen wurde von 1717 bis 1728 zum
Palais Schwarzenberg
ausgebaut.
Fürst Schwarzenberg
ließ diese Umgestaltung bzw. Fertigstellung nicht weiter von Hildebrandt betreuen, der nun für seinen Nachbarn Prinz Eugen tätig war, sondern beauftragte Eugens früheren Auftragnehmer Johann Bernhard Fischer von Erlach.
Ein 1694–1697 errichtetes Lustgebäude, das Prinz Eugen mit dem Grundstück erworben hatte, wurde von Hildebrandt 1712–1717
zum Unteren Belvedere umgebaut. Prinz Eugen pflegte dann im Sommer hier zu wohnen. Nur ganz wenige Räume waren als Wohnräume geplant; den größten Platz nahmen die
Orangerie
und der Prunkstall ein. Der
Marmorsaal
(nicht zu verwechseln mit dem auch so genannten Prunksaal im Oberen Belvedere) ist das Zentrum des
Unteren Belvederes
und diente ursprünglich dem repräsentativen Empfang von Gästen. Das Deckengemälde von
Martino Altomonte
zeigt Prinz Eugen als jugendlichen Helden und als
Apoll
umringt von Musen. Im Westen schließt das
Paradeschlafzimmer
und im Osten das
Tafelzimmer
an. Das Deckengemälde des
Paradeschlafzimmers
ist ebenfalls von Altomonte,
(Abend und Morgen)
, mit
Scheinarchitektur
von Marcantonio Chiarini und
Gaetano Fanti
. In einem westlichen Raum sind Groteskmalereien von
Jonas Drentwett
zu sehen. Die Steinmetzaufträge für das Untere Belvedere erhielten
Johann Georg Haresleben
und
Elias Hügel
aus
Kaisersteinbruch
Oberes Belvedere
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Oberes Belvedere, Ansicht vom Garten
Prunktor zum Teichhof
Das Obere Belvedere war ursprünglich nur als kleines Gebäude konzipiert, das den Garten optisch abschließen sollte. Nach weiteren Grundkäufen des Prinzen erweiterte Hildebrandt die Planung und baute es 1717–1723
im heutigen Umfang. Prinz Eugen wohnte weiterhin im Unteren Belvedere, während das Obere Belvedere der Repräsentation diente. Östlich des Oberen Belvederes wurde auch die Menagerie des Prinzen in einem halbkreisförmigen Areal (der Grundriss ist heute noch gut zu sehen) untergebracht, die nach Eugens Tod in den kaiserlichen
Tiergarten Schönbrunn
gelangte. Die Alleinerbin des Prinzen,
Anna Viktoria von Savoyen
, seit 1738 verehelichte Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, ließ das gesamte Inventar und die Bibliothek versteigern, sodass heute nichts mehr an die ursprüngliche Einrichtung erinnert. Das obere Schloss wurde in Kommunikation mit der umgebenden Natur 1721 bis 1723 gebaut. Ursprünglich gab es auch viel mehr offene Säle und Galerien. Vor der südlichen Eingangsseite befindet sich ein Teich, in dem sich das Schloss spiegelt. Das Gebäude löst sich in mehrere Blöcke auf („Pavillonsystem“), dadurch erhält die Silhouette einen sehr bewegten Eindruck. Jeder dieser Blöcke ist mit einer eigenen Dachkonstruktion versehen, wodurch mancher Beobachter schon an „Türkenzelte“ erinnert wurde. Die Gesamtanlage erhielt aufgrund ihrer Lage auf einem südlich der damaligen Stadt ansteigenden Hang den Namen Belvedere (
italienisch
belvedere
schöne Aussicht
). Eine Besonderheit ist die trotz Herkunft aus dem Italienischen, wo das e gesprochen wird, traditionelle österreichische Aussprache ohne Schluss-e durch französischen Einfluss.
Im Innern verfügt das Obere Belvedere über eine bedeutende Raumfolge, die den Besucher von der Sala terrena über die Prunkstiege zum Marmorsaal führt. Die
Sala terrena
im unteren Bereich war ursprünglich offen und als einheitlicher Saalraum konzipiert. Sie ist eine Kombination aus Gartensaal und Vestibül. Bald nach der Errichtung kam es zu baulichen Problemen, weshalb sie umgebaut und die Decke mit den heute noch existenten vier
Atlanten
abgestützt werden musste. Die Prunkstiege aus Zogelsdorfer Stein weist eine reiche Dekoration von Laub- und Bandelwerk kombiniert mit Kartuschen und Emblemen auf. Die Stufen sind aus Kaiserstein mit intensiven blauen Einschlüssen, die Bodenplatten beim Mittelabsatz sind aus Mannersdorfer Stein und die Putten aus
Savonnières
-Kalkstein. Diese sind mit (Theodor)
Friedl
bezeichnet, einem Bildhauer des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist, dass diese Stiege nach beiden Seiten hin offen war. Erst 1904, beim Umbau zur Residenz von
Thronfolger Franz Ferdinand
erhielt sie eine Abschließung in Form verglaster Türen und Fenster.
Der Marmorsaal in der
Beletage
ist das Zentrum des Baus sowie der größte und prachtvollste Raum des Oberen Belvederes. Er ist mit einem zentralen Deckengemälde von
Carlo Innocenzo Carlone
ausgeschmückt, während die Scheinarchitektur dem Quadraturisten Marcantonio Chiarini zugeschrieben wird. Sein Originalzustand hat sich bis heute weitgehend erhalten. Der Raum wird von
Adneter Marmor
(Lienbacher Stein) und auch von Kunstmarmor beherrscht. Hofsteinmetzmeister
Elias Hügel
leitete in Kaisersteinbruch die Arbeiten für diesen Auftrag, zum Gebäude kamen noch die Steinmetzarbeiten für die Brunnenanlagen mit der Kaskade im Garten hinzu. In Kameradschaft arbeiteten die Meister der Bruderschaft
Johann Paul Schilck
Johann Baptist Kral
Simon Sasslaber
Joseph Winkler
und
Franz Trumler
Um den Marmorsaal herum befanden sich Wohn- und Repräsentationsräume, in denen heute die Sammlungen „Barock“ sowie Jahrhundertwende (um 1900) und „
Wiener Secession
“ gezeigt werden. Hier waren auch Teile der legendären Bibliothek sowie der Gemäldesammlung des
Prinzen Eugen
untergebracht. In der Kapelle finden sich ebenfalls Fresken von Carlone, das Altarbild stammt von
Francesco Solimena
. Bei den verwendeten Steinen handelt es sich um
Sankt Margarethener Stein
, Eggenburger Stein (heute als
Zogelsdorfer Stein
bezeichnet), festen
Kaiserstein
aus Kaisersteinbruch,
Mannersdorfer Stein
oolithischer
Kalkstein (
Jura
) von
Savonnières
in
Lothringen
Adneter Kalkstein
(Lienbacher Stein) und auch
Kunstmarmor
. In der Sala terrena bestehen die Atlanten aus Zogelsdorfer Stein, die Sockel aus Kaiserstein.
Nachdem das Obere Belvedere während des Zweiten Weltkriegs durch Luftangriffe beschädigt worden war, wurde es im März 1950 durch einen Brand in der Goldenen Kammer im Obergeschoß weiter beschädigt. Mehrere Prunksäle wurden zerstört und nie wieder aufgebaut.
Eines davon, der Spiegelsaal, war 1926 Gegenstand eines detaillierten Gemäldes des Künstlers Josef Pögl (1867–1956), das sich heute in einer Privatsammlung befindet.
Sala terrena
Prunkstiege
Marmorsaal
Garten
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Blick über den Garten
Wien, vom Belvedere aus gesehen
Bernardo Bellotto
, gen. Canaletto, 1759,
Kunsthistorisches Museum Wien
Der Garten ist der älteste Teil der Anlage. Er wurde schon knapp nach dem Grundstückskauf um 1700 vom
Le-Nôtre
-Schüler
Dominique Girard
angelegt und war 1725 vollendet. Zum Gartenbau gehörte auch die wassertechnische Infrastruktur; Prinz Eugen hatte die Genehmigung erhalten, die kaiserliche Hofwasserleitung mitzubenützen und ließ zahlreiche Brunnen installieren. Die zwölf Brunnen wurden von 2005 bis 2010 restauriert, nachdem die Anlagen zwischen dem Oberen und Unteren Belvedere seit 1994 wegen hoher Wasserverluste nicht mehr betrieben werden konnten.
Seit 1780 ist die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich. Nach den
UNESCO
-Weltkulturerbeauflagen wird die Gartenanlage unter beträchtlichem Mitteleinsatz sukzessive restauriert, ebenso die große Fontäne.
Da das Obere Belvedere um etwa 23 Meter
höher liegt als das Untere, ist das Thema der
Skulpturen
der Aufstieg aus der
Unterwelt
in den
Olymp
. Zwischen den beiden Bereichen wurde eine
Freitreppe
gebaut. Der Garten ist in ein oberes, mittleres und unteres
Parterre
gegliedert. Seitlich des Unteren Belvederes liegt im Bereich der Orangerie der Kammergarten, der vom Rest des Gartens abgetrennt ist. In diesem Bereich wurde auf Anregung von
Friedrich Carl Emil von der Lühe
eine Abteilung ausschließlich „für die Pflanzen der österreichischen Monarchie“ angelegt. Diese stand unter der Leitung von
Nicolaus Thomas Host
(1761–1834); sie wurde schon 1827 als „etwas in Unordnung geraten“ beschrieben.
10
Die Niveauunterschiede werden von zwei skulptural reich ausgestatteten Brunnenanlagen markiert. Der obere der beiden wird als
Kaskadenbrunnen
bezeichnet. Er besteht aus zwei Becken, die durch eine fünfstufige
Kaskade
verbunden sind. Der untere wird
Muschelbrunnen
genannt, da in seiner Mitte
Tritonen
ein muschelbesetztes Becken halten. In allen drei Parterren sowie im Kammergarten befinden sich jeweils zwei kleinere Brunnen mit
Putti
und
Najaden
, wobei die im oberen Parterre und im Kammergarten rund, die vier anderen regelmäßig gegliedert sind. Zu den zwölf Brunnenanlagen werden zudem noch der Wandbrunnen an der Orangerie und der weitläufige
Teich
im davon abgeleiteten Teichhof südlich des Oberen Belvederes gezählt.
11
Während das obere Parterre in seiner skulpturalen Ausstattung von
Sphingen
bestimmt ist, gibt es im unteren Parterre ein kompliziertes Programm. An den seitlichen Alleen befinden sich Statuen von acht Musen, während die neunte,
Kalliope
, gemeinsam mit
Herkules
dargestellt ist. Dazu kommen noch Allegorien des Feuers, des Wassers und eine Darstellung von
Apoll
und
Daphne
. Geschaffen wurden diese Statuen von
Giovanni Stanetti
. Am Rand des mittleren Parterres befindet sich jeweils eine Rampe mit einer Balustrade, die von allegorischen Monatsdarstellungen in Form von Putti gesäumt wird. Sie wurden 1852 anstelle älterer Figuren geschaffen. Östlich des Oberen Belvederes befinden sich die Reste der halbkreisförmigen
Menagerie
. In der halbrunden Mauer befinden sich sieben Götterstatuen in Nischen.
Angrenzend an das Obere Belvedere befindet sich der Alpengarten. Mit rund 2.500 m
ist einer der ältesten Alpengärten in Europa und hat eine rund 150-jährige Geschichte. Die Sammlung, als
Alpinum
bezeichnet, geht auf
Erzherzog Johann
, den Bruder des
Kaisers Franz II.
, zurück. Sie wurde ursprünglich 1803 im
Schlosspark Schönbrunn
gegründet. 1865 legte man das Alpinum mit dem
Host’schen Garten
(Flora Austriaca), eine Sammlung von Pflanzen aus den
österreichischen Kronländern
im ehemaligen Küchengarten des Belvedere, zusammen.
12
13
Mit Kriegsende 1918 kam der Belvederegarten in den Besitz der Republik Österreich; er wird seitdem von den Bundesgärten verwaltet. 1930 übernahm die Universität Wien den Host’schen Garten und gliederte ihn in den
Botanischen Garten der Universität Wien
ein. Der Alpengarten verblieb beim Belvederegarten und somit unter der Verwaltung der Bundesgärten.
12
Muschelbrunnen
Kaskadenbrunnen
Teich
Nutzungsgeschichte
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Das Belvedere
Salomon Kleiner
, 1740
Der Kuss (Liebespaar)
Gustav Klimt
, 1908/1909,
Österreichische Galerie Belvedere
K. k. Lustschloss Belvedere
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Nach dem Tod des Prinzen 1736 kam das Schloss von seiner Erbin an das Kaiserhaus. Anna Viktoria verkaufte das gesamte Belvedereareal 1752 an Kaiserin
Maria Theresia
. Sie übertrug den ursprünglichen Privatkauf 1754 dem
k.k.
Ärar
, also dem Staatsvermögen, behielt aber ihrer Familie die Entscheidung über die Nutzung vor (
Hofärar
). Zur Zeit der Monarchie wurde die Anlage
k. k. Lustschloss Belvedere
genannt. Maria Theresias Sohn
Joseph II.
, damals Mitregent, ließ 1775–1777 die bis dahin in der
Stallburg
verwahrte kaiserliche Gemäldegalerie in das Obere Belvedere transferieren. 1806, als
Napoleon I.
in Tirol einzumarschieren drohte, wurde die so genannte
Ambraser Sammlung
der Habsburger aus Tirol im Unteren Belvedere untergebracht. Seit 1850 befindet sich die Schlossanlage im 3. Bezirk
Landstraße
. 1890 wurden die Kunstsammlungen aus dem Schloss Belvedere in das neu gegründete
k. k. Kunsthistorische Museum
verbracht.
Ein weiterer Bewohner des Belvedere war der Komponist
Anton Bruckner
. Da er in seinen letzten Lebensjahren mit Gehbehinderungen zu kämpfen hatte und keine Treppen steigen konnte, ermöglichte ihm Kaiser
Franz Joseph I.
1895, eine Wohnung im Belvedere zu beziehen. Es handelte sich um Räume im ebenerdigen Kustodentrakt südlich des Oberen Belvederes, dem sogenannten Kustodenstöckl in der Prinz-Eugen-Straße 27. Bruckner starb hier am 11. Oktober 1896.
14
Von 1894 bis zu seiner Ermordung 1914 wohnte Erzherzog und Thronfolger
Franz Ferdinand
mit seiner Familie im Oberen Belvedere. Er stellte über 18.000 ethnographische Objekte seiner Weltreise im Schloss aus. Im Unteren Belvedere unterhielt Franz Ferdinand seine Militärkanzlei, die mit seiner Ernennung zum
Generalinspektor der gesamten bewaffneten Macht
durch Kaiser Franz Joseph I. 1913 ihren Höhepunkt erreichte. Der letzte Kaiser
Karl I.
stellte 1916 keine Ansprüche bezüglich des Schlosses. Erst 1917 zog sein jüngerer Bruder Erzherzog
Maximilian Eugen
mit seiner Familie ins Belvedere ein.
15
Im Zuge dessen wurden sämtliche im Belvedere verbliebenen privaten Gegenstände der Familie Franz Ferdinands in ihr
Schloss Artstetten
gebracht und dort provisorisch deponiert. Deshalb sind sie 1918/1919 nicht, wie sämtliche Bestände in Franz Ferdinands
Schloss Konopischt
in Böhmen, enteignet worden und stellen einen Großteil des Bestandes des heutigen Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museums dar.
16
Im Jahr 1903 begann mit der Unterbringung der
Modernen Galerie
, ab 1912
Österreichische Staatsgalerie
, die durchgehende museale Nutzung des Schlosses Belvedere.
1918 bis 1945
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Am 12. November 1918 ging mit dem ehemaligen k. k. Hofärar auch das Schloss Belvedere in das Eigentum der an diesem Tag ausgerufenen
Republik
über. In der Zeit des
Ständestaats
wohnte der diktatorisch regierende Bundeskanzler
Kurt Schuschnigg
in einer Dienstwohnung im Oberen Belvedere, nach dem
„Anschluss“
an NS-Deutschland im März 1938 unter Hausarrest, von der
Gestapo
überwacht, bevor er verhaftet wurde. Während des
nationalsozialistischen Regimes
blieb ab dem 22. März 1938
17
die
Moderne Galerie
mit den Kunstwerken des 20. Jahrhunderts geschlossen. Die dort ausgestellten Kunstwerke wurden deponiert, wodurch der Bestand an sogenannten
„entarteten“ Werken
unangetastet blieb. Die
Galerie des 19. Jahrhunderts
und das
Barockmuseum
blieben zunächst geöffnet und wurden erst 1944 geschlossen, um die dortigen wertvollen Kunstsammlungen zu schützen. Das NS-Regime nutzte das
Obere Belvedere
für Konferenzen wie das
Wiener Diktat
vom 2. November 1938 und 30. August 1940 und Empfänge.
Österreichische Galerie Belvedere
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Seit 1955 wird das Schloss Belvedere von den
Bundesmuseen
für die
Österreichische Galerie Belvedere
genützt. Diese geht zurück auf die 1903 als
Moderne Galerie
gegründete und 1912 in
Österreichische Staatsgalerie
umbenannte Gemäldesammlung. Während im Oberen Belvedere die Ausstellungen
Mittelalter–Renaissance 1200–1600, Barock 1600–1800, Klassizismus–Biedermeier 1800–1865, Wien um 1900, Aufbruch in die Moderne 1900–1920, Avantgarden 1920er–1950er, Avantgarten 1960er & 1970er
präsentiert werden, zeigt das Untere Belvedere die Ausstellung
Schaudepot Mittelalter und Renaissance
. Darüber hinaus finden an beiden Standorten regelmäßige Wechselausstellungen statt.
Am 15. Mai 1955 fand im Marmorsaal des Oberen Belvedere die Unterzeichnung des
Österreichischen Staatsvertrags
statt, der dem Land die Souveränität zurückgab. Der Wochenschaubericht von der riesigen Menschenmenge, die im Belvederegarten auf das Erscheinen der Vertragsunterzeichner auf dem Balkon des Schlosses wartete und in Jubel ausbrach, als Außenminister
Leopold Figl
den unterzeichneten Vertrag in die Höhe hob, zählt zu den Ikonen der österreichischen Zeitgeschichte. Figls berühmte Worte „Österreich ist frei!“ fielen allerdings nicht auf dem Balkon, auf dem keine Lautsprecheranlage vorhanden war, sondern zuvor unmittelbar nach der Leistung der Unterschriften im Marmorsaal.
Rezeption
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Kunst
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Der venezianische Maler
Bernardo Bellotto
, genannt Canaletto, schuf 1759 bis 1760 das berühmte Gemälde
Wien, vom Belvedere aus gesehen
. Es wird auch
Canaletto-Blick
genannt und ist im
Kunsthistorischen Museum
ausgestellt.
Literatur
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Hugo von Hofmannsthal
schrieb:
„… der König von Frankreich, den er so oft besiegt hatte, verehrte ihm einen afrikanischen Löwen … endlich kamen drei Tage, wo der Löwe seinen Herrn nicht mehr sah, er verweigerte alles Fressen und lief unruhig im Käfig auf und nieder … gegen drei Uhr morgens stieß er ein solches Gebrüll aus, daß der Tierwärter hinauslief in die Menagerie um nachzusehen. Da sah er Lichter in allen Zimmern des Schlosses, zugleich hörte er in der Kapelle das Sterbeglöcklein und so wußte er, daß sein Herr, der große Prinz Eugen, zu eben dieser Stunde gestorben war.“
Prinz Eugen der edle Ritter, sein Leben in Bildern.
Erzählt von Hugo von Hofmannsthal und
Franz Wacik
18
Film
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Belvedere Wien
(=
Museums-Check
Folge 9). Reportage, 30 Min., Moderation:
Markus Brock
, Produktion:
3sat
. Erstausstrahlung: 22. Mai 2011.
19
Das Schloss und die Gärten wurden auch als Filmkulisse verwendet:
Prinzessin Olympia
“ mit
Sophia Loren
, 1960
Eine dunkle Begierde
“ mit
Viggo Mortensen
, Regie
David Cronenberg
, 2011
Siehe auch
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Stadtpalais des Prinzen Eugen
Literatur
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
alphabetisch geordnet
Maria Auböck, Ingrid Gregor:
Das Belvedere. Der Garten des Prinzen Eugen in Wien.
Holzhausen 2004,
ISBN 3-85493-070-4
Hans Aurenhammer, Gertrude Aurenhammer:
Das Belvedere in Wien. Bauwerk, Menschen, Geschichte.
ISBN 3-7031-0222-5
Helmuth Furch
Steinkundliche Begehung mit Andreas Rohatsch, TU Wien, Ingenieurgeologie, Belvedere, usw.
In:
Mitteilungen des Museums- und Kulturvereins Kaisersteinbruch.
Nr.
54, Juni 1999, S. 21–33.
Helmuth Furch:
Kaiserstein in Wiener Bauten, 300 Beispiele.
In:
Mitteilungen des Museums- und Kulturvereins Kaisersteinbruch.
Nr.
59, Dezember 2000.
Claudia Gröschel:
Ausländische Thiere und frembde Gewächse. Menagerie und Orangerie des Prinzen Eugen von Savoyen in seinem Sommerpalais am Rennweg in Wien
. In:
Die Gartenkunst
Jahrgang
20, Nr.
2, 2008,
ISSN
0935-0519
, S.
335–354.
Heiko Laß, Maja Schmidt:
Belvedere und Dornburg.
Imhof, Petersberg 1999,
ISBN 3-932526-45-7
Helmut Nemec:
Belvedere. Schloss und Park des Prinzen Eugen.
ISBN 3-210-24871-0
Ulrike Seeger
, Gerbert Frodl:
Das Sommerpalais des Prinzen Eugen Belvedere.
Brandstätter, Wien 2007,
ISBN 3-902510-97-8
Ulrike Seeger:
Stadtpalais und Belvedere des Prinzen Eugen. Entstehung, Gestalt, Funktion und Bedeutung.
Böhlau, Wien 2004,
ISBN 978-3-205-77190-6
doi:10.26530/oapen_574810
Stefan Schmidt:
Parkpflegewerk
Belvedere-Garten in Wien.
In:
Die Gartenkunst.
Jahrgang
4, Nr.
2, 1992,
ISSN
0935-0519
, S.
168–186.
Peter Stephan:
Das Obere Belvedere in Wien. Architektonisches Konzept und Ikonographie. Das Schloss des Prinzen Eugen als Abbild seines Selbstverständnisses.
Böhlau, Wien 2010,
ISBN 978-3-205-77785-4
Peter Stephan:
Prinz Eugens „Wunderwürdiges Kriegs- und Siegslager“. Das Obere Belvedere in seiner ursprünglichen Gestalt.
Freiburg 2000 (
PDF
; 12,4
MB).
Prinz Eugen und sein Belvedere.
Mitteilungen der Österreichischen Galerie (Sonderheft), Wien 1963.
Weblinks
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Commons
: Schloss Belvedere
– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Österreichische Galerie Belvedere
Architekturprospekt des Salomon Kleiner, 1731-1740
Belvedere bei Google Cultural Institute
Wien – Unteres und Oberes Belvedere.
In:
burgen-austria.com.
Martin Hammerl
abgerufen am 1.
Januar 1900
Archivversion
Mythologie im Belvedere: Apoll
und
Venus und ihr Sohn Aeneas
Schloss Belvedere
im
Austria-Forum
Belvedere Museum auf Facebook
Einzelnachweise
Bearbeiten
Quelltext bearbeiten
Geschichte und Architektur
Helmuth Furch: In:
Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch.
Die Familie Haresleben
. Nr. 3, 1990, S. 6–13.
Hans Georg Haresleben, Heiligenkreuzer Untertan und Steinmetzmeister in Steinbruch.
Nr. 36, 1995, S. 10–40.
Andreas Rohatsch
Leithakalk aus Kaisersteinbruch, Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse. Verwendungsbeispiele Schloss Neugebäude, Unteres Belvedere.
In: Elfriede Iby (Hrsg.)
Schloss Schönbrunn: Zur frühen Baugeschichte
(=
Wissenschaftliche Reihe Schönbrunn,
Bd.
2). 1996, S.
41.
Geschichte und Architektur
vgl. BMBF:
Österreichisches Wörterbuch.
Österreichischer Bundesverlag, 42. Auflage, Wien 2012,
ISBN 978-3-209-06884-2
, S. 106.
Verwaltungsarchiv,
Stadterweiterungsfonds
Peter Tölzer:
Scalalogia Schriften zur internationalen Treppenforschung, Treppen in Wien.
1990, S.
102.
Erwin Hainisch:
Baugedanken des Oberen Belvedere-Schlosses in Wien.
Rohrer, Wien 1954, S. 205-211, 27.
Generalsanierung der Brunnenanlagen.
(PDF)
Burghauptmannschaft Österreich
abgerufen am 6.
April 2014
Joseph August Schultes
Donau-Fahrten: Handbuch für Reisende auf der Donau. 2
. Doll, 1827 (
google.com
abgerufen am 26.
Oktober 2022
).
Seeger 2004, S. 171
Alpengarten, Österreichische Bundesgärten.
Abgerufen am 26.
Oktober 2022
Belvedere Museum Wien
Alpengarten.
Abgerufen am 26.
Oktober 2022
Sterbehaus von Anton Bruckner, 1926.
In:
timelineimages
(Bilderforum der
SZ
), abgerufen am 23. September 2018.
Wladimir Aichelburg:
Der Thronfolger und die Architektur. Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este als Bauherr.
(anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museum, Artstetten erschienen) Neuer Wiss.-Verlag, Wien / Graz 2003,
ISBN 3-7083-0125-0
, S.
?.
Gründung 1982 durch den Franzosen Graf Romée de La Poëze d’Harambure mit Hilfe des Historikers Wladimir Aichelburg betreffend das private Leben in Schloss Belvedere. Orag,
ISBN 3-7015-0010-X
ANNO, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1938-03-22, Seite 14.
Abgerufen am 7.
September 2024
Prinz Eugen der edle Ritter, sein Leben in Bildern.
Erzählt von Hugo von Hofmannsthal und Franz Wacik. Verlag Seidel und Sohn, Wien 1913.
Belvedere Wien (= Museums-Check. Folge 9).
In:
Fernsehserien.de.
Abgerufen am 11.
Januar 2025
k.k./k.u.k.
Residenzen
Wien:
Palais Augarten
Belvedere
Hermesvilla
Hofburg
Palais Erzherzog Albrecht
Palais Erzherzog Carl
Palais Erzherzog Carl Ludwig
Palais Erzherzog Ludwig Viktor
Palais Erzherzog Rainer
Palais Erzherzog Wilhelm
Neue Favorita
Schloss Kaiserebersdorf
Palais Modena
Schloss Neugebäude
Schloss Schönbrunn
Schloss Wilhelminenberg
Stallburg
Palais Toskana
Prater
Österr.
Reichshälfte
(Cisleithanien):
Kaiserhaus (Baden)
Schloss Artstetten
Schloss Ambras
Schloss Halbturn
Schloss Hellbrunn
Schloss Hernstein
Schloss Hetzendorf
Schloss Hof
Schloss Eckartsau
Burg am Grazer Schloßberg
Grazer Burg
Innsbrucker
Hofburg
Kaiservilla Bad Ischl
Palais Meran
Schloss Kleßheim
Schloss Konopiště
Schlösser von Laxenburg
Linzer Schloss
Schloss Mayerling
Schloss Mirabell
Schloss Miramare
Jagdschloss Mürzsteg
Schloss
Ort
(OÖ)
Schloss
Orth
(NÖ)
Schloss Persenbeug
Prager Burg
Villa Wartholz
Wawel-Schloss
Schloss
Weilburg
Burg
Wiener
Neustadt
Schloss Zákupy
Ungar.
Reichshälfte
(Transleithanien):
Burgpalast
Pressburger
Burg
Palais Grassalkovich
Schloss Alcsút
Schloss Gödöllő
Schloss Topoľčianky
Weitere
Länder:
Königlicher
Palast
Mailand
Prokuratien
Königliche Villa von Monza
Im
Ausland:
Achilleion
Son Marroig
Burgen, Schlösser und Festungen in
Wien
Burgen:
Hofburg
Burg am Leopoldsberg
Schlösser:
Schloss Alterlaa
Schloss Altmannsdorf
Schloss Belvedere
Schloss Essling
Erzbischöfliches Schloss Ober Sankt Veit
Geymüllerschlössel
Hackinger Schlösschen
Hermesvilla
Schloss Hernals
Schloss Hetzendorf
Schloss Hirschstetten
Hofmannsthal-Schlössl
Schloss Hundsturm
Schloss Inzersdorf
Schloss Kaiserebersdorf
Schloss Laudon
Schloss Liesing
Schloss Margareten
Maria-Theresien-Schlössel Döbling
Maria-Theresien-Schlössel Währing
Miller-von-Aichholz-Schlössel
Schloss Neugebäude
Schloss Neuwaldegg
Schloss Pötzleinsdorf
Schloss Rodaun
Sickenberg-Schlösschen
Schloss Schönbrunn
Springer-Schlössl
Schloss Süßenbrunn
Schloss Wilhelminenberg
Festungen:
Festung Wien
(bis
19.
Jh.)
Festungsdreieck Wien
(19./20.
Jh.):
Arsenal
Rossauer Kaserne
Franz-Joseph-Kaserne
Österreichische Bundesgärten
Schlosspark
Ambras
Augarten
Wien
Belvederegarten
Wien
Burggarten
Wien
Hofgarten
Innsbruck
Schlosspark
Schönbrunn
(Wien)
Volksgarten
Wien
Normdaten
(Geografikum):
GND
4194500-1
GND Explorer
lobid
OGND
AKS
LCCN
sh2008001283
VIAF
237302876
48.1934
16.38052
Koordinaten:
48°
11′
36,2″
16°
22′
49,9″
Abgerufen von „
Kategorien
Schloss in Wien
Landstraße (Wien)
Vorstadtpalast
Erbaut in den 1720er Jahren
Bauensemble des Barock
Bauensemble in Wien
Barockbauwerk in Wien
Historisches Zentrum von Wien
Johann Lucas von Hildebrandt
Eugen von Savoyen
Nach der Haager Konvention geschütztes Kulturgut in Österreich
Versteckte Kategorien:
Wikipedia:österreichbezogen
Wikipedia:Seite mit Audioeinbettung
Schloss Belvedere
Abschnitt hinzufügen
US