Volksrepublik China – Wikipedia
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Volksrepublik China
中华人民共和国
Zhōnghuá Rénmín Gònghéguó
Flagge
Emblem
Amtssprache
Chinesisch
Hochchinesisch
) und anerkannte Regionalsprachen
Hauptstadt
Peking
Staats- und Regierungsform
realsozialistische
Republik mit
Einparteiendiktatur
und
Blockparteien
Acht demokratische Parteien und Gruppen
Verfassung
Verfassung der Volksrepublik China
Staatsoberhaupt
Staatspräsident
Xi Jinping
Regierungschef
Ministerpräsident
Li Qiang
Parlament(e)
Nationaler Volkskongress
Fläche
9.596.961
3.
km²
Einwohnerzahl
1.408.280.000 (2024)
2.
Bevölkerungsdichte
148
Einwohner pro km²
Bevölkerungs
entwicklung
−0,24
(2023)
pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
Total (nominal)
Total (
KKP
BIP/Einw. (nom.)
BIP/Einw. (KKP)
2024
19 Billionen USD
2.
38 Billionen USD
1.
13.314 USD
76.
27.132 USD
79.
Index der menschlichen Entwicklung
(HDI)
0,797
78.
) (2023)
Währung
Renminbi
(CNY)
Errichtung
1. Oktober 1949
National
hymne
Marsch der Freiwilligen
The national anthem of China
Nationalfeiertag
1. Oktober (Ausrufung der Volksrepublik)
Zeitzone
UTC+8
ISO 3166
CN
, CHN, 156
Internet-TLD
.cn
.中国
und
.中國
Telefonvorwahl
+86
Kantonesisch
und
Englisch
bzw.
Portugiesisch
sind zusammen mit
Hochchinesisch
Amtssprachen
in den Sonderverwaltungszonen
Hongkong
und
Macau
Gesetzlich anerkannte regionale Amtssprachen sind
Zhuang
in Guangxi,
Tibetisch
in Tibet und einigen angrenzenden Gebieten,
Uigurisch
in Xinjiang,
Mongolisch
in der Inneren Mongolei und
Koreanisch
in Yanbian.
Der
Hongkong-Dollar
und die
Pataca
sind die offiziellen Währungen Hongkongs und Macaus; vgl.
chinesische Währung
Weitere Abweichungen in Hongkong und Macau siehe dort.
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Vorlage:Infobox Staat/Wartung/NAME-DEUTSCH
Die
Volksrepublik China
chinesisch
中华人民共和国
Pinyin
Zhōnghuá Rénmín Gònghéguó
tʂʊŋ˥xwa˧˥ ʐən˧˥min˧˥ kʊŋ˥˩xɤ˧˥kwɔ˧˥
), allgemein als
China
bundesdeutsches Hochdeutsch
ˈçiːna
],
österreichisches Deutsch
ˈkiːna
],
chinesisch
中国
Pinyin
Zhōngguó
tʂʊŋ˥kwɔ˧˥
], historisch
Sina
; in Abgrenzung bzw. zur Unterscheidung von
Taiwan
auch
Festlandchina
oder
Rotchina
) bezeichnet, ist ein
Staat
in
Ostasien
. Mit mehr als 1,4 Milliarden Einwohnern (2020) stellt China das nach
Indien
zweitbevölkerungsreichste
und gemessen an seiner Gesamtfläche
drittgrößte
Land der Erde dar. Gemäß ihrer
sozialistischen
Verfassung
steht die Volksrepublik China „unter der
demokratischen Diktatur des Volkes
, wird jedoch von Beginn an durchgehend von der
Kommunistischen Partei Chinas
(KPCh)
autoritär
bis
totalitär
regiert. Bis heute werden ihr schwere
Menschenrechtsverletzungen
vorgeworfen.
Die Volksrepublik wurde am
1. Oktober 1949
nach dem Sturz der
Republik China
im
chinesischen Bürgerkrieg
von
Mao Zedong
ausgerufen.
10
Bei der
Hungersnot
, die durch den von Mao initiierten „
Großen Sprung nach vorn
“ (1958–1961) ausgelöst wurde, starben Schätzungen zufolge 45 Millionen Menschen, bei der nachfolgenden
Kulturrevolution
ab 1966 bis zu 2 Millionen weitere. Erst nach Maos Tod und dem einsetzenden Ende des
Maoismus
in China entwickelte sich das Land auf Grundlage einer vorsichtigen
Reform- und Öffnungspolitik
ab 1978 zu einer wirtschaftlichen und technologischen
Großmacht
11
Von der
Weltbank
wird das Land seit 2016 zu den Staaten mit einem Einkommensniveau im oberen Mittelfeld gerechnet. Im Durchschnitt
wuchs
die chinesische Wirtschaftskraft von 2000 bis einschließlich 2019 jährlich um 8,9
%.
12
Neben der Verdopplung des chinesischen Anteils am
Welthandel
versechsfachte sich das
Bruttoinlandsprodukt
innerhalb dieser Zeit, sodass China gegen Ende jenes Zeitraums zur
zweitgrößten
Volkswirtschaft
der Welt herangewachsen war.
13
Seit der Machtübernahme durch
Xi Jinping
im Jahr 2012 macht die Volksrepublik laut Beobachtern jedoch wieder Rückschritte bei der sozialen und wirtschaftlichen Freiheit und tritt zunehmend ideologischer sowie auch international aggressiver auf.
14
15
16
17
Die Volksrepublik China ist der
weltgrößte Exporteur
, der
zweitgrößte Importeur
, das Land mit der
größten Industrieproduktion
, den
zweithöchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung
, dem
zweitgrößten nationalen Gesamtvermögen
, dem
größten stehenden Heer
und dem
zweitgrößten Verteidigungsetat
und wird je nach Quelle als aufstrebende
18
19
20
oder bereits etablierte
Supermacht des 21. Jahrhunderts
neben den
Vereinigten Staaten
21
22
23
24
25
angesehen.
Die Volksrepublik China zählt zu den offiziellen
Atommächten
, ist als eine der fünf offiziellen Siegermächte des
Zweiten Weltkriegs
ständiges Mitglied des
Weltsicherheitsrates
sowie unter anderem Mitglied der
Welthandelsorganisation
Weltbank
APEC
BRICS
UNESCO
Interpol
und
G20
Geographie
Landschaften
Grenzübergang zwischen Vietnam und China, Blick von
Lào Cai
nach
Hekou
, 2011
Hauptflüsse Chinas
Kunjirap-Pass
, Grenze zwischen China und Pakistan, 2007
Turmkarst-Landschaft
in
Guilin
, Südchina, 2011
Biluthu
-Megadüne in der
Badain-Jaran-Wüste
Innere Mongolei
, 2011
Takine
im
Drei-Parallelflüsse-Nationalpark
, Provinz
Yunnan
, 2014
Topographie Chinas, 2005
China – Satellitenbild der NASA
Nach Gesamtfläche (Land und Wasser) ist China mit 9.596.960
km² der viertgrößte und nach
Landfläche
mit 9.326.410
km² der drittgrößte Staat der Welt.
26
Das Territorium erstreckt sich von der nördlichsten Spitze an der
sibirischen Grenze
bis zum Südzipfel der
Insel Hainan
auf rund 5.500 Kilometer und von Ost nach West auf etwa 5.200 Kilometer.
27
Im Osten und Südosten grenzt das Staatsgebiet an das
Gelbe Meer
sowie das
Ostchinesische Meer
und das
Südchinesische Meer
. Im Süden, Südwesten, Westen und Nordwesten trennen hohe Bergmassive, im Norden
Steppen
und
Wüsten
, im Nordosten der
Amur
und der
Ussuri
das Land von seinen Nachbarn.
China besitzt mit 22.133 Kilometer Gesamtlänge die längste Landgrenze aller Staaten. Die Küstenlänge aller Seegrenzen beläuft sich auf 14.500 Kilometer. Insgesamt hat die Volksrepublik China 14 Nachbarländer. Diese sind gegen den Uhrzeigersinn:
Nordkorea
im Nordosten, dann
Russland
und die
Mongolei
, westwärts folgen
Kasachstan
Kirgisistan
Tadschikistan
Afghanistan
und
Pakistan
, gegen Süden und Südwesten folgen
Indien
Nepal
und
Bhutan
, schließlich
Myanmar
Laos
und
Vietnam
Die physische Oberfläche, die klimatischen Bedingungen und damit die Bewohnbarkeit der einzelnen Regionen unterscheiden sich sehr stark. Das Land fällt vom Westen nach Osten ab. Die topographische Beschaffenheit kann in fünf Formen unterteilt werden, deren jeweilige Anteile an der Gesamtfläche des Festlandes folgende sind:
Gebirge
(33,3
%),
Plateaus
(26
%),
Becken
(18,8
%),
Ebenen
(12
%) und
Hügelland
(9,9
%).
Westchina
hat einen ausgesprochenen Hochgebirgscharakter mit dazwischen liegenden Hochebenen. Die
höchsten Gebirge
sind:
Himalaya
Tian Shan
Pamir
Altai
. In östlicher Richtung befinden sich Hochflächen und
Sedimentbecken
, wie das
Mongolische Plateau
, das
Tarimbecken
, das
Sichuan-Becken
oder das
Yunnan-Guizhou-Plateau
Xinjiang
und die
Innere Mongolei
sind die trockensten Landesteile, für deren ausgeprägtes
Wüstenklima
die
Gobi
und die
Taklamakan
stehen. Der Osten Chinas ist von vier großen
Schwemmebenen
geprägt. An den Küsten befinden sich riesige
Flussdeltas
. Der südöstliche Küstenstreifen ist gebirgig, während der Süden eher hügelig ist.
In den
Hoheitsgewässern
liegen verstreut etwa 5.400 Inseln. Gemäß dem von der
UNO
zuerkannten
Alleinvertretungsanspruch
wird von der Volksrepublik China als größte Insel mit einer Fläche von 36.000 Quadratkilometern
Taiwan
betrachtet, und als zweitgrößte
Hainan
mit einer Fläche von 34.000 Quadratkilometern. Von den 14 Bergen, die höher als 8.000 Meter sind, befinden sich neun an der chinesischen Grenze oder innerhalb Chinas. Aus den
Hochgebirgen
südlich des
Qinghai-Tibet-Plateaus
, dem
Dach der Welt
ragen die meisten der hohen Berge Chinas empor. Die
Himalaya
-Kette liegt im Durchschnitt 6.000 Meter über dem Meeresspiegel. Der höchste Berg Chinas ist der auf der Grenze zu Nepal liegende
Qomolangma
(Mount Everest), mit einer Höhe von 8.848,86 Metern zugleich der höchste Berg der Welt.
Der
Jangtsekiang
(kurz
Jangtse
) ist mit einer Gesamtlänge von 6.300 Kilometer der längste Fluss Chinas und nach dem
Nil
und
Amazonas
der drittlängste Fluss der Welt. Der
Gelbe Fluss
(Huang He) ist der zweitlängste Fluss Chinas; seine Gesamtlänge beträgt 5.464 Kilometer. Weitere große Flüsse sind der
Xi Jiang
, der
Mekong
, der
Perlfluss
und der
Heilong Jiang
. Die Flüsse fließen den geographischen Gegebenheiten folgend von Westen nach Osten: aus den Hochregionen mit Schnee und
Gletschern
in die Ebenen zu den Küsten.
Den größten
Canyon
Chinas bilden die
Dihangschluchten
des
Yarlung Tsangpo
im
tibetischen Hochland
. Mit einer Länge von 504,6 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 6.009 Metern gilt die enge Schlucht als die größte der Welt. Die tiefste Stelle des Landes befindet sich mit −154 Metern im ausgetrockneten
Aydingkol-See
in der
Turpan-Senke
im östlichen
Xinjiang
Der
Poyang-See
, in der Ebene am Mittel- und Unterlauf des Jangtse gelegen, ist der größte
Süßwassersee
Chinas. Seine Fläche beträgt 3.583 Quadratkilometer. Der größte
Salzsee
ist der
Qinghai-See
auf dem Qinghai-Tibet-Plateau mit einer Fläche von 4.583 Quadratkilometern. Der größte Kanal ist der
Kaiserkanal
. Er beginnt im Norden in Peking und endet im Süden in
Hangzhou
. Seine Gesamtlänge beträgt 1.801 Kilometer. Der Bau begann im 5. Jahrhundert v. Chr. – er ist der längste und älteste künstlich angelegte Wasserweg der Welt.
28
29
Siehe auch
Liste von Seen in China
Liste chinesischer Meere
und
Liste chinesischer Wüsten
Seit 1949 gilt in ganz China einheitlich die
Gesetzliche Zeit in China
UTC+8
), welche der
Zonenzeit
von Peking entspricht.
Klima
Hauptartikel
Klima in China
Köppen-Geiger-Klimaklassifikation
China
Das
Klima
in China ist mit 18 verschiedenen Klimaregionen so vielfältig wie die Geographie.
Kontinentales Klima
findet sich im Nordosten. Der Winter ist lang, sehr kalt und trocken, oft jedoch sonnig. Der Sommer wiederum ist warm und feucht, weil er durch den
Sommermonsun
beeinflusst wird. Dann kann es mit 30
°C und hoher
Luftfeuchtigkeit
schwül-warm werden.
Trockenes Wüstenklima reicht von der
Taklamakan
im Westen bis nach Peking. Es ist durch frostige und schneearme Winter sowie heiße Sommer gekennzeichnet. Hinzu kommen extreme Trockenheit und große tageszeitliche Temperaturschwankungen. In den hohen Gebirgen im Inneren Chinas herrscht kühles
Gebirgsklima
mit hohen Temperaturgegensätzen. Die Winter sind extrem kalt, jedoch scheint tagsüber fast ununterbrochen die Sonne. Im Sommer wird es mäßig warm und es gibt gelegentlich Regen.
Im Osten zwischen Peking und dem Jangtse herrscht gemäßigtes
Monsunklima
. Es gibt durchweg kühle, teils frostige, meist trockene und schneearme Winter. Die Sonne zeigt sich zu dieser Jahreszeit häufig. Im Sommer wird es zunehmend heißer. Der Sommermonsun bringt nicht nur reichlich Regen, sondern oft eine drückende Schwüle. Das Klima im Osten südlich des Jangtse ist
subtropisch
, im äußersten Süden
tropisch
. Die Winter sind mild bis warm und eher trocken. Im Sommer wird es tropisch-heiß mit starken Niederschlägen und hohen Temperaturen. Auch nachts wird es kaum kühler.
Die Niederschläge nehmen von Westen nach Osten und von Norden nach Süden stetig zu. In den Wüsten Zentralchinas fallen jährlich kaum 100 Milliliter Regen; am feuchtesten ist es mit bis zu 3000 mm im Südosten Chinas. In allen Regionen fällt fast der gesamte Niederschlag in den Sommermonaten. Auf dieser Basis besteht die Landfläche Chinas aus 36
% fruchtbaren
Ackerlandes
, 24
Graslandschaft
, 9
Wald
und 2
Feuchtgebiete
sowie 21
Wüste
und 6,5
Ödland
. Die Städte nehmen in China 1,5
% der Gesamtfläche ein.
30
Flora
Flora
Dinghushan-Nationalpark, Provinz
Guangdong
, 2017
Welterbe in China
: Lorbeerwald
Wulingyuan
mit 3000
Quarzit
-Säulen, auf denen u.
a.
Chinesische Kiefern
wachsen, Provinz
Hunan
, 2012
Ein Großteil der natürlichen Vegetation Chinas wurde durch jahrtausendelange menschliche Besiedlung ersetzt oder verändert, aber einzelne Gebiete geben Raum für große
Artenvielfalt
, sodass China eine der reichsten und vielfältigsten
Faunen
und
Floren
der Welt hat. In den tropischen und gemäßigten Zonen der nördlichen Hemisphäre hat China die weitaus meisten
autochthonen
Pflanzenarten. Insgesamt wurden mehr als 7.000 Arten von
Gehölzpflanzen
registriert, darunter 2.800
Bäume
und über 300 Arten von
Nacktsamern
. Der seltene
Ginkgo
-Baum, der
Taubenbaum
und der
Urweltmammutbaum
, die anderswo längst ausgestorben sind, wachsen noch in China. Unter den Blütenpflanzen kommen 650 der 800 bekannten
Azaleenarten
in China vor, 390 der 450 bekannten Primel- und etwa 230 der 400 bekannten
Enzianarten
. Von der aus der Provinz
Shandong
stammenden
Strauch-Pfingstrose
wurden in Gärten über 400 Sorten gezüchtet.
31
Die reichsten und ausgedehntesten Nadelwälder kommen in den Bergen im Nordosten vor, wo Lärchenbestände, die Birkenart
Betula platyphylla
(verwandt zur
Hänge-Birke
) und
Waldkiefern
gedeihen, und im
Hinggan-Gebirge
Bestände von
Korea-Kiefer
und
Dahurischer Lärche
. Im Sichuan-Becken ändert sich die Vegetation mit der Höhe, sodass eine Vielzahl von Nadelbäumen in hohen Lagen, Laubbäumen und Zypressen in mittleren Lagen und
Bambus
in niedrigeren Lagen wachsen. Weiter südlich, in den subtropischen Provinzen
Fujian
und
Zhejiang
, überwiegen immergrüne Laubwälder. Wälder weichen natürlichen Graslandschaften und Strauchsteppen in trockeneren westlichen und nordwestlichen Gebieten, insbesondere in den semiariden Regionen
Shanxi
und
Shaanxi
, in den Steppen der
Inneren Mongolei
und entlang der Wüstenränder der
Tarim-
und Junggar-Becken.
32
Fauna
Tierwelt
Pandas
im
Chengdu-Reservat
, Provinz
Sichuan
, 2011
Wildpferde
in der Region „
Südlich der Wolken
“,
Westchina
, 2007
Die unterschiedlichen Lebensräume beherbergen eine vielfältige
Fauna
. Diese reicht von
arktischen Arten
in der Mandschurei bis hin zu einer reichen tropischen Tierwelt im Süden. Insgesamt gibt es in China über 6.300
Wirbeltiere
, davon 2.469
Landwirbeltiere
mit rund 500 Säugetier-, 1.258 Vogel-, 376 Reptilien-, 569 Amphibien-
33
und 3862 Fischarten. Außerdem kommen hunderttausende
wirbellose
Arten vor, darunter rund 150.000
Insektenarten
Einige in anderen Gegenden der Welt bereits ausgestorbene Arten haben in China überlebt. Zu diesen zählen der
Schwertstör
aus dem Jangtsekiang, bestimmte
Alligatoren
und
Salamander
, der
Große Panda
, der nur im Südwesten Chinas lebt, und das
Wasserreh
, welches ausschließlich in China und Korea existiert. Zu den
Endemiten
und besonders seltenen Tierarten gehören des Weiteren
Stumpfnasenaffen
, der
Südchinesische Tiger
, die vier Arten der
Ohrfasanen
, der
Mandschurenkranich
, der
Nipponibis
und der
China-Alligator
34
Im tropischen Süden Chinas tummeln sich vielerlei
Primaten
, darunter
Gibbons
Makaken
und viele andere Affenarten. Größere Raubtiere, wie Bär, Tiger und Leopard, sind nur in begrenzter Zahl vertreten und lediglich in abgelegenen Gebieten heimisch. Leoparden leben in der nördlichen Mandschurei; Tibet ist Lebensraum des
Schneeleoparden
. Kleinere Raubtiere, darunter Fuchs, Wolf und
Waschbär
sind in vielen Regionen zahlreich vertreten.
Antilopen
Gazellen
Gämsen
Wildpferde
und andere
Huftiere
bewohnen die Bergregionen und Täler im Westen. Der
Elch
ist in der nördlichen Mandschurei verbreitet. Vögel sind in den verschiedensten Arten anzutreffen, unter anderem
Fasane
Kraniche
Papageien
Reiher
und
Asiatische Pfauen
Wasserbüffel
zählen zu den Haustieren, die im Süden als Zugtiere eingesetzt werden, des Weiteren die im trockenen Norden und Westen als
Lasttiere
verwendeten
Kamele
sowie
Yaks
, die in Tibet als halbdomestizierte Hochgebirgsrinder dienen. Vor allem an der Südküste finden sich
Flundern
Kabeljau
Thunfische
Tintenfische
Krabben
Garnelen
und
Delfine
. Die Flüsse Chinas bieten Lebensraum für verschiedene Karpfenarten sowie Lachs, Forelle,
Stör
und
Echten Wels
. Viele Binnengewässer Chinas werden für die Fischzucht verwendet.
35
Der Panda gilt den Chinesen als Nationalheiligtum. Auf Anordnung der
Nationalen Forstbehörde Chinas
sind die Provinzen
Sichuan
Gansu
und
Shaanxi
seit 2011 verpflichtet, alle zehn Jahre eine Zählung der in freier Wildbahn lebenden Bestände durchzuführen. Beim letzten sogenannten
Panda-Zensus
Anfang 2015 wurden 1.864 Exemplare gezählt, zehn Jahre vorher waren es nur 1.596. Maßgeblichen Anteil an diesem Wachstum trägt die
Panda-Nachzuchtstation in Chengdu
, von wo aus die sexuell sehr enthaltsamen Pandas mit dementsprechend geringer Fortpflanzungsquote nach der Aufzucht in die Freiheit entlassen werden.
36
37
Die ersten
Naturschutzgebiete
wurden in den 1950ern angelegt. Seitdem sind insgesamt über 2.700
Naturreservate in China
entstanden. Die Fläche aller Schutzgebiete beträgt 1,42 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht rund 15 Prozent des Landesterritoriums.
38
Siehe auch
Liste der Naturschutzgebiete in der Volksrepublik China
Naturkatastrophen
Hochwasserschutz:
Drei-Schluchten-Damm
(links) und die
Gezhouba-Talsperre
(rechts) aus dem Weltall betrachtet (Aufnahme von 2000)
China wird regelmäßig von
Dürren
Überschwemmungen
Schneestürmen
Hagel
Erdrutschen
Sandstürmen
und Flächenbränden heimgesucht. Zudem sind die Küsten im Süden und Osten des Landes häufig tropischen Wirbelstürmen und
Taifunen
ausgesetzt. Überschwemmungen treten regelmäßig an allen großen Flüssen auf. Die letzten großen
Flutkatastrophen
ereigneten sich 1998 und 2016, bei welchen ganze Regionen wochenlang überschwemmt waren. Beiden Ereignissen ging ein
El Niño
voraus.
39
Der
Jangtse
liegt im dichtbesiedelten Jangtse-Delta. Seit Jahrhunderten wird dieses Gebiet von Überschwemmungen heimgesucht. Ursachen für die Überschwemmungen sind Bodenerosion, Dürren sowie Eindämmung des natürlichen Flusslaufs.
40
41
Der Bau der
Drei-Schluchten-Talsperre
war und ist daher umstritten.
Tektonische Beben verursachen in der Volksrepublik China die größten Schäden. Auf sie sind laut Angaben des
Chinesischen Amts für Meteorologie
jährlich die meisten menschlichen Opfer sowie die größten ökonomischen Verluste zurückzuführen. Im Jahresdurchschnitt treten in China etwa 20 Erdbeben der Stärke 5,0 bis 5,9; drei bis vier zwischen 6,0 und 6,9; und nur etwa alle zwei bis drei Jahre maximal zwei der Stärke 7,0 oder mehr auf. Besonders betroffen sind der Osten Chinas sowie die südlichen Provinzen und der Himalaya. Verheerende Schäden richteten zuletzt das
Erdbeben in Sichuan 2013
sowie das
Jiuzhaigou-Erdbeben 2017
an, beide mit einer
Magnitude
von 7,0.
42
Bevölkerung
Hauptartikel
Demografie der Volksrepublik China
Laut dem Jahresbericht des
Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen
(UNFPA) müsste Indien China bis Mitte des Jahres 2023 als bevölkerungsreichste Nation der Welt abgelöst haben.
43
Zuvor war die Volksrepublik China das
bevölkerungsreichste Land
der Erde. Dort lebten im Jahr 2021 nach Angaben des
Nationalen Statistikamtes
1.412.600.000 Einwohner.
44
Bevölkerungspyramide Chinas 2020
Nach Gründung der Volksrepublik China hatte das Land zwei Jahrhunderte mit großem Bevölkerungswachstum, aber auch großen Verlusten durch Krieg, Hungersnöte, Seuchen und Naturkatastrophen hinter sich. Mao Zedong betrachtete eine hohe Bevölkerungszahl als Zeichen nationaler Stärke. Der erste Zensus, der im Jahre 1953 durchgeführt wurde, ergab eine Bevölkerung von über 580 Millionen, das waren 70 Millionen Menschen mehr als zuvor geschätzt. Als Reaktion darauf wurden Ende der 1950er Jahre erstmals Spätehen und Empfängnisverhütung propagiert, weil sich in den Städten Arbeitsplatzmangel abzeichnete und auf dem Land das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Ackerland ungünstig war.
45
Wegen der abnehmenden
Säuglingssterblichkeit
(von 200 ‰ im Jahre 1949 auf 60 ‰ zu Beginn der 1970er Jahre und 45 ‰ bis 2000) und der steigenden Lebenserwartung (zwischen 1953 und 1970 jährlich um ein Jahr) wuchs die Bevölkerung schnell.
46
Die Lebenserwartung, die 1950 noch bei 28 Jahren gelegen hatte, war bis 2000 auf 68,5 Jahren angestiegen.
47
Ab 1973 waren pro Ehe nur zwei Kinder erlaubt. Dies wurde in Städten aber auch auf dem Land durchgesetzt, wobei die nationalen Minderheiten ausgenommen waren.
48
Im Jahre 1979 wurde die
Ein-Kind-Politik
offiziell eingeführt, die regional unterschiedlich und teils mit Gewalt, wie z.
B. Zwangsabtreibungen, durchgesetzt wurde. Die
Fertilität
lag 1996 zwischen 1,5 und 1,6 Kindern pro Frau. Im Jahr 2000 betrug sie zwischen 1,2 und 1,4 Kindern pro Frau.
49
Auswirkungen der Ein-Kind-Politik sind die Nichtmeldung von Geburten sowie bis zu 70
Abtreibungen
pro 100 Geburten
50
– durch die kulturelle Präferenz für Söhne wurden insbesondere
weibliche Föten abgetrieben
. Aufgrund der Nichtregistrierung von Geburten wird davon ausgegangen, dass die wirklichen Geburtenzahlen 15 bis 30 Prozent über den erfassten Geburten liegen.
49
Das Geschlechterverhältnis hat sich vom Normalwert 1050 Jungen zu 1000 Mädchen in den 1950ern und 1960er Jahren auf 1200 Jungen zu 1000 Mädchen seit 1997 verschoben. In Regionen mit besonders streng durchgesetzter Geburtenkontrolle fehlen in den Geburtenjahrgängen 1980 bis 2010 rund 27 Millionen Mädchen.
51
Sozioökonomische Ursachen haben zum Sinken der Geburtenzahlen geführt.
52
Das Ziel der Ein-Kind-Politik, die Bevölkerung zur Jahrtausendwende bei 1,2 Milliarden Einwohnern zu stabilisieren, wurde verfehlt; im Jahr 2000 lebten etwa 1,27 Milliarden Menschen in China. Die Bevölkerungszahl erreichte im Jahr 2021 mit 1,412 Milliarden Menschen ihren Höchststand und nimmt seitdem ab.
53
In Regionen, in denen die Ein-Kind-Politik streng durchgesetzt wurde, werden nach einer Prognose von 2014 im Jahre 2050 etwa 40 Prozent der Menschen über 65 Jahre alt sein.
54
Aus diesen Gründen wurde die Ein-Kind-Politik per 1. Januar 2016 durch die Zwei-Kind-Politik und im Jahr 2021 durch eine Drei-Kind-Politik ersetzt.
55
Dennoch sank die Geburtenzahl weiter.
56
Im Jahr 2023 kamen auf tausend Einwohner 6,39 Geburten, im Vorjahr 2022 waren es 6,77 (zum Vergleich: in Deutschland liegt diese Zahl bei 9,4). 2023 wurden 9,02 Millionen Babys geboren, verglichen mit 9,56 Millionen Babys im Jahr 2022.
57
Die Gesamtbevölkerung sank im Jahr 2023 auf 1,409 Milliarden Menschen, 2,08 Millionen weniger als im Vorjahr.
57
2025 sank die Einwohnerzahl um 3,4 Millionen, der stärkste Rückgang seit der durch den „Großen Sprung nach vorn“ ausgelösten Hungersnot 1960.
58
2025 fiel die
Fertilitätsrate
nach Angaben des Nationalen Statistikamtes auf 0,98.
58
Bevölkerungsverteilung
Bevölkerungsdichte nach dem Zensus von 2010 (Einwohner/km²):
<5
5–10
>10–20
>20–50
>50–80
>80–150
>150–200
>200–250
>250–300
>300–400
>400–500
>500
Bevölkerungsänderungen 2010–2020 in Prozent:
< −10
< −5
% bis −10
< 0
% bis −5
> 0
% bis 5
> 5
% bis 10
> 10
% bis 15
> 15
% bis 20
> 20
Die 1,4 Milliarden Einwohner sind sehr ungleich über das Territorium verteilt. Die imaginäre
Heihe-Tengchong-Linie
teilt China in einen westlichen Teil, der 57
% des Staatsgebietes einnimmt, und einen östlichen Teil. Auf den 43
% des östlichen Staatsgebietes lebten im Jahre 1982 etwa 94
% der Gesamtbevölkerung.
59
Zahlreiche Landkreise im östlichen Landesteil weisen eine Bevölkerungsdichte oberhalb von 800 bis 900 Personen pro Quadratkilometer auf, während große Landstriche im westlichen Teil des Landes unbesiedelt sind.
59
Migration
Aufgrund einer Landflucht im Jahre 1955 wurde die staatliche Zuweisung von Arbeitsplätzen und Getreiderationierung sowie das
Hukou-System
eingeführt. Danach war Migration vom Land in die Stadt praktisch verboten,
48
dieses Verbot wurde bis 1984 weitgehend eingehalten.
60
Die Landverschickung von 17 Millionen städtischer Kader und Jugendlicher während der Kulturrevolution 1966 bis 1976 als Erziehungsmaßnahme, oder die Besiedelung der Regionen entlang der sowjetischen Grenze nach dem
chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis
zählen zu den großen Binnenmigrationen.
61
Die
Reform- und Öffnungspolitik
hat die Kontrolle über den Hukou erschwert. Seitdem ist es zu massiver Binnenmigration aus den ländlichen Räumen in die Ballungszentren gekommen. Die Volkszählung 2010 hat die Wanderbevölkerung auf 275 Millionen geschätzt.
62
Die Binnenmigranten sind in den Städten benachteiligt und besitzen häufig nur eine temporäre Meldebescheinigung.
60
Dies birgt ein erhebliches Konfliktpotential.
63
64
Das im Jahre 1958 eingeführte
Hukou
-System benachteiligt Menschen, die in Dörfern registriert sind, beim Zugang zu städtischen Dienstleistungen wie Gesundheitsvorsorge und Bildung; das System wird nur langsam reformiert.
65
66
Daher werden die ungefähr 200 bis 300 Millionen Wanderarbeiter nach wie vor benachteiligt.
65
Im Jahre 2016 lebten 9,6 Millionen Auswanderer aus der Volksrepublik China im Ausland oder in einer der beiden Sonderverwaltungszonen. Davon hatten fast 40 Prozent einen Hochschulabschluss. Die wichtigsten Zielländer für Auswanderer waren die USA, Hongkong, Südkorea, Japan, Kanada, Australien, Singapur, Macau, Italien und Bangladesch.
211.000
dieser Auswanderer waren
Flüchtlinge
. Im gleichen Jahr lebten 1,13 Millionen Einwanderer in China, die vornehmlich aus Korea, den Philippinen, Brasilien, den USA, Japan, Indonesien, Myanmar, Vietnam, Macau und Thailand stammten. Somit kommt auf 1000 Bürger ein Einwanderer;
300.000
davon kamen als Flüchtlinge. Die Emigranten sorgten für Kapitalflüsse in der Höhe von etwa 64 Milliarden US-Dollar nach China, während die Einwanderer Überweisungen aus China in der Höhe von 6,9 Milliarden US-Dollar tätigten.
67
Im 19. und 20. Jahrhundert gab es mehrere Wellen von Auswanderung aus China. Die
Auslandschinesen
stellen heute substantielle Anteile der Bevölkerungen in den südostasiatischen Staaten, Auslandschinesen leben in fast allen Staaten der Welt. Sie haben sich mit unterschiedlichem Ausmaß an ihre neue Heimat
assimiliert
, werden jedoch teilweise diskriminiert.
Anti-asiatischer Rassismus
gegenüber Auslandschinesen gipfelte vor allem sehr stark in der COVID-19-Pandemie, da das Virus offiziell in der chinesischen Stadt
Wuhan
entdeckt wurde und dadurch viele chinesische Menschen wie
Sündenböcke
behandelt wurden.
68
Rassismus gegenüber chinesischen Menschen ist jedoch auch historisch bedingt, beispielsweise im
Nationalsozialismus
, wo sie in Konzentrationslager wie dem
Konzentrationslager Sachsenhausen
inhaftiert wurden. Rassistische Erzählungen und Handlungen ließen sich dabei bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Typischerweise legen sie großen Wert auf ihre Herkunft und halten Kontakt zu ihrem Heimatort. Besonders zu Beginn der Reform- und Öffnungspolitik brachten sie einen bedeutenden Anteil der Auslandsinvestitionen nach China.
69
Siehe auch
Auslandschinesen
und
Anti-asiatischer Rassismus
Urbanisierung, Ballungsgebiete und Städte
Skyline der Megastadt
Shanghai
, 2016
Guangzhou
im Ballungsraum
Perlfluss
-Delta, 2022
Bei der Gründung der Volksrepublik im Jahre 1949 lebte nur einer von zehn Chinesen in einer Stadt. Nach dem Ende der
Kulturrevolution
im Jahre 1978 lebten 17,9 Prozent der Einwohner Chinas bzw. 170 Millionen Menschen in Städten. In einer Phase der Wiederbelebung der Städte von 1978 bis 1995 wuchs die Stadtbevölkerung auf 30,5 Prozent der Gesamtbevölkerung.
70
Darauf folgte eine Phase des schnellen Wachstums der Städte, so dass im Jahre 2013 etwa 730 Millionen Menschen bzw. 53,7 Prozent der Bevölkerung in Städten lebten.
71
Effizienzsteigerungen in der Landwirtschaft, die Menschen in Tätigkeiten mit niedriger Produktivität freisetzte, und die Industrialisierung führten zu dieser Entwicklung.
72
Die
Urbanisierung
ist ein wichtiger Faktor beim Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahrzehnten.
64
Bis 2020 soll die Urbanisierungsrate auf 60 Prozent der Bevölkerung anwachsen.
73
In der Volksrepublik China gibt es 15
Megastädte
, in denen insgesamt über 260 Millionen Menschen leben,
74
und
mehr als 150 Millionenstädte
64
Die drei größten Ballungsräume sind das
Jangtse-Delta
, das
Perlflussdelta
sowie die Region um Peking und Tianjin, in denen sich auf engem Raum mehrere Millionenstädte befinden und die die bevorzugten Zielorte für interne Migration darstellen.
75
Trotz der hohen Urbanisierungsrate ist es in China gelungen, die Bildung von
Slums
und Infrastrukturüberlastung wie in anderen Entwicklungsländern zu vermeiden.
64
Trotzdem ist China von den negativen Begleiterscheinungen einer schnellen Urbanisierung, wie Zerstörung landwirtschaftlicher Nutzflächen, Umweltverschmutzung und inadäquater Entschädigung bei der Enteignung von landwirtschaftlichen Flächen, betroffen. In Vororten der Ballungszentren entstanden zahlreiche Retortenstädte, die reine Schlafsiedlungen für Arbeitskräfte sind, wie z.
B.
Anting
. Hier gibt es teils hohe Leerstandsquoten, da die Industrieansiedlungen ausblieben und der Neubau spekulativ angeheizt wurde.
76
Volksgruppen
Hauptartikel
Völker Chinas
Volksgruppen
Khampa
in
Osttibet
, 2010
Uiguren
in
Xinjiang
, 2010
Naxi
in
Yunnan
, 2012
China ist ein multi-ethnisches Land. 91,51 Prozent der Bevölkerung sind
Han
(rund 1,25 Milliarden). Die Bezeichnung geht auf die
Han-Dynastie
zurück. Jedoch stellt diese größte Bevölkerungsgruppe keine
homogene Gruppe
dar: Im Laufe der Zeit entwickelten sich starke regionale Unterschiede hinsichtlich Sprache, Dialekt, Siedlungsformen, Volkssagen, Kleidung und Ernährung.
77
Die 18 größten
Volksgruppen
nach den Han waren 2010 die:
Zhuang
(16,9 Millionen),
Uiguren
(11,5 Millionen),
Hui
(10,5 Millionen),
Mandschu
(10,3 Millionen),
Miao
(9,4 Millionen),
Yi
(8,7 Millionen),
Tujia
(8,3 Millionen),
Tibeter
(6,2 Millionen),
Mongolen
(5,9 Millionen),
Dong
(2,8 Millionen),
Buyei
(2,8 Millionen),
Yao
(2,7 Millionen),
Bai
(1,9 Millionen),
Koreaner
(1,8 Millionen),
Hani
(1,6 Millionen),
Li
(1,4 Millionen),
Kasachen
(1,4 Millionen),
Dai
(1,2 Millionen).
Insgesamt sind 55 Ethnien als
nationale Minderheiten
anerkannt, denen neben dem
Minderheitenschutz
in der chinesischen Verfassung besondere Rechte zugestanden werden, beispielsweise Unterricht in der eigenen Sprache, leichterer Zugang zu höherer Bildung, spezielle
Quotenregelungen
. Diese Rechte werden jedoch seit den 2000er Jahren zunehmend ausgehöhlt. Nach Unruhen in Tibet im Jahr 2008 werden die Tibeter aus ihren Wohngebieten vertrieben und durch Tourismus assimiliert. Im Jahr 2016 gab es mehrere Selbstverbrennungen.
78
Unruhen im Jahr 2009 in der Provinz
Xinjiang
verschärften den Konflikt zwischen den
Uiguren
und dem Staat. Nach einer Serie von Anschlägen im Jahr 2014 begann China mit der Umsetzung der
Assimilationspolitik
, den
Xinjiang-Umerziehungslagern
, einem
Ethnozid
an muslimischen Uiguren und anderen Minderheiten in Xinjiang.
79
80
Nachdem die sogenannte
China Cables
– geheime Dokumente der Volksrepublik China – geleakt worden waren, erfuhr die Lage der Uiguren im Jahr 2019 internationale Aufmerksamkeit.
81
Die systematische Verfolgung der Uiguren durch Chinas Staats- und Parteiführung gilt als größte Inhaftierung einer ethnischen oder religiösen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg.
82
Sprachen
Hauptartikel
Chinesische Sprachen
Übersicht über die verschiedenen Sprach
gebiete Chinas (1990, nach Daten der
CIA
Ein Einwohner von
Tibet
spricht zuerst
Mandarin
und dann (ab 0:34)
Tibetisch
Neben dem auf einem Dialekt des
Mandarin
basierenden
Hochchinesisch
als allgemeiner Amtssprache sind je nach Region weitere Amtssprachen offiziell anerkannt. Dazu zählen
Kantonesisch
in Hongkong und Macau sowie
Englisch
in Hongkong. Hinzu kommen Regionalsprachen, wie
Zhuang
in
Guangxi
Tibetisch
in Tibet,
Uigurisch
in Xinjiang, dann
Mongolisch
in der Inneren Mongolei und
Koreanisch
in
Yanbian
Außerdem finden sich aus den Tibeto-Birmanischen Sprachen etwa
Ladhakhisch
und
Yi
, dann Tai-Kadai-Sprachen, wie
Bouyei
Dong
Tai Lü
Tai Nüa
oder
Tai Pong
, aber auch
Mangghuer
sowie als Turksprachen
Äynu
Ili Turki
Salarisch
oder
West-Yugurisch
Religionen
Religionen
Religiöse Kerngebiete in China:
Shenismus
Buddhismus
Islam
Indigene Religionen
Mongolischer Schamanismus
Mandschurischer Schamanismus
Taoistische Zeremonie in
Shantou
, Provinz
Guangdong
(2010)
Ein
Obo
mongolischer
Schamanen
in der Nähe von
Hulun Buir
, Autonome
Innere Mongolei
(2016)
Hauptartikel
Religion in der Volksrepublik China
Religiöse Bindung in China
Religion
Prozent
Nicht religiös
73,6
Buddhismus
15,9
Christentum
2,5
Daoismus
0,9
Volksglaube
0,8
Islam
0,5
Sonstiges
5,1
nach einer stichprobenartigen Befragung „Statistik zu Religionen und Kirchen in der Volksrepublik China“ 2014 der
China Family Panel Studies
中国家庭追踪调查
83
Wie in den religionskritischen ehemaligen
Ostblockstaaten
Europas liegt in China ein strenges Prinzip der
Trennung zwischen Religion und Staat
zugrunde. Das Recht auf Glaubensfreiheit ist in der Verfassung der Volksrepublik formal verankert – echte
Religionsfreiheit
herrscht aber nicht.
84
Aufgrund der desaströsen Auswirkungen auf Gläubige während der
Kulturrevolution
zwischen 1966 und 1976 bemühte sich die chinesische Führung ab den 1980er Jahren, Räume für religiöse Aktivitäten zu öffnen. Staatliche Unterstützung finden traditionelle Glaubensrichtungen wie Taoismus und Buddhismus, die als integraler Bestandteil der chinesischen Kultur angesehen werden.
Verfassungsrechtlich steht es jedem frei, unter anderem allein oder in der Gemeinschaft mit anderen zu beten, Schriften zu rezitieren,
Gottesdienste
abzuhalten, zu
taufen
oder
Messen
zu lesen. In der Praxis werden diese Rechte allerdings oft eingeschränkt. Dennoch war in China seit der letzten Jahrtausendwende ein „Boom der Religionen“ zu beobachten. So erfuhren
Tempel
und
Klöster
Zulauf, und der
tibetische Buddhismus
breitete sich auch wieder in östlichen Provinzen des Landes aus.
Die vier wichtigsten
Religionen
in China sind der
Buddhismus
, der
Taoismus
, der
Islam
und das
Christentum
. Außerdem gibt es noch einige volkstümliche Religionen bei nationalen Minderheiten. Die chinesischen Religionen sind im Allgemeinen familienbezogen und verlangen keine Mitgliedschaft. Von den größeren Religionen stammt nur der Taoismus aus China. Dabei reicht der Buddhismus bis ins 1. Jahrtausend v. Chr. zurück; er verbreitete sich ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. in China. Der Taoismus reicht ähnlich weit zurück, integrierte zahlreiche Elemente deutlich älterer Religionen. Im 7./8. Jahrhundert kam der Islam nach China, im 13. Jahrhundert das Christentum. Jesuiten missionierten ab dem späten 16. Jahrhundert. Der Protestantismus gelangte ab 1807 nach China.
Der
Konfuzianismus
galt in der Kaiserzeit als
orthodox
, die anderen Religionen als
heterodox
. Seit der Gründung ist die Volksrepublik China entsprechend ihrer kommunistischen Ideologie des Staats-
Atheismus
ein
laizistischer
Staat. Buddhismus, Daoismus, Islam, Katholizismus und Protestantismus sind vom Staat anerkannte Religionen, wobei Katholizismus und Protestantismus als eigenständige Religionen betrachtet werden und sich nicht unabhängig organisieren dürfen. So ist die
römisch-katholische Kirche
in der Volksrepublik verboten, lediglich eine
Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung
, die die Autorität des
Papstes
nicht anerkennt und keine direkten Kontakte zum
Vatikan
unterhält, ist erlaubt.
85
Unter
Mao Zedong
erfuhr die katholische Kirche eine besonders rigide Form der Überwachung und Kontrolle. Heute steht die neue Religionsgemeinschaft der
Falun Gong
im Fokus der staatlichen Verfolgung, wobei Berichte über
Organentnahmen und Hinrichtungen
an Angehörigen der Gemeinde Menschenrechtsorganisationen zu weltweiten Protestaktionen bewegten.
2013 gab es in der Volksrepublik bei rund 1,4 Milliarden Einwohnern etwa 85.000 religiöse Stätten, rund 300.000 Priester, etwa 3000 Religionsgruppen und 74 theologische Einrichtungen. Religiöse Organisationen können eigene Schulen gründen sowie Bücher und
Periodika
veröffentlichen. Höhere Bildungs- und Forschungseinrichtungen bieten mitunter religiöse Programme und Forschungsprojekte an.
Es gibt in China keine
Kirchensteuer
. Die jeweiligen religiösen Gemeinden finanzieren sich über Spenden sowie überwiegend durch immaterielle Leistungen der jeweiligen
Ordensgemeinschaft
, zum Beispiel die gemeinsame Errichtung oder Instandsetzung von Gebäuden oder das gemeinsame Bewirtschaften von Gärten und landwirtschaftlichen Flächen. Religionsunterricht gibt es an den Schulen nicht, jedoch ist seit Ende der 1990er Jahre die Eröffnung von privat betriebenen religiösen Schulen und Kindergärten zu beobachten.
Da sich in China niemand offiziell zu einer
Konfession
bekennen soll, gibt es keine amtlichen Angaben und keine seriösen Statistiken über Zahlen von Religionsanhängern. Sämtliche Studien und Hochrechnungen chinesischer und ausländischer Institutionen beruhen auf Schätzungen und Umfragen, die teilweise erheblich voneinander abweichen. Zudem sind die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Glaubensrichtungen in China oft fließend. So ist es in mehreren chinesischen Regionen nicht ungewöhnlich, dass sich Gläubige zu verschiedenen Religionen bekennen. Hierzu gibt es das
chinesische Sprichwort
„Ein Chinese ist Konfuzianer, wenn es ihm gut geht; er ist Taoist, wenn es ihm schlecht geht; und er ist Buddhist im Angesicht des Todes.“
Insofern ist die religiöse Szene in China sehr vielfältig und kann keinesfalls als
homogene
Kultur betrachtet werden. Stark verbreitet ist der
Shenismus
, ein Gemisch aus religiösen und
philosophischen
Praktiken. Taoismus und Konfuzianismus sind zwei Beispiele für philosophische Überzeugungen in China, die religiöse Elemente tragen. Aspekte des Rituals und des Glaubens über das Jenseits existieren unabhängig von den Philosophien. Abgesehen von den europäischen, steht im Zentrum aller praktizierten Religionen in China seit alters her kein unsichtbarer Gott, sondern stets das Leben, die Erde, das Glück und die Harmonie.
86
87
Geschichte
Die Geschichte vor dem
Zweiten Opiumkrieg
ist unter
Geschichte Chinas
zu finden.
Direkt kontrollierte Gebiete des Qing-Kaiserreichs zur Zeit seiner größten Ausbreitung 1820 (in dunklerem Farbton: die Kernprovinzen des „
eigentlichen China
“)
Die heutige Volksrepublik China ist das Ergebnis eines zweihundert Jahre andauernden Prozesses, in welchem das
Kaiserreich China
abgelöst und China zu einem modernen Staat umgestaltet wurde. Die dramatischen Ereignisse, die diesen Prozess begleiteten, prägen heute noch die politischen Akteure des Landes.
88
Ende des Kaiserreichs (1911), Republik (bis 1914), Beginn der Diktatur Yuan Shikais
Karikatur in der
Puck
vom 23. August 1899: „
Uncle Sam
“ steht auf einer Karte von China, die von europäischen Staatsoberhäuptern zerschnitten wird, und sagt: „Gentlemen, Sie können diese Karte so oft zerschneiden, wie Sie möchten, aber bedenken Sie, dass auch ich hier bin, um zu bleiben.“
Um 1800 hatte China seine größte Ausdehnung und wirtschaftliche Kraft erreicht und produzierte etwa ein Drittel aller Waren weltweit,
89
innen- und außenpolitisch hingegen war das
chinesische Kaiserreich
zu Beginn des 19. Jahrhunderts vergleichsweise instabil bzw. schwach.
90
Wie in Europa war die Bevölkerung stark angewachsen,
90
die
Industrialisierung
setzte jedoch aufgrund der Abschließung Chinas von der Außenwelt erst mit großer Verzögerung ein.
45
Das verfügbare Ackerland pro Kopf war gesunken. Es kam zu hunderten Aufständen; der
Taiping-Aufstand
(1851–1864) gilt als verheerendster Krieg des 19. Jahrhunderts, die großen
muslimischen Rebellionen
waren nicht weniger grausame Kriege.
91
Die
Handelsbilanz
entwickelte sich nach der erzwungenen Öffnung Chinas negativ. Den immer aggressiver auftretenden fremden Mächten hatte das Qing-Reich weder im
ersten
oder
zweiten Opiumkrieg
noch im
chinesisch-französischen Krieg 1885/86
und im
japanisch-chinesischen Krieg 1895
viel entgegenzusetzen. Große Gebiete im Norden der Mandschurei und in Ost
turkestan
gingen in den Verträgen von
Aigun
1858 und
Peking
1860 an das
russische Zarenreich
verloren. Zu diesen demütigenden Niederlagen kamen die
Ungleichen Verträge
, die im Laufe des 19. Jahrhunderts zu zunehmender Fremdbestimmung, Gebietsverlusten und hohen Kompensationszahlungen an fremde Staaten führten.
92
Der ausländische Druck auf China führte zur
Selbststärkungs-Bewegung
, zu Modernisierungen im Erziehungswesen und im Militär, erste Chinesen nahmen ihr Studium im Ausland auf. Es gab Anfänge einer Industrialisierung, die wiederum maßgeblich von Ausländern vorangetrieben wurde.
93
Die von Kaiser
Guangxu
eingeleitete
Hundert-Tage-Reform
scheiterte jedoch.
94
Im „
Boxeraufstand
“, bei dem es sich nicht um einen Aufstand gegen die Regierung, sondern um eine Bewegung handelte, die sich gegen die imperialistischen Mächte richtete und die die chinesische Regierung zu stützen versuchte, bündelten sich Kräfte, deren Ziel die Vertreibung aller Ausländer war; dieser missverständlich als „Aufstand“ bezeichnete Kampf der „Boxer“ (die ersten von ihnen waren in
traditioneller Kampfkunst
ausgebildet) führte zum Krieg zwischen China und den
Vereinigten acht Staaten
, also dem Deutschen Reich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und den USA. Nach der Niederschlagung erzwangen die Sieger im sogenannten „Boxerprotokoll“ von 1901 weitere Zugeständnisse des Kaiserhauses.
95
In diesem Umfeld wurde 1905 in
Tokio
der
chinesische Revolutionsbund
von
Sun Yat-sen
gegründet, er sollte die Vorläuferorganisation der
Kuomintang
werden. Er forderte die Errichtung einer Republik, die Beendigung der
Qing-Dynastie
, einen Nationalstaat und Bodenreformen. Im Jahr 1911 brach der
Wuchang-Aufstand
aus und die darauffolgende
Xinhai-Revolution
führte zum Thronverzicht von Kaiser
Puyi
. Damit endete die Abfolge mehrerer Dynastien, die 221 v.
Chr. von Kaiser
Qin Shihuangdi
begonnen worden war. Ende 1911 wurde Sun in
Nanjing
zum Übergangspräsidenten der
Republik China
gewählt. Die Ausrufung der Republik fand besonders in den großen Städten Zustimmung. Sie war jedoch nur von kurzer Dauer, denn 1914 löste
Yuan Shikai
das Parlament auf und herrschte als Diktator.
96
Ära der Republik China (bis 1949)
Yuan Shikai besaß ausreichend Militär in seiner Befehlsgewalt, um ein Auseinanderfallen Chinas zu vermeiden. Er war jedoch nicht in der Lage, das Vordringen der ausländischen Mächte zu stoppen; Ansätze einer Bürgergesellschaft ließ er unterdrücken, die
Kuomintang
wurde 1913 verboten. Die Eliten des Landes wandten sich deshalb in dieser Phase vom Staat ab und verfolgten ihre eigenen Interessen. Yuan ließ sich am 1.
Januar 1916 zum Kaiser ausrufen, während Japan ihn durch die Erhebung der
Einundzwanzig Forderungen
gezielt schwächte. Der Zentralregierung entglitt die Kontrolle über die Politik Chinas, das Land zersplitterte, die Militärgouverneure der Provinzen und Hunderte
Kriegsherren
kämpften während der
Kriegsherrenzeit
in wechselnden Allianzen um Einfluss. Es herrschten Chaos und Elend, die Bevölkerung litt unter der Unterdrückung. Die Mongolei und Tibet erklärten ihre Unabhängigkeit.
97
Die Phase der Zersplitterung war aber auch eine schöpferische Zeit, in der sich das geistige Klima durch Auseinandersetzung mit westlichem Gedankengut änderte. Die
Bewegung des vierten Mai
wurde zum Ausgangspunkt zahlreicher politischer und geistiger Strömungen, Schulen und Universitäten wurden gegründet. In den
Vertragshäfen
floss Kapital und Wissen aus dem Ausland zu, die Basis für den Aufbau der Wirtschaft wurde gelegt.
98
Nach der
Oktoberrevolution
in Russland gab es auch in China Faszination für sozialistische und kommunistische Ideen; im Jahr 1921 wurde die
Kommunistische Partei Chinas
gegründet. Da in China die Industrie als Grundlage für eine proletarische Bewegung fehlte, unterstützte die
Komintern
sowohl die
Kuomintang
als auch die Kommunistische Partei (KP). Im Rahmen der
Ersten Einheitsfront
kooperierten die beiden Parteien gegen die Kriegsherren und den japanischen Expansionismus. Mit sowjetischer Hilfe wurde im Jahr 1924 die
Whampoa-Militärakademie
gegründet, aus der zahlreiche Offiziere hervorgingen, die in der späteren Geschichte Chinas von Bedeutung waren wie
Chiang Kai-shek
oder
Zhou Enlai
99
Nach dem Tod von Sun Yat-sen im Jahr 1925 traten Spannungen in der Einheitsfront auf, die Fortschritte im
Nordfeldzug
verzögerten. Nach der Sicherung von
Shanghai
im März 1927 ließ Chiang Kai-shek am 12.
April 1927 Tausende von (vermeintlichen) Kommunisten umbringen und einen Streik niederschlagen, woran die Einheitsfront zerbrach.
100
Chiang, der innerhalb der Kuomintang den Zugriff auf die Armee hatte, manövrierte den linken Flügel der Partei aus und errichtete eine Gegenregierung in Nanjing. Im Juni 1928 gelang seinen Truppen die Einnahme von Peking, womit China zunächst wieder vereinigt war.
101
Die auf das Land verdrängten Kommunisten versuchten, in einigen Städten Aufstände durchzuführen und Sowjetgebiete einzurichten. Die Aufstände in
Nanchang im August 1927
Kanton im Dezember 1927
und
Changsha 1930
wurden jedoch niedergeschlagen.
102
Mao Zedong
gelang es hingegen, nach dem
Herbsternte-Aufstand
mit einer auf die ländlichen Verhältnisse angepassten Strategie im Bergland von
Hunan
und
Jiangxi
ein größeres Gebiet länger zu halten und
eine Sowjetrepublik
einzurichten. Aufgrund der Einkesselung durch Kuomintang-Truppen musste sie im Jahr 1934 geräumt werden, die Anführer der KP zogen sich mit dem
Langen Marsch
in den Norden von Shaanxi zurück, wo sie ein Jahr später ideologisch gefestigt und geeinigt ankamen. Während dieses Marsches hatte Mao die innerparteilichen Kämpfe für sich entschieden und war zum Vorsitzenden des
Zentralkomitees
gewählt worden.
103
Japan, dessen Truppen seit 1901 nach dem Boxeraufstand in Nordost-China standen,
entriss im Jahr 1931
dem Kriegsherren
Zhang Xueliang
die
Mandschurei
und errichtete dort den Vasallenstaat
Mandschukuo
104
Im Jahr 1933 nahmen die japanischen Truppen
Jehol
ein. Die Kommunisten forderten angesichts der Bedrohung durch Japan eine Allianz aller Parteien und Streitkräfte. Chiang zog es aber vor, zunächst die Herrschaft der Kuomintang gegenüber der Kommunistischen Partei zu konsolidieren. Im Dezember 1936 musste Chiang
dazu gezwungen werden
, einer
zweiten Einheitsfront
zuzustimmen, die dann erst nach dem
Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke
und dem offenen Ausbruch des
Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges
gebildet wurde. Trotz Einheitsfront setzte Chiang
seine schlagkräftigsten Truppen
gegen die Kommunisten ein.
105
Die Einheitsfront blieb entsprechend schwach, dazu kam, dass die Truppen Chiangs trotz Unterstützung von USA und UdSSR schwach organisiert waren und eine schlechte Kampfmoral hatten. Den japanischen Truppen gelang es dadurch, die großen Ebenen und Küstengebiete Chinas zu besetzen; in Nanjing begingen sie
einen mehrere Wochen dauernden Massenmord
. Sie konnten die eroberten Gebiete aber nicht dauerhaft kontrollieren. Die Regierung von Chiang musste sich nach
Chongqing
zurückziehen.
106
Kurz nach der
Kapitulation Japans
verhandelte Mao Zedong mit Chiang Kai-shek in Chongqing
107
ergebnislos über die Beilegung ihrer Gegensätze. Die Kuomintang versuchte in der Folge, das ganze Land unter ihre Kontrolle zu bekommen, aber ihre Truppen waren disziplinlos und ohne verständlichen Auftrag, ihre Vertreter korrupt und bei der Bevölkerung gefürchtet. Im Jahr 1947 abgehaltene Parlamentswahlen gewann die Kuomintang jedoch. Die
Volksbefreiungsarmee
hatte hingegen in der Bevölkerung genug Unterstützer. Sie eroberte im Jahr 1948 die Mandschurei, im April 1949 Nanjing und im Mai 1949 Shanghai.
108
Die Regierung der Kuomintang floh auf die 1945 besetzte Insel
Taiwan
, löschte die dortige Elite aus und errichtete eine Diktatur.
109
Mao-Zedong-Ära (1949–1976)
Hauptartikel
Geschichte der Volksrepublik China von 1949 bis 1957
und
Geschichte Chinas 1961–1965
Mao Zedong
während der
Proklamation
der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 auf dem
Tor des Himmlischen Friedens
(rechts
Dong Biwu
Treffen Mao Zedong mit
Richard Nixon
1972 in Peking
Am 1.
Oktober 1949 rief Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus. Dies bedeutete das Ende der Nationalregierung Chiang Kai-sheks auf dem chinesischen Festland.
110
Die Machtübernahme durch die Kommunisten war dabei kein von außen herbeigeführter Umsturz, sondern eine von einer in China breiten Mehrheit getragene Umwälzung.
109
In einer ersten Phase nach der Ausrufung der Volksrepublik führte die Staats- und Parteiführung von 1949 bis 1952 eine so genannte Bodenreform durch, bei der fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche an etwa 120 Millionen Bauern verteilt wurde. „Großgrundbesitzer“ wurden enteignet.
111
Im Jahr 1950 verabschiedete die Kommunistische Partei
ein Ehegesetz
, das ergänzend zur Verfassung die Gleichstellung von Mann und Frau konkretisierte. Insbesondere das Recht der Frau, selbst über eine Eheschließung zu entscheiden, das Verbot der Einforderung einer Mitgift für die Braut oder des
Konkubinats
, die Einführung eines Mindestalters der Frau, welches zur Abschaffung von Kinder- und Zwangsehen führte oder die Verrechtlichung der Beendigung einer Ehe durch Scheidung mit entsprechenden Regelungen zur Güteraufteilung der Eheleute verbesserten die Situationen von chinesischen Frauen dauerhaft. Doch die überlieferte, ländliche kulturelle Praxis zu durchbrechen oder Landfrauen die Kenntnis über das Gesetz zu vermitteln, stieß auf schwer überwindbare Hürden.
112
Das aktive und passive
Frauenwahlrecht
wurde 1949 eingeführt.
113
Im Februar 1950 unterzeichnete die kommunistische Staats- und Parteiführung einen Freundschafts- und Beistandsvertrag mit der
Sowjetunion
114
Der Entwicklung der städtischen Wirtschaft wurde Vorrang eingeräumt, nachdem sich das Wirken der KP während des Bürgerkrieges auf die ländlichen Gebiete konzentriert hatte. Zu diesem Zweck wurde unter dem Schlagwort „Neue Demokratie“ eine „Viererkoalition“ aus Arbeitern, Bauern, Kleinbürgern und nationalem Bürgertum gebildet.
115
Auf dem 8.
Parteitag fand Mao mit Werten wie
Aktivismus
Uneigennützigkeit
Einheit mit den Massen
und
Konsumverzicht
keine Mehrheit, der Weg der Nachahmung des sowjetischen Entwicklungsmodells mit der vorrangigen Entwicklung der Schwerindustrie wurde bestätigt.
115
Die Abkehr vom sowjetischen Vorbild leitete Mao Zedong mit seiner Rede über die „Zehn Großen Beziehungen“ im April 1956 ein. Er initiierte im Mai 1957 die
Hundert-Blumen-Bewegung
, um die Intelligenz zu mobilisieren. Als der Aufruf zu gesunder Kritik auch zu Kritik an der Partei und einzelnen Parteiführern führte, reagierte die Partei mit der „Kampagne gegen Rechtsabweichler“, in deren Rahmen mindestens 400 Kritiker hingerichtet und eine halbe Million Menschen in Arbeitslager verschleppt wurden.
116
Die Abwendung von der Sowjetunion wurde 1958 endgültig, als der
Große Sprung nach vorn
verkündet wurde. Im Rahmen dieser Kampagne wurde fast die gesamte Landbevölkerung in 26.000
Volkskommunen
zusammengefasst und nach militärischen Prinzipien organisiert. Sie sollten Landwirtschaft und Schwerindustrie als „Produktionsschlacht“ gleichzeitig vorantreiben. Planungsfehler, Chaos und Naturkatastrophen führten jedoch dazu, dass innerhalb von drei Jahren von 1960 bis 1962 landesweit etwa 30 Millionen Menschen verhungerten.
117
Liu Shaoqi
übernahm von 1963 bis 1964 die Aufgabe, die Wirtschaft zu konsolidieren. Er wurde für seine Maßnahmen als „Revisionist“ kritisiert.
118
Unter dem Vorwand, Fehlentwicklungen zu revidieren und die Bürokratie zu säubern, begann Mao Zedong im Frühsommer 1966 die
Kulturrevolution
. Landesweit wurden junge Menschen in so genannten
Roten Garden
organisiert. Es begann eine Terrorwelle gegen Repräsentanten und Entscheidungsträger des Staates und die Intelligenz; Schulen und Universitäten blieben teils mehrere Jahre geschlossen. Das Individuelle sollte zerstört werden, die Revolution sollte
permanent sein
. China verschloss sich noch mehr gegenüber dem Ausland. Im Jahr 1968 begann die „Aufs-Land-Bewegung“, mit der 15 Millionen junge Städter zur Arbeit in der Landwirtschaft abkommandiert wurden. Staatspräsident Liu Shaoqi sowie zahlreiche andere hohe Parteifunktionäre wurden als „Revisionisten“ kritisiert und ihrer Ämter enthoben.
119
In die Phase der Kulturrevolution fällt aber auch die wachsende Angst vor einem sowjetischen Angriff nach dem
chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis
, die die
Normalisierung der Beziehungen
zu den USA
notwendig machte. Nach einem
Besuch von Präsident Nixon
im Jahr 1972 nahm Peking mit Washington diplomatische Beziehungen auf;
Peking übernahm auch den Sitz
von
Taiwan
bei den
Vereinten Nationen
120
121
Die Kulturrevolution endete nach Maos Tod im September 1976 und der Verhaftung der „
Viererbande
“ im Oktober 1976.
122
Reform und Öffnung (1976/1980 bis 1999)
Hauptartikel
Geschichte der Volksrepublik China von Maos Tod bis 1981
und
Reform- und Öffnungspolitik
Die Wirtschaftsreformen unter
Deng Xiaoping
ermöglichten die schnelle Entwicklung der Küstenstädte wie hier
Shenzhen
Als Mao starb, waren seine designierten Nachfolger bereits tot:
Lin Biao
starb 1971 nach einem angeblichen Putschversuch,
Deng Xiaoping
wurde mit den
Protesten auf dem Tian’anmen-Platz 1976
nach dem Tod des Premierministers
Zhou Enlai
in Verbindung gebracht und degradiert. Somit wurde der bis dahin wenig bekannte
Hua Guofeng
zum Nachfolger Maos bestimmt. Hua und seine Unterstützer, die für die Weiterführung der Politik Mao Zedongs standen, wurden von
Deng
bis 1980 ausmanövriert und abgesetzt.
123
Im Dezember 1978 wurde der Kurs der „
Vier Modernisierungen
“, der mit Dengs Namen eng verbunden ist, von der Parteispitze bestätigt. Es wurden Opfer von Kulturrevolution und anderen Exzessen rehabilitiert und die ökonomischen Freiheiten erweitert. Marktwirtschaft ersetzte schrittweise die von der Sowjetunion übernommene zentrale Planwirtschaft, um die ökonomische Leistungsfähigkeit des Systems zu steigern. Mit dem früheren Kriegsgegner Japan wurde ein
Friedens- und Freundschaftsvertrag
unterzeichnet,
ausländische Investitionen
wurden schrittweise zugelassen. Deng besuchte die USA, die in der Folge ein wichtiger außenpolitischer Partner wurde.
124
Mit den
Sonderwirtschaftszonen
wurden Gebiete ausgewiesen, wo mit marktwirtschaftlichen Mechanismen experimentiert werden konnte, im Jahr 1984 wurden weitere 14 Küstenstädte geöffnet.
125
Der Ausweitung ökonomischer stand jedoch keine Ausweitung persönlicher Freiheiten gegenüber. Parallel zum Parteikongress vom Dezember 1978 artikulierte die Öffentlichkeit an der
Demokratiemauer
, dass sie mit den Einschränkungen der Freiheit unzufrieden war, diese wurde geschlossen, nachdem Forderungen nach Demokratie aufgekommen waren.
124
Gegen Intellektuelle, die sich schrittweise größere Freiheiten herausgenommen hatten, wurde mit der „
Kampagne gegen die geistige Verschmutzung
“ vorgegangen.
126
Die negativen Begleiterscheinungen der Wirtschaftsreformen wie wachsende Ungleichheit, Korruption, Inflation und die fehlende soziale Absicherung erhöhten das Protestpotential. Es entlud sich, als Trauerkundgebungen für den 1987 abgesetzten und im Frühling 1989 verstorbenen
Generalsekretär
Hu Yaobang
neuerlich zu
Demonstrationen auf dem Tian’anmen-Platz
führten. Sie radikalisierten sich parallel zu einem Besuch von
Michail Gorbatschow
zu Normalisierungsgesprächen in Peking, Anfang Juni wurden sie gewaltsam beendet.
127
Die Rückgabe der Kolonien
Hongkong
und
Macau
unter dem Prinzip „
Ein Land, zwei Systeme
“ stellt aus chinesischer Sicht einen weiteren Schritt zur Beendigung der Kolonialisierung Chinas dar. Ferner wurde das
Verhältnis zu Russland
wiederbelebt.
128
Obwohl die unerwünschten Begleiterscheinungen der Wirtschaftsreformen innerhalb der Parteispitze kontrovers diskutiert wurden,
125
war die Ära Deng eine Periode vergleichsweise großer Einmütigkeit.
129
Das schnelle Wirtschaftswachstum, das die Zahl der Menschen unter der Armutsgrenze drastisch von 250 Millionen im Jahr 1979 auf 45 Millionen im Jahr 1999 reduzierte,
130
legitimierte die Maßnahmen.
125
Nachfolger von Deng wurde
Jiang Zemin
; unter ihm und seinen Nachfolgern war die KP bemüht, das nach wie vor vorhandene Protestpotential durch Beilegung von Konflikten und Anwendung von Rechtsprechung zu entschärfen.
127
Zu den Herausforderungen, denen sich die Partei- und Staatsführung seitdem stellen muss, sind die sozialen Verhältnisse von Wander- und Fabrikarbeitern, die durch die „
Ein-Kind-Politik
“ bedingte schnelle Alterung der Gesellschaft sowie Forderungen nach
Rechtsstaatlichkeit
, Bekämpfung von Korruption und staatlicher Willkür.
131
Entwicklung zur Weltmacht (21. Jahrhundert)
In den ersten zwanzig Jahren des 21.
Jahrhunderts verzeichnete China ein beispielloses
Wirtschaftswachstum
. Im Durchschnitt wuchs die chinesische Wirtschaftskraft von 2000 bis einschließlich 2019 jährlich um 8,9
%.
132
Neben der Verdopplung des chinesischen Anteils am
Welthandel
versechsfachte sich das
Bruttoinlandsprodukt
innerhalb dieser Zeit, sodass China gegen Ende jenes Zeitraums zur zweitgrößten
Volkswirtschaft
der Welt herangewachsen war.
13
Das hatte positive Auswirkungen auf die Lebensqualität von mehr als 200 Millionen Chinesen, die aus
absoluter Armut
aufstiegen.
13
Wachstumsmotor der Volksrepublik war über Jahrzehnte, bis 2020, vor allem der Immobilien- und Bausektor, der zu Hochzeiten mehr als ein Viertel der Wirtschaftsleistung ausmachte. Der Bauboom endete mit einem Preisverfall im
chinesischen Immobilienmarkt
und der
Liquidation
eines der größten Baukonzerne des Landes (
Evergrande
). Die Rolle des Wirtschaftsmotors soll nach einer Entscheidung der Staatsführung die Industrieproduktion bzw. der Technologiesektor übernehmen.
133
134
Um
Knowhow
u.
a. von
Quantentechnologie
künstliche Intelligenz
Hyperschall
technik und
Biotechnologie
zu erhalten, betrieb und betreibt das Land massiv
Wirtschaftsspionage
; China war von 2000 bis mindestens 2023 das Land, von dem weltweit am meisten
Cyberangriffe
ausgingen.
135
136
China begann vor dem Hintergrund seiner auf
wirtschaftliche Expansion ausgerichteten Außenpolitik
mit einer massiven
Entwicklungsfinanzierung für Afrika
und dem Projekt
One Belt, One Road
seinen Machtanspruch in der Welt zu untermauern.
Während der 2010er Jahre startete China den Versuch der systematischen
Umerziehung der Uiguren in Xinjiang
. Außerdem war das Jahrzehnt aus chinesischer Sicht geprägt von der Auseinandersetzung mit der Hongkonger
Protestbewegung im Jahr 2014
, die mit den
Protesten ab dem Jahr 2019
wieder auflebte.
Ende 2019 brach mit einer
Erkrankungswelle in der chinesischen Stadt Wuhan
eine Epidemie aus, die sich zu einer
globalen Pandemie
entwickelte. Nachdem die chinesischen Behörden zunächst versucht hatten, den
Krankheitsausbruch zu vertuschen
137
geriet er Anfang Januar 2020 weltweit in den Blick.
138
Während andere Staaten immer stärker von der Pandemie getroffen wurden, blieb China im Herbst 2020 von der zweiten Welle verschont und konnte zu weitgehender Normalität des Alltagslebens zurückkehren.
139
Die Staats- und Parteiführung setzte zunächst auf eine strikte Null-Covid-Politik. Nach deren Scheitern und landesweiten Protesten beendete Chinas Führung dieses Vorgehen abrupt. In den folgenden Wochen kam es zu einer landesweiten Infektionswelle, in deren Folge nach Schätzungen internationaler Experten rund zwei Millionen Menschen in China ums Leben kamen.
140
Eine kritische Debatte über die Fehler und Versäumnisse während des Pandemie-Ausbruchs wird von der Staats- und Parteiführung verhindert.
141
Mit dem im März 2021 verabschiedeten 14.
Fünfjahresplan von 2021 bis 2025 und den zugehörigen langfristigen Zielen bis zum Jahr 2035
142
verschob die KPC den wirtschaftlichen Fokus auf die Entwicklung des Binnenmarktes. Die beiden Hauptentwicklungen sind der Ausbau von
Forschung und Entwicklung
, insbesondere der
Grundlagenforschung
, und die Stärkung des Angebots von Industriegütern und Dienstleistungen für den nationalen Konsum.
143
Bemerkenswert ist, dass erstmals alle Kennzahlen nur noch Zielwerte sind und Abweichungen durch Marktkräfte ausdrücklich anerkannt werden.
144
2024 hat sich Chinas Konjunktur weiter abgekühlt, das Wachstum bleibt unter den staatlichen Erwartungen.
145
Politik
Hauptartikel
Politisches System der Volksrepublik China
Mao-Porträt
am
Tor des Himmlischen Friedens
, dem Eingang zur
Verbotenen Stadt
(2008)
Die Volksrepublik China ist eine
autokratisch
regierte, zentralistische Partei
diktatur
unter Präsident
Xi Jinping
146
Die chinesische Staatsorganisation ist formal in der
Verfassung der Volksrepublik China
verankert. Demnach ist der Staat nach dem „Prinzip des
demokratischen Zentralismus
“ organisiert. Zwar sind noch acht andere
politische Parteien in der Volksrepublik China
zugelassen, jedoch hat die
Kommunistische Partei Chinas
im Rahmen der
Einheitsfront
die Führung über all diese
Blockparteien
inne.
147
Damit handelt es sich bei der Volksrepublik China um einen
sozialistischen
Einparteienstaat
, bei dem die Entscheidungen zuerst von der Kommunistischen Partei Chinas gefällt werden. Erst danach werden die grundsätzlichen, politischen Ziele in der Verfassung niedergelegt und die politischen Vorgaben im Staatsapparat umgesetzt. Eine
Gewaltenteilung
in Legislative, Exekutive und Judikative existiert nicht, sondern eine Gewaltenverschränkung.
148
Kommunistische Partei
Hauptartikel
Kommunistische Partei Chinas
Delegierte des 18. Nationalkongresses (November 2012)
Die Kommunistische Partei Chinas
wurde 1921 gegründet
und hält seitdem alle fünf Jahre
Parteitage
ab, auf denen die Politik festgelegt wird. Die Kommunistische Partei Chinas wird durch den
Generalsekretär
geführt und vertreten, der meistens zugleich den Posten des Präsidenten der Volksrepublik China innehat. Seit 2012 ist Xi Jinping Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, Staatspräsident und oberster Befehlshaber der Armee.
149
Auf den Parteitagen wird der
Ständige Ausschuss des Politbüros
gewählt, der aus sieben Personen besteht und das Machtzentrum der Volksrepublik China ist. Gewählt wird der Ständige Ausschuss aus den Reihen des
Politbüros
, das 25 Mitglieder hat. Das Politbüro wird vom ungefähr 200 Mitglieder umfassenden Zentralkomitee alle fünf Jahre gewählt. Das Zentralkomitee wird auf den Parteitagen von den daran teilnehmenden 3000 Delegierten auserkoren.
150
Die Delegierten werden von den verschiedenen Parteiorganisationen entsandt. Sobald drei Parteimitglieder zusammenkommen, bilden sie eine Basisorganisation der Kommunistischen Partei. Der gesamte Staatsapparat findet sich in einer Parallelstruktur in der Partei wieder, d.
h. innerhalb aller staatlichen Organe bestehen parallele Organisation der Partei, die die eigentlichen Entscheidungen fällen.
151
Im Jahr 2016 zählte die Kommunistische Partei Chinas 89 Millionen Mitglieder.
152
Die Mitgliederstruktur hat sich in den letzten Jahren verändert, da nun Parteikader, Arbeiter, Privatunternehmer und ein hoher Anteil Studierender die Heterogenität der chinesischen Gesellschaft widerspiegeln. Bis zum Jahr 2014 wurden Parteimitglieder aufgrund ihrer wirtschaftlichen, politischen oder wissenschaftlichen Position ausgesucht. Seit 2014 ist das Kriterium der „Loyalität gegenüber der Partei“ für den Beitritt ausschlaggebend.
153
Unter Xi Jinping hat die Kommunistische Partei das Ziel, den „
Chinesischen Traum
“ zu verwirklichen. Mit dem
Dokument Nummer 9
wird in einem parteiinternen Strategiepapier vor der „Einflussnahme durch die westliche Welt“ gewarnt.
154
Der Beginn der Ära Xi zeichnet sich ferner durch die rigide “
Antikorruptionskampagne
” aus, mit der Xi sich viele Feinde in der Partei geschaffen haben wird.
155
Auf dem Parteitag im Herbst 2017 wurde beschlossen, dass die Begrenzung auf zwei Wahlperioden für eine Präsidentschaft entfällt. Dieser Beschluss wurde auf dem Nationalen Volkskongress im Jahr 2018 in die Verfassung aufgenommen. Damit kann Xi bis an sein Lebensende Präsident der Volksrepublik China bleiben. Diese Entscheidung wurde als Rückschritt zur Personenherrschaft wie unter Mao Zedong gesehen.
156
Bis zur Präsidentschaft von Xi Jinping wurde von einem parteiinternen Gleichgewicht in Form von
collective leadership
ausgegangen. Mit der Aufhebung der Altersgrenzen wurde diese kollektive Führung aufgegeben. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass „Stabilität“ Vorrang habe, da es „Probleme“ mit der Trennung von Partei und Staat gebe.
157
Analysten gehen davon aus, dass es zum Ende der Ära Hu Jintaos Fraktionskämpfe innerhalb der Partei gegeben hat. Es gibt Gerüchte, die auf einen vereitelten Staatsstreich im Jahr 2011 hinweisen.
158
159
Mit der Antikorruptionskampagne hat Xi mögliche Gegner beseitigt, gleichzeitig unterminiere die Korruption die Legitimation der Kommunistischen Partei, so dass ihm keine andere Wahl bliebe. Allerdings muss er dafür die Kontrolle über die Politik und die Wirtschaft haben. Xi setzt politische Kontrolle über ökonomisches Wachstum. Damit steckt die Führung jedoch in einem Dilemma, einerseits müssen sie die Eigenmächtigkeit der oligarischen Wirtschaftscliquen unterbinden, indem Korruption geahndet wird, gleichzeitig sind sie aber auf diese Wirtschaftscliquen angewiesen, um den Staatsapparat funktionsfähig zu erhalten.
160
Während der zweiten Amtszeit Xi Jinpings als Staats- und Parteichef Chinas hat der
Personenkult
um ihn landesweit deutlich zugenommen.
161
Die staatlichen Medien in China bezeichnen Xi zunehmend als den „Kern“ der Kommunistischen Partei.
162
Staatsaufbau
Die
Große Halle des Volkes
auf dem
Tian’anmen-Platz
ist das Parlamentsgebäude der Volksrepublik, 2016
Xi Jinping, der gegenwärtige Staats- und Parteichef der Volksrepublik China, 2021
Laut ihrer
Verfassung
ist die Volksrepublik China ein „sozialistischer Staat unter der demokratischen Diktatur des Volkes“. Die
Verfassungsänderungen
1993, 1999, 2004, 2012 und 2018 betonen unverändert die absolute Führung der Partei. Darüber hinaus steht in der Präambel, dass das “Prinzip der
sozialistischen Marktwirtschaft
” angestrebt, Privateigentum und Menschenrechte „geschützt“ werden sowie die „Herrschaft durch das Recht“ angestrebt wird.
163
Das laut Verfassung höchste
Staatsorgan
ist der
Nationale Volkskongress
, die Legislative der Volksrepublik China. Die
Abgeordneten
wählen den
Staatspräsidenten
, den Ministerpräsidenten sowie weitere Führungspersönlichkeiten. Es verabschiedet Gesetze von grundlegender Bedeutung und stimmt über Rechenschaftsberichte der Exekutive ab. Der Nationale Volkskongress hat circa 3000 Abgeordnete und tritt im Regelfall einmal im Jahr Anfang März zusammen. Das Arbeitsorgan des Volkskongresses ist der
Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses
, der alle zwei Monate tagt und die meisten Gesetze verabschiedet. Aufgrund der fehlenden realen Macht wird der Nationale Volkskongress als
Abstimmungsmaschine
bezeichnet, allerdings existieren auch Kontroversen, wie z.
B. beim
Drei-Schluchten-Staudamm-Projekt
im Jahr 1992.
164
Andere Wissenschaftler halten diese Bezeichnung daher nicht unbedingt für gerechtfertigt, da – gerade bei Personalentscheidungen – Gegenstimmen erhoben wurden.
165
Volkskongresse werden auf allen Ebenen gewählt, d.
h. auf Provinz-, Bezirks- und Kreisebene. Die zu Wählenden werden von der Partei vorgegeben.
166
Nur auf der Kreis- und Dorfebene waren in der Vergangenheit vereinzelt
freie Wahlen
möglich.
167
Die
Politische Konsultativkonferenz
der Volksrepublik China wurde 1946 gegründet und war bis 1954 das Legislativorgan der Volksrepublik China. Seitdem hat sie nur noch beratende Funktion. Sie tagt parallel oder nach dem Nationalen Volkskongress jährlich im März.
168
Das tatsächlich höchste Amt der Volksrepublik China ist das des
Staatspräsidenten
. Er unterschreibt die vom Nationalen Volkskongress verabschiedeten Gesetze, die erst dadurch in Kraft treten. Außerdem ernennt und entlässt er den Ministerpräsidenten und dessen Stellvertreter, die Staatskommissare sowie die Minister. Nur er kann den Kriegszustand erklären. Staatspräsident ist seit 2013 Xi Jinping, der zugleich als Generalsekretär der KPCh fungiert. Als Ministerpräsident leitet
Li Qiang
den Staatsrat. Vorsitzender des Nationalen Volkskongresses ist
Li Zhanshu
169
Das zentrale Verwaltungsorgan ist der
Staatsrat
. Der
Ministerpräsident
steht dem Staatsrat vor und leitet dessen Arbeit. Er ist formal als Vertreter des Staatsrats im Nationalen Volkskongress rechenschaftspflichtig. Vier
Vizeministerpräsidenten
, Staatssekretäre und die Minister unterstützen den Ministerpräsidenten und sind ihm gegenüber verantwortlich. Die Provinzen und Autonomen Regionen besitzen eigene Regierungen und Volkskongresse. Der Aufbau, die Arbeitsweise und die Kompetenzen der Provinzregierungen entsprechen in der Grundstruktur der
zentralstaatlichen
Ebene.
170
Verwaltungsgliederung
Hauptartikel
Verwaltungsgliederung der Volksrepublik China
Verwaltungsgliederung der Volksrepublik China
Die Verwaltungsgliederung besteht aus sechs Ebenen. Sie unterteilen sich unterhalb der Nationalebene, wie folgt:
Provinzebene
mit 22
Provinzen
, fünf
Autonome Regionen
und vier
regierungsunmittelbare Städte
. Die zwei Sonderverwaltungszonen
Hongkong
und
Macau
werden ebenfalls auf dieser Ebene angesiedelt. Sie werden nach dem Grundsatz
Ein Land, zwei Systeme
verwaltet und besitzen eigene Verfassungen und Gesetze. Darüber hinaus haben 15 Städte
Sonderwirtschaftszonen
mit Sonderrechten. Gemäß der offiziellen Darstellung der Volksrepublik China ist
Taiwan
die 23. Provinz der Volksrepublik.
Bezirksebene
mit 45
Autonomen Bezirken
und
Aimags
sowie 288
bezirksfreien Städten
Kreisebene
mit 1596
Kreisen
autonome Kreisen
Bannern
und
Sondergebieten
sowie 361
Kreisfreien Städten
und 897
Stadtbezirken
Gemeindeebene
mit 32
685
Großgemeinden
Gemeinden
Nationalitätengemeinden
und
Sums
, daneben 7696
Straßenviertel
171
Dorfebene
in unbekannter Anzahl.
172
Auf dieser untersten Ebene vollzieht sich die Staatsmacht in den
Danweis
, die die unterste Stufe der Exekutive bilden.
Die Zentralregierung gibt die Politik mit Anordnungen und Rahmengesetzen vor. Allerdings sind diese für die Lokalregierungen nicht rechtlich verpflichtend, sondern sie setzen die Politik mit einer eigenen Gesetzgebung durch ihre Volkskongresse um. Sanktionen bei Nichterfüllung sind nur in Form von Personalentscheidungen möglich. Artikel 89 der
Verfassung
gibt dem
Staatsrat
die Befugnis, Normen oder Entscheidungen der lokalen Behörde zu revidieren.
173
Allerdings kommt es nicht vor, dass Kompetenzkonflikte offen ausgetragen werden.
174
Konflikte werden in Verhandlungen zwischen Zentrale und Lokalregierungen beigelegt.
173
Deshalb wurde die Volksrepublik teils als “informeller Föderalismus” bezeichnet. Mit der Amtseinführung von Xi Jinping ist eine Rezentralisierung beabsichtigt. Es gibt keine Schritte in Richtung eines formellen Föderalismus.
175
Allerdings sind die Verwaltungsstrukturen fragmentiert, so dass ein „Durchregieren“ nicht möglich sei, sondern jede politische Entscheidung „auf Verhandlungsbasis“ umgesetzt wird oder eben auch nicht.
176
Rechtssystem
Siehe auch
Gerichtsorganisation in der Volksrepublik China
Oberstes Volksgericht in Peking (2013)
Gerichtsgebäude in
Haikou
, Provinz
Hainan
(2012)
In der chinesischen Normenhierarchie stehen die Entscheidungen der Kommunistischen Partei China über denen der Rechtsorgane.
177
Auf nationaler Ebene werden die Gesetze vom Nationalen Volkskongress und seinem Ständigen Ausschuss verabschiedet. Diese Gesetze werden dann von den lokalen Volkskongressen in eigene Gesetze gegossen. Die Umsetzung der zentralen Vorgaben auf lokaler Ebene wird nur durch eine Prüfungskommission des Nationalen Volkskongresses untersucht, die nach Vorankündigung in die Provinzen entsandt wird.
178
Nach der chinesischen Verfassung und dem Organisationsgesetz für Volksgerichte sind Volksgerichte die Organe der
Rechtsprechung
des Staates. Es existieren auf den verschiedenen Ebenen „Volksgerichte“, Mittlere Volksgerichte, „Sondervolksgerichte“ und
Obere Volksgerichte
. Die höchste rechtliche Instanz ist das
Oberste Volksgericht
in Peking, das die Rechtsprechung der Volksgerichte beaufsichtigt bzw. die Rechtsprechung auslegt.
179
Zwar hat Xi Jinping Rechtsreformen versprochen, aber diese entsprechen nicht einer Rechtsherrschaft, sondern nutzen Recht als Mittel. Repressalien und
Zensur
haben seit seinem Amtsantritt zugenommen, obwohl chinesische Bürger sich stärker als vor 20 Jahren ihrer Rechte bewusst sind und versuchen diese einzufordern.
180
Deutschland hat im Jahr 1999 mit der Volksrepublik China einen
Deutsch-Chinesischen Rechtsstaatsdialog
begonnen, um sich über Fragen des Rechts auszutauschen.
181
Innenpolitik
Siehe auch
Zensur in der Volksrepublik China
Die politischen Ziele werden in
Fünfjahresplänen
festgelegt. Sie geben Anhaltspunkte über die politische Richtung der kommenden fünf Jahre.
Unter dem Präsidenten Xi Jinping haben sich seit 2012 Restriktionen in allen Bereichen verschärft. Für die Partei sei die
Korruptionsbekämpfung
„überlebensnotwendig“ geworden, da mit den Wirtschaftsreformen die Korruption in hohem Maße zugenommen hat. Xi Jinping hat im Jahr 2012 die sogenannte “
Antikorruptionskampagne
” initiiert. Zahlreiche Verfahren wegen Korruption wurden eröffnet und hohe Politiker (
Zhou Yongkang
Bo Xilai
) verurteilt. Ohne die Zustimmung der Partei wären diese Disziplinarverfahren nicht möglich.
182
Die Kehrseite der Antikorruptionskampagne ist ein Beamtenapparat, der nur noch bedingt funktionsfähig ist, da er keine Entscheidungen mehr fällt, weil die Angst der Korruption bezichtigt zu werden, die Beamten lähmt.
183
Mit der
Operation Fuchsjagd
werden chinesische Staatsbürger seit 2014 im Ausland verfolgt, wenn sie sich mit staatlichen Gelder in das Ausland abgesetzt haben.
184
Im Prinzip hat Xi damit die Antikorruptionskampagne auf die Welt ausgeweitet.
185
Nach dem
Korruptionswahrnehmungsindex
von
Transparency International
e.
V. belegt die VR China 2019 unter 180 Ländern den 80. Platz.
186
Unter Xi Jinping ist ein System der Nachbarschaftsüberwachung während der COVID-19-Pandemie wiederbelebt worden. Dabei werden Haushalten in Gruppen von 10 organisiert, die durch einen Leiter angeführt werden, beispielsweise einem Dorfkader oder einem ehemaligen Kader. Diese Gruppeneinteilung hat historische Wurzeln, aber die neue Version stammt aus Erfahrungen in Xinjiang. Mit diesem Nachbarschaftssystem soll soziale Kontrolle ausgeübt werden.
187
Menschenrechte
Hauptartikel
Menschenrechte in der Volksrepublik China
und
Todesstrafe in der Volksrepublik China
Menschenrechtsorganisationen
wie
Amnesty International
und
Human Rights Watch
werfen der Volksrepublik zahlreiche Verletzungen grundlegender
Menschenrechte
vor. Besonders seit dem
Massaker vom 4. Juni 1989
auf dem
Tian’anmen-Platz
wird die Menschenrechtslage in der Volksrepublik China kritisiert.
188
Mit tausenden Hinrichtungen ist die Volksrepublik China weltweit das Land, in dem die Todesstrafe am häufigsten vollzogen wird. Die genauen Zahlen lassen sich nur schätzen, da die konkrete Zahl der Hinrichtungen ein Staatsgeheimnis ist.
189
Formell hat die chinesische Regierung die
Menschenrechtskonventionen
der
Vereinten Nationen
größtenteils ratifiziert.
190
Laut Artikel 33 Absatz 3 der chinesischen Verfassung von 2004 „respektiert und gewährleistet der Staat die Menschenrechte“.
191
Nach chinesischer Lesart „verleiht und schützt“ der Staat die Menschenrechte, die aber nicht gegen die Interessen anderer Bürger und „den Staat gerichtet“ sein dürfen.
192
Damit hat das subjektive Recht in der Volksrepublik China keine Priorität.
Besondere Aufmerksamkeit erhielten Fälle wie die
Umerziehungslager in Xinjiang
, die Unterdrückung von
Uiguren
und
Tibeter
, der
Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden in China
, die Systeme der „
Umerziehung durch Arbeit
“ und „
Verhaftung und Rückführung
“, das
Sozialkredit-System
oder die Geburtenkontrolle im Rahmen der
Ein-Kind-Politik
Überwachung
In den Städten werden
Überwachungskameras
großflächig auf Straßen und öffentlichen Plätzen installiert.
193
Hatte der chinesische Staat zur Jahreshälfte 2017 nach Schätzungen 176 Millionen Kameras aufgestellt
194
, verdoppelte sich die Anzahl der Überwachungskameras im darauf folgenden Jahr.
195
Schätzungen von bis einschließlich des Jahres 2020 installierten Kameras liegen zwischen 567 und 600 Millionen.
195
196
Zur Auswertung der Bilder nutzt die
chinesische Polizei
unter anderem die
Bild-
bzw.
Gesichtserkennungssoftware
von
Megvii
und
SenseTime
197
198
Parallel wurde das
Sozialkredit-System
ab 2020 getestet, bei dem die Bürger für sozial adäquates Verhalten Punkte erhalten und bei Verstößen gegen die Moral oder bei Kritik an der Partei Punkte abgezogen bekommen. Wer wenige Sozialkreditpunkte hat, wird bei der Buchung von Reisetickets o. ä. benachteiligt.
199
Ein landesweites Sozialkreditsystem für Bürger wurde bis 2023 allerdings nicht eingeführt und das Konzept stattdessen vorwiegend auf Unternehmen angewendet.
200
Außenpolitik
Hauptartikel
Außenpolitik der Volksrepublik China
G20-Gipfel in Hamburg 2017
, Ehepaar Xi in erster Reihe
Xi Jinping und
Joe Biden
im November 2024
Xi Jinping,
Wladimir Putin
und
Narendra Modi
beim BRICS-Gipfel 2024 in
Kasan
, Russland
Die Außenpolitik der Volksrepublik China ist gekennzeichnet durch das Bestreben,
Weltmacht
zu sein sowie sich
geostrategisch
Ressourcen und Handelswege zu sichern. Als zweitbevölkerungsreichstes Land der Erde, ständiges Mitglied im
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
Nuklearmacht
und wachsende Volkswirtschaft strebt China verstärkt nach Mitwirkung in allen bedeutenden weltpolitischen Fragen und verfolgt dabei selbstbewusst seine nationalen Interessen. Die Volksrepublik China ist Mitglied der
G20
und der
BRICS-Staaten
Seit Ende der 2010er Jahre schließt China gemäß der öffentlichen Meinung als zweite
Supermacht
zu den
USA
auf, der Konflikt zwischen den Bündnissen beider Staaten wird teilweise als
Zweiter Kalter Krieg
bezeichnet.
201
202
203
204
205
206
207
Als Gegenspieler der USA-geführten
NATO
gelten vermehrt die beiden China-geführten Organisationen
SOZ
(engl. SCO) sowie
BRICS plus
208
Im Gegensatz zum ersten
Kalten Krieg
ist Russland nun Juniorpartner von China.
Ein wichtiges Projekt seit 2013 ist dabei die
Neue Seidenstraßen Initiative
(„
One Belt, One Road
“), bei der zunächst entlang der alten
Seidenstraße
eine
Handelsroute
von der Volksrepublik China nach Europa angestrebt und gebaut wurde. Diese Handelsroute geht aber inzwischen über diese alte Seidenstraße hinaus und umfasst mittlerweile fast alle Teile der Welt. Ebenso beschränkt sie sich nicht mehr auf Handel, sondern hat auch den Zugriff auf Ressourcen, politischen und militärische Einfluss zum Ziel. Die hiermit verbundenen Investitionsprojekte (wie die
17+1 Initiative
in Osteuropa oder der
Hafen von Piräus
in Griechenland) werden häufig auch als Druckmittel benutzt.
209
In diesem Zusammenhang wurde im Jahr 2016 von der Volksrepublik China ausgehend die
Asian Infrastructure Investment Bank
(AIIB)
gegründet.
210
Im Jahr 2011 hat China
durch seine Entwicklungsfinanzierung
die USA als größten Handelspartner
Afrikas
abgelöst.
211
212
In der Beziehung zu anderen Staaten wird streng die
Ein-China-Doktrin
vertreten: Das heißt, dass jeder Staat, der mit der Volksrepublik China Handel treiben oder diplomatische Beziehungen eingehen möchte, die
Republik China
auf Taiwan nicht als eigenständigen Staat anerkennen darf. Andernfalls hat er mit Sanktionen zu rechnen.
210
Seit der Amtseinführung von
Donald Trump
im Jahr 2016 sind die
sino-amerikanischen Beziehungen
auf einem Tiefpunkt. Seit 2018 besteht der
Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China
, der aufgrund der engen finanz- und wirtschaftspolitischen Verzahnung der beiden Staaten gravierende Auswirkungen – auch auf den Rest der Welt – hat. Reibungspunkte bestehen ferner im
Südchinesischen
und
Ostchinesischen Meer
, wo China zunehmend aggressiv auftritt.
210
Unter anderem ausgelöst durch Geschehnisse in Zusammenhang mit dem Taiwan-Konflikt kam es Anfang der 2020er-Jahre regelmäßig zu Spannungen zwischen beiden Staaten.
Das
Verhältnis zwischen China und Südkorea
sowie
Nordkorea
ist seit 2013 schwieriger geworden. Seit 2016 stimmt China verschärften
UN-Sanktion
gegenüber Nordkorea zu, obwohl Nordkorea als kommunistischer Staat ein sozialistischer „
Bruderstaat
“ ist. Im Prinzip möchte die Volksrepublik den Status quo der Situation erhalten, zumal bei einem Zusammenbruch Nordkoreas von Flüchtlingsströmen in die Volksrepublik China auszugehen ist. Die
chinesisch-japanischen Beziehungen
bleiben angespannt. Der Streit entzündet sich häufig an Diaoyu-/
Senkaku-Inseln
im Ostchinesischen Meer. Es geht außerdem um historisch-völkerrechtliche Kontroversen
213
und Ressourcen.
210
Unter anderem wegen der Besitzstreitigkeiten im Südchinesischen Meer sind auch die Beziehungen zu anderen Nachbarn in der Region angespannt, wie etwa zu den Philippinen, zu Malaysia, Taiwan, Vietnam und Brunei. Dennoch kommt es in all diesen Ländern weiter zu teils umfangreichen chinesischen Investitionen.
Zu den weiteren Nachbarstaaten, wie
Russland
, hat sich (auch aus überlappenden geostrategischen Interessen) das Verhältnis entspannt, die
chinesisch-russischen Beziehungen
sind durch historische Auseinandersetzungen jedoch vorbelastet. Seit
Russlands Überfall auf die Ukraine
hat sich Chinas Staats- und Parteiführung allerdings erneut Russland angenähert.
214
Pakistan
ist ein enger Verbündeter der Volksrepublik, siehe
chinesisch-pakistanische Beziehungen
. Die
chinesisch-indischen Beziehungen
sind wegen territorialer Grenzstreitigkeiten konfliktreich und führten in den letzten Jahren sogar zu vereinzelten militärischen Auseinandersetzungen.
210
Im September 2023 vereinbarten China und
Syrien
eine „strategische Partnerschaft“ zwischen beiden Staaten.
215
Die
chinesisch-deutschen Beziehungen
sind durch enge wirtschaftliche Verflechtungen gekennzeichnet.
13
Im politischen Bereich finden regelmäßige Konsultationen statt, wie z.
B. beim
Deutsch-Chinesischen Rechtsstaatsdialog
. Allerdings zeigen sich auch in diesem Verhältnis seit 2016 Konfliktfelder, wie z.
B. eine deutliche Zunahme chinesischer Investitionen, die für die Deutschen mit der Angst des Know-How-Abflusses verbunden ist (siehe etwa der Fall
Kuka
), Chinas Weigerung sich im Südchinesischen Meer internationalem Recht zu unterwerfen und schließlich offene Kritik Chinas am liberalen Gesellschaftsmodell.
210
Die chinesische Einflussnahme auf andere Staaten und Gesellschaften wird daher zunehmend als „Systemkampf“ bezeichnet.
216
217
Während der
COVID-19-Pandemie
regte sich Kritik, dass China Informationen bezüglich des Virus zurückgehalten habe und bei der Verteilung von medizinischen Schutzgütern Länder unter Druck setze, wenn diese Kritik an der Außenpolitik Chinas übten.
218
219
Taiwan-Konflikt
Hauptartikel
Taiwan-Konflikt
und
Chinesisch-taiwanische Beziehungen
Die Taiwan-Frage ist ein Problem aus dem
chinesischen Bürgerkrieg
, in dessen Endphase sich die nationalistische Regierung auf die Insel Taiwan zurückzog und dort eine Militärdiktatur errichtete, während auf dem Festland die Volksrepublik ausgerufen wurde. Die „Rückkehr Taiwans zur Volksrepublik China“ ist im chinesischen Nationalismus fest verankert und ist Ziel der chinesischen Führung, auch wenn Taiwan nie Teil der Volksrepublik war.
220
221
222
Neben dem
Konflikt auf der koreanischen Halbinsel
ist die Taiwan-Frage die größte sicherheitspolitische Herausforderung in Ostasien.
223
Unter dem Schlagwort
Ein-China-Prinzip
sind sich die Regierungen beiderseits der Taiwan-Straße einig, dass es nur ein einziges China gibt, dass aber unterschiedliche Ansichten darüber herrschen, wer die legitime Regierung dieses einen Chinas ist. Die Regierung der Volksrepublik beabsichtigt seit
Deng Xiaoping
, Taiwan unter dem Prinzip
Ein Land, zwei Systeme
mit dem Festland zu vereinigen, wobei Taiwan eine weitergehende Autonomie zugesagt würde als
Hongkong
nach der Rückgabe durch Großbritannien. Die taiwanische Bevölkerung betrachtet dies als Unterwerfungsstrategie und misstraut den Versprechungen aus Peking.
224
Peking behält sich den Einsatz von Gewalt unter bestimmten Voraussetzungen vor, dazu gehören eine nukleare Aufrüstung Taiwans oder konkrete Schritte der Regierung in Taipeh zur Unabhängigkeit. Das militärische Gleichgewicht ändert sich ständig zu Gunsten von Peking.
223
Die USA haben eine
politische Zusage zur Unterstützung von Taiwan
geleistet.
225
Die Strategie der Volksrepublik ist es, Taiwan wirtschaftlich vom Festland abhängig zu machen, den gesellschaftlichen Austausch zu fördern, Taiwan diplomatisch zu isolieren, der Insel militärisch zu drohen und die USA in ihrem Sinne zu beeinflussen.
226
Seit Beginn der Öffnungspolitik haben taiwanische Firmen auf dem Festland mehr als 200 Milliarden US-Dollar investiert, sie beschäftigen etwa 14 Millionen chinesische Arbeiter. Etwa 60 Prozent der taiwanischen Direktinvestitionen im Ausland gehen in die Volksrepublik; etwa ein Viertel des taiwanischen Außenhandels wird mit der Volksrepublik abgewickelt. Das Kalkül Pekings, taiwanische Geschäftsleute und Unternehmen würden bei der taiwanischen Regierung im Sinne Pekings intervenieren, ist jedoch nicht aufgegangen.
227
Seitdem Anfang 2016
Tsai Ing-wen
von der
Demokratischen Fortschrittspartei
als Präsidentin Taiwans gewählt wurde, verschlechtern sich die Beziehungen, da sie den
Status quo
anstrebt. Tsai wurde Anfang 2020 wiedergewählt.
228
Nachrichtendienste
Das
Ministerium für Staatssicherheit
國家安全部
国家安全部
Guójiā Ānquánbù
) ist als straff organisierter, ziviler Dienst für die Auslandsaufklärung sowie für die innere Sicherheit zuständig. Es untersteht dem
Staatsrat
Residenturen
der chinesischen Auslandsaufklärung befinden sich in den
Botschaften
beziehungsweise
Konsulaten
, in
Deutschland
zum Beispiel in der
chinesischen Botschaft in Berlin
. Der Militärnachrichtendienst, die Abteilung zwei (Informationen) der Generalplanungsabteilung (
chinesisch
總參謀部
总参谋部
Pinyin
Zǒngcānmóubù
) der
Volksbefreiungsarmee
, unterhält ebenfalls Auslandsvertretungen.
229
Militär
Hauptartikel
Volksbefreiungsarmee
Flagge der Volksbefreiungsarmee
Die Volksbefreiungsarmee wurde 1927 gegründet und half der Kommunistische Partei während des „revolutionären Kampfes“ vor 1949 und bei der Konsolidierung ihrer Herrschaft nach 1949. Die Volksbefreiungsarmee ist die personell größte Armee der Welt. Sie besteht aus
Heer
Marine
Luftwaffe
und Raketenstreitkräften. Die Volksrepublik China ist eine Nuklearmacht. Sie hat den
Atomwaffensperrvertrag
abgeschlossen und den uneingeschränkten
Verzicht auf den Ersteinsatz
erklärt.
Die Zentrale Militärkommission koordiniert die Verteidigungspolitik, formuliert die Militärdoktrin und übernimmt im Kriegsfall das Oberkommando.
230
Oberster Befehlshaber ist Xi Jinping als Vorsitzender der Zentralen Militärkommission.
231
Für das Jahr 2017 schätzte das
Stockholmer internationale Friedensforschungsinstitut
die Ausgaben für das Militär der Volksrepublik China 1544 Milliarden Yuan bzw. 1,9 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes
232
Nach den USA und Russland liegt die Volksrepublik China auf Platz 3 bei den weltweiten Militärausgaben (gefolgt von Indien).
233
Politische Indizes
Von
Nichtregierungsorganisationen
herausgegebene politische Indizes
Name des Index
Indexwert
Weltweiter Rang
Interpretationshilfe
Jahr
Fragile States Index
64,4
von 120
99
von 179
Stabilität des Landes: Warnung
0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land
2024
234
Demokratieindex
2,11
von 10
145
von 167
Autoritäres Regime
0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
2024
235
Freedom in the World Index
von 100
Freiheitsstatus: unfrei
0 = unfrei / 100 = frei
2024
236
Rangliste der Pressefreiheit
14,8
von 100
178
von 180
Sehr ernste Lage für die Pressefreiheit
100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage
2025
237
Korruptionswahrnehmungsindex
(CPI)
43
von 100
76
von 181
0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber
2024
238
Kommunikation und Information
Seit der Gründung der Volksrepublik 1949 waren bis in die 1980er Jahre sämtliche Medien staatlich. Auch nach der kontrollierten Öffnung des Marktes für private Akteure dominierte die staatliche Nachrichtenagentur
Xinhua News Agency
, der staatliche Fernsehsender
China Central Television
(CCTV) und
People's Daily
das Parteiorgan der KP die Medienlandschaft. Für die Kontrolle und Zensur sorgen die General Administration of Press and Publication (GAPP) und die National Radio and Television Administration (NRTA).
239
Die Massenmedien in der VR China bestehen vor allem aus Fernsehen, Radio, Tageszeitungen und Magazinen. Ab den 2000er Jahren erlangte das Internet zunehmende Bedeutung für die Informationsverbreitung und wird umfassend zensiert und überwacht.
240
Zensur
Hauptartikel
Zensur in der Volksrepublik China
Chinas Medien unterliegen strikter Zensur und werden mit täglichen Direktiven der Regierung zentral gesteuert. Unter Staats- und Parteichef Xi Jinping baute die KP mithilfe modernster Technologie ihre umfassende Kontrolle über Nachrichten und Informationen weiter aus. In einem Entwurf für Marktzugangspositivlisten wurde im Oktober 2021 angekündigt, dass zukünftig nur noch Medien zugelassen werden, die von der Kommunistischen Partei finanziert werden.
241
International wirbt sie für dieses repressive Modell als „neue Weltordnung der Medien“. Zu den vielen zensierten Tabuthemen gehören etwa Menschenrechtsverletzungen und politische Proteste.
242
Die Internetzensur der Volksrepublik gilt als eine der strengsten der Welt.
Google
Skype
und
Wikipedia
sind in China verboten, Suchmaschinen filtern für die Regierung heikle Suchanfragen heraus.
243
Gezielt werden chinesische Social-Media-Apps eingesetzt. Die Organisation
Reporter ohne Grenzen
stufte 2023 die Volksrepublik in der
Rangliste der Pressefreiheit
auf Platz 179
von 180 ein und damit lediglich vor
Nordkorea
. Dieselbe Organisation gab für 2020 die Zahl der bisher inhaftierter Journalisten in China mit 67 und der inhaftierten bloggenden Bürgerjournalisten mit 46 Personen an.
244
Medien
K-Pop
-Legende
Jonghyun
während einer
KuGou Music Festival
Tournee in China, 2016
Seit den 1970ern hat sich eine rege Medienszene entwickelt. Waren es in den 1980ern und 1990ern noch Zeitschriften, Kinofilme und Literatur, so haben seit den 2000ern Online-Medien das Publikum erobert. Es findet sich ein vielfältiges Angebot an Zeitschriften und Online-Plattformen, -Diensten und Online-Medien. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle Medien in der Volksrepublik zensiert werden. Viele dieser Medien sind gewinnbringende Unternehmen, die sich über Werbung finanzieren und mit der Kommunistischen Partei kooperieren müssen.
245
Die
Volkszeitung
chinesisch
人民日报
Pinyin
Rénmín Rìbào
) ist die staatliche Zeitung, welche die Vorgaben der Kommunistischen Partei wiedergibt. Kritische Berichte fanden sich in
Southern Weekly
chinesisch
南方周末
Pinyin
Nánfāng Zhōumò
) und für Finanzen in
Caijin
chinesisch
财经
Pinyin
Cáijīng
) und
Caixin
chinesisch
财新
Pinyin
Cáixīn
). Zu den englischsprachigen Zeitungen zählen
China Daily
und
Global Times
, letztere mit einer stark nationalistischen Ausrichtung.
246
China Central Television
(CCTV) ist das staatliche Fernsehen, welches über 20 Kanäle ausstrahlt. Werbeeinnahmen sichern die Finanzierung. Seit 2018 sind CCTV, China National Radio (CNR)
247
und
China Radio International
(CRI) zur China Media Group (
chinesisch
中央广播电视总台
Pinyin
Zhōngyāng Guǎngbò Diànshì Zǒng Tái
) fusioniert. CRI informiert auch über das Internet in deutscher Sprache.
248
Voice of China
ist die Rundfunkanstalt für das Ausland, die im Rang einem Ministeriums gleichkommt. Die Zentrale Propagandaabteilung der Kommunistischen Partei Chinas ist inhaltlich und administrativ verantwortlich.
249
2020 hat die
China Film Administration
zusammen mit der
China Association for Science and Technology
einen Leitfaden zur Förderung der Entwicklung von
Science-Fiction-Filmen
herausgegeben, und dieses
Genre
als bedeutendes Wachstumsfeld und neue treibende Kraft für die qualitativ hochwertige Entwicklung der chinesischen Filmindustrie hervorgehoben.
250
Aufgrund der hohen Zahl mobiler Nutzer werden Nachrichtenportale wie
QQ.com
Sohu
.com und
Sina.com
genutzt.
251
Beliebt sind
mobile Apps
in China.
KuGou
hat vor allem in ländlichen Regionen monatlich rund 450 Millionen aktiven Nutzern, gefolgt von QQ Music mit 211 Millionen und KuWo mit 108 Millionen.
252
Siehe auch
Anfänge des chinesischen Journalismus
Telekommunikation
Im September 2019 hatten ungefähr 192 Millionen Haushalte einen festen Telefonanschluss.
253
Diese geringe Anzahl lässt sich darauf zurückführen, dass Telefonanschlüsse in den 1970ern, 1980ern und 1990ern restriktiv verteilt wurden und der Bedarf mit der Installation nicht mithalten konnte. Mit der Möglichkeit des Mobiltelefons hat sich die Situation geändert. Im Dezember 2018 lag die Zahl der in China abgeschlossenen Mobilfunk-Verträge bei 1,57 Milliarden.
254
Die über 800 Millionen Internetnutzer Chinas waren im Jahr 2018 zu 98 Prozent mobile Internetnutzer.
255
Siehe auch
Telekommunikationsindustrie in China
und
Internet in der Volksrepublik China
Gesellschaft
Einkommen und Verteilung
Index der menschlichen Entwicklung
in China von 1970 bis 2010
Jährliches verfügbares Pro-Kopf-Einkommen 2014 je Region
Mit einem
Pro-Kopf-Einkommen
von 54 US-Dollar gehörte der Staat 1949 bei seiner Gründung zu den ärmsten Ländern der Erde. Über 80 Prozent der Bevölkerung waren besitzlose Bauern,
Tagelöhner
und
Wanderarbeiter
. Mit Beginn der Wirtschaftsreformen verbesserten sich die Lebensumstände und der Wohlstand ab den 1980er Jahren. Laut Angaben der
Weltbank
wandelte sich die Volksrepublik China innerhalb von 30 Jahren von einem Entwicklungsland, zu einem Land mit einem Einkommensniveau im oberen Mittelfeld.
256
Das
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen
zählt Volksrepublik China zu den Ländern mit hoher menschlicher Entwicklung.
Gemäß dem
World Wealth Report
stieg die Anzahl der
US-Dollar-Millionäre
in China 2019 auf 4,4 Millionen Personen an.
257
Damit gehört die Volksrepublik China hinter den USA und Japan zu den drei Ländern mit den meisten Millionären auf der Welt.
258
Gemessen an der Bevölkerungsdichte lebten 2016 in Hongkong so viele Dollar-Millionäre wie nirgends sonst auf der Welt.
259
Im Jahr 2017 hatten die Haushalte durchschnittlich Konsumausgaben von 22.902 RMB (umgerechnet knapp 3000 Euro/Stand April 2020) pro Jahr zur Verfügung. In den Städten waren es 31.032 RMB und auf dem Land 11.704 RMB.
260
Je nach Berechnungsmethode liegt der
Gini-Koeffizient
für die Einkommensungleichheit zwischen 42,2 Prozent
261
und 61 Prozent, wobei die Weltbank Werte oberhalb von 40 Prozent als bedenklich betrachtet. Im Jahre 1980 lag die Ungleichverteilung des Einkommens noch bei 32 Prozent.
262
Diese Entwicklung führt zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung und zu sozialen Protesten. Die chinesische Regierung versucht, mit sozialpolitischen Maßnahmen, wie Überwachung und Zensur, gegenzusteuern.
263
Die chinesischen
Millennials
haben hohe Erwartungen der Eltern, der Arbeitgeber und des autoritären Staates zu erfüllen. Aufgrund der Ein-Kind-Politik haben sie die eigenen Eltern im Alter zu unterstützen, arbeiten nach dem Slogan
996
– von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends an sechs Tagen in der Woche – und sollen durch
Arbeit
glücklich werden, so Xi Jinping. Das führte zu einer Bewegung namens
Flachliegen
(chinesisch: 躺平; pinyin: Tǎng píng), bei der sich Millionen Menschen zurückziehen und ihr eigenes Leben leben wollen.
264
265
Siehe auch
Armut in der Volksrepublik China
Soziale Sicherheit
Hauptartikel
Sozialversicherung (VR China)
Mittlere Lebenserwartung
266
Jahr
Lebenserwartung
(Jahre)
1950
43,8
1955
44,5
1960
44,6
1965
55,5
1970
61,7
1975
65,5
1980
67,8
1985
68,9
1990
69,7
1995
70,9
2000
73,1
2005
74,7
2010
75,7
2015
75,9
2023
267
78,6
Das System der sozialen Sicherung wird staatlicherseits durch die Grundentscheidung der Führung der KPCh beschränkt, die Volksrepublik China nicht zu einem
Wohlfahrtsstaat
werden zu lassen.
268
Xi Jinping, der Generalsekretär der KPCh, tadelte 2021 lateinamerikanische Länder dafür, dass sie sich zu Wohlfahrtsstaaten entwickeln wollen. Das werde nur „faule Menschen“ hervorbringen. Man solle den Chinesen keinen „Appetit“ auf einen Wohlfahrtsstaat machen.
269
Das soziale Sicherungsnetz besteht aus einer staatlich organisierten Sozialversicherung, welche die Risiken Krankheit, Alter, Arbeitslosigkeit, Unfall und Mutterschaft abdeckt, und der sozialen Hilfe, die
Existenzsicherung
gewährt. Zwar trat im Jahr 2011 ein
Sozialversicherungsgesetz
landesweit in Kraft, aber die konkrete Ausgestaltung der verschiedenen Sozialversicherungszweige hängt von der jeweiligen Lokalregierung ab.
270
Die staatliche Sozialversicherung sichert lediglich
Arbeitnehmer
ab. Für Kinder, Studierende, Selbständige sowie für die Landbevölkerung und generell für jeden Bürger, der kein Arbeitnehmer ist, wurde ab 2009 eine freiwillige Krankenversicherung eingeführt, bei der der Staat die Hälfte der Beiträge übernimmt und die andere Hälfte von dem jeweiligen Versicherten aufzubringen ist, der diese Versicherung freiwillig abschließen darf. Auf diese Weise will die chinesische Regierung bis 2020 die gesamte chinesische Bevölkerung in eine
Gesundheitsversorgung
integrieren.
271
272
Seit Ende der 1990er Jahre tritt das Phänomen der städtischen
Armut
in der Volksrepublik auf, so dass ein staatliches Sozialhilfesystem aufgebaut wurde. Existenzsicherung zählt zur sozialen Hilfe. Diese umfasst die
Katastrophenhilfe
, Unterstützung für Armutsgebiete und für Familien mit niedrigem Einkommen, welche vornehmlich als Unterhalt für arme und alleinstehende alte Menschen, Behinderte und Waisenkinder gewährt wird. Die Hilfen werden in Dienst-, Sach- und Geldleistungen erbracht. Leistungsvoraussetzung ist, dass sie nach dem
Subsidiaritätsprinzip
kein Recht auf Unterhaltszahlung durch Verwandte haben. Der Haushaltsvorstand einer bedürftigen Familie muss bei der entsprechenden Behörde oder dem Einwohnerkomitee den Antrag auf Mindestlebensunterhalt stellen, der von diesen bezüglich der Angaben zu seiner persönlichen Situation kontrolliert wird. Persönliche und gesellschaftliche Kontrollen sind durch das Einwohnerkomitee vorgesehen.
273
Ergebnisse in der Feldforschung zeigen, dass die Existenzsicherung dazu genutzt wird, ehemalige Häftlinge oder Andersdenkende in ihren Ansichten über den Staat zu beeinflussen.
274
Ein Entwurf zu einem Sozialhilfegesetz besteht, aber es wurde noch nicht verabschiedet.
275
Gesundheitswesen
Hauptartikel
Gesundheitssystem der VR China
und
Traditionelle chinesische Medizin
Medizinische Notfallkräfte beim Einsatz nach dem
Erdbeben in Sichuan 2008
Mobiler
Blutspendedienst
in
Shanghai
(2009)
Bei Gründung der Volksrepublik lag die Lebenserwartung bei durchschnittlich 40 Jahren. Dazu trugen mangelhafte Ernährung, kaum vorhandene medizinische Versorgung und damit verbunden die hohe Verbreitung von übertragbaren Krankheiten bei. Die durchschnittliche Lebenserwartung der chinesischen Bevölkerung stieg aufgrund der besseren Lebensverhältnisse und medizinischen Versorgung bis 2015 auf 76,34 Jahre. Übergewicht,
Atemwegserkrankungen
Krebs
Schlaganfall
Herzinfarkt
, Rauchen, ungesundes Essen tragen auch in China zu Beeinträchtigung der Gesundheit bei.
276
Tuberkulose
zählt weiter zu den bedrohlichen Infektionskrankheiten in China.
277
Die
SARS-Pandemie 2002/2003
offenbarte die Mängel im Gesundheitssystem. Die
COVID-19-Pandemie in der Volksrepublik China
hat im Dezember 2019 in der Stadt
Wuhan
ihren Ausgang genommen. Sie entwickelte sich von China zu einer weltweiten
COVID-19-Pandemie
2017 existierten landesweit rund 28.000 Krankenhäuser, etwa 4000 Kliniken für traditionelle chinesische Medizin, 37.015 Krankenstationen, 33.965 örtliche Gesundheitsstationen und 195.176 Ambulanzen.
278
Finanziert werden die Institutionen durch Beiträge der Krankenversicherung, staatliche Subventionen und den Verkauf von Medikamenten. Problematisch ist die Bereitstellung von ausreichenden Fachkräften, was teils an der Bezahlung des medizinischen Personals liegt. Dies führt zu einer geringen Qualität der medizinischen Behandlungen.
279
IT-Lösungen, wie
E-Health
-Systeme, Telegesundheit und E-Learning werden in Strategiepapieren als mögliche Lösung für größere Effizienz in den Krankenhäusern gesehen.
280
Eine zentrale Einrichtung des Gesundheitsschutzes ist das
Chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention
. Diese Einrichtung arbeitet mit ausländischen Forschungseinrichtungen zusammen.
281
Die Zentralregierung fördert seit 2016 verstärkt die traditionelle chinesische Medizin (TCM), um die Gesundheitsausgaben zu reduzieren.
276
Bildung
Hauptartikel
Schulsystem in der Volksrepublik China
Englischunterricht in einer
Mittelschule
in
Chongqing
(2015)
Chinesische Landschulbusse (2016)
Universität in
Shihezi
, Autonome Region
Xinjiang
(2012)
Das
Ministerium für Bildung
in Peking ist verantwortlich für den Bildungssektor. Die Ausgestaltung der Bildungspolitik obliegt den Provinzen und Autonomen Regionen („Kulturhoheit“).
282
Wie in vielen anderen öffentlichen Bereichen fand in der Bildungsverwaltung der Volksrepublik China eine starke
Deregulierung
statt: Kompetenzen wurden an untere Ebenen abgegeben, und diese haben die Bildungsnormen in finanzieller, personeller und inhaltlicher Hinsicht
autonom
umzusetzen.
283
Die Bildungsausgaben in der Volksrepublik China sind seit 2005 deutlich gestiegen. 2017 wurden 4,14 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes
in den Bildungsbereich investiert. Damit lag China in etwa gleichauf mit Deutschland; beide Länder investieren allerdings deutlich unter dem Jahresdurchschnitt der
OECD
von 5,3 Prozent.
282
2001 erreichte die Volksrepublik China einen
Alphabetisierungsgrad
von 98 Prozent der Bevölkerung.
284
Seit 2009 belegt China in den Top Ten der
Ergebnis-Tabellen der PISA-Studien
regelmäßig Spitzenplätze.
285
Das Schulsystem umfasst Vorschulen, Grundschulen und Sekundarschulen, die insgesamt mindestens neun und höchstens zwölf Jahre lang besucht werden, sowie Universitäten. Neben den öffentlichen Schulen ist ein umfangreiches Netz von Privatschulen entstanden. Problematisch ist, das gerade auf dem Land die Schulkinder unter Eisenmangel, parasitäre Darmwürmer leiden sowie keine Brillen haben, weshalb sie Schwierigkeiten haben zu lernen.
286
In ländlichen Regionen verfehlen 53
% der Babys und Kleinkinder den
Bayley Test
und haben damit keine adäquaten kognitiven, sprachlichen und emotionalen Fähigkeiten für ihr Alter, was ihre Lernfähigkeiten in der Schule beeinträchtigt.
287
Die Gründe liegen in einer mangelhaften Ernährung und dem Umgang der Eltern mit den Kindern, da diese weder mit den Kindern sprechen, noch sie zu Interaktion animieren.
288
Die Grundschulzeit dauert grundsätzlich sechs Jahre. Zu den Fächern gehören: Chinesisch, Mathematik, Sport, Naturwissenschaften, Musik und Kunst; ab der 3. Klasse wird Englisch erteilt. Die
Sekundarbildung
findet an allgemeinbildenden oder technischen
Mittelschulen
statt und ist aufgeteilt in drei Jahre Unterstufe und drei Jahre Oberstufe. Hier werden Chinesisch, Mathematik, eine Pflichtfremdsprache (meist Englisch), Physik, Chemie, Biologie, Technik,
IT
, Sport, Kunst, Musik,
Ethik
, Wirtschaftskunde, Geschichte und Erdkunde gelehrt.
289
Seit Anfang der 1990er Jahre als Reaktion auf das
Tian’anmen-Massaker
wird die
Patriotische Erziehungskampagne
in Schulen durchgeführt. Im Rahmen dieser Kampagne wurde die Sichtweise auf Geschichte und Kultur Chinas in eine nationalistische Richtung geändert. Die lange Geschichte Chinas und die Entstehung eines wohlhabenden, mächtigen Nationalstaats werden betont. Nationalismus wird als spirituelle Säule des kommunistischen Staates gesehen. Jede Kritik gegen die Kommunistische Partei Chinas wird folglich als Angriff auf das chinesische Volk gesehen.
290
291
Im November 2019 wurde diese Richtlinien zur nationalistischen Erziehung als Reaktion auf die Proteste in
Hongkong
erneuert, um die nationale Identität zu stärken.
292
Das
Gao Kao
bezeichnet die Abschlussprüfung im chinesischen Sekundarsystem, das ein Studium an Universitäten ermöglicht. Diese Prüfung ist die Abschlussprüfung der zwölfjährigen Schulbildung und vergleichbar mit dem Abitur in Deutschland.
293
Diese Abschlussprüfung entscheidet über den Zugang zu einer der renommierten Universitäten; viele Eltern investieren daher viel Zeit und Geld in die Bildung ihrer Kinder, damit sie diese Prüfung bestmöglich bestehen.
294
Nach der offiziellen Statistik des chinesischen Bildungsministeriums gab es 2019 in China 2.956 staatlich anerkannte Hochschulen (Universitäten und Colleges), 292 Institutionen für die Erwachsenenhochschulbildung und 813 weitere
tertiäre Bildungseinrichtungen
. 1995 verabschiedete das chinesische Ministerium für Bildung das
Projekt 211
und im Jahr 1998 das Projekt 985, bei welchem Hochschulen speziell gefördert wurden. Beide Programme wurden im September 2017 eingestellt und durch das
Doppel-Exzellenz-Programm
ersetzt, um bis Mitte des 21. Jahrhunderts das Niveau westlicher Spitzenuniversitäten zu erreichen.
282
Der Lehrkörper umfasste 2,4 Millionen Lehrkräfte, von denen die meisten eine Promotion haben. Der Frauenanteil im Lehrkörper beträgt fast 49 Prozent.
282
Grundsätzlich ist das Hochschulstudium gebührenpflichtig, wobei es mehrere Möglichkeiten von
Stipendien
, Darlehen oder – besonders für die Landbevölkerung – des Erlasses von Studiengebühren gibt.
295
2017 waren 38 Millionen Chinesen an Universitäten eingeschrieben. Knapp 8 Millionen schlossen ihr Studium mit Bachelor, Master oder PhD im Jahr 2017 ab.
282
Zum Vergleich: In Deutschland studieren knapp drei Millionen Menschen, europaweit sind es 20 Millionen. Die Volksrepublik ist in absoluten Zahlen damit die größte Hochschulnation der Welt.
296
Die Arbeitssuche nach einem Hochschulabschluss gestaltet sich zunehmend schwieriger. Daher wurde im Februar 2019 der
Plan zur Umsetzung der Reform der nationalen Fachausbildung
vom Staatsrat verabschiedet. Die Maßnahmen zielen darauf ab, berufliche Qualifikationen zu erlangen und die Kooperation mit den Unternehmen zu stärken.
297
In den letzten Jahren haben sich die Kontrollen über Universitäten und Wissenschaftler verschärft. Teilweise werden Hörsäle mit Kameras überwacht und Professoren von Studierenden denunziert, wenn sie von der Meinung der Kommunistischen Partei abweichen.
298
Wirtschaft
Hauptartikel
Wirtschaft der Volksrepublik China
Hauptsitz der
Ping An Insurance
in
Shenzhen
, die als
systemrelevante Versicherungsgesellschaft
für die
Weltwirtschaft
gilt (Stand 2017)
Shanghai Stock Exchange
, die weltweit viertgrößte
Börse
Hauptsitz der
Industrial and Commercial Bank of China
(ICBC) in Peking, nach Bilanzsumme die größte Bank der Welt
299
Im Jahr 2018 hatte der
Dienstleistungssektor
52 Prozent am Bruttoinlandsprodukt, der Industriesektor über 40 Prozent und die
Landwirtschaft
7 Prozent.
300
Von Chinas knapp 900 Millionen Arbeitskräften waren 2019 im Dienstleistungssektor 45,1 Prozent, in der Industrie 28,3 Prozent und in der Landwirtschaft 26,6 Prozent beschäftigt.
301
Mit der
Made-in-China-2025
-Strategie versucht die VR China seit dem Jahr 2015,
Schlüsselindustrien
zu fördern, um in diesen die
Weltmarktführung
zu erlangen und technologisch unabhängig vom Ausland zu werden. Die massive staatliche Förderung wurde von ausländischen Unternehmen und Staaten kritisiert; der Begriff
Made in China 2025
wird (Stand 2019) von der chinesischen Führung gemieden. Die Volksrepublik China wird seitdem vom Ausland als
systemischer Wettbewerber
gesehen.
302
Das chinesische Finanzsystem ist staatlich verwaltet.
303
Neben der
Chinesischen Volksbank
, die als Zentralbank fungiert, und dem
Finanzministerium
, die beide dem Staatsrat unterstehen, existieren sogenannte Geschäftsbanken, die die Politik der Regierung umsetzen. Die
Bank of China
gehört, neben der
ICBC
China Construction Bank
und der
Agricultural Bank of China
, zu den vier großen staatlichen Banken. Ihnen obliegt es, Kredite zu vergeben, die vornehmlich Staatsunternehmen erhalten. Außerdem existieren sogenannte Schattenbanken, die eng mit den staatlichen Banken verflochten sind. Ihre Aufgabe besteht darin, Kredite an private Unternehmer zu vergeben.
304
Aktienmärkte bestehen in
Shanghai
(die
Shanghai Stock Exchange
) und
Shenzhen
(die
Shenzhen Stock Exchange
) sowie in der Sonderverwaltungszone
Hongkong
(die
HongKong Stock Exchange
).
305
Leitindizes der Volkswirtschaft sind entsprechend
SSE Composite Index
und der
Hang Seng Index
Chinas Stärke als Produktionsstandort rührte in der Vergangenheit vor allem aus den vergleichsweise niedrigen Löhnen; ein Vorteil, der sich in den letzten Jahren aufgrund stark angestiegener
Arbeitsentgelte
verringert hat. China ist kein
Niedriglohnland
mehr. Die Stärken der chinesischen Wirtschaft liegen zwischenzeitlich im fortschrittlichen
Produktions-Know-how
sowie im
Supply-Chain-Management
306
Damit besteht die Befürchtung, dass China in der sogenannten
Middle Income Trap
hängen bleiben könnte.
302
Siehe auch
Wirtschaftsgeschichte der Volksrepublik China
Liste von Banken in China
und
Chinesisches Bankwesen
Haushaltsentwicklung
Terminal
im
Shanghai International Port
, dem
größten Container-Hafen der Welt
(2009)
Die Volksrepublik China ist hinter den USA die zweitgrößte beziehungsweise gemessen an der
Kaufkraftparität
seit 2016 die größte
Volkswirtschaft
der Welt.
307
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2019 bei 15,27
Billionen
US-Dollar. Chinas Wirtschaft wuchs 2019 offiziell gegenüber dem Vorjahr um 6,1 Prozent. Chinesische Analysten vermuten jedoch ein deutlich geringeres Wachstum.
308
Aufgrund der
COVID-19-Pandemie in der Volksrepublik China
geht Ministerpräsident Li Keqiang von einem Wachstum unter drei Prozent für das Jahr 2020 aus.
309
Die
Staatsverschuldung
in Prozent des BIP stieg 2019 in China offiziell auf 60,9 Prozent.
310
Im Ausland wird die chinesische Gesamtverschuldung von Regierung, Unternehmen und Haushalten auf knapp 243 Prozent des BIP aus dem Jahr 2017 geschätzt.
311
Die
Inflation
lag 2019 bei 2,4 Prozent.
310
Auch bei der Rohstoffförderung ist China teilweise führend. China ist z.
B. der
größte Quecksilberproduzent
Siehe auch
Liste der größten Unternehmen in der Volksrepublik China
Währungspolitik
Die Volksrepublik China strebt an, den
Renminbi
(Yuan) zur internationalen
Reservewährung
zu entwickeln. Xi Jinping forderte in der Parteizeitschrift
Qiushi
eine «starke Währung», die im Handel, bei Investitionen und auf Devisenmärkten weit verbreitet ist und Reservewährungsstatus erlangt.
312
Peking verfolgt geopolitische Ziele: Eine stärkere Rolle des Yuan soll die Verwundbarkeit gegenüber US‑Sanktionen verringern und die Dominanz des dollarbasierten Zahlungssystems mindern. Trotz Initiativen bleibt der US‑Dollar dominant; er dominiert die Rechnungslegung im Welthandel (54
%), den Devisenhandel (89
%) und macht etwa 56–57
% der Reserven aus, während der Renminbi nur 2–3
% hält.
313
Kapitalverkehrskontrollen, staatliche Eingriffe und fehlende Konvertibilität begrenzen die rasche Internationalisierung des Yuan.
314
315
Landwirtschaft
China verfügt über 10 Prozent der weltweit vorhandenen Ackerfläche und muss damit 22 Prozent der Weltbevölkerung ernähren.
316
Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in China, der im Jahr 2019 ungefähr 7 Prozent des BIP ausmachte,
317
und beschäftigt über 300 Millionen Landwirte.
318
Der Anteil der
Kleinbauern
an der Nahrungsmittelversorgung liegt bei rund 80 Prozent.
319
Die landwirtschaftlichen Betriebe sind entweder in staatlicher Hand oder es sind kleine Familienbetriebe. Experten sprechen sich für eine Umstrukturierung aus, Analysten halten es aber für unwahrscheinlich, dass die Kommunistische Partei diese zuließe.
320
China produziert hauptsächlich Reis, Weizen, Kartoffeln, Tomaten, Sorghum, Erdnüsse, Tee, Hirse, Gerste, Baumwolle, Ölsaaten, Mais und Sojabohnen. Außerdem wird Fleisch produziert, hauptsächlich Schweinefleisch. Für die Fleischproduktion benötigt China Futtermittel, besonders Sojabohnen, welche das Land importiert.
316
China war vor dem Ausbruch der
Afrikanischen Schweinepest
einer der weltweit größten Exporteure von Schweinefleisch. Seit 2018 mit dem Ausbruch in China importiert es Schweinefleisch, besonders aus Deutschland und Spanien.
321
322
Industrie
Im Rahmen der Strategie
Made in China 2025
sollen chinesischen Unternehmen, sowohl die staatlichen als auch die privaten, von den traditionellen Industriezweigen, wie z.
B. Maschinenbau oder Luftfahrt, sich mehr in Richtung neue Technologien, wie z.
B. Künstliche Intelligenz entwickeln. Mehr als 530 Industrieparks mit Smart Factoring sind entstanden.
Big Data
Cloud Computing
und Green Manufacturing stehen auf der Agenda. Die VR China möchte von der
Werkbank der Welt
zur Technologie-Weltmacht aufschließen. In einigen Bereichen, wie z.
B. bei den Elektrobatterien, besitzt die VR China seit dem Jahr 2017 einen weltweiten Marktanteil von über 50 Prozent.
302
2015 war
BYD
weltweit führend beim Verkauf von elektrisch aufladbaren Fahrzeugen,
323
Die Einführung von Zwangsquoten zur Herstellung von Elektroautos haben zu einer hohen Absatzsteigerung geführt, sodass China zum Weltmarktführer bei den Elektroautos avanciert. Ab 2019 müssen alle in- und ausländischen Autokonzerne in China einen zehnprozentigen und ab 2020 einen zwölfprozentigen Anteil ihrer Gesamtproduktion als E-Fahrzeuge herstellen.
324
In den Schlüsselindustrien, wie Telekommunikation, Schiffsbau, Luftfahrt und Hochgeschwindigkeitszügen, liegt der Anteil der Staatsunternehmen bei 83 Prozent, während es bei Automobil oder Elektronik Unternehmen nur zu 45 Prozent sind. Als innovativ gelten Privatunternehmen. Die
ZTE
Corporation und der Smartphone-Hersteller
Huawei
meldeten seit dem Jahr 2015 weltweit die meisten
Anwendungs-Patente
an. Trotzdem ist China in einigen Schlüsselindustrien abhängig vom Ausland, wie sich beispielsweise bei der Chipindustrie zeigte.
302
Im Oktober 2022 verhängte die US-Regierung Ausfuhrbeschränkungen für Hightech-Computerchips nach China. Betroffen sind auch Maschinen zur Herstellung von Spezial-Halbleitern. Damit wurde die Volksrepublik de facto zunächst abgeschnitten von der Versorgung mit hochmodernen Computer-Chips, wie sie etwa für Wissenschaft-Spitzenforschung sowie Weltraum- und Militärtechnologie benötigt werden. Die US-Regierung begründete den Schritt unter anderem mit dem Streben der chinesischen Staatsführung nach militärischer Vorherrschaft und der Verwendung von Spitzentechnologie zur Überwachung der Bevölkerung durch Chinas Führung.
325
Der Berater für Nationale Sicherheit von US-Präsident
Joe Biden
Jake Sullivan
, erklärte, es gehe darum, China technologisch auf Abstand zu halten. Im Januar 2023 wurde durch Medienberichte bekannt, dass sich auch die Regierungen Japans und der Niederlande den Halbleiter-Beschränkungen für China anschließen.
326
Start-up-Unternehmen
werden in den Bereichen Innovationindustrie und Hightech-Branche finanziell gefördert, indem sie Kredite von staatseigenen Banken erhalten. Es besteht eine hohe Risikofreudigkeit, neue Firmen zu gründen. Im Jahr 2018 betrug das Risikokapital, welches in China investiert wurde, 107 Mrd. Dollar. Insgesamt wird mehr in die Start-up-Szene investiert als beispielsweise in den USA.
327
In der Millionenmetropole
Shenzhen
befinden sich Zentren der High-Tech-Industrie, des Unternehmertums, der Innovation und der
Start-up
Szene. Die Stadt ist das weltweite Zentrum für Computerfirmen und hat sich einen Namen als
Silicon Valley
für Start-ups erworben. Zu den bekannten Start-ups von Shenzhen zählen
Huawei
Tencent
DJI (Unternehmen)
Ubtech Robotics
SenseTime
und
Ping An Insurance
. Unternehmen wie
Apple
Hewlett-Packard
IBM
Dell
Microsoft
Nintendo
Olympus
Panasonic
Pioneer
SAP
Siemens
produzieren nicht nur den größten Teil ihrer
Hardware
in Shenzhen, sondern verlagern zunehmend ihre
Software
entwicklung in die Wirtschaftsmetropole am Perlfluss-Delta.
328
329
Die Bauwirtschaft spielt eine zentrale Rolle in der chinesischen Volkswirtschaft: der Wohnungsbau hat in den vergangenen Jahren rund 10
% zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen, so viel wie in keinem anderen Land. Der Bauboom wird dadurch befeuert, dass chinesische Angestellte verpflichtet sind, in einen staatlichen Bausparfonds einzuzahlen.
330
Siehe auch
Made in China 2025
Dienstleistungssektor
Vor dem Beginn der Wirtschaftsreformen im Jahr 1978 war Chinas Dienstleistungssektor durch Staatsbetriebe, Rationierung und regulierte Preise gekennzeichnet – mit der Reform kamen private Märkte, Einzelunternehmer und ein kommerzieller Sektor. Der Groß- und Einzelhandel entwickelte sich und zahlreiche Einkaufszentren, Einzelhandelsgeschäfte, Restaurantketten und Hotels wurden in städtischen Gebieten errichtet. Außerdem ist Tourismus zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden.
331
Im Jahr 2018 lag die Zahl der Internetnutzer bei über 800 Mio. Menschen.
255
Der überwiegende Teil der chinesischen Bevölkerung kauft über
E-Commerce
ein, 40 Prozent des weltweiten Online-Handels wird in China getätigt. Konzerne wie
Baidu
Alibaba
Tencent
und
Xiaomi
zählen zu den größten Technologieunternehmen weltweit. Die hohe Akzeptanz wird durch die mobilen Bezahlsystem, wie
Alipay
oder
WeChat
Pay, erleichtert. Der sogenannte Singles' Day, der 11. November, wurde von Alibaba ins Leben gerufen und erzielt regelmäßig Rekordumsätze. Von staatlicher Seite wird E-Commerce auf dem Land gefördert, als eine Art Armutsprojekt. Sogenannte
Taobao Dörfer
produzieren für den Online-Handel. Auf diese Weise entsteht eine effektive Infrastruktur, wie z.
B. in der Logistik, und die Landbevölkerung erhält Beschäftigungsmöglichkeiten.
332
Siehe auch
Tourismus in China
Staatsfonds
Die Volksrepublik verfügt über diverse
Staatsfonds
, die über verschiedene Behörden, Banken gesteuert werden und strategische, politische ökonomische ökonomische Ziele verfolgen. Zusammen genommen wäre die Summe des Vermögens aller Fonds – der Volkswirtschaft entsprechend – die größte der Welt. Zu den Fonds gehören: die
China Investment Corporation
, das
Staatliche chinesische Devisenamt
, der
National Council for Social Security Fund
und der
China-Africa Development Fund
333
334
335
336
Außenhandel
Am 11. Dezember 2001 erfolgte die Aufnahme Chinas als 143. Mitglied in der
Welthandelsorganisation
(WTO). Der Status der Volksrepublik China als „
freie Marktwirtschaft
“ ist umstritten. Dabei wurden der Volksrepublik strenge Bedingungen auferlegt. China erhielt von der WTO die vertragliche Zusicherung, dass es spätestens nach 15 Jahren den Status einer freien Marktwirtschaft erhalten soll.
337
Vor Ablauf dieser Frist erkannten mehrere Länder, darunter Australien, Brasilien und Südafrika, das chinesische Wirtschaftssystem als freie Marktwirtschaft an. Hingegen teilten die Vereinigten Staaten Ende 2016 der WTO offiziell mit, China die Anerkennung zu verweigern, weil ohne den Marktwirtschaftsstatus Handelspartner leichter
Zölle
erheben können. So soll im Rahmen der seit November 2016 von
Donald Trump
propagierten
America First
-Politik
entschieden gegen das große
Handelsdefizit
zwischen beiden Staaten mittels der Erhebung von Zöllen auf bis zu 45 Prozent vorgegangen werden.
338
Seit dem Jahr 2018 eskaliert der
Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China
Nio ET7
in Deutschland
Während einige EU-Staaten China den Status ebenfalls verweigern, vertreten exportstarke Nationen wie Großbritannien, Deutschland oder Schweden die Ansicht, dass China nach fast zwanzig Jahren Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation der Status einer Marktwirtschaft nicht mehr vorenthalten werden könne, zumal andere Länder wie Russland oder
Saudi-Arabien
, die der WTO ebenso beigetreten sind, als „freie Marktwirtschaft“ eingestuft wurden. Allerdings hat die EU China bisher nicht als Marktwirtschaft anerkannt, weil sie dann ihre Antidumpingzölle aufheben müsste. Strittig sind staatliche chinesische Subventionen und Verletzungen geistigen Eigentums.
339
Für Deutschland veröffentlichte der
Bundesverband der Deutschen Industrie
2019 ein Positionspapier, in dem die VR China als
Partner und systemischer Wettbewerber
bezeichnet wird.
340
Laut einer 2021 vom
Institut der deutschen Wirtschaft
(IW) veröffentlichten Studie mache die VR China zur deutschen Wirtschaft auf dem europäischen Markt zunehmend auch bei anspruchsvollen Industriewaren wie Autos und modernen Maschinen Konkurrenz, wobei die chinesische Industrie laut dieser Studie von unfairen Wettbewerbsbedingungen profitiere.
341
Ein Ende 2020 fertig ausgehandeltes
Umfassendes Abkommen über Investitionen (CAI)
liegt wegen chinesischer „
Sanktionen gegen eine Reihe von EU-Abgeordneten
“ und gegen Litauen auf Eis.
342
Altersversorgung, Rentenversicherung
Bis zum Jahresende 2024 war das Renteneintrittsalter in China eines der niedrigsten der Welt. Zum 1. Januar 2025 hob die Volksrepublik China das Renteneintrittsalter für Arbeiterinnen von 50 auf 55 Jahre an, für weibliche Angestellte von 55 auf 58 Jahre; Männer müssen nicht mehr nur bis 60, sondern bis 63 Jahre arbeiten.
343
Ökologie
Smog
in Peking (2014)
Steinkohlestahlwerk in
Benxi
, Provinz
Liaoning
(2013)
Der Wirtschaftsaufschwung geht in China mit starken
Umweltproblemen
einher. Von 180 Ländern belegte die Volksrepublik 2018 im Ranking des
Environmental Performance Index
nur den 120. Platz.
344
Der „
ökologische Fußabdruck
“ Chinas hat sich seit der Mitte des letzten Jahrhunderts verdoppelt. Der hohe Energieverbrauch ruft eine hohe
Luftverschmutzung
hervor. Im Jahr 2005 überholte die Volksrepublik China erstmals die USA bei den
CO
-Emissionen
und lag 2018 mit einem Wert von 11,2 Milliarden Tonnen mit weitem Abstand an der Weltspitze. 2013 wurden in mehreren Städten Nordchinas Rekordwerte von über 800 Mikrogramm
Feinstaub
pro Kubikmeter Luft gemessen; der 30-fache Wert dessen, den die
Weltgesundheitsorganisation
für unbedenklich hält.
345
346
Infolge der starken Umweltbelastung ist vielerorts das Grundwasser verschmutzt. Durch Staudammprojekte und hohen Wasserverbrauch kommt es zu sinkenden
Grundwasserspiegeln
und dem Verschwinden von Seen.
347
Dabei nimmt die
Bodenerosion
und
Desertifikation
zu, wodurch
Bewuchs
sowie Acker- und Waldflächen verloren gehen.
348
China hat 2002 das
Kyoto-Protokoll
und 2016 das
Pariser Klimaabkommen
ratifiziert. Zwar werden einzelne chinesische Großstädte weiterhin regelmäßig von starkem
Smog
heimgesucht, jedoch geht die
Schadstoffbelastung
nachweislich zurück. Im letzten Quartal 2017 fielen laut
Greenpeace
die Verschmutzungswerte beispielsweise in Peking gegenüber dem Vorjahr um 53,8 Prozent.
349
Auf den gesamten Zeitraum von 1750 bis heute bezogen liegt der Beitrag Chinas zum
Treibhauseffekt
jedoch noch weit hinter denen der
Industriestaaten
350
Beim Pro-Kopf-Ausstoß von CO
liegt China seit 2020 vor Deutschland und der Europäischen Union.
351
Die chinesische Staatsführung hat angekündigt, den jährlichen Ausstoß von CO
ab spätestens 2030 zu reduzieren.
352
Bis 2060 soll die Volksrepublik klimaneutral sein.
353
Ein seit 2015 bestehendes reformiertes Umweltschutzgesetz erlaubt es zivilgesellschaftlichen Organisationen gegen Bauvorhaben oder sonstige ökologiegefährdende Projekte »Klage im öffentlichen Umweltinteresse«
zu erheben.
354
Forschung und Entwicklung
Wissenschaft und Technik
Tianhe-2
, in den Jahren 2013–2015 der schnellste
Supercomputer
der Welt
Der Anteil der Forschungsausgaben lag im Jahr 2017 bei 2,17 Prozent des BIP. Vor allem in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern wurde die Forschung und Internationalisierung vorangetrieben: Die meisten anerkannten Patente kamen 2016 aus China (1,2 Millionen). Im Jahr 2023 überholte China die USA im
Nature Index
, der den Anteil veröffentlichter Artikel in weltweit führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften misst.
355
Die wichtigste außeruniversitäre Forschungsinstitution ist die
Chinesische Akademie der Wissenschaften
mit 124 Forschungsinstituten.
282
Neben der Raumfahrt zählen zu den Forschungsbereichen beispielsweise
Kernfusion
356
Quantencomputer
357
oder
Geoengineering
358
Bei den Geisteswissenschaften wird besonderes Gewicht auf
Archäologie
gelegt.
359
Raumfahrt
Hauptartikel
Raumfahrt der Volksrepublik China
Eine
Changzheng 5
auf dem
Kosmodrom Wenchang
, 2017
Mit dem Start des Satelliten
Dong Fang Hong I
am 24. April 1970 begann die Präsenz der chinesischen Raumfahrt im Weltall. Das
Mondprogramm der Volksrepublik China
wurde am 24. Januar 2004 genehmigt, am 5. November 2007 trat
Chang’e 1
in den Mondorbit ein. Am 14. Dezember 2013 erfolgte mit der unbemannten Sonde
Chang’e 3
die erste Mondlandung. Am 3. Januar 2019 gelang mit
Chang’e 4
erstmals in der Geschichte der Raumfahrt eine Landung auf der Rückseite des Mondes, am 16. Dezember 2020 brachte die Rückkehrkapsel von
Chang’e 5
rund 1,7
kg Mondstaub- und Gesteinsproben zurück zur Erde. Am 14. Mai 2021 landete der Rover
Zhurong
auf dem Mars.
Am 15. Oktober 2003 gab es mit
Yang Liwei
den ersten bemannten chinesischen Raumflug, am 18. Juni 2012 nahm die Besatzung von
Shenzhou 9
Chinas erstes
Raumlabor
Tiangong 1
in Betrieb. Am 29. April 2021 begann mit dem Start des
Kernmoduls Tianhe
der Bau der ständig besetzten
Chinesischen Raumstation
, anderthalb Jahre später, am 3. November 2022, war die erste Ausbauphase abgeschlossen. Am 30. Oktober 2000 begann der Aufbau des
globalen Satellitennavigationssystems
Beidou
, der am 23. Juni 2020 abgeschlossen war.
Infrastruktur
Die Volksrepublik China hat in den 2000er Jahren massiv in die Infrastruktur des Landes investiert. Die meisten Projekte werden staatlich finanziert, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. Ferner ist der Ausbau der Infrastruktur notwendig, weil die staatlichen Vorgaben eine Urbanisierungsrate von 70 Prozent im Jahr 2030 anstreben.
360
Alle Teile Chinas mit Ausnahme bestimmter abgelegener Gebiete Tibets sind über Schiene, Straße, Wasser oder Luft erreichbar.
361
Neben den nationalen Projekten wurde im Jahr 2013 von dem Präsidenten
Xi Jinping
das internationale Infrastrukturprojekt
One Belt, One Road
initiiert, das die
Seidenstraße
wiederbeleben und sich auf weitere Kontinente ausdehnen soll.
Energie
Siehe auch
Liste von Kraftwerken in China
Mit der
wirtschaftlichen Entwicklung der VR China
hat der Engergieverbrauch zugenommen; China ist der weltweit größte Energieverbraucher. Der Bedarf wird vornehmlich durch Kohlekraftwerke bestritten. Diese verschmutzen, speziell in der kalten Jahreszeit, die Luft in Städten und Ballungsräumen erheblich, zum Beispiel
in Peking
Es gibt in China zahlreiche Kernkraftwerke (Liste
hier
).
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Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend
Für das Jahr 2020 wurde ein Energiemix angestrebt, bei dem der Energieanteil von Kohle unter 60 Prozent, der von nicht-fossilen Energieträgern über 15 Prozent und der von Gas über 10 Prozent liegen sollten.
362
2019 erzeugte China 348,1 TWh Strom aus Kernenergie, 18,1 Prozent mehr als 2018. 2019 wurden zwei neue Reaktoren in Betrieb genommen (Haiyang und Yangjiang) und 2020 ebenfalls zwei (
Tianwan
und
Taishan
).
363
Im März 2019 waren in China 46 Kernreaktoren mit einer Kapazität von 42,8 GW in Betrieb und 11 Reaktoren mit einer Kapazität von 10,8 GW im Bau.
364
2021 hatten Chinas
Windkraftanlagen
eine
installierte Leistung
von insgesamt 338,31
GW, davon 310,63
GW an Land (39,8
% der weltweiten onshore-Windkraftleistung) und 27,68
GW offshore (48,4
% der weltweiten offshore-Windleistung).
365
Gegenüber den Vorjahreswerten Chinas, 279,96
GW an Land (39
% der weltweiten Leistung) und 10,78
GW offshore (28
% der Weltleistung)
365
waren das Steigerungen um 11,0
% bzw. 157
%. China war 2021 führend beim Ausbau der Windenergie: 42
% der 2021 neu an Land installierten Anlagen wurden in China errichtet, und 80
% der neu installierten offshore-Kapazität wurden in chinesischem Seegebiet gebaut, und auch im Bestand an Windenergie war China mit deutlichem Abstand führend.
365
In den ersten beiden Quartalen 2024 wurden in China pro Woche durchschnittlich 5 GWp an Solar- und Windenergie installiert. Die Volksrepublik erreichte damit 6,5 Jahre früher ihr öffentlich bekanntgegebenes Ausbauziel für erneuerbare Energien bis 2030. Dabei nehmen hydro- und batterieelektrische Speicher den Großteil der benötigten
Speicherkraftwerke
ein.
366
China plant ein neues Thorium-Kraftwerk in der Wüste Gobi, das 2029 in Betrieb gehen soll.
367
Siehe auch
Erneuerbare Energien in China
Solarenergie in China
und
Windenergie in China
Schienenverkehr
Hauptartikel
Eisenbahnverkehr in China
Nach Gründung der Volksrepublik China war die Infrastruktur durch die Kriegsfolgen in großem Umfang zerstört. Nur langsam konnte das Schienennetz ausgebaut werden. Angesichts der weiter bestehenden großen Engpässe wird seit der Jahrtausendwende nennenswert in die Eisenbahn-Infrastruktur und in Fahrzeuge investiert. Die Eisenbahn, die das wichtigste Fernverkehrsmittel darstellt, konnte 120.970 Schienenkilometer im Jahr 2016 nutzen.
368
Zwischen 2008 und 2018 hat China mit 29.000 km Streckenlänge das weltweit größte Hochgeschwindigkeitsschienennetz errichtet. 2018 hat China für Eisenbahnprojekte 803 Milliarden RMB ausgegeben. Premierminister
Li Keqiang
verkündete im März 2019, dass weitere 800 Milliarden RMB investiert werden sollen. Die Entwicklung der Technologie von selbstfahrenden Zügen soll forciert werden. Der innerstädtische Schienenverkehr wird bei Städten mit mehr als 3 Millionen Einwohnern mit U-Bahn-Systemen oder mit Straßenbahnsystemen abgewickelt.
369
Mit dem Ausbau des Netzes steigen die Fahrgastzahlen, im Jahre 2018 wurden 3,3 Milliarden Fahrgäste befördert (9 Prozent mehr als im Jahr 2017). Die Transportleistung im Güterverkehr betrug ca. 4 Billionen Tonnenkilometer.
370
Straßenverkehr
In China bestanden im Jahr 2016 über vier Millionen Kilometer an Straßen,
371
die teilweise in einem sehr schlechten Zustand sind und seit den 1990er Jahren ausgebaut und verbessert werden. In den 1990er Jahren wurde für den Autobahnbau ein Nationalplan aufgestellt. Seither wird an dem sogenannten 7-9-18-Autobahnnetz gebaut. Bei diesem Netz gehen sieben Autobahnen strahlenförmig von Peking aus; es gibt neun Autobahnen in Nord-Süd-Richtung und 18 Autobahnen in West-Ost-Richtung.
372
Eine besondere Leistung ist der Bau der
Autobahn Peking–Lhasa
361
Im Jahr 2018 waren in China ungefähr 206 Millionen Pkws zugelassen.
373
Um die Umweltbelastung durch den Autoverkehr zu senken, fördert die chinesische Regierung die Produktion und Nutzungen von alternativ betriebenen Fahrzeugen.
374
Siehe auch
Liste chinesischer Grenzübergänge
Luftverkehr
Flughäfen in China, 2017
Terminal im
Flughafen Lhasa-Gonggar
, Tibet, 2011
Hangzhou Xiaoshan International Airport
, Provinz
Zhejiang
, 2016
Die chinesische zivile Luftfahrt wird nach Prognosen der
International Air Transport Association
spätestens 2020, gemessen nach kommerziellen
Passagierkilometern
, zum größten Markt der Welt werden.
375
Seit 2014 liegen die zehn meistgenutzten Flugstrecken der Welt in Asien. Nummer eins ist die Verbindung von Hongkong nach
Taipeh
mit jährlich mehr als fünf Millionen Reisenden, wobei ein Großteil der Festlandchinesen über Hongkong nach Taiwan fliegt. Hongkong erweist sich zudem als
Drehkreuz
für Flüge nach Singapur, Shanghai,
Seoul
Bangkok
und Peking. 2015 transportierte die zivile Luftfahrtbranche in China 436 Millionen Menschen und 85,2 Milliarden
Tonnenkilometer
376
Ende 2015 umfasste Chinas allgemeiner Luftfahrtsektor mehr als 300 Flughäfen. 46 Kilometer südlich vom Stadtzentrum Pekings wurde im September 2019 der neue
Flughafen Peking-Daxing
eröffnet. Im Jahr 2015 begannen die Arbeiten am Bau des
Nagqu Dagring Airport
, dessen Einweihung für 2019 geplant war, dessen Bauarbeiten aber aufgrund technischer Probleme vorerst eingestellt wurden.
377
In ganz China befinden sich weitere 50 Flughäfen im Bau, die spätestens 2021 fertiggestellt sein sollen. 2016 gab es in China 28 Flughäfen, die jeweils über zehn Millionen Fluggäste jährlich abfertigten. Die beiden Flughäfen in Shanghai,
Hongqiao
und
Pudong
, zusammengerechnet übertrafen bereits 2015 die Marke von 100 Millionen Passagieren. Mit über 94 Millionen Passagieren jährlich war der
Beijing Capital International Airport
2016 der Flughafen mit dem zweithöchsten Passagieraufkommen weltweit, übertroffen nur vom
Hartsfield–Jackson Atlanta International Airport
376
Der chinesische Verkehrsflugzeughersteller
Commercial Aircraft Corporation of China
(COMAC) plant als erster chinesischer Hersteller, kommerzielle Verkehrsflugzeuge im großen Stil selbst herzustellen und zu vertreiben. Die von COMAC entwickelte Maschine
C919
, ist eine direkte Herausforderung an die
Boeing 737
und den Airbus 320, bisher die meistverkauften Passagierjets der Welt. Am 3. Mai 2017 trat die Comac C919 erfolgreich ihren
Jungfernflug
an und eröffnete damit die Nachfrage des chinesischen Jumbos auf dem heimischen Markt.
376
Insgesamt gab es 2016 in der Volksrepublik China 281
Luftfahrtunternehmen
im
Personen-
oder
Frachttransport
, wovon sich 36 in staatlicher Hand befinden. 2007 wurden die staatlichen Fluggesellschaften mit Servicedienstleistern zu sechs Konglomeraten zusammengeschlossen:
Air China
Group,
China Eastern Group
China Southern Group
, TravelSky, China National Aviation Fuel Group und China Aviation Supplies Holding Company.
378
379
Große private Fluggesellschaften sind unter anderem
Cathay Pacific
Hainan Airlines
Beijing Capital Airlines
Qingdao Airlines
Juneyao Airlines
Urumqi Air
. Geöffnet wurde der Markt für private Anbieter 2005. Die Flugzeuge sämtlicher chinesischer Airlines sind größtenteils modern, die Mehrzahl nicht älter als fünf Jahre.
376
Im Zuge der
COVID-19-Pandemie
hat Chinas Staatsführung die Grenzen der Volksrepublik weitgehend geschlossen. Die Zahl der internationalen Flüge von und nach China ist seitdem um rund 95 Prozent zurückgegangen.
380
Im Winterflugplan 2022/23 waren nur 5 Prozent der internationalen Verbindungen im Vergleich zu 2019 geplant.
381
Seeverkehr
Der
Jangtsekiang
in
Nanjing
, 2007
Der Transport in China zeichnet sich durch Binnen- und Küstenschifffahrt aus. Es gibt in China 126.300 Kilometer schiffbare Flüsse und Kanäle. Die wichtigsten Transportwege sind der Jangtsekiang, der Perlfluss und der
Große Kanal
. An der 18.000 km langen Küste existieren mehr als 20 Tiefwasserhäfen, die auch im Winter eisfrei sind.
361
382
Im Jahr 2014 wurde die Hälfte der Fracht über Wasser umgeschlagen. Dabei betrug Überseefracht 60
% des Gütervolumens der gesamten chinesischen Wasserfracht. 26
% wurden über die Küstenschifffahrt und 14
% über Binnenwasserstraße transportiert. Im Jahr 2014 wurden in Binnenhäfen 3,5 Milliarden Tonnen Fracht umgeschlagen.
382
Der Entwicklungsplan für Chinas Wasserwege und Häfen für den Zeitraum von 2007 bis 2020 sieht vor, dass von 2007 bis 2010 das Transportvolumen um 40 Prozent erhöht und von 2010 bis 2020 noch einmal verdoppelt werden soll.
383
382
2017 lagen von den 20 größten Häfen der Welt nach Containerumschlag 9 in China.
384
Seit 2009 ist der Hafen von Shanghai der größte der Welt nach Güterumschlag.
385
Siehe auch
Häfen in der Volksrepublik China
Kultur
Hauptartikel
Chinesische Kultur
Der im europäischen Exil lebende Konzept-Künstler und Bildhauer Ai Weiwei (2017)
Der im australischen Exil lebende Pop-Art-Künstler Badiucao (2022)
Yu-Garten
in Shanghai, 2005
Charakterschauspieler einer
Peking-Oper
, 2014
Vor allem zeitgenössische Kultur ist von Beschränkungen und Zensur betroffen. So versuchen Chinas Staatssicherheitsbehörden, das Zeigen vermeintlich kritischer Kunst im öffentlichen Raum zu verhindern.
386
Kunstausstellungen sollen nach Ansicht von Chinas Staats- und Parteiführung überwiegend „positive Energie“ verbreiten.
387
Werke mit vermeintlich unangenehmen Inhalten sind zumindest im öffentlichen Raum nicht gewünscht. Zahlreiche kritische zeitgenössische bildende Künstler sind inhaftiert, so der für seine regimekritischen Skulpturen bekannte
Gao Zhen
388
Andere leben im Exil, so etwa
Ai Weiwei
und
Badiucao
389
Musiker und Bands in China müssen vor Aufführungen ihre geplanten Liedtexte in der Regel vorab vorlegen und genehmigen lassen.
390
Mit Mitteln der
Transnationalen Repression
übt Chinas Staats- und Parteiführung auch Druck auf im Ausland lebende kritische Künstler aus.
391
Die traditionelle chinesische Kultur ist geprägt durch den
Konfuzianismus
, den
Daoismus
und den
Buddhismus
Mehr als 30 chinesische Bauwerke zählen zum UNESCO-
Weltkulturerbe
, so etwa die
Große Mauer
, das
Mausoleum Qin Shihuangdis
mit mehr als 7000 lebensgroßen Figuren der Terrakotta-Armee und der Kaiserpalast in Peking als Teil der
Verbotenen Stadt
Siehe auch
Chinesische Kunst
Chinesische Malerei
Chinesisches Porzellan
Chinesische Lackkunst
Chinesische Tapete
Chinesische Architektur
Chinesische Gartenkunst
Chinesische Musik
Chinesische Oper
Chinesischer Tanz
Chinesisches Puppentheater
Chinesisches Schattentheater
Rockmusik in China
Chinesische Philosophie
Legalismus
Chinesische Mythologie
Chinesische Astrologie
Chinesische Küche
Chinesische Teezeremonie
Chinesische Kampfkunst
Chinesische Beamtenprüfung während der Qing-Dynastie
Goldene Woche (Volksrepublik China)
Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit
(siehe Überschrift
Volksrepublik China
Literatur
Hauptartikel
Chinesische Literatur
Ein original erhaltener „
Tausend-Zeichen-Klassiker
“ aus der
Song-Dynastie
, ein chinesisches Gedicht, das seit dem 6. Jahrhundert bis heute als Grundlage für das Unterrichten von chinesischen Schriftzeichen für Kinder verwendet wird
Buchhandlung in
Wuhan
(2009)
Die über dreitausendjährige Geschichte der chinesischen Literatur wird in ihren Höhepunkten bis zum 16. Jahrhundert überwiegend von der
Lyrik
bestimmt. Zu den Klassikern gehören unter anderem:
das
Buch der Lieder
aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., die älteste Sammlung von chinesischen Gedichten und weltweit die größte aus vorchristlicher Zeit;
die
Elegien von Chu
aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., die als das früheste vollkommene schriftliche Zeugnis der
schamanistischen Kultur
Zentralasiens
gelten;
die Werke von
Li Bai
Wang Wei
Du Fu
Bai Juyi
Han Yu
Liu Zongyuan
Li Houzhu
aus der
Tang-Dynastie
(7.–10. Jahrhundert), die in einem klaren, schlichten und allgemein verständlichen
Prosastil
(Tu-Wen) nicht selten Kritik an den herrschenden Gesellschaftszuständen enthalten;
die kunstvollen Landschaftsbeschreibungen von
Su Shi
und
Ouyang Xiu
während der
Song-Dynastie
(10.–13. Jahrhundert);
das Meisterwerk
Jin Ping Mei
, welches aufgrund seiner erotisch-pornographischen Passagen berühmt und zeitweise verboten wurde;
die
Vier klassischen Romane
aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, die als bedeutendste
Abenteuer-Epen
der chinesischen Literatur gelten und bis heute als Vorlage für Bühnenaufführungen, Comics und Filme dienen.
392
Die klassische chinesische Literatur ist eng mit der
chinesischen Kalligrafie
verbunden, die wiederum im engen Zusammenhang mit der
chinesischen Malerei
steht. Einer der berühmtesten chinesischen Kalligrafen war
Wang Xizhi
, dessen Stil aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. noch heute Grundlage des „
Schönschreibens
“ ist. Die
Erfindung des Papiers
wird dem Chinesen
Ts'ai Lun
um 105 n. Chr. zugeschrieben. Zu den „
Vier Schätzen des Gelehrtenzimmers
“ gehört das berühmteste
chinesische Papier
, das
Xuan-Papier
, welches unverändert als „König aller Papier“ bezeichnet wird und zum
immateriellen Welterbe
zählt.
393
Im Gegensatz zur Tradition, die mit dem Sturz des Kaiserreichs 1911 endet, ist die Literatur der Moderne (1912 bis 1949) und der Gegenwart (seit 1949) in China gut erforscht und vielfältig übersetzt. Über ihren Wert ist schematisch wie folgt befunden worden: So wie die klassische Literatur gehört auch diejenige der Moderne zu großen Teilen zur
Weltliteratur
. Dagegen hat es nach 1949 Einbrüche aus ideologischen Gründen gegeben, von denen sich die chinesische Literatur der Gegenwart auf dem Festland erst mit Beginn der Reformperiode (1979) langsam hat erholen können.
Eine gerechte Einschätzung der chinesischen Literatur nach 1912 ist deswegen so schwierig, weil streng gesehen zu unterscheiden wäre zwischen einer chinesischsprachigen Literatur, die weltweit verfasst, und einer Literatur, die einem politischen Staatsgebilde zugeordnet wird. Chinesische Literatur wird nämlich nicht nur in der Volksrepublik China geschrieben, sondern auch auf Taiwan, in Hongkong und Macau sowie in Übersee (Malaysia, USA etc.). Die vielfältigen heutigen Publikationsmöglichkeiten erschweren oft die eindeutige Zuordnung der Autoren zu einem Land oder Gebiet.
394
Sport
Hauptartikel
Sport in China
Die traditionellen
chinesischen Kampfkünste
sind weltweit bekannt, insbesondere die Stile des
Kung Fu
Basketball
Badminton
und
Tischtennis
sind populäre Breitensportarten.
Fußball
ist der beliebteste Zuschauersport in China.
395
Die Staats- und Parteiführung hat in den vergangenen Jahren umgerechnet viele Milliarden Euro in den Ausbau der Fußball-Infrastruktur investiert. So wurden Stadien und Fußball-Akademien gebaut, Fußballunterricht an Schulen gefördert und der Aufbau einer chinaweiten Fußball-Liga gefördert. Chinesische Profivereine investierten weitere Milliarden, unter anderem in die Verpflichtung ausländischer Fußballprofis.
396
Die fußballerische Qualität und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des chinesischen Fußballs bleiben jedoch bisher unter den gesteckten Erwartungen. So stand Chinas Fußball-Männer-Nationalmannschaft im Herbst 2025 nur auf Platz 94 der FIFA-Weltrangliste.
397
Internationale Beobachter sprechen davon, dass der staatlich verordnete Ausbau des Fußball-Sektors in China gefloppt sei.
398
Während der chinesische Fußball sich in den letzten Jahrzehnten kaum weiterentwickelt hat, hat Basketball seit dem 2000er Jahren einen enormen Popularitätsschub erfahren, vor allem seit dem Erscheinen des
NBA
-Stars
Yao Ming
, und gilt mittlerweile als beliebtester Mannschaftssport des Landes mit mehr Aktiven als Fußball.
399
400
Die NBA gilt zudem als beliebteste Sportliga in China.
401
1991
und
2007
fanden die Fußball-Weltmeisterschaften der Frauen in der Volksrepublik China statt. Chinas Hauptstadt Peking war im Jahr 2008 Austragungsort der
Sommer-Paralympics
und der
Olympischen Sommerspiele
. In der Provinz Jiangsu wurde im Dezember 2009 die
Handball-Weltmeisterschaft der Frauen 2009
ausgetragen. Die
Basketball-Weltmeisterschaft der Männer 2019
wurde in China ausgetragen. Die
II. Olympischen Jugend-Sommerspiele
fanden 2014 in
Nanjing
statt. Die
Olympischen Winterspiele 2022
wurden in Peking ausgetragen.
Special Olympics China
wurde 1985 gegründet und nahm mehrmals an
Special Olympics Weltspielen
teil.
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Politische Gliederung
Asiens
Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen:
Afghanistan
Ägypten
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China, Volksrepublik
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Turkmenistan
Usbekistan
Vereinigte Arabische Emirate
Vietnam
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Abhängige Gebiete:
Akrotiri und Dekelia
Britisches Territorium im Indischen Ozean
Hongkong
Kokosinseln
Macau
Weihnachtsinsel
Umstrittene Gebiete:
Abchasien
China, Republik (Taiwan)
Nordzypern
Palästina
Südossetien
Liegt größtenteils in
Afrika
Liegt zum Teil auch in
Ozeanien
Liegt zum Teil auch in Afrika.
Liegt zum Teil auch in
Europa
Mitgliedstaaten der
Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit
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Volksrepublik China
Indien
Iran
Kasachstan
Kirgisistan
Pakistan
Russland
Tadschikistan
Usbekistan
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Afghanistan
Mongolei
Dialogpartner:
ASEAN
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Interessierte Staaten:
Nepal
Turkmenistan
Zeittafel
der
Chinesischen Geschichte
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Xia
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Republik
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